Für Euch rezensiert
Wie wär’s denn heute mal mit Kino? Doch was läuft? Was verbirgt sich hinter den Titeln? Lohnt es sich, diesen Film zu sehen oder spare ich mir lieber das Geld? Fragen, die sich vielleicht mit der ein oder anderen Kinorezension in Luft auflösen. Oder es ergeben sich vielleicht auch völlig neue Möglichkeiten. Also schnell mal nachgestöbert!
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Kampf ums Wasser
Gefühlvoll und aufwühlend: Icíar Bollaíns „Und dann der Regen“
Von Antje Meier
Wasser ist für alle da? Nicht in „Und dann der Regen“.
Regisseur Icíar Bollaín inszeniert mit „Und dann der Regen“ (Originaltitel: „También La Lluvia“) einen fesselnden Film im Film, der gekonnt den Bogen zwischen Vergangenheit und Realität spannt.
Der spanische Regisseur Sebastián (Gael García Bernal) möchte einen Film über Kolumbus drehen. Um Geld zu sparen, finden die Dreharbeiten nicht an Originalschauplätzen, sondern in den bolivianischen Anden statt. Die Darsteller, darunter auch der aufrührerische Daniel (großartig: Juan Carlos Aduviri), werden aus der Bevölkerung rekrutiert. Als Daniel während der Dreharbeiten an einer Bürgerrevolte teilnimmt, die den Zugang zu Wasser für jedermann fordert, droht nicht nur der Film zu platzen.
Bollaín legt den Fokus zunächst auf die Charaktere und deren Motivation. Als der Konflikt zwischen Regierung und Bürgern zu eskalieren droht, gewinnt der Film an Fahrt und die Spannung ist fast nicht mehr auszuhalten. Fazit: Programmkino, wie man es sich wünscht.
Kinostart: 29.12.
Zum Foto: Der Beginn einer Freundschaft: Daniel (Juan Carlos Aduviri, re.) weist Produzent Costa (Luis Tosar) zurecht.
Foto: Piffl Medien
Student des Lebens
„Ich reise allein“ von Stian Kristiansen
Von Steven Fischer
Mit Arroganz ins kommende Leben! So hat sich Jarle (Rolf Kristian Larsen) das wohl immer vorgestellt. Er studiert nämlich Literatur, gehört zu den besten seines Fachs und genießt die volle Aufmerksamkeit seines Professors. Das klingt doch nach zukünftiger Elite! Doch über die Post erfährt er: Er ist Vater. Erstmal ein Schock für den Partylöwen und Frauenhelden.
Hach, ein Film mitten aus dem Studentenleben. Sind wir nicht alle ein bisschen heiß auf Marcel Proust? Egal, es reicht ja wenn es Jarle Klepp ist, übrigens hervorragend gespielt von Rolf Kristian Larsen. Der Film aus Norwegen ist ein wirklich schöner Film, weil die Bilder hervorragend zur Geschichte passen: Jarle wird vom arroganten Studenten zum mitfühlenden, umsorgenden Vater. „Ich reise allein“ ist ein sehenswerter Film.
Kinostart: 29.12.
Zum Lachen aufs Land fahren
Eine gelungene Komödie zum Winter: „Sommer der Gaukler“ von Marcus H. Rosenmüller
Von Steven Fischer
Ein Bergdorf wird zum Ort des „Weltentheaters“.
Bergdorf, 1780, Mozart – eindeutig abschreckende Vokabelkombination. Verblüffenderweise verbirgt sich dahinter eine amüsante Komödie, die mit viel Fahrt und Tohuwabohu den Zuschauer begeistert. Vor allem liegt das an der Spielfreude von Max von Thun. Die passt nämlich hervorragend zur Figur des Emanuel Schikaneder.
Der ist mit seiner Schauspielgruppe gerade auf dem Weg nach Salzburg. Leider erteilt ihm die Stadt keine Spielerlaubnis, weshalb er erst einmal in einem Bergdorf warten muss. Dort ereignet sich gerade ein mehr oder weniger freiwilliger Aufstand, an dem der Bergarbeiter Georg Vester (Maxi Schafroth) mehr oder weniger freiwillig beteiligt ist. Guter Stoff für Schikaneder, um daraus eine Inszenierung zu machen. Dann wäre auch die Unterstützung seiner Gattin Eleonore (Lisa Maria Potthoff) nicht ganz umsonst gewesen. Selbst Mozart (Florian Teichtmeister) hat sich angekündigt. Und der ist als sehr amüsanter Frauenheld und Trunkenbold dargestellt.
Genau das zeichnet „Sommer der Gaukler“ von Marcus H. Rosenmüller („Wer früher stirbt ist länger tot“) aus. Überzeichnung! Die Figuren sind einfach so herrlich schräg, die Story immer wieder von amüsanten Auf und Abs geprägt, dass man sehr viel lachen muss. Dabei hilft: Der Film nimmt sich nicht ganz so ernst, legt auch gerne mal eine Musicalnummer ein. Das alles passiert im rechten Maß, so entsteht kein Klamauk, sondern eine Komödie der Güteklasse eins.
Kinostart: 22.12.
Zum Foto: Eine gute Inszenierung erfreut jeden.
Foto: movienet
Frauenfreuden
„In guten Händen“
Von Antje Schöne
Wegen seiner modernen Ansichten verliert der Arzt Granville (Hugh Dancy) ständig seine Anstellung. Doch dann kommt er bei einem Experten für Hysterie und Frauenleiden unter und legt bei seinen Patientinnen erfolgreich Hand an. Schon bald stehen die Damen Schlange. Als seine Hände schmerzen, verliert er seine Stelle und damit auch die Verlobte, das Töchterchen des Chefs. Zur Freude der Frauen entwickelt er daraufhin aus einem elektrischen Staubwedel den ersten Vibrator. Abspann anschauen!
Kinostart: 22.12.
Schatten der Vergangenheit
Gilles Paquet-Brenners „Sarahs Schlüssels“ geht unter die Haut
Die Schatten der jüdischen Deportation im Juli 1942 verbinden zwei Familien auf tragische Weise.
Im Juli 1942 werden 13 000 Juden aus ihren Pariser Wohnungen abgeholt und in einem Winterveledrom fünf Tage festgehalten, bevor sie deportiert werden. Darunter ist auch die Familie Starzynski. Als die französische Polizei die Familie abholt, versteckt die zehnjährige Sarah (Mélusine Mayance) ihren kleinen Bruder im Wandschrank und verspricht ihn dort rauszuholen, sobald sie zurückkehren. Von ihren Eltern getrennt, kann Sarah der Deportation entkommen und begibt sich zurück nach Paris, um ihren Bruder zu retten. Knapp sechzig Jahre danach will die amerikanische Journalistin Julia Jarmond (Kristin Scott Thomas) mit ihrem französischen Ehemann in die Wohnung der Starzynskis einziehen. Durch ihre Recherche zum Jahrestag der Razzia von 1942 kommt sie einem Familiengeheimnis auf die Spur.
Gilles Paquet-Brenner hat es sich zur Aufgabe gemacht, den wunderbaren Roman von Tatiana de Rosnay „Sarahs Schlüssel“ zu verfilmen und das ist ihm erstaunlich gut gelungen. Genau wie de Rosnay schafft er es, die Vergangenheit mit der Gegenwart durch eine sensible, beinahe poetische Bildführung zu verbinden. Der Zuschauer ist so nah dran, dass es schmerzt, das Leid der Menschen und den Schrecken zu sehen oder die vage Hoffnung Sarahs zu erleben, ihren Bruder zu retten.
Komplettiert wird das tolle Drehbuch durch die ausdrucksstarken Schauspieler, die den Zuschauer auf eine schauerliche und tief bewegende Reise mitnehmen. Es geht dabei nie um Schuldzuweisungen, sondern darum, die Gräueltaten und die Schicksale vor dem Vergessen zu bewahren. Die Vergangenheit kann, will und darf uns nicht loslassen. „Sarahs Schlüssel“ zeigt dies eindrucksvoll.
Kinostart: 15.12.
Zum Foto: Fassungslos steht Julia (Kristin Scott Thomas) dem traurigen Schatten der Vergangenheit gegenüber.
Foto: Camino Filmverleih
Kränkelnder Flipper
Charles Martin Smiths „Mein Freund, der Delfin“
Von Anja Hilliger
Ein Film voller Klischees: Der elfjährige Sawyer (Nathan Gamble) ist introvertiert. Sein Vater ist verschollen. Durch den verletzten Delfin Winter freundet er sich mit Hazel (Cozi Zuehlsdorff) an. Deren Mutter ist gestorben, ihr Vater Clay (Harry Connick Jr.) arbeitet als Meeresbiologe im Clearwater Marine Hospital. Dort wird Winter gepflegt. Das Krankenhaus ist pleite und der einzige Investor (Tom Nowicki) möchte ein neues Hotel bauen. Winters Zustand verschlechtert sich. Helfen kann nur Dr. McCarthy (Morgan Freeman) mit einer Schwanzflossenprothese. Vorhersehbarer Familienstreifen.
Kinostart: 15.12.
Weltverwandtschaft
Leichte Kost: Timur Bekmambetovs „Happy Rutsch“
Von Anja Hilliger
Jeder Mensch kennt jeden anderen auf der Welt durch sechs Bekannte? Das ist die Theorie, an der sich die Handlung von Timur Bekmambetovs („Wanted“) Komödie „Happy Rutsch“ entlanghangelt. Ein Mädchen erzählt im Kinderheim, ihr Vater sei der Präsident. Damit das die anderen Kinder glauben, muss der Besagte einen bestimmten Satz sagen. Originell ist anders, aber zum Berieseln ist der Streifen ideal.
Kinostart: 15.12.
Alex in zwei Varianten
„Rubbeldiekatz“ von Detlev Buck
Von Steven Fischer
Mann spielt Frau und hat Erfolg damit. Alex (Matthias Schweighöfer) ist Schauspieler und schlüpfte schon „hundertmal in Frauenrollen“. Warum auch nicht mal zu einem „echten“ Casting als Frau hingehen? Er wird genommen und verliebt sich dabei in die Hauptdarstellerin. Ein echtes Problem für Alex. Mit den Hauptdarstellern Matthias Schweighöfer und Alexandra Maria Lara ist der Film sehr gut besetzt. Auch mit Detlev Buck als Regisseur und Drehbuchmitschreiber ist ein großer Name an Bord. Dennoch: So ganz rund erscheint der Film nicht, zu unterschiedlich sind die beiden Charaktere die sich verlieben. Hier die reiche Schnöselin und dort der familiäre Kumpeltyp. Wenn der Zuschauer aber auf die Seitenhiebe auf das Filmbusiness achtet, kommt er vielleicht doch noch auf seine Kosten.
Kinostart: 15.12.
Wenn die Sinne versagen
Hoffnungsvoll berührend: David Mackenzies „Perfect Sense“
Von Antje Meier
Nach „Contagion“ bricht in „Perfect Sense“ erneut eine Epidemie aus. Doch es geht nicht darum, ein Heilmittel zu finden, sondern wie die Menschen damit umgehen.
Der geneigte Leser stelle sich vor, dass er von der einen zur nächsten Sekunde nichts mehr riechen könnte. Das wäre sicher schlimm, aber noch kein Weltuntergang. Doch was ist, wenn man plötzlich auch nichts mehr schmecken und bald nichts mehr hören könnte? Das wäre eine Katastrophe. Vor allem, wenn man weiß, dass als nächstes das Augenlicht versagen wird.
Dieser Situation sieht sich die weltweite Bevölkerung in „Perfect Sense“ gegenüber. Eine Sinneswahrnehmung nach der anderen geht verloren und jeder ist betroffen. Exemplarisch wird diese Epidemie am Chefkoch Michael (Ewan McGregor) und der Forscherin Susan (Eva Green) in Glasgow dargestellt, die sich in diesen aufwühlenden Zeiten kennen und lieben lernen. Jedem Verlust einer Wahrnehmung gehen enorme Gefühlsschwankungen voraus. Beim Verlust des Hörsinns führt schließlich ein Wutausbruch Michaels dazu, dass sich die beiden verlieren. Werden sie sich wieder sehen, ehe die Blindheit sie trifft?
David Mackenzies „Perfect Sense“ sucht nicht nach einem Ausweg oder nach einem Heilmittel. Vielmehr zeigt der Regisseur auf sensible und einfühlsame Weise, wie die Menschen mit den neuen Gegebenheiten umzugehen lernen und wie die Liebe mit solch einschneidenden Veränderungen umgeht. Dadurch bewahrt sich „Perfect Sense“ trotz der aussichtslosen Situation eine hoffnungsvolle Perspektive. Denn nach jedem Rückschlag rappeln sich Protagonisten und Menschheit immer wieder auf. Das Leben geht weiter – nur eben anders.
Kinostart: 8.12.
Zum Foto: Perfekter Sinn für Liebe: Michael (Ewan McGregor) und Susan (Eva Green).
Foto: Central Film
Glanzvolles Gefühlskino
Tate Taylors „The Help“ verdient Lob
Von Steven Fischer
Zurück in der Heimat und dann das: Spießertum soweit das Auge reicht. Und dazu gehört es, in der Provinz von Mississippi seine Kinder von afroamerikanischen Frauen großziehen zu lassen. Skeeter (Emma Stone) ist davon wenig begeistert. Aktuell muss sie noch die Haushaltskolumne der lokalen Zeitung verfassen, träumt aber davon Schriftstellerin zu werden. Sie beschließt, ein Interviewbuch mit den schwarzen Haushaltsangestellten zu machen und bringt sich damit in Nöte, die für sehr viel Wirbel Anfang der 60-er Jahre sorgen. Strafbar macht sie sich damit natürlich auch.
Strafbar macht sich Regisseur Tate Taylor zum Glück der Zuschauer bei diesem Film nicht. Vielmehr ist ihm ein glanzvoller Hollywoodfilm geglückt. Und es steckt viel Hollywood in dieser Geschichte. Ein junges Mädchen beschließt sich gegen alle Widerstände durchzusetzen, Alltagsmenschen werden zu Helden und die amerikanische Geschichte ist Teil des Films. Alles aber kaum der Rede wert, denn wirklich fantastisch sind die Schauspieler. Emma Stone ist einfach großartig. Sie hat dieses kecke Auftreten, was sie im Film authentisch macht. Ein wenig wie in „Einfach zu haben“, allerdings den Zeitumständen dieses Films angepasst. Fast noch überzeugender ist Viola Davis. Ihr sieht man den Schmerz der Unterdrückten richtig an. Fabelhafte Schauspielkunst! Aber auch an Komik hat der Film einiges drauf. Dafür sorgt vor allem Hilly gespielt von Bryce Dallas Howard. Strafmaß für den Film: Milde.
Kinostart: 8.12.
Zum Foto: Skeeter (Emma Stone) verfasst nicht nur die Putzkolumne.
Foto: DreamWorks
Auch nein darf sein
Nanni Morettis „Habemus Papam“
Von Franziska Lange
Er hält es kaum aus. Mit jedem Wahlgang wird er nervöser. Dann das Schlimmste: Weißer Rauch steigt auf. Die Kardinäle haben Melville (Michel Piccoli) zu Gottes Stellvertreter auf Erden erkoren. Er soll Papst sein? Der Gedanke daran macht ihn schwindlig. Alles in ihm sträubt sich. Das Nein steht bevor. Die Spannung steigt. Er büxt aus.
Mit „Habemus Papam“ meldet sich Italiens unbequemer Filmemacher Nanni Moretti zurück. Er lässt Michel Piccoli an der katholischen Kirche rütteln, fragt nach dem Menschen hinterm Papstamt und lässt Gefühle aufleben, die jeder kennt. Das ist infantil, ernst, komisch, ehrlich und zutiefst nachvollziehbar.
Kinostart: 8.12.
Lauf ins Verderben
William Monahans „London Boulevard“ lebt von seinem Soundtrack
Von Antje Meier
William Monahan greift bei seinem Erstlingswerk „London Boulevard“ zum Gangstergenre. Erfahrung hat er, allerdings bisher nur als Drehbuchautor („Departed“).
Ex-Knacki Mitchel (Colin Farrell), gerade frisch aus dem Gefängnis entlassen, will künftig ein anständiges Leben führen. Doch der kriminelle Untergrund von London will ihn nicht gehen lassen. Auch die Anstellung als Beschützer bei der bekannten Schauspielerin Charlotte (Keira Knightley) stürzt ihn nur noch tiefer in die Misere. Denn er verliebt sich und als er mit ihr ein neues Leben beginnen will, kommt es zum großen Showdown, der, getrieben vom pulsierenden Britpop-Sound der KASABIANS („The Green Fairy“), einen Strudel der Gewalt lostritt.
Die Geschichte von „London Boulevard“ ist zugegeben nicht sonderlich originell und so wäre der Film wahrscheinlich auch nur bloßer Durchschnitt. Wäre da nicht die geschickte Kameraführung von Chris Menges, der schräge Charakter von Charlottes Assistent Jordan (der eigentliche Star des Films: David Thewlis), der stets für einen Lacher gut ist, und der mitreißende Soundtrack, der „London Boulevard“ zu einem besonderen Hörerlebnis macht. Verantwortlich dafür ist Sergio Pizzorno. Der Gittarist und Sänger der KASABIANS orientierte sich vornehmlich am Sound der 60-er Jahre und lässt THE YARDBIRDS mit „Heart Full of Soul“, THE ROLLING STONES mit „Stray Cat Blues“ und THE BOXTOPS mit „The Letter“ ein Revival feiern und verleiht dem Film einen eleganten Retroschick.
Kinostart: 1.12.
Zum Foto: Mitchel (Colin Farrell) räumt mit seinem alten Leben auf.
Foto: Central Film
Auf der Suche nach einem Grab
Schnell vergessen: Eran Riklis‘ „Die Reise des Personalmanagers“
Von Antje Meier
Interessante Geschichte, aber blasse Umsetzung. Eran Riklis‘ „Die Reise des Personalmanagers“ gerät zu schnell wieder in Vergessenheit.
In „Die Reise des Personalmanagers“ sind Namen Schall und Rauch. So wird der Protagonist nur als Personalmanager (Mark Ivanir) benannt, seine Arbeitgeberin ist die „Witwe“ (Gila Almagor), der nervige Journalist heißt mit Spitznamen „Wiesel“ (Guri Alfi). Nur ein einziger Name ist maßgebend im Film: Yulia Petracke. Ihr Name fällt immer wieder. Und doch tritt sie nie in Erscheinung. Denn sie ist tot. Yulia Petracke kam bei einem Selbstmordattentat ums Leben, liegt seit Tagen im Leichenschauhaus. Niemanden kümmert es, bis der Journalist heraus findet, dass Yulia in Jerusalems größter Bäckerei gearbeitet hat. Dort hat sie jedoch keiner als vermisst gemeldet. Um das Image der Bäckerei zu retten, muss der Personalmanager nun Yulias Leiche in ihre Heimat überführen.
Regisseur Eran Riklis („Die syrische Braut“) präsentiert sein Werk gewohnt skurril, wenn er den Personalmanager in einem kleinen Bus, mit dem Sarg auf dem Dach, in die kalte und verschneite Provinz schickt und dieser sich mit absurden Bürokratien herum schlagen muss. Diese Sequenzen sind komisch und der Wandel des Protagonisten auf seiner Reise wird eindrücklich gestaltet. Aber das größte Manko des Films sind seine Charaktere. Ihre Motivation ist undurchsichtig und sie erscheinen lieblos wie das Umfeld, in dem sie leben und agieren.
Kinostart: 1.12.
Zum Foto: Charaktere mit undurchsichtiger Motivation: Der Personalmanager (Mark Ivanir, li.) und Yulia Petrackes Sohn (Noah Silver).
Foto: Alamode
Verstörend überladen
Doku-Film „Herz des Himmels, Herz der Erde“
Von Susanne Magister
Der Film „Herz des Himmels, Herz der Erde“ versucht, sich dem Mythos des Mayakalenders anzunähern. Der Maya-Codex ist das älteste bekannte Schriftstück der Maya. Eine der wenigen erhaltenen Ausgaben befindet sich im Bestand der Sächsischen Staats- und Universitätsbibliothek. Der darin enthaltene, sogenannte Mayakalender endet im Jahr 2012. Ein Grund für Verschwörungstheoretiker und Apokalypsegläubige allerorten, das Ende der Welt vorauszuahnen.
In eindrucksvollen Bildern präsentiert die Dokumentation „Herz des Himmels, Herz der Erde“ von Frauke Sandig und Eric Black den Teil der Welt, in dem der Maya-Codex vor mehr als 5 000 Jahren entstanden ist. Besser gesagt, zeigt sie, was heute aus den Landstrichen, in denen einst das Volk der Maya gigantische Urwaldstädte erbaut hat, geworden ist. Dabei kommen sechs Protagonisten der indigenen Bevölkerung zu Wort. Der Astroarchäologe Alonso, die Sozialarbeiterin Chepita, die Tochter politisch Verfolgter und heutige Psychologin Flori, der einst zwangsrekrutierte Felipe, der Maisanbauer Jerónimo und der Jungschamane Chan K´In. Sie alle sprechen über ihre Vorstellung von einem gerechten Umgang miteinander und mit der Natur und allem aus ihr Hervorgehenden. Zwangsläufig zeichnen sie dabei auch ein Bild aus Umweltzerstörung, Profitgier, den verheerenden Folgen der Globalisierung, politischer Verfolgung und Minderheitenunterdrückung. Dem setzen sie ihre kulturelle Freiheitsvorstellung entgegen.
Was der Film uns aufzeigen will, ist klar: Wenn das Ende der Welt nahe liegt, dann haben wir es selbst verschuldet. Die Zerstörung ist kaum noch aufzuhalten. Der Dokumentation gelingt es weder die erhoffte Zuversicht noch sonst irgendein klares Bild dessen zu erzeugen, was nun wirklich unser Herz berühren und uns vielleicht wachrütteln soll. Es wurde einfach zu viel gewollt und zu wenig klar auf den Punkt gebracht, was angesichts der bewegenden, wunderschönen und verstörenden Einstellungen wirklich schade ist.
Kinostart: 1.12.
Zum Foto: Der spirituelle Führer Felipe führt eine Zeremonie durch.
Foto: Arne Höhne Presse
Der schlimmste Tag
Kammerspiel par excellence: „Der Gott des Gemetzels“
Zwei Jungen streiten im Park und wenig später liefern sich die Eltern ein Wortgefecht.
An einem sonnigen Tag in Brooklyn geraten zwei elfjährige Jungs in einen Streit, der mit zwei herausgeschlagenen Zähnen endet. Wenig später treffen sich die Eltern der beiden Teenager, um die Sache auf zivilisierte Weise zu klären. Die Eltern vom vermeintlichen „Opfer“, Penelope (wunderbar verbissen: Jodie Foster) und Michael (wunderbar wohlmeinend: John C. Reilly), haben die Eltern des „Verbrechers“, Alan (wunderbar desinteressiert: Christoph Waltz) und Nancy (wunderbar oberflächlich: Kate Winslet), zu einem Gespräch eingeladen.
Am Anfang läuft auch alles sehr ruhig und sachlich ab, doch die Sache beginnt zunehmend aus dem Ruder zu laufen. Schon bald geht es nicht mehr um die Söhne, sondern um hungernde Kinder in Afrika, ständig klingende Handys, gelbe Tulpen aus Holland oder Nebenwirkungen eines Medikamentes. Die gutbürgerliche Fassade bröckelt gewaltig und entpuppt sich als der schlimmste Tag des Lebens.
In nur 79 Minuten hat Roman Polanski mit der Verfilmung des gleichnamigen Theaterstückes „Der Gott des Gemetzels“ eine Gesellschaftssatire geschaffen, die nicht nur überaus amüsant ist, sondern nur so vor zynischen Pointen strotzt, dass der Zuschauer kaum zu Atem kommt.
Foster, Waltz, Reilly und Winslet brillieren in diesem Dialoggefecht. Es ist ein perfektes Zusammenspiel in einem erfrischenden Kammerspiel. Ein köstliches Vergnügen zu sehen, wie die ach so feinen und zivilisierten Erwachsenen die Kontrolle verlieren und wie kleine Kinder mit Stöcken aufeinander losgehen oder mit den Füßen stampfen, wenn sie erkennen, dass ihre heile Welt mehr Schein als Sein ist. Einfach phänomenal.
Kinostart: 24.11.
Zum Foto: Noch schlägt die Unterhaltung zwischen Michael (John C. Reilly), Penelope (Jodie Foster), Alan (Christoph Waltz) und Nancy (Kate Winslet) keine Wellen.
Foto: Constantin
Blauer Planet voraus
In Lars von Triers neuem Endzeitdrama „Melancholia“ glänzt Kirsten Dunst
Von Antje Schöne
Asperger-Drama trifft auf Komödie und überzeugt auf charmante Weise.
Simon (Bill Skarsgard) leidet am Asperger-Syndrom, einer Form der Autismus-Störung. Für den introvertierten 18-Jährigen sieht die Welt anders aus, soziale Kontakte sind für ihn eher problematisch. So versteckt er sich, immer wenn sich die gewohnte Routine in Chaos verwandelt in einer alten Blechtonne, aus der sich Simon sein ganz persönliches Raumschiff zusammengebastelt hat. Dann taucht er in seinen Phantasieorbit ab: einen Raum, in dem er vor Gefühlen sicher ist. Die einzige Bezugsperson ist sein Bruder Sam (Martin Wallström), bei dem er kurzerhand einzieht, nachdem er im elterlichen Heim immer mehr auf Unverständnis stößt. Doch in der neuen Wohnung leidet Sams Beziehung zu seiner Freundin immer stärker und geht schließlich zu Bruch. Für Sam bricht eine Welt zusammen – und damit auch die von Simon, der sich plötzlich mit einem ungeordneten Alltag konfrontiert sieht. Es gibt für ihn deshalb nur eine Lösung: eine neue Freundin für Sam muss her! Dazu erstellt Simon einen Fragebogen, natürlich mit mathematischer Logik.
Der 26-jährige Regisseur Andreas Öhman gibt mit „Im Weltraum gibt es keine Gefühle“ sein Kinodebüt. Ihm gelingt die besondere Mischung zwischen Witz und Poesie, dem witzigen Chaos auf der Erde und der Ruhe im Weltall. Doch ganz ohne Gefühle geht es auf der Erde nicht und Liebe folgt keinen Regeln und Mustern, wie Simon auf – für den Zuschauer amüsante Weise – lernen muss. Aber beim Filmschauen nur runde Sachen knabbern!
Kinostart: 24.11.
Zum Foto: Simons Raumschiff bringt ihn in einen Phantasieorbit.
Foto: Arsenal
Liebe in der Hölle
Anna Justices „Die verlorene Zeit“
Von Franziska Lange
Unsägliche Kraftlosigkeit, widerlicher Dreck und willkürliche Rachsucht – Filme über die Grausamkeiten in Konzentrationslagern gibt es einige. Und dennoch wagt sich Regisseurin Anna Justice auf eigene Weise an das Thema. Für ihre Geschichte über die Liebe in der Hölle genügen ihr wenige Szenen. Sie zeigt das Menschliche im Verderben.
Jede Minute sehnt sich Hannah Silberstein (Alice Dwyer) nach ihrem Tomasz Limanowski (Mateusz Damiecki). Jede Möglichkeit nutzen die deutsche Jüdin und der polnische Polithäftling, um sich zu sehen. Immer stärker wird ihre Liebe, immer hoffnungsloser die Aussicht auf ein Ende ihres Leids. Täglich muss Hannah damit rechnen, ermordet zu werden. Getrieben von der Angst um sie, organisiert Tomasz sich eine SS-Uniform und wagt es, an den Plan einer Flucht mit ihr zu glauben.
Das Unglaubliche gelingt. Sie können türmen, und verlieren sich in den Wirren der letzten Kriegstage aus den Augen. Gut 30 Jahre später traut Hannah (Dagmar Manzel) ihren Augen kaum. Gut situiert und seit Jahren mit ihrem amerikanischen Ehemann (David Rasche) verheiratet, entdeckt sie den gealterten Tomasz (Lech Mackiewicz) zufällig in einem Fernsehinterview – und ist erschüttert. Plötzlich sind die alten Gefühle wieder da. Und die bohrende Frage, was wohl aus ihnen geworden wäre.
Stets legt Anna Justice den Fokus dabei auf die Menschen. So gelingt es ihr mit „Die verlorene Zeit“ eine diffizile Gefühlsstudie zu schaffen. Fern von Klischees zeigt sie mit wenigen Worten nicht nur das Menschliche im KZ, sondern auch die lähmende Zerrissenheit von Hannah und Tomasz 30 Jahre später. Das nimmt mit, erschüttert tief und ist richtig gutes Kino.
Kinostart: 24.11.
Zum Foto: Mit letzter Kraft in Sicherheit: Tomasz (Lech Mackiewicz) und Hannah (Dagmar Manzel).
Foto: Movienet
Altmodisch modern
„Als der Weihnachtsmann vom Himmel fiel“
In der Weihnachtswelt ist nichts mehr so, wie es einmal war, denn der böse Waldemar Wichteltod (Volker Lechtenbrink) hat die Herrschaft an sich gerissen und alle Rentiere durch Motorschlitten ersetzt. Die Wunschzettel der Kinder werden einfach weggeworfen, denn nur noch das große Geld steht im Vordergrund. Doch Niklas Julebukk (Alexander Scheer), der letzte echte Weihnachtsmann, kann fliehen und landet mit seinem Wohnwagen in der Nebelgasse. Dort trifft er auf Ben (Noah Kraus), der gerade mit seinen Eltern umgezogen ist und sich in der neuen Heimat einsam fühlt, und auf Charlotte (Mercedes Jadea Diaz), die ihren Vater vermisst, seitdem der fortgegangen ist. Gemeinsam versuchen die Drei Wichteltod den Gar auszumachen und so die Feiertage zu retten. Doch wie macht man das?
Wer noch nicht in Weihnachtsstimmung ist, sollte sich unbedingt „Als der Weihnachtsmann vom Himmel fiel“ ansehen. Nicht nur weil es eine Cornelia Funke-Verfilmung ist, sondern weil Alexander Scheer einfach der lässigste und liebenswerteste Weihnachtsmann überhaupt ist. Scheer gelingt es nicht nur die Tür zur magischen Welt der Cornelia Funke weit aufzustoßen, sondern schafft es auch, über die schwachen Momente der holprigen Verfolgungsjagden hinwegzutäuschen. Gegen den wirklich hippen Julebukk wirkt die restliche Welt zwar recht bieder, doch das tut dem Zauber keinen Abbruch. Dieser Film ist ein modernes Märchen, das gerade durch seinen unkonventionellen Weihnachtsmann ungemein altmodisch daher kommt.
Kinostart: 24.11.
Zum Foto: Der letzte echte Weihnachtsmann Julebukk (Alexander Scheer) beschenkt Charlotte (Mercedes Jadea Diaz) und Ben (Noah Kraus).
Foto: Constantin
Blauer Planet voraus
In Lars von Triers neuem Endzeitdrama „Melancholia“ glänzt Kirsten Dunst
Lars von Trier wäre nicht Lars von Trier, wenn er nicht polarisieren würde. So auch mit seinem neuen Streifen „Melancholia“.
Justine (Kirsten Dunst) tanzt in einem Moment fröhlich auf ihrer eigenen Hochzeit, um Sekunden später in ein tiefes, schwarzes Loch zu fallen. Wie sehr sie sich auch bemüht, sie kann sich einfach nicht von diesem schweren Gefühl der Melancholie, Traurigkeit und Sinnlosigkeit befreien. So erstarren sie und ihr Leben. Ihre Schwester Claire (Charlotte Gainsbourg) nimmt sie in ihrem Haus auf und versucht, sie aufzupäppeln. Doch dann geschieht das Unglaubliche, ein blauer Planet namens „Melancholia“ rast auf die Erde zu. Während Claire zunehmend verzweifelt, findet Justine Trost und Stärke in der drohenden Katastrophe.
Der Film setzt mit der Ouvertüre zu Richard Wagners „Tristan & Isolde“ ein. Minutenlang lässt Lars von Trier seine Darsteller in Zeitlupe über die Leinwand schreiten, während der blaue Planet mit der Erde kollidiert. Es sind wirklich zehn sehr lange Minuten, die von Trier dem Zuschauer abverlangt. Und auch im Anschluss erdrückt das ständig wiederkehrende Wagner-Thema den Film beinahe. Doch davon abgesehen, setzt von Trier seine Idee der inneren Gefangenschaft und das Festhalten an der Hoffnung mit epochalen Bildern um.
Kirsten Dunst und Charlotte Gainsbourg füllen ihre Rollen als ungleiches Geschwisterpaar perfekt aus. Gerade Dunsts leerer Blick und ihr Lächeln sprechen Bände – ohne dass die von von Trier drückende Last der theaterhaften Inszenierung von Nöten wäre. Ganz ohne großes Aufsehen zieht Dunst den Zuschauer in ihren Bann und lässt den Blick in eine tief verzweifelte Seele zu, die sich selbst nicht zu befreien vermag und deren Hoffnung, dass die Sinnlosigkeit des Seins beendet wird, plötzlich zum Greifen nah ist.
Kinostart: 6.10.
Zum Foto: Justine (Kirsten Dunst) bestaunt die drohende Katastrophe des Weltuntergangs.
Foto: Concorde
Totgeglaubte lieben länger
Komisch und tragisch zugleich: Nicole Kassells „Kein Mittel gegen Liebe“
Von Antje Meier
Gewusst wie: „Kein Mittel gegen Liebe“ drückt kräftig auf die Tränendrüse.
Marley (gewohnt bezaubernd: Kate Hudson) bevorzugt das zwanglose Vergnügen, feiert am liebsten mit ihren besten Freunden in den angesagten Clubs von New Orleans und klettert steil die Karriereleiter hinauf. Im Leben der koketten Blondine ist kein Platz für die Liebe – bis sie die Diagnose Krebs im Endstadium erhält. Bei einem Zwiegespräch mit Gott (interessante Wahl: Whoopi Goldberg) erhält Marley drei Wünsche. Was soll sie sich nur wünschen?
Erweckt „Kein Mittel gegen Liebe“ (Originaltitel: „A little bit of Heaven“) zunächst den Eindruck einer leichten Sommerkomödie, wandelt sich der Streifen schnell zur Schluchznummer. Gekonnt drückt der Film die richtigen Knöpfe, damit beim Zuschauer die Dämme brechen. Denn das Ende des Films steht schon bald fest: Marley wird sterben und der Weg scheint hier das Ziel zu sein. Eine Stunde lang zelebriert Regisseurin Nicole Kassell („Der Dämon in mir“) das Leiden von Marley. Fast wünscht man sich, dass es doch endlich zu Ende gehen mag. Wären da nicht die Szenen, die wirklich anrühren. Sei es die beste Freundin, die mit dem nahenden Tod der Freundin nicht umgehen kann. Oder aber der Vater, der erstmals den Mut findet, für seine Tochter da zu sein. Und schließlich ist da Marleys Arzt, Dr. Julian Goldstein (charismatisch: Gael García Bernal), der es schafft, ihr Herz zu berühren und zu erobern, um es bald aber wieder für immer zu verlieren.
„Kein Mittel gegen Liebe“ ist voller inniger Momente, die jeden berühren. Aber der Film schürt auch die Lust am Leben, die Hoffnung, eines Tages doch die große Liebe zu finden, und die Erkenntnis, dass es dafür niemals zu spät ist.
Kinostart: 6.10.
Zum Foto: Marley (Kate Hudson) und Gott (Whoopi Goldberg) feiern das Ende.
Foto: Central Film
Junge Kriegsmusik
Marcus O. Rosenmüllers „Wunderkinder“
Larissa (Imogen Burrell) und Abrasha (Elin Kolev) gelten in der Ukraine 1941 als Wunderkinder, die mit Piano und Violine verzaubern. Sie spielen in Moskau für Stalin, eine Amerikatournee ist geplant. Doch der zweite Weltkrieg macht vor den beiden Kinder nicht halt: Sie sind Juden.
Rosenmüllers Film ist eine bewegende Geschichte um Freundschaft, die Liebe zur Musik und den Krieg. Er ist zwar aus dem Blickwinkel der Kinder erzählt, dennoch erscheinen ihre Reaktionen auf kriegerische Ereignisse reichlich naiv. Auch die nicht immer genaue Ausstattung erinnert an einen gut gemeinten Fernsehfilm. Wirklich herausragend sind dagegen die Kinder, allen voran Elin Kolev, der eines der renommiertesten Jungtalente ist. Allein sein Geigenspiel fasziniert derart, dass es zwar nicht über die Mängel des Films hinwegtäuschen kann, diese aber in den Hintergrund rücken.
Kinostart: 6.10.
Süßes, junges Blut
Craig Gillespies „Fright Night“ in 3D
Von Steven Fischer
Das kennen wir doch: Der Nachbar fährt vom Hof, der Hauptdarsteller bricht in dessen Haus ein und fünf Minuten später klickt das Türschloss erneut: Der Nachbar steht auf der Matte. Bei „Fright Night“ ist das Colin Farrell als Vampir. Der ist die Ursache für das Verschwinden einiger Mitschüler von Charley (Anton Yelchin). Anfangs interessiert der sich nicht für die Geschichten seines merkwürdigen Freundes Ed (Christopher Mintz-Plasse), bis auch der verschwindet.
Es ist zweifellos eine mittelmäßige Geschichte. Macht aber nichts! War zu erwarten. Vampir, Teenager und Blut reichen als Indizien. Dennoch ist der Film sehenswert. Die Schauspieler sind gut und der 3D-Effekt ist endlich mal bereichernd. Nur der Gruseleffekt ist mild, was die Schreckhasen freuen dürfte.
Kinostart: 6.10.
Lieber mal langsam
Aki Kaurismäkis „Le Havre“ hält ganz aktuell die Zeit an
Von Franziska Lange
Langsamer geht immer. Das dachte sich Finnlands Entdecker der Zeitlupe und schickt nach fünf Jahren mit „Le Havre“ einen echten Kaurismäki in die Kinos.
Nach einer Ewigkeit kehrt Regisseur Aki Kaurismäki Finnland den Rücken, um wieder außerhalb zu drehen. Endlich ist er zurück in Frankreich. Ein raues Küstenstädtchen, kratzbärtige Bewohner, gestärkte Kittelschürzen – und fertig sind seine 50er. Keiner der Schauspieler zeigt mehr Regungen als unbedingt nötig. An manchen Stellen scheint selbst ein Stummfilm beredter. Emotionen und Dialoge – das sind in diesem Kaurismäki wirklich zwei Paar Schuhe. Und das ist gut so.
„Le Havre“ wirkt ein bisschen wie stehengeblieben und ist doch aktuell wie nie. Der Film ist eine Hommage an die Entschleunigung. Da überrumpelt ein Container voller Flüchtlinge aus Gabun das karge Leben des abgehalfterten Bohemiens Marcel Marx (André Wilms) und bringt dessen Leben mit dem kleinen Idrissa (Blondin Miguel) aus den Fugen. Dem Jungen gelingt als einzigem die Flucht vor der Polizei. Bei Marx und dessen Frau Arletty (Kati Outinen) findet er Unterschlupf. Doch dann erkrankt Arletty schwer und das ganze Dorf springt ein. Kaurismäki verknüpft die aktuelle Situation der afrikanischen Flüchtlinge mit dem Alltag. All das reiht er derart stoisch aneinander, dass sich diese Ruhe festsetzt und überrascht. „Le Havre“ ist reduziert, intensiv und gerade deshalb bis zur letzten Sekunde eigentümlich spannend.
Kinostart: 8.9.
Zum Foto: Fast schon wortlos nähern sich Ex-Bohemien Marcel Marx (André Wilms, li.) und der Flüchtlingsjunge Idrissa (Blondin Miguel) aneinander an.
Foto: Pandora Film
„Cairo Time“
Von Antje Meier
Modejournalistin Juliette (Patricia Clarkson) reist nach Kairo, um sich mit ihrem Mann Mark (Tom McCamus), einem UN-Botschafter, zu treffen. Dieser wird in Gaza aufgehalten. Daraufhin kümmert sich sein Freund Tareq (Alexander Siddig) um Juliette. Eine reizvolle Situation, aber Ruba Naddas „Cairo Time“ verpasst den Startschuss. Die Handlung plätschert ziellos dahin.
Kinostart: 1.9.
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