Für Euch rezensiert
Wie wär’s denn heute mal mit Kino? Doch was läuft? Was verbirgt sich hinter den Titeln? Lohnt es sich, diesen Film zu sehen oder spare ich mir lieber das Geld? Fragen, die sich vielleicht mit der ein oder anderen Kinorezension in Luft auflösen. Oder es ergeben sich vielleicht auch völlig neue Möglichkeiten. Also schnell mal nachgestöbert!
→ Zu den Theaterkritiken
→ Zur Filmdatenbank
→ Zum Archiv
Wenn das Eis bricht
Von Anne Göhre
Regisseur Mike Magidson drehte mit „Inuk“ einen eindringlichen Film über einen jungen Grönländer.
Das Eis knirscht, es knackt und als es schließlich bricht, zieht es einem Menschen den Boden unter den Füßen weg. Dieser Moment bestimmt das Leben des jungen Inuk (Gaba Petersen) noch Jahre später.
Weil sich seine Mutter (Elisabeth Skade) nicht um ihn kümmern kann, wird er aus der Hauptstadt Nuuk in ein Kinderheim im nördlichen Uummannaq geschickt, wo er sich eines Tages mit dem Jäger Ikuma (Ole Jørgen Hammeken) auf eine Reise ins Eis begibt. Vor einer beeindruckend bildgewaltigen Kulisse beginnt der Junge allmählich aufzutauen und scheint in Ikuma einen Vertrauten zu finden. Doch die Freundschaft der beiden wird auf eine harte Probe gestellt. „Inuk“ ist das Wort der Inuit für „Mensch“ und der Film zeigt eine überaus menschliche Geschichte: ein Leben, das auf dünnem Eis umherschlittert, welches wiederholt zerbricht. Immer wieder zieht sich Inuk hinter seine Kopfhörer zurück, aus denen grönländischer Rap über die großen Städte der Welt klingt – eine Musik wie ein Symbol für das Aufeinandertreffen von globalisiertem Lebensstil und der Kultur der Inuit.
Abgesehen von der Musik ist „Inuk“ ein leiser Film. Die wenigen Worte, die in der Kälte fallen, wirken oft analysierend, gelegentlich pathetisch, aber selten unpassend. Der Klang der grönländischen Sprache und die Laiendarsteller, die zum Teil selbst im Kinderheim von Uummannaq leben und arbeiten, geben dem Film ein hohes Maß an Authentizität und sorgen dafür, dass man das Kino mit einem unwirklichen Gefühl zwischen Beklemmung und Überwältigung verlässt.
Kinostart: 7.2.
Zum Foto: Inuk (Gaba Petersen, li.) im Eis.
Foto: Neue Visionen
Côte d’Azur
Von Johanna Mechler
Schöne Musen, landschaftliche Idylle und sonnenträchtiges Wetter: Der Film „Renoir“ ist ein wahrer Augenschmaus.
Es ist das Jahr 1915: Der Erste Weltkrieg ist in vollem Gange. Auf dem idyllischen Grundstück des betagten Malers Pierre-Auguste Renoir (Michel Bouquet) an der Côte d’Azur ist davon wenig zu spüren. Allein die Nachrichten seiner an der Front verwundeten Söhne trüben die sonst so friedliche Atmosphäre.
Der bekannte Künstler leidet an Altersarthritis und beklagt den Tod seiner Frau. Plötzlich taucht die junge Andrée (Christa Theret) auf, um für ihn Modell zu stehen, und erweckt den alten Mann zu neuem Leben. Durch ihre Attraktivität und ihr keckes Auftreten beschwingt sie Renoir zu neuer Schaffenskraft. Als Renoirs Sohn Jean (Vincent Doret) verwundet aus dem Krieg zurückkehrt, verliebt auch er sich in die schöne Muse.
Die malerischen Gärten des Künstlers sowie das immerwährende Sonnenlicht, in dem die Musen und Blumen stehen, lassen den Film zu einem Gemälde im Stil Renoirs werden. Der Zuschauer erfährt, wie der Maler bei dieser Atmosphäre zu seinen Kunstwerken inspiriert wurde. Auf der Darstellung dieser Inspiration liegt der Schwerpunkt des Films. Dafür muss der Zuschauer aber Abstriche bei der sehr einfachen Handlung machen. Auch bietet der Film kein Künstlerporträt von Pierre-Auguste Renoir, sondern Kino als sinnlicher Augenschmaus bei mäßiger Handlung.
Kinostart: 7.2.
Zum Foto: Altmeister Renoir.
Foto: Arsenal
Action à la Statham
Parker (Jason Statham) ist ein Dieb mit moralischen Grundsätzen, der nur die Reichen bestiehlt und niemanden verletzt, solange alle nach seiner Pfeife tanzen. Bei seinem letzten Coup wird er von seinen Partnern hintergangen. Parker will nicht nur Rache, sondern auch Gerechtigkeit für sich.
„Parker“ ist ein typischer Statham-Actionfilm, der für kurzweilige Unterhaltung sorgt. Hier und da hat er ein paar Längen und die pseudomoralischen Prinzipien des Protagonisten entbehren einiger Logik.
Kinostart: 7.2.
Realer Horror
Von Nadine Faust
Juan Antonio Bayonas „The Impossible“ überzeugt durch die pure Macht der Bilder.
Der 26. Dezember 2004: Eine riesige Flutwelle rauscht auf die thailändische Küste zu, während Henry (Ewan McGregor) und Maria Bennett (Naomi Watts) mit ihren drei Söhnen den Weihnachtsfeiertag am Pool verbringen. Die Idylle wird jäh zerstört, als der Tsunami aufs Land trifft und ausnahmslos alles mit sich reißt. Stille, dann unglaubliches Getose. Doch der Kampf gegen die Wassermassen ist nur der Beginn einer Odyssee.
Der spanische Regisseur Juan Antonio Bayona versucht sich nach seinem Erstlingswerk „Das Waisenhaus“ nun an der wahren Geschichte einer spanischen Familie, die die Flutwelle 2004 miterlebte. Dem mystischen Horror seines Erstlings setzt Bayona hier aber ganz realen Horror entgegen: die massive Bedrohung des Lebens durch die Natur, die nicht nur erschaudern, sondern regelrecht den Atem stocken lässt.
In der Riege der allesamt guten Schauspieler überzeugt neben der oscarnominierten Naomi Watts besonders Tom Holland als ältester Sohn Lucas, der für seine verletzte Mutter stark sein muss. Darüber hinaus beeindruckt vor allem die pure Macht der Bilder, an der nur die bedeutungsschwangere Musik ein wenig kratzt, und die über einige Übertreibungen hinwegtäuschen kann. Doch eines fehlt diesem bildgewaltigen Film wirklich: der Blick auf die einheimische Bevölkerung, die nicht nur Dienstleister und freundlicher Helfer ist, sondern vor allem eins – betroffen.
Kinostart: 30.1.
Zum Foto: Maria (Naomi Watts) und Lucas (Tom Holland) kämpfen gegen die Wassermassen an.
Foto: Concorde
Ein Silberstreif am Horizont
Bradley Cooper („Ohne Limit“) und Jennifer Lawrence („Winter’s Bone“) glänzen in David O. Russells „Silver Linings Playbook“.
Pat (Cooper) will nach achtmonatigem Psychiatrieaufenthalt sein altes Leben zurück. Das heißt für ihn, durch Sport und Selbstdisziplin seine Frau zurückzugewinnen und unter Beweis zu stellen, dass er sich geändert hat. Das ist nicht ganz leicht, schießlich führt seine bipolare Störung schnell zu Aggressivität, Stimmungsschwankungen und Gewaltausbrüchen. Was Pat braucht, ist Ruhe, doch die findet er zuhause bei seinem Vater nicht. Als dann Tiffany (umwerfend gut: Jennifer Lawrence), die ihren Mann verloren hat, in sein Leben rennt, macht sich schnell Verzweiflung breit. Nichtsdestotrotz entwickelt sich zwischen beiden eine komplizierte Freundschaft, geprägt von Psychopharmaka, Tanzwettbewerben, Baseballspielen und Eherettungsversuchen.
David O. Russell ist mit seiner Romanadaption von „Silver Linings Playbook“ ein tragikomisches Drama gelungen, das durch seine hervorragenden Schauspieler glänzt und die Frage aufwirft, wann ein Mensch als normal oder verrückt gilt. Die reichlich nervöse Kameraführung macht es dem Zuschauer am Anfang nicht gerade leicht, vertieft aber das labile Nervenkonstüm von Pat und Tiffany. Situationskomik und großartige Dialoge machen den Film sehenswert. Russell beweist, dass Angstzustände, Manien und Ticks überaus ernsthafte Themen sind, die aber nicht als schwere, drückende Kost präsentiert werden müssen. So ist mit ein bisschen Humor der Silberstreif der Hoffnung am Horizont erkennbar.
Kinostart: 3.1.
Zum Foto: Tiffany (Jennifer Lawrence) und Pat (Bradley Cooper) sind von einer heilen Welt weit entfernt.
Foto: Senator
Stiller Weltatem
Von Florian Schumann
„Breathing Earth – Susumu Shingus Traum“ ist ein gefühlvolles Porträt mit wichtigen Botschaften.
Susumu Shingu ist sich sicher: „Wer seine Träume ernst nimmt, dem werden sie wirklich. Wer nicht an Träume glaubt, dem geschehen auch keine traumhaften Dinge.“ Der japanische Künstler ist bekannt für seine Skulpturen, die auf allen Kontinenten stehen, hängen oder schweben und die sich stets mit den Elementen und ihrem Zusammenspiel beschäftigen. Sein Lebensprojekt heißt „Breathing Earth“, ein energieautarkes Dorf, das sich allein durch die Kraft von Wind und Sonne versorgt.
Die Reportage des deutschen Dokumentarfilm-Gurus Thomas Riedelsheimer begleitet den 75-jährigen Japaner und seine Frau auf der Suche nach einem geeigneten Ort für seine Vision und – vor allem – nach finanzieller Unterstützung. Dass Susumu Shingu kein Geschäftsmann ist, merkt man schnell. Ihm geht es um das Sichtbarmachen der Elemente und um die Schaffung eines Ortes der Begegnung, der Diskussion über Wasser und Wind. Er wirkt erleuchtet, ja weise, wenn er die Natur erklärt.
So ist „Breathing Earth“ vielmehr ein Porträt eines leisen Revolutionärs als eine Kunststudie oder wissenschaftliche Erklärung. Riedelsheimer gelingt ein sehr persönlicher Blick auf Susumu Shingu und dessen Philosophie, unterlegt mit der meditativen Musik von Stephan Micus. Wer also in der richtigen Stimmung ist und etwas Geduld mitbringt, dem wird „Breathing Earth“ einen großartigen Künstler und erstaunlichen Menschen vorstellen.
Kinostart: 27.12.
Zum Foto: Susumu Shingus Fröhlichkeit ist ansteckend.
Foto: Piffl Medien
Für eine bessere Welt
Von Eva Gößwein
Peter Sehr und Marie Noëlle zeigen in „Ludwig II.“ die facettenreiche Persönlichkeit eines Königs, der eine Welt ohne Krieg erschaffen wollte.
Ludwig II. (Sabin Tambrea) besteigt nach dem Tod seines Vaters im Alter von nur 18 Jahren den bayerischen Thron. Seine Vision: Das von Krieg und Armut geplagte Volk durch Kunst und Kultur in ein Leben voller Frieden und Glück führen. Er investiert die Staatsgelder in Theater, Musik und Bildung anstatt in Waffen; holt, aufgrund seiner Leidenschaft und Bewunderung für dessen Werke, sogar Richard Wagner (Edgar Selge) an den bayerischen Hof. Doch trotz seines anfänglich großen Interesses am politischen Geschäft formieren sich die Umstände seiner Zeit gegen ihn. Die Niederlagen in wichtigen Kriegen gegen Preußen und Frankreich zehren an Ludwigs Autorität, seine zuvor sorgsam ausgewählten Minister rebellieren gegen ihn. Der auch in Sachen Liebesleben tief gespaltene König zieht sich zurück und flüchtet in eine Traumwelt.
Bei ihrem gemeinsamen Drehbuch beziehen die Regisseure Peter Sehr und Marie Noëlle nicht nur bekannte Fakten, sondern auch bisher unbekannte Briefwechsel ein. Das Ergebnis ist ein, vor allem durch die Neuentdeckung Sabin Tambrea, belebter Film. Er verkörpert mit viel Eleganz und Sentimentalität den jungen Ludwig II., der voller Enthusiasmus versucht, eine perfekte Welt zu erschaffen, schließlich jedoch an der Realität zerbricht. Nicht nur durch seine prunkvolle Ausstattung überzeugt der an von Ludwig II. geschaffenen Schauplätzen wie Schloss Neuschwanstein oder Schloss Herrenchiemsee gedrehte Film.
Kinostart: 26.12.
Zum Foto: Sabin Tambrea haucht Ludwig II. neues Leben ein.
Foto: Warner Bros.
Kinder im Wald
Von Nadine Faust
Alexandra Schmidts „Du hast es versprochen“ fesselt leider nicht an den Kinosessel.
Eine deutsche Insel in der Nordsee, graue Tage, ein Wald und ein Geheimnis: Das klingt nach den richtigen Zutaten für einen guten, deutschen Mysterythriller. Doch Regisseurin Alexandra Schmidt verläuft sich bei ihrem ersten Spielfilm etwas.
Hanna Merten (Mina Tander) hat Mann und Tochter und arbeitet als Ärztin. Glücklich ist sie trotzdem nicht. Als Clarissa von Griebnitz (Laura de Boer), eine Freundin aus Kindertagen, nach einem Selbstmordversuch in ihr Krankenhaus eingeliefert wird, beschließen die beiden, zusammen mit Hannas Tochter wegzufahren. Auf eine Insel, auf der sie zusammen mit ihren Eltern vor 25 Jahren die Ferien verbracht haben. Doch dort angekommen, sieht Hanna ständig ein kleines Mädchen, das damals verschwunden sein soll. Nach und nach kommen Hannas Erinnerungen zurück und es entspinnt sich eine krude Geschichte.
Jungregisseurin und Drehbuchautorin Alexandra Schmidt bemüht sich mit „Du hast es versprochen“, einen Psychothriller mit Mysteryelementen zu spicken. Doch die Rechnung geht nicht vollends auf. Was anfangs spannend wirkt, entpuppt sich als zu verworren, unausgegoren, angestrengt, so dass das Ende des Films alles andere als an den Kinosessel fesselt. Darüber können auch Max Riemelt und Katharina Thalbach in den Nebenrollen nicht hinwegtäuschen. Und ebenso nicht die eigentlich traumhafte Kulisse. Nur eins zeigt uns dieser Film: Dass sich jede Tat rächen kann, auch wenn wir sie in Kindertagen begangen haben.
Kinostart: 20.12.
Zum Foto: Hanna und Clarissa als Kinder auf der Insel.
Foto: Falcom Media
Auge um Auge
Von Florian Schumann
„7 Psychos“ quillt über vor pechschwarzem Humor und genialen wie geisteskranken Momenten.
Hollywood-Autor Marty (Colin Farrell) wartet auf eine Eingebung für sein Drehbuch namens „7 Psychopaths“. Sein bester Freund Billy (Sam Rockwell) beschließt, ihm zu helfen, indem er per Zeitungsannonce nach Geisteskranken sucht, die über ihr Leben berichten wollen. Als Nebenbeschäftigung geht Billy mit seinem alten Freund Hans (Christopher Walken) der Entführung von Hunden nach, die er anschließend den Besitzern zurückbringt und den Finderlohn kassiert. Diesmal jedoch kidnappt er ausgerechnet den Shih Tzu des Mafiabosses Charlie (Woody Harrelson), woraufhin eine verrückte Gewaltspirale ihren Lauf nimmt.
Autor und Regisseur Martin McDonagh („Brügge sehen und sterben“) ist ein schwarzhumoriger Film gelungen, der nur schwer zu beschreiben ist. Angefangen bei den skurrilen Dialogen, erinnert auch die überbordende Gewalt im Kontext sich selbst nicht ganz ernst nehmender Figuren in beinahe jeder Szene an Quentin Tarantinos Filme. „7 Psychos“ ist eine Geschichte über Freundschaft, wie man sie so garantiert noch nie gesehen hat.
Marty und Billy formen das Zentrum der Handlung, während die übrigen Psychopathen einen blutroten Rahmen bilden und eine Fülle kleinster Details dafür sorgt, dass der Zuschauer nicht zu viel über die Story nachdenkt, sondern mit offenem Mund den Einfallsreichtum und die Konsequenz des Films bewundert. Er wandelt auf einem schmalen Grat zur Übertreibung und stürzt in einigen Szenen kurz ab. Dennoch kommt man an diesem intensiven Kinoerlebnis nicht vorbei.
Kinostart: 5.12.
Zum Foto: Psychopath Billy (Sam Rockwell) erklärt seinen Mitstreitern Hans (Christopher Walken) und Marty (Colin Farrell, v. r.), wie das finale Duell abzulaufen hat.
Foto: DCM Filmverleih
Nachts im Hotel
Von Lisa Neugebauer
Charmant wie eine Libelle und manchmal etwas trampelig wie ein Nashorn – Lola Randls Komödie „Die Libelle und das Nashorn“ mit Fritzi Haberlandt und Mario Adorf.
In einer Szene des Films stellt Ada Hänselmann (Fritzi Haberlandt) nüchtern fest: „Ich finde es enttäuschend, dass ich nie etwas Neues gedacht habe. Alles wurde schon mal gedacht.“ Dass sich Regisseurin Lola Randl bei „Die Libelle und das Nashorn“ nichts Neues gedacht hat, kann man ihr allerdings nicht vorwerfen.
Die Geschichte ist schnell erklärt. Die Nachwuchsautorin Ada sitzt nach einer Lesung mit dem Starschauspieler Nino Winter (Mario Adorf), der gerade erfolgreich seine Biografie vorgestellt hat, in einem Hotel fest. Sie kommen an der Bar ins Gespräch und verbringen die ganze Nacht miteinander – redend. Es geht um Liebe, Tod, merkwürdige Phantasien. Trotz dieses simplen Konzepts wird es nie langweilig und man erlebt etwas, das es so noch nicht gab.
Auf die Kleinigkeiten kommt es in diesem Film an. Großartig, wie Ada an einem Stück Kandis lutscht und es dann das pompöse Hotel-Treppenhaus hinunter wirft, oder wie ihr Telefonat nur Bruchstückhaft zu verstehen ist, weil die Schiebetüren des Hotels immer wieder auf und zu gehen. Die Dialoge sind toll und man fühlt sich zunehmend wohler mit dem alten Kauz und der überdrehten Frau.
Gegen Ende drehen sich die Themen fast nur noch um Liebe und Sex, was schade ist, da der Film so ein Klischee nicht nötig hat. Auch Ada, die eindeutig im Mittelpunkt steht, wirkt manchmal übertrieben jugendlich. Der Film ist aber mit einer großen Portion guter Laune gewürzt, die man aus dem Kino mit hinaus nimmt. Man hat das Gefühl, die zwei Hauptpersonen ein bisschen kennen zu lernen. Und kann sich dann entscheiden, wer das Nashorn und wer die Libelle ist.
Kinostart: 5.12.
Zum Foto: Nino (Mario Adorf) und Ada (Fritzi Haberlandt).
Foto: NFP
Infantiles Abenteuer
Von Marcus Herrmann
Rich Moores Animationsfilm „Ralph reichts“ entführt die Zuschauer in die fantastische Welt eines Videospiels.
Die ersten Momente dieses Films geben keinen Anlass zu Jubel. Verpixelte Männchen in altbackener Gameboy-Graphik spazieren über den Bildschirm. Doch plötzlich schimmert die Geschichte von Randale-Ralph, dem Bösewicht des Videospiels „Fix-it-Felix Jr.“ in packenden, großartig aufgelösten Bildern über die Leinwand.
Ralph ist es leid, stets alles kaputtmachen zu müssen und die Lorbeeren Felix, dem Helden des Spiels, zu überlassen. Seine Sehnsucht nach Anerkennung lässt ihn eine mutige Entscheidung treffen. Durch eine List verschwindet er aus seinem Spiel und gerät in das moderne Hightech-Game „Hero’s Duty“. Hier kämpft er an der Seite von Sergeant Tamora gegen fiese Cy-Bugs. Die Chance, seinen guten Charakter zu offenbaren, erhält Ralph aber erst in dem Racingspiel „Sugar Rush“. In einer zuckersüßen und knallbunten Umgebung lernt er die aufgeweckte Rennfahrerin Vanellope von Schweetz kennen. Auch sie ist, wegen eines Programmierfehlers, eine Außenseiterin. Über die witzigen Dialoge zwischen den beiden und ihre miteinander verwobenen Schicksale entfaltet der Film sein Potenzial.
Komik und Empathie für die Figuren sind in dem als Weihnachtsfilm konzipierten 3DSpaß die Zutaten, die gefallen. In turbulenten Abenteuern kämpfen Ralph und seine kecke Schutzpatronin um deren Rennfahr-Sieg. Dabei sind einige Unwägbarkeiten zu meistern. Ralph muss unter Beweis stellen, dass er ein großes Herz hat. Er erkennt schnell, warum die Zuneigung eines kleinen Mädchens wertvoller ist als jede Auszeichnung. „Ralph reichts“ bietet tolle Kinounterhaltung für die ganze Familie, weil die einzigartigen Landschaften und schrägen Charaktere sowie der Blick hinter die Kulissen der Automatenspiele die Disney-Komödie für jede Altersklasse sehenswert machen.
Kinostart: 5.12.
Zum Foto: Ralph will nicht mehr alles kaputt machen.
Foto: Walt Disney
Fiktion und Wirklichkeit
Von Florian Schumann
„In Ihrem Haus“ ist ein Lehrstück über Moral, Verlangen und die Suche nach Geborgenheit, das oft einen Haken zu viel schlägt.
Claude (Ernst Umhauer) sitzt in der Schule stets in der letzten Reihe und ist den Klassenkameraden in puncto Reife um einiges voraus. Als sein Lehrer Germain (Fabrice Luchini) einen Aufsatz von ihm korrigiert, staunen er und seine Frau Jeanne (Kristin Scott Thomas) nicht schlecht: Claude berichtet darin, wie er im Haus seines Mitschülers Rapha (Bastien Ughetto) herumspioniert, und macht sich über dessen „Mittelklassefamilie“ lustig. Germain, ein frustrierter Lehrer, der selbst ein verhinderter Schriftsteller ist, erkennt Claudes Talent. Er ermuntert ihn, weiterzuschreiben. Die beiden verfangen sich in einem außergewöhnlichen LehrerSchüler-Verhältnis, dessen Regeln meist Claude bestimmt und in dem Geschriebenes und Geschehenes bald nicht mehr scharf zu trennen sind.
„In Ihrem Haus“ spielt geschickt mit dem Publikum. So lässt Autor und Regisseur François Ozon Claudes Stimme im Verlauf des Films immer häufiger die Handlung vorantreiben, ohne dabei explizit darauf zu verweisen, was sich tatsächlich ereignet und was der Imagination des Zuschauers entspringt. Diesem kommt in dem satirisch-witzigen, teils spannend-perfiden Schauspiel die Rolle des Voyeurs zu, der nur allzu gern hinter anderer Leute Wände schauen möchte.
Ernst Umhauer gibt einen gewitzten, hinterlistigen Claude, vor dessen literarischem Scharfsinn sogar der eigene Lehrer kapitulieren muss. Zum großen Wurf fehlt dem Film jedoch die Stringenz. Wer sich auf das verschachtelte, manchmal übertrieben künstliche Verwirrspiel nicht einlassen kann, verliert schnell den Faden und die Lust.
Kinostart: 29.11.
Zum Foto: Claude (Ernst Umhauer) erhält von seinem Lehrer (Fabrice Luchini) Nachhilfe der besonderen Art.
Foto: Concorde
Kein Grusel-Spektakel
Von Marcus Herrmann
Der Horror-Thriller „Silent Hill: Revelation 3D“ von Regisseur Michael J. Bassett kann nicht an die Qualität des ersten Teils von 2006 anknüpfen.
Christopher Mason (Sean Bean) und dessen Adoptivtochter Heather (Adelaide Clemens) können sich ihrer Vergangenheit nicht entledigen. Die inzwischen 18-jährige Heather wird von Albträumen heimgesucht. Als ihr Vater verschwindet, folgt sie dem mit Blut an die Wand des gemeinsamen Apartments geschriebenen Aufruf „Come to Silent Hill“.
Hilfe erhält sie von ihrem unnahbaren Schulkameraden Vincent Carter (Kit Harrington), der sich später als Spross der dämonischen Kleinstadt Silent Hill entpuppt. Die Suche führt beide an den Ort des Bösen zurück, aus dem Heather (die eigentlich Sharon heißt) und ihre Mutter Rose (Radha Mitchell) einst flohen. Im Laufe des Geschehens werden einige Geheimnisse über die Stadt gelüftet, die Licht in das Dunkel des nicht einfachen Handlungsgefüges des 2006 veröffentlichten ersten Teils bringen.
Dennoch kommt man sich vor wie im namensgebenden „Konami“-Videospielklassiker. Im filmischen Sequel durchstreift die Hauptperson scheinbar eine Welt nach der anderen und trifft auf diverse Gruselgestalten. Ihre allzu unerschrockene Art, das bereits bekannte Design der Monster sowie die flüchtigen Auftritte dieser tragen wenig zu schauerlicher Stimmung bei. Da hätte man sich das Zusatzbudget für die 3D-Inszenierung sparen können. Die Leistungen der aus den „Matrix“-Filmen bekannten Carrie-Ann Moss als Claudia Wolf und Mutter Vincents und des arrivierten Sean Bean lassen sich kaum bewerten. Zu gering sind die Sprechakte und schauspielerischen Möglichkeiten im Film.
Zusammenfassend kann man die Kurzweile der Inszenierung und eine Handvoll gelungener Schreckensmomente lobend erwähnen. Insgesamt ist die Handlung zu dünn. Sharon alias Heather erreicht zu guter Letzt ihren Vater und kann ihn befreien. Aber auch dieser zweite Teil wird am Ende seines Plots, wenn erneut Dunkelheit über Silent Hill aufzieht, Raum für eine Fortsetzung bieten – dann aber mit etwas mehr Gruselvergnügen, bitte!
Kinostart: 29.11.
Zum Foto: Heather (Adelaide Clemens) muss sich wehren.
Foto: Concorde
Blut im Schnee
Von Nadine Faust
Mit „Cold Blood“ gelingt Stefan Ruzowitzky gutes, actionreiches Winterkino.
Schneeweiße Totalen bestimmen Stefan Ruzowitzkys neuen Film und rücken ihn in die Nähe des NeoWestern, gepaart mit Thriller-Elementen.
Addison (Eric Bana) und Liza (Olivia Wilde) wollen sich nach einem Casinoraub nach Kanada absetzen und landen wegen eines Autounfalls mitten im verschneiten Michigan. Die Geschwister trennen sich, um sich allein zur Grenze durchzuschlagen. Doch während Addison auf der Flucht vor der Polizei eine Spur der Gewalt hinterlässt, trifft Liza auf Jay (Charlie Hunnam). Der ehemalige Olympiagewinner im Boxen kommt gerade aus dem Knast und ist auf dem Weg zu seinen Eltern, um mit ihnen Thanksgiving zu feiern. Er liest die völlig durchgefrorene Liza von der Straße auf. Während die beiden sich näherkommen, ist Addison nun auf der Suche nach seiner Schwester. Im Haus von Jays Eltern, die mit Sissy Spacek und Kris Kristofferson hochkarätig besetzt sind, treffen sie aufeinander. Es kommt zum Showdown. Dabei müssen sich nicht nur Liza und Addison ihrer obsessiven Geschwisterliebe stellen. Auch Jay und sein Vater haben etwas zu bereinigen.
Der österreichische Regisseur Stefan Ruzowitzky, der 2008 für „Die Fälscher“ den Oscar für den besten fremdsprachigen Film erhielt, legt mit „Cold Blood – Kein Ausweg. Keine Gnade“ gute Kinounterhaltung in Hollywood-Manier vor. Auch wenn die geradlinige Story nicht überraschen mag, überzeugt der Film trotzdem – dank feiner Charakterstudien, solider Schauspielleistungen, gezielt eingesetzter Actionszenen und der wunderbaren Winterlandschaft. Deren Kälte wird durch die düstere Musik unterstützt. Wohl nichts für anspruchsvolle Kinogänger, aber kurzweilige anderthalb Stunden für Freunde des Genres.
Kinostart: 22.11.
Zum Foto: Addison (Eric Bana) auf der Flucht vor seinen Verfolgern.
Foto: Studiocanal
Eine Hochzeit kommt selten allein
Von Nicole Czerwinka
Pierce Brosnan überzeugt in der bezaubernden Komödie „Love is all you need“ vor italienischer Kulisse mehr denn je als grummeliger Charmeur.
Hochzeiten kann man nicht planen. Erst recht, wenn bei dem Fest zwei Familien aufeinandertreffen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Dabei wird das eigentliche Brautpaar in der bittersüßen Liebeskomödie „Love is all you need“ (Originaltitel: „Den Skaldede Frisør“) mitunter – wie eben im richtigen Leben – schnell zum Nebendarsteller.
Da verliert sich die Tante in selbstgefälligen Reden, während der Brautvater mit seiner neuen, 25 Jahre jüngeren Flamme auftaucht, obwohl die Brautmutter gerade erst ihre Krebskrankheit überstanden hatte. Am Ende wird in dieser spannungsvollen Konstellation aus zwei Familiengeschichten, die mitten an der malerischen Amalfi-Küste aufeinanderprallen aber dennoch gefeiert – Überraschungen nicht ausgeschlossen.
Der dänischen Regisseurin Susanne Bier gelingt es in dieser europäischen Koproduktionsarbeit trotz einiger klischeehafter Figuren, die ebenso turbulente wie nachdenkliche Geschichte gefühlvoll und ohne große Übertreibungen zu erzählen. Allein mit Pierce Brosnan (als Philip, Vater des Bräutigams) und Trine Dyrholm (als Ida, Brautmutter) in den Hauptrollen kann da schon fast nichts mehr schiefgehen. Die beiden lassen ihre Figuren auf so einfühlsame Weise in einen Neuanfang hineinschlittern, dass man ihnen stundenlang zusehen möchte. In der Verbindung von grandiosen Darstellern mit der traumhaften Kulisse Italiens entwickelt der Film einen Zauber, der sofort in seinen Bann zieht – und dem allein die deutsche Synchronisation (die Komödie ist im Original mehrsprachig) ein Stück seines Charmes kosten könnte. Das verdächtig an „Mamma Mia“ erinnernde Ende verzeiht man dagegen gern.
Kinostart: 22.11.
Zum Foto: Philip (Pierce Brosnan) und Ida (Trine Dyrholm) auf Entdeckungstour im Zitronenhain.
Foto: Prokino
Super-8-Horror
Von Antje Meier
Scott Derricksons „Sinister“ zeigt: Nicht immer sind es Monster, die für Schrecken sorgen.
Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann? Als Kinder hatten wir das wohl alle. Und so verwundert es nicht, dass sich die Filmindustrie diesen Mythos zu Nutzen macht. Auch in Scott Derricksons („Der Exorzismus von Emily Rose“) neuem Horrorstreifen „Sinister“ hat der Boogieman seinen gespenstischen Auftritt.
Ellison Oswalt (Ethan Hawke) ist Kriminalautor. In seiner Bestseller-Reihe „Kentucky Blood“ verarbeitet er wahre Verbrechen. Sein neuestes Buch soll sich um die grauenvolle Hinrichtung einer Familie in einer Kleinstadt in Pennsylvania drehen. Für Recherchen zieht er mit seiner ahnungslosen Familie in deren Haus. Beim Einzug findet er auf dem Dachboden schließlich eine Kiste mit alten Super-8-Filmen. Bei der Sichtung der Filme präsentieren sich dem Familienvater wahre Horrorszenarien. Doch wer hat diese grauenhaften Filme, auf denen auch immer der Boogieman zu sehen ist, gedreht? Anstatt die Polizei zu informieren, riecht Ellison seinen nächsten großen Coup und bringt damit sich und seine Familie in größte Gefahr.
Geschickt weiß Scott Derrickson, gängige Gruseleffekte umzusetzen. Er treibt den Zuschauer schließlich sogar so weit, in jedem Busch und in jedem Fenster nach dem Boogieman zu suchen. Hintergründe rücken damit in den Vordergrund, in dem sich eigentlich die Handlung abspielt. Und dass das so ist, liegt wahrlich nicht an dem wie immer galant spielenden Ethan Hawke, der dem Film cineastische Größe verleiht.
Kinostart: 22.11.
Zum Foto: Ellison Oswalt (Ethan Hawke) ist verstört durch die Bilder der Super-8-Filme.
Foto: Wild Bunch
Lieb’ mich!
„Sag, dass du mich liebst“ ist das tragisch-komische Porträt einer neurotischen Frau auf der Suche nach drei kleinen Worten.
Mélina (Karin Viard) ist die bekannteste Radiostimme von Paris. In ihrer Sendung hat sie ein offenes Ohr für alle Hilfesuchenden und gibt einfühlsame Ratschläge in Sachen Liebeskummer und Beziehungsstress. Jeder kennt Mélinas warmherzige Stimme, aber niemand das Gesicht hinter dem Pseudonym. Das hat auch seinen Grund: Sobald das Aufnahmelicht erlischt, ist die 40-Jährige nervös, menschenscheu und überaus neurotisch.
Privat lebt Claire, wie sie im wirklichen Leben heißt, zurückgezogen und allein mit ihrem Hund in einer schicken, makellosen Wohnung. Mit einem ausgeprägten Hang zur Sauberkeit gibt sie sich stets unnahbar gegenüber allen emotionalen Dingen. Die wenigen Erinnerungsstücke aus ihrer Vergangenheit hat sie in die Abstellkammer verbannt. Darunter ist auch die einzige Postkarte von ihrer Mutter Jouelle (Nadia Barentin) mit dem Versprechen, ihre Tochter bald aus dem Waisenhaus abzuholen. An ihre Liebe klammert sich Claire bis heute. Als sie ihre Mutter endlich aufspürt, stolpert sie in ein Leben mit Reihenhäusern, Kleidersammelstellen und unverhofften Annäherungsversuchen des jüngeren Lucas (Nicolas Duvachelle).
Stolpern kann man hier wörtlich verstehen. Denn es sind nicht zuletzt Claires unbeholfene Versuche, in das Leben ihrer Mutter zu treten, die oft in unfreiwilliger Situationskomik enden. Fremdschämen und Schmunzeln gehen Hand in Hand. Pierre Pinaud, ausgezeichneter Kurzfilmregisseur, schafft so mit seinem ersten Spielfilm ein tragisch-komisches Porträt mit vielen kleinen Gesten, ohne vollständig in Melancholie abzudriften. Zu verdanken ist das vor allem Karin Viard, die mit ihrer schauspielerischen Leistung beinahe den kompletten Film trägt.
Kinostart: 22.11.
Zum Foto: Mélina (Karin Viard).
Foto: Alpenrepublik
Verbundenes Leben
Tom Tykwer und die Geschwister Lana und Andy Wachowski verfilmten David Mitchells Beststeller „Der Wolkenatlas“.
Im Jahr 2346 erzählt der alte Ziegenhirte Zachry (Tom Hanks) eine Geschichte. Er beginnt im Jahr 1849, als dem jungen Anwalt Adam Ewing (Jim Sturgess) auf einer Seereise von einem entflohenen Sklaven das Leben gerettet wird. Ewings Tagebuch inspiriert 1936 den jungen Komponisten Robert Frobisher (Ben Whishaw) zu seinem „Wolkenatlas-Sextett“, von dem er stolz seinem Geliebten Sixsmith (James D’Arcy) berichtet. Der alternde Sixsmith trifft 1973 in einem Fahrstuhl die Journalistin Luisa Rey (Halle Berry) und bringt sie auf die Spur eines Atomskandals. 2012 landet die Geschichte von Rey auf dem Schreibtisch des Verlegers Timothy Cavendish (Jim Broadbent), der kurz darauf von seiner Verwandtschaft in ein Altenheim abgeschoben wird.
Im futuristischen Neo-Seoul inspiriert die Verfilmung von Cavendishs „Heimflucht“ die geklonte Kellnerin Sonmi-451 (Doona Bae) im Jahr 2144 zum selbstständigen Denken und Hervorrufen einer Revolution. Im Jahr 2346 wird Sonmi von Zachrys Volk als Göttin verehrt, während die Forscherin Meronym (Halle Berry) Zachrys Hilfe braucht, um ihr Volk zu retten.
Es ist nicht leicht, die Handlung von „Cloud Atlas“ in Worte zu fassen – sie ist zu komplex. Das ist die Stärke, aber auch die Schwäche des Filmes. Wer sich aber darauf einlässt, erlebt ein bildgewaltiges Werk mit zuweilen brillianten Momenten und vielfältiger Stimmung und Atmosphäre. Abenteuer, Drama, Romantik, Komik und Science Fiction finden ihren Raum. Mit der bisher teuersten deutschen Kinoproduktion ist den Regisseuren und Drehbuchautoren Tom Tykwer („Lola rennt“) und Lana und Andy Wachowski („Matrix“-Trilogie) Erlebniskino gelungen. Gerade die Mehrfachbesetzungen betonen die Verstrickungen und die kleinen Rätsel, die das Leben bietet. Alle Schauspieler besetzen zwischen vier und sechs Rollen. Nicht selten sind sie erst auf den zweiten Blick erkennbar, wenn sie nicht nur Alter, sondern auch das Geschlecht und die Hautfarbe wechseln. Nicht nur darin beeindruckt der Film: Wie es sich für ein solches Monumentalwerk gehört, hat es auch eine knapp dreistündige Spielzeit. Aber das sollte nun niemanden abhalten, sich berauschen zu lassen.
Kinostart: 15.11.
Zum Foto: Zachry (Tom Hanks) und Meronym (Halle Berry).
Foto: X-Verleih
Zum Verlieben
Von Norbert Scholz
Pete Treavis’ „Dredd“ ist die 3D-Neuverfilmung der populären Science-FictionComicreihe „2000 AD“.
Die Zukunft ist keine schöne! Gewalt, Drogen und hässliche Zweckbauten – quasi Prohlis im Megaformat. In dieser grimmigen Welt sind Judikative und Exekutive in Personalunion vereint – so wie bei Richter „Gnadenlos“ Dredd. Sein Wort ist Gesetz und seine Strafe kommt prompt. Und nicht selten lautet das Urteil: „Exitus!“ Das spart Zeit, Bürokratie und Steuermittel.
Judge Dredd (Karl Urban) und seine neue Azubine Cassandra (Olivia Thirlby) geraten aber prompt am ersten Tag in eine fiese Falle, denn die Königin der Unterwelt Ma-Ma schließt das dynamische Duo in ihrem Wohnblock ein und ruft zur Jagd auf die Richter auf!
Das abschließende Urteil von „ad rem“-Richter Norbert lautet: Der Streifen ist nett, blutig und hat einen geilen Soundtrack. Aber so sehr Karl Urban auch seinen schlecht rasierten Mund verzieht – an Sly Stallones „Ich bin daaas Gesetz“-Schnute kommt er nicht heran.
Kinostart: 15.11.
Von
Von
Von 






