Für Euch rezensiert

Wie wär’s denn heute mal mit Kino?  Doch was läuft? Was verbirgt sich hinter den Titeln? Lohnt es sich, diesen Film zu sehen oder spare ich mir lieber das Geld? Fragen, die sich vielleicht  mit der ein oder anderen Kinorezension in Luft auflösen. Oder es ergeben sich vielleicht auch völlig neue Möglichkeiten. Also schnell mal nachgestöbert!

Zur Freiluftkinoseite

Zu den Theaterkritiken



Traumjob versus Traummann

„Verrückt nach Dir“ oder die Hürden einer Fernbeziehung

Von Nicole Laube

Sommerlieben sind in der Regel eine sehr kurzfristige Angelegenheit: Ein Flirt, ein paar romantische Abende, dann folgt der unausweichliche Abschied. So in der Art hatten sich das auch Erin (Drew Barrymore) und Garrett (Justin Long) gedacht, als sie sich nach sechs leidenschaftlichen Wochen am New Yorker Flughafen endgültig Adieu sagen wollten. Da haben sie ihre Rechnung jedoch ohne Amor gemacht.

Auch gut gemeinten Ratschlägen der besten Freunde und Verwandten zum Trotz („Wer kann über mehrere Kilometer Distanz schon treu sein?“) flattern daher bald wilde SMS und E-Mail-Nachrichten zwischen New York City und San Francisco hin und her. Dabei könnte alles so einfach sein, wenn Erin doch nur den begehrten Job als Zeitungsredakteurin in New York ergattern könnte. Aber Fehlanzeige. Die Stellen sind rar und als Erin schließlich die lang ersehnte Redakteursstelle in San Francisco angeboten bekommt, ist das Gefühlschaos perfekt.

Nanette Burnstein bringt mit „Verrückt nach Dir“ eine spritzige Liebeskomödie auf die Leinwand, die von vergeblichen Telefonsexversuchen bis hin zu überteuerten Flügen nahezu jedes Fernbeziehungs-Klischee filmisch auskostet. Der Streifen mit dem englischen Originaltitel „Going the Distance“ macht dabei genau das, was eine gute Komödie soll: Einfach Spaß. – Ein dickes Kino-Muss, vor allem für jene, die selbst schon einmal in Fernbeziehung gelebt haben oder dies gerade tun.

Kinostart: 02.09.

Zum Foto: Erin (Drew Barrymore) und Garrett (Justin Long).
Foto: Warner Bros.


Merlins Nachfolger

„Duell der Magier“

Von Janine Kallenbach

Goethes Zauberlehrling erlebt eine flapsige Neuinterpretation. Nicolas Cage versucht als großer Magiermeister mit seinem Lehrling Jay Baruchel die Welt vor Alfred Molina zu retten.

Tolle Effekte täuschen nicht über die flache Story hinweg. Und Baruchel nervt. Leider verschenktes Potential.

Kinostart: 02.09.


Zum Foto: Balthazar (Nicolas Cage) und sein Zauberlehrling Dave (Jay Baruchel).
Foto: Walt Disney


Religionskonflikt

„Zwischen uns das Paradies“

Von Antje Meier

Zunehmend verliert Luna (Zrinka Cvitešic) ihren Freund Amar (Leon Lucev) an den islamischen Glauben, und eine tiefe Kluft entsteht zwischen dem einstigen Liebespaar.

Den Zuschauer erwartet eine interessante Geschichte mit viel Tiefgang, aber leider fehlt etwas die Spannung. Dennoch sehenswert!

Kinostart: 02.09.


Zum Foto: Zerstörte Liebe: Luna (Zrinka Cvitešic) und Amar (Leon Lucev) haben sich voneinander entfernt.
Foto: Neue Visionen


Die tödliche Lust

Verstörendes Szenario: Baran bo Odars „Das letzte Schweigen“

Von Antje Meier

Dieser Film blickt unverblümt in den menschlichen Abgrund.

Anstatt die Spannung langsam aufzubauen, wirft Baran bo Odar in seinem gelungenen Kinodebüt „Das letzte Schweigen“, einer Mischung aus Thriller und Melodram, den Zuschauer gleich mitten ins Geschehen, der zwei Männer bei einem Vorhaben beobachtet.

Sofort kommt ein mulmiges Gefühl auf, als ein kleines Mädchen auf einem Fahrrad eingeblendet wird. Als dieses in einen Feldweg einbiegt und ihr die Männer in einem roten Auto folgen, wird das
ungute Gefühl leider zur Wirklichkeit. Einer der beiden Männer, Peer (Ulrich Thomsen), zerrt das Mädchen in ein Weizenfeld, vergewaltigt sie und erschlägt sie im Affekt. Sein Beifahrer Timo (Wotan Wilke Möhring) beobachtet das Geschehen scheinbar schockiert. Nach diesem Vorfall verschwindet Timo aus der Stadt, gründet eine Familie und lebt ein normales Leben. Bis er in den Nachrichten erfährt, dass nach genau 23 Jahren an derselben Stelle erneut ein Mädchen verschwunden ist. Ihn befällt eine furchtbare Ahnung und die Schuldgefühle von damals kehren zurück. Er muss sich Gewissheit verschaffen.

In seiner Inszenierung, die sich durch beeindruckende Kameraaufnahmen, perfekte Schnitte und einer großartigen Konzipierung des Spannungsbogens auszeichnet, folgt Regisseur Odar der Romanvorlage „Das Schweigen“ von Jan Costin Wagner. So geht es weniger darum, wer der Mörder ist. Vielmehr dringt „Das letzte Schweigen“ in die Psyche des Täters, eines Mitwissers, der Angehörigen der Opfer und der Polizeiermittler vor und zeigt dabei vor allem die verschiedenen Facetten von Angst.

Kinostart: 19.08.

Zum Foto: Teilen die dunkle Leidenschaft für Kinderpornographie: Peer Sommer (Ulrich Thomsen) und Timo Friedrich (Wotan Wilke Möhring).
Foto: NFP


Keine Witzfiguren

Måns Herngrens „Männer im Wasser“

Von Antje Meier

Was machen frustrierte schwedische Männer? Na klar, Synchronschwimmen. Begann der Tanz im klaren Nass zunächst als Partygag auf einem Junggesellenabschied, wird für sieben Freunde bald weltmeisterlicher Ernst daraus: Sie gründen Schwedens einziges männliches Synchronschwimmteam und wollen
damit sogar zur WM nach Berlin.

Regisseur Måns Herngren erzählt mit „Männer im Wasser“ eine erfrischend komische Geschichte einer ausgedienten Hockeymannschaft, die sich zu neuen Ufern aufmacht und dabei völlig neue Seiten des Lebens entdeckt. Dabei steht die Ernsthaftigkeit der Charaktere trotz der skurril anmutenden Sportauswahl nie in Frage. Selbst wenn sich die Männer über Pediküre unterhalten und man sich das eine oder andere Schmunzeln nicht verkneifen kann.

Kinostart: 19.08.

Zum Foto: Junggesellenspaß: Schwedische Männer beim Versuch synchron zu schwimmen.
Foto: Pandora Filmverleih


Frankreich wunderbar

Brizés „Mademoiselle Chambon“

Von Nicole Laube

Es ist ein stiller Film, der umrahmt mit Alltagsbildern von einer besonderen Liebe erzählt. Dem Regisseur Stephan Brizé gelingt mit ausdrucksstarken Schauspielern eine zauberhafte Melange feinsten französischen Erzählkinos. Da ist der bodenständige Familienvater Jean (Vincent Lindon) und die Lehrerin seines Sohnes, Mademoiselle Chambon (Sandrine Kiberlain). Vier Augen, ein Blick, und da ist mehr. Bis zum Schluss hält der Film die Spannung zwischen Sehnsucht nach Zärtlichkeit und Erfordernissen des Alltags. Er wäre vielleicht einer der wenigen,
den man perfekt nennen müsste, wenn da nicht am Ende… Der
Streifen sei trotzdem wärmstens ans Herz gelegt.

Kinostart: 12.08.

Zum Foto: Sandrine Kiberlaine (Veronique Chambon).
Foto: Arsenal


Liebesschießen

Robert Luketics Komödie „Kiss & Kill“

Von Janine Kallenbach

Ashton Kutcher ist eine Augenweide. Abgesehen davon ist der Film „Kiss & Kill“ mit Katherine Heigl eine amüsante Komödie, die einem Tränen in die Augen treibt.

In Nizza trifft Computerspezialistin Jen (Heigl) auf den weltgewandten Spencer (Kutcher). Sie verlieben sich, heiraten und landen in der perfekten Vorstadtidylle. Doch Spencers 30. Geburtstag ändert alles, denn plötzlich ist eine Armee von Killern hinter ihm her. Im Kugelhagel versucht Spencer, nicht nur sein Leben zu retten, sondern auch seine Ehe.

Actiongeladen, ein bisschen schnulzig, vor allem witzig ist der neueste Streifen von Regisseur Robert Luketic, der das Rad nicht neu erfindet, aber trotzdem schön umsetzt.

Kinostart: 05.08.

Zum Foto: Jen (Katherine Heigl) entdeckt neue „Qualitäten“ an ihrem Mann Spencer (Ashton Kutcher).
Foto: Kinowelt


Liebessuchender

„Me too – Wer will schon normal sein?“

Von Janine Kallenbach

Im schlichten Alltagsgrau kommt „Me too“ auf der großen Leinwand daher und erzählt flott, aber mit Fingerspitzengefühl und feinem Humor von der Suche eines behinderten Menschen nach Liebe – ohne auf die Mitleids- und Betroffenheitsdrüse zu drücken. Denn Daniel (Pablo Pineda) hat zwar das Down-Syndrom, weiß aber genau, was er will. Nachdem er sein Studium abgeschlossen und einen Job gefunden hat, sucht er nun die Frau fürs Leben. Jeder rät ihm, er solle unter seines Gleichen suchen, doch Daniel will mehr. Er hat ein Auge auf seine Kollegin Laura (Lola Dueñas) geworfen, aber die hat eigene Sorgen und will ein normales Leben führen.

Kinostart: 05.08.

Zum Foto: Kleiner Mann ganz groß.
Foto: Movienet


Ein Traum im Traum

Christopher Nolans „Inception“ schafft neue Maßstäbe

Von Antje Meier

Ein Meisterwerk, das Filmgeschichte schreiben wird.

Bloß nicht den Blick von der Leinwand abwenden: In dem vielschichtigen, komplexen, ja fast überdimensionalen Drehbuch zu „Inception“, von Regisseur Christopher Nolan selbst verfasst, offenbart sich ein zehnjähriger Entstehungsprozess. Der Film lässt eine Welt entstehen, die beim Zuschauer den Atem stocken lässt.

Dom Cobb (fabelhaft: Leonardo DiCaprio) ist kein gewöhnlicher Dieb. Über die Träume der Menschen schleicht er sich in ihr Unterbewusstsein und stiehlt ihnen ihre Geheimnisse. Doch auch er trägt ein dunkles Geheimnis mit sich herum, das ihn immer häufiger bei seiner Arbeit behindert: Der Tod seiner Frau Mal (Marion Cotillard). Erst im Verlauf der Geschichte offenbart sich die gesamte Tragweite dieser Beziehung, die auch Grund dafür ist, dass Dom nicht mehr nach Amerika einreisen darf, wo er seine Kinder zurücklassen musste. Erst der mächtige Unternehmer Saito (Ken Watanabe) bietet ihm die Gelegenheit, zurückkehren zu können. Dafür soll Dom eine Inception vornehmen. Er soll bei Saitos Konkurrenten Robert Fischer (Cillian Murphy) den Gedanken einpflanzen, sein milliardenschweres Erbe abzulehnen. In einem spektakulären Unternehmen machen sich Dom und sein Team ans Werk. Doch es läuft nichts so, wie es geplant war.

Mit „Inception“ beweist Nolan („Memento“) wieder einmal, dass er sein Handwerk versteht. Eine originelle Geschichte, getragen von einer Schauspielriege, die ihresgleichen sucht, und brillant eingesetzte Effekte lassen den Zuschauer nicht aus dem Staunen herauskommen.

Kinostart: 29.07.

Zum Foto: Realität oder Traum? Dom Cobbs (Leonardo DiCaprio) Welten verschwimmen.
Foto: Warner Bros.


Auf russisch-französischem Traumfang

Radu Mihaileanus Tragikomödie „Das Konzert“

Von Franziska Lange

Tief unten, am Boden des Wischeimers, dreht sich Andreï Filipovs Lebenstraum im Takt des eintauchenden Schrubbers.

Immer dann, wenn Andreï Filipov (Alexeï Guskov) als Hausmeister des legendären Bolschoi-
Orchesters den Boden wischend den Proben der mittlerweile mittelmäßigen Musiker lauscht, erinnert er sich an seine Wunderknabenzeit. Einst dirigierte er als gefeierter Maestro das russische Orchester zum Weltruhm, ohne sich um das kommunistische Regime und dessen antizionistischen Parolen zu scheren. Als er sich weigerte, seine jüdischen Musiker zu entlassen, verlor er seinen Posten und wurde zum Putzmann im Bolschoi-Theater degradiert. Dort verliert sich der mittlerweile 50-Jährige trinkend im Selbstmitleid, bis ein ankommendes Fax im Büro des Direktors Olivier Morne Duplessis (François Berléand) seinen einstigen Lebenstraum über den Eimerrand schwappen lässt. Er beschließt, die Faxeinladung ins Pariser Théâtre du Châtelet anzunehmen, lässt das Papier verschwinden und gibt sich als Direktor Duplessis aus. Zwei Wochen bleiben ihm, um die alte Orchesterbesetzung zusammenzutrommeln und in den Westen zu fahren.

Regisseur und Drehbuchautor Radu Mihaileanu entspinnt eine vorhersehbare und dennoch mit unverhofften Wendungen gespikte Geschichte, deren klischeehaft ausstaffierte Nebenschauplätze nie ausufern. Da fideln die meistermusikalischen Russen gegen eine verkopfte Westwelt an. Da nutzen ganze Stämme von Sinti und Roma Filipovs Täuschungsmanöver für ihre erste Westreise und die Juden schachern in Paris selbst Ramsch zu Geld, um dabei beinahe den Auftritt zu verpassen. Selbst die vergangenheitsverliebten Parteitreuen vergisst Radu Mihaileanu nicht. Ihm gelingt ein tragikomisches Multikulti-Potpurri, auf das man sich einlassen muss. Wer glauben will, was er sieht, erlebt ein rasant-skurilles Märchen, das sich herzerwärmend festsetzen wird.

Kinostart: 29.07.

Zum Foto: Cellist Sacha Grossmann (Dmitri Nazarov) in seinem Krankenwagen, in dem er lebt und spielt.
Foto: Concorde


Selbsthass in Worten

Dietrich Brüggemanns „Renn, wenn du kannst“

Von Antje Meier

Glücklicherweise hat Dietrich Brüggemanns Kinodebüt andere Stärken als seine langen und für die Handlung teilweise unwichtigen Gesprächssequenzen: Nämlich ein tiefgründiges Drehbuch, das von ihm und seiner Schwester Anna Brüggemann geschrieben wurde, sowie ein tolles Schauspieltrio, allen voran Robert Gwisdek („13 Semester“), der vorzüglich die Rolle des Benjamin mimt.
Dieser sitzt nach einem Unfall im Rollstuhl und stößt mit seiner bissigen und verletzenden Art jede Person in seinem Umfeld weg. Bis er sich in Annika (Anna Brüggemann) verliebt, an der auch sein Zivi und Freund Christian (Jacob Matschenz) Interesse hat. Für Ben entspinnt sich ein fatales Liebesdreieck.

Kinostart: 29.07.

Zum Foto: Ein ungleiches Gespann: Benjamin (Robert Gwisdek, v.l.), Annika (Anna Brüggemann) und Christian (Jacob Matschenz).
Foto: Zorro Filmverleih


Mikrokosmos Straßenkreuzung

Verschroben und skurril: „Kleine Wunder in Athen“ von Filipos Tsitos

Von Antje Schöne

Griechenland, das ist blaues Meer, die Akropolis und das Restaurant um die Ecke mit Gyros und Ouzo.

Doch dieses typische Griechenland sucht man in „Kleine Wunder in Athen“ vergeblich. Der Film versucht nicht, die Seele eines ganzen Volkes zu erfassen, sondern betreibt eine Studie über die Natur des wahren griechischen Mannes, der sich an einem winzigen Platz im Herzen Athens befindet.

Stavros (Antonis Kafetzopoulos) betreibt einen kleinen Laden in einer sehr ruhigen Straße von Athen. Seine Tätigkeit besteht darin, morgens einen Tisch mit vier Stühlen vor den Laden zu stellen, um mit seinen drei Freunden dem Tag beim Verstreichen zuzusehen. Die Langeweile vertreiben sie sich mit halbsinnlosen Gesprächen, Fußball spielen auf der Straßenkreuzung und dem Runterputzen von arbeitsamen Migranten. Über diese wichtigen Dinge hinaus muss Stavros noch ein Auge auf seine Mutter haben, die nach einem Schlaganfall auf Hilfe angewiesen ist und mental abbaut. Seitdem sich seine Frau von ihm getrennt hat, wohnt er alleine bei Mama und kümmert sich aufopferungsvoll um die alte Dame.

Das klingt alles eher langweilig. Ist es auch, aber auf eine authentische Art. Regisseur Filipos Tsitos gelingt eine Offenbarung über den griechischen Mann fortgeschrittenen Alters: Sein Verhältnis zum Leben im Ganzen, seine Verachtung für die Obrigkeit im Speziellen, die Beziehung zur Mutter, zur Frau, zu den brüderlichen Freunden und zu Fremden. Und wie er aus dem Gleichgewicht gerät, wenn sich etwas ändert.

Kinostart: 22.07.

Zum Foto: Stavros und seine Freunde sitzen jeden Tag vor dem Kiosk und wundern sich über das Leben.
Foto: Neue Visionen


Feuer und Flamme

DiCillos „The Doors – When you’re strange“

Von Antje Schöne

Kaum eine Band hat das Aufbegehren einer jungen Generation so verkörpert wie „The Doors“. Ihre unverwechselbaren Sounds, ihr Wille zu bedingungsloser künstlerischer Freiheit, ihr Hang zu den dunklen Seiten der Seele und Jim Morrisons Exzesse inspirierten Generationen von Jugendlichen.

Fast 40 Jahre nach dem Tod des charismatischen Rockpoeten Jim Morrison hat die Band nichts von ihrer Faszination eingebüßt. Denn so ist das mit Ikonen: Sie sterben nie. Zum Grab von Jim Morrison, Frontmann der legendären Rockband, pilgern noch immer Zigtausende. Und in der Musikdokumentation „The Doors – When you’re strange“ feiert der skandalerprobte Sänger eine grandiose Wiedergeburt.

Die Doku erzählt die Geschichte der Band: Von den Anfängen am Strand von Venice Beach 1965 über die sechs Studioalben bis zu Jim Morrisons Tod im Jahr 1971. Um die Wahrheit vom Mythos zu unterscheiden, verzichtet der preisgekrönte Regisseur Tom DiCillo auf Schauspieler und verlässt sich allein auf bisher ungezeigte Kurzfilme von Morrison und noch nie vorgeführtem Archivmaterial.

Chronologisch aufgebaut, entpuppt sich die Geschichte der Band als Drama, spannend wie eine Spielhandlung. Zwar wird die Geschichte aus der Rückschau interpretiert (mit Johnny Depp als Erzähler), aber trotzdem kommt es einem so vor, als sei man dabei gewesen. Das Schöne an der Dokumentation: Die Erzählung ist ausreichend geschlossen, um sich zu einer Geschichte zu fügen. Andererseits ist sie offen genug, um jedem Zuschauer seinen eigenes Bild zu ermöglichen.

Kinostart: 22.07.

Zum Foto: Da war die Welt noch heil: Jim Morrison (li.) und Bandkollegen.
Foto: Kinowelt


Aufklärung auf Italienisch

Familiengeschichte all’italiana über die Liebe zu Pasta, Frauen und Männern

Von Antje Schöne

Ein Geständnis machen zu müssen ist wie Pasta zu kochen: Man muss bei beidem den richtigen Zeitpunkt beachten.

Tommaso (Riccardo Scamarcio), der jüngste Sohn der Familie Cantone, will sich nicht länger verstecken. Seine Familie soll endlich wissen, dass er nicht Wirtschaft, sondern Literatur studiert.

Darum will er auch ganz bestimmt nicht nach Hause zurückkehren, um in den Familienbetrieb, eine Pasta-Fabrik, einzusteigen. Und das ist noch nicht alles: Beim festlichen Familienessen will er reinen Wein einschenken und außerdem erzählen, dass er schwul ist. Aber sein älterer Bruder (Alessandro Preziosi) kommt ihm mit der Enthüllung eines eigenen pikanten Geheimnisses zuvor. Durch den folgenden Herzinfarkt des Papas muss Tommaso doch den Firmenchef mimen, der Freund in
Rom und die ersehnte Freiheit rücken in weite Ferne.

Auf den ersten Blick ist „Männer al dente“ ein typisch italienischer Familienfilm. Alle sind dabei: der konservative Vater, die stets auf Harmonie bedachte Mutter bis hin zur Alkoholikertante, die ihren Cinzano getarnt als Hustensaft vom Löffel trinkt. Nur die zwei schwulen Söhne wollen nicht so recht ins Bild passen.

Auch wenn der Film dank vieler witziger Szenen (besonders wenn Tommasos Freunde aus Rom zu Besuch kommen) eher leicht daherkommt, behandelt er ein ernstes Thema. Denn anscheinend ist Regisseur Ferzan Ozpetek der Meinung, dass Italien – ein Land, in dem Katholizismus und Machotum herrschen – einen Aufklärungsfilm braucht, um zu wissen, dass Homosexualität nicht heilbar und es egal ist, ob sich das ganze Dorf das Maul zerreißt. Die Hauptsache ist doch, man findet sein Glück.

Kinostart: 15.07.

Zum Foto: Wenn schwuler Besuch die italienische Familienidylle stört: Andrea (Daniele Pecci, links), Massimiliano (Mauro Bonaffini, Mitte) und Davide (Gianluca De Marchi, rechts).
Foto: Prokino


Verlassener Mondstaub

Jones’ „Moon“ und das Scheitern eines Mannes

Von Matthias Schöne

In der Zukunft sind die Energieprobleme der Menschheit gelöst. Die Firma Lunar baut auf dem Mond Helium 3 ab, das zur Kernfusion auf der Erde benötigt wird. Die Anlage läuft fast vollautomatisch, allein zur Wartung wird ein Techniker benötigt. Diesen Job übernimmt Sam Bell (Sam Rockwell) mit ziemlicher Gleichgültigkeit. Nur der Computer Gerty leistet ihm Gesellschaft.

So vereinsamt, klammert sich Sam an die wenigen Videobotschaften seiner Frau Tess (Dominique McElligott) und seiner Tochter Eve (Kaya Scodelario) und sehnt sich die Rückkehr auf die Erde herbei. Doch dann verursacht er einen Unfall mit einem Lastwagen, verliert das Bewusstsein, wacht, umsorgt von Gerty, auf der Krankenstation auf und muss erkennen, dass die Raumstation ein todbringendes Geheimnis birgt.

„Moon“ ist kein typischer Science-Fiction-Film, sondern mehr psychologische Studie. Spannend und temporeich beginnt der Film und hält das Tempo auch bis zum Ende. Leider sind die Rollen zwischen Gut und Böse schnell geklärt und der weitere Verlauf vorhersehbar. Man hätte sich ein paar interessante Wendungen gewünscht. Darüber hinaus sind zur Konstruktion der Handlung einige logische Ungereimtheiten notwendig.

Im Großen und Ganzen wird mit reichlich Action solide unterhalten, auch wenn der Film nicht durch übermäßige Kreativität heraussticht.

Kinostart: 15.07.

Zum Foto: Sam (Sam Rockwell) und Frau Tess (Dominique McElligott).
Foto: 24 Bilder


Wenn der Herbst den Frühling liebt

Percy und Felix Adlons „Mahler auf der Couch“ lebt vom Bühnentalent Barbara Romaner

Von Franziska Lange

So wie ihr Klavierspiel den Raum einnimmt, setzen sich seine Blicke auf ihr fest.

Ihre Lebendigkeit und Jugend wirft Wiens Hofoperndirektor Gustav Mahler (köstlich wankend zwischen kauzigem Musikgenie und charmant-lüsternem Verführer: Johannes Silberschneider) aus der Bahn. Ihn bringt der Anblick der jungen Alma Schindler (alle übrigen an die Wand spielend: Barbara Romaner) um den Verstand.

Vom jungen Wiener Künstlertum geliebt, heiratet die Geniebeseelte im Glauben an die verbindende Kraft der Musik den 19 Jahre älteren Komponisten Mahler. Nicht ahnend, dass der Eigenbrötler selbstherrlich und egomanisch keine Konkurrenz an seiner Seite duldet. Er suchte ein Weib, und keinen Kameraden. Während sie mit seiner Musik kaum etwas anfangen kann, verbietet er ihr das Komponieren. Immer enger schnürt sich die Schlinge seiner Egozentrik um ihren Hals, die erst der schneidige Architekturstudent Walter Gropius mittels heftiger körperlicher Lust zu lösen versteht. Von einer Sitzung beim Psychologen Sigmund Freud (herrlich bärbeißig: Karl Markovics) erhofft sich der betrogene Mahler Beistand, doch Raubein Freud schickt ihn zurück in die eigene Erinnerung und bringt Mahlers Bild von der Musenehe gehörig ins Wanken.

Die Vater-Sohn-Regie von Percy und Felix Adlon setzt auf mahlersinfonisch untermalte Rückblenden – und unsinnige Einblenden im Dokumentarstil. So wendet sich beispielsweise Mahlers intrigante Schwester plötzlich aus der Handlung heraus, um dem Zuschauer die Handlung mit Hintergründen zu kommentieren, die Kinoleinwandneuling Barbara Romaner längst energiegeladen und so augenschmausig glaubhaft auf die Leinwand spielte, dass jeglicher Erklärungsbedarf schon im Keim erstickt wurde. Eine deutsch-österreichische Koproduktion, der es – abgesehen von den unnützen Einblenden – gelingt, das künstlerische Wien der 20er-Jahre trotz alltäglichen Ehegeplänkels spannend aufleben zu lassen.

Kinostart: 07.07.

Zum Foto: Therapiesitzung für Mahler (Johannes Silberschneider) und Freud (Karl Markovics).
Foto: Kinowelt


Der Schein trügt

Liebe aber auch, wie Richard Eyres „Der Andere“ beweist

Von Janine Kallenbach

Liam Neeson ist in den letzten Wochen omnipräsent auf der Kinoleinwand. Nach „Chloe“, „Five Minutes to Heaven“ und dem im August startenden „A-Team“ läuft nun „Der Andere“ an.

Wieder einmal verrät der deutsche Titel nicht, worum es im Film eigentlich geht. „The Other Man“, so der original Schriftzug, lässt schon eher erahnen, dass es sich um eine Dreiecksbeziehung handelt. Bei einem Abendessen stellt Lisa (Laura Linney) ihrem Mann Peter (Neeson) beinahe nebenbei die Frage, ob er glaube, dass man ein Leben lang nur mit einem Menschen zusammen sein kann ohne fremdzugehen. Es ist der Anfang einer seelischen Odyssee für Peter, denn kurz darauf verschwindet seine Frau. Ohne ein Wort des Abschieds. Seine Pein wird erhöht als er herausfindet, dass ein gewisser Ralph (Antonio Banderas) in Lisas Leben eine besondere Rolle spielt. Kurz entschlossen macht er sich auf nach Mailand, um sich diesen Ralph
vorzuknöpfen.

Basierend auf Bernhard Schlinks gleichnamiger Erzählung inszeniert Richard Eyre eine sensible Liebesgeschichte, die Drama und gleichsam Psychothriller ist. Nichts ist so wie es scheint. Banderas überzeugt als heißer Latin Lover ebenso sehr wie Neeson als Liebesnarr. Gerade durch das starke Zusammenspiel der Beiden entgleitet der Film dem Zuschauer nicht. An einigen Stellen holpert die Geschichte, aber das macht der klasse Soundtrack wieder wett. Und in knackigen 90 Minuten erleben die Zuschauer am Ende eine wirkliche Überraschung.

Kinostart: 01.07.

Zum Foto: Lisa (Laura Linney) entflieht ihrer Ehe in den Armen ihres Liebhabers Ralph (Antonio Banderas).
Foto: 24 Bilder


Fremdschämen für Fortgeschrittene

Riad Sattoufs „Jungs bleiben Jungs“ zwischen Präpotenz, Pickel und Pubertät

Von Antje Schöne

Hervé ist ein ganz gewöhnlicher Vierzehnjähriger mit mehr Pickeln als Verstand.

Von seiner Libido gebeutelt, lebt Hervé allein mit seiner aufreizend verständnisvollen Mutter. In der Schule haben er und sein bester Freund Camel nur ein Ziel: endlich ein Mädel aufreißen! Doch alle ihre Annäherungsversuche scheitern schmählich – bis ausgerechnet Aurore, eine der Schönsten, ohne ersichtlichen Grund Hervé mit ihrer Gunst beglückt. Sein Kumpel Camel ist alles andere als glücklich über die Entwicklungen. Immer noch Single, neidet er seinem Freund den Erfolg. Hervé weiß fortan nicht mehr, wie ihm geschieht. Er wäre wie alle Jungs in seinem Alter gern schon ein Mann, aber der Weg dahin ist mit exquisiten Peinlichkeiten gepflastert.

Riad Sattoufs Komödie „Jungs bleiben Jungs“ aus Frankreich eroberte Cannes im Sturm und hat in Frankreich bereits eine Million Zuschauer. Doch eine Million Zuschauer müssen sich irren. Der Weg, den Hervé geht, ist nicht nur grausam für ihn, sondern auch grausam für den Zuschauer. Oder was ist komisch an Nahaufnahmen von ersten, viel zu feuchten Küssen umrandet von pickligen Gesichtern?

Und auch Onanierrituale mit übergezogener alter Socke sollen im Film nicht nur einmal zum Lachen bringen. Alles schon bekannt, nicht mal mehr beim ersten Mal lustig.

Der Film kommt fast ohne Handlung daher und bringt einen stereotypen Gag nach dem anderen. Dann doch lieber „American Pie“, da sind die Witze kultig. Diese französische Klamotte über pubertierende Teenager ist Zeitverschwendung.

Kinostart: 01.07.

Zum Foto: Hervé (Vincent Lacoste) übt schon mal für seinen großen Moment.
Foto: Kinowelt


Geh ins Bett mit mir

Sánchez Arévalos „Gordos – Die Gewichtigen“

Von Janine Kallenbach

Spanische Filme sind immer ein bisschen grau und völlig ungeschminkt. Von stilistisch ausgefeilten Szenen halten sie nicht viel. Der Mensch in all seiner Pracht und all seinem Verlangen steht im Mittelpunkt.

Daniel Sánchez Arévalo („Dunkelblau-fast schwarz“) hält einmal mehr den Zuschauern einen Spiegel vor. Mit seinem neuesten Streifen „Gordos – die Gewichtigen“ wirft er die banale Frage auf, was uns dick macht.

Fünf Menschen, unterschiedlicher Gewichtsklassen, landen in der Therapiestunde von Abel (Roberto Enríquez) um leichter zu werden. Die Stunde beginnt damit, dass Abel seine Schützlinge bittet, sich zu entkleiden. Er geht mit gutem Beispiel voran. Dem Zuschauer wird schlagartig klar, in welche Richtung der Film gehen will, denn abgesehen vom Übergewicht verbindet alle Protagonisten der Wunsch nach Zuneigung und intensiver körperlicher Nähe.

Leonor (María Morales) hat zugenommen, weil ihr Freund im Ausland weilt. Sofía (Leticia Herrero) will gerne Sex mit ihrem erzkatholischen Verlobten haben. Der schwule Enrique (Antonio de la Torre), einst schlank und rank, ist dem Jojo-Effekt zum Opfer gefallen und lechzt nach der Frau seines besten Freundes.

Daniel Sánchez Arévalo weiß sein Gespür für dramatische wie komische Momente geschickt miteinander zu verbinden. Stolz und Verletzlichkeit liegen ebenso nah beieinander wie Unsicherheit und Übermut. Unbeirrt lässt er seine Darsteller leiden, hoffen, verzweifeln und viel Sex haben.

Kinostart: 01.07.

Zum Foto: Abnehmen um jeden Preis.
Foto: Arsenal


Rache gegen die Schuld

Oliver Hirschbiegels „Five Minutes of Heaven“: Drama in drei Akten

Von Janine Kallenbach

Atmen. Schweres hastiges Atmen. Nichts prägt „Five Minutes of Heaven“ so sehr wie dieses ständig wiederkehrende schwere Atmen.

Alistair Little (Liam Neeson) ermordet als Jugendlicher Jim Griffin vor den Augen seines jüngeren Bruders Joe (James Nesbitt). Dreißig Jahre später will eine Fernsehsendung das Opfer und den Mörder zusammenbringen. Doch die Schatten der Vergangenheit sind allgegenwärtig.

„Five Minutes of Heaven“ ist ein Kammerspiel, perfide und faszinierend zugleich, das tiefe psychologische Wunden aufreißt. Doch ohne seine beiden Hauptdarsteller würde Oliver Hirschbiegels („Der Untergang“) Film in der Versenkung verschwinden. Bitterkeit, Hass, Schuld, Groll und jede Menge Aggressivität strömen unablässig auf den Zuschauer ein. Ständig schwankt man zwischen Abneigung und Faszination.

Sympathieträger ist eindeutig Neesons Charakter Little, der zwar ein Mörder ist und nun Gewaltlosigkeit predigt, aber an seiner eigenen Schuld zerbricht. Nesbitts Figur hingegen ist von Rachegelüsten zerfressen. Er glaubt, wenn er Little ermordet, wird er seine fünf Minuten im Himmel erleben. Tunnelblick, tiefe Atemzüge und Panik sind Griffins ständige Begleiter.

Beinahe ohne Musik, mit langen Dialogen und realistischen Szenenbildern für die große Leinwand bringt einem Hirschbiegel die Grenzen der menschlichen Psyche nahe.

Kinostart: 17.06.

Zum Foto:Die Zukunft geht für Little und seine Gang in Flammen auf.
Foto: Neue Visionen


Haushälterin gesucht

Festivalfilm „La nana – die Perle“ versucht sich auf der großen Leinwand

Von Janine Kallenbach

Stumpfsinnig und herrschsüchtig. Raquel ist beides. Haushälterin seit über 23 Jahren, hasst und liebt sie die Familie zugleich.

Sie verteidigt „ihre“ Familie gegen jeden Neuankömmling und terrorisiert die Tochter des Hauses bei jeder Gelegenheit. Doch Raquel (erschreckend gut: Catalina Saavedra) ist nicht mehr die Jüngste, und das große Haus auf Dauer in Schuss zu halten, fällt ihr zunehmend schwerer. So kommt es, dass die Familie noch eine zweite Haushälterin einstellt. Aber das lässt sie sich nicht bieten und so vergrault die ersten beiden Haushälterinnen. Das Ganze geht so lange, bis eines Tages Lucy (Mariana Loyola) eingestellt wird. Die Konkurrentin Lucy ist so anders als Raquel. Sie ist lebenslustig, treibt Sport, hört Musik und trägt bequeme Kleidung. Und sie lässt sich von Raquel nichts gefallen. „La nana – Die Perle“ von Sebastián Silva ist ein typischer Festivalfilm. Leise und tiefgründig. Und doch wird er es schwer im Kino haben. Denn es ist keine leichte Kost, die Silva mit typisch spanischer Erzählweise einem vorsetzt.

Schmucklos und grau in grau entblättert sich ein Sozialdrama. Der Film besticht durch seine hervorragende Charakterstudie von Raquel. Er zeigt die Ausmaße absoluter Anpassung und Aufgabe der eigenen Persönlichkeit. Eine Haushälterin, die in jungen Jahren in eine Familie gekommen ist und sich selbst verloren hat. Frust, Abneigung und Erschöpfung prägen jede Szene. Kein Hoffnungsschimmer macht sich breit. Und doch ist das Ende verheißungsvoll.

Kinostart: 17.06.

Zum Foto: Ein Gorilla im Spiegel. Raquel erkennt sich selbst nicht mehr.
Foto: Arsenal


Starke Frauen

Uli Gaulkes farbenfrohe Doku „Pink Taxi“

Von Antje Meier

„In Moskau gibt es 3 585 325 Autos. Davon sind 103 705 Taxis. Und es gibt 22 Frauentaxis, die ersten ihrer Art in Moskau.“

Diese Frauentaxis sind pink. Gefahren werden sie von Frauen. Befördert werden ausschließlich
Frauen. Die Geschichte dreier pink Ladys erzählt „Pink Taxi“ – ab 17. Juni im Dresdner Kino im
Dach.

Marina, Alla und Viktoria scheinen drei gescheiterte Frauen in den Wirren Moskaus zu sein. Ihre
Männer haben sich totgesoffen, sind mit jüngeren Frauen durchgebrannt oder waren einfach
„große fette faule Kater“. Allein mit den Kindern schlagen sie sich nun als Taxifahrerinnen durch.
Dabei treffen sie auf ihren Rücksitzen täglich junge, erfolgreiche Frauen, die keine Sorgen in Liebes- oder Gelddingen zu haben scheinen. Doch anstatt neidisch oder missgünstig zu sein, freuen sich die drei Frauen mit, singen fröhlich zu den Liedern im Radio und wühlen sich durch den Verkehr Moskaus. Sie meistern ihr hartes Leben auf ihre ganz eigene Weise: mit Humor, etwas Wehmut und vor allem Zusammenhalt unter den drei Frauen.

Uli Gaulke begleitet in seiner Doku „Pink Taxi“ die drei Frauen auf ihren Taxifahrten, belauscht
ihre Gespräche mit den Fahrgästen und besucht sie auch in ihren vier Wänden – geschickt verknüpfend greift er so Fragen auf, die sich wohl nicht nur Frauen in Moskau und Russland stellen, sondern alle Frauen betreffen. Wie kriege ich Liebe, Arbeit, Familie und Freunde unter einen Hut? Wie lange wird mein Glück anhalten?

Kinostart: 17.06.

Zum Foto: Viktoria fährt pink.
Foto: Flying Moon


Ein Licht am Horizont

Überraschend, überzeugend und hoffnungsvoll: „My Name is Khan“

Von Janine Kallenbach

„Mein Name ist Khan, und ich bin kein Terrorist.“

Ein Satz so simpel wie eindrucksvoll. Und doch beschreibt er genau, worum es Karan Johar mit „My Name is Khan“ geht.

Moslem Rizvan Khan (Shah Rukh Khan) leidet am Asperger-Syndrom,
einer leichten Form des Autismus. Gefühle auszudrücken fällt ihm schwer, dennoch findet er sein Glück in San Francisco an der Seite der hinduistischen Mandira (einfach hinreißend: Kajol).
Dann kommt der 11. September und verändert alles. Angst und Hass gehen um. Sein Stiefsohn Sam wird nur wegen seines Namens von Mitschülern ermordet. Mandira zerbricht an dem Verlust ihres Sohnes und schickt Rizvan fort. Er soll erst wiederkommen, wenn die Welt weiß, dass Sam kein Terrorist war. So beginnt für ihn eine ungewöhnliche Reise. Eine Reise auf der Suche nach dem mächtigsten Mann der Welt, dem Präsidenten der USA.

Der neueste Streifen aus Indien ist eine Mischung aus politischem Liebesfilm und Roadmovie. Vor allem aber ist er nicht das, was die meisten von einem Film mit Shah Rukh Khan erwarten. Kein Singen. Kein Tanzen. Nur ein großartiger Film über ein wichtiges Thema: Toleranz. Spannend, politisch, gefühlvoll und banal. Shah Rukh Khan – von der „westlichen“ Filmwelt oft belächelt – stellt unter Beweis, was für ein fantastischer Schauspieler er ist. Einer, der Menschen bewegt und an den Kinositz fesselt. Wie seine Filmfigur Rizvan auch. Einsam und einfühlsam reist dieser durchs Land, um seine Wahrheit der Dinge zu präsentieren: Es gibt gute und schlechte Menschen und Religion hat nichts damit zu tun.

Wie jeder kitschige, überpatriotische Hollywood-Streifen auch, wird es ab und an zu schmalzig. Aber im Gegenzug strahlt dieser Film noch lange nach, wenn andere Filme im Reich des Vergessens verschwinden.

Kinostart: 10.06.

Zu den Fotos:
Foto 1: Für Rizvan (Shah Rukh Khan) und Mandira (Kajol) ist die heile Welt zusammengebrochen.
Foto 2: Rizvan (Shah Rukh Khan) auf dem Weg zum Präsidenten.

Fotos: 20th Century Fox

Jagd nach Unschuld

Mit „Vergebung“ schließt sich die Millennium-Trilogie

Von Christiane Nevoigt

Gefoltert, vergewaltigt und mehrfach angeschossen – die unmenschliche Quälerei der scheinbaren Antiheldin Lisbeth erreicht düstere Ausmaße.

Am Ende von „Verdammnis“ wurde Lisbeth Salander (beängstigend authentisch: Noomi Rapace) durch ihren skrupellosen Vater und ihren Halbbruder sogar lebendig begraben. Eigenhändig aus der kalten Erde befreit, bricht sie nun schließlich zusammen und wird ins Krankenhaus eingeliefert. Widerwillig muss die wortkarge Lisbeth ihr Leben und ihre Freiheit in die Hände von Ärzten, Anwälten und die Gerechtigkeit legen. Denn sie steht im Mittelpunkt einer Verschwörung der Regierung, die die junge Frau erneut für geisteskrank erklären will, indem sie sie wegen mehrfachen Mordes anklagen. Nur der Journalist Mikael Blomkvist (Michael Nyqvist) glaubt an Lisbeths Unschuld und setzt alles daran, ihre manipulierte Vergangenheit zu entschlüsseln und die Intrigen der staatlichen Geheimorganisation zu enthüllen.

Mit „Vergebung“ endet nach „Verblendung“ und „Verdammnis“ die Bestseller-Trilogie des schwedischen Autors Stieg Larsson und trimmt damit die Handlung nochmal auf einen würdigen Höhepunkt. Auch (und vor allem) wenn man die Romane nicht verschlungen hat, lässt einen die Spannung des dritten Teils noch
mal die Fingernägel in den Kinosessel krallen. Denn Daniel Alfredson, der auch schon den Vorgänger inszenierte, verleiht dem Film zur komplexen Romanvorlage buchgetreu einnehmend düstere Bilder, die ganz ohne künstliche Nervenkitzelgewalt auskommen. Die ohnehin grausame Vergangenheit der Lisbeth Salander treibt die logische Handlungsfolge der Geschichte auf ein eindrucksvolles Finale.

Kinostart: 03.06.

Zum Foto: Lisbeth Salander (Noomi Rapace) auf dem Weg in den Gerichtssaal.
Foto: NFP


Vorsicht, ansteckend!

Das Tanzfieber geht mit „Street Dance 3D“ wieder um

Von Janine Kallenbach

Freunde des Tanzfilmes aufgepasst: „Street Dance 3D“ ist ein Muss für alle, die heiße Moves und groovige Musik mögen.

Carly (Nichola Burley) hat die einmalige Chance, mit ihrer Tanzcrew an der britischen Streetdance-Meisterschaft teilzunehmen. Ideen für neue Tanzschritte hat Carly viele, nur leider keinen Platz zum Trainieren. Durch Zufall lernt sie die Lehrerin Helena (Charlotte Rampling) kennen, die ihr überraschend die
Möglichkeit bietet, mit ihrer Crew die Räume der Ballettschule zu nutzen. Aber nur, wenn sie die Balletttänzer in ihre Choreografie integriert. Keine Frage, hier prallen zwei Welten aufeinander. Die hippen Straßentänzer passen nicht zu den geradlinigen Balletttänzern, doch gewinnen können sie nur, wenn sie sich zusammenraufen.

Wer jetzt spontan an „Save the last dance“ denkt, liegt nicht ganz falsch. Ähnlichkeiten lassen sich nicht leugnen, doch ein Abklatsch ist „Street Dance 3D“ deswegen noch lange nicht. Das Thema Ballett und HipHop ist das Gleiche, aber die Umsetzung ist eine völlig andere. Nicht nur weil dieser Film der erste seines Genres ist, der vollständig in 3D gedreht ist. Schick anzusehen ist das allemal, nötig nicht. Der Film macht auch so Spaß. Die Musik ist mitreißend, die Tanzszenen sind stilistisch ausgefeilt und sehen klasse aus. Gerade die großen Gruppentanzeinlagen sind ein echter Kracher und lassen die Füße mitwippen. Die Chemie zwischen Darstellern passt perfekt und sorgt für einen rundum gelungenen Kinoabend.

Kinostart: 03.06.

Zum Foto:Carlys Tanzcrew verschmilzt zu einer Einheit.
Foto: Universum Film


Im Strudel der Zeit

Jake Gyllenhaal muss in „Prince of Persia“ die Welt retten

Von Antje Meier

Welch’ ein Spektakel: „Prince of Persia – Der Sand der Zeit“ holt den Zuschauer in eine märchenhafte Abenteuerwelt aus 1001 Nacht und versetzt ihn in einen Rausch.

Rasant jagt Jake Gyllenhaal als Prinz Dastan über Dächer, klettert Wände hoch und überwindet Häuserschluchten, als er von den Schergen seines Onkels Nizam (Sir ben Kingsley) durch die Stadt Alamut verfolgt wird. Er soll seinen Vater, König Sharaman (Ronald Pickup), ermordet haben. Um seine Unschuld beweisen zu können, muss er seinen Brüdern Tus (Richard Coyle) und Garsiv (Toby Kebbell) die Macht des Dolches zeigen, den er zuvor der schönen Prinzessin Tamina (Gemma Arterton) abgenommen hat. Der Dolch, gefüllt mit dem Sand der Zeit, vermag den Träger dessen durch die Zeit zurück zu schicken. Sollte der Dolch jedoch in die falschen Hände fallen, könnte dies den Zorn der Götter herauf beschwören und damit die Welt zerstören. Zusammen mit Tamina, der Wächterin des Dolches, beginnt für Dastan eine abenteuerliche Reise wie sie im Buche steht.

Regisseur  Mike Newell („Mona Lisas Lächeln“, „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“) und Jerry Bruckheimer („Fluch der Karibik“, „CSI“) als Produzent haben ganze Arbeit geleistet: Tolle Kulissen in Marokko, großartige Kostüme, fantastische Computertechnik und Kameraeinstellungen geben dem Film seinen glanzvollen Rahmen, den ein energischer Jake Gyllenhaal, der seine Stunts gern selber macht, bestens zu füllen weiß und damit „Prince of Persia“ zu einem tollen Kinoerlebnis werden lässt. Nur die Dialoge und Liebesszenen an den wohl unpassendsten Stellen schmälern den Spaß, tun ihm aber keinesfalls einen Abbruch.

Kinostart: 20.05.

Zum Foto: Prinz Dastan (Jake Gyllenhaal) hat gerade die Macht des Dolches erkannt.
Foto: Walt Disney

Einen Kommentar hinterlassen