Wie entsteht, was Ihr seht

Ein Bild sagt manchmal gar nicht mehr als Tausend Worte. Ganz speziell sagt ein Bild besonders selten etwas darüber, wie es entstanden ist. Und weil das hier ein Blog ist, sind hier einige Worte notiert, die immer  ein wenig mehr über so manche Entstehungsgeschichte der „ad rem“-Bilder verraten.

Kommentare zu den Geschichten hinter den Bildern. Gern hören wir auch Deine Meinung.

 

Entstehungsgeschichte zum Foto „Sehen mit den Händenin der „ad rem“-Ausgabe 10.2012 vom 2. Mai, Seite 3

Von Toni Klemm

Der Ablauf bei einem Fotoauftrag ist eigentlich immer derselbe: Ich bekomme eine Mail mit dem Fotoauftrag vom Textautor (falls ich das nicht selber bin) oder von Amac, mit einem kurzen Abriss der Story, der Deadline, dem Namen der Person, die fotografiert werden soll und ihre Kontaktdaten dazu. Im Idealfall sind dann ein paar Tage Zeit, um gemeinsam einen Termin und einen passenden Ort zu finden, sich zu treffen und mal mehr, mal weniger Aufnahmen zu machen: Ich erkläre der Person, was ich mir vorstelle, wie sie posen soll – Mimik und Gestik sind meistens die großen Herausforderungen – zeige ihr hinterher die Fotos und hoffe, dass er oder sie sich einigermaßen gefällt.

Jason Statham alias Frank Martin sagte schon im ersten Teil der „Transporter“-Trilogie: „Jede Regel hat eine Ausnahme.“ Meine Ausnahme erreichte mich letzten Donnerstag um 22.54 Uhr, hieß Song Yi Park, kommt aus Korea, studiert an der Dresdner Musikhochschule Klavier, und ist blind.

Studien haben gezeigt, dass der Mensch 90 Prozent aller Informationen über die Augen aufnimmt. Als wir uns am Freitag um 16.15 Uhr (dass der Termin über ihren Dolmetscher so schnell zustande kam, kann ich immer noch kaum glauben) im Foyer der Musikhochschule treffen wollten, war es also wenig hilfreich, meine Kamera mit dem großen Teleobjektiv als Erkennungszeichen in der Hand zu halten. Auch nach einer Asiatin Ausschau halten, brachte nichts, denn an der HfM gibt es viele asienstämmige Studenten. Auch eine blinde Person fiel mir nicht auf. Es dauerte ein wenig und kostete einige Anrufe, doch schließlich fanden wir uns und machten uns auf ins Probenzimmer 4.10.

Da sie mich ja nicht sehen konnte, gestaltete sich die Poserei schwierig. Außerdem hatte ich ständig das Gefühl, ich müsste irgendwelche Geräusche machen, damit sie weiß, wo im Raum ich gerade bin. Als ich schließlich ein paar Fotos im Kasten hatte, hätte ich ja gerne gewusst, wie sie sie findet und wollte ihr die Favoriten erklären. Da aber ihr Deutschverständnis nicht das Beste war und ihr Dolmetscher nicht dabei war, hatte Song Yi die Idee, eine Freundin zu holen, die ihr das Bild auf Koreanisch erklärt, das meiner Meinung nach am besten passte. Sie gab mir zu verstehen, dass sie es gut findet, und ich war zufrieden. Dieses Foto, das ihr hier (unbeschnitten) seht, wurde schließlich auch gedruckt und zeigt Song Yi, finde ich, wirklich sehr treffend.

Entstehungsgeschichte zum Foto „Mit Schach und Mathe zum Erfolgin der „ad rem“-Ausgabe 02.2012 vom 18. Januar, Seite 13

Von Toni Klemm

Ich glaube ja, Deutsche haben eine Eigenschaft, die sonst niemand hat. Wir – und da nehme ich mich keineswegs aus – haben dieses besondere Etwas, diesen Blick fürs Detail, diese besondere Auffassungsgabe, die es uns ermöglicht, Banalitäten und Nebensächlichkeiten aufzublasen und darüber zu lamentieren als wäre es der Weltuntergang höchstpersönlich. Donnerstag vor zwei Wochen war ein herrlicher Tag: viel Zeit zum Lernen für einen Sprachtest, den ich nächste Woche in Berlin absolvieren muss, und nur wenige Termine. Genauer gesagt nur zwei, die optimal am Vormittag und späten Nachmittag/Abend gelegt waren, sodass ich die Zeit dazwischen optimal in der Unibibliothek zum Lernen nutzen konnte.

Etwas nach der Deadline – wie so üblich bei den Fotos – galt es, Schachspieler und Mathematikstudent Iakov Loxine für den Keller der aktuellen Sportseite zu fotografieren. Der „Keller“ ist die interne Bezeichnung für den Artikel im unteren Teil der Zeitungsseite. Der obere wird – weil oftmals größer – „Aufmacher“ genannt. Iakov und ich verabredeten uns also für Donnerstag, 10 Uhr, im „Bürogebäude Zellescher Weg“, in bester Lage gleich gegenüber der Bibliothek. Ich bat ihn, zur Dekoration ein Schachspiel mitzubringen, und überlegte mir vorab einige Posen, in denen ich ihn ablichten konnte.

Donnerstag. Für alle Unigebäude gibt’s ein erstes Mal. Zwei Minuten nach 10 Uhr erreichte ich den verabredeten Raum im BZW und fand eine Situation vor, die ein wenig wie der Moment kurz vorm Start beim Hundertmeterlauf wirkte. Iakov saß gut gekleidet in blauem Hemd und schwarzem Anzug am Tisch. Vor ihm sauber aufgebaut war das gewünschte Schachspiel. So eine Kooperation kann man sich nur wünschen. Ich ließ ihn noch die Tischseite wechseln, baute meine Kamera zusammen und fotografierte ihn. Hochformat, Querformat, ein paar Variationen hier und da, und nach ein paar Minuten war die Sache erledigt.

Matthias, mein Sportkollege, der den Artikel zum Foto geschrieben hat, hatte mir schon mitgeteilt, dass Iakov, der ursprünglich aus Russland kommt, sehr gut deutsch kann und sogar recht gesprächig ist. Letzteres ist, das habe ich bei anderen Terminen mitbekommen, bei Schachspielern nicht selbstverständlich. Bestens im Zeitplan liegend plauderten wir noch ein wenig und ich erfuhr, dass er aus St. Petersburg kommt und vor 12 Jahren mit seiner Familie nach Deutschland kam und seitdem auch nicht wieder in Russland war.

Bisher lief alles ganz wunderbar. Doch nachdem wir uns verabschiedeten und getrennter Wege gingen, fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Diese Nachlässigkeit aber auch! Ich vermute, es lag daran, dass alles einfach zu glatt lief. Es fehlte einfach die Zeit der Vorbereitung, die Zeit des Umbauens, in der man nachdenken und die bereits gemachten Bilder nochmal reflektieren kann. Es hat ein paar Minuten gedauert, bis ich mich innerlich wieder im Griff hatte, und hätte ich nicht mein Handy zuhause liegen lassen, ich hätte ihn angerufen und gebeten, mir nochmal ein wenig Zeit zu schenken: Ich hatte doch glatt vergessen, eine Pose zu fotografieren, die ich für so passend hielt! Mist! Wie konnte ich nur!

Wie ich heute, zwei Tage nach der Veröffentlichung, erfahren konnte, wäre das aber überhaupt nicht nötig gewesen. Ich, heute immer noch in der SLUB lernend, traf Iakov beim Mittag in der Mensa und habe erfreut vernommen, dass ihm sowohl Matthias‘ Artikel als auch mein Bild bestens zusagen und er sich nochmal herzlich für das schöne Bild bedankte. Seiner Bitte, ihm das Bild zukommen zu lassen, konnte ich da natürlich nicht widersprechen.

Wie sagte der Typ aus der Fonic-Werbung immer? „Drama, Drama, Baby!“

Entstehungsgeschichte zum Foto „Für das Studium unter Tagein der „ad rem“-Ausgabe 30.2011 vom 7. Dezember, Seite 13

Von Toni Klemm

Manchmal passieren Dinge, mit denen hätte man nicht gerechnet. Oder wie es Rosenstolz in einem ihrer Songs ausdrücken: „Manchmal sind die Dinge gar nicht so wie man sich’s vorgestellt hat, sondern besser (…)“. Mein Auftrag: Den Artikel von Janine Kallenbach über Maximilian Hertrampf und Sebastian Tugendheim, zwei Bergbaustudenten aus Freiberg bebildern. Also stand eine Fahrt in die Bergstadt an.

Termine mit zwei Personen zu finden, ist immer etwas kniffliger (zumal ja auch der Fotograf noch anderweitig eingebunden ist). Nach etlichen Mails stand fest, dass der einzige verfügbare Termin, an dem sowohl Max als auch Sebastian im Bergwerk zugegen waren – und an dem auch ich Zeit hatte – ein Sonntag war, der 4. Dezember, 13 Uhr. Die Jubelrufe hielten sich zugegebenermaßen in Grenzen. Um vom zweiten Advent trotzdem noch etwas zu haben, wollte ich spätestens 15 Uhr wieder im Zug nach Dresden sitzen.

Mein Plan zerschlug sich, als ich am Bergwerk ankam: Gemütlichkeit, Händeschütteln, Sonntagstempo. Junge und alte Ehrenamtliche in Arbeitskluft, die reinkamen, sich unterhielten und wieder ihrer Wege gingen. Einen der Mitarbeiter, Frank, erkannte ich von einer Hochzeit vor zwei Monaten wieder. Er war der Schwippschwager der Braut und trug ganz traditionell ein schwarzes, sehr edles Bergmannskostüm. Wie mir Fritz, einer der älteren Kumpel, dann erklärte, war eine 50-köpfige Gesellschaft auf dem Weg und hatte den „Partyraum“ des Bergwerks, 150 Meter unter Tage, für eine Feier samt Verpflegung gemietet. Dafür brauchte er Max und Sebastian erst mal noch.

Teller, Tassen, Linseneintopf, Brot, Gehacktes, Käse, Kräuterbutter und was die rustikale Küche noch so hergibt, wurde zusammen mit dem „ad rem“-Fotografen im winzigen, uralten Förderkorb, in dem es überall tropfte, in die Tiefe geschickt und mit einer Lore durchs Bergwerk gefahren. Passieren konnte mir nichts, dank Helm, Geleucht, wasserdichter Kutte und der Heiligen Barbara. Schließlich war am 4. Dezember Barbaratag, zu Ehren der Schutzpatronin der Bergleute und Geologen. Und zu denen zählte ich mich einfach mal, „Kumpel for a day“ sozusagen. Bis alle Gäste zu Tisch saßen, waren zwei Stunden vergangen, in denen ich ein wenig die Gegend erkundete auf der Suche nach einer guten Fotolocation und von Fritz viel Interessantes über die Forschung im Bergwerk zu Erdbeben und Industriediamantenherstellung erfuhr.

Dann endlich, 15.30 Uhr, mein Auftritt! Die Lok positionieren, Max und Sebastian dazu, klick-klick, fertig. 10 Minuten. Noch ein, zwei andere Posen und Aufnahmen von einem schönen Schildchen am Fahrstuhlschacht, und fertig war der Lack. Oben angekommen und von der Gemütlichkeit angesteckt, ließ ich mir gerne von Frank noch die Aussicht vom Förderturm zeigen und mich auf einen Tee und einen Teller Linseneintopf einladen, garniert mit weiteren interessanten Geschichten aus dem Bergmannsalltag. Als Dankeschön für die herzliche Gastfreundschaft fotografierte ich ihn noch für den Foto-Kalender seiner Freundin, bevor ich mich im Dunklen auf den Weg zum Bahnhof machte und dachte, besser hätte der Tag eigentlich kaum laufen können.

Entstehungsgeschichte zum Foto „Zum Abschied ein Fass Bier“ in der „ad rem“-Ausgabe 17.2011 vom 22. Juni, Seite 3

Von Toni Klemm

Das Bild mit Katharina Zimmer und ihrem Bagel wäre ein klasse Beispiel gewesen für das Fotoseminar, das ich am 18. Juni halten durfte. Neben (hoffentlich) wertvollen Tipps zur Bildgestaltung habe ich den paar Dutzend jungen Leuten versucht zu erklären, dass ein Bild niemals “die” Wirklichkeit abbilden kann. Denn wer kann schon sagen, was “die” Wirklichkeit ist? Mit anderen Worten: Ein Bild lügt eigentlich immer.

Aber zurück zu Katharina Zimmer. Die BagelPoint-Chefin ist erstens nicht auf Arbeit. Zweitens ist sie nicht einmal in der Nähe ihres Cafés auf dem TU-Campus, sondern vor Ihrer Wohnung im Dresdner Südosten, wo ich sie drittens nicht etwa an einem sonnigen Nachmittag traf, sondern, nach einem Wochenende fernab der Elbe, mit samt Reisetasche und Seminarmaterialien am Montagabend (lange nach Redaktionsschluss, wieder mal) besuchte und fotografierte. Und viertens hätte sich an dem Bagel buchstäblich jeder die Zähne ausgebissen, denn er kam mangels Accessoires direkt aus Katharinas Tiefkühlschrank. Tja, so ist das manchmal. Man muss nur wissen, wie.

Wie es der Zufall wollte, traf ich bei einem anderen Auftrag tags darauf, am Dienstagabend, Katharina und ihren Mann gleich noch einmal, in ihrer Funktion als Caterer, und konnte mir doch noch einen von ihren herzhaften Bagels mit Blattsalat, Tomate und Mozzarella schmecken lassen. Köstlich! Und wenn sie ihren BagelPoint nicht in einer Woche schließen müsste, könnte man tatsächlich annehmen, ich würde Schleichwerbung machen.

Entstehungsgeschichte zum Titelfoto „Stille Ketten versus kalte Blockaden” in der „ad rem”-Ausgabe 04.2011 vom 2. Februar, Seite 1+3

Von Amac Garbe

Und nun zum Wetter, liebe Leser: Als ich Jens Wittig abzulichten hatte, war dies mein erster Termin der Woche. An jenem Montagmorgen war es entsetzlich kalt. Jede Bewegung tat vor Kälte weh. Immerhin, ich konnte den jungen Herrn direkt um die Ecke meiner Dresdner Dependance ablichten – mitten in der Neustadt. Bei diesen Temperaturen war mehr denn je Schnelligkeit gefragt. Ich entschied also spontan, Jens auf den Bordstein sitzend an der Ecke Görlitzer-/Sebnitzer Straße abzulichten, um die Dresdner Antinazidemobewegung am 13. Februar simpel und klar zu illustrieren.

Einige Minuten musste Jens tapfer, quasi tiefgefroren, so sitzen, während der Verkehr vorbeirauschte. Seine Hände waren dann beim Abschied rot vor Kälte. So wie fast alle Hände jener Leute, die ich an besagtem Montag für verschiedene Redaktionen abzulichten hatte. Toll war aber, dass im Lauf des Tages die Sonne ganz köstlich schien. Und so war die Kälte doch noch erträglich. So wie immer, wenn die Sonne scheint.

Herrlich, liebe Leser, nicht wahr? Diese Null-Geschichte hinter dem Foto. Donnerstag gibt’s Lesenswerteres. Hoffe ich.

Entstehungsgeschichte zum Artikelfoto „Kampf dem bösen Blut” in der „ad rem”-Ausgabe 03.2011 vom 26. Januar, Seite 2

Von Amac Garbe

Dass der Winter keineswegs mein Freund ist, dürfte ja hinlänglich bekannt sein. Für einen Fotografen, der viele Außeneinsätze zu absolvieren hat, sind die niedrigen Temperaturen und das Dauergrau schlicht nervig. Und für jeden, der wie ich ohne künstliches Licht, dafür insbesondere mit Tageslicht arbeitet, ist der Winter ganz grässlich. Wenn die Tage nicht so ungewöhnlich sonnig wie gestern und heute sind, dann ist mit der früh einsetzenden Dämmerung schon nachmittags gegen 16 Uhr Schluss mit dem neutralem Licht. Ab diesem Zeitpunkt entstehen nur noch Abend- oder Nachtbilder.

So versuche ich, alle Termine vor die Dämmerungszeit zu legen. Typischerweise wird dann dennoch montags (ich erwähnte ja vergangene Woche, dass meine meisten „ad rem”-Motive montags entstehen) oft das letzte „ad rem”-Bild des Tages eine Abendstimmung. Das ist ganz gut am Beispiel des Biotec-Teams der TU Dresden zu sehen. Die drei haben für mich am Spätnachmittag vorm Verlagshaus im leichten Graupelregenschnee für ein paar kurze Minuten posieren müssen. Danach war ich mit der „ad rem”-Bebilderung für die Ausgabe 3 fertig. Der findige Leser kann nun also – dieses Geheimnis ist jetzt verraten – in Zukunft und in den Wintermonaten gewiss immer sofort erkennen, welches mein Tagesschlussbild war (zumindest für die „ad rem”-Redaktion).

Entstehungsgeschichte zum Artikelfoto „Netz gegen das Vergessen” in der „ad rem”-Ausgabe 03.2011 vom 26. Januar, Seite 13

Von Amac Garbe

Interessant ist ja immer, wenn mir Passanten während eines Fototermins vor die Kamera springen. Sie winken, sie rufen, sie hampeln, sie juxen. Und immer, wirklich immer, wird den Damen und Herren vor meiner Kamera klargemacht, sie sollen doch mal „lächeln” oder „Cheese” sagen oder „immer recht freundlich” schauen. Auch dufte sind jene Kommentare, die beinhalten, dass da sicher gerade das nächste „Germanys Top Model” posieren würde.

Manche dieser Passanten stellen sich breit grinsend ins Bild und warten, dass ich abdrücke. Meistens ignoriere ich diese Überfälle oder kommentiere sie trocken und warte bis der Spuk vorbei ist. Manchmal laufen auch Bekannte oder Freunde vor die Linse. Das ist dann eher nett. Und mit denen schieße ich durchaus mal ein Bild. So auch geschehen, vor der Scheune in der Dresdner Neustadt, als ich Nadja Müller und Michael Keller abzulichten hatte.

Da kam tatsächlich einer jener eifrigen Leser dieser Kolumne mit seinem weiblichen Anhang zur Tür heraus, begrüßte mich und forderte, ich solle doch unbedingt mal meine Kamera in deren Richtung halten, schließlich seien sie ja wohl mein „wichtigstes Motiv des Tages”, scherzten sie. Ich unterbrach kurz das Fotografieren von Nadja und Michael und hielt auf die beiden, die am Eingang des Scheunen-Cafés standen. Danach riefen sie mir noch zu, dass sie ja jetzt mal gespannt seien auf meine kommende „Geschichte hinter dem Bild”. Nun, hier ist sie. Die Geschichte. Da der Termin an sich fix ging und auch sonst der Rest nicht der Rede wert war, gibt es nun aber leider keine packende Geschichte hinter dem Bild. Allerdings immerhin hier das Kollateralbild mit den beiden Überraschungsposierern.

Entstehungsgeschichte zu verschiedenen Fotos in den „ad rem”-Ausgaben 1+2.2011 vom 12. und 19. Januar

Von Amac Garbe

Ich habe tatsächlich Besseres, Wichtigeres und Drängenderes zu tun als diese Kolumne zu schreiben. Ja, sogar profane Tätigkeiten wie Socken sortieren und Schuhe putzen stehen bei mir auf einer deutlich höheren Prioritätsstufe. Und wer je 30 unterschiedliche schwarze Sockenpaare sortieren musste, weiß, was bei mir immer ansteht, wenn ich den Inhalt meines Koffers und meines Wäscheschemels zu Hause regelmäßig gewaschen habe. Jede Socke muss einzeln angesehen, anhand der leider oft beinahe identischen Gumminaht geprüft und sortiert werden. Es gibt wenig Schlimmeres im Alltag als zwei unterschiedlich lange Socken an den Füßen ertragen zu müssen. Dazu passt auch die Bemerkung eines guten Freundes, welche er vor vielen Jahren einmal niederschrieb: „Schlechte Tage erkennt man daran, dass einem die Socken unter die Fersen rutschen.” Ich glaube, um bei den Socken zu bleiben, dass ich mir endlich 30 Socken – es können meinetwegen auch zunächst nur halb so viele sein – desselben Fabrikats zulegen sollte. Dann habe ich auch mehr Zeit zur Verfügung – zum Beispiel für Kolumnen. Aber bis dahin wird solch ein Luxus wie diese Kolumne ganz hinten anstehen müssen.

Ich weiß, die vorangegangenen Zeilen lesen sich recht unfreundlich – und das zum neuen Jahr. Aber mein Jahr startete so voll wie das davor endete. Für die einfachsten Dinge fehlt mir oft die Zeit. Zu viele verschiedene sehr wichtige Baustellen an völlig entgegengesetzten Orten mit ganz unterschiedlichen Auftraggebern fordern meine dauernde Aufmerksamkeit. Natürlich könnte hier einer, zu Recht, einwerfen, ich könne ja auch mal einen Gang herunterschalten. Ich muss ja nicht innerhalb weniger Stunden Menschen aller Couleur – von Max Raabe bis Thilo Sarrazin – ablichten und gleichzeitig eine Ausstellung (siehe: http://www.aucherie.de) eröffnen. Ich muss ebenso nicht innerhalb eines Tages beispielsweise Aufträge in Dresden, Berlin, Hamburg und Köln (ja, das geht – meine Tage beginnen früh und enden spät) absolvieren. Auch muss ich mich nicht jeden Montag der „ad rem”-Bilderproduktion widmen (ja, die meisten „ad rem”-Bilder entstehen montags kurz vor Redaktionsschluss), zwischen all den anderen Terminlichkeiten. Ja, müssen muss ich gar nichts. Aber ich will. Deshalb hier jetzt schnell mal heruntergerattert das Erzählenswerteste zur Bilderproduktion der beiden ersten „ad rem”- Ausgaben des Jahres 2011:

Anja Böttcher (Foto siehe oben, „Frisches Leben verdrängt das Morbide”): Das fällt mir erst jetzt auf: Obwohl das Bild 2010 im sommerlichen Herbst entstand, sieht es mit dem großen Schal aus, als sei es im Winter gewesen. Durch den Fototermin mit Anja Böttcher in Leipzig lernte ich jedenfalls das sympathische Café „Mono” in der Hochschule für Grafik und Buchkunst kennen. Dort hatten wir uns verabredet. Und da sie etwas später kam, setzte ich mich, las Zeitung und trank Kaffee zu irgendeinem Gebäck, welches ich vergessen habe. Das Shooting an sich ging fix und unspektakulär über die Bühne. Das Café, diese kleine Oase in dem herrlichen Gründerzeitprachtbauten-Areal, blieb mir aber in sehr positiver Erinnerung. Schade, dass es solch eine Nettigkeit nicht auch in der Dresdner Hochschule für Bildende Künste gibt.

Sophie Püschel („Theatermädchen für alles”): Warum dieses Bild im Druck so dermaßen rot herauskam, ist mir ein Rätsel. Hier die Originalversion. Für jeden, den es interessiert: An exakt dieser Stelle im Foyer des Dresdner Schauspielhauses hatte ich vor einiger Zeit kurioserweise Sammy Deluxe abzulichten.

Familienbilder („Frische Familien fokussiert”): Über meine Serie „Familienbilder”, die Dresdner Kinder des ersten Jahrzehnts des neuen Jahrtausends in den Mittelpunkt stellt, ist ja schon einiges geschrieben worden. Was an dieser Stelle noch gesagt werden sollte: Ich habe mich bewusst gegen eine Galerie entschieden, damit die Bilder im normalen Alltagsumfeld zu sehen sind und vor allem weil ich nicht nach vier Wochen alles wieder abhängen will, da diese Serie bis zum Sommer stetig wachsen wird. Bis die ganze Wand voll ist. Es lohnt sich also, öfter mal im Au Chérie auf der Böhmischen Straße in der Dresdner Neustadt vorbeizukommen.

Petra Schwille („Abends am Klavier”): Als ich die ausgezeichnete Biophysikerin ablichten musste, wusste ich noch gar nichts über private Vorlieben, die sich irgendwie für die „Prof.Privat”-Serie fotografisch umsetzen ließen. An ihrem Arbeitsplatz im Biotechnologischen Zentrum war es natürlich unmöglich, etwas Privates einzufangen. Die grau-weißen Gänge überall wirkten naturgemäß nicht gerade heimelig. Petra Schwille hatte aber die schöne Idee, in den obersten Stock zu fahren, damit ich mir mal die Ecke anschauen kann, in der das hauseigene Klavier seinen Platz hat. Und das war perfekt. Denn, wie sie beim Aufzugfahren erzählte, spielt sie zwar oft Geige und Bratsche, ein Klavier steht bei ihr zu Hause aber auch herum, auf welchem sie immer mal gern spielt. Ich war zufrieden. Sie war zufrieden. Perfekter Schnelleinsatz eben.

Marion Fiedler („Liebe geht durch die Musik”): Bis Marion Fiedler und ich einen Fototermin finden konnten, der uns beiden passte, gingen einige sehr nette E-Mails hin und her. Im Dresdner Hotel Bülow Residenz trafen wir uns dann endlich und hatten den Zigarrensalon in Beschlag genommen. Die rot-braunen Farben passten insgesamt ganz wunderbar. Nur die Pflanzen und Aschenbecher mussten weggeräumt werden. Manchmal war die junge Sängerin abgelenkt. Sie schaute auf den großen Fernseher hinter mir. Deutschlands Schneechaos tobte da als Topnachricht über den Bildschirm. Nachdem sie stehend und sitzend all meine Anweisungen bestens befolgte, holte sie leckere Schoko-Orangen-Kekse aus ihrem großen Rucksack. Wir unterhielten uns noch ein wenig. Die passende Geschichte hinter der Geschichte ist übrigens hier zu lesen …

Entstehungsgeschichte zum Serienfoto „Guter Unigeist” in der „ad rem”-Ausgabe 33.2010 vom 15. Dezember, Seite 4

Von Amac Garbe

Ist schon ein bisschen gemein von mir, mich verspätet zu
melden, nicht wahr? Es ging nur leider nicht früher. Gegen Jahresende, kommen alle Deadlines auf einmal. Das ist in jedem Jahr so. Da kann ich nur ganz streng nach Priorität eins nach dem anderen abarbeiten. Außerdem, das muss auch erwähnt werden, hatte ich ja auch überhaupt gar keine Lust, zu schreiben. Auch jetzt habe ich eher weniger Lust auf einen Bilder-Jahresrückblick. Viel lieber würde ich gern von jedem Leser erfahren, welches denn sein Lieblingsbild von mir im Jahr 2010 war – und warum.

Ich bin gespannt, ob und wieviele sich melden werden. Hier nun noch eine Anekdote zum Foto mit Valentina Neumann in der Landes-, Staats- und Universitätsbibliothek in Dresden: Dass die Dame nett ist, wie der Autor schon im Vorfeld schwärmte, sah ich sofort. Ein bisschen verschüchtert merkte sie beim Gang durch die Bücherregale an, dass das Fotografiertwerden nicht so ihr Ding ist. Sie würde ja „sehr unfotogen“ sein. Die übliche Leier eben. Ich sagte wie immer, dass sie schon merken wird, dass dies nicht stimmt und ließ sie zwischen den bunten Büchern posieren. Sie blieb ruhig, folgte meinen Anweisungen sehr genau und wie immer waren die richtigen Motive schnell im Kasten. Ich sagte ihr, dass sie ihre Sache sehr gut gemacht hatte. Ich glaube, sie war sehr froh darüber. Beim Verabschieden sagte sie mir, dass ihr in der „ad rem“ seit langer Zeit schon meine Bilder klar auffallen. Sie meinte, die Bilder sind „nicht so 0815“ und sprechen eine „eigene Sprache“. Da fühlte ich mich geschmeichelt – zumal erst neulich im Verlag an einer Stelle behauptet wurde, der „ad rem“-Bilderlook sei nicht auffällig.

Wie dem auch sei, die Entstehungsgeschichte zu dem Interview mit Valentina Neumann, ist eine noch sehr viel schönere, lesenswerte Anekdote, die vom quirligen Autor auch schon niedergeschrieben wurde. Ich glaube, die wird hier demnächst irgendwo im Blog zu finden sein. Weil ich einige Leser eine Woche habe warten lassen und weil es ja derzeit zum guten Ton gehört, Bahnanekdoten zu erzählen, lege ich heute mal meinen persönlichen Reisetag offen.

Ich bin heute nicht als Fotograf im Einsatz, sondern reise in meiner Eigenschaft als DJ nach Schwäbisch Hall. Wer es von den Lesern hier noch nicht wusste, weiß es nun: Seit 1997 bin ich nebenher, wenn ich fotografischen Feierabend habe, auch als Techhouse-DJ unterwegs. Das Projekt heißt Techtonische Plattenverschiebung www.techtonischeplattenverschiebung.de) und seit 2003 habe ich noch einen Kompagnon, einen, wie ich immer sage, Klanggefährten, an meiner Seite. Heute Morgen kurz nach 8 Uhr jedenfalls: Start im verschneiten Dresden. Alles völlig problemlos. Der ICE fährt wie so oft in einer Garnitur ein – die 30er-Wagen sind nicht dabei. Ist mir egal. Mein Standardplatz ist ohnehin ein Sitzplatz im Wagen 24, direkt neben dem Bordrestaurant. Mein Anschlusszug in Leipzig hat 60 Minuten Verspätung. Das weiß ich schon vor meiner Abfahrt in Dresden. So kann ich gemütlich in der Leipziger DB-Lounge frühstücken. Ich bin alleine in der sehr warmen Lounge. Draußen auf den Bahnsteigen warten frierend Massen von Reisenden, die mein Privileg nicht besitzen. Fiese Zweiklassengesellschaft. Pünktlich 60 Minuten zu spät kommt der Zug eingefahren. Kurz vor Jena Paradies: Vollbremsung. Stromausfall. Links verschneite Berge. Rechts verschneite Berge. Neben mir scheint herein: die niedrige Wintersonne. Blauer Himmel überall. Minuten später wird eine Störung am Triebfahrzeug gemeldet. Nochmal zehn Minuten später: Das System fährt sich hoch. Strom ist wieder da. Die Klimaanlage läuft wieder. Dann die nächste Durchsage: „Die Störung an unserem Triebzug konnte noch nicht vollständig behoben werden, wir bitten sie noch um etwas Geduld.“ Dann irgendwann: „Die Weiterfahrt wird sich auf vorerst unbestimmte Zeit verzögern.“

Vor einigen Tagen, am zweiten Weihnachtsfeiertag, fand auf demselben Streckenabschnitt meine ursprünglich geplante Reise nach Schwäbisch Hall ihr jähes Ende vor einer Schneewehe. Immerhin war das Zugbegleiterteam äußerst kommunikativ, nett und regelrecht unterhaltsam. Ich musste wieder zurückfahren und meinen Auftritt absagen beziehungsweise verschieben. Ohne Ankündigung rollt nun der Zug wieder. Mitreisende jubeln. „Na endlich!“ Über 100 Minuten Verspätung. Es gibt, wie immer in solchen Situationen, Freigetränke im Bordrestaurant. Heute habe ich keine Lust, mich in die lange Schlange einzureihen. 110 Minuten Verspätung hatte ich in Nürnberg mit einem extra langen Aufenthalt eingeplant. Tatsächlich werden die voll ausgereizt und ich erreiche meinen Anschlusszug punktgenau, der sogar letztlich überpünktlich in Schwäbisch Hall einfährt. In der tief verschneiten Schwabenprovinz läuft also alles wie geschmiert – oder um es jahreszeitlich angemessener zu sagen: Hier läuft alles glatt. Und mit diesen Worten schließe ich für dieses Jahr die „Geschichten hinter den Bildern“. Ich wünsche allen Lesern, die mir, wie oben erwähnt, ihr Lieblingsbild des Jahres nennen, das Beste für das neue Jahr. Ja, und den anderen Lesern meinetwegen gleichfalls.

Entstehungsgeschichte zum Artikelfoto „Karikierende Kunstpropaganda” in der „ad rem”-Ausgabe 33.2010 vom 15. Dezember, Seite 4

Von Amac Garbe

Gegen Jahresende kommen sie ja unweigerlich auf einen zu – von allen Seiten: Einladungen zu Weihnachtsfeiern. Dass ich nicht so der große Freund von solcherlei Feierei bin, ist einigermaßen bekannt. Insofern war ich ursprünglich nicht ganz unfroh, dass ich heute eigentlich in München und Leipzig im Einsatz gewesen wäre und somit auch der „ad rem”-Weihnachtsfeier ohne weitere Angabe von Gründen hätte fernbleiben können. Wie immer in diesen Wintertagen, kommt jedoch so Manches anders als gedacht.

So wurde meine heutige Terminlage auf nächste Woche verschoben und ich hatte für andere Redaktionen einen sonnigen Einsatztag in Dresden. Dieser Tag gestaltete sich auch generell sonnig. Zum einen hatte ich bei einer netten Modemacherin ein kurzes Terminchen zu absolvieren, welches sich durch einen gemütlichen und optisch ansprechenden Sessel, angebotene Kekse, sowie reichlich charmante Unterhaltung zu einem sehr langen Termin auswuchs. Manchmal hat es ja tatsächlich sein Gutes, wenn Tagesplanungen kurzfristig umgeworfen werden und ich mal die eine oder andere Stunde zusätzlich zur freien Verfügung gewinnen kann. Zum anderen schleifte mich meine schreibende Kollegin, mit der ich zusammenwohne, abends zu einem hinterhältig kalten aber schön durchgeknallt amüsanten Outdoorkonzert, von dem aus ich dann tatsächlich den Weg Richtung „ad rem”-Weihnachtsfeier einschlug – natürlich mit diversen Dingen im Gepäck, die mir für das allseits und alljährlich beliebte Weihnachtsfeier-”Schrottwichteln” tauglich erschienen. Zusammen mit der verblüfften Chefredakteurin (sie wähnte mich noch in den fernen Münchnerischen oder Leipziger Gefilden) und dem sächselnden chinesischen Praktikanten (ihn gabelte ich in der Straßenbahn auf) kam ich dann zum Ort der weihnachtlichen Feierei.

Klassischerweise sind das ja die Anlässe, zu denen ausufernd alkoholisiert das anwesende Feierpersonal so richtig, wie man so schön sagt, auf die Kacke haut. Da ich mit meiner bekannten allgemeinen Alkoholignoranz (mein Nahrungskonsum beschränkte sich auf drei Tassen Tee, einem Espresso und einigen Lebkuchen) und mit meiner nicht allzu langen Anwesenheit (23:36 Uhr spurtete ich mit der Kunstressortleiterin gen Straßenbahn) ausfiel, verlief mein Abend  ziemlich uncrazy. Dafür aber unterhaltsam. Ich gewann beim Schrottwichteln ein Kinder-Memory für Spieler im Alter von 4 bis 99 Jahren, welches natürlich sofort ausprobiert werden musste (gnadenlos wurde ich vom Kinoressort abgezockt). Ich unterhielt mich ganz bestens zum Beispiel mit dem frierenden Hochkultressort an einer kochend heißen Heizung. Und ich kam mit einigen Redakteurinnen auch auf die Geschichten hinter den Bildern zu sprechen. Ich meinte, ich hätte aktuell nichts zu erzählen. Da kam der Vorschlag, ich solle doch mal über die anderen Bilder schreiben, die nicht von mir sind – quasi als Bildkritik. Das fand ich allerdings nicht so dolle. Dann kam noch der Vorschlag, ich solle doch jetzt zum Jahresende einen Bilder-Jahresrückblick schreiben. Das erschien mir für jetzt zu aufwändig – vielleicht am kommenden Dienstag, wenn mein vorerst letzter Blogeintrag für das Jahr 2010 ansteht, könnte ich diese Idee umsetzen.

Unterm Strich gibt’s heute kurz zu dem Bild mit Kurt Jentzsch eine Hintergrundstory: Mit der Autorin hatte ich im Sommer eine schnelle Umfrage umzusetzen, bei der uns Kurt Jentzsch über den Weg lief. Irgendwie kamen wir ins Gespräch und ich merkte, er als Zeichner scheint mir noch eine Extra-Geschichte wert zu sein. Deshalb wurden gleich alle Daten von ihm erfragt, was dann dazuführte, dass die Autorin nun über ihn schrieb. Das Bild dazu musste nur ganz schnell geschossen werden – wenige Stunden vor Redaktionsschluss am Montagmittag. Da ich keine Zeit hatte, woanders zu fotografieren, bestellte ich den  jungen Zeichner ins Verlagshaus, wo ich das „ad rem”-Büro mit vielen seiner  Zeichnungen umdekorieren ließ, damit ein bisschen Atelier-Atmosphäre entstehen konnte. In wenigen Minuten war das Motiv im Kasten und Kurt Jentzsch packte wieder seine vielen Utensilien (Pinsel, Mischpalette, Farben, Zeichnungen, Papiere, etc.), um von dannen zu ziehen. Nicht besonders spannend, nicht wahr? Erwähnte ich ja bereits. Na, vielleicht fällt mir am Dienstag noch eine so richtig bombige Story hinter einem Bild ein. Zu Weihnachten bin ich das den zwei, drei Lesern hier schon schuldig.

Entstehungsgeschichte zum Artikelfoto „Mit dem Einhorn in der Vorlesung” in der „ad rem”-Ausgabe 32.2010 vom 8. Dezember, Seite 5

Von Amac Garbe

Heute lese ich von vielen Verkehrsproblemen – Schnee und Eis brächten Teile des Landes zum Stillstand. Das ist schön, davon zu lesen. Denn in letzter Zeit kam es allzu oft vor, dass ich nicht nur davon las, sondern mich mittendrin befand. Da ist es heute doch ungleich schöner, aus sicherer Entfernung nur darüber lesen zu dürfen.

Winter ist, für den Fall, dass ich es hier noch nicht erwähnte, nicht meine Jahreszeit – allein schon der frühen Dämmerung gegen 15:30 Uhr wegen. So kann ich, der vom Tageslicht besonders abhängig ist, nicht gut arbeiten.

Heute aber, wieder mal in Berlin und Hamburg im Einsatz, bin ich den Umständen entsprechend zufrieden: Meine Verkehrsmittel bringen mich bisher gut voran, trotz widerwärtiger Kälte (vor allem in der Hamburger Hafencity: eisigster Wind – aber immerhin: stellenweise blauer Himmel). Und die Fototermine sind allesamt vor der Dämmerung zu absolvieren gewesen. Das bringt mich direkt zum letzten „ad rem”-Bild dieses Jahres, welches den derzeit unvorstellbaren Luxus der Kurzärmligkeit zeigt. Dieses Bild entstand während eines äußerst schnellen Termins zwischen, wie die Bilddaten mir verraten, 14:26 und 14:29 Uhr am 22. November hinter dem Verlagshaus. An dem Tag war es offenbar noch mal kurz so warm, dass Kurzärmeligkeit zumindest nicht den Tod bedeutete. Tja, diese Zeiten werden dann in ein paar Monaten wiederkommen. Hoffentlich.

Ist jetzt sehr wetterlastig geworden, der heutige Blogeintrag, nicht wahr? Liegt vielleicht daran, dass ich den Text, gerade vom letzten Tageseinsatz ins Warme gekommen, mit steif gefrorenen Fingern zu tippen versuche. Liegt aber vielleicht auch daran, dass es zu dem Bild ansonsten nichts zu sagen gibt. Die junge Buchautorin las, wie ihr geheißen, blätternd in ihrem Buch und im Nu war alles im Kasten. Da ist doch wohl so ein bisschen Wetterschelte auch mal akzeptabel, oder? Außerdem: Blogs müssen doch, auch wenn sie kaum gelesen werden, möglichst viel Alltag beinhalten. Und selbstreferenziell darf es, nein, soll es ja auch sein.

Vorhin, um noch ein bisschen weiter zu plaudern, erfuhr ich übrigens, dass ich mit meinen Porträtfotos für einen Auftraggeber, einem Ökostrom-Anbieter, indirekt am Erfolg eines der erfolgreichsten deutschen Unternehmensblogs beteiligt bin, der in den vergangenen Wochen sogar mehr gelesen wurde als der vorzeigeerfolgreiche Blog eines großen Automobilherstellers. Ist auch mal ne nette Nachricht. In diesem Sinne: Bis Donnerstag.

Entstehungsgeschichte zum Artikelfoto „Viel zu kurz und dennoch ganz weit oben” in der „ad rem”-Ausgabe 32.2010 vom 8. Dezember, Seite 13

Von Amac Garbe

Ich bin ja mit meinem Sohn oft bei Vapiano Pizza essen. In den gemütlichen Sesseln können wir prima Zeit verbringen. Dort fiel mir neulich ein schönes Zitat von Kochlegende Paul Bocuse auf, welches mit Kreide auf einer der Dekotafeln geschrieben stand:

„Wenn ein Architekt einen Fehler macht, lässt er Efeu darüber wachsen. Wenn ein Arzt einen Fehler macht, lässt er Erde darauf schütten. Und wenn ein Koch einen Fehler macht, gießt er ein wenig Sauce darüber und sagt, dies sei ein neues Rezept.”

Das ist eine passende Beschreibung dessen, was auch mein Alltag ist. Dauernd müssen Unabwägbarkeiten, Unpässlichkeiten, Ungenauigkeiten und Unglaublichkeiten so umschifft werden, dass jedes Mal ein neues, frisches Bild herauskommt – was nicht der Erfindung des Rades gleichkommen muss, aber immerhin unterm Strich einen eigenen Stil haben sollte. Besonders kritisch wird es, wenn ich die Person, die zu fotografieren ist, vor Redaktionsschluss gar nicht mehr ablichten kann. Da ist schnelles Krisenmanagement gefragt, um die Bebilderung der Story noch zu gewährleisten.

Eben wie bei der „ad rem”-Story über das studierende Model Luise Henzel. Als ich mit ihr einen Termin ausmachen wollte, war sie schon auf dem Sprung Richtung Barcelona. Nicht einmal mehr ein paar Minuten konnte sie sich Zeit für mich nehmen. Dafür mailte sie Making-of-Bilder eines ihrer Shootings, die aber nicht so zum „ad rem”-Look passten. Weil ich ja in dieser Redaktion angehalten bin, möglichst alle Beiträge zu bebildern, musste ich mit dem vorhandenen Material etwas anfangen. Ich ließ die Bilder ausdrucken, schnitt sie aus, legte sie zu einem Bilderhaufen zusammen und setzte die Chefredakteurin davor, der ich dann beim Betrachten der Bilder fotografisch über die Schulter schaute.

Atmosphärisch konnte so einer der typischen Momente – die Durchsicht des Fotomaterials – festgehalten werden, die sich bei Modelagenturen abspielen, wenn sich Models bewerben. Das Rezept, äh, die Story war somit also bildlich mit einer Eigenkreation gerettet.

Entstehungsgeschichte zum Artikelfoto „Auf der Spur klassischer Außenseiter” in der „ad rem”-Ausgabe 31.2010 vom 1. Dezember, Seite 12

Von Amac Garbe

Sonntagmittag. Der erste Schnee liegt. Die Sonne scheint. Touristen strömen. Punkt 14 Uhr stehe ich am vereinbarten Treffpunkt. Von den beiden jungen Damen, mit denen ich verabredet bin, fehlt noch jede Spur.

14:01 Uhr beginne ich langsam ungeduldig zu werden. Ich werde doch nicht wieder versetzt? Bei den jungen Leuten weiß man ja nie so genau. 14:02 Uhr will ich einen Funkspruch ablassen, um zu sagen, ob denn mein Standort vor dem Dresdner Zwinger-Kronentor überhaupt korrekt sei, denn ich fange an zu zweifeln. 14:03 Uhr bekomme ich ganz schlechte Laune. Denn nach fiebrigem Suchen im mobiltelefonischen Terminplaner kann ich nirgends eine Telefonnummer finden. Ich Idiot. Ich Volldepp. Ich Hornochse. Ich notiere mir doch eigentlich immer eine Mobilnummer. Eigentlich. 14:05: Ich versuche mich über die Sonne zu freuen, die die Kälte erträglicher macht und gehe in Gedanken schon zum nächsten Termin. 14:06 Uhr sehe ich die beiden von Ferne. Gut. Alles gut. Ich bin nicht umsonst hier. Ich bin den beiden auch schon längst nicht mehr böse. War es ohnehin nie – nur über mich ärgere ich mich, meine Regel Nummer eins („Notiere dir immer eine korrekte Telefonnummer”) missachtet zu haben.

Wir laufen zu Robert Schumanns Steinantlitz hinter der Dresdner Semperoper, ein schnelles Posieren mit und ohne wärmende aber unfotogene Winterjacken folgt. Nach zehn Minuten ist alles wieder vorbei. Ein schneller Termin im warmen Sonnenlicht zwischen unzähligen Touristen, die ganz auf die barocken Gebäude fixiert sind und beim Anblick der beiden vor der schnöden Statue mitleidig meinen, es sei aber kein schönes Motiv. In der Tat ist das Bild kein Ausbund an Originalität. Der Look stimmt aber. Und darum geht es bei „ad rem” vor allem.

Übrigens: Immer wieder kommt es ja vor, dass ich Leute vor der Kamera habe, die ich schon mehrfach vor der Kamera hatte – damit sind keine Personen des öffentlichen Lebens oder sonstige Wiederholungsaufträge gemeint, sondern normale Leute, die sich für irgendwas engagieren und sonst nicht sonderlich in der Öffentlichkeit stehen. Meistens ist es so, dass diese Engagierten eben vielseitig aktiv sind und deshalb immer wieder in den Fokus der Berichterstattung verschiedener Medien geraten. So war das eben auch mit Sara Kumbarji. Sie hatte ich Anfang des Jahres zum Thema „Lieblingsorte zum Lernen” für ein Magazin auf ihrem Sofa mit ihrem Hund abzulichten. Bleiben wir gespannt, wo ich sie das nächste Mal in Szene setzen muss.

Entstehungsgeschichte zum Artikelfoto „Gute Unigeister” in der „ad rem”-Ausgabe 31.2010 vom 1. Dezember, Seite 3

Von Amac Garbe

Manchmal gibt es ja nichts zu erzählen. Und da sollte auch nichts erzählt werden. Manchmal gäbe es durchaus etwas zu erzählen. Aber: Es besteht große Erzählunlust. Dann sollte ganz ebenso nichts erzählt werden. Schweigen ist manchmal gar nicht so schlecht. Ganz genau danach ist mir jetzt. Ich bin müde, ich musste mich heute den ganzen Tag mit der Winter-Witterung duellieren – und verlor jedes einzelne Mal.

Terminlichkeiten in jeweils allerhand hundert Kilometern Entfernung mussten aufgrund chaotischster Verkehrslagen gestrichen und verlegt werden, neue mussten ausgemacht und umgesetzt werden. Ja, unterm Strich ist der eigentlich verlorene Tag doch wieder randvoll mit Erledigtem gefüllt und am Ende.

Meine Lust, eine „ad rem”-Anekdote zum Besten zu geben, ist also gehörig gering. Deswegen nur ganz kurz: Als ich den Termin mit Martina Drieschner, der Schneiderin vom Kostümfundus der Paluccaschule in Dresden ausmachen wollte, wurde mir von der Pressestelle ein passender Tag genannt, mit dem Hinweis, ich möge zwischen 8:45 Uhr und 16 Uhr einfach vorbei kommen. Da ahnte ich schon, dass ich 16 Uhr anpeilen werden würde. Mein Tag war einfach schon zu voll.

So kam ich kurz vor 16 Uhr zur Pforte der Tanzschule, wo ich mit den Worten empfangen wurde: „Oh, sie sind der Fotograf? Wir dachten schon, sie würden heute nicht mehr kommen.” Schnell wurde die Schneiderin herbeitelefoniert, so dass wir rasch in ihr Kellerreich hinabsteigen konnten. Ein Motiv am Schneidertisch, ein Motiv – nach einigem Hin- und Hergeschiebe – zwischen all den vielen Kleiderstangen mit all den bunten Kleidchen und schon war es das gewesen. Die Schneiderin hat in ihrer netten Art geduldig alles exakt so mitgemacht, dass wirklich wenig Zeit vergehen musste, bis alles im Kasten war. Sie erwähnte zum Schluss, dass sie sich sehr auf die Veröffentlichung freuen würde – da läge sie dann demnächst auch mal auf der Bank in einem der Schulgänge, auf der die „ad rem” stets ausliegt. Zehn Minuten später war ich wieder draußen auf der Straße.

Dafür, dass ich nichts erzählen wollte, erzählte ich nun ja doch wieder viel….

Entstehungsgeschichte zum Artikelfoto „Frustrierender Hörsaalverfall” in der „ad rem”-Ausgabe 30.2010 vom 24. November, Seite 1

Von Amac Garbe

Schlechte Tage sind ja daran zu erkennen, sagte einmal ein guter Freund, dass einem die Socken unter die Fersen rutschen. Mir rutschen heute zwar nicht die Socken, dafür aber habe ich mein tragbares MP3-Musikabspielgerät vergessen. Ich habe also einen Einsatztag in Berlin und Hannover ohne mobile Musik zu überleben. Wer mich kennt, weiß um die Tragik.

Diese tagesaktuelle Information aber nur am Rande. Von rutschenden Socken/Strümpfen/Strumpfhosen und vergessenen Pods/Phones/Pads einmal abgesehen, sind schlechte Tage auch daran zu erkennen, dass sie gleich mal mit geplatzten Terminen beginnen.

An einem Sonntagvormittag – ich war mit einer bayerischen Hörfunk-Kollegin unterwegs, die Dresden bis dahin noch nie besucht hatte – stand ich termingerecht vor den Toren des Dresdner Kinos im Kasten. Wer nicht da war, war Ralph Borowski, mit dem ich verabredet war. Erst am Vortag hatten wir miteinander gesprochen. Nun war, 15 Minuten später, an ein gemeinsames Sprechen nicht zu denken. Seine Mailbox war immerhin so freundlich und übernahm das Sprechen, bzw. die Sprachaufnahme. Mehr aber tat sich nicht. Ich hätte es mir denken können – nein: müssen. Beim letzten Termin im Frühling kam er auch gehörig zu spät. Er kam so spät, dass ich im Kinosaal meinen Rechner aufklappte und mir einen Arbeitsplatz einrichtete bis er kam, noch mit duschnassen Haaren. Damals war er wenigstens erreichbar. An jenem Sonntagvormittag jedoch schien er noch ganz herrlich vom Duschen zu träumen. Was ziemlich schlecht war. Schließlich handelte es sich eigentlich um den Shootingtermin für das Aufmachermotiv der kommenden „ad rem”-Titelseite. Unverrichteter Dinge zog ich nach 20 Minuten Warterei mit meiner Rundfunkbegleiterin weiter, zeigte Dresden von seiner sonnigsten Seite und beschloss, für die Titelstory ein Bild aus meinem Archiv herauszuzaubern.

Viele Stunden später ratterte dann doch tatsächlich noch eine SMS von Ralph Borowski herein, in der er sich für den verschlafenen Termin entschuldigte. Ich antwortete nicht darauf. Verschwender meiner Zeit haben bei mir selten gute Karten – es sei denn, es kommen wirklich lesens- und sehenswerte Geschichten dabei heraus, wie neulich, als ich mit einer jungen Kollegin für eine andere Redaktion sagenhafte sechs Stunden auf einem Termin war, der unter normalen Arbeitsalltagsstress-Umständen maximal eine Stunde gedauert hätte.

Eine lange Dienstreisenwoche nach dem geplatzten Sonntagstermin fischte ich jedenfalls aus meinem Postfach unter anderem einen Briefumschlag heraus, der mit Dreierlei gefüllt war: 1. Ein kurzes, wirklich nettes Entschuldigungsschreiben von Ralph Borowski. 2. Ein Kinogutschein für die Dresdner Schauburg und das Kino in der Fabrik. 3. Noch ein ebensolcher Kinogutschein. Ich fühlte mich plötzlich so streng, weil ich auf seine SMS nicht antwortete – wer mich kennt, weiß, dass ich normalerweise immer antworte.

Naja. Dankeschön an dieser Stelle. Und: Ich bin sehr gespannt auf unseren nächsten Termin, Ralph.

Entstehungsgeschichte zum Artikelfoto „Karriere trotz Studium” in der „ad rem”-Ausgabe 30.2010 vom 24. November, Seite 5

Von Amac Garbe

Mit einer guten Kollegin aus einer anderen Redaktion, kam ich nach einem gemeinsamen Termin-Einsatz auf ein in der Dresdner Neustadt neu eröffnetes England-Café zu sprechen, welches wir unbedingt mal kurz anzuschauen wünschten. Da es praktischerweise um die Ecke gelegen war, taten wir das auch umgehend. Der Besuch lohnte sich. Sofas, Sessel, Tische, Stühle, Regale, Lampen und Bilder ergaben ein köstliches Gesamtbild eines gemütlichen Cafés ganz im Zeichen Klischee-Englands.

Was mir auch gefiel, war die hübsche Kinderecke mit Malsachen im Überfluss und dem kleinen Mobiliar, auf welchem ich natürlich sofort direkt zur Probe saß. Beim Plaudern mit der Café-Chefin erfuhren wir unter anderem, dass sie alles frisch backt – zum Beispiel auch die Scones, von denen meine Kollegin gleich zwei fürs Büro kaufte.

Wir bedauerten, dass das Café bereits von anderen Kollegen vorgestellt wurde und zogen wieder von dannen. Am selben Tag, abends, sah ich auf meinem „ad rem”-Dienstplan, dass eine Autorin eben jenes England-Café zu porträtieren hatte und ich möglichst rasch den passenden Fototermin ausmachen musste. Welch netter Zufall. Ich rief also die Café-Chefin an. Nicht nur durch unsere vormittägliche Begegnung hatte ich bei ihr offensichtlich ein Stein im Brett sondern auch aufgrund der Tatsache, dass sie in ihren Studientagen die „ad rem” gern las. Eben auch, weil ihr meine Bilder gefielen. Der auffällige Fotolook kam bei ihr positiv an. Umso mehr freute sie sich darüber, von mir abgelichtet zu werden. Da fühlte ich mich selbstverständlich gebauchpinselt.

Eine Woche später schaute ich dann bei ihr vorbei und alles lief wie am Schnürchen. Ich glaube, sie war ein wenig überrascht, wie penibel ich auf alle Details acht gab, sie meinte auch, dass sie nun wisse, weshalb meine Bilder so aussehen, wie sie eben aussehen. Ich war ja eine Stunde vor Öffnungszeit da, sodass wir uns noch ein wenig bei Tee und Kuchen unterhalten konnten, zusammen mit einer Freundin aus München, die ich an den Tagen überall an meiner Seite hatte. So gemütlich können nämlich Termine auch sein.

Entstehungsgeschichten zu verschiedenen Artikelillustrationen in der „ad rem”-Ausgabe 29.2010 vom 18. November

Von Amac Garbe

Während meiner Anreise zu meinen heutigen Terminen zwischen Berlin und Hamburg blättere ich schnell mal die Online-Ausgabe der „ad rem” von hinten nach vorn durch, um – einen Tag verspätet – schnell noch nach Geschichten hinter den Bildern zu suchen.

Da sehe ich zum Beispiel die Bilder zur Nudelreportage („An das Nudelholz und los!”). In der Alten Mensa der TU Dresden wurde den Nudelmachern über die Schulter geschaut. Was gäbe es dazu schon zu berichten? Außer, dass sich unter der Alten Mensa ein unerwartet riesiges Labyrinth aus Gängen, Räumen, Küchen, Kammern erstreckt, erscheint mir bei diesem Einsatz nichts weiter berichtenswert. Naja, und dass ich, komplett in einem Plastikoverall eingepackt, mit meiner Kamera fast als Gehilfe der Lebensmittelkontrolle durchgehen hätte können, die parallel zu mir routinemäßig ebenso in der Mensa anwesend war.

So, was haben wir noch?

Die beiden Studentinnen Elise Schobeß und Lena Engemann („Theater hinter Gittern”) von den Theatertagen „Land in Sicht” zum Beispiel, lernten sich erst bei mir vor der Kamera kennen, fanden aber heraus, dass sie sich über diverse Wege durch Freunde in ihren WG’s doch schon kannten.

Pete Welchman („Vom Stehtisch in der Suppenbar”), der nette englische Songwriter, saß vor einigen Wochen zum Frühstück bei mir am Küchentisch, bevor ich ihn in einem Hinterhof – als der Herbst noch mit buntem Laub anständig farbigen Hintergrund beisteuerte – für sein Konzert-Plakat und für die „ad rem” ablichtete. Es wird immer wieder mal kolportiert, wir sähen uns ähnlich. Außer, dass wir dunkle, angegraute Haare und dunkle Brillen besitzen, würde ich das eigentlich nicht unbedingt bestätigen.

Dann sehe ich das Motiv mit Jacob Schrot („Zeit für Stimmenabgaben”), zu dem es nur zu sagen gibt, dass er zwar geduldig alles vor meiner Kamera mitmachte und auch sonst nett wirkte wie schon Anfang des Jahres, als ich ihn zum ersten Mal abzulichten hatte. In Erinnerung blieb mir allerdings, dass er sich vor einem dreiviertel Jahr in seinem Interview klar für Atomstrom aussprach. Dafür habe ich gar kein Verständnis. Erst recht nicht bei so jungen Leuten.

Und nun zum letzten Bild: Das UNO-Wasserglas („Weltwasserforschung in Dresden”) auf der Titelseite war keine Sensation, lange nach Redaktionsschluss, am Montagabend, jedoch die einzig schnell umsetzbare, halbwegs originelle Bildvariante, um die Nachricht zur kommenden UNO-Uni, die sich mit Wasserforschung befasst, zu bebildern. Die Chefredakteurin hatte hierfür auch schon vorbildlich ein UNO-Flaggenbastelset aus Schaschlikspießen, Ausdrucken, Klebeband und Schere bereitgestellt….

Entstehungsgeschichte zum Artikelfoto „Wissenschaftlich Wettstreiten” in der „ad rem”-Ausgabe 29.2010 vom 18. November, Seite 3

Von Amac Garbe

Wieder stand ein Termin im Dresdner Max Planck Institut für molekulare Zellbiologie an. Wieder musste etwas einigermaßen Lustiges illustrativ umgesetzt werden.

Wieder half mir mein guter Freund, der dort für die Presse zuständig ist. Und wieder musste ein Bild im Laborumfeld umgesetzt werden. Diesmal mit Postdoc Till Korten, der szenisch einen Nanomotor mimen sollte – für die Vorberichterstattung zum „Science Slam” (bei dem es sinnigerweise die „Goldene Kopfnuss” zu gewinnen gibt, hahaha!).

Zunächst hatten wir die Idee, Till Korten mit einem aufgeblasenen Laborhandschuh auf dem Kopf posieren zu lassen. Das scheiterte dann jedoch kläglich. Till hatte sich zwar redlich bemüht, einen nach dem anderen auf den Kopf zu quetschen, was aber immer mit der Totalzerstörung des Handschuhs und schlimmen Schweißausbrüchen endete. Das theatralische Schleppen des Gymnastikballs tat es dann letztlich auch. Und war ebenso schweißtreibend. So anstrengend kann Forschen sein.

Entstehungsgeschichte zum Artikelfoto „Aus Freude am Redesport“ in der „ad rem”-Ausgabe 28.2010 vom 10. November, Seite 5

Von Amac Garbe

Was ja mal, heute mache ich es kurz, angemerkt sein muss, ist dies: So ausgesprochen nett wie Katharina Wagner, die Präsidentin des Dresdner Debattierclubs, zu mir war, so schlimm war dann leider das veröffentlichte Motiv. Und dabei ist es in Wahrheit weder so schlimm rötlich-dunkel, noch so derartig ungut angeschnitten. Da spielte eben das wunderbar zusammen, was Fotografen am meisten fürchten: Grobes Layout und mieser Druck.

Deshalb hier noch mal das Originalbild, welches der Situation und vor allem der charmanten Dame, die ich schon im vergangenen Herbst vor der Kamera stehen hatte, gerecht wird.

Entstehungsgeschichte zum Artikelfoto „Der Tanz mit dem Tod“ in der „ad rem”-Ausgabe 28.2010 vom 10. November, Seite 11

Von Amac Garbe

Feuer! Überall war Feuer! Es fackelte und brodelte aufs Infernalischste. Die Luft war ebenso heiß wie stechend. Überall Tote und Verletzte….

Ich hörte heute am Frühstückstisch, dass meine Anekdoten hier von zwei Damen nur dann gelesen werden, wenn meine Einstiege plakativer seien. Nun ja, der heutige Einstieg hat zwar nichts mit der aktuellen Geschichte hinter dem Bild zu tun, ich habe jedoch zwei Leserinnen hinzugewonnen. Immerhin.

Bei der Entstehung des Bildes mit der jungen Tänzerin Seraphina Detscher hatte die Feuerwehr in Wirklichkeit nur eine äußerst marginale Rolle inne. Es war nämlich einigermaßen schrecklich, als ich vor dem Kleinen Haus in Dresden wartend stehen musste – ich war tatsächlich eine viertel Stunde zu früh. Mein vorheriger Termin für eine andere Redaktion ging so schnell über die Bühne, dass mich meine Kollegin schon viel früher als gedacht absetzte. (Ich hatte ja bereits an anderer Stelle mein Fortbewegungsverhalten kommentiert – entsprechend bin ich immer wieder mal gemeinsam mit den motorisierten Autoren unterwegs. Manchmal kommt es aber vor, dass die Autoren ebenso kein Auto besitzen. Da sind es oft die Interviewpartner, die einen durch die Landschaft kutschieren. Vor ein paar Tagen erst begab es sich sogar, dass ich eine von gleich drei Pressepersonen war, die keinen Führerschein hatte. So wurden wir von dem zu porträtierenden Mann zu dritt überall hingefahren. Das war aber eine echte Ausnahme während des Ausnahmezustands im Ausnahmeort Gorleben und sowieso für eine völlig andere Redaktion.)

Ich stand also in der dämmerigen Kälte, wählte die Nummer der Tänzerin in der Hoffnung, sie möge doch eventuell schon früher kommen können. Das scheiterte jedoch im Ansatz – ich hatte offenkundig die verkehrte Nummer notiert. Ein Anruf bei der „ad rem”-Chefredakteurin brachte Klarheit sowie die korrekte Nummer. Ich frohlockte, ich freute mich auf das Plus von 15 Minuten mehr auf meinem Tageszeitplan. Was die Tänzerin am anderen Leitungsende allerdings gleich zunichte machte. Sie würde gar noch später kommen.

Ich bekam nun also 20 Minuten Zeit geschenkt, mit denen ich nichts so richtig anfangen konnte. Die mitten auf der Straße geparkten Feuerwehrfahrzeuge und die dazwischen umherhuschenden Polizisten schienen mir auch nicht weiter beobachtenswert. Es war nicht ersichtlich, was da eigentlich vor sich ging.

Ich setzte mich letztlich auf die warme Heizung im Foyer des Kleinen Hauses bis Seraphina Detscher endlich kam. Auf der Straße ließ ich sie schnell ihren Mantel ausziehen, stellte sie vor diverse Fenster, sie schaute nach links, nach rechts, nach oben (sie gehört auch zu den Personen, denen man wenig Anweisungen geben muss, um ein anständiges Resultat zu bekommen), fertig war das Porträt im Lichte des frühen Abends. Und die Feuerwehr war in der Zwischenzeit auch abgefahren.

Entstehungsgeschichte zum Artikelfoto „Kriterien gegen das Kaffeekochen“ in der „ad rem”-Ausgabe 27.2010 vom 3. November, Karriere Spezial, Seite IV

Von Amac Garbe

Was ist eigentlich zu tun, wenn die abzulichtende Person kurz vor dem Fototermin einen Schwächeanfall erleidet und das Bild dennoch geschossen werden muss aufgrund des unverschiebbaren Redaktionsschlusses?

Ganz einfach: Die Person flink und ruhig ablichten. Eigentlich wie immer eben. So tapfer wie äußerst nett empfing mich Nicole Groß vom Dresdner Studentenrat auf den Treppenstufen vor der Stura-Baracke sitzend mit der Entschuldigung, dass es ihr zwar nicht gut ginge, aber dennoch für mich posieren würde – allerdings nur im Sitzen.

Das tat sie dann auch ganz hervorragend, was wirklich alle Ehren wert war. Nicht jeder zeigt einen solchen Einsatz. Ihre unterstützenden Begleiter halfen zudem tatkräftig mit, um beispielsweise störende Fahrräder im Hintergrund beiseite zu stellen. Sechs Minuten später war ich fertig und schon auf dem Weg zum nächsten Termin.

Ich hoffe, der tapferen Dame geht es wieder besser.

Entstehungsgeschichte zum Artikelfoto „Elektronisches fürs Talvolk“ in der „ad rem”-Ausgabe 27.2010 vom 3. November, Seite 10

Von Amac Garbe

Mit einiger dienstlich bedingter Verspätung (meine Einsatztage sind derzeit besonders lang, beginnen besonders früh und verlaufen besonders unvorhersehbar) bin ich nun wieder auf dem Posten, um schnell mal meine von manchen Leuten schon so sehnsüchtig erwartete Geschichte hinter den Bildern zu liefern. Los geht’s!

Was eigentlich ist zu tun, wenn sich interviewte Künstler nicht ablichten lassen wollen? Ganz klar: Entweder wird die Story ersatzlos gestrichen, wer nicht will, hat schon. Oder es muss illustrierendes Bildmaterial produziert werden. Aber das passiert nur in Ausnahmefällen. Fremde PR-Bilder sind in der „ad rem”-Redaktion ja generell nicht gewollt. Deshalb ist es manchmal durchaus knifflig für mich, etwas Passendes umzusetzen. Wie bei der Subkult-Vorstellung des „Uncanny Valley”-Labels. Die zuständige Autorin hatte von den Labelmachern eine deutliche Fotoabsage bekommen. Aus welchen Gründen auch immer wollten die Interviewten nicht vor meine Kamera treten, sodass zunächst überlegt werden musste, ob das Thema ganz sein gelassen werden soll. Schließlich muss nicht über jede unkooperative Künstlerformation berichtet werden. Ich hatte allerdings Lust darauf, das Illustrationsbild so zu gestalten, wie ich in meiner bisherigen Arbeitslaufbahn noch nie eines gestaltete.

Ich hatte schon das Bild vor Augen: Playmobilfiguren mit Miniatur-Covern der ersten „Uncanny Valley” EP in den Händen. Ich fand, das passt zum einprägsamen Comic-Cover. Plastikspielzeug ersetzt Mensch – die Zeit war also reif, nach über zehn Jahren in meinem Beruf tief in die Spielzeugkiste zu greifen. Das geschah bei guten Freunden von mir (aufmerksame Leser erinnern sich: deren Sohn lichtete ich vor einigen Monaten in einem Labor ab). In ihrer großen Playmobilkiste kramte ich passende Figuren heraus und stellte sie auf dem Balkon in typischer Gruppenformation auf. Zuvor hatte ich bereits kleine „Uncanny Valley”-Cover ausdrucken lassen, zog sie auf Pappe, schnitt sie zurecht, schob sie in die Plastikhände, fixierte sie mit Papierschnipseln. Licht und Standort waren perfekt, die Makroaufnahmen schnell gemacht, fertig.

Nun warte ich mal weitere zehn Jahre, bevor ich eine Gruppe illustrativ mit Lego ersetzen werde.

Entstehungsgeschichte zum Artikelfoto „Teddys müssen bald zahlen“ in der „ad rem”-Ausgabe 26.2010 vom 27. Oktober, Seite 17

Von Amac Garbe

So, heute ist mir ja eher nach einer Geschichte hinter dem Wetter als hinter einem Bild. Aus zwei Gründen. 1. Ist das Wetter heute im Gegensatz zu gestern ordentlich mies. Gestern: Sonnenduftfrühling. Trocken und warm. Heute: Nebelmiefherbst. Feucht und kalt. 2. Gibt es derzeit keine Geschichte hinter einem aktuell veröffentlichten “ad rem”-Bild zu erzählen.

Ich könnte natürlich davon schreiben, wie ich neulich in Chemnitz für ein ganz anderes Medium zu einem Shooting musste, bei dem ein Model mit teurem Schmuck posieren musste. Während ich nämlich vor dem Schmuckgeschäft auf die Redakteurin wartete, wurde ich doch allen Ernstes von einem mittelaltem Mann angesprochen, mit der Frage, ob ich einen Job suchen würde. Er würde derzeit eine neue Filiale einer neuen Versicherung aufbauen und suche noch einen kaufmännisch leitenden Mitarbeiter. Ob ich mir das vorstellen könne. So etwas köstlich Abwegiges bin ich schon lange nicht mehr gefragt worden. Ich meinte jedenfalls, wenn er denn gute PR-Bilder von seinem Versicherungsbüro brauchen sollte und sein Budget entsprechend stabil ist, darf er sich sehr gern an mich wenden. Das fand er auch ganz gut und zog mit meiner Karte in der Hand von dannen. Ich dachte mir: Im strukturschwachen Osten werden also die Mitarbeiter schon auf den Straßen gesucht. Wunderbar.

Diese Episode aber hat gar nichts mit “ad rem”-Produktionen zu tun. Deshalb gibt es hier nebenan das Bild zur Teddykrankenhaus-Story und dazu die Information, dass bei diesem Termin, der gleich für mehrere Redaktionen zu absolvieren war, alles glatt lief. Die zuständige Medizinstudentin bandagierte den Teddy fachgerecht, posierte mit ihm, mal ohne ihn, mal posierte nur der Teddy. Ich kroch für die beste Perspektive auf dem Krankenhausboden herum, sorgte bei vorbeikommenden Patienten, Krankenschwestern und Ärzten für kurze Verwunderung und immer ein Lächeln, sobald sie sahen, dass ich den Teddy vor mir sitzen hatte. Und Schluss. Einer von vielen schnellen Terminen eben.

Entstehungsgeschichte zum Artikelfoto „Grasbüschel in Ueckermünde“ in der „ad rem”-Ausgabe 26.2010 vom 27. Oktober, Seite 17

Von Amac Garbe

Es war zwar noch Sommer, das Wetter zeigte sich allerdings von seiner unsommerlichen Seite. Deshalb führte ich Christian Hochtritt und Silke Abendschein (übrigens zwei sehr malerische Nachnamen) zu einem Flur mit Fenstern auf der hinteren Seite des Verlagshauses, um dort im Trockenen ein atmosphärisches Bild einzufangen. Das verlief ohne nennenswerte Zwischenfälle und klappte bestens.

Was dem Foto jedoch nicht anzusehen ist, ist das Verhalten der Umgebung. Denn um diesen bläulich-tiefen Blick in Fensternähe einfangen zu können, musste ich mich einige Meter von den beiden entfernt positionieren, einen Türrahmen für die Tiefenwirkung in den Rand lugen lassen und vor allem: die Lichtschranke der automatischen Glastür, die dazwischen auf und zu ging, in Schach halten, um genau die Momente abzupassen, in denen die Tür geöffnet war. Ein klassischer Zwischen-Tür-und-Angel-Fotoeinsatz eben.

Entstehungsgeschichte zum Artikelfoto „Ein Kronprinz in Dresden“ in der „ad rem”-Ausgabe 25.2010 vom 20. Oktober, Seite 2

Von Amac Garbe

Ein lauer Sommerabend. Der Arbeitstag ist gegangen. Die Freizeit ist da. Das Bier ist kühl, der Sitzplatz perfekt – der Genuss kann kommen. Gert Melville sitzt in einem Biergarten in Dresdens Großem Garten. Ein stiller Moment. Friedliche Wohligkeit umgibt den Professor, wie er da so allein in sich ruhend dem Abendrot nachschaut. Ein idyllischer Schnappschuss. Sieht zumindest so aus, nicht wahr?

Die Realität aber war natürlich in Gänze anders. An dem Tag, als ich Gert Melville zu fotografieren hatte, überschnitten sich bei mir am Nachmittag mehrere Fototermine. Ich musste jonglieren, tüfteln, abwägen. Welcher Termin konnte noch geschoben werden, welcher vorgezogen, welcher musste sofort wahrgenommen werden? Das sind die Stunden, in denen auf Außenstehende mein Terminplan wie Stresschaos in Reinform wirken muss. Für mich ist es bisher immer nur ein Sturm im Wassergläschen, welches am Ende des Tages irgendwie zufriedenstellend ausgetrunken sein wird.

An jenem Sommertag jedenfalls gab es allerhand Verzögerungen. Der eine Termin lief länger als gedacht, dadurch kam ich später zu den nächsten Terminen. Bei anderen Terminen ging es derartig schnell, dass ich fix noch einen anderen dazwischen schieben konnte. Und so weiter. Parallel stand eben auch der Melville-Termin auf dem Plan, der sich allerdings auch gehörig zog. Von Ort zu Ort springend war ich immer wieder im Telefonkontakt zur Autorin, die bei dem Professor Stunde um Stunde im Vorzimmer warten musste, da er kurzfristig zu beschäftigt war. Irgendwann kam dann die Information, der Tross um den Professor setze sich in Bewegung, um zu einem Feierabendtreff in den Großen Garten zu fahren. Dort sollte auch meine Fotokulisse für dieses Porträt sein.

Ich löste mich also schnell von meinem aktuellen Termin in der Altstadt, kam im Biergarten an, wartete auf die Bierbestellung von Gert Melville (der schon mit einer großen Gesellschaft zusammen saß), er löste sich aus der geselligen Runde und ich konnte dann endlich loslegen:

“Guten Tag Herr Melville, ich muss also nun schnell ein schönes Motiv mit Ihnen hinbekommen – und zwar sie allein auf einer der Bierbänke.”
“Ach, und das muss wirklich sein? Ich allein?”
“Ja, muss. Sie allein. Geht aber schnell, wenn sie mitmachen.”
“Gut, wo soll ich mich hinsetzen?”
“Setzen sie sich einfach dort hinten hin, stellen das Glas neben sich und schauen sie zu den Bäumen.”
“In Ordnung.”
“Ja, bestens. Ich brauche sie nur noch eine Idee netter, dann haben wir es im Kasten.”

Nun, innerhalb von fünf Minuten saß das Bild vom falschen Idyll. Meine weiteren Terminlichkeiten entwirrten sich so langsam und spät in der Nacht hatte ich dann auch meinen Feierabend. Mit einem Glas Wasser.

Entstehungsgeschichte zum Artikelfoto „Rollenwechsel in echt“ in der „ad rem”-Ausgabe 25.2010 vom 20. Oktober, Seite 13

Von Amac Garbe

Es gibt ja Fotos, die lange im Archiv liegen, bevor sie veröffentlicht werden. Gründe dafür gibt es viele. Manchmal lässt sich eben nur an einem bestimmten Termin ein Motiv produzieren. Manchmal wird das Thema verschoben. Manchmal wird es ganz vergessen. Manchmal ist es auch gar nicht genau klar, weshalb das Foto entstehen musste. Manchmal muss sich eine Story oder eine Serie erst entwickeln, bis sie veröffentlichungswürdig ist. Manchmal ergeben all jene Dinge auf einmal einen Grund, weshalb Fotos zunächst lange im Archiv vor sich hindümpeln.

So wie bei meinen Bildern zu der Story über drei Berliner Jungunternehmer, die mit organisierten Rollenspielen ihr Geld verdienen. Der Fototermin mit ihnen liegt gut und gerne fast vier Monate zurück. Und am selben Tag, vier Stunden bevor ich die Jungs in Berlin Friedrichshain ablichtete, hatte ich – treue Leser erinnern sich – die zu unrecht fotoscheue Professorin Marina Münkler am Dresdner Fürstenzug vor der Kamera.

Weshalb also diese Rollenspiel-Story nebst Bild erst jetzt herausgekramt wurde, weiß ich nicht so genau. Jedenfalls liegt der Termin so lange zurück, dass ich mich kaum noch an ihn erinnern kann. Außer daran: Ich behandelte ja die drei Rollenspieletüftler mit meinem Fußweg-Standard-Programm. Also: Ein bisschen stehen, ein bisschen hocken, ein bisschen sitzen. Hauptsache draußen auf der Straße im Gewimmel.

Speziell für Berliner gehört es ja zum Alltag, dass vor ihrer Nase Fotoproduktionen stattfinden. Das heißt: Es hagelt eigentlich immer vollkommene Ignoranz gegenüber ungewöhnlich posierenden Leuten und den davor herumhampelnden Fotografen. Was ganz gut ist. So werde ich einfach in Ruhe gelassen. Starrende, staunende Leute sind ja meistens eher ein Produktionshindernis. Insofern war es zwar eine störende, immerhin jedoch eine nette Unterbrechung, als eine Radfahrerin neben den Jungs zum Stehen kam, sich zu ihnen herüberbeugte, ihre Arme auf deren Schultern legte, in ihren Rollenspielplan schaute, scherzte, sich mit ablichten ließ und wieder weiterfuhr.

Entstehungsgeschichte zum Erstsemester Extra-Foto „Die geliebte schöne Stadt an der Elbe“ in der „ad rem”-Ausgabe 24.2010 vom 13. Oktober, Seite VIII

Von Amac Garbe

Das Schöne an einem Blog ist ja, dass ganz nach Belieben geschrieben werden kann. Eben je nach Tagesform und Lust. Da Letzteres im Moment weniger vorhanden ist, stelle ich wieder eine kleine Rätselfrage: Wo in Dresden ist dieses Bildchen hier nebenan entstanden? Na, wer weiß es?

Ach, wenn ich das Bild betrachte, sehe ich, dass es dieses Jahr tatsächlich mal eine so genannte warme Sommerzeit gegeben haben muss. Naja, das nur am Rande.

Stadtkundige dürften die Frage jedenfalls gewisslich schnell beantworten können. Für alle anderen sei vielleicht dann doch noch der Hinweis vermerkt, dass dieses Bild mitten in der Neustadt entstanden ist.

Die korrekte Frage muss also lauten: Wo genau in der Neustadt ist das Bild entstanden? Es zeigt übrigens die Freundin des mittlerweile ehemaligen “ad rem”-Praktikanten. Sie hat ihre Sache mitten auf der Kreuzung Louisenstraße/Alaunstraße ganz prima gemacht und trotzte tapfer den Autos, Fahrrädern und Passanten. Oh, huch, jetzt habe ichs ja doch schon verraten, wo das Bild aufgenommen wurde. Och, merkt sicher eh niemand.

Entstehungsgeschichte zum Artikelfoto „Rettung auf vier Pfoten und zwei Beinen“ in der „ad rem”-Ausgabe 24.2010 vom 13. Oktober, Seite 13

Von Amac Garbe

Heute fasse ich mich kurz. Muss ja nicht immer so viel geplaudert werden.

Also, wer kann das Pendant zu diesem Bild mit Isabell Graichen und ihrer Rettungs-Hündin Kira finden?

Vor einiger Zeit schrieb ich hier nämlich ebenfalls über eine junge Dame mit Hund. Das Posing – das fiel mir erst heute, zwei Monate nach dem Termin, auf – war zufälligerweise sehr ähnlich: Hund und Mensch nebeneinander. Der Blick jeweils in die entgegensetzte Richtung. Ob diese Pose wirklich Zufall ist? Ich bin mir jedenfalls keiner Absicht bewusst. Dieses Motiv ergab sich einfach automatisch, nachdem ich beide positioniert hatte.

Ich beobachte das mal weiter und achte beim nächsten Mensch-Hund-Shooting darauf, was sich so „automatisch ergibt”.

Entstehungsgeschichte zum Artikelfoto „Spiegelnde Blicke“ in der „ad rem”-Ausgabe 23.2010 vom 6. Oktober, Seite 12

Von Amac Garbe

An anderer Stelle hatte ich hier bereits erwähnt, dass diverse Menschen glücklicherweise a) wissen, wie sie sich sehenswert kameragerecht zu bewegen haben und sich zudem b) mit einem hinsehenswerten Outfit kleiden.

Eben diese Menschen bereiten mir immer wieder Freude – allein schon weil dann meine Arbeit aufs Einfachste dahingleitet. Auch mein letzter Besuch bei der Galerie Adam Ziege in der Dresdner Neustadt (übrigens in einem der letzten und schönsten unsanierten Häuser auf der Louisenstraße) zählt zu diesen freudigen Arbeitseinsätzen.

Als ich ankam, schloss die Künstlerin Anja Schneider mit ihrem Söhnchen die Tür von innen auf und wir stemmten gemeinsam das ebenso hochbetagte wie störrische Türgitter zur Seite. Ein kurzer Blick in die drei Räume genügte mir, um zu sehen, wo mein Hauptmotiv entstehen würde: Im vordersten Raum. Zu sehen gab es einen Kachelofen, ein paar großformatige Fotografien der Künstlerin an der Wand und einen formschönen Stuhl. Nachdem ich zunächst im hintersten Raum für das Archiv ein Motiv geschossen hatte, ließ ich Anja Schneider auf den Stuhl neben dem Kachelofen vor zweien ihrer Bilder Platz nehmen, während ihr dreijähriger Junge ein wenig meckernd Aufmerksamkeit suchte und die Szenerie von den Galerieeingangsstufen aus betrachtete. So wie sie saß, saß jedenfalls auch das Motiv. Die Beine übereinandergeschlagen, einen Arm auf der Stuhllehne, die Hände verhakt. Die braunen Stiefel, die blaue Blumenstrumpfhose, das rote Tuch. Fertig. Ein aufrechtes, klares, offenes Foto von einer Fotografin mit ihren Ausstellungsfotos. Und dies in 15 Minuten. Perfekt.

Im Anschluss bat sie mich noch um ein Motiv mit ihr und ihrem Grimmassen schneidenden Blondschopf, wohl weil sie meine Arbeit netterweise mochte und sie auf diese Weise wieder mal zu einem Bild mit Sohn kommen würde. Außerdem sagte sie mir zu, bei meiner Fotoserie mitzumachen, für die ich Dresdner Familien mit Kindern, die im neuen Jahrtausend geboren sind, in ihren Lieblingszimmern ablichte. Dabei fällt mir ein: Ich muss sie mal dringend anrufen, um einen Termin auszumachen.

Semesterstart und die Entstehungsgeschichten zum Artikelfoto „Studiengebühren sind außen vor“ in der „ad rem”-Ausgabe 23.2010 vom 6. Oktober, Seite 3 sowie zum Artikelfoto „Wickeltisch und Hörsaal“ in der „ad rem”-Ausgabe 22.2010 vom 1. September, Seite 3

Von Amac Garbe

Ich mag Sushi. Oder besser noch: Ich liebe Sushi. Allerdings natürlich nur die mitteleuropäische Waschlappenvariante, die üblichen Makis und Nigiris, die es eben überall zu haben gibt. Nichts Ausgefallenes. Nichts Originales. Insofern muss ich korrekt sagen, um keinen Japaner zu beleidigen: Ich liebe rohen Fisch, eingewickelt in Reis und Algen mit Wasabi, Sojasoße und eingelegtem Ingwer. Und da ich jetzt soweit bin, öffentlich diese Vorliebe zu verkünden, muss ich auch erwähnen, dass es mir immer besonders großen Spaß bereitet, diese berühmte Wasabi-Schärfe voll auszureizen. Wer Wasabi kennt, diese taumhaft frühlingsneongrüne Meerrettichpaste aus Japan, der weiß, wovon ich spreche. Es ist diese Schärfe, die bei leichter Überdosierung direkt hinter den Augen ins Hirn schnellt und so rasch wieder fort ist, wie sie gekommen ist. Wasabi sorgt also nicht derartig langfristig für Scharfunwohlsein wie Chilli und Konsorten. Ein tolles Zeug. Ich bestelle immer extra viel. Ich glaube übrigens, dass ich mit diesen Wasabischärfeschocks den Umstand wieder wettzumachen versuche, dass ich bisher noch nie durch externe Substanzen berauscht war. Sollte vielleicht mal jemand untersuchen, wie viele Gehirnzellen bei solcherlei sekundenzuckender Schärfe absterben. Das Ergebnis würde mich interessieren. Weshalb ich das alles schreibe? Nun, es ist wieder Semesterbeginn, die „ad rem” erscheint wieder regelmäßig und ich muss mir wieder für diesen Blog interessante Geschichtchen hinter meinen Bildern einfallen lassen.

Im Rahmen des Interviews mit dem neuen Rektor der TU Dresden musste ich nämlich Sushi fotografieren, wie es von dem Herrn Rektor und den Damen Redakteurinnen genüsslich zwischen Rede und Antwort verspeist wurde. Wohlgemerkt: Ich sah nur zu. Durch meinen Kamerasucher. Und dabei hätte ich zu gern mitgegessen. Leider aber musste ich höchst dringend zu den nächsten Terminlichkeiten, die schon drängten weil das Rektoreninterview in der Alten Mensa mit diversen Minuten Verspätung begonnen wurde. Tja, ich hoffe, es mundete den Beteiligten.

Da Semesterbeginn ist und ich gerade so schön in Plauderstimmung bin, gebe ich noch eine kurze Episode zum Besten, die sich vor einigen Wochen ereignete: Ich hatte nicht wie sonst wenig, sondern sehr wenig Zeit. Aber auch mit sieben Minuten ist einiges anzufangen. Glücklicherweise ging mein enger Zeitplan hervorragend auf, als ich die „Kind AG” in Freiberg bei der Uni-Mensa ablichten musste. Die abzulichtende Mutter nebst Kind und anderen Müttern nebst Kindern sah ich schon aus der Ferne auf mich warten. Eine kurze Begrüßung, ein kurzer Geländeblick, eine kurze Motiverläuterung, ein kurzer Fußweg zum Schatten, ein kurzes Positionieren, einige kurze Anweisungen, einige kurze Auslöserdrücker und schon war alles im Kasten. Nach der kurzen Verabschiedung huschte ich schnell wieder davon, hatte exakt eine Minute bis mein Bus kam und ich wieder in Richtung des nächsten Termins düsen konnte. Puh. Perfekt hat das Zusammenspiel aus Wetter, Menschen, Busfahrplanen und gnadenlosem Minutentakt funktioniert.

Um zu erklären, was an dieser Story so interessant ist, muss ich kurz jenen Lesern, die mich noch nicht kennen, erläutern, wie mein generelles Mobilitätsverhalten ist: Ich bewege mich ausschließlich öffentlich. Per Bahncard 100 kann ich mit allem, was in Deutschland öffentlich fährt – ganz egal ob Bahn, Bus, Tram oder Fähre – von A nach B und meistens gleich weiter nach C, D, E, F und G bis Z gondeln. Ich bin auf diese Weise klimafreundlich mobil, quasi überall und kann so meinen Aufträgen in ganz Deutschland ohne Entfernungssorgen nachkommen. Ja, und dies schlafend, essend, arbeitend, lesend. Immer begleitet von meinem handlichen Trolley und meiner Kameratasche. Am Tag, als ich die „Kind AG” abzulichten hatte, war mir jedenfalls nur ein sehr schmales Zeitbudget beschieden. Ich hatte eine Stunde Zeit zwischen Ankunft in Freiberg, Busfahrt durch die Stadt, Fototermin an der Uni, Busfahrt zurück zum Bahnhof, Abkunft, um schnellstens pünktlich weiter nach Berlin zu rauschen. Wenn es so klappt, wie eigentlich meistens, stellt sich bei mir stets ein ganz köstlich-zufriedenes Gefühl ein. In diesem Sinne: Gute Grüße aus dem Zug! Bis nächste Woche an dieser Stelle.

Sommeranekdoten und die Entstehungsgeschichte zur Freilufttheaterillustration in „ad libitum” vom 28. Juli, Seite 13

Von Amac Garbe

Das ist jetzt wohl ein wenig unoptimal gelaufen. Eigentlich sollte mein Blogeintrag von vor zwei Wochen auch mein letzter sein. Für diesen Sommer.

Es ist ja Sommerpause in der „ad rem“-Redaktion. Deshalb gibt’s auch keine Geschichte hinter den Bildern. Allerdings hatte ich vergessen zu erwähnen, dass ich ebenso eine Blogsommerpause einlege. Entsprechend wurde ich schon mehrfach gefragt, wann denn nun endlich eine neue Geschichte hinter den Bildern kommt. Nun, da nehme ich das jetzt noch einmal zum Anlass, einige Worte loszuwerden. Eine echte weitere Geschichte hinter einem Bild gibt’s jedoch nicht. Eher Notizen am Rande der Geschichten hinter den Bildern – das ist hier ja schließlich ein Blog, bei dem auch allgemeine Randbefindlichkeiten thematisiert werden können.

Zum Beispiel soll mal nicht unerwähnt bleiben, dass mittlerweile immer öfter diese hoffende Frage auf „ad rem“-Fototerminen zu hören ist: „Wird das denn jetzt auch eine Geschichte hinter dem Bild…?“ Manchmal hörte ich dies schon auf Terminen, die ich für andere Redaktionen absolvierte. (Das zeigt mir: Offenkundig sind dies hier unglaublicherweise Zeilen, die wirklich nicht nur von zwei bis drei Menschen gelesen werden. Erst eben am Wochenende outeten sich Herren einer Dresdner Eventagentur als regelmäßige Leser – ja, sogar als Fans – meines Blogs. An dieser Stelle sei übrigens mal gesagt: Echte Fans geben einen Kommentar ab!) Jedenfalls verneine ich meistens – nicht weil die Leute oder die Termine so doof sind, sondern oftmals weil sie so nett sind und alles zu glatt verläuft. Und so wird das meistens nix mit einer Geschichte hinter dem Bild. Auch beim Shooting zur Freilufttheater-Illustration, welche hier mal stellvertretend für die Sommerpause neben den Text gesetzt wurde, war das so: Die Autorin besorgte alles, was nötig war, um ein etwas snobistisches Freilufttheaterbild zu produzieren. Model, Hut, Glas, Prosecco ähnliche Flüssigkeit. Das Licht war ebenso bestens. Das Model hat perfekt gepasst und hat schön mitgearbeitet. Innerhalb weniger Minuten war das Bild im Kasten. Fertig. Was gibt es da schon groß zu erzählen, außer, dass es nett war?

Dann wollte ich noch mitteilen, dass der Schauspieler Christian Kühn, dem ich ja hier unten beim Elbstrandbild einige Zeilen widmete, angesichts einiger „ad rem“-Ausgaben einigermaßen verblüfft nachfragte, weshalb „ad rem“ nicht in „a mac“ umbenannt werden würde. Als Begründung meinte er: „Die ganze Zeitung wird doch quasi nur mit Bildern von dir zusammengehalten.“ Ein schöner Gag. Eine schöne Schmeichelei.

Außerdem fällt mir noch ein, dass die gute „ad rem“-Chefin vergangene Woche das Büro aufräumte und sich von schweren und sehr unnötigen Altlasten ihres Vorgängers befreite, die in Kisten-, Stapel und Ordnerform bisher geradezu apokalyptische Ausmaße in Höhe und Breite annahmen. Seit sie die vier Quadratmeter vom Herrn Vorgänger geerbt hatte, war also jede Ecke mit alten Protokollen, noch älteren Büchern und regelrecht antiken Fotostapeln bedrohlich besetzt. Jetzt aber, nachdem eine Hundertschaft Verlagsmüllmänner diese Berge säckeweise forttrugen, glänzt das Büro vor Ordnung mit System.

In diesem Sinne wünsche ich allen Bloglesern eine herzlich entspannte, aufgeräumte Sommerzeit!

Entstehungsgeschichte zum Titelfoto der „ad libitum”-Ausgabe vom 28. Juli

Von Amac Garbe

Gar nicht mal so selten kommt es vor, dass ich mit meinem Tagwerk unzufrieden bin – da mag es noch so viele kollegiale Stimmen geben, die mir sagen, es sei alles bestens. Woher diese Unzufriedenheit kommt? Für sie gibt es unzählige Gründe. Als Fotograf für Redaktionen und Agenturen immer an der Front zu sein, bedeutet ja, ständig den widrigsten Umständen zu trotzen. Ein Beispiel gefällig? Gern.

Für die „ad rem” stand wieder die Titelbildgestaltung der alljährlichen Sommerferienausgabe namens „ad libitum” an. Lange schon hatte ich mir Gedanken dazu gemacht. In den vergangenen Jahren ließ ich zum Beispiel einen jungen Studenten auf einer Hörsaalbank mit Handtuch, Sonnencreme und Capri-Sonne posieren. Ich ließ auch schon mal eine nette junge Dame mit Eis am Stiel mitten auf einer Straße sitzen. Eine Studentin las mal ein Buch vor imposanter Stadtkulisse auf einer Wiese liegend. Ein junger Typ mit Hut saß auf einem Dach hoch über seinem Stadtviertel. Ich fragte mich also schon im Frühling, was ich dieses Jahr wohl umsetzen könnte. Das Illustrationsbild soll ganz offensiv Ferien, Freizeit, Freiheit zeigen. Gerne ein bisschen frech und augenzwinkernd. Und urban soll es sein. Ferien in der Stadt sozusagen.

Zunächst hatte ich wieder den Blick über eine Stadt vor Augen. Die ganz schlimme Klischeekiste eben: Auf einem Schornstein lümmelnd eine Person, die mit ganz dicken Kopfhörern Musik hörend den Sonnenuntergang beobachtet. Keine besonders originelle Idee. Aber ich hatte immerhin schon mal das geeignete Model. Den Schauspieler Christian Kühn, der dieses Jahr schon gefühlte 1756 Mal vor meiner Kamera stand und dies durchaus gern noch mal so oft darf. Mit ihm hatte ich vor einiger Zeit mal ausgemacht, in diversen Städten Dachmotive zu schießen. Perfekt also. Prima auch, dass er gleich in Dresden-Trachenberge ein schönes Dach ausfindig machen konnte. Ein schönes Dach. Idyllisch umgeben von alten Schornsteinen und ausgestattet mit einem herrlichen Blick über Dresden.

Nur dummerweise war ich natürlich unzufrieden. Erstens ging zwar die Sonne schön unter, aber der Himmel färbte sich an dem Tag kein bisschen. Zweitens befand sich das Haus am Stadtrand – zu weit weg vom Stadtzentrum. Rings herum nur Bäume. Nix mit Urbanität. Wenn Dach, dann bitteschön MITTEN in der Stadt. Na, und drittens konnte ich mit der langen Brennweite nicht arbeiten. Das Dach dafür war zu klein. Unterm Strich hatten Christian und ich zwar einen netten Dachausflug und ich schoss mit dem Weitwinkel einige Bilder, die er dankbar für seine eigene PR verwenden kann. Mit meiner Ferienillu war ich dennoch nicht weiter.

Dann kam mir endlich die Idee, ein Elbestrandbild zu schießen. In Dresden-Johannstadt befindet sich ein idealer Sandstrand – mit Blick auf die Altstadt, was ja für die Urbanität des Bildes nicht ganz unwichtig ist. Christian hatte zum Glück Lust und fragte auch noch gleich seine Mitbewohnerin, die Sängerin Sabine Kaufmann. Beide hatten Lust. Die Idee war simpel wie nett: Die beiden spielen im Sand mit Förmchen, Schäufelchen und Spielzeug-Traktörchen. Der geeignete Abend war schnell gefunden, die Spielutensilien borgte ich von der Dresdner Stadtoase (dort musste ich den Chef Anfang des Frühlings für eine andere Redaktion schon mal mit seinem Sandspielzeug ablichten) und die beiden warfen sich in Freizeitschale als ich sie abholte.

Als wir drei zur Elbe radelten, machte Christian unmissverständlich klar, dass dieses Shooting bitteschön eine „Geschichte hinter den Bildern” werden solle. Auf diese Weise konnte ich ganz vorzüglich feststellen: Es gibt tatsächlich noch einen weiteren Leser dieser Zeilen! Ich sagte jedenfalls, dass uns dafür aber mindestens ein Vogel auf den Kopf kacken müsse. Ansonsten würde es ja nichts zu berichten geben. Am Strand angekommen, war ich natürlich unzufrieden. Das Wetter war bescheiden. Kein blauer Himmel. Kein sonderliches Abendrot, immerhin aber ganz kurz. Der Blick zur Altstadt war doppelt nicht geeignet (einmal weil die Sonne auf der falschen Seite untergeht und weil die Brücken zu nah sind und die Sicht versperren, das hätte ich vorher wissen können, echt mal).

Mit hingebungsvoller Freude erkleckerten meine beiden Modelle nichtsdestotrotz eine schöne Sandkleckerburg und ich ließ die beiden Richtung Johannstädter Fähre posieren. Geduldig goss Christian immer und immer wieder Wasser aus der kleinen Gießkanne auf die Kleckerburg. Sabine schaute dauernd tapfer in die Ferne während ihr Kleid von unten nach oben stetig nasser wurde. Die wenigen roten Sonnenstrahlen, die sich durchs graue Wolkendickicht kämpften, sorgten immerhin für die nötige Sommersonnenfreizeitstimmung. Christian sah mir dennoch an, dass sich meine Zufriedenheit ziemlich in Grenzen hielt. Was allerdings keineswegs an ihm oder Sabine lag – so wie es meistens nicht am Modell liegt. Es ist bei mir einfach nur der tägliche Kampf mit mir und der Technik. Nun ja, letztlich ist auch hier ein ganz sympathisches Motiv herausgekommen. Im Druck ist es leider etwa zu grell geraten. Was dieses Motiv nun jedoch mit Urbanität zu tun hat, weiß ich jetzt auch nicht. Ich habe ja eigentlich an meinem mir gesteckten Ziel völlig vorbeigearbeitet. Da könnte ich glatt unzufrieden werden….

PS: Ich habe schon eine Idee fürs nächste Jahr! Fällt mir gerade eben ein. Es ist die Idee von meinem ehemaligen Eis leckenden Titelmodell. Damals, vor zwei Jahren meinte sie, es wäre doch ganz witzig, mitten in einem großmütterlichen Plüschcafé ein aufblasbares Kinderwasserbassin aufzustellen und in dieses dann einen planschenden Studenten hineinzusetzen. Doch. Ja. Hat was. Wird gemacht. Nächstes Jahr dann. Wer als Planscher posieren möchte, kann sich ja jetzt schon mal melden. Einfach mailen an: leserpost@ad-rem.de

Entstehungsgeschichte zum Titelfoto „Eine verlorene Schlacht?” in der „ad rem”-Ausgabe 21.2010 vom 21. Juli, Seite 1/3

Von Amac Garbe

Im Rahmen zur Berichterstattung rund um den Tod des TU-Professors Norbert Rehrmann hatte ich auch zu fotografieren. Zunächst musste ich tief in mein Bonner Archiv greifen, um zwei Bilder herauszukramen, die ich vor drei Jahren von ihm produzierte. Angesichts dieser Motive – zwei Porträts mit ihm vor seiner Wellblechhütten-Fakultät – versuchte ich mich zu erinnern, wie der Termin damals Ende 2007 mit ihm gewesen war. Leider habe ich gar nichts davon behalten. Meine leise Ahnung sagt mir: Es muss wohl nett und kurz gewesen sein.

Ich glaube, er hatte wenig Zeit und ich kommandierte ihn vor das Gebäude, damit ich schnell neutrale Porträts von ihm schießen konnte. Mehr weiß ich nicht mehr. Auf den Bildern schaut er jedenfalls sympathisch, professoral.

Für die Geschichte darum herum, musste jedenfalls noch eine andere Person abgelichtet werden, die zitiert wird und mit der Fakultät auch etwas zu tun hat. Robert Bleicke vom Fachschaftsrat war dann die einzige Person, die sich ablichten lassen wollte, natürlich im farblosen Wellblech-Gebäude des Romanisten-Instituts.

Da mir ja Farben wichtig sind, auch bei einem solch ernsten Thema, war ich froh, dass a) Robert ein blaues Shirt trug, dass b) im grauen Flur eine bunte Pinnwand hing, dass c) die Türen grün waren und dass d) zwei aparte Holzvitrinen aus vergangenen Jahrzehnten dastanden. So konnte ich ein Motiv mit durchgehender Farblichkeit schießen. Ich ließ mir nach Veröffentlichung sagen, dass manche Leute ihre eigentlich schäbige Fakultät gar nicht erkannt hatten, so sympathisch sei die Optik des Fotos geworden.

Entstehungsgeschichte zum Artikelfoto „Bewerbung mal anders” in der „ad rem”-Ausgabe 21.2010 vom 21. Juli, Seite 7

Von Amac Garbe

Zu diesem Bild gibt es nicht besonders viel zu sagen. Es entstand ja zudem in nicht besonders vielen Minuten. Und besonders viel will ich dazu auch nicht schreiben. Es galt, vier Personen abzulichten, die im Dresdner UFA-Kristallpalast ein Festival veranstalten werden. Das Ganze war nach sechs Minuten abgehakt. Nichts Besonderes also. Das wirklich Interessante aber geschah 170 Kilometer weiter nördlich, ungefähr vier Stunden zuvor und hätte beinahe das Zustandekommen dieses Motivs in Gefahr gebracht.

Nachdem ich mitten in Berlin mit einem bekannten Musiker für PR-Aufnahmen auf Dächern und Straßenkreuzungen unterwegs war, pausierten wir in Kreuzberg bei einem Straßencafé und stärkten uns mit Kaffee und Kuchen. Danach sollte es auf die ehemalige Landebahn vom Flughafen Tempelhof gehen. Dort angekommen, fiel es mir auf: ICH HATTE MEINE KAMERATASCHE STEHEN GELASSEN! Ja, ganz richtig gelesen: Ich ließ meine Equipmenttasche – in der sich wirklich alles Wichtige von mir befindet – auf meinem Nachbarstuhl des Straßencafés liegen. So etwas ist mir noch nie passiert.

Bange Minuten vergingen, bis wir im Eiltempo von Tempelhof nach Kreuzberg zurückrasten. Währenddessen ließ ich langwierig von der Telefonauskunft die Nummer des Cafés recherchieren. Nicht auszudenken, wenn die Tasche mit Geldbeutel, Objektiven, Kamera, iPod, allerhand Schlüsseln, Lakritzdrops und Vielem mehr fort wäre! Erst in Sichtweite des Cafés hatte ich eine Dame des Cafés am Apparat. Die Tasche sei neben ihr hinter der Theke in Sicherheit gebracht worden. Da stieg ich bereits aus dem Auto, sprang die Stufen hinauf, stand vor ihr und bekam meine unversehrte Tasche zurück. Welch’ ein Glück. Meine Lebensgrundlage, das Shooting auf dem Rollfeld und all die anderen vielen Termine waren gerettet. Hurra und Dankeschön!

Entstehungsgeschichte zum Artikelfoto „Von Käsedecken und Jalousienärger” in der „ad rem”-Ausgabe 20.2010 vom 14. Juli, Seite 3

Von Amac Garbe

Es gibt Leute, die im grellsten Nachmittagslicht Gebäude fotografieren. Zu denen zähle ich nicht. Zu hart die Schlagschatten. Zu wenig Atmosphäre. Zu groß der Aufwand, es doch sehenswert zu produzieren. Ich hätte das vorgesehene Gebäude jedoch von Außen ablichten müssen – was eben bei aller Liebe nicht funktionierte. Also ging ich mit Marie-Luise Tschirner kurzerhand in das Innere des Andreas-Schubert-Baus der TU Dresden, um ein vernünftiges Motiv zur Serie zu schießen, bei der ein Architekturpsychologe die Dresdner Universitäts-Gebäude analysiert.

Drinnen erwartete mich ein 50er-Jahre-Look, den ich ja ganz sympathisch finde. Dort im Treppenhaus war der ideale Ort für das Motiv. Auch das Licht war perfekt. Die Sonne schien nicht direkt herein, es war dennoch warm und hell genug. Nur das unaufgeräumte Sitzstuhlbanktisch-Ensemble im knalligen Rot störte mich sehr. Marie-Luise und ich räumten die zum Glück leicht verrückbaren Gerätschaften zur Seite und ließen den Zweiersitz stehen. Passend zum Gebäude hatte sie eine schöne Ledertasche dabei und trug ein grün gepunktetes Sommerkleid. Sie brauchte also lediglich ihre Tasche abstellen, nach meinen Anweisungen nach links oben, nach rechts oben und geradeaus schauen und fertig war das Motiv – auch ohne Gebäudeansicht ganz hervorragend und für die Story passend.

An jenem Tag war es übrigens solchermaßen heiß, dass ich im Halbestundentakt Wassereis am Stiel aß. Viele Male spazierte ich zwischen den Terminen im Verlag zur Eistruhe, um für 50 Cent mein Abkühlungsverlangen zu stillen. Wer mir nun zu Hochsommerzeiten eine Freude bereiten will, hat für mich immer ein Capri-Eis im Handgepäck.

Entstehungsgeschichte zum Artikelfoto „Dreizehn Jahre gesund gefiebert!” in der „ad rem”-Ausgabe 20.2010 vom 14. Juli, Seite 9

Von Amac Garbe

Oft kommt es ja unverhofft und eben keineswegs so wie ich es geplant hatte. Auch beim ersten Schaubudensommer-Fototermin dieses Jahres, den ich in Dresden vor zwei Wochen gleich für mehrere Redaktionen zu absolvieren hatte, kam es anders als gedacht.

Unter anderem war im Vorfeld klar, dass ein Künstler abgelichtet werden muss, der stellvertretend für alle auftretenden Künstler posieren sollte. Der Puppenspieler, der dafür vorgesehen war, befand sich zwar schon in der Stadt, hatte aber, so erzählte er mir am Telefon, seine Puppe in Berlin gelassen weil er interessanterweise der Meinung war, der Fototermin fände nicht statt.

Nun musste schleunigst vor Ort Ersatz gefunden werden. Schnell dachten die Redakteurin und ich an Annamateur, die Ur-Künstlerin des Schaubudensommers. Ich freute mich bereits auf ihr Erscheinen – sie wohnt ja quasi um die Ecke vom Schaubudengelände. Ich musste aber bei der schnell einberufenen Telefonkonferenz feststellen, dass sie schwer in Zeitnot war, da sie sich eigentlich kurz vor der Abreise nach Berlin befand. Nachdem ich mit ihr noch einmal allein sprach, sagte sie mir immerhin zu, mich zurückzurufen, weil sie vielleicht doch kurz vorbeikommen könne.

Es vergingen zehn Minuten. Es vergingen 30 Minuten. Es verging eine Stunde. Ich schrieb den Termin mit ihr ab und war ohnehin wieder anderweitig im Einsatz. Bis sie dann doch tatsächlich zurückrief. In einer Viertelstunde könne sie auf dem Schaubudengelände vorbeigeradelt kommen. Ich ließ also alles stehen, schaufelte mich von zwei anstehenden Terminen frei und düste zur Alaunstraße. Mit ihr zu arbeiten war natürlich gar nicht so, wie ich es dachte.

Einerseits hatte ich den Eindruck, dass sie meine ersten Anweisungen einigermaßen doof fand und andererseits legte sie schon los, bevor ich meine Regieanweisungen richtig anbringen konnte. Sie stellte sich auf eine herumstehende Waage, wollte aus einem der verschlossenen Wohnwagen herausschauen, kletterte kurzerhand das Bühnengerüst hinauf und nahm – immerhin nach einer meiner Anweisungen – Platz. Sie baumelte mit den Beinen, schaute leer in die Höhe und ich hatte, was ich brauchte.

Normalerweise ist an dieser Stelle Schluss mit einem Fototermin. Ein paar nette Abschiedsworte gibt’s und Informationen darüber, wann das Bild erscheinen wird. Meistens werden noch final die Visitenkarten getauscht. Dann allerdings geht jeder seiner Wege. Nicht so mit Annamateur.

Noch während sie herunterkletterte, kamen wir ins Gespräch über unsere Rolle als Eltern, über unser vieles dienstliches Reisen und so weiter. Kurzerhand lud sie mich dann noch auf eine Holunderlimonade ein, die wir im Schatten nett quatschend genossen. So verging eine ungeplant-sympathische Stunde. Dann nahm sie einen Zug später und ich turnte weiter von Termin zu Termin.

Entstehungsgeschichte zum Artikelfoto „Kurzurlaub mit guter Musik” in der „ad rem”-Ausgabe 19.2010 vom 07. Juli, Seite 10

Von Amac Garbe

Gar nicht mal so selten ist es ziemlich knifflig, einen Fototermin anständig zu absolvieren – auch weil im Vorfeld allerhand schief gehen kann. Da muss sich ja zunächst die reine Terminierung in meinen teilweise sehr komplizierten Einsatzplan passend einfügen. Wenn da die abzulichtende Person ausgerechnet immer dann keine Zeit hat, wenn ich Lücken im Plan habe, ist echte Planungskreativität gefragt. So kommt es öfter vor, dass ich die Damen und Herren genau dann abpasse, wenn sie gerade zwischen Besprechungen, kurz vor dem Urlaubsantritt oder beim Einkaufen fünf Minuten Zeit für mich haben.

Manchmal, wenn gar nichts geht, kommt am Ende sogar eine völlig  andere Person vor die Kamera. So war das mit Roman Schwarz, dem Mitveranstalter des „la pampa”-Festivals. Ursprünglich wurde mir von der zuständigen Autorin ein Kollege von Roman Schwarz für den Fototermin zugewiesen. Der jedoch keineswegs in den Städten zugegen sein konnte, in denen ich unterwegs war. Die Bebilderung zum Festival stand ernsthaft auf der Kippe.

Kurz vor Redaktionsschluss steckte mir aber rettenderweise die zweite stellvertretende „ad rem”-Chefredakteurin die Kontaktdaten von Roman Schwarz zu, der nicht nur auch Festival-Mitveranstalter ist, sondern zudem Schlagzeuger einer dort auftretenden Band ist und tatsächlich in Dresden ablichtbar zur Verfügung stehen konnte. Allerdings hatte er wenig bis gar keine Zeit, sodass ich auch mit ihm meine berühmten fünf Minuten zwischen Tür und Angel haben würde. Kurz bevor er nach Görlitz zum Festival losfuhr, konnte ich ihn bei sich zu Hause mitten in der Dresdner Neustadt mit „la-pampa”-Utensilien fotografieren, die noch in seinen Bus verladen werden mussten – was in der warmfärbenden Abendsonne hervorragend wirkte und das Thema letztlich passend illustrieren konnte.

Entstehungsgeschichte zum Artikelfoto Dosenravioli für die Italienanbeterin in der „ad rem”-Ausgabe 19.2010 vom 07. Juli, Seite 4

Von Amac Garbe

Es gibt Menschen, die unnötigerweise gleich zu Beginn eines Fototermins anmerken, sie seien schrecklich unfotogen. Ich hätte jedoch meinen Beruf verfehlt, wenn ich nicht alles und jeden anständig in Szene setzen könnte.

So sage ich immer, mit einem Höchstmaß an Überzeugung und Charmanz: „Unfotogenität ist nur Ergebnis eines schlechten Fotografen.“ Es gibt ja Menschen, die sich schlicht  an eine Wand lehnen und sofort gut dabei aussehen. Da muss ich nicht mehr viel machen. Es gibt aber eben auch jene Menschen, die sich schlicht an eine Wand lehnen und aufgrund ihrer Unsicherheit oder mangelnder Körperspannung schlecht dabei aussehen. Da müssen von mir klare Anweisungen gegeben werden, bis die Pose sitzt.

Bildwirksamkeit lässt sich also immer herstellen. Es gibt allerdings Menschen, die allen Ernstes einerseits behaupten, sie seien unfotogen, andererseits blendend aussehen und ebenso hervorragend posieren können. Professorin Marina Münkler vergangene Woche in der Dresdner Altstadt war wieder mal eine solche Person. Ich denke, das Foto spricht für sich und gegen ihre tiefstapelnden Worte, dass sie angeblich nicht besonders fotogen sei. Lange habe ich solch einen Unsinn nicht mehr zu hören bekommen.

Entstehungsgeschichte des Fotos zum Artikel „Lasst uns doch spielen” in „ad rem” 18.2010 vom 30. Juni, Seite 5

Von Toni Klemm

Was treibt man im Freibad oder am Badeteich, wenn man nicht im Wasser planscht oder sich in der Sonne lümmelt? Den Hingucker für diesen Artikel zu liefern war meine Aufgabe, und es musste mal wieder schnell gehen, denn Diplomand Toni hatte den Termin vergessen und musste sich nun ranhalten. Zwei Tage also, um über Frisbee, Kubb und Co. etwas ansprechendes zu liefern. Zwei Tage, um das nötige Spielgerät, eine Location und ein paar Statisten aufzutreiben. Nichts leichter als das, für ein Universaltalent wie mich! Beim Film wäre ich Casting Director, Location Scout, Requisiteur, Maske, Regisseur – und natürlich Kameramann – in einem.

Die Requisiten: einfache Sache. Eine Rundmail, eine Doodle-Umfrage und eine Fahrradtour durch Dresden, und ich hatte die nötigen Spielsachen beisammen.

Die Location: schon kniffliger. Ein Freibad war ausgeschlossen, zu weit entfernt von meinem inoffiziellen Zweitwohnsitz Drepunct, zu zeitaufwendig. Also was Grünes nahe der Unibibo, aber bitte ohne Häuser, Straßen oder Autos im Hintergrund. Bestes Angebot war die kleine Wiese, halbseitig von Sträuchern und Bäumen umrahmt, hinter der Bereichsbibliothek Drepunct: grüne Kulisse, beste Nachmittagssonne im Rücken, keine Wolke am Himmel – bestes Freibadwetter eigentlich.

Die Statisten: hier war Überredungskunst gefragt – wieder mal. Ohne Action sähe das Bild langweilig und fade aus, und nach einigem Bitten und Betteln war auch dieses Problem kein Problem mehr.

Nun noch Termin machen, Spielgeräte zusammensammeln, Motiv stellen – „noch ein bisschen weiter links“, „nein, nicht so viel“, „den Drachen etwas höher“, „etwas mehr zu mir“, „lächeln“ – und vor den Augen verwunderter Studenten, die uns hinter der Glaswand zuschauten, schöne Fotos im Grünen machen. Herrlich.

Entstehungsgeschichte zu verschiedenen Fotos der aktuellen „ad rem”-Ausgabe18.2010 vom 30. Juni

Von Amac Garbe

Heute mal ein kleiner Kritik-Exkurs – natürlich in eigener Sache, ist ja schließlich ein Blog hier. Oft laufen Fototermine parallel, vor oder nach den dazugehörigen Recherche- und Interviewterminen der Autoren. Als Fotograf für viele verschiedene Redaktionen habe ich dann vor Ort meistens auch schnell selber zu entscheiden, wie, was und wo abzulichten ist, ohne genau zu wissen, wann das Ganze genau erscheinen wird.

Manchmal, zum Glück sehr selten, kommt es dann zu überraschenden Überschneidungen, die leider weniger optimal sind. So geschehen beispielsweise in der aktuellen „ad rem”-Ausgabe. Bilder, die im Lauf einiger Wochen geschossen wurden, fanden zufällig gemeinsam ihren Weg in diese eine Ausgabe und entlarven auf genau zwei Seiten ganz hervorragend, mit welch scheinbarer Einfallslosigkeit die Bilder geschossen wurden: Vier von sechs Bildern zeigen Personen mit verschränkten Armen. Jeweils sind die sich gleichenden Motive damals natürlich bewusst so arrangiert worden – allerdings eben ohne das Wissen, dass sie einmal alle so nah beieinander veröffentlicht werden würden. Die äußerst nette Nuklerarwaffen-Bekämpferin wollte ich mit ihren Mistreitern ebenso klar und entschlossen posieren lassen, wie den freundlichen Studentenrat und die lachenden Clubbetreiber. Auch die Autorin in Schwarzweiß wünschte sich vor Wochen schon, in einer neuen, eben jener Haltung, zu posieren. Dass es übrigens überhaupt so oft die verschränkte Haltung gibt, liegt einfach daran, dass auf diese Weise die Arme bei Oberkörperaufnahmen generell gut „aufgeräumt” sind – unabhängig von der zu transportierenden Entschlossenheit, Ablehnung oder Entspannung der Person. Und aufgrund der grundsätzlichen Zeitnot muss immer wieder mal das schnellste Standardposenprogramm  abgespult werden. Unterm Strich fällt so etwas ohnehin kaum jemandem auf. Außerdem gilt wie schon immer: Nichts ist älter als die Zeitung von gestern.

Entstehungsgeschichte zum Titelbild „Schonfrist für Unimitarbeiter” in „ad rem” 17.2010 vom 23. Juni, Seite 1

Von Amac Garbe

Merkwürdig, wie manche Menschen unterwegs sind. Einerseits gehen sie für ihre Rechte auf die Straße, zeigen offensiv ihr Gesicht, bekennen sich mutig in aller Öffentlichkeit zu oder gegen etwas, kleiden sich womöglich noch weithin sichtbar auffällig, machen vielleicht noch per Trillerpfeife oder ähnlichem Gerät mächtig Radau, sträuben sich aber, für die Zeitung abgelichtet zu werden. Dabei ist es generell selten von Bedeutung, für welches Medium – was ja vielleicht noch durch Antipathien zu gewissen Verlaghäusern verständlich wäre.

Nein, pauschal ist oft zu hören: „Nee, ich möchte meinen Namen und mein Gesicht zu diesem Thema nicht in einer Zeitung sehen, ich möchte nicht so sehr in der Öffentlichkeit stehen.” Wunderbar schizophren, nicht wahr? Das lässt für mich eigentlich nur einen Schluss zu: Wer ernsthaft für eine Sache kämpft, dem ist jedes PR-Mittel recht, um sich Gehör zu verschaffen. Wer aber nicht wirklich hinter einer Sache steht und also offenkundig nur der Attitüde wegen, des Lärms wegen, der Aktion wegen auf die Straße geht, der hat natürlich in der Tat wenig Interesse daran, sich interviewen bzw. ablichten zu lassen. Ein klassisches Mitläuferproblem also.

Wie so oft war dieses Verhalten auch bei der Dresdner Demonstration am 16. Juni 2010 gegen die schwarz-gelbe Sparpolitik zu erleben. Bis die zuständigen Autoren und ich Leute finden konnten, die ihre Meinung offen weitertragen und sich ablichten lassen wollten, mussten wir viele, sehr viele Absagen in der oben genannten Form kassieren. Umso dankbarer war ich dann auch den drei Mädchen, die in Miss-Wahl-Tracht gekleidet, gerne mitmachten. Da ich jedoch kein großer Freund von Gruppenmotiven bin, lichtete ich eine von den Dreien noch einmal gesondert inmitten der protestierenden Massen ab. Sie also gab dem Protest gegen die geplanten Kürzungen, stellvertretend für alle Demonstranten und Mitläufer, ein fröhliches Gesicht.

Entstehungsgeschichte zum Foto für die Freiluftkinoseitein „ad rem” 17.2010 vom 23. Juni, Seite 7

Von Amac Garbe

So laufen Foto-Terminlichkeiten vorbildlich: Das Thema „Freiluftkino in Dresdens Umgebung” stand auf dem Plan. Dass das Illustrationsmotiv jedoch etwas mit Leinwänden zu tun haben wird, schloss ich gleich mal aus. Zu offensichtlich, zu langweilig. Mit den zuständigen Redakteurinnen verständigte ich mich schnell auf ein Foto, das vielmehr den Reisecharakter in den Vordergrund stellt, ganz nach dem Motto „Pack das Popcorn ein, sattle den Koffer, halte die Getränke kalt es geht zur Kinorundreise”. Die Posier-Person wurde fix gefunden und auch um all den anderen Requisiten-Kram kümmerte sich die Kinoredaktion aufs vorbildlich Schnellste. Ich musste nur den geeigneten Ort für die Tramper-Szene überlegen (Straßenkreuzung vorm Dresdner Rathaus, ideal weil: viele Autos und viel grüne Umgebung), einen Abend-Termin (Dämmerungslicht war mir wichtig) vorgeben, an dem ich in der Stadt anwesend sein konnte und schon konnte alles über die Bühne gehen. Bei der raschen sowie gründlichen Vorbereitung war es natürlich wenig verwunderlich, dass auch das Popcorn frisch vom nahe gelegenen Kino zur Verfügung gestellt wurde. Alles flutschte also und ich hatte fix meine Motive im Kasten.

PS: Hinter meinem Rücken gab es, beobachtet und fotografiert von der zuständigen Kinoredakteurin, diverse Details, die ich euch zweieinhalb Lesern nicht vorenthalten will. Insbesondere müssen wohl die vorbeirauschenden Radfahrer am Fotogeschehen höchst interessiert gewesen sein. Und das immer nach demselben Schema: Zuerst der Blick auf das Model, dann auf das Schild, dann folgte wahlweise ein Grinsen oder ein Kopfschütteln. Scheinbar spielte wohl eine Radfahrerin kurz mit dem Gedanken, die junge Schein-Anhalterin mitzunehmen, nachdem sie hinter auf ihren Einkaufskorb schaute, offensichtlich grübelnd, Stirn runzelnd. Auch ich geriet mit meinem Körpereinsatz zum Gegenstand öffentlichen Interesses. Meine normale Fotografierhaltung, so ließ ich mir sagen, hätte etwas von einer ausgefallenen Sportart oder zumindest etwas von einer exzentrischen Aufwärm- und Dehnübung….

PPS.: Möchtest du auch mal Popcorn am Straßenrand naschen? Oder einfach so für eines der vielen „ad rem”-Illustrationsmotive posieren? Dann melde dich: leserpost@ad-rem.de

Entstehungsgeschichte zum Artikelbild „Nacht der Forschungsgeister”in „ad rem” 16.2010 vom 16. Juni, Seite 2

Von Amac Garbe

Eine alte, viel zu oft umgesetzte und gehörig abgedroschene Medienweisheit lautet ja: Tiere und Kinder gehen immer. Wenn einem also mal nichts mehr einfallen sollte, kann immer noch ein süßes Katzenbaby oder ein goldiges Kind vor die Kamera gezerrt werden, der Durchschnittsleser würde sich jedes Mal freuen. Angesichts des aktuellen Illustrationsmotivs zur Langen Nacht der Wissenschaften kann auch mir eine solche Dünnbrettbohrerei nachgesagt werden. Allerdings ist in meinem Fall das “Motiv Kind” zwar in der Tat sehr simpel aber eben durchaus nett, wie ich finde.
Nachdem ich in den vergangenen Jahren alle möglichen und nahe liegenden Varianten zur Langen Nacht durchexerziert habe (Forscher unter der Bettdecke beim Laborieren, Forscher im Labor eingeschlafen, müder Forscher mit Streichhölzern die Augen offen haltend, etc.), wollte dieses Jahr gar keine Idee aufkommen. Zum Glück habe ich für diese Fälle einen sehr guten Freund, einer der besten “Think Tanks”, praktischerweise Pressesprecher eines forschenden Instituts in Dresden-Johannstadt und Urheber der alljährlichen Slogans zur Langen Nacht.

Diesmal wurde dieses Motto ausgerufen: “Forsch. Forscher. Am Forschen.” Eine in ihrer Art völlig billige Wortspiel-Komparation, in ihrer Wirkung jedoch umso treffsicherer. Die erste Bild-Idee des Freundes war ebenso einfach, nur zu aufwändig (Bild 1: adrette Forscherin mit kurzem Rock, Bild 2: Nerd im weißen Kittel, Bild 3: Nerd im weißen Kittel schaut der adretten Forscherin unter den Rock). Die zweite Idee war noch simpler, gleichfalls schnell umzusetzen und zudem noch jugendfrei (kleiner Junge in viel zu großem Forscher-Outfit sitzt wie selbstverständlich im Labor). Die Aussage war klar: Zur Langen Nacht kann jeder in den Forscherkittel schlüpfen. Für das Motiv traf es sich natürlich ganz gut, dass der kleine Sohn des Wortspiel-Freundes zur Verfügung stehen konnte. Er saß dann in den viel zu großen Laborklamotten regelrecht wie ein Profi an der Laborbank, schaute ein wenig forsch, ein bisschen frech in die Kamera, sagte nach 5 Minuten, dass es ihm genügte, er müsse nun Fußball schauen gehen, ich hatte mein Motiv im Kasten und war zufrieden. Mal sehen, welch schlichte Idee mir in einem Jahr aus Johannstadt angeboten wird.

Entstehungsgeschichte zum Titelbild „Hochschulen droht Rotstifteskapade“ in „ad rem“ 16.2010 vom 16. Juni, Seite 1

Von Amac Garbe

Wenn es mal wieder schnell gehen muss, und das ist bei der „ad rem“ vorzugsweise immer der Fall, sind nicht nur gute, sondern auch fix umsetzbare Ideen gefragt. So auch bei der Milliarden-Sparbeschluss-Titelstory, die Montagnachmittag noch unbebildert war. Ein Illustrationsmotiv musste her, welches einerseits gut die Milliardenkürzung umreißen kann, andererseits welches aber eben auch schnell und ohne Großaufwand geschossen werden kann. Der Gedanke, dass nach Geldkürzungen kaum noch etwas fürs Essen übrig bleiben wird, erschien am nachvollziehbarsten und besonders rasch umsetzbar.
Die Idee: Eine Person sitzt am Tisch. Vor ihr eine lächerlich karge Kost. Und was ist unschlagbar lächerlich? Genau: ein paar Erbsen. Das Bild war quasi im Kasten. Ich brauchte nur noch die stellvertretende Stellvertreter-Chefredakteurin in die Kantine bitten, schon hätte es losgehen können. Hätte. Die Rechnung wurde nicht mit der Verlagskantine gemacht. Nach einigem Hin und Her konnte der Küchenchef lediglich Linsen auftreiben. Erbsen jedoch nicht. Es mussten also Erbsen von irgendwo anders her. Ich hatte aber wenig Lust, mich darum zu kümmern. Musste ich letztlich ohnehin nicht. Denn so schnell konnten wir, die stellvertretende Stellvertreter-Chefredakteurin und ich, gar nicht in unseren Bürostühlen zurücksinken, so schnell sprang die Chefredakteurin persönlich raus in die brütende Hitze, schwang sich aufs Rad und kam nach 18 Minuten, trainiert wie sie ist, ohne ein einziges Schweißtröpfchen auf der Stirn mit einem Döschen feinster Erbsen sowie einer Schale köstlichster Erdbeeren zurück. So eine Einkaufs-Galerie in der Nähe hat doch ihre Vorteile. Nach dem dann nun aber wirklich zügigen Shooting hatten wir schließlich noch das perfekte Beerenlabsal. Was mit der Erbsendose geschah, nachdem ich ihr genau abgezählt acht Erbsen entnahm, weiß ich übrigens zur Stunde nicht.

Entstehungsgeschichte zum „ad pilam“-Titelbild

Von Amac Garbe

Zwei Leute schlurfen mit einem blütenweißen Fußball-Trikot über eine Wiese – das Trikot immer unter ihren Füßen. Dann walken sie es mit der typischen Wäschewaschenbewegung im Dreck. Drücken Gräser darauf aus. Halten es in die Höhe. Prüfen mit kritischer Miene. Und wiederholen diese Prozedur noch einige Male.

Diese Szenerie bot sich all jenen, die beim Dresdner Magazin Verlag ihr Büro zur Nordseite haben und mir bei der Produktion des Titelmotivs für den „ad pilam“-Fußballplaner zuschauen konnten. Was so destruktiv unsinnig aussah, war die wichtige Endphase der Vorbereitungen für das Shooting. Nachdem ich den Auftrag erhielt, mir innerhalb weniger Tage ein Bild für den Titel einfallen zu lassen, musste ich zunächst Zeit und die passende Person finden. Das ging zum Glück gut. Ich fand einen Tag, an dem ich tatsächlich vor Ort sein konnte, und verwarf die aufwendige Bildidee, die die Chefredaktion und ich anfänglich präferierten (vier junge, sympathische, freizeitergossene Fußballgucker vor einem alten Minifernseher auf einer Dachterrasse mit Blick über Dresden).

Das tatsächliche Motiv, simpel wie wirkungsvoll, war dann klar: junge Dame mit einem Ball in der Hand. Aber eben nicht wie aus dem Ei gepellt, sauber, mit Lippenstift und geschniegelt, sondern schmutzig, verschwitzt, mit Blessuren und dennoch adrett. Eine Optik also, die sich einem bietet, nachdem man einen ganzen Nachmittag lang auf dem Bolzplatz verbracht hat. Ein beschmutzbares Trikot besorgte die junge Dame von einem Freund und ich einen alten, abgewetzten Fußball von meinem sportaffinen „ad rem“-Ersatzmann. Bevor das Shooting beginnen konnte, musste nun also aufs Schnellste das Trikot verschmutzt werden, was sich wirklich schwieriger gestaltete als gedacht. Wir traten, wir drückten, wir schoben, und wir rupften, damit es wenigstens halbwegs dreckig wurde. Dann schminkten wir Blessuren sowie Anstrengungsröte, verhalfen den Haaren per Wasser aus einer Trinktasse zu anständiger Schwitznässe, verwuschelten die Haare und endlich konnte das Motiv geschossen werden. Ein wunderbares Hinguckerbild ist entstanden.

Alles gut, alle zufrieden. Merkwürdigerweise und vor allem nicht nachvollziehbarerweise gab es verlagsintern Stimmen, die allen Ernstes meinten, das Titelmodel sei „zu alt“. Zum Glück blieben und bleiben diese Stimmen weitgehend ungehört. „ad rem“ ist ja keine Zeitung für Neugeborene. Ob das Trikot übrigens je wieder sauber geworden ist, müsste ich mal nachfragen …

PS: Möchtest Du auch mal Blessuren geschminkt bekommen? Oder einfach so für eines der vielen „ad rem“-Illustrationsmotive posieren? Dann melde Dich: leserpost@ad-rem.de

Entstehungsgeschichte zum Artikelbild „Offen, aber ziemlich leer“ in „ad rem“ 15.2010 vom 9. Juni, Seite 2

Von Amac Garbe

Und es regnete wieder. Außentermine waren unmöglich und mussten dennoch sein. Das war einer jener Tage, an denen man von allen Seiten nass wurde. Ich kam also am „Open: Campus“-Zirkuszelt auf der weichgeregneten Wiese hinter dem TU-Hörsaalzentrum an, die Redaktions-Praktikantin wartete schon und mich erwartete ein anstrengendes Set. Für die Füße: matschiger Morast. Für die Augen: farblose Dunkelheit.

Da konnte ich wahrlich kein vernünftiges Motiv produzieren – erst recht keine ordentliche Foto-Illustration zu dem ganzen Zirkus dort. Es ergaben sich aber in der Viertelstunde, die ich maximal Zeit hatte, um das Bild im Kasten zu haben, völlig unerwartet drei nette Dinge. Einmal fand sich sofort die passende Person, die stellvertretend für die ganze Aktion posieren und zitiert werden konnte. Dann gab der Himmel doch tatsächlich kurz Pause. Und Gunda Jägeler, die abzulichtende Person hatte plötzlich einen kleinen Begleiter an ihrer Seite, ihren Hund Arak. „Na wunderbar“, sagte ich. „Dann können wir ja regelrecht Zirkusstimmung aufkommen lassen, jetzt, da wir noch das Zirkustier haben.“ Durch den Wiesenmorast ganz ans andere Ende des Geländes gingen wir, ohne von oben besudelt zu werden. Am richtigen Platz angekommen, mit dem richtigen Blickwinkel auf das Zirkuszelt, positionierten sich die beiden Zirkusbewohner und machten ihre Sache ganz bestens. Jeder schaute exakt in die jeweils andere Richtung. Sehr gut. Am Ende kam nun doch ein vernünftiges Illustrationsbild heraus – zudem innerhalb meines Zeitplans. Ich war zufrieden. Und so ging es weiter. Mit mir. Und dem Regen.

Entstehungsgeschichte zum Artikelfoto „Auf die Kisten, fertig, los!“ in „ad rem“ 14.2010 vom 2. Juni, Seite 10

Von Amac Garbe

Ich war gerade mal drei Stunden in der Stadt, ein Termin jagte den anderen, jede Redaktion wollte schnell zu ihren Bildern kommen und dann war es der letzte Tagestermin, mit Seifenkisten-Mann Michael Kramer, der zunächst nicht flutschte.

Mails und SMS kreuzten sich ja schon den ganzen Tag. Er war und blieb leider unabkömmlich und ich unter Redaktionsschluss-Druck, Montagabend ist definitiv Ende bei der „ad rem“-Redaktion.

In seinem Büro traf ich dann lediglich seinen Kollegen – ich hatte den erlösenden Terminvorschlag missverstanden. Michael würde nicht bis 20.40 Uhr im Büro anwesend sein, sondern gegen 20.40 Uhr beim Büro sein können. Ich hatte nun aber schon um 20.30 Uhr meinen Friseurtermin, private Termine dürfen ja auch mal sein. Als Michael dann anrief, waren meine Haare schon gewaschen und der Haarschutzkittelumhang mir auch schon umgeworfen worden.

Ich zitierte ihn direkt zum Friseur und zwei Minuten später stand ich dann mit Kamera, nassen Haaren und wehendem Haarschutzkittelumhang auf der Straße (natürlich sehr zum Amüsement aller Zeugen), ließ Seifenkisten-Mann posieren und saß wenige Minuten später wieder auf dem Friseurstuhl. Sehr zufrieden, mein Tageswerk gerade vollbracht zu haben.

Entstehungsgeschichte zum Artikelfoto „Kapitalismus bei den Eiern“ in „ad rem“ 14.2010 vom 2. Juni, Seite 11

Von Amac Garbe

Die zuständige Autorin meinte, ich solle Carola Unser in der Dresdner Neustadt-Kneipe Stilbruch ablichten. Ein Ding der Unmöglichkeit. Die Terminierung fiel äußerst schwer. Wer wie ich in ganz Deutschland ständig im Einsatz ist, hat es nicht leicht, jemanden wie Carola Unser, die ebenso ständig in ganz Deutschland unterwegs ist, vor die Kamera zu bekommen.

Carola und ich mailten zunächst unsere Zeitoptionen hin und her. Das brachte nichts – außer der Erkenntnis, dass sie immer dann fort ist, wenn ich da sein könnte und umgekehrt. So klopften wir auf der nächsten Stufe der Terminierung telefonisch den Zeitraum von einer Woche, Tag für Tag, nach einem Terminchen ab. Ergebnis: Mainz, Sonntagvormittag, 30. Mai, um 10 Uhr. Mainz war also die einzige Stadt, in der wir uns vor Redaktionsschluss gleichzeitig aufhalten konnten. Sie hatte dort zu tun und ich befand mich in Köln – also quasi in der Nähe.

Vor dem Mainzer Hauptbahnhof gibt es eine hübsch begrünte, mit Gründerzeithäusern umsäumte Straße – ein guter Ort für ein nettes Bild. Eine Minute bevor Carola um die Ecke bog, begann es zu regnen. Na klar. Also wieder, wie so oft an diesen Tagen, musste Unterschlupf gesucht werden. In einem Nebengang des Hauptbahnhofs ließ ich sie dann endlich schnell posieren. Nach zehn Minuten war alles fertig, wir unterhielten uns noch kurz und schon düsten wir beide in verschiedene Richtungen weiter.

Manchmal, zum Glück sehr selten, kommt es dann zu überraschenden Überschneidungen, die leider weniger optimal sind. So geschehen beispielsweise in der aktuellen “ad rem”-Ausgabe. Bilder, die im Lauf einiger Wochen geschossen wurden, fanden zufällig gemeinsam ihren Weg in diese eine Ausgabe und entlarven
auf genau zwei Seiten ganz hervorragend, mit welch scheinbarer Einfallslosigkeit die Bilder geschossen wurden: Vier von sechs Bildern zeigen Personen mit verschränkten Armen. Jeweils sind die sich gleichenden Motive damals natürlich bewusst so arrangiert worden – allerdings eben ohne das Wissen, dass sie einmal alle so nah beieinander veröffentlicht werden würden. Die äußerst nette Nuklerarwaffen-Bekämpferin wollte ich mit ihren Mistreitern ebenso klar und entschlossen posieren lassen, wie den freundlichen Studentenrat und die lachenden Clubbetreiber. Auch die Autorin in Schwarzweiß wünschte sich vor Wochen schon, in einer neuen, eben jener Haltung, zu posieren. Dass es übrigens überhaupt so oft die verschränkte Haltung gibt, liegt einfach daran, dass auf diese Weise die Arme bei Oberkörperaufnahmen generell gut “aufgeräumt” sind – unabhängig von der zu transportierenden Entschlossenheit, Ablehnung oder Entspannung der Person.

Und aufgrund der grundsätzlichen Zeitnot muss immer wieder mal das schnellste Standardposenprogramm  abgespult werden. Unterm Strich fällt so etwas ohnehin kaum jemandem auf. Außerdem gilt wie schon immer: Nichts ist älter als die Zeitung von gestern.

60 Antworten to “Die Geschichten hinter den Bildern”

  1. MBankier Says:

    Man macht sich ja wirklich wenig Gedanken über die Entstehungsgeschichte eines Covers. Klar man kann es im Nachhinein analysieren und auf seine Komposition hin auseinander nehmen, aber das hilft weder dem Fotograf noch dem Model. Darum finde ich, auch wenn das Thema schon etwas älter ist, sollten sich jedes Magazin einen “Behind the scenes”-blog anlegen. Das wirkt einfach um ein vielfaches transparenter und gibt dem Magazin etwas Lebendiges quasi ein Kredit an Kredibilität. Und super Ergebnisse, ordentlich beschrieben, ist einfach lobenswert!

  2. Amac Says:

    Ach ja, Antje, obwohl es ja ein dunkles Gebäude ist, konnte die Sommersonne für eine sehenswert-schöne Stimmung sorgen. Und die Tasche war ja auch sehr super.

  3. antje Says:

    Mein Lieblingsbild ist das zu „Von Käsedecken und Jalousienärger”. Ich kann nicht recht begründen warum, es blieb mir einfach als schönste Komposition in Erinnerung. Auch wenn es damals nicht recht zum Text des Artikels passte, denn da wurde über den ASB geschimpft…

  4. Amac Says:

    Ja, danke, Toni, im England-Café ists aber auch wirklich leicht gewesen, die heimelige Atmosphäre einzufangen.

  5. Toni Says:

    Großes Lob für das Bild im England England. Das fasst sehr schön die heimelig-warme Atmosphäre ein!
    Und danke für die Neujahrsgrüße, das gleiche zurück :-)

  6. Amac Says:

    Doch, doch. Mir fielen viele Geschichten ein. Aber ich hatte wenig Zeit. Und Lust. Außerdem wollte ich dann doch lieber noch ein wenig warten, damit hier auch in der letzten Woche des Jahres etwas Neues zu lesen sein wird. Also Achtung, gleich, bald, demnächst kommt sie, die letzte Geshcichte hinter den Bildern für das Jahr 2010.

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