Sachsens SPD will dem chronischen Lehrerbedarf per Zehn-Punkte-Plan zu Leibe rücken

Von Christine Reißing

Dass es in Sachsen an Lehrkräften mangelt, ist nichts Neues. Der SPD-Fraktion scheint dies wie Schuppen von den Augen gefallen zu sein – sie fordert jetzt unmittelbare Maßnahmen.

Anfang Juni stellte die SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag ihren „Zehn-Punkte-Plan zur Abwendung des Lehrermangels in Sachsen“ vor. Er soll der „Konzeptlosigkeit der Staatsregierung“ entgegenwirken und den katastrophalen Entwicklungen im sächsischen Schulsystem Abhilfe schaffen. Denn bis zum Jahr 2030 treten in Sachsen 75 Prozent aller Lehrkräfte in den Ruhestand. Konstant steigende Schülerzahlen vertragen sich damit augenscheinlich schlecht. (more…)

„Schwerpunkt Bildung“ auf Sächsisch: Hochschulstellenabbau um zwei Jahre verschoben

Demo verpasst? Hier geht’s zu den Impressionen …

Von Michael Lemke

Rund 10 000 Demonstranten protestierten vergangenen Mittwoch vor dem Landtag in Dresden gegen die schwarz-gelbe Sparpolitik.

Zusammen mit Lehrern, Polizisten und Sozialarbeitern gingen etwa 4 500 Studenten auf die Straße, um unter dem Motto „Wir sind mehr wert – wer heute kürzt, zahlt morgen drauf!“ ihrem Unmut gegen bestehende und geplante Kürzungen (more…)

Akademische Mitarbeiter und Studentenvertreter verhindern vorzeitige Wahl

Die Rektorwahl im „ad rem“-Überblick …

Dresden. Der neue Rektor der TU Dresden soll nun doch am 16. Juni gewählt werden, heißt es aus dem Erweiterten Senat. In der vergangenen Woche hatte der Hochschulrat beschlossen, die Wahl um eine Woche vorzuverlegen. Sowohl die akademischen Mitarbeiter als auch die studentischen Senatoren und der Studentenrat hatten diese Terminverlegung kritisiert. (more…)

„ad rem“ lud Experten und fragte per Podiumsdiskussion nach der Zukunft der TU Dresden

Von Nicole Laube

Bekommt die TU Dresden als Exzellenzuni einen Platz an der deutschen Hochschulspitze, oder wird sie vorher vom sächsischen Finanzloch verschluckt?

Die gute Nachricht zuerst: Um den sächsischen Haushalt ist es gar nicht so schlecht bestellt, wie den Bürgern gemeinhin berichtet wird. Das stellte die ehemalige Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD) bei der Podiumsdiskussion „Exzellenz oder Mittelmaß – Die TU Dresden im Jahr der Entscheidung“ in der vergangenen Woche klar. Das große Jammern erscheine ihr manchmal fast als vorbeugende Totschlagtaktik für kluge Investitionen in die Zukunft, sagte Stange den Gästen sinngemäß, die im Vortragssaal der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek den Argumentationen von fünf Experten aus Uni und Politik lauschten. Stange plädierte dafür, den demographischen Wandel zu nutzen. Schon im kommenden Wintersemester werden 40 Prozent weniger Abiturienten an die Hochschulen gehen als jetzt.

Durchhalten ist jetzt die Devise

Noch könne sich das niemand vorstellen, sagte Stange, aber wenn es jetzt gelinge durchzuhalten und die Gelder für Sachsens Hochschulen nicht herunterzusetzen, reguliere sich der Druck bald von selbst. Neben Stange hatte die Hochschulzeitung „ad rem“ zusammen mit dem Förderverein der Philosophischen Fakultät PROPHIL und der StudentenStiftung Dresden auch den Noch-Rektor der TU Dresden, Prof. Hermann Kokenge, Prof. Ursula Schaefer, den Geschäftsführer des Studentenrates (StuRa) der TU, Steven Seiffert, und Dr. Ronald Werner, Abteilungsleiter Hochschulen im SMWK, auf das Podium geladen.

Während Geisteswissenschaftlerin Schaefer in der fast dreistündigen Diskussion vor allem auf die Defizite der Dresdner Lehramtsausbildung und die vor morbidem Charme strahlenden Räumlichkeiten ihrer Fakultät auf der Zeunerstraße aufmerksam machte, warb Rektor Kokenge einmal mehr für Exzellenz. Schließlich dränge die Zeit, denn ob es eine weitere Exzellenzrunde geben werde, stehe in den Sternen, sagte der Rektor.

Seine Forderung nach idealen Betreuungsverhältnissen in der Lehre kam zudem fast schon utopisch daher. Die Prioritäten der TU Dresden müssten auf der Lehre liegen. Die Abbrecherquoten seien ein Riesenproblem, Brückenkurse zu Studienbeginn müssten ausgebaut und die Studenten in den ersten Studienjahren individueller gefördert werden. Das sei allerdings nur erreichbar mit besseren Betreuungsverhältnissen, sprich: Mehr Lehrpersonal. „Wir sind am Limit“, schloss der Rektor sein mahnendes Plädoyer gegen Stellenabbau und weitere Kürzungen.

Fehlende Vision für die Hochschulzukunft

So wurde deutlicher denn je, dass die Zukunftsplanung ohne eine verbindliche Linie seitens des Wissenschaftsministeriums – beispielsweise durch eine Vereinbarung zwischen Land und Hochschulen – äußerst schwierig werde. Diese, an den Vertreter des Ministeriums gewandte Kritik, blieb leider ohne Antwort.

Anstatt konstruktiv zu diskutieren, verwirrte sich Dr. Werner eher im nebulösen Lamentieren. Einen Hinweis auf eine mögliche Vision des Landes in Sachen Hochschulen blieb er schuldig. Souveräner vertrat dagegen Steven Seiffert vom StuRa die Studentenschaft. Er scheute auch kritische Töne zur Exzellenzinitiative nicht, verpasste aber die Chance zu sagen, was die Studentenschaft ganz konkret von der Politik fordert. Zusammen mit den Gästen wurde später am Abend mehrfach das so genannte finanzielle Gießkannen- mit dem inhaltlichen Rasenmäherprinzip gegeneinander abgewogen. Bis schließlich im Plenum die viel sagende Frage aufkam: Was spricht denn eigentlich dagegen, gutes Mittelmaß anstatt halbe Exzellenz anzustreben? Was sei denn so schlimm daran, als gut aufgestellter Aufsteiger in der zweiten Liga zu spielen? „Ganz einfach“, sagte Stange, „das Spiel ist vorbei“. Es gilt jetzt, in der dritten und letzten Exzellenzrunde, zu punkten.  Und da war es dann auch wieder: Das liebe Geld.

Zum Foto: Die Meinungen sind gespalten bei der „ad rem“-Podiumsdiskussion.
Foto: Amac Garbe

Noch mehr Hintergründe zur Exzellenziniative hört Ihr hier auf der Homepage des  Campusradio

Debattensplitter.*

Auf das Argument des Ministeriumsvertreters Dr. Ronald Werner, die Hochschulen müssten attraktiver werden, entgegnete Prof. Ursula Schaefer mit einer Anekdote aus ihrem Alltag: Wenn sie mit Gästen auf dem Weg Richtung Institutsgebäude Zeunerstraße 1a–e unterwegs sei, sei sie oft geneigt, sie vor dem Anblick des Gebäudes zu warnen. „Es ist ein Unterschied, ob man in einer Stadtuni mit Gebäuden aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert lehrt oder in diesen Wellblechhütten“, sagte Schaefer.

Prof. Ursula Schaefer redete sich in Rage und mahnte, dass gute Lehre der Kern jeder Exzellenz sei. In der Hitze des Wortgefechts vertauschte sie die Wörter und wetterte gegen die „Intelligenzinitiative“.

Das elanvolle Statement der ehemaligen Wissenschaftsministerin Dr. Eva-Maria Stange für eine solide Ausfinanzierung der Hochschulen fasste Moderator, Journalist Michael Bartsch, mit den Worten zusammen: „War das etwa der Beitrag einer Ex-Wissenschaftsministerin, die sich für einen Rektor-Posten bewirbt?“

Aufgebracht sprach der Studentenratsvertreter, Law-in-Context-Student Steven Seiffert, über die aus seiner Sicht mangelhafte Kommunikation der Hochschulleitung im Rahmen der Exzellenzbewerbung. Seinen Appell richtete er an Rektor Kokenge, der allerdings blickte stur geradeaus und reagierte nicht.

„Exzellenz in der Forschung geht, salopp gesagt, über Köpfe“, redete Rektor Prof. Hermann Kokenge Klartext. Um dem Dilemma zu entgehen, schlug er ein auf Forschung basierendes Studium vor, denn die Exzellenzgelder des Bundes dürfen zwar nicht für Lehre an sich, wohl aber für „forschungsbasierte Lehre“ verwendet werden. Dieser Passus sei ein Hintertürchen, sagte Ex-Ministerin Dr. Eva-Maria Stange, der rege genutzt werden müsse.

Notizen: Franziska Lange
Fotos: Amac Garbe

* eine kleine Auswahl an Anekdoten, die der Podiumsdiskussion „Exzellenz oder Mittelmaß? – Die TU Dresden im Jahr der Entscheidung“ entsprangen

Achtung, Meinung.

Von Felix Prautzsch

Wahrlich: Exzellent war nicht alles, was der interessierte Teilnehmer an diesem Abend zu hören bekam. Wie Mittelmaß entsteht, das konnte dafür der Regierungsvertreter eindrucksvoll verständlich machen – indem man sich zu nichts Ganzem und nichts Halbem entscheiden kann. Wie das SMWK im „Jahr der Entscheidung“ damit bestehen will, blieb aber trotz hartnäckiger Nachfragen auch aus dem Publikum leider unklar.

Podiumsdiskussionen stehen ja ohnehin in der Gefahr, dass belanglose Einzelreden ausgetauscht werden und sich alle zum Schluss der seichten Harmonie freuen. Glücklicherweise hatten nicht alle der fünf sogenannten Experten dieses Ziel. Die Ex-Ministerin zumindest bewies, dass man sich der Bildungspolitik durchaus mit Leidenschaft und Sachverstand widmen kann.

Und auch die Vertreter der Wellblechhütten-Fakultät stachen mit Witz und Angriffslust heraus: Geistige Exzellenz aus den Favelas der TU?

Foto: Amac Garbe

„ad rem“ lädt am heutigen Mittwoch (21. April, 19 Uhr) zur Podiumsdiskussion „Exzellenz oder Mittelmaß?“

Von Christine Reitmayer

Fünf Experten, drei Stunden Zeit, zahlreiche kritische Gäste und eine Frage: „Exzellenz oder Mittelmaß?“ Das ist die Mischung für den heutigen Mittwoch.

Im Jahr 2012 beginnt die zweite Förderphase der Exzellenzinitiative, die sich Bund und Länder stattliche 2,7 Milliarden Euro kosten lassen. Dieses Geld geht dann an die besten Unis des Landes. Doch wie wird man eine der besten Unis des Landes, und wie definiert man eigentlich „Eliteuniversität“?

Am heutigen Mittwochabend (21.4., 19 Uhr) findet im Vortragssaal der SLUB die Podiumsdiskussion statt, zu der die Hochschulzeitung „ad rem“, der Förderverein der Philosophischen Fakultät, PROPHIL, und die StudentenStiftung Dresden einladen. Auf dem Podest werden sich Rektor Prof. Hermann Kokenge, die ehemalige Wissenschaftsministerin Dr. Eva-Maria Stange (SPD), der Abteilungsleiter „Hochschulen“ im SMWK Dr. Ronald Werner, Akkreditierungsmitglied Prof. Ursula Schaefer und der Geschäftsführer für Hochschulpolitik des Studentenrats der TU Dresden, Steven Seiffert, die Ehre geben.

Doch 2010 stehen weit mehr Richtungsentscheidungen an, als nur Kurs auf die Eliteunilandschaft zu halten. Neben den Bemühungen, exzellent zu werden, darf schließlich auch nicht aus den Augen verloren werden, wie der gegenwärtige Standard erhalten bleiben kann. Und die Antwort auf diese Frage ist angesichts der alljährlichen Stellenkürzungen alles andere als trivial. (more…)

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