Für Euch kulturell unterwegs

Ob Ausstellungen, Kino, Theater oder Konzert: Wir schauen hinter die Kulissen, geben Veranstaltungstipps und rücken die Menschen hinter den Projekten in den Vordergrund.

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Kampf der Felltitanen

Maskottchen mal anders

Foto: Norbert ScholzVon Norbert Scholz

Ob Löwe, Pinguin oder Hühnchen: In Dresden findet die dritte Maskottchen-Catchen-Weltmeisterschaft statt.

Sonst sieht man sie durch Einkaufspassagen wackeln, Kinder bespaßen oder für knuffige Fotos posieren. Sie sollen fiesen Banken ein freundliches Gesicht geben – oder über den Weg des Abwassers aufklären. Aber diese ewigen Grinsegesichter haben eine dunkle, gewalttätige Seite. Und die wollen sie zum Faschingsdienstag ausleben. So zumindest ließen es die Veranstalter der Maskottchen-Catchen-Weltmeisterschaft in Dresden verlauten.

Als Ulli Gulli unterwegs in kuschliger Mission

2004 geschah das rabiate Aufeinandertreffen der Maskottchen noch im ganz kleinen Rahmen zu einer internen Betriebsfeier der Firma Waterloo Produktion. Ein Jahr später aber wurde die erste öffentliche Maskottchen-CatchenWM ausgerufen. Und nun sind aus den ehemals vier Kontrahenten im Jahre 2004 über zwanzig mutige Pelzköpfe geworden, die als kultureller Höhepunkt zum diesjährigen Faschingsfest im Dresdner Parkhotel aufeinandertreffen.

Und so soll das Ganze ablaufen: Wie aus dem fernen Amerika überliefert, steigen die Kontrahenten in einen Ring, um sich mit allen Mitteln und einer emotional aufgeheizten Show gegenseitig den Garaus zu machen. Mit dabei ist natürlich der Champion der letzten WM: Ulli Gulli von der Stadtentwässerung Dresden. Unter dem grauen Dachspelz verbirgt sich der 35-jährige Patrick Ament. Er studiert Sozialpädagogik an der TU Dresden. „Ich mache schon seit vielen Jahren Führungen für Kinder und andere Interessierte im städtischen Klärwerk. Als das Maskottchenkostüm 2007 in die Firma kam, war ich als Freiwilliger schnell zur Stelle. Und weil der Chefetage meine Darbietung als Ulli Gulli gefiel, bin ich seitdem in kuschliger Mission unterwegs“, erklärt Ament. Als solcher hat er auch am größten Maskottchentreffen Europas in Karlsruhe teilgenommen und damit einen Eintrag im Guinessbuch der Rekorde miterkämpft. „Die Umwelt reagiert auf meine Tätigkeit mit einer Mischung aus Ehrfurcht und Mitleid – gerade im Sommer. Aber meinen Job mache ich, solange ich gebraucht werde“, sagt er stolz.

Es winken Ruhm und Ehre

Und heiß wird es tatsächlich unter so einem Kostüm, besonders, wenn man zu ausgefeilten Choreografien gegeneinander im Ring kämpfen muss. Doch am Ende lockt dem Gewinner eine Menge Ruhm, denn die alkoholgetränkten Massen feiern den Wettkampf erfahrungsgemäß frenetisch mit. Und auch aus studentischer Sicht ist der Fasching ja interessant, denn es können „Studien im Bereich Biochemie, Soziologie und Sexualkunde getätigt werden“, wie ein anonymer Mitarbeiter verrät.

Parkhotel Dresden: Maskottchen-Catchen-WM zum Fasching am 12. Februar (20 Uhr).

Zum Foto: Bei der Maskottchen-Catchen-Weltmeisterschaft spielen sich illustre Szenen ab.
Foto: Norbert Scholz


Winterkult

Im Dauerlauf durchs winterliche Dresden

Foto: Amac Garbe, ein-satz-zentrale.deVon Marcus Herrmann

Kälte und Schnee müssen dem ambitionierten Läufer nicht im Wege stehen. „ad rem“ hat für Freunde winterlichen Joggens einige Strecken parat.

Wo kann man im Raum Dresden auch im Winter dem Laufen frönen? „ad rem“ präsentiert dazu eine kleine Auswahl an Routen. Diese sind zwischen fünf und 15 Kilometer lang und möglichst ruhig. Wichtig außerdem: gute Untergrundbeschaffenheit – also eine geringe Gefahr für überfrierende Nässe.

Großer Garten
Dresdens größter Park bietet gute Bedingungen. Geaschte Wege zwischen Botanischem Garten und Carolaschlösschen sind kaum glätteanfällig. Um den Garten herum kann auch gelaufen werden. Eine Runde (Asphalt) ist circa fünf Kilometer lang, durch angrenzende Straßen allerdings etwas lauter.
Fazit: Der Park bietet eine belebte Strecke in grünem Ambiente. Auch im Winter ist man hier meistens nicht allein unterwegs.

Ballhaus Watzke – Flutrinne – Flügelwegbrücke
Gestartet wird am Ballhaus Watzke in Mickten. In Richtung Übigau an der Elbe entlang geht es auf der Böcklinstraße rechts in die Flutrinne hinein. Auf festem Boden und von viel Grün umgeben geht es circa vier Kilometer geradeaus. Wer nicht einfach umkehren möchte, biegt am Hauptarm der Elbe (nach der Kirche rechter Hand) links ab. In Richtung Kaditz/Flügelweg geht’s auf grobkörnig-sandigen Böden weiter, bis man den Aufgang zur Flügelwegbrücke (nach circa sieben Kilometern) erreicht hat. Die Treppe hier ist die letzte Anstrengung auf dieser Strecke.
Fazit: Sehr ruhiger Kurs, der für Ausdauerläufe geeignet ist. Die Bodenbeschaffenheit schont die Gelenke und ist kaum anfällig für Glätte. Bei viel Regen oder Tauwetter besteht allerdings eine verhältnismäßig hohe Matschgefahr.

Steyerstadion – Pieschener Allee – Schlachthofring
Ab Steyerstadion geht es Richtung Sportpark Ostra durch die auf beiden Seiten befindlichen Schrebergärten hindurch auf festem Weg entlang. Man durchläuft eine Reihe von hübsch angeordneten Bäumen und erblickt bald die Elbe. Dort hält man sich links und läuft auf wiesigem Untergrund bis zum Ende des Weges. Dann entweder rechts abbiegen zur Flügelwegbrücke oder links, weiter zur Eisarena. Schon hat man sechs bis sieben Kilometer hinter sich gebracht.
Fazit: Eine naturbelassene, schöne Strecke, die auch im Winter ordentlich zu laufen ist.

Schillerplatz – Blaues Wunder – Loschwitz – Elbradweg – Japanisches Palais
Dieser sieben bis acht Kilometer lange Kurs beginnt am Schillerplatz. Läuft man hier über das Blaue Wunder, gelangt man nach Loschwitz. Über den Körnerweg geht es dann weiter auf dem Elbradweg bis zum Japanischen Palais. Hier hat man bereits um die sieben Kilometer hinter sich. Wer da noch nicht außer Puste ist, überquere einfach die Marienbrücke Richtung Ostra-Allee und kehre dann über die Sportplätze Ostra auf dem Elbradweg Richtung Innenstadt zurück. Schnell sind so 15 Kilometer auf einer sehr abwechslungsreichen Strecke absolviert.
Fazit: Wechselnde Wege (Asphalt, Kies, Pflasterstein) beugen Langeweile vor. Man gewinnt schöne Ausblicke auf Dresden, aber verlässlicher Glätteschutz ist nicht immer gegeben. In der Innenstadt behindern Passanten oft eine freie Laufstrecke.

Zum Foto: Passionierte Jogger müssen auch im Dresdner Winter nicht auf ihren Lieblingssport verzichten.
Foto: Amac Garbe


Witz, komm raus!

Wenn Professoren Spaß machen

Von Anja Hilliger

Zwei Dresdner Professoren stehen gemeinsam auf der Bühne. Sie machen Kabarett, das bereits mehrfach ausgezeichnet wurde.

Was haben ein Professor für Bahntechnik und ein akademischer Bildhauer gemeinsam? Auf den ersten Blick nicht viel. Bei Prof. Arnd Stephan und Prof. Ulrich Eißner ist das anders. Stephan ist Inhaber des Lehrstuhls Elektrische Bahnen am Institut für Bahnfahrzeuge und Bahntechnik der Fakultät Verkehrswissenschaften der TU Dresden. Eißner ist Prodekan der Fakultät II der Hochschule für Bildende Künste in Dresden, die sich mit dem Studiengang Kunsttechnologie, Konservierung und Restaurierung von Kunst- und Kulturgut befasst.

Beide machen seit über 20 Jahren zusammen Kabarett. Seit 15 Jahren gibt es ihr Zwei-Mann-Kabarett-Theater DUALE SATIRE DEUTSCHLAND (DSD). „Wir haben uns 1985 als Ferienhelfer im Ferienlager der Semperoper kennengelernt“, erzählt Eißner. Kurz danach spielten sie schon gemeinsam in der studentischen Kabarettgruppe „Die Pfefferlinge“. „Ich sollte für die Gruppe eigentlich nur ein Werbeplakat gestalten, weil sie einen Pianisten suchten“, erinnert sich Eißner. „Das Plakat habe ich nicht gemacht, aber ich wurde der Pianist“, sagt er schmunzelnd.

Als es Mitte der Neunzigerjahre ruhiger um das Studentenkabarett wird, schließen sich Stephan und Eißner als Duett zusammen. Seit 1997 treten sie als DSD auf. „Um diese Zeit wurde der grüne Punkt eingeführt.

Die Mülltrennung wurde als duales System bezeichnet. Das passte auch zu uns, weil wir zu zweit auftreten. Sozusagen zum Zwecke der schadlosen Entsorgung von geistigem, geistlosem, zeitgeistlichem oder ungeistigem Müll“, erklärt Eißner den Namen des Duos. Unterstützt werden sie von Anfang an von Bernd Kulow, der für das ABC – Ausstattung, Beleuchtung, Catering – zuständig ist. Gleich mit seinem ersten Programm gewann die DSD den Dresdner Kabarettpreis „Goldenes Steigeisen“. Es folgten der SEC-Kleinkunstpreis Dresden, der 1. Badische R(h)einfall, der Sonderpreis der Jury beim Dresdner Kleinkunstpreis sowie der Sächsische Kabarettpreis.

Hausieren gehen die beiden Professoren mit ihrer Nebentätigkeit aber nicht. Manche Studenten oder Kollegen stoßen jedoch im Internet oder in der Zeitung auf die Auftritte der beiden Dozenten. Einige sitzen dann auch im Publikum. „Die Studenten bestehen die Prüfungen aber auch, wenn sie nicht bei unseren Auftritten waren“, versichert Eißner, der die Kabarett-Texte zu 100 Prozent selbst schreibt. Die Ideen dafür bekommt er bei Talkshows, Politsendungen oder aus Zeitungen. Neben der Globalisierung und Thilo Sarrazin ist die Exzellenzinitiative der TU ein Thema im aktuellen Programm des Kabaretts.

Stressig ist das Doppelleben der beiden Professoren nicht. „Das eine ist der Beruf und das andere die Leidenschaft“, sagt Stephan. „Kabarett ist etwas, das wir gern machen wollen. Es beflügelt die Arbeit. Es ist wie Sport, es hält fit.“

Nächster Auftritt am 23. Juni (11 Uhr) zum Festumzug beim Elbhangfest.

Netzinfos: www.duale-satire.de

Zum Foto: Ulrich Eißner (unten) und Arnd Stephan sind nicht nur ernstzunehmende Professoren, sondern auch spaßige Kabarettisten.
Foto: Amac Garbe


Dresden im Fokus

Film ab für mehr Nachhaltigkeit

Von Anja Zimmermann

Der Verein Sukuma arts will das Thema Nachhaltigkeit per Werbespot unter die Leute bringen und schreibt jährlich einen Wettbewerb aus.

Zwei verschiedene Schlafzimmer im Morgengrauen. In der Großaufnahme sieht man zwei Wecker, die laut schrillen. Nun folgt der Tagesablauf eines typischen Westeuropäers auf der rechten Seite und der eines Nähers in einem der Entwicklungsländer auf der linken Seite des Bildschirms. So sehr unterscheiden sich die Bilder zu Beginn gar nicht. Beide fahren in überfüllten Bussen zur Arbeit, beide arbeiten schwer für ihr Geld. Am Ende gibt der Näher dem Europäer gerade gefertigte Turnschuhe. Der Europäer reicht ihm dafür Geld. Aber man sieht, dass nur ein Bruchteil davon tatsächlich beim Näher ankommt.

Das ist der Werbespot, der im vergangenen Jahr den „Sukuma Millenium Award“ gewonnen hat. Ausgeschrieben wird dieser Preis jährlich von Sukuma arts. Der Verein setzt sich seit 2007 für die globalen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen ein. „Wir möchten informieren und aufzeigen, was jeder in seinem Alltag für die Erreichung dieser Ziele bewegen kann“, sagt Franziska Pschera. Sie wurde durch das Buch „Schwarzbuch Markenfirmen – Die Machenschaften der Weltkonzerne“ von Klaus Werner Lobo auf das Thema Nachhaltigkeit aufmerksam und gründete 2007 gemeinsam mit Sascha Kornek den Verein. Ein Jahr zuvor schloss sie ihr Soziologie-Studium an der TU Dresden ab. Seitdem arbeitet sie an der Uni und koordiniert das TUD-Mentoring-Programm für Berufseinsteiger.

Die Mitglieder des Vereins Sukuma arts wollen neue und kreative Wege gehen und viele Menschen erreichen. „Wir möchten vor allem an die Leute herankommen, die noch nicht so viel über das Thema nachgedacht haben“, erklärt die 33-Jährige. Deshalb schreibt Sukuma den europaweiten Filmpreis „Sukuma Millennium Award“ aus, bei dem jeder seine Idee für einen Werbespot rund um die globalen Entwicklungsziele einreichen und mit prominenten Künstlern realisieren kann. „Werbespots sind etwas Mediales, sie erreichen die Masse“, weiß Pschera.

In diesem Jahr ist der Wettbewerb speziell auf Dresden ausgerichtet. Der Gewinnerspot wird dementsprechend auch mit lokalen Prominenten gedreht. Die Herausforderung: Der Spot soll in kürzester Zeit Emotionen transportieren können, einen Aha-Effekt auslösen und in diesem Jahr eben auch einen Dresden-Bezug haben.

„Durch den Spot sollen die Dresdner ihre Stadt bewusster in Bezug auf Nachhaltigkeit wahrnehmen. Zum Beispiel: Woher kommen die Uniformen der Polizisten in Dresden und wie nachhaltig und ökologisch sieht das Mittagsangebot in Dresdner Kindergärten und Schulen aus?“, erklärt die ehemalige Soziologie-Studentin. Die Regie beim Siegerspot wird Thomas Frick aus Berlin übernehmen. Der Film wird in den Dresdner Kinos und bei den Filmnächten gezeigt. Die Filmideen können bis 8. Juli bei Sukuma eingereicht werden: per Post, per Mail oder über die Internetseite des Vereins.

Netzinfos: www.sukuma.net

Zum Foto: Deine Idee im Kino: Franziska Pschera will mithilfe eines Filmwettbewerbs das Thema Nachhaltigkeit in den Fokus rücken.
Foto: Amac Garbe


Festival Contre Le Racisme

Du schwarz, ich weiß?

Von Sophia Ayissi Nsegue

Vom 11. bis 17. Juni klärt das „Festival Contre Le Racisme“ über Fremdenfeindlichkeit im Alltag auf und bietet ein vielfältiges Programm samt Ausstellung.

Rassismus ist in Sachsen ein Thema, spätestens am 13. Februar. Dass es aber andere, viel subtilere Formen der Fremdenfeindlichkeit gibt, das realisieren die wenigsten. „Die mediale Aufmerksamkeit konzentriert sich auf einige wenige Großereignisse wie die Naziaufmärsche am 13. Februar und vernachlässigt dabei alltägliche Diskriminierung und Übergriffe“, sagt Carolin Riedel. Die engagierte Architekturstudentin ist im vierten Semester und organisiert im Studentenrat der TU Dresden das „Festival Contre Le Racisme“. Fremdenfeindlichkeit geht alle Teile der Gesellschaft und vor allem Studierende etwas an, darüber sind sich Riedel und ihre Kollegen einig: „Wir wollen die Auseinandersetzung mit diesem Thema fördern. Auch in unserem universitären Umfeld besteht noch viel Aufklärungsbedarf.“

Vor allem Einzelschicksale nehmen bei dem Festival eine besondere Bedeutung ein. Der fremdenfeindlich motivierte Mord an der Ägypterin Marwa El-Sherbini in Dresden jährt sich zur Zeit des Festivals zum dritten Mal. An sie und andere Opfer soll erinnert und gedacht werden. In Frankreich vom Studierendenverband UNEF ins Leben gerufen und erstmals 1995 veranstaltet, existiert das „Festival Contre Le Racisme“ seit 2004 auch in Deutschland. Unter der Schirmherrschaft des Freien Zusammenschlusses von StudentInnenschaften (fzs) und dem Bundesverband Ausländischer Studierender (BAS) füllen bundesweit Studenten die Aktionswoche vom 11. bis 17. Juni mit Leben. Sie veranstalten Konzerte und Workshops und bieten Infos rund um Diskriminierung, Migrationspolitik oder Antisemitismus.

Auftakt des Festivals ist die Eröffnung der Fotoausstellung „weiß-schwarz“ des Entwicklungspolitischen Netzwerks Sachsen (ENS) am Mittwoch (6.6., 20 Uhr) in der Haupt- und Musikbibliothek Dresden. Aus ungewohnter Perspektive wird die Darstellung schwarzer und weißer Stereotypen aufgebrochen und in kontroversen Bilderpaaren neu interpretiert. „Wir wollen dem typischen Klischee vom hilfsbedürftigen, afrikanischen Baby mit Kulleraugen und seinem Retter aus Europa entgegenwirken“, erzählt Janine Krenz. Die Soziologiestudentin im sechsten Semester absolviert gerade ein Praktikum beim ENS. „Die anschließende Podiumsdiskussion soll darauf aufmerksam machen, was für Konsequenzen solche Bilder für Migranten oder Menschen mit Migrationshintergrund haben“, erklärt sie.

Eine wohlhabende Afrikanerin adoptiert benachteiligte Kinder aus europäischen Krisengebieten? Warum nicht? Der spielerische Umgang mit gängigen Medienbildern provoziert und hinterfragt das selbstgefällige Entwicklungshelfer-Syndrom, das den sozialen Status auf die Hautfarbe reduziert und eine einseitige Darstellung von Ländern des globalen Südens fördert. Ein Rollentausch, der sich lohnt.

„Festival Contre Le Racisme“ vom 11. bis 17. Juni an der TU Dresden. Die Ausstellung „weiß-schwarz“ ist noch bis zum 15. Juni in der Haupt- und Musikbibliothek Dresden, dann vom 23. Juni bis 2. Juli in der Pfarrgemeinde St. Paulus zu sehen. Danach ist die Ausstellung gegen eine Gebühr von 25 Euro pro Woche ausleihbar.

Netzinfos: www.stura.tu-dresden.de

Zum Foto: Die TU-Studentinnen Carolin Riedel und Janine Krenz (v. l.) gestalten gemeinsam mit Kommilitonen das Dresdner „Festival Contre Le Racisme“ samt Ausstellung mit ungewöhnlicher Perspektive.
Foto: Amac Garbe

Zwischen Politik und Party

Der Christopher Street Day bietet in Dresden dieses Jahr eine Menge Zündstoff

Von Norbert Scholz

Neben Flaggenstreit und politischen Forderungen lockt der diesjährige Christopher Street Day in Dresden mit einem bunten Veranstaltungsprogramm.

Obwohl der CSD, also der Christopher Street Day, schon seit einem Jahr geplant wurde, kam erst vor wenigen Wochen richtig Schwung in die Sache. Auslöser war die Ablehnung des Dresdner Rathauses, anlässlich der Programmwoche und der Abschlussparade eine Regenbogenflagge am Regierungsgebäude aufzuhängen.

Diese Flagge ist das weltweite Symbol der CSD-Bewegung, und mit der Dresdner Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) als Schirmherrin meinte man sich auf der Veranstalterseite sicher, den Antrag genehmigt zu bekommen. Dass dem nicht so war, sorgt für Empörung und Kontroversen, sowohl im Internet als auch in den hiesigen Medien. Das wird von den CSD-Verantwortlichen genutzt, um eine längst überfällige Diskussion anzustoßen.

Aufmerksamkeit dank fehlender Flagge

„Mit dem Streit um die Beflaggung des Rathauses konnten wir den CSD als politische Veranstaltung wieder ins Zentrum rücken und darauf hinweisen, dass der Christopher Street Day weit mehr ist als nur die bunte Abschlussparade“, erklärt Mike Beier, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit im Verein Christopher Street Day Dresden. „Sowohl unsere politischen Ziele als auch das tägliche Programm zwischen Eröffnungsabend im Club Bärenzwinger und Parade sowie Abschlussfeier am 2. Juni konnten wir deutlicher als in den vergangenen Jahren nach außen kommunizieren und so auch Menschen erreichen, die mit dem CSD sonst eigentlich nichts am Hut haben.“ Gerade das politische Element war der Knackpunkt im Flaggenstreit. Bei einer nichtpolitischen Veranstaltung hätte man im Rathaus einfach dafür entscheiden können, so wie zur Schacholympiade oder dem Kirchentag im vergangenen Jahr. „Die Satzung der Stadt verbietet es jedoch, für politische Institutionen jeder Art Partei zu ergreifen und eine Beflaggung anzubringen, weshalb die Ablehnung folgen musste“, erklärt Mike Beier. Nun ist allerdings ein Prozess ins Rollen gekommen, um diese Pauschalisierung zu ändern und eine Unterstützung für zukünftige Veranstaltungen zu ermöglichen.

Gleichberechtigung statt Diskriminierung gefordert

Unter dem Motto „Gleiche Pflichten = Gleiche Rechte!“ möchten die Initiatoren des diesjährigen CSD auf die anhaltende Diskriminierung im öffentlichen, gesellschaftlichen und rechtlichen Rahmen hinweisen. Sie fordern Gleichberechtigung mit heterosexuellen Lebens- und Rechtsverhältnissen. Dabei geht es um so emotionale Fragen wie das Recht auf Adoption oder die gesellschaftliche Akzeptanz von „nicht heterosexuellen“ Lebenspartnerschaften, aber auch um ganz praktische Belange wie das Erb- und Steuerrecht. Podiumsdiskussionen wie „Was läuft schief im Freistaat?“ am Mittwoch (30.5., 19 Uhr) in der Scheune oder der Workshop „Antifa-Proll und Mackerscheiße“ am Donnerstag (31.5., 18 Uhr) im Metronom bieten die Möglichkeit, sich zu informieren und aktiv mitzuarbeiten. Aber nicht nur die ernsten Dinge des Lebens stehen in der CSD-Woche auf dem Programm, sondern auch Schöngeistiges wie die Lesung aus Tania Wittes Roman „beziehungsweise Liebe“ am Donnerstag (31.5., 19 Uhr) in der Scheune.

Den kulturellen Höhepunkt bildet am Samstag (2.6., ab 12 Uhr) das Straßenfest auf dem Theaterplatz und der feucht-fröhliche Umzug durch die Innenstadt, der den beteiligten Vereinen und Organisationen, wie SchLaU – Schwule und Lesben an der Uni Dresden, die Möglichkeit bietet, sich öffentlich zu präsentieren. Seinen Abschluss findet das Spektakel dann am Samstagabend (2.6.), entweder bei der „queer-feministischen Party ‚F*ck you Gender!‘“ im Jugendhaus Roter Baum (20 Uhr), bei der kunterbunten Disko „Gaylaktika“ im Kraftwerk Mitte (22 Uhr) oder bei der rein maskulinen „CSD Party für Männer“ im Lederklub Bunker (22 Uhr).

Infos zu Programm, politischen Forderungen und dem Verein: www.csd-dresden.de

Zu den Fotos:

Foto1: Nicht am Dresdner Rathaus zu finden, aber dieser Tage überall sonst in Dresden: die
Regenbogenfahne als Zeichen der Lesben- und Schwulenbewegung.
Foto: Amac Garbe

Foto2: Spontane Demo für die Beflaggung des Dresdner Rathauses.
Foto: Norbert Scholz

Suche nach musikalischen Puzzleteilen

Dirigent Michael Hurshell widmet sich Kompositionen von Musikern aus der Zeit des Holocaust

Von Marion N. Fiedler

Michael Hurshell ist Dozent für Orchesterdirigieren und Ensembleleitung an der Hochschule für Musik in Dresden (HfM). Er stöbert seit Jahren verloren geglaubte Kompositionen auf und bringt sie zurück in die Konzertsäle.

Der Dresdner Dirigent Michael Hurshell hat sich eine ziemlich ausgefallene Mission auferlegt: Er bringt, gemeinsam mit der von ihm geleiteten Neuen Jüdischen Kammerphilharmonie Dresden, bereits vergessene oder aus politischen Gründen verdrängte Werke jüdischer Komponisten wieder zum Erklingen.

Doch bevor es zu Proben kommen kann, wird geforscht, gereist, gesucht, telefoniert. Wenn das Material dann in den Händen des Dirigenten liegt, muss gepuzzelt, sortiert, entstaubt, kopiert und geklebt werden. Das ist musikalische Detektivarbeit. Ebendies ist die Freude, aber auch die Herausforderung von Michael Hurshell und den Musikern des Orchesters, von denen einige in mehr als nur einer Formation spielen. Entsprechend scheint das Planen der Proben, Konzerte und Tourneen dabei nur die zweitgrößte Herausforderung des Projektes zu sein.

Weit gereist

Durch das Engagement von Michael Hurshell gedeiht das Projekt. Er reist für die Beschaffung der Noten durch die ganze Welt, puzzelt sie zusammen, wählt die neu entdeckten Stücke aus und organisiert das Orchester. Durch seine Nachforschungen hat er Kontakte geknüpft, vornehmlich in den USA und Israel. Diese, allesamt Nachkommen von jüdischen Komponisten, stellen oft Kopien der handschriftlich festgehaltenen Musik her, die sich vorher versteckt hielt. Durch internationale Zuarbeit können die entdeckten oder verloren geglaubten Kompositionen überhaupt erst wieder zusammengesetzt und zum Erklingen gebracht werden. Das soll verhindern, dass solche Werke endgültig in Vergessenheit geraten. Viele der Komponisten wurden zwischen 1933 und 1945 von den Nationalsozialisten verfolgt, vertrieben oder ermordet.

Die Neue Jüdische Kammerphilharmonie bietet auch dem an der HfM studierenden Nachwuchs eine Bühne – im Moment dem Cellisten Jakov Naumovich und der Geigerin Ulrike Spörl. Des weiteren sind Dozenten wie Kristina Kato Mitglieder im Orchester. Auch die Rektoren hat das Interesse gepackt: „Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass der jetzige sowie der vorige Rektor schon Konzerte besuchten“, ergänzt Michael Hurshell im Interview.

Konzert der Neuen Jüdischen Kammerphilharmonie im Rahmen der Dresdner Musikfestspiele am Dienstag (29.5., 19 Uhr) in der Dresdner Synagoge.

Netzinfos: www.musikfestspiele.com; www.juedische-philharmoniedresden.de

Zum Foto: Dirigent Michael Hurshell unterrichtet an der HfM und ist auf der Suche nach Werken von Komponisten jüdischer Herkunft.
Foto: Amac Garbe

Mode aus Dresden

Das Dresdner T-Shirt-Festival lockt zum fünften Mal mit individuellen Klamotten in die Scheune

Von Nico Karge

Feinmaschig bis grobstrickig: Beim T-Shirt-Festival gibt’s kreative Mode – unter anderem eigens entworfene T-Shirts von HfBK-Meisterschüler Clemens Reinecke.

Nach eigenen Angaben der Veranstalter war es das „beste, coolste Festival überhaupt 2010 und 2011“: das T-Shirt-Festival in der Dresdner Neustadt. Auch die diesjährige Fortsetzung verspricht eine Bereicherung für den studentischen Kleiderschrank zu werden. Künstler und Kreative entwerfen nämlich eigens hierfür T-Shirts und andere Klamotten und können ihre selbstgestalteten Textilien auf dem Festival feilbieten. Wie zum Beispiel Clemens Reinecke. Der freischaffende Künstler und Meisterschüler der Hochschule für Bildende Künste (HfBK) Dresden nimmt zum dritten Mal an der Veranstaltung teil. „Ich wurde über Facebook auf das T-Shirt-Festival aufmerksam. Es gab einen Aufruf: Macht alle mit!“, sagt Clemens Reinecke. „Vorher hatte ich noch nie wirklich etwas mit T-Shirts zu tun, aber zu diesem Anlass habe ich zum ersten Mal eins entworfen.“ Und er war damit ziemlich erfolgreich. Beim letzten Mal hat er fast alle Modelle seiner angefertigten Edition verkauft. Das habe aber nicht nur Spaß gemacht, sondern für ihn auch einen künstlerischen Aspekt, erklärt der 29-Jährige. „Weil T-Shirts auch etwas mit Bildern zu tun haben. Sie sind ebenso simples Kleidungsstück wie Bild- und Informationsträger.“ Bei seiner Motivwahl verwendet er seine eigenen Bilder als Vorlage.

Was für ein Motiv er für sein diesmaliges T-Shirt benutzt, wisse Reinecke noch nicht. „Ich lasse mich drauf ein, wenn’s spät genug ist und die Zeit bis zum Festival fast vorbei ist.“ Die Zeit ist fast vorbei: Die fünfte Ausgabe des T-Shirt-Festivals findet am Wochenende (12. und 13.5.) in der Scheune (Alaunstraße 36-40) statt.

Zum Foto: Clemens Reinecke ist Künstler, Meisterschüler an der Hochschule für Bildende Künste Dresden und wird fürs T-Shirt-Festival in der Scheune bereits zum dritten Mal zum T-Shirt-Designer.

Textile Träume

„ad rem“ hat drei Studenten gefragt, was sie sich so für Klamotten wünschen würden.

Laura, in der Scheune gibt’s das T-Shirt-Festival. Wenn Du eins gestalten würdest, wie sähe es aus?
Mein Shirt wäre pastellig. In Flieder oder Mint mit keckem Rückenausschnitt. Enganliegend und verziert mit Farbverläufen oder Pailletten.

Hast Du schon mal was selbst gemacht?
So richtig noch nix. Nur gekürzt.

Was trägst Du am liebsten?
Ein Paillettenshirt aus den 80ern. Das ist sehr schwer. In Rosa und Silber und transparent. Es glitzert herrlich. Das trage ich in der Disco.

Und im Alltag? Ohne was würdest Du niemals das Haus verlassen?
Nie ohne lackierte Fingernägel und Kontaktlinsen.

Wenn Du Dir ein Kleidungsstück wünschen dürftest, was wäre das?
Ich würde mir sofort die Chanel-Tasche 2.55 kaufen. Die ist einfach zeitlos, elegant und partytauglich zugleich.

Laura Thiele studiert Medienforschung/Medienpraxis im 2. Semester an der TUD und trägt Vintage Pumps, einen Rock von American Apparel, eine Bluse von Zara und eine Vintage Tasche.

Nathalie, wenn Du ein eigenes T-Shirt entwerfen würdest, wie sähe das aus?
Dunkelgrün, mit weitem Rückenausschnitt. Vorne hochgeschlossen, mit Kragen zum Zuknöpfen. Wer weiß, ob das umsetzbar ist. Unter die Designer gehe ich schon mal nicht.

Hast Du Dich trotzdem schon mal daran versucht, etwas selbst zu machen?
In der Schule habe ich ein zu weites Shirt gekauft. Ich habe vier Bändchen am Rücken angenäht, um es durchs Zusammenbinden enger zu machen. Das Shirt liegt ungetragen im Schrank und erinnert mich daran, dass ich Näherin als zweites Standbein ausschließen kann.

Wenn Du Dir irgendein Kleidungsstück wünschen dürftest, was wäre das?
Das schönste Hochzeitskleid der Welt. Nicht, dass ich vorhätte, in den nächsten zehn Jahren zu heiraten, aber besser man hat als man hätte.

Was ist denn Dein heutiges Lieblingskleidungsstück?
Ich liebe meinen Blazer wegen der Farbe und des transparenten Rückens!

Zu guter Letzt: Ohne was würdest Du das Haus nie verlassen?
Ohne Kopfhörer und MP3-Player. Musik immer und überall!

Nathalie Wesp studiert Anglistik und Germanistik im 4. Semester an der TUD und trägt Oberteil, Hose und Blazer von H&M sowie Schuhe von Vagabond.

Fotos (4): Amac Garbe

Sechs ganz normale Superhelden

Die Dresdner Band HARRY BUSHH schreitet sportlich-schrägen Schrittes voran

Von Marion N. Fiedler

Die Jungs von HARRY BUSHH bringen nur Themen auf die Bühne, die sie bei Emotionalitätsschüben in den Proberaum gebracht haben.

Jedes Bandmitglied darf bei den Entstehungssessions seinen Senf abgeben. „Die Form passen wir dabei gnadenlos an den Inhalt an. Unsere Musik nehmen wir sehr ernst, uns persönlich nicht so sehr“, erklärt das Sprachrohr von HARRY BUSHH mit dem markanten Künstlernamen Toni Peperoni. Der 25-jährige Philosophiestudent (9. Semester, TU Dresden) beschreibt die Mitglieder der Band als „ganz normale Superhelden“ und fügt hinzu, dass jeder in seiner eigenen Disziplin gut sei. Er selbst hat sich zum Wortakrobaten der Gruppe ernannt, der immer auf der Suche nach einem Doppelsinn oder der perfekten Metapher ist.

Und ja, ihm scheinen nie die Worte auszugehen. Sein gleichaltriger Rapkollege Karsten Jaszkowiak (9. Semester Maschinenbau, TU Dresden) sieht sich eher als Techniker der Band, treibt an, schraubt an den Songs und bringt die Band durch seine Risikobereitschaft immer wieder neu an ihre Grenzen. Die beiden Rapper waren bereits vor zwei Jahren als Duo-Projekt unterwegs. Nun haben sie sich weitere Musiker an die Seite geholt. Die frischgebackenen Freunde verbrachten dann eine Woche in einem Probekeller, wo die ersten Töne des jetzigen Repertoires erklangen. In einem Jahr entstand das Album „PopGymnastik EP“.

Bandmitglied Andi Tasten spielt auf E-Pianos wie Rhodes und Synthesizer. So bringt er sich – zwischen Genie und Wahnsinn – mit seiner Spezialität, dem Komponieren, ein. „Er ist nämlich der Typ, der nachts nicht schlafen kann, bis er die Melodie aufgeschrieben hat, die ihm im Kopf rumspukte“, erklärt Toni Peperoni. Bei Johannes an der Gitarre kommt nicht nur Musik auf die Platte, sondern die Energie eines sich wahrscheinlich ausschließlich von Club Mate und Zigaretten ernährenden Workaholics. Drummer Jochen Commander Big Blow ist der Grobian der Gruppe, der auf sein Schlagzeug solange eindrischt, bis der Sound gut ist. Am Bass bietet dabei Florian Sweet Pressure mit seiner stets auch im Jazzkeller sonnenbebrillten Entspanntheit den Gegenpol.

Die Einzigartigkeit dieser Band empfindet Toni Peperoni übrigens nicht nur im Klang, sondern auch in Hinsicht auf die sportlichen Klamotten. „Wir repräsentieren uns so auch noch einmal optisch, weil es ein geiles Gefühl ist.“ Und bei den Konzerten sei es das Wichtigste, dass über Musik und Outfit ein sportlicher Gemeinschaftssinn mit dem Publikum entsteht. Wer immer noch nicht überzeugt sein sollte, sich HARRY BUSHH mal anzuhören, lausche Tonis Worten: „Vergesst nicht, wir schreiben doch keine Lieder, wir schreiben Hits!“

Zum Foto: Die Jungs von HARRY BUSHH nennen sich Mediensportler – für jede Disziplin bereit.
Foto: Amac Garbe


Ein Lied für die Rodler in Altenberg

Polyphoner Stereotyp (XV): Dorothee Müller vereint Psychologie und Musik in einer Person

Von Janine Kallenbach

Eine Dresdner Studentin singt den offiziellen Song zur Rodel-Weltmeisterschaft in Altenberg.

Psychologiestudentin Dorothee Müller singt mit kräftiger Stimme „Mit dem Risiko im Nacken und der Hoffnung im Visier lehne ich mich zurück …“. Es sind die Zeilen aus ihrem Lied „Augen auf und durch“, dem offiziellen Song für die Rodel-Weltmeisterschaft in Altenberg (bis 12. Februar). Nicht nur der Text stammt aus ihrer Feder, sondern auch die Melodie. „Mit fünf habe ich die Musik für mich entdeckt“, erzählt Müller. Seit sie sechs ist, singt sie. Erst im Kinder- und Jugendchor, dann immer häufiger Solo. Sie spielt Klavier und Gitarre. „Mit 14 habe ich meine ersten eigenen Lieder geschrieben.“ Eine Vollblutmusikerin. Allerdings nur nebenbei, denn ihr Studium an der TU Dresden ist der 29-Jährigen ebenso wichtig. Für ihre Diplomarbeit war sie gerade erst zwei Monate in Indien. Und doch ist es nicht das erste Wintersportlied, das Dorothee Müller singt.

Bereits 2007 hat sie mit „Cold Prestige“ einen Song eingespielt, der zwei Jahre lang bei jedem Bobweltcup lief. Egal, ob bei deutschen oder amerikanischen Übertragungen. „Daher kannte ich schon den Produzenten Nathanael Wendt.“ Als der fragte, ob sie wieder zusammenarbeiten wollten, war die Antwort klar. Gemeinsam mit der Dresdner Band D:PROJEKT, mit der Müller bereits häufiger kooperierte, haben sie dann „Augen auf und durch“ aufgenommen. Anfang Januar ist die Single erschienen.

Netzinfos: http://www.dorothee-mueller.de

Zum Foto: Studentin Dorothee Müller singt für die Rodel-WM in Altenberg.
Foto: Amac Garbe


Gewaltige Kultur

Master-Studentin leitet Führungen im Militärhistorischen Museum

Von Christine Reißing

Franziska Neumann begegnet bei ihrer Arbeit unterschiedlichsten Besuchern. Oft prallen dabei kontroverse Standpunkte aufeinander, die Raum zur Diskussion bieten.

Leid, Zerstörung, Elend, Gewalt. Welche Bedeutung hat Krieg für die Kulturgeschichte? Mitte Oktober eröffnete das Militärhistorische Museum der Bundeswehr in Dresden, das den Blick auf diese Frage schärfen will. „Ein gutes und leider immer wieder aktuelles Beispiel ist der Stellenwert der Bombardierung von Dresden“, weiß Franziska Neumann.

Die 25-jährige Geschichtsstudentin schreibt an ihrer Masterarbeit. Parallel arbeitet sie als Tutorin und studentische Hilfskraft am Lehrstuhl für Frühe Neuzeit an der Technischen Universität Dresden.

Ein Keil symbolisiert die Wunde Dresdens

„In der Ausstellung selbst ist die Bombardierung durch den Libeskind-Keil symbolisch allgegenwärtig.“ Der amerikanische Architekt Daniel Libeskind entwarf den 30 Meter hohen, begehbaren Keil aus Stahl und Glas. Dessen Spitze weist auf die Stelle im Ostragehege, an der vom 13. auf den 14. Februar 1945 die Einflugschneisen der britischen Bomber markiert wurden.

Das Museum strebt selbstkritische, unpathetische Auseinandersetzungen mit der deutschen Militärgeschichte an. „Meiner Meinung nach ist das tatsächlich ein Museum ohne Pathos, aber das ist eine subjektive Wahrnehmung“, erzählt Franziska Neumann. Dass Dresden nicht ins Zentrum der Diskussion gestellt wird, findet sie gut gelungen. In der Ausstellung werden nämlich auch die Zerstörungen der polnischen Stadt Wielun und des niederländischen Rotterdam im Zweiten Weltkrieg thematisiert. „Das Ganze wirkt sehr reduziert und nicht effektheischerisch, was mir sehr gut gefällt“, sagt sie.

Bei der Stellenausschreibung wurde jemand gesucht, der sich vor allem mit der Kulturgeschichte von Krieg und Militär in Mittelalter und Früher Neuzeit auskennt. Für diese Themen hatte Neumann sich schon länger interessiert. Aber was tun, wenn die Besucher das anders sehen? „Manche Gruppen sind schwieriger, vor allem Jugendliche mit Nullbockattitüde stellen eine Herausforderung dar“, sagt die Historikerin. Sie müsse oft gut überlegen, welche Themen und Exponate Heranwachsende fesseln könnten. Andererseits gäbe es auch viele Besucher, die Dresden im Museum unterrepräsentiert finden. Und auch solche, die zu viel Dresden sehen in einem Museum, das ganz Deutschland im Blick haben will, nicht nur Sachsen.

Menschen mit unterschiedlichen Blickwinkeln

„Warum ist die Zerstörung Dresdens heute noch so wichtig für diese Stadt? Wie wird eigentlich an Gewalt und Kriegserfahrung erinnert? Kann überhaupt erinnert, aber auch vergessen werden?“ Das sind für die Studentin gute Punkte, um am Ende der Führung mit Menschen aus unterschiedlichsten Blickwinkeln zu diskutieren.

Militärhistorisches Museum Dresden, geöffnet täglich außer mittwochs, 10 bis 18 Uhr, Mo. bis 21 Uhr; voraussichtlich bis Ende Februar 2012 noch freier Eintritt.

Netzinfos: http://www.mhmbw.de

Zum Foto: Studentin Franziska Neumann vermittelt bei den Führungen im Militärhistorischen Museum Dresden den unterschiedlichsten Besuchern ihre Begeisterung für Museen und Architektur.
Foto: Amac Garbe


Lebende Kleiderspenden

Das Louisenkombinaht beherbergt Aktivistinnen der ersten Stunde

Von Christine Reißing

Getreu dem Motto „Denk global, strick lokal“ stellen fünf Jungschneiderinnen die Dresdner Modewelt auf den Kopf. Handarbeit soll für sie Generationen verbinden.

Kaffee- und Altbaugeruch ergeben eine feine Kombination. Und wenn Altes auf Neues trifft, paart sich heimische Gemütlichkeit mit frischem Gedankenwind. So fühlt es sich beim Betreten des Louisenkombinahts, einem kleinen Geschäft am Ende der Louisenstraße in der Dresdner Neustadt, an. „Wie willst Du eine Revolution starten, wenn Du noch nicht mal einen Pulli stricken kannst?“, fragen die sechs jungen Betreiberinnen.

Tu It Yourself

Im Sommer 2011 eröffneten Kristina Krömer, Katinka Macuta, Barbara Niklas, Britta Jansen, Angelique Berger und Dietlind Ruge den außergewöhnlichen Laden, hinter dem mehr steckt als Profitstreben und Konsumterror. Im Louisenkombinaht wird gestrickt, gestickt, geklöppelt, gewebt, gestopft und gesponnen. Wer handarbeiten lernen will, kann Workshops besuchen. Wer schon nähen kann, bekommt Maschine samt Zubehör gestellt. Das Kombinaht ist Atelier, Ausstellungs- und Verkaufsraum zugleich. Und vor allem ist es eine Begegnungsstätte, in der Jung und Alt zusammenkommen sollen.

Im Rahmen von „Tu Du“ treffen Senioren auf Jungspunde, um ihnen vergessene Handarbeitstechniken beizubringen. Kristina Krömer, geistiger Kopf der Truppe, erklärt: „Viele alte Menschen leben isoliert und sind froh, wenn sie die Welt der Jüngeren kennenlernen können.“ In einer Gesellschaft, in der das Leistungsprinzip allgegenwärtig ist, fallen Menschen im Rentenalter oft aus dem Raster. „Wenn man sieht, dass jemand drei Jahre an einer Patchwork-Decke arbeitet, wird klarer, was auch ein alter Mensch alles leistet“, meint Krömer, die in Marburg ein Studium in Politikwissenschaft abgeschlossen hat. Kombinahterin Barbara Niklas steht an der TU Dresden kurz vor ihrem Diplom in Psychologie. „Mich hat schon immer die Schnittstelle zwischen Psychologie und praktischem Arbeiten interessiert“, erzählt sie. „Ich finde es wichtig, dass soziokulturelle Arbeit nicht im stillen Kämmerchen, sondern in der Öffentlichkeit stattfindet.“

Der Laden eint nicht nur menschliche, sondern auch modische Generationen. „Redesign“ nennt sich die Recyclingmode, bei der aus Altkleidern, Stoffresten oder Tischdecken neue Stücke kreiert werden. Unter den Händen von den „Louisendamen“ entstehen so ausgefallene Unikate, die sich auch Studenten leisten können. Katinka Macuta trägt ihre eigenen Kreationen allerdings nicht selbst: „Sie dienen ja nicht mir selbst zum Zweck, sondern ich möchte davon leben können.“ Und Krömer scherzt: „Wir sind lebende Altkleiderspenden.“

Gemacht in Marokko

Auch die Kolleginnen außerhalb der Kombinahtswände sind den sechs Damen wichtig. Am Montag (30.1., 19 Uhr) sind zwei marokkanische Frauen zu Gast, die ihre Arbeit als Näherin aufgegeben haben und aufklären wollen. Hintergrund: Viele deutsche Städte lassen Arbeitskleidung für ihre Angestellten bei „Made in Marokko“ nähen. Oftmals unbekannt: In den Fabriken herrscht Extremausbeutung. Wer möchte, kann im Selbsttest ausprobieren, wie sich das Nähen im Akkord anfühlt. Oder einfach so im Kombinaht vorscheischauen. Denn wenn sich so viel Kreatives in weniger als einem Jahr entwickelt, darf man gespannt sein auf neue Moderevolten.

Louisenkombinaht (Louisenstraße 72) in der Dresdner Neustadt: „Tu Du“ (auch für Anfänger) jeden 2. und 4. Donnerstag im Monat, 15 bis 19 Uhr; „Nähtee“ für Nähfähige mittwochs, 16 bis 20 Uhr, und freitags, 11 bis 14 Uhr; Kinderkurse montags, 14.30 bis 16 Uhr, und freitags, 15 bis 18 Uhr; Workshops aller Art für Anfänger und Fortgeschrittene auf Anfrage.
Sonderveranstaltung: „Film, Diskussion, Akkordnähen“ am kommenden Montag (30. Januar, 19 Uhr) im Louisenkombinaht.

Netzinfos: http://www.louisenkombinaht.de

Zum Foto: Die „Louisendamen“ Katinka Macuta, Angelique Berger, Kristina Krömer, Britta Jansen, Dietlind Ruge und Barbara Niklas (v. l.) rebellieren in Dresden gegen 0815-Looks.
Foto: Amac Garbe


„Unser Rat: Einfach machen!“

Das Görlitzer Projekt „Phase 0“ verhilft Ideen zur erfolgreichen Umsetzung

Von Christiane Nevoigt

Das Projekt „Phase 0 – How to make some action“ will mit Erfahrungswissen mehr Mut zur Tat geben.

Ideen auf ein leeres Blatt Papier zu bringen, bedeutet viel Überwindung. Meist weiß man nicht, wie man anfangen soll und eigentlich würde man viel lieber erst einmal beim Banknachbarn spicken, um zu sehen, wie der das macht. Das ist bei jungen Projektideen nicht anders.

Das Team von „Phase 0 – How to make some action“ will Menschen mit ihren Ideen helfen und erstellt dafür einen multimedialen Spickzettel. Oder mit den Worten von Projektleiter Marcus Rüssel: „Ein Ding auf verschiedenen Ebenen, das den Umgang mit Ideen zeigen und die Angst davor nehmen soll, diese umzusetzen.“ Mit verschiedenen Ebenen meinen sie vor allem ein Buch, ein Webportal und Videos.

Angefangen hat alles mit der Idee des Erfahrungsaustausches von Marcus Rüssel gemeinsam mit den Veranstaltern vom „La Pampa-Festival“ und der Erinnerung an eine Festivalbroschüre. Seitdem sind etwa zwei Jahre vergangen. Marcus Rüssel und PR-Berater Michael Lippold organisieren bereits selbst seit Jahren ehrenamtlich im Verein „Second Attempt“ das Festival für deutschpolnische Jugendkultur „Fokus“ in Görlitz. Auch ihre eigenen Erfahrungen fließen bei ihrem neuen Projekt „Phase 0“ ein. Aber nur Festivalerfahrung sollte es nicht sein.

„Eigentlich schießen wir mit der Schrotflinte auf alle Bereiche“, sagt Marcus Rüssel. Eingeschossen haben sie sich dabei vor allem auf den Kulturbereich: Festivals, ein Streetart-Künstler, ein Theaterkollektiv, Musik und Modelabels sowie die Weltmeisterschaft im Breakdance. Ein bisschen von allem scheint bei den etwa 15 Projekten aus ganz Deutschland dabei zu sein. Sogar eine offene Werkstatt und eine Klimaschutzparade mischen sich darunter. Ausgewählt haben sie die unterschiedlichen Projekte nach ihren eigenen Interessen. „Wir sind selber Idealisten. Es musste einfach inhaltlich passen“, erklärt Michael Lippold. Acht der Projekte stellen sie nun in ihrem Buch „Phase 0 – How to make some action“ vor. Es soll aber kein theoretisches Handbuch sein. „Das Buch soll dazu motivieren Projekte zu starten. Erst im zweiten Schritt erklären wir, wie man das macht“, so Lippold. Jedes Projekt gibt seine eigene Geschichte wieder. „Wir haben keine konkreten Vorgaben gemacht. Daher ist es auch sehr authentisch geworden“, erzählt Michael Lippold. Die Projektemacher berichten von ihrer Phase Null, ihren Anfängen, ihren Rückschlägen und geben selber Hinweise und Anregungen zum Bessermachen. Die Theorie verlagern sie auf das Webportal, wo es Tipps und Infos zur praktischen Projektarbeit, Finanzplänen und Musterkonzepten geben wird.

Der Weg ihrer Idee ist damit noch nicht zu Ende. Ende Februar wird das Buch veröffentlicht. Bis dahin basteln sie am Webportal und auch aus den Videos soll noch eine Reportage entstehen. Aber ob mit oder ohne Spickzettel, der wichtigste Rat bleibt: „Einfach machen!“

Netzinfos: www.phase0.org

Zum Foto: Michael Lippold von „Phase 0“ gibt Tipps zur praktischen kulturellen Projektarbeit.
Foto: Amac Garbe

Eine Stunde Eskapismus

Warum das Album auch im digitalen Download-Zeitalter nicht ausstirbt

Von René Markus

Da schon die griechische Göttin „Musica“ den Zusammenhang von Musik und Stunde versinnbildlichte, lohnt sich ein Blick auf das Format des 60-Minuten-Albums.

Jahrelang versuchte man das Album-Format totzuschreiben. Die Redakteure gaben sich beim Vorabkondolieren die Klinke in die Hand. Und heute? Beim Blick in die Musikzeitschriften und -blogs zeigt sich: Auch anno 2011 ist das Album quicklebendig.

Eines sollte vorab klar sein: Es geht hier nicht um den Tonträger, ob CD oder Schallplatte, das ist nicht der Punkt. Es geht um das Format. Das Album. Zwischen 40 und 80 Minuten Spielzeit bewegt es sich meist. Was kürzer oder länger ist, wird als EP oder Doppelalbum unter die Leute gebracht. Eine Etikettierungsfrage. Aber selbst, wenn man sie mit in Betracht zöge, käme man wohl durchschnittlich auf circa eine Stunde Spielzeit.

Den Willen zur Stunde gab es auch schon in der SchallplattenÄra. Drei prominente Beispiele: „Abbey Road” von den BEATLES ist knapp eine Dreiviertelstunde lang, THE CLASHs „London Calling“ 65 Minuten und THE WHOs Rockoper „Tommy“ eine Stunde und 14 Minuten. Ob die Stundenlänge ein zufälliger Trend oder als angenehme Hördauer anthropologisch begründbar ist, sei mal dahin gestellt. Jedenfalls begegnet sie einem auch bei klassischen Kompositionen auffällig oft: Beethovens Neunte ist ungefähr 67 Minuten lang, Bedřich Smetanas „Mein Vaterland“ 75 und die neuere „Carmina Burana“ von Carl Orff 64. Das sind natürlich nur Beispiele.

Es gibt auch andere Kaliber: Bachs Matthäus-Passion zieht sich über drei Stunden. Wer ihr mal in Gänze auf einer kalten Kirchenbank lauschen durfte, weiß danach sowohl, was Passion meint, als auch, dass eine Stunde eine wirklich angenehme Länge ist. Warum aber nun das Album? Warum eine Stunde Musik? Mit dem einzelnen Lied lässt sich eine Stimmung auslösen, verstärken oder auch auskontern. Das Album aber lässt in uns eine facettenreiche Welt entstehen. Ähnlich wie der Film oder der Roman eröffnet es eine Wirklichkeit außerhalb der eigenen. Es lädt zum Verweilen ein und kitzelt den Eskapismus, den jeder irgendwie in sich trägt. Mit anderen Worten: Das Lied ist Schulterklopfer oder Tränentrockner. Das Album aber ist der Ort, an dem das alles gar nicht passiert wäre.

Die CD wird es irgendwann nicht mehr geben. Solange wir aber nicht zu sehnsuchtslosen Körpern mutiert sind, wird das Album weiterleben.

Zur Karikatur: Ein Album schafft eine ganz eigene Wirklichkeit und lässt so manchen davongleiten.
Karikatur: Norbert Scholz


Unterhaltung aus dem Stegreif

Studentische Schauspieler der Dresdner „bühne“ laden zum „Improsandkasten“

Von Susanne Magister

Beim Improvisationstheater ist jeder Abend anders, jede Szene eine individuelle und einzigartige Herausforderung.

Beim Stegreiftheater müssen die Schauspieler improvisieren – es gibt keinen Text, an dem sie sich entlanghangeln, keine aufwendige Bühnen- oder Kostümgestaltung, hinter der sie sich verstecken können. Alles entsteht direkt in dem Moment, vor dem erwartungsvollen Publikum. Und nach dessen Regieanweisungen. Für die Studenten der „Freien Spiel Kultur“, der Improgruppe des Theaters der TU Dresden „die bühne“, macht genau das den Reiz aus.

Einer von ihnen ist der Lehramtsstudent Tim Häcker, der seit 2010 dabei ist. Seine Freundin hatte ihm die Teilnahme am regelmäßig an der „bühne“ stattfindenden Impro-Anfänger-Workshop geschenkt. „Dieses Workshop-Wochenende war unglaublich intensiv und das Spielen hat wahnsinnig Spaß gemacht“, erzählt der 25-Jährige. Besonders gefällt ihm dabei das Zusammenspiel beim Improtheater. „Man ist aufeinander angewiesen. Wenn man selbst mal nicht weiter weiß, gibt es immer einen anderen, der eine Idee hat oder einen Impuls gibt, wie es weitergehen könnte.“ Die Humanmedizinstudentin Lena Engemann sieht das genauso. „Alles wird im Augenblick geboren. Wir wissen nicht, was passiert, und so entstehen unendlich viele kurze oder längere Geschichten, nie gibt es eine Wiederholung“, sagt die 27-Jährige. „Beim Spiel entsteht eine kleine gemeinsame Realität, und die kann überall sein, im Magen-Darm-Trakt oder auf einem unbekannten Stern.“

Im Dezember gibt es noch einmal die Möglichkeit, selbst unter Anleitung zu improvisieren. Am Freitag (9.12., 18 Uhr) veranstaltet die „Freie Spiel Kultur“ einen „Improsandkasten“ im Weberbau der TU Dresden (Weberplatz 5, Raum 136). Dabei braucht man keine Vorkenntnisse, jeder kann sich angesprochen fühlen: „Jeder, der sich auf das Ungewisse einlässt, Kontrolle abgibt und sich an seine Kindheit erinnert“, resümiert Lena Engemann.

Wer lieber zugucken und mitfiebern möchte, wie die Spielwütigen das vom Publikum spontan Eingeworfene in Szenen umsetzen, hat am 20. Dezember (20 Uhr) im Dresdner Projekttheater (Louisenstraße 47) für ermäßigte fünf Euro noch einmal die Gelegenheit dazu. Ob’s dabei weihnachtlich zugeht, ist noch offen – und entscheidet nicht zuletzt ja auch das Publikum.

Netzinfos: www.improtheater-dresden.de

Zum Foto: Lena Engemann und Tim Häcker improvisieren stets gekonnt.
Foto: Amac Garbe

Hobeln, Sägen, Saiten stimmen

Ein Student der Westsächsischen Hochschule Zwickau baut in Handarbeit eine historische Gitarre nach

Von Tamina Zaeske

Carl Maria von Webers Gitarre galt lange Zeit als verloren. Stefan Martin hat sie jetzt in monatelanger Handarbeit rekonstruiert.

So richtig wohl scheint sich Stefan Martin im Blitzlichtgewitter der Pressefotografen nicht zu fühlen. Der Student lächelt tapfer, als er sie wieder und wieder in den Arm nehmen muss – die Gitarre, die Anfang November feierlich an das Carl-Maria-von-Weber-Museum in Dresden übergeben wurde. Es ist nicht irgendein Instrument, das er in den Händen hält. In monatelanger Arbeit hat er es originalgetreu nachgebaut. Jetzt ist die Gitarre endlich fertig.

Eine Gittare für die Liebe

Im Jahr 1817 schenkte Caroline Brandt ihrem Verlobten Carl Maria von Weber eine Gitarre, die jedoch in den Wirren des Zweiten Weltkriegs verloren ging. Stefan Martin gelang jetzt das Kunststück, das historische Instrument zu rekonstruieren – und das nur anhand eines Fotos und einer kurzen Beschreibung. „Am schwierigsten war es, den Punkt zu finden, an dem man sagen konnte: Jetzt sind es genug Informationen“, sagt er, der im 7. Semester Musikinstrumentenbau in Markneukirchen, einem Standort der Westsächsischen Hochschule Zwickau, studiert.

In monatelanger Recherchearbeit suchte Stefan Martin alles an Informationen zusammen, was er finden konnte, besuchte Museen, inspizierte Vergleichsinstrumente und beriet sich mit Andreas Michel, Professor für Musikinstrumentenbau an der Zwickauer Hochschule. Der war auch Initiator des Projekts. „Als ich davon hörte, dass die Gitarre nachgebaut werden sollte, habe ich mich gleich gemeldet“, sagt Martin. Bis jetzt war das sein anspruchsvollstes Projekt. Mit dem Ergebnis ist er zufrieden: „Natürlich gibt es trotzdem immer noch etwas, was man anders machen würde.“

Eine Kunst für die Zukunft

Ein Schulpraktikum weckte einst seine Begeisterung für den Instrumentenbau. Anschließend absolvierte er eine Ausbildung zum Musikinstrumenbauer, für die der gebürtige Rostocker nach Klingenthal in Sachsen zog. Nun steht er kurz vor dem Abschluss seines Studiums, an dessen Ende er sich „Zupfinstrumentenmachermeister“ nennen darf. Bau, Reparatur und Aufwertung von E-, Bass- und Akustikgitarren sind aber schon jetzt längst kein Problem mehr für ihn. Er ist selbst Musiker und kann optimal auf die Wünsche seiner Kunden eingehen. Auch wenn das ziemlich kostspielig ist: Mindestens 2 000 Euro muss man für eine individuell angefertigte Gitarre hinlegen.

Mit dem Meistertitel in der Tasche will sich Stefan Martin dann in die Selbstständigkeit stürzen. „Das hat auf jeden Fall Zukunft“, meint er, „auch wenn es ein hartes Pflaster ist.“ Wer sich von seinen kunsthandwerklichen Fähigkeiten überzeugen will, kann seine Arbeit im Carl-Maria-von-Weber-Museum Dresden bewundern: Die Gitarre ist dort dauerhaft ausgestellt.

Zum Foto: Monatelang recherchierte Stefan Martin, um Carl Maria von Webers Gitarre originalgetreu nachzubauen.
Foto: Amac Garbe


Der Mann mit dem Raketenblues

Comics für Erwachsene: Underground-Comiczeichner Ivo Kircheis

Von Falk Ulshöfer

Ivo Kircheis brach sein Studium an der TU Dresden ab, um Comiczeichner zu werden. Mit seinem Dresdner Verlag Beatcomix machte er sich einen Namen in der Szene.

Im Jahr 1992 macht Ivo Kircheis eine Entdeckung, die sein Leben verändern sollte. In einem neueröffneten Comicladen in Dresden-Pieschen stößt er auf einen Comicband mit dem Namen „U-Comix“, eine Sammlung von amerikanischen Undergroundcomics.

Sofort wird ihm klar, dass Comiczeichnen das ist, was er machen will. Denn noch ist der damals 27-Jährige im Studiengang Mikroelektroniktechnologie an der TU Dresden immatrikuliert.

Vor dem Wahn gerettet

Obwohl ihn das Studium fachlich nicht überfordert, ist es für Ivo Kircheis keine Herzensangelegenheit. „Ich habe mich bequatschen lassen. Mikroelektronik klang nach Zukunft“, beschreibt der heute 45-Jährige seine damalige Entscheidung zum Studium. „Glücklicherweise kamen die U-Comix-Bände und haben mich aus diesem Wahn herausgerissen.“

Mit jedem gefüllten Skizzenbuch wird sein Wunsch nach einem künstlerischen Beruf größer. Während seiner Diplomarbeit wagt er schließlich den mutigen Schritt: Er bricht sein Studium nach elf Semestern ab, um sich voll auf das Zeichnen zu konzentrieren. Weitere vier Jahre und etliche Skizzenbücher später beginnt er ein Grafikdesignstudium in Hildesheim, welches er im Jahr 2004 mit einem Comic über die Zerstörung von Hildesheim im Zweiten Weltkrieg als Examensarbeit abschließt.

Ivo Kircheis kehrt nach Dresden zurück und gründet 2007 mit dem befreundeten Zeichner Mamei den Verlag Beatcomix. Der etabliert sich schnell. „Wir haben es geschafft, innerhalb von drei Jahren deutschlandweit in der Comicszene bekannt zu werden.“ Mit charakteristischen, in Schwarzweiß gehaltenen Bildern erzählen die Beatcomix verrückte Geschichten, die „eine bunte Mixtur aus real und völlig ersponnen“ darstellen. Das trifft auch auf Kircheis‘ Projekt „Paralleluniversum“ zu, das im Internet jede Woche mit einem neuen Comicstrip aufwartet. Inzwischen liegen die Geschichten, in denen auch die Familie des zweifachen Vaters eine große Rolle spielt, in drei Sammelbänden vor.

Raketenblues mit Auszeichnung

Im Jahr 2010 erschien der Comicband „Rocket Blues“, den Kircheis gemeinsam mit Mamei gezeichnet hat, und der eine durchgeknallte Story über Elvis, Fischbrötchen, Toilettenbeam und die Entstehung der Kornkreise erzählt. Für Ivo Kircheis ist es der Höhepunkt seines künstlerischen Schaffens – und das scheint nicht nur er so zu sehen. In diesem Jahr wurde „Rocket Blues“ vom Interessenverband Comic mit dem Independent Comic Preis für das beste Szenario ausgezeichnet. Daraufhin erschien ein großer Artikel über das Werk im Comic-Jahrbuch 2011, geschrieben von dem Herrn, der 20 Jahre zuvor die „U-Comix“ herausgegeben hatte – jene Bände, die Ivo Kircheis einst zum Comiczeichner werden ließen.

Netzinfos: www.beatcomix.de und www.paralleluniversum.net

Zum Foto: Ivo Kircheis brach sein Studium der Mikroelektronik kurz vor dem Abschluss ab, um Comiczeichner zu werden.
Foto: Amac Garbe

Feierfreuden

Immer wieder montags

Montags ist Studententag – und das gleich vier Mal in Dresden

Von Norbert Scholz

Die größte Aufgabe des Studenten ist es, sich möglichst kostengünstig am Abend zu vergnügen. Feiern, bis der Arzt kommt: „ad rem“ bietet einen Überblick über die bunte Welt der Studententage in den Dresdner Musiklokalen.

Angefangen hat die Jagd auf trockene studentische Kehlen und tanzbegeisterte Kniegelenke im ehemaligen Flowerpower in der Neustadt. Seit 1999 gab es dort jeden Tag Musik, Schwatz und sonstiges Kneipenprogramm. Doch der Montag lief schlecht und musste irgendwie belebt werden. Und so wurde das Konzept des Studententages geboren: Eintritt frei, Musik zum Abzappeln und Bier zum halben Preis! In der Originaladresse des Flowerpowers und dem späteren Nubeatzz (Eschenstraße 11) befindet sich heute Rosis Amüsierlokal. An der zweiten Adresse (Erfurter Straße 12) ist nun der Club DISTRICT zu Hause. Und auch Katy’s Garage, im Zentrum der Neustadt, feiert (noch) den montäglichen Akademikerumtrunk, steht aber ausnahmsweise in keinerlei Beziehung zur Ursuppe.

Rosis Amüsierlokal

Hier ist der Rock’n’Roll zu Hause. Gitarrenmusik im weitesten Sinne ist im Programm sowie Metal, Rockabilly, Beat, aber auch Swing und Blues. „Der Studententag am Montag war eine Tradition in unserer Adresse, deshalb haben wir ihn weitergeführt“, erklärt Clubchef Markus Agricola. Im hauseigenen Restaurant HELLMUTs können Studenten, aber auch alle anderen Besucher, montags Burger, Bier und Pommes zum Sonderpreis abfassen, im Stockwerk darüber günstig Billard und Dart spielen und anschließend in Rosis Amüsierlokal zu gemischt-rockiger Musik feiern. „Vor allem am Wochenende bieten wir oft Livemusik an, wobei wir zwar keinen Studentenrabatt gewähren, aber allgemein versuchen, die Preise günstig zu halten“, sagt Agricola. „Der Studententag ist dabei ein gutes Werbemittel, auch auf unser ‘normales’ Programm hinzuweisen und unser Lokal bei den ‘neuen’ Dresdnern bekannt zu machen.“

Nubeatzz

Weniger rockig, dafür größer und poppiger wird der Montag im Puschkin begangen. Die Partyreihe heißt immer noch Nubeatzz, hat aber nun drei Tanzflächen, auf denen vor allem House und Elektro sowie bunt Gemischtes aus fähigen Händen ans Ohr gelangt und mehr oder weniger Überraschendes von Nachwuchs-DJs geboten wird. Hierhin kommen viele Jugendliche aus dem Umland, an guten Abenden bis zu 800. Haus-DJane Frau Richter ist Dresdens bekanntestes Gesicht an den Reglern und dürfte sicherlich schon von einigen Studentenpartys bekannt sein.

District

Gleich in der Nähe findet sich der neue Club DISTRICT, der von der ehemaligen Nubeatzz-Mitarbeiterin Peggy Hebenstreit geführt wird. Ihr Laden ist musikalisch recht offen, nur derber Elektro und Ü30-Partys sind nicht im Programm. „Nach dem Ende des Nubeatzz wollte ich den Club, besonders aber den Studententag, unbedingt weiterführen“, sagt die Geschäftsführerin. Die ganz große (Neu-)Eröffnungsparty steht zwar noch aus, aber ein Floor steht bereits zur Verfügung und wird bespaßt. Noch steht der Tanz am Montagabend am Beginn, aber Peggy Hebenstreit ist sich sicher, dass viele ehemalige Nubeatzz-Freunde und auch Neulinge wieder ins „alte“ Haus finden werden. Die DJs am Abend mischen Rock, Pop und Elektronisches, sodass für jeden etwas dabei sein sollte.

Katy’s Garage

Katy’s Garage geht beim Thema Studententag mittlerweile in eine andere Richtung. Obwohl man sich vor rund fünf Jahren – wie viele andere Lokale – einfach an den Montagsrabatt für die zukünftige „Elite“ drangehängt hat, geht man nun wieder von dieser Idee ab. „Unser Publikum ist nicht mehr so studentisch geprägt“, erklärt Clubbetreiber Stefan Hübner. „Im Herzen der Neustadt gelegen, kommen auch viele Touristen, Jugendliche und natürlich Einheimische zu uns. Der Studententag lief eine ganze Weile gut, aber nun wird es Zeit für Neues. Nur billig Biertrinken reicht uns nicht mehr. Zukünftig ist Montags Kieztanz, mit Livemusik und Glücksrad, an dem man sich ein Schnäpschen oder Freibier erdrehen kann.“

District und Puschkin/Nubeatzz verlangen ab 23 Uhr einen kleinen Eintritt, Rosis und Katy’s Garage lassen Euch gratis rein.

Netzinfos: www.rosis-dresden.de, www.district-dresden.de, www.nubeatzz.de, www.katysgarage.de

Zum den Fotos: Katy’s Garage, Puschkin und Rosis Amüsierlokal- jeder Laden hat sein eigenes Publikum.
Fotos: Norbert Scholz


Benefiztheater an der „bühne“

Theater spielen als Therapie

Improtheater am Freitag an der „bühne“ der TU Dresden zugunsten von Autisten

Von Steven Fischer

Auch wenn keine Autisten mitspielen, dreht sich die Benefizveranstaltung am Freitag an der „bühne“ rund um das Thema „Autismus“.

Einmal mehr hatte der Zufall seine Finger im Spiel. Er brachte zwei Dinge zusammen, die sich augenscheinlich widersprechen: Autismus und Improtheater. Auf der einen Seite eine Störung, die sozialen Austausch und Zusammenleben sehr schwer macht, auf der anderen Seite das Theaterspielen. Einen großen Anteil am Zusammentreffen der beiden Themen hat Tobias Wolf. Der Arzt in Fachausbildung an der Autismusambulanz Dresden ist einer der Theaterspieler in der Improgruppe der „bühne“ an der TU Dresden. Er initiierte die Benefizveranstaltung am Freitag (4.11.).

Wie man die Einstellung des Improtheaters für eine Therapie nutzen kann, diese Frage beschäftigt Tobias Wolf schon länger. „Die Grundvoraussetzung für das Improtheater ist, dass man akzeptiert. Man nimmt die Dinge an und versucht, etwas daraus zu machen“, erklärt er. Patienten müsse man annehmen, wie sie sind. „Und spielerisch versuchen, sie weiterzuentwickeln.“ Diesen Therapieansatz irgendwann auch in einer Theatergruppe mit Autisten zu verwirklichen, ist ein Ziel von Tobias Wolf.

Eine Berliner Gruppe ist schon soweit. Dort spielen vor allem Eltern mit ihren autistischen Kindern. Die Berliner Gruppe wird zu Gast sein und zeigen, wie sie arbeitet. Ein besonderes Publikum möchte man mit der Benefizveranstaltung nicht ansprechen. „Es soll gezielt Publikum sein, das immer kommt. Typisches studentisches Publikum“, meint Tobias Wolf. Was durchaus auch mit ein bisschen Aufklärung zu tun hat. Vor allem seien die Asperger-Patienten bekannt, die unglaubliche Fähigkeiten in einem Spezialbereich hätten. „Wir haben aber auch viele Patienten, die man eben nicht als Asperger erkennt, weil sie so gut angepasst sind“, erläutert der angehende Arzt, den einst eine Kommilitonin auf das Thema Autismus aufmerksam machte. Sie gab ihm Lektüre über das Thema. Im Studium entdeckte er dann das Improtheater. „Es war für mich eine Erlösung“, offenbart er. „Ich weiß, ich gehe Montagabend zu einer festen Zeit dort hin, ziehe meine Sachen an und kann dann Dinge machen, die ich nie machen könnte.“

Wer sich davon überraschen lassen will, ist eingeladen, bei der „bühne“ vorbeizuschauen. Die Einnahmen des Abends werden gespendet an die Vereine „autismus Dresden“ und „Artists Meet Autism – Künstler helfen Autisten“.

Benefizveranstaltung der Dresdner „bühne – das theater der tu“ (Teplitzer Straße 26) am Freitag (4.11., 20.15 Uhr), Eintritt 6 Euro, ermäßigt 3,50 Euro.

Netzinfos: www.improtheater-dresden.de

Zum Foto: Tobias Wolf improvisiert gern – und für einen guten Zweck.
Foto: Amac Garbe


Kino muss nicht teuer sein

Studentenkino (I): Das „PiraCine“ braucht keinen Eintritt, denn die Filme kosten nichts

Nach der Sommerpause zeigt das Piratenkino in Zittau heute (27.10.) wieder lizenzfreie Filme.

Von Antje Meier

Stephan Dienel ist kein typischer Cineast. Mainstream-Kino mag er gar nicht und einen Fernseher besitzt er nicht. Trotzdem sieht er leidenschaftlich gern Filme – mit Tiefgang und bestenfalls mit dem Stempel CC versehen. Gemeint sind Filme mit sogenannten Creative-Commons-Lizenzen.

Ein Kino wird geboren

Gemeinsam mit Niels Seidel und Susan Gottwald gründete Dienel im Sommersemester das Studentenkino „PiraCine“, das ausschließlich Filme mit Creative-Commons-Lizenzen zeigt. „Im Herbst des vergangenen Jahres haben wir innerhalb der Piraten-Hochschulgruppe über Open-Source-Software und Lizenzmodelle für Musik und Bilder debattiert. Dabei kam die Frage auf, ob es auch so etwas wie Open Source Filme gibt“, erklärt der 22-jährige Student. Begeistert fährt er fort: „Wir fanden eine Reihe von guten CC-Filmen, die wir als vorzeigbar erachteten“. Und so war die Idee des Kinos geboren – auch weil Hochschulkinos und Filmklubs eher weniger zum kulturellen Angebot in Zittau gehören.

Das Besondere an diesen CC-Lizenzen sei, dass der Künstler selbst festlegen könne, inwiefern sein Werk verbreitet werden darf. „Als Künstler kann man klar festlegen, ob andere das Werk kopieren, bearbeiten oder zu Geld machen dürfen.“ Bei herkömmlichen Kinofilmen seien hingegen immer „alle Rechte vorbehalten“. Was nichts anderes bedeute, als dass die Verbreitung, Vervielfältigung und Veränderung unter Strafe steht.

Kopieren erwünscht

Doch diese Grenzen sind dem angehenden Maschinenbauer zu eng: „Wir möchten speziell Filmemacher fördern, die ihre Produkte als freie Kulturgüter deklarieren und somit eine kreative Auseinandersetzung mit ihrem Material gestatten.“ Das Kopieren sei dabei sogar erwünscht, anstatt verboten. Die Lizenzen sind kostenfrei. „Deshalb verlangen wir auch keinen Eintritt, sondern bitten um Spenden, die wir zu 100 Prozent an die Filmemacher weitergeben.“

Im ersten Semester kam das „PiraCine“ bei den Studenten gut an, der Hörsaal war gut gefüllt. „Wir überlegen, zukünftig im Anschluss an die eine oder andere Filmvorführung themenbezogene Podiumsdiskussionen anzuschließen“, sagt er. Auch eine Bespielung in Görlitz wäre denkbar, aber momentan nicht umsetzbar, bedauert Dienel. „Dazu brauchen wir die Unterstützung von Studenten am Standort Görlitz.“ Die fehle aber noch.

Das „PiraCine“ zeigt jeden letzten Donnerstag im Monat einen Film. Der nächste Termin: 27. Oktober in Zittau, Hörsaal Z IV/0.01 der Hochschule Görlitz/Zittau. Gezeigt wird um 20 Uhr die Peer-to-Peer-Sonderausgabe des Films “The Yes Men fix the World”, die einen exklusiven Vorspann enthält, in dem sich die Politaktivisten “Yes Men” als Pressesprecher der US-Handelskammer ausgeben. Dafür wurden sie verklagt.

Zum Foto: Zwei von dreien: Stephan Dienel und Niels Seidel (v. l.) leiten das neue Kino „PiraCine“ an der HS Zittau/Görlitz mit.
Foto: Toni klemm


Kunst beim Festival „Politik im Freien Theater“

Das ist mir fremd, das ist mir eigen

Junges Dresdner Kuratorenkollektiv feiert morgen die Vernissage seiner Ausstellung zum Thema „fremd“

Von Nico Karge

Unter dem Motto „Die einzigen Fremden hier seid doch ihr!“ gibt’s im Festspielhaus Hellerau interdisziplinäre Kunstwerke zu sehen.

Fremd. Fremdartig. Fremdenbett. Fremdgehen. Fremdkörper. Fremdsprache. – „Fremd“ ist uns allen ein geläufiges, verständliches Wort, das wir täglich benutzen. In manch einem löst es den Wunsch nach etwas Neuem, etwas Außergewöhnlichem aus. Einem anderen wird in Gedanken an Abnormität und Unvertrautes eher mulmig zumute. Genau diesen Sachverhalt haben die zwei Dresdner Kunstgeschichtsstudentinnen Annekathrin Kohout und Sarah Sigmund sowie der Fotograf Philipp Baumgarten als Motiv für ihre Ausstellung genommen: „Die einzigen Fremden hier seid doch ihr!“ Diese ist beim 8. Festival „Politik im Freien Theater“ ab Freitag (28.10.) im Festspielhaus Hellerau zu sehen.

Die drei Mitglieder der kunstaktivistischen Gruppierung „Zwanzig Zehn“ haben als selbst ernanntes Kuratorenkollektiv eine Sammlung zusammengestellt, die den Entfremdungsprozess, den „Ursprung von Selbst- und Fremdbestimmung“, als Ausgangspunkt nimmt. „Die Ausstellung soll den Betrachter anregen, sich darüber Gedanken zu machen, was für ihn fremd ist“, erklärt Sigmund. „Für mich ist wichtig, dass den Leuten klar wird, dass ‚eigen‘ und ‚fremd‘ dieselbe Sache sind“, konkretisiert Kohout.

Dass das ein starkes Vorhaben ist, sei ihnen bewusst. Mit interdisziplinären Werken von bereits diplomierten und noch studierenden Künstlern der Dresdner HfBK wollen sie den Betrachter dahingehend provozieren, sich seiner eigenen Entfremdung bewusst zu werden. „Vielleicht können wir auch einen Horizont öffnen, um Kunst anders gegenüberzutreten“, sagt Sigmund, „denn Kunst an sich ist uns auch fremd.“

Vernissage am Freitag (28.10., 18 Uhr) im Festspielhaus Hellerau „Foyer West“, danach läuft die Aussstellung bis zum 6. November, Netzinfos: www.diezwanzigzehn.de

Zum Foto: Philipp Baumgarten, Annekathrin Kohout und Sarah Sigmund sind Kunstaktivisten von „Zwanzig Zehn“. Foto: Amac Garbe

Südamerika in Görlitz

Der Jazzpianist Bruno Böhmer Camacho holt den Sommer zurück

Von Marion N. Fiedler

Der deutsch-kolumbianische Tastenakrobat Bruno Böhmer Camacho kommt samt Trio ins Fotomuseum Görlitz.

Hingabe, Liebe zum Detail, eine ganz eigene Verspieltheit. Dazu Musikalität, die an Ausdruck sogar ein ganzes Orchester in den Boden spielen kann. Bruno Böhmer im Konzert zu erleben, ist faszinierend. Er weiß, was er tut – und er tut es gut.

„Ich lebe im Jetzt und liebe es, mein Leben durch die Musik zu betrachen. Es ist schon ein großer Segen, dass mir dies auch ermöglicht wird“, bringt es der junge Tastenakrobat auf den Punkt. „Auf der Bühne“, so erzählt er, „lebe ich meinen Spaß am Konzertieren aus!“ Und das kommt beim Publikum an. Mit seinen 25 Jahren gilt der aus Kolumbien stammende Bruno Böhmer Camacho, wie sein voller Name lautet, bereits zu den wichtigsten lateinamerikanischen Musikern in Deutschland. Mit seinem neuen Programm „Nostalgic Vision“ wird er am Sonntag (9.10., 19 Uhr) im Görlitzer Fotomuseum Halt machen.

Seine Musik überbrückt kolumbianische Traditionen und karibische Jazzmusik mit pop-orientierten Sounds. Sie ist geprägt von fließenden Melodien, einer spannenden klanglichen Vielfalt und lässt mit musikalischer Leichtigkeit die Ausdruckskraft nostalgischer Momente aufleuchten. Dafür greift er schon mal in die Klassikerkiste.

Neben eigenen Kompositionen werden am Sonntag auch zwei Coverversionen zu hören sein. „Eine davon ist die Interpretation von Stings ‚Fragile‘. Des Weiteren habe ich ‚Poinciana‘ von Ahmad Jamal gewählt. Beide Songs bedeuten mir sehr viel“, erzählt Bruno Böhmer.

Nostalgie mit 25 Jahren

Die kompositorische Referenz zur Nostalgie ist durchaus berechtigt, bedenkt man, dass der Künstler bereits weite Wege mit seiner Musik gegangen ist. Aufgewachsen in Barranquilla an der kolumbianischen Atlantikküste, gründete Bruno Böhmer bereits mit neun Jahren sein erstes Latin-Ensemble, das auf Jazzfestivals in Südamerika zum Top-Act avancierte. Und das kam ganz natürlich, wie er sagt, denn die Musik wurde ihm in die Wiege gelegt. Sowohl sein Großvater Ángel María Camacho y Cano als auch seine Mutter Lyra Mercedes Camacho sind international angesehene Musiker. Seinen Schulabschluss machte er dann übrigens etwas eher, um danach nach Deutschland zu kommen, wo sein Vater lebt.

Mit 16 gewann er hier erste Wettbewerbe und bald ein Stipendium für ein Musikstudium an der Folkwang Universität in Essen, um später sein Diplomstudium für Jazzklavier am Berklee College of Music in Boston zu beenden. All das krönte ein Aufbaustudium in Komposition und Produktion. Seinen Sound, den er während seiner Zeit in Boston mit weltweit angesehenen Musikern entwickeln konnte, bringt er nun nach Görlitz.

Netz- und Musikinfos: www.brunoboehmercamacho.de

Zum Foto: Bruno Böhmer Camacho lebt in Berlin – und tourt durch die Welt.
Foto: Amac Garbe

Vorhang auf – das Spiel beginnt!

Ein auserwählter Querschnitt durch die frische Theatersaison 2011/2012 der sächsischen Spielstätten

Von Anne Gerber

Prüfungen überstanden, aber kein Geld für die große Reise? Langweilig wird es auch in Sachsen nicht: Die Theaterferien sind vorüber und die Bühnen überbieten sich im Premierenrausch.

Kurios ist es schon, was der vergleichende Blick auf die frischen Spielpläne offenbart. Da finden sich fast vergessene Raritäten und theatrale Kleinode gleich mehrfach im Repertoire. So erlebt der hierzulande quasi unbekannte „Schwanda, der Dudelsackpfeifer“ des tschechischen Komponisten Jaromír Weinberger eine doppelte Wiederbelebung: in Görlitz und an der Dresdner Semperoper. Dort werden zudem Donizettis „Liebestrank“ und Ernst Tochs selten gespielte Satire „Die Prinzessin auf der Erbse“ neu inszeniert. Stücke, die allerdings auch in Freiberg in neuem Glanz bewundert werden können. Da zählt Tschaikowskys „Eugen Onegin“ schon zu den bekannteren Stücken – weswegen sich sowohl Radebeul und Freiberg als auch Görlitz daran zu schaffen machen.

Eine plausible Erklärung für diese Dopplungen war bisher nicht zu finden, doch lassen wir dem Phänomen den Hauch des Mysteriösen und werfen einen Blick auf die weiteren, breit gefächerten Premierenpläne in und um Dresden, Görlitz, Zittau und Freiberg. In der zweiten Spielzeit unter Dr. Ulrike Hessler wird in der Semperoper – neben der Pflege guter deutsch-tschechischer Nachbarschaft – mit Verdis „Maskenball“ als Eröffnungspremiere am 30. September auf einen Klassiker gesetzt. Aber auch Opernperlen wie Händels „Alcina“ bereichern den Spielplan und bringen weiterhin junge Regisseurinnen nach Dresden, wie Bettina Bruinier (Mozarts „Titus“), die vor der Sommerpause noch Kurt Weills „Street Scene“ in Szene setzte, und Elisabeth Stöppler („Maskenball“), deren Henze-Uraufführung „Gisela!“ vor einem knappen Jahr für Furore sorgte.

Zärtliche Russen

An ähnlich mutigen Uraufführungen fehlt es dieser Spielzeit, allerdings darf mit Stefan Herheims („Rusalka“) Interpretation von „Lulu“ wieder eine aufsehenerregende Inszenierung erwartet werden. Übrigens: Auch in dieser Spielzeit sind Studentenkarten für zehn Euro an der Abendkasse und am 15. jedes Monats für Vorstellungen des Folgemonats erhältlich. Im Dresdner Schauspielhaus greift Intendant Wilfried Schulz mit der Uraufführung „Das steinerne Bett“ nach dem Roman von Harry Mulisch ein Dresden-Thema auf, ebenso wie die Bürgerbühne mit der Stückentwicklung „Die Zärtlichkeit der Russen“.

Apropos Bürgerbühne: Schauspielerisches Engagement der Dresdner wird auch in dieser Spielzeit wieder großgeschrieben. Insgesamt fünf Inszenierungen plus sieben Schauspielclubs laden zum ambitionierten Laientheater ein. Auf professioneller Schiene geben sich unter anderem Wolfgang Engel („Der Turm“) mit dem Bulgakow-Klassiker „Der Meister und Margarita“, Sebastian Baumgarten („Der goldene Topf“) mit Schillers „Räubern“, Dirk Laucke und der musikalische Franz Wittenbrink die Ehre. Studenten kommen für 6,50 Euro in den Genuss.

Spielfreudig und publikumsfreundlich stürzen sich die Landesbühnen Radebeul mit 16 Premieren in den Sparten Musik- und Sprechtheater, Konzert und Ballett in die neue Runde – trotz aller Widernisse: Nach der Umstrukturierung des Orchesters („ad rem“ berichtete in Ausgabe 20.2011), den verregneten, sprich publikumsarmen Vorstellungen auf der Felsenbühne und zeitweise ohne Intendanten – Christian Schmidt ging vorzeitig, erst im Oktober tritt Manuel Schöbel sein Amt an – bietet das Haus unter dem Motto „Die russische Seele“ eine ausgewogene Mischung aus Tiefgang und Leichtigkeit. Mit Tschechows „Drei Schwestern“, Tschaikowskys „Eugen Onegin“ und „Dornröschen“ und dem Symphoniekonzert „Guten Morgen, Russland“ weht östlicher Atem durch die Spielstätten. Daneben stehen das Musical „Dracula“, aber auch Gerhart Hauptmanns „Ratten“ auf dem Plan.

Wilde Engländer

Die Theater des Ostens starten am 1. Oktober mit einem großen Eröffnungsfest in Zittau und der Zeller-Oper „Der Vogelhändler“ in Görlitz in die Bühnensaison. In der Musiksparte lässt der Georg-Kreisler-Abend „Du sollst nicht lieben“ aufhorchen, im Zittauer Programm „Romeo und Julia auf der Abbey Road – Ein Musical nach Shakespeare mit Musik von den Beatles“. Großzügige Studentenermäßigungen gehören weiterhin zum festen Repertoire.

Das Mittelsächsische Theater Freiberg/Döbeln erfreut sich schließlich am Spagat von der Komödie des 17. Jahrhunderts, Molières „Tartuffe“ zur heutigen Brennpunkt-Dramatik mit dem Israeli-Palästinenser-Stück „Sechzehn Verletzte“ von Eliam Kraiem. Im Musiktheater schwingt es sich von der Belcanto-Oper Donizettis bis zum Musical „Ein Wirtshaus im Spessart“, neu bearbeitet für die Seebühne Kriebstein.

Gespannt sein dürfen Dresdner Studenten auf „ihre“ bühne – das Theater der TU , dessen künstlerische Leitung ab dieser Spielzeit Andreas Mihan übernimmt, der die Saison Ende Oktober mit dem „Prinz von Homburg“ als Regisseur einläutet. Als besonderes Special wird zudem der Fakultätentag eingeführt, bei dem jeden Monat eine Fakultät auserwählt wird, deren Angehörige samt Begleitung nur den halben Preis zahlen.

Zum Foto: Der Premierenrausch lässt die Entscheidung schwer werden.
Foto: Amac Garbe


Kunst durchs Sieb gepresst

Die dritte internationale Postershow „Colored Gigs“ zeigt am 29. und 30. September Siebdruckkunst in der Dresdner Scheune

Von Susanne Magister

Die amerikanische Gigposter-Kunstszene schlägt auch in Deutschland zunehmend höhere Wellen. Während es in den USA kaum ein Rockkonzert ohne ein limitiertes Kunstplakat von einem der zahlreichen Siebdruckkünstler gibt und sich die Fans und Sammler in Internetforen um die raren Stücke reißen, müssen die wenigen deutschen Kollegen ihrem Publikum jedoch meist erst erklären, worum es geht.

In Dresden dürfte sich das langsam ändern. Bereits zum dritten Mal lädt das Douze Studio Dresden um den Siebdruckkünstler Lars P. Krause vom 29. bis 30. September zur internationalen Ausstellung „Colored Gigs“ ein. “Colored Gigs” steht dabei für farbenfrohe Konzertposter, die von den Künstlern entworfen und in limitierten Auflagen im Siebdruckverfahren gedruckt werden. Unter den 15 teilnehmenden Künstlern aus den USA, China, Frankreich, Holland und Deutschland ist auch der Chicagoer Justin Santora (Foto unten, Foto: PR). Er ist mit seinen 27 Jahren einer der jüngeren Künstler in der Gigposterriege.

2008 schloss Santora sein Kunst- und Lehramtsstudium an der Northeastern Illinois University in Chicago ab. Vorher wollte er vor allem eines: Musik machen mit seiner Indie Rock Band. Doch auch die Kunst begleitet ihn schon seit er denken kann. „In meiner gesamten Schulzeit war ich immer ‚der komische Typ, der zeichnen kann‘.“ Damit ist er kein Einzelfall. Viele der Künstler, die sich den gesiebdruckten Konzertpostern verschrieben haben, kommen aus der Musikszene, wollten zunächst vor allem auffällige Ankündigungen für die eigenen Konzerte schaffen. Auch Justin Santora war die Arbeit als Lehrer nicht erfüllend genug und so zog es ihn mehr und mehr zum reinen Kunstschaffen. „Letztlich wählt die Kunst uns, nicht wir die Kunst“, meint er. Das ist bei einem so aufwendigen Verfahren wie dem Siebdruck allerdings nicht so einfach. Die einzelnen Farben werden jeweils durch spezielle, beschichtete und belichtete Siebe gedruckt. Kleine Fehlstellen werden dabei – im Gegensatz zum industriellen Siebdruck – gern in Kauf genommen. Fast jedes Bild sieht dadurch ein bisschen anders aus, wird einzeln nummeriert und signiert. Justin Santora interessierte sich bereits im Studium für das Druckverfahren, doch erst, als er erfahrene Siebdruckkünstler kennenlernte, stellte er fest, dass „auch im kleinsten Appartement Platz dafür ist – wenn man es will.“

Nach Dresden und zur „Colored Gigs“ Show kommt Santora bereits zum zweiten Mal. Ihn fasziniert die Stadt, weil sie so klein und dadurch fast alles erlaufbar ist. „Die Auswahl an veganem Essen, die ich hier vorgefunden habe, hat mich auch beeindruckt“, erzählt der Künstler. Auch in diesem Jahr hofft er wieder, viele gute Gespräche mit kunstinteressierten Leuten zu führen und dabei vielleicht den einen oder anderen Kunststudenten oder Laien für Siebdruck zu begeistern. Einige seiner Werke unter die Leute zu bringen, ist natürlich auch Ziel.

Weil es bei dem Event schließlich vor allem um Rockposter geht, gibt es neben der Kunst fürs Auge, auch was auf die Ohren. Nach der Vernissage am 29. September bringen „Jvlith Krishvn“ aus Dresden Hardcore und Punk auf die Bühne. Am Freitag (30.9.) klatschen ab 22.30 Uhr mit „The Magnificent Brotherhood“ aus Berlin und „The Magic Mindoscope – Optical Sound“ aus Dresden psychedelischer Rock und Beat den Kunstgenuss ab.

„Colored Gigs Vol. III“, Rockposter-Ausstellung mit Kunstverkauf (limitierte Siebdrucke ab ca. 20 Euro) im großen Saal der Dresdner Scheune, Vernissage am 29.9., 19 bis 22.30 Uhr und am 30.9. von 14 bis 22.30 Uhr (Eintritt frei) mit Live-Siebdruck, jeweils danach Konzerte und DJ mit Lightshow.
Alle ausstellenden Künstler sind anwesend: Andrew Vastagh (USA), Methane Studios (USA), Lil Tuffy (USA), John Howard (USA), Justin Santora (USA), Mara Piccione (Holland), Damien Tran (Frankreich), Gaspard le Quiniou (Frankreich), Gregor Koerting (China), Señor Burns (D), Mitchum D.A. (D), Wildsmile Studios (DD), Michael „Spacke“ Kraemer (DD), Danny Linwerk (DD) und Lars P. Krause, Douze Dresden (DD)

Netzinfos: www.colored-gigs.de; zu den einzelnen Künstlern siehe: www.gigposters.com

Zum oberen Foto: Die Postershow „Colored Gigs“ lockt Ende September in die Scheune.
Foto: Amac Garbe


Zurück zu den Anfängen

Das 21. Herbst- und Weinfest Radebeul präsentiert sich jung und vielfältig

Von Falk Ulshöfer

Der Freitag (23.9.) wird ein besonderer Tag für Franziska Rilke. Dann steht sie mit ihrer Band THE MUZZY MYSTERY im Rahmen des Herbst- und Weinfestes in Radebeul auf der Bühne. „Das Weinfest ist in Radebeul der Höhepunkt des Jahres. Hier hat alles angefangen mit der Band, hier sind wir zuhause“, sagt die 19-jährige Sängerin. Es ist der erste Auftritt auf dem Weinfest für die angehende Soziologiestudentin und ihre vier Mitmusiker. THE MUZZY MYSTERY sind Headliner des Konzerts „Junge Bands aus Radebeul“ (23.9., 19 Uhr), das im Hoftheater Nr. 15 stattfindet.

Für Franziska Rilke und THE MUZZY MYSTERY ist der Auftritt beim Weinfest ein wichtiges Konzert. Wie die Karriere der Band in Zukunft weitergeht, ist noch offen, erzählt die Sängerin: „Vielleicht planen wir in 10 Jahren eine Europa-Tour. Vielleicht erzählen wir aber dann auch gerade unseren Kindern von unserer aufregenden Jugendzeit und schauen uns Fotos an.“ Ganz sicher werden dann auch Aufnahmen vom Auftritt beim 21. Herbst- und Weinfest in Radebeul darunter sein.

Das Herbst- und Weinfest hat jedoch noch einiges mehr zu bieten. Von Freitag (23.9.) bis Sonntag (25.9.) wird ein vielfältiges Programm geboten. So werden im Rahmen des XVI. Internationalen Wandertheaterfestivals Theaterstücke für jeden Geschmack aufgeführt, während die Stadtgalerie Nr. 21 ein intermediales Kunstwerk zum Weinanbau in Sachsen unter dem Namen „Gestalt und Wirkung einer Landschaft“ zeigt. Natürlich sind auch die besten Winzer der Region auf dem Festgelände in Radebeul-Kötzschenbroda vertreten.

Außergewöhnliches wird am Freitag (23.9., 20 Uhr) vom WUPPERTALER IMPROVISATIONS ORCHESTER geboten: In der Friedenskirche werden die Zuschauer Zeuge eines Orchesters, das von seinen eigenen Mitgliedern dirigiert wird. Ein Höhepunkt ist sicherlich auch die Aufführung der Carmina Burana am Samstag (24.9., 16 Uhr) in der Friedenskirche Radebeul. Gemeinsam bringen der Kammerchor, der Gospelchor und Musiker der Friedenskirche Carl Orffs berühmte szenische Kantate auf die Bühne.

Das Herbst- und Weinfest Radebeul findet vom 23. bis 25. September statt. Ein Wochenendticket kostet neun , ermäßigt fünf Euro.

Weitere Infos und komplettes Programm: www.weinfest-radebeul.de

Zum Foto: Franziska Rilke in ihrem Element: Die Sängerin sorgt mit ihrer Band THE MUZZY MYSTERY beim Herbst- und Weinfest Radebeul für gute Stimmung.
Foto: Eva Sommer


Andere Länder, andere Sitten

Integration und Toleranz bei den 21. Interkulturellen Tagen

Nach Angaben der Landeshauptstadt leben und arbeiten etwa 36 400 Menschen mit Migrationshintergrund aus 154 Ländern in Dresden. Das sind etwa sieben Prozent der städtischen Bevölkerung. Unter dem Motto „Zusammenhalten – Zukunft gewinnen“ starten am morgigen Sonntag die 21. Interkulturellen Tage. Zwei Wochen lang widmet sich die Stadt Dresden den Themen Integration, gegenseitige Akzeptanz und Toleranz.

Gefeiert wird im ganzen Stadtgebiet. Zahlreiche Vereine und Organisationen, darunter auch der Ausländerrat Dresden und das Studentenwerk, veranstalten dafür ein buntes Programm aus Folklore, Tanz und Gesang, Themenabenden, Lesungen, Filmvorführungen, Märchenstunden und Podiumsdiskussionen. Insgesamt wollen 45 ausländische Vereine und Institutionen mit über 70 Veranstaltungen für gegenseitiges Verständnis und ein solidarisches Miteinander plädieren. Die feierliche Eröffnung der Interkulturellen Tage durch den Ersten Bürgermeister Dirk Hilbert findet am Sonntag (15-17 Uhr) im Kulturrathaus Dresden statt. Einen Höhepunkt der zwei Festwochen bildet das interkulturelle Straßenfest auf dem Gorge-Gomondai-Platz am 24. September (12-17 Uhr). Neben einem facettenreichen Bühnenprogramm hat jeder die Gelegenheit, Migrantenselbstorganisationen und zugewanderte Menschen kennenzulernen.

Einige Veranstaltungen widmen sich den aktuellen Alltagsproblemen der in Dresden lebenden Migrantinnen und Migranten. Der Vorsitzene des Ausländerrates, Sebastain Vogel, hält in einem Artikel der DNN vom 11. Juli deutlich fest: “Ja, wir haben ein Problem mit Alltagsrassismus. Die Stadt behauptet, sie sei weltoffen, ist sie aber nicht.” Dies liege vor allem daran, dass die Integrationspolitik der Stadt zu passiv sei. So seien Projekte wie das Integrationskonzept von 2009 und das Lokale Handlungsprogramm für Demokratie und Toleranz und gegen Extremismus (LHP) zwar Schritte in die richtige Richtung, würden das weit verbreitete Problem des Alltagsrassismus jedoch nicht ausreichend thematisieren und bekämpfen.

Das Büro der Integrations- und Ausländerbeauftragten der Landeshauptstadt Dresden thematisiert nun am 27. September in der Podiumsdiskusssion „Willkommen in Dresden!?“ eben jene Alltagsprobleme von Migrantinnen und Migranten und die Willkommenskultur in Dresden. Denn auch Dr. Uta Kruse, Integrations- und Ausländerbeauftragte der Stadt Dresden, kommt zu dem Urteil: „Dresden braucht mehr Zuwanderung und eine Willkommenskultur für alle Zugewanderten. Die Verbesserungen im Ausländerrecht, sind eine der Voraussetzungen. Ein Abbau der Ungleichheiten in vielen Bereichen ist eine noch zu nehmende Hürde. ” Der Verein Medea lädt am 28. September schließlich zu einer Diskussion um die sozialen und gesundheitlichen Aspekte des Zusammenlebens in Dresdner Übergangswohnheimen mit Vertretern von Stadtverwaltung, Politik und Heimbewohnern und Bewohnerinnen ein. Die Abschlussveranstaltung am 2. Oktober führt den Besucher dann noch einmal in die Welt des indischen Tanzes ein. (ms/am)

Netzinfos und vollständiges Programm: www.dresden.de/interkulturelletage

Zum Foto: Zwischen den Kulturen: Yunqian Wei hält einen chinesischen Glücksbringer in der Hand, der das neue Jahr begrüßen soll.
Foto: Archiv/Amac Garbe


Darth Vader vs. Chuck Norris

Die Streetart-Künstler Jens Besser und Mardi machen Dresden zur Spielwiese

Von Christiane Nevoigt

Mit Kreide und Plakaten stiften die Streetart-Künstler Jens Besser und Mardi die Dresdner und sich selbst zu mehr Kindsein an.

Kunst ist für jeden Menschen etwas anderes. Und auch für jeden Stadtteil. Was der Dresdner Altstadt die monumentale Stadtsilhouette und ihre Museen, das lauert in der Neustadt an jeder Ecke. Das ist nichts Neues, aber für junge Kunst noch immer der Grund, sich im alternativen Stadtviertel auszutoben. Tapezierte Wände, konfettikotzende Pixelfiguren oder Schablonenkunstwerke zieren Häuser und Wände im Kern der Neustadt. Von den vielen Graffitis mal abgesehen. Aber die haben ihre Hochkonjunktur längst hinter sich. Aus den ehemaligen Sprühdosenhaltern sind Streetartler geworden. Der Übergang war fließend. „Irgendwann war Writing zu langweilig, das ewige Namenschreiben – ohne Inhalt, nur Ego“, entsinnt sich Streetart-Künstler Jens Besser. So wurden aus den Buchstaben irgendwann Figuren und aus der Sprühdose eine Farbrolle.

Vor drei Jahren hat der Absolvent der Hochschule für Bildende Künste Dresden (HfBK) zum ersten Mal den Chalk Mob unter die Menschen gebracht. Da er die Kreidezeichenperformance über mehrere hundert Meter unmöglich alleine bewältigen konnte, bezog er einfach ahnungslose Passanten mit ein. „Das hat verblüffend gut funktioniert. Es schien, als würde jeder gern nochmal Kind sein, um auf dem Boden rumzumalen. Oder weil er einfach eine Meinung äußern wollte.“

Dabei scheint das vor allem auch bei den Künstlern selbst den Reiz auszumachen. So auch für den 23-jährigen Streetartler und Kunststudenten Mardi. „Ich spiele immer. Ich fühle mich wie ein Kind und die Neustadt ist für mich die Spielwiese.“ Seine zwei Erasmus-Semester an der HfBK sind fast vorbei, dann geht es zurück nach Nîmes. Dennoch strahlt er selbst wie ein Kind, wenn er davon erzählt, wie positiv seine Kunst hier aufgenommen wird. Mit seinen Siebdrucken von Darth Vader und Chuck Norris hat er bereits einige Neustädter Wände zum Schmunzeln gebracht. Mal tragen seine Figuren Sonnenbrillen, dann Einhörner auf der Stirn oder eine Rose im Mund. „Alle Bilder sind anders, aber nur im Detail.“

Für den Franzosen zählt vor allem der Humor und das Spontane in seinen Werken. Umso mehr freut er sich über die Antworten auf seine Plakate. „Anders als in Nîmes reagieren die Menschen hier auf meine Plakate. Sie schreiben drauf oder zeichnen sie weiter. Es gibt nicht nur einen Weg, sondern mehr Interaktion.“ Ob das dann noch Kunst oder Streetart, legal oder illegal ist, liegt wohl wie so oft im Auge des Betrachters.

Ärger hatte Mardi damit bisher nicht. „Nur einmal wurde ich von Polizisten gestoppt. Aber denen hat es so gefallen, dass sie eins mitnehmen wollten. Also hängt jetzt vielleicht ein Chuck Norris-Plakat auf einer Polizeiwache.“ Denn Kunst soll Spaß machen, das weiß ja schließlich jedes Kind.

Zum Foto: Erasmus-Student Mardi spielt mit kultigen Motiven und könnte mit seiner Schutzmaske selbst eins sein.
Foto: Amac Garbe


Endspurt beim Dresdner Christopher Street Day

Helfer zum bunten Treiben werden noch gesucht

Von Norbert Scholz

Den Christopher Street Day in Dresden zu begehen, ist mittlerweile Tradition. Höhepunkt des Spektakels um das erste Juliwochenende ist der große Umzug am Samstag (2.7.) in der Innenstadt.

Da diese Parade nicht nur Freude, sondern auch jede Menge Arbeit macht, sucht der Verein „CSD Dresden“ als Ausrichter noch nach freiwilligen Helfern. „Der Verein hat zur Zeit 46 Mitglieder, davon sind neben dem Vorstand etwa zehn Leute aktiv dabei, den CSD zu organisieren“, erklärt Pressesprecherin Maike Crystall dazu. „Hilfe wird immer benötigt! Zurzeit brauchen wir dringend Demo-Ordner“, sagt sie. Aber auch für Werbung, Organisation und natürlich die politische Arbeit ist Unterstützung willkommen, denn so ein Umzug erfordert deutlich mehr Helfer, als Mitglieder im Verein sind.

Eine entsprechende Ausbildung ist nicht nötig, man sollte nur Spaß haben, sich zu engagieren. Um beim CSD mitzumachen, muss man kein Mitglied sein. „Alle Beteiligten arbeiten unentgeltlich, aber Lob und Anerkennung sind gewiss“, sagt Crystall. Das diesjährige Motto ist übrigens „Sport ist … auch schwul und lesbisch!“ Wer also den Sportsgeist in sich entdeckt, sich dem bunten CSD-Volk anzuschließen, sollte sich noch melden. Und wer lieber im studentischen Ambiente aktiv sein möchte, kann bei „SchLau“ – der schwul-lesbischen Hochschulgruppe der TU Dresden anklopfen.

Anmeldung: demo@csd-dresden.de

Zum Foto: Bunt ging’s zu beim Dresdner Christopher Street Day 2010.
Foto: Norbert Scholz


Parade feiert Dresden bunt

Sachsens Hauptstadt erwartet zur ersten Parade „Dresden wird bunt“ die größte internationale Party des Jahres

Von Anja Hilliger

Am Samstag zieht die Parade „Dresden wird bunt“ durch Elbflorenz, bei der vor allem – aber längst nicht nur – Dresdens kulturelle Vielfalt gefeiert wird.

Das friedliche Miteinander steht am Samstag (25.6.) im Mittelpunkt. Die bunte Parade ist Teil eines internationalen Wochenendes, das vom Erasmus Student Network, kurz ESN, vom studentischen Verein Faranto an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden und von der Erasmus-Initiative der Technischen Universität Dresden organisiert wird.

„Wir haben studentische Vereine, die sich um die Belange von Austauschstudenten kümmern und Mitglied bei ESN sind, eingeladen, mit ihren Austauschstudenten für ein Wochenende nach Dresden zu kommen“, erklärt Anja Frieß. Sie organisiert die bunte Feier mit und freut sich, dass sich bereits 500 Teilnehmer angemeldet haben. Die Parade bildet das Herzstück des Wochenendes. Hier werden ESN-Teilnehmer aus mehr als 36 Ländern teilnehmen.

Michael Zahn, ebenfalls Organisator, ergänzt: „Die Vereine arbeiten zu einem großen Teil im Hintergrund und bekommen selten die Gelegenheit, ihre Arbeit und ihre Erfolge in die Öffentlichkeit zu tragen. Wir wollen mit unserer kleinen Demonstration diesen und auch allen anderen Vereinen eine Möglichkeit bieten, sich im Zentrum von Dresden zu präsentieren.“ Die Veranstalter wollen unter dem Motto „Dresden wird bunt“ ein Zeichen für ein interkulturelles Miteinander setzen. Darum ist ausdrücklich jeder, egal ob jung oder alt, welcher Herkunft oder Religion, herzlich eingeladen, mitzulaufen. Die Veranstaltung beginnt 18 Uhr auf dem Altmarkt in Dresden und endet offiziell am Neustädter Bahnhof, um im Anschluss gemeinsam im Club Puschkin zu feiern. Dort soll es die größte internationale Party, die Dresden diesen Sommer zu bieten hat, geben. Ziel ist es, den internationalen Austausch und die Völkerverständigung erlebbar zu machen. Anja Frieß weist darauf besonders hin: „Nach den Ereignissen des 13. und 19. Februars dieses Jahres möchten wir Dresdens kulturelle Vielfalt in den Fokus rücken und die Stadt als weltoffen, friedliebend und bunt präsentieren.“

Internationale Kulturgruppen und Vereine, ob studentisch oder nicht, dürfen sich immer noch anmelden. Einzelpersonen können sich ohne Anmeldung der Parade anschließen.

Netzinfos: http://www.dresden-wird-bunt.de

Zum Foto: Freuen sich auf eine bunte Feier: die Organisatoren Michael Zahn, Robert Pätzold und Anja Frieß (v. l.).

Foto: Amac Garbe

Mit großen Sprüngen zu Olympia

Im Interview: Dreispringerin Jenny Elbe über Vorbilder, Kopftraining und minutiöse Zeitplanung

Foto: Toni KlemmInterview: Toni Klemm

Jenny Elbe war Dritte bei der U20-Europameisterschaft 2009 und steht im Nationalkader für Olympia 2012 in London. Im „ad rem“-Interview erzählt die Studentin der TU Dresden wie sie alles unter einen Hut bekommt.

Ohne Deine Leistungen zu schmälern: Bronze in bei der U20-EM in Novi Sad sticht schon ein bisschen heraus in Deiner Erfolgsliste. Ein „Glückstreffer“?

Also geplant war es nicht (lacht). Aber ich war in der Saison einfach gut drauf, das hatte sich schon in der Hallensaison angekündigt. Allerdings war es eine U20-EM, also in meinem Altersbereich, und es fehlten im Vergleich zur WM einige starke Sportler, etwa aus Kuba oder Kasachstan. Die Chancen auf eine Medaille waren hier automatisch höher als bei einer WM. Dummerweise hatte ich aber auch die ganze Zeit Gegenwind und hatte mir mitten im Wettkampf noch den Fuß verletzt. Also mit Bronze kann ich wirklich zufrieden sein.

Bei der Deutschen Meisterschaft vergangenen Februar bist Du „nur“ Zweite geworden. Wie erklärst Du diesen Unterschied?

Das kann man nicht direkt vergleichen. Die DM war ohne Altersbeschränkung und Katja Demut, die Gold gewann, ist Jahrgang 1983, also um einiges älter als ich. In meinem Altersbereich U23 wäre ich Erste geworden. Außerdem hängt so ein Erfolg aber auch sehr von der Tagesform ab. Bei der DM lief zwar das Einspringen super, aber die Finalsprünge gingen ziemlich in die Hose.

Was ist das Geheimnis beim Dreisprung?

Dreisprung ist eigentlich gar nicht so leicht wie es aussieht (lacht). Die Schwierigkeit besteht darin, die Sprünge rhythmisch zu gestalten und die Sprungweite in einem bestimmten Maß auf die drei Sprünge zu verteilen. Das klappt bei mir noch nicht immer. Dann braucht man ordentlich Geschwindigkeit und muss alle drei Absprünge ordentlich treffen, genau im richtigen Winkel, damit man nicht zu hart auftrifft und die Energie verloren geht. Man braucht aber auch ordentlich Ausdauer für ein ganzes Turnier. Entsprechend besteht auch das Training viel aus Sprungkraftübungen wie fünfzig Meter Sprunglauf, fünfzig Meter Einbeinspringen, Fünfer, Wechsler …

Tranierst Du auch mental vor Deinen Wettkämpfen?

Ja, das gehört aber glaube ich allgemein zum Sport dazu, dass man sich vorher kurz abschottet und die Sachen noch mal durchgeht.

Mit psychologischer Hilfe?

Wenn man sagt, man geht zum Seelenklempner, schafft das ja immer bestimmte Vorurteile. Aber im Sport kann einem ein Psychologe gute Tipps geben, wie man seine Leistung verbessern kann, mit Drucksituationen wie einem Wettkampf besser umgehen kann und nicht durchdreht. Natürlich ist jede Meisterschaft eine andere Situation, mal ist die Konkurrenz größer, mal kleiner. Wenn man sich aber vorher total fertig macht, geht die Leistung total in den Keller. Aber wenn man den Wettkampf zu lax nimmt, läuft man auch Gefahr sich zu blamieren. Man sollte immer in einen Wettkampf gehen und versuchen, sein Bestes zu geben.

Gut, wenn Du das kannst …

Ich hab nicht gesagt, dass ich das kann (lacht)! Ich bin da auch noch am Arbeiten. Bei der DM hatte ich auch die Drucksituation, diese drei Zentimeter für die Hallen-EM-Norm noch schaffen zu wollen. Wenn’s dann nicht läuft wird man nervös und fragt sich‚ „warum kriegst du das jetzt nicht hin?!“. Bei mir ist es dann halt in die Hose gegangen. Seitdem mache ich mehr Mentaltraining, damit so eine Situation nicht nochmal kommt. Die Aufregung spüren, das will man aber auch, mit zu wenig Aufregung fehlt auch irgendwie die Körperspannung. Das richtige Mittelmaß zu finden, ist die Schwierigkeit.

Stand professioneller Leistungssport für Dich einmal als Option?

Als ich 2006 Deutsche Jugendmeisterin geworden bin, hatte ich kurz mit dem Gedanken gespielt zur Polizei oder Bundeswehr zu gehen, aber im Nachhinein ist es denke ich besser, wie ich es jetzt gemacht habe. Ich brauche diese geistige Forderung eines Studiums.

Warum studierst Du Lebensmittelchemie?

Mein Opa hat Chemie studiert, meine Cousine Lebensmitteltechnologie. Chemie hat mir in der Schule schon am meisten Spaß gemacht und ich wollte in Dresden

bleiben. Lebensmittelchemie wurde an der TU noch als Diplomstudiengang angeboten und war auch recht breit gefächert. Ich wollte auf keinen Fall Sport studieren, sonst kommst du aus diesem Strudel gar nicht mehr raus, hab ich mir gesagt.

Und wie bekommst Du Sport und Studium jetzt unter einen Hut?

Es ist echt hart! Mein Studium ist sehr praxisbezogen: Ich habe zwar nicht viele Vorlesungen, stehe aber drei Tage die Woche von 11 bis 20 Uhr im Labor und habe davor von 7.30 Uhr an Vorlesung. Zwei Mal die Woche gehe ich abends im Fitnessstudio trainieren, Krafttraining, zwei Mal die Woche habe ich Sprungeinheiten und am Wochenende gehe ich zuhause laufen. Und dann hat man irgendwann noch Zeit, was für die Uni zu machen. Wenn man es aus dem Sportgymnasium gewohnt ist, sechs Einheiten die Woche trainieren zu können, ist das schon eine komplette Umstellung. Aber viele Profs lassen da auch mit sich reden, wenn es zum Beispiel um Terminverschiebungen geht.

Was bringt Dir die Stellung im Nationalkader?

Als Mitglied im Nationalkader bekommt man zum Beispiel finanzielle Unterstützung, etwa Physiotherapiemaßnahmen oder Zuschüsse für Trainingslager im Ausland, was ich sonst selber tragen müsste. Im Frühjahr waren wir auf Mallorca, da kosten Flug und Hotel schnell mal 1000 Euro.

Ist Dein Freund, Raúl Spank, ein Vorbild für Dich?

Ja, kann man schon sagen. Seine Motivation und seine kämpferische Einstellung im Wettkampf, das beeindruckt mich schon sehr. Im Training wird bei ihm immer 100 Prozent gegeben, bis zum Umfallen. Das kann ich zum Teil gar nicht, jeder Körper ist ja auch anders gebaut und verträgt das anders. Bei der Landesmeisterschaft im Januar hat er sich mal im Dreisprung probiert, aber da bin ich schon noch besser als er (lacht). Trotzdem hat er für kurze Zeit mal die deutsche Herren-Bestenliste in der Halle angeführt.

Raúl erzählte einmal, er muss als Nationalkader seinen gesamten Tagesablauf im Voraus protokollieren, damit er jederzeit für Dopingkontrollen auffindbar ist. Wie ist das bei Dir?

Genauso! Es gibt verschiedene Pools, ich bin im nationalen Testpool und muss beispielsweise eine Stunde am Tag mit Ort angeben, in der ich kontrolliert werden kann. Zu der Zeit, oder im Training, könnten dann Kontrolleure vorbeikommen und dich kontrollieren.

Du hast also angegeben, dass Du Dich heute um die Zeit hier für ein Interview triffst?

Nein, ich hab angegeben, ich bin von 10 bis 14 Uhr in der Uni. Danach bin ich zuhause und so weiter. Könnte sein, dass sie 14 Uhr bei mir zuhause erscheinen. Kritisch wird es, wenn man die Zeiten vergisst, und zum Beispiel nach einer Feier die Nacht ungeplant bei Freunden verbringt, aber eigentlich zuhause sein müsste.

Was steht sportlich demnächst bei Dir an?

Dieses Jahr kommen noch die Deutschen U23-Meisterschaften, dann möchte ich die Norm für die U23-EM im Juni in Ostrava schaffen und dann dort teilnehmen. Außerdem kommen dieses Jahr noch die Universiade (die Studentenolympiade) in Shenzen, und die WM in Daegu. Die Universiade ist von der Norm her eher zu schaffen. Mein ganz großes Ziel sind momentan die Olympischen Spiele nächstes Jahr in London.

Zum Foto: Ruhige Momente wie hier im Bio-Bau der TU Dresden sind selten für Dreispringerin Jenny Elbe. Foto: Toni Klemm

Foto: Toni KlemmKurzbio Jenny Elbe

Die Dreispringerin Jenny Elbe (21) zählt zu den besten deutschen Dreispringerinnen und steht im B-Kader der Nationalmannschaft. Sie trainiert seit 13 Jahren beim Dresdner SC und studiert im vierten Semester Lebensmittelchemie an der TU Dresden. Ihre Hallenbestleistung beträgt 13,92 Meter, mit der sie 2011 Silber bei den Deutschen Hallenmeisterschaften gewann. 2009 gewann sie Bronze bei der U20-Europameisterschaft im serbischen Novi Sad. Die Sportlerin wird von ihrem Vater Jörg Elbe trainiert, der auch ihren Lebensgefährten, Hochspringer Raúl Spank, trainiert. Auch in anderen Leichtathletiksportarten ist die Dresdnerin erfolgreich: bei den Deutschen Hochschulmeisterschaften über 200 Meter gewann sie Silber.

Faktisches und Virtuelles

In der Dresdner ALTANA-Galerie finden Kunst und Technik zusammen

Von Manja Unger-Büttner

Technik hat viel mehr mit Kunst zu tun, als man meinen würde. Das zeigt die neue Ausstellung der Universitätssammlungen der TU Dresden.

Produkte studentischer Arbeiten sind ja in einigen Gebäuden der TU zu sehen, aber selten mit Werken etablierter Künstler gepaart, noch seltener gut abgestimmt unter einem Thema vereint: „Scheinbar Sein. Faktisches und Virtuelles“.

In der neuen Ausstellung der Universitätssammlungen der TU Dresden wird Architektur rückwärts vollzogen. Es werden Geschichten von Häusern erzählt, die es nie gegeben hat (Gottfried Müller). Durch Multiscan-Technik kann man Neubauten beim Einstürzen zusehen – und dank geografischer Angaben nachschauen, was aus dem Ort geworden ist (Olaf Rauh). Großformatige Gemälde, Fotografien und Installationen reflektieren die allgegenwärtigen Maschinen des Elektrotechnischen Instituts im Görges-Bau und stellen manchmal auch die Wahrnehmung des Betrachters in Frage. Märchenhafte Bildverbindungen (Stefan Krauth) und fiese Horrorfilm-Charaktere auf Leinwand und Papier gebannt (Martin Mannig) sowie Roboter-„Kunst“ und Filmsequenzen designerischer 3D-Versuche im TU-eigenen CAVE können die verschiedenen Formen von Virtualität on- wie offline bewusst machen.

„Kunst traut den wissenschaftlichen Techniken der Wahrnehmung nicht“, sagt Kuratorin Jana Böttrich. Kokuratorin Grit Koalick fügt hinzu: „Die Wissenschaft will Abweichungen immer herausrechnen, die Kunst fragt nach solchen Abweichungen.“ Kunsthistorikerin Böttrich und Architektin Koalick haben als Mitarbeiterinnen der Professur für Mediengestaltung der Fakultät Informatik an der TU Dresden die Ausstellung konzipiert. In der Verbindung von Beiträgen aus Forschung und Lehre aus den Bereichen Mediengestaltung, Architektur und Produktdesign mit zeitgenössischer Kunst kann „Scheinbar Sein“ ein Beispiel dafür geben, wie eng Wissenschaft und Technik mit Kunst verwandt sind.

Passend zum Thema gibt es eine Ringvorlesung, immer mittwochs (19 Uhr) in der ALTANA-Galerie, darunter die Werkschau des Dresdner Künstlers David Buob „Welcome to the weak world“ am Mittwoch (25.5.). Der Weg in den Görges-Bau lohnt sich also unabhängig von vorgeschriebenen Lehrveranstaltungen.

„Scheinbar Sein. Faktisches und Virtuelles“ bis 15. Juli in den Universitätssammlungen Kunst+Technik in der ALTANA-Galerie der TU Dresden (Helmholtzstraße 9/Görges-Bau); Mo. bis Fr., 10 bis 18 Uhr, Sa., 10 bis 14 Uhr; Eintritt für ermäßigte 1,50 Euro; kostenfreie Führungen am 7. Juni und 5. Juli (jeweils 16 Uhr);

Netzinfos: http://www.altana-galerie-dresden.de

Zum Foto: Grit Koalick (li.) und Jana Böttrich zeigen die Verwandtschaft von Kunst und Technik.

Foto: Amac Garbe

Nervenkitzel in der Semperoper

Dresdner Musikstudenten erobern während der Musikfestspiele die Opernbühne

Von Nicole Laube

Henriette Gödde studiert im achten Semester Gesang an der Dresdner Hochschule für Musik und steht bei den Musikfestspielen als Solistin auf der Semperopernbühne.

Mit Mozarts „Krönungsmesse“ hat Henriette Gödde schon Bühnenerfahrungen gesammelt. Den Alt-Solopart hat die 24-Jährige vor einem Jahr bei einem Konzert in Stettin gesungen. „Als die Partie für einen Auftritt mit dem Hochschulsinfonieorchester im Rahmen der Dresdner Musikfestspiele ausgeschrieben war, habe ich mich daher sofort beworben“, sagt die Gesangsstudentin.

Sie hat in Berlin Schulmusik studiert, bevor sie nach Dresden kam, um anstelle eines Referendariats ein künstlerisches Gesangsstudium zu beginnen. Oratorien und klassische Musik sind ihre Welt. Zudem erschließt sich die Sängerin in Dresden auch die Welt der Oper. Seit März steht sie als Gräfin in Lortzings „Wildschütz“ auf der Bühne des Kleinen Hauses. Die letzten Vorstellungen der Hochschulproduktion laufen parallel zu den Proben für Mozarts „Krönungsmesse“.

„Ich habe die Partie zwar schon mal einstudiert, muss es aber immer wieder auf den neuesten Stand bringen, daran arbeiten“, sagt Henriette Gödde. Am 2. Juni wird sie das Ergebnis dieser wochenlangen Arbeit zusammen mit drei weiteren Solisten, der Dresdner Singakademie und dem Hochschulsinfonieorchester auf der Bühne der Semperoper präsentieren. „Das ist schon Nervenkitzel, auf so einer großen und bekannten Bühne zu stehen“, sagt sie. „Zum Glück besteht die ‚Krönungsmesse‘ aus vielen Ensembles, das gibt eine gewisse Sicherheit.“

Andererseits empfindet die engagierte Studentin es aber auch als Auszeichnung, für die Musikfestspiele in dem altehrwürdigen Haus auftreten zu dürfen. „Das motiviert auch“, findet die 24-Jährige – schließlich wird sie am 2. Juni auf derselben Bühne singen, wo vor ihr schon viele, viele Dresdner Opernstars große Erfolge feiern konnten.

Zum Foto: Henriette Gödde studiert in Dresden Gesang und tritt schon in der Semperoper auf.

Foto: Toni Klemm

Der Königsweg für alle

Görlitz lädt zur Eröffnung der sächsischen Landesausstellung „via regia – 800 Jahre Bewegung und Begegnung“

Von Susanne Magister

Wenn die dritte sächsische Landesausstellung „via regia“ am Samstag (21.5.) im Görlitzer Kaisertrutz ihre Pforten öffnet, stehen auch etliche Dutzend frisch geschulte Ausstellungsführer in den Startlöchern.

Eine der beteiligten Studenten, die sich dafür begeistern konnten, Besucher durch die jüngst rekonstruierte Befestigungsanlage aus dem 15. Jahrhundert zu führen, ist die 24-jährige Franziska Mieder. Sie studiert Germanistik und Kunstgeschichte an der Technischen Universität Dresden und steht kurz vor ihrem Bachelorabschluss. Sie hatte schon vorher durch ein Praktikum bei den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, die die Ausstellung zum Königsweg „via regia – 800 Jahre Bewegung und Begegnung“ maßgeblich mit bestücken und betreuen, museumspädagogische Erfahrungen gesammelt.

Nachdem ihre Bewerbung angenommen wurde, musste die gebürtige Dresdnerin zehn Sitzungen in Görlitz absolvieren, in denen die potentiellen Ausstellungsführer organisatorische und inhaltliche Grundlagen vermittelt bekamen. Das Führungskonzept entwickelte sie dann selbst.

Dabei geht es vor allem um dialogorientiertes Führen. „Die Besucher sollen animiert werden, sich aktiv einzubringen“, beschreibt Franziska Mieder. Sie selbst hatte sich vorher noch nie mit der alten Handelsstraße auseinandergesetzt. „Ich habe erst gedacht, das sei ein ziemlich trockenes Thema, aber es ist sehr spannend und vielschichtig“, erklärt sie und erzählt begeistert von dem wertvollen Salzprivileg, auf das sich Görlitz’ einstiger Reichtum gründete, und vom riesigen Grabstein aus Crostwitz.

Er belegt, dass die Lausitz bereits sehr früh besiedelt wurde und das Christentum hier zeitig verbreitet war. Wenn sie die Besucher durch die fünf Etagen des runden Kaisertrutzes, die jeweils eine Themenwelt repräsentieren, führt, wird sie ihnen auch erzählen, dass Reisen früher eine gefährliche Geschichte war. Und dass auf der Handelsroute, die Europa von Kiew bis Santiago de Compostela verbindet, nicht nur Waren und Kulturgut, sondern auch Krankheiten transportiert wurden. „Dabei soll dem Besucher aber auch immer der Gegenwartsbezug gegeben werden – zum Beispiel was es damals und heute bedeutete, mobil zu sein?“

Gleich am Sonntag (22.5.) nach der Eröffnung wird sie ihre erste Führung für Erwachsene leiten. Bei aller Vorfreude hat sie dabei ein wenig Sorge, ob sie die tiefergehenden Fragen der Besucher beantworten kann. „Unser Führungsmaterial zur Vorbereitung war nämlich zum Teil sehr dünn und hätte wesentlich mehr in die Tiefe gehen können“, kritisiert sie.

Prinzipiell empfiehlt sie allen Kunstgeschichtsstudenten, mit öffentlichen Führungen Erfahrungen zu sammeln: „Das freie Sprechen vor Leuten ist eine wichtige Kompetenz für das spätere berufliche Leben.“

Zum Foto: Noch ist das Pflaster leer, doch ab Samstag lädt Görlitz die Königswegbesucher in die Festungsanlage.

Foto: Toni Klemm

VIA-REGIA-INFOS.

  • Die 3. Sächsische Landesausstellung „via regia – 800 Jahre Bewegung und Begegnung“ öffnet am Samstag (21.5.) und ist bis zum 31. Oktober im Kaisertrutz Görlitz zu sehen.
  • Für ermäßigte sieben Euro kann die Schau täglich von 10 bis 18 Uhr und freitags bis 21 Uhr besucht werden. Im Ticketpreis enthaltene Führungen finden immer samstags (14 Uhr) und sonntags (15 Uhr) statt.
  • Die Themenwelten der fünf Geschosse – Fundament, Straße, Markt, Menschen, Ideen – fächern ein breites Spektrum der 800-jährigen Geschichte des Königswegs (via regia) bis in die heutige Zeit auf. Dazu wurden rund 450 Exponate aus 100 leihgebenden Institutionen zusammengetragen.

Ein Teamsport mit Zeichensprache

Gute Koordination und ein langer Atem sind beim Unterwasserrugby deutlich von Vorteil

Exklusiv nur hier: Die Geschichte hinter der Geschichte mit Extra-Foto …

Von Toni Klemm

Der Unterwasserrugby-Verein Torpedo Dresden mischt in der 1. Bundesliga Nord mit. „ad rem“ hat sich den ungewöhnlichen Wassersport angeschaut.

Pfeilschnelles Abtauchen, plötzliche Wendemanöver, gezieltes Abspielen, spannende Zweikämpfe: Wenn die Spieler des Unterwasserrugby-Vereins Torpedo Dresden ins Wasser steigen, geht es buchstäblich drunter und drüber. Mittendrin ist ein Ball, der mit Salzwasser gefüllt ist, „damit er nach unten sinkt“, weiß Nils Stiller.

Der Physikstudent der TU Dresden ist Mannschaftskapitän der Wassermänner und auch im Kader der deutschen Nationalmannschaft im Unterwasserrugby. Wegen einer Verletzung muss der 25-Jährige momentan aber pausieren und gibt den Ersatzspielern, die im Minutentakt eingewechselt werden, Tipps. Im Wasser verständigen sie sich über Handsignale und Klopfgeräusche und müssen – zu sechst in jeder Mannschaft – versuchen, den Ball im gegnerischen Korb zu versenken. Die Körbe stehen in 4,50 Meter Tiefe an den Seiten eines Hochsprungbeckens.

Momentan stehen die Wassermänner auf Platz vier der 1. Bundesliga Nord. Einer, der für den Verein antritt, ist Vladimir Bolaños. Der Doktorand am Leibniz-Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung in Dresden stammt aus Kolumbien. Seit zwei Jahren spielt er bei Torpedo Dresden, war aber schon vorher fasziniert von dem Sport: „Bei uns in Kolumbien ist immer Sommer. Also ging ich viel schwimmen und schnorcheln und erfuhr irgendwann vom Unterwasserrugby.“ Besonders gefällt ihm, dass man nur mit Teamgeist Erfolg hat. „Man muss den Ball abspielen, weil man irgendwann auftauchen muss zum Luft holen“, erklärt er.

Im Juli findet in Karlsruhe die Deutsche Hochschulmeisterschaft statt. Bis dahin, hofft Nils Stiller, ist seine Verletzung verheilt. Dann kann er selber wieder ins Wasser.

Training: Dienstags, 21 bis 22.15 Uhr, Schwimmhalle Freiberger Straße, Dresden.

Netzinfos: http://www.torpedo-dresden.de

Zum Foto: Vladimir Bolaños von Torpedo Dresden spielte schon zuhause in Kolumbien Unterwasserrugby.

Fotot: Toni Klemm

Das Oberlausitzer Oberland klingt

Zurück zu den Wurzelpfaden: Das diesjährige „obPhon“-Festival bespielt den Sommer straßenmusikalisch

Von Antje Meier

Im vergangenen Jahr präsentierte sich das „grenzArt“-Festival zu Pfingsten in Kirschau. Dieses Jahr erklingt „obPhon“ bis August im ländlichen Raum.

Auf dem Land ist doch nichts los. So lautet das gängige Klischee. Doch das Kunstlabel „obArt“, das vom Verein „Kunstinitiative Kirschau“ getragen wird, hat sich zum Ziel gesetzt, daran etwas zu ändern. „Wir wollen den Menschen der Region zeigen, dass sie nicht vergessen werden“, erklärt Pressesprecherin Stephanie Werth.

Nachdem im vergangenen Jahr 7 000 Besucher, auch aus anderen Ländern, zu den Veranstaltungen von „obArt“ ins Oberlausitzer Bergland anreisten, soll es auch in diesem Jahr nach Möglichkeit so weitergehen. Ein erster Programmpunkt ist das „obPhon“-Festival, das sich noch bis zum 6. August mit „Mobilen Klängen“ befasst. Höhepunkt der Musiksause ist das Pfingstwochenende vom 10. bis 12. Juni. Dann begeben sich 90 Straßenmusiker aus den städtischen Einkaufszonen hinaus in den ländlichen Raum. Den Auftakt bildet am 10. Juni das Improvisationskonzert aller Musiker unter der Regie von Jan Heinke im „friese“ – einem eigens für „obPhon“ hergerichteter Treffpunkt in Kirschau, der vom Eigentümer kostenfrei zur Verfügung gestellt und bereits am 1. Mai eingeweiht wurde. Seit Ende Januar wurde hier fleißig geräumt, gemalert und dekoriert. „Wir haben teilweise vorhandenes Mobiliar genutzt. Bilder wurden von den Kirschauern gespendet“, freut sich Stephanie Werth. Einziger Wermutstropfen: Nach Pfingsten schließe das „friese“ wieder. Doch bis dahin sollen sich hier schon im Vorfeld des Pfingstprogramms zahlreiche Musiker und DJs dem Publikum in gemütlicher Wohnzimmeratmosphäre präsentieren. Ein besonderes Schmankerl ist dabei der Dresdner Grammophon-Spieler Michael Antoni am 29. Mai, der seine musikalischen Perlen noch direkt von der Schellackplatte spielt und live dazu singt.

Am 11. Juni bewaffnen sich schließlich die Straßenmusiker mit Akkordeon, Gitarre und Mundharmonika, um „die ländliche Bevölkerung direkt mit der Straßenmusik in Berührung zu bringen“, erklärt die Pressesprecherin. Dabei werden die Künstler – ob Instrumentalist, Sänger oder Band – nicht viel Brimborium bei sich haben, sagt Stephanie Werth. Auf ausgeklügelte Technik müsse verzichtet werden. Schließlich sollen die Musiker mobil sein, wenn es durch Kirschau, Schirgiswalde und Crostau geht. Abschließend wird es am 12. Juni eine Musikermeile auf dem Areal der Friesestraße 31 in Kirschau geben. Die Künstler spielen dort kleinere Sessions zwischen zehn Minuten und einer Stunde.

Zur Karikatur: Straßenmusik gefällt vielen, aber nicht jedem …

Karikatur: Norbert Scholz

OBPHONFAKTEN.

  • Anfahrt: Kirschau ist am besten mit dem Auto zu erreichen. Von Dresden direkt über die B6 oder die A4. Von Görlitz aus: A4 bis Bautzen, weiter auf der B96 bis Großpostwitz und dann auf der S116 fahren. Zittauer sollten ebenfalls die B96 und S116 nutzen. Dresdner Studenten können außerdem kostenlos mit dem Semesterticket die Bahn bis Bautzen, Wilthen oder Schirgiswalde-Kirschau (Achtung: nur Bedarfshalt!) nutzen und von dort weiter mit dem Bus fahren (nicht kostenlos!).
  • Programm: Höhepunkt ist das „obPhon“-Festival vom 10. bis 12. Juni mit 90 Straßenmusikern. Außerdem finden an allen Wochenenden im Mai sowie am ersten Juniwochenende immer samstags (18 bis 23 Uhr) Live-Veranstaltungen im Treffpunkt „friese“ (Friesestraße 31) in Kirschau statt. An allen Sonntagen gibt es dort Kaffee, Kuchen und ab 20.15 Uhr den Sonntagskrimi auf großer Leinwand. Außerdem gibt’s am 1. Juli (20 Uhr) ein Konzert der Klezmer-Band “Blaue Stunde” in der Ev. Kirche in Schirgiswalde. Am 6. August enden die “obPhon”-Wochen und “grenzArt 2 / Bohemica” beginnt.
  • Kosten: Alle Veranstaltungen sind frei, eine kleine Gabe in die Spendenbox ist gern gesehen.

Die Lieder der anderen

Coversongs sind heute wie damals sehr beliebt unter Musikern und Musikliebhabern

Interview: Jana Schäfer

Alles, was es übers Covern zu wissen gibt, verrät Sascha Mock im „ad rem“-Interview.

Sascha Mock ist an der Dresdner Hochschule für Musik „Carl Maria von Weber“ Lehrbeauftragter für das Fach Rockgeschichte. Der 41-jährige Schlagzeuger ist zudem Bandchef der Coverband THE MOCKS. Mit „ad rem“ hat er über die Vergangenheit und Aktualität von Coversongs gesprochen.

Was ist ein Cover und wo hat der Coversong seinen Ursprung?

Ein Cover ist die kommerzielle Verwertung eines schon veröffentlichten Titels. Der Begriff entstand in den 50er-Jahren mit dem aufkommenden Rock’n’Roll in den USA. Damals wurde der schwarze Rhythm & Blues von weißen Interpreten gecovert und wurde somit für die weiße Hörerschaft annehmbar und kommerziell verwertbar. Heute gibt es neben dem Kommerz weitere Gründe für Coverversionen.

Welche Bedeutung hat Covern?

Bands wie die MAGNETIC FIELDS wurden bekannter, als PETER GABRIEL deren Song „The Book of Love“ coverte. Gute Musik wird weitergetragen. Heute haben Bands mindestens ein Cover im Repertoire. Das sind oft bekanntere Lieder, um mehr Aufmerksamkeit zu erheischen, die aber von den Interpreten sehr geschätzt werden.

Wird heute anders gecovert als früher?

Es gibt heute einen Retro-Trend, Lieder aus vergangenen Jahrzehnten zu covern. Von den 50ern bis zu den 70ern wurden vorrangig aktuelle Hits aus kommerziellen Gründen neu aufgelegt. Das ist bis heute vereinzelt noch so. Seit der Flaute der Musikindustrie ab 2000 sieht man oft, dass mehr die Vorliebe für einen Song seitens der Musiker zu bemerkenswerten Coverversionen führt. Titel werden in andere Stile gekleidet, seit es Popmusik gibt. Doch Anfang der 90er lösten THE MIKE FLOWERS POPS den Trend aus, Popsongs in ironischer Weise zu brechen, sie also in einem Stil erklingen zu lassen, der dem eigentlichen Song entgegensteht. Dieser Trend hält bis heute mit Bands wie NOUVELLE VAGUE oder BOSS HOSS an.

Welche Coverbeispiele sind bedeutend?

Alle, die besser sind als das Original. Das Cover „Turn, Turn, Turn“ von THE BYRDS, ursprünglich von Folkmusiker PETE SEEGER, verband den Folk mit dem Beat. Der Beat entstand in den 60ern mit Bands – ausgestattet mit Rhythmusgitarren und Schlagzeug –, durch die die Rock- und Popmusik gesellschaftlich wahrgenommen wurde. In den 80ern hat MILES DAVIS den Jazz wieder ins Bewusstsein normaler Radiohörer und den Pop zu den Jazzhörern gebracht, als er CYNDI LAUPERS „Time After Time“ coverte.

Was macht ein gutes Cover aus?

Ein gutes Cover erkennt man am Ideenreichtum, am Handwerk und der Stimmigkeit. Lieder mit einer Struktur, die sehr einem bestimmten Stil verpflichtet sind, eignen sich wenig. So lässt sich „Sign of Times“ von PRINCE nicht gut covern, da der Groove sehr prägnant ist und wenig Raum für Interpretationen lässt – der Verblüffungseffekt ist hin.

Zum Foto: Musikdozent Sascha Mock covert selbst und kennt sich nicht nur deshalb aus.

Foto: Amac Garbe

Kulturdemo vorm Sächsischen Landtag

„Ist das Kultur oder kann das weg?“

Kulturschaffende demonstrieren vor Sachsens Landtag gegen geplante Sparmaßnahmen

Von Thomas Kasperski

Es ist der erste sommerliche Tag des Jahres in der Landeshauptstadt. Doch nicht allen ist am Dienstag der vergangenen Woche nach Entspannung und Heiterkeit zumute – ein Protestreport.

Für 15 Uhr hat der Studentenrat der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber gemeinsam mit den Landesbühnen Sachsen, der Neuen Elbland Philharmonie und vielen weiteren Kulturschaffenden zu einer Demonstration vor dem sächsischen Landtag aufgerufen. „Ist das Kultur oder kann das weg?“ lautet ihr zynisches Motto und gleichzeitig die Frage, die sie den Volksvertretern an diesem Nachmittag stellen wollen. Anlass sind die im vergangenen Winter von der schwarz-gelben Landesregierung beschlossenen Einsparungen im Kulturbereich. So soll aufgrund massiver Stellenkürzungen das Orchester der Landesbühnen in eine GmbH überführt werden. Weiterhin wird überlegt, das Orchester aufzulösen und mit dem Orchester der Neuen Elbland Philharmonie zusammenzuführen. Pläne, die bei den Kulturschaffenden auf breite Ablehnung stoßen. Und so finden sich bis 15 Uhr über hundert Menschen vor dem Landtag ein. In den Händen halten sie Transparente mit Aufschriften wie „Kulturabbau macht intolerant“, „Vielfalt statt Einfalt“ oder „Rettet die Landesbühne Sachsen“.

Als einer der ersten Redner verweist Burkard Naumann, Sprecher der Jungen GEW (des Jugendverbands der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft) darauf, wie wichtig „kulturelle Bildung für die Demokratie“ sei. Auch hält er der Regierung Tillich vor, sie werfe „Menschen über Bord wie Sandsäcke“ und begreife Kultur lediglich als Last statt als Standortfaktor. Anschließend stellt sich Lutz Bürger in einem spontanen Redebeitrag als „freiberuflicher Trommler“ vor.

Der charismatische Spielmann wirkt mit seinem Hut und den Trommelstöcken in der Hosentasche zwar etwas verschroben, erreicht aber das höchste rhetorische Niveau aller Redner des Tages. Die „politische Hütchenspielerei“ der Landesregierung zu kritisieren halte er zwar für richtig, aber auch für zu kurz gedacht. Schließlich sei nur eines sicher: „Politische Systeme kommen und gehen – sächsische Kultur aber wird bleiben“. Und so fordert er von den Kulturschaffenden etwas von der „Wildheit der Straßenmusiker“ ein. Wahrscheinlich nicht zu unrecht. Denn gerade fiskalisch schwierige Zeiten verlangen von Kulturschaffenden besondere Anstrengungen und Kreativität, um immer wieder auf ihre gesellschaftliche Bedeutung aufmerksam zu machen. Eben so wie an diesem Tag.

Dass Ausgaben für Kultur aber immer auch eine Frage von Prioritäten sind, beweisen fragwürdige Projekte wie der Leipziger Citytunnel, für den – trotz explodierender Kosten – immer wieder neue Mittel zur Verfügung gestellt werden. Und an dieser Stelle ist dann doch die Landesregierung gefragt.

Zum Foto: Hat als Straßenmusiker Europa bereist und sorgt sich nun um die sächsische Kulturlandschaft: Lutz Bürger.

Foto: Toni Klemm

Tropfen statt Eier

DEREVO erobert Ostern 2011 das Hellerauer Festspielhaus

Von Andreas Herrmann

Volksheld Gagarin ist immer noch im Umlauf. Aber falls doch nicht, gibt es Ostern einen Neustart im Festspielhaus am anderen Ende der Dresdner Tram-Linie acht.

Diesen besorgt uns Anton Adassinsky, Chefpoet und -choreograf der Leningrader Tanzcowboys von DEREVO, jener mittlerweile legendären Kompanie, mit deren Wurzeln in der russischen Partnerstadt sich Dresden gern schmückt. „Tropfen im Ozean“ heißt die titelgebende Metapher für das „bewegte Musiktheater“, für welches sich das Ensemble eigens mit dem Kinderchor „Raduga“ und Musikern aus St. Petersburg verstärkt.

Adassinsky nutzt den 50. Jahrestag des ersten männlichen Weltraumfluchs als Grundlage für eine getanzte Groteske: Der Kleinstädter Petrowitsch, als Figur seit rund 25 Jahren treuer Begleiter, verspürt den dringenden Wunsch, Gott zu begegnen. Da er kein Muslim ist und dänische Karikaturen nicht weiterhelfen, bastelt er sich – wie jeder Junge seiner Zeit – ein eigenes Knallbonbon für den Orbit. Die Abschiedsfete artet aus, die Gemeinde feiert den Helden krank und jemand klaut derweil den Motor, so dass sich das Startzeitfenster schließt und es heißt, ein langes Jahr zu warten.

Die Uraufführung – von Donners- bis Samstag nur dreimal exklusiv in Hellerau zu erleben – ist der Beitrag von DEREVO zur aktuellen Dresdner Tanzwoche. Damit gelang es der Truppe erstmals, den hundertjährigen Musentempel während der lukrativen Saison zu erobern. Karten im Vorverkauf kosten ermäßigte zehn und erwachsene 19 Euro.

Netzinfos: www.derevo.org

Zum Foto: Privatkosmonaut Petrowitsch muss auf den Start im nächsten Sommer warten.

Collage: Derevo/Ph.E.Yarovaya

Dogs, Bones and Catering

Hetzjagd nach dem besten Kurzfilm

“Dogs, Bones and Catering – das 40h Filmfest” ist das Dresdner Filmfest der etwas anderen Art. So heißt es auch in diesem Jahr wieder: Auf die Plätze, fertig, los! Nur 40 Stunden haben Filmemacher Zeit, einen Film zu einem bestimmten Thema zu drehen, das erst kurz vorher bekannt gegeben wird.

Dabei gilt es für die Filmemacher einen strengen Zeitplan zu beachten. Außerdem dürfen die Filme nicht länger als drei Minuten sein. In welchem Genre der Kurzfilm gedreht wird, ist egal, hauptsache das Thema wird beachtet. Zur Galanacht am 8. April (20 Uhr) werden schließlich alle Filme im Filmtheater Schauburg vorgeführt und die Sieger gekürt. Die Gewinner erhalten einen Knochen in gold, silber oder bronze samt einer Überraschung. Nach fünf Jahren Pause darf in diesem Jahr auch wieder das Publikum abstimmen und den Publikumspreis vergeben. (am)

ABLAUF.:

Auslosung 1.4.2011

ab 21 Uhr Anmeldung

24 Uhr Auslosung der Themen und Startschuss

Ostpol Dresden – Königsbrücker Strasse 47

Abgabe 3.4.2011

ab 14 Uhr Beginn Filmabgabe, 16 Uhr aus und vorbei

Ostpol Dresden – Königsbrücker Strasse 47

Galanacht 8.4.2011

Moderiert von Max Rademann & Christian Meyer

20 Uhr Präsentation aller Filme und Preisvergabe

Filmtheater Schauburg Dresden

Netzinfos: http://www.dogsbonesandcatering.de

Foto: Norbert Scholz

Dresden mausert sich zur Filmstadt

Science-Fiction-Drama von Eron Sheean wird vollständig in Dresden gedreht

Von Janine Kallenbach

Seitdem Florian Henckel von Donnersmarck mit „ Das Leben der Anderen“ einen Oscar gewonnen hat, wissen wir, dass sich das Filmfest Dresden (dieses Jahr vom 12. bis 17. April) als Sprungbett für den ganz großen Wurf eignet. Immerhin war er mit seinem ersten Kurzfilm dort am Start.

Eron Sheean wird das vielleicht ähnlich sehen, denn auch er war bereits 1999 mit seinem Kurzfilm „Bing“ dabei. Doch anders als Donnersmarck kehrt er nach Sachsen zurück und dreht jetzt beinahe zehn Jahre später seinen Langfilm „Errors of the Human Body“ in Dresden. Mit dabei in den Hauptrollen sind Karoline Herfurth („Vincent will Meer“), Michael Eklund („The Divide“, „Watchman“) und Tómas Lemarquis („Nói albínói“). Dresden war die erste Stadt, die er in Europa besucht hatte, so Sheean. Damals wie heute ist er begeistert von Dresden und ist vollen Lobes für die Landeshauptstadt. Der Film, in dem es um zwei Gentechniker geht, wird vorrangig im Max-Planck-Institut gedreht. Doch auch die Elbe, das Krankenhaus Friedrichstadt und Löbtau sind Schauplätze des Films.

Die Dreharbeiten zu dem mit zwölf Millionen Euro von der Mitteldeutschen Medienförderung unterstützten Film enden am Freitag (25.3.). Mit Abschluss der Post Production ist der Starttermin in den Kinos frühstens Anfang 2012.

Zu den Fotos:

Foto 1: Tómas Lemarquis (v.l.), Eron Sheean, Karoline Herfurth und Michael Eklund bei einer Pressekonferenz in Dresden.

Foto: Janine Kallenbach

Foto 2: Karoline Herfurth und Michael Eklund

Foto: Instinctive Films

Einmal um die ganze Welt

Görlitzer Jugendkulturzentrum weckt studentische Reiselust

Freitag (18.3.) geht es nach Australien

Von Anja Zimmermann

Mit einem Bericht über Entwicklungshilfe in Marokko eröffnete das Görlitzer Jugendkulturzentrum seine nagelneue Veranstaltungsreihe „BASTA! Weltreise“.

Marcus Bernhardt gab den Startschuss. Mit Reiseerinnerungen an seinen Aufenthalt in dem afrikanischen Dorf Khamlia eröffnete das Görlitzer Jugendkulturzentrum seine neue Vortragsreihe, in der nun regelmäßig Studenten die Reiselust ihrer Kommilitonen wecken sollen. Oft sind es Urlaubs- oder Studienreisen, manchmal aber auch Reisen, die das Leben verändern. So wie bei Marcus Bernhardt.

Neben der Tageszeitung, Postkarten und Rechnungen tummeln sich nicht selten Briefe von Hilfsorganisationen im Briefkasten. Man öffnet sie und blickt sofort in ein paar traurige Kinderaugen. Meist prangt die Spendenaufforderung direkt daneben. Doch wohin das Geld tatsächlich fließt, ist häufig ungewiss. Auch Marcus Bernhardt kennt solche Postwurfsendungen, hat aber einen besseren Weg gefunden, etwas für Kinder aus Afrika zu tun. Zu Beginn seines Studiums erfuhr der 27-Jährige von einem Projekt der Sozialmedizinerin Prof. Annette Drews. Sie organisiert studentische Aufenthalte in dem Dorf Khamlia, in Marokko.

Marcus Bernhardt, der im vierten Semester Soziale Arbeit an der Hochschule Zittau/Görlitz studiert, verbrachte im vergangenen Jahr einen Monat in diesem marokkanischen Dorf. „Die Reise hat mein Leben drastisch verändert“, sagt er heute. „Ich habe Land und Leute kennen und lieben gelernt. Und ich habe durch das Projekt gemerkt, dass ich in der interkulturellen Arbeit aufgehe.“

Nach dem Aufenthalt entschied er sich, mehr für das Projekt zu tun, und konzipierte jenen Vortrag für das östlichste deutsche Jugendkulturzentrum. Das Görlitzer BASTA! existiert inzwischen seit 15 Jahren. Konzerte, Lesungen, Band-Auftritte und Vortragsabende werden hier von ehrenamtlich arbeitenden Jugendlichen geplant und veranstaltet. Die Länderabende gibt es in diesem Jahr das erste Mal. Sie werden von den beiden Studenten Madleen Bernhardt und Florian Fischer organisiert. „Unser Ziel ist es, regelmäßig einmal im Monat, einen Reisebericht anbieten zu können“, sagt Madleen Bernhardt. Während die zweite Weltreise die Zuhörer im Februar nach Russland entführte, wird sich am 18. März dann alles um Australien drehen.

Netzinfos: http://www.basta-club.net

Zum Foto: Von Görlitz nach Marokko: Marcus Bernhardt weckt Reiselust.

Foto: Amac Garbe

Fleischlos in Worten

Tierfreundliche Buchvorstellung im Stadtteilhaus Dresden-Neustadt

Auf den Spuren des fleischlosen Genusses mit „Das Schlachten beenden – Zur Kritik der Gewalt an Tieren“

→ Zum Artikel: Fleischlos in Taten

Karen Duves „Anständig essen“ und Jonathan Safran Foers „Tiere essen“ haben vor allem eines gezeigt: Literatur über Veganismus und Tierrechte stößt auf Zuspruch. Beide Bücher waren mehrere Wochen in den deutschen Bestsellerlisten zu finden. Mit „Das Schlachten beenden – Zur Kritik der Gewalt an Tieren“ kam Ende 2010 ein weiteres auf den Markt. Der Ansatz ist dabei aber ein anderer: Denn Duve unterzieht sich in ihrem Werk einem Selbsttest an verschiedensten Ernährungsweisen, Foer behandelt das Thema eher aus persönlicher Sicht. „Das Schlachten beenden – Zur Kritik der Gewalt an Tieren“ kann dagegen als Essaysammlung zum Fleischverzicht verstanden werden. Darin wird sowohl die Geschichte des Veganismus und Vegetarismus thematisiert als auch die persönlichen Ansichten der Autoren. Zu Wort kommt neben Magnus Schwantje und Clara Wichmann auch Leo Tolstoi. Letzterer war etwa zu Besuch in einem Schlachthof. Sein Beitrag entstand als Reaktion auf dieses schockierende Erlebnis. (shö)

Fotoausschnitt: PR

Weltrekordversuch in Mittweida

Karl May in aller Munde

Ab Montag wagen Mittweidaer Studenten Leseweltrekord

Von Anne-K. Schöler-Rensch

In der ehemaligen Gefängniszelle von Karl May in Mittweida soll das Gesamtwerk des Schriftstellers gelesen werden. 55 000 Seiten, 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche.

Hinter dem Projekt „Gefangene Visionen“ stehen zwei Medienmanagement-Studenten der Hochschule Mittweida. Die 20-jährige Stefanie Walter und der 26-jährige Marc Simon wollen nichts weniger als einen Rekord – einen Weltrekord im Dauerlesen.

„Mit Gefangene Visionen absolvieren wir innerhalb unseres Studiums ein so genanntes Praxis- beziehungsweise Eventmodul, das offiziell einen Aufwand von 150 Stunden beinhaltet“, erklärt Marc Simon. Die kleine Teeküche ihrer Fakultät ist die Zentrale, in der alle Fäden zusammenlaufen. Mit einem Team von insgesamt 30 teils freiwillig teilnehmenden Kommilitonen meistert die bisher kleinste Projektgruppe das bis dato größte studentische Vorhaben der Hochschule.

Das Team hat, noch bevor die Marathonlesung am Montag (14.3.) beginnt, das Pensum der Pflichtstunden bereits bei weitem überschritten. Im Vorhinein mussten die Bücher organisiert, eine Internetseite erstellt, Presse- und Sponsorenarbeit geleistet und Plakate entworfen werden. „So schnuppern wir in viele Medienbereiche rein und lernen unheimlich viel“, sagt Stefanie Walter.

Vom 14. März bis 3. Mai 2011 betreuen die Studenten die bisher gemeldeten 600 Referenten. 3 000 wären nötig, um eine Lesung ohne wiederkehrende Referenten zu schaffen, die jeweils 20 Minuten aus Karl Mays Büchern lesen. „Vor allem für den Zeitraum zwischen ein und sechs Uhr früh wird es wohl schwierig sein, Leser zu finden“, befürchtet Marc Simon. Alle bisher unbesetzten Zeiten wird dann das Team stemmen müssen, das aus diesem Grund abwechselnd für sieben Wochen in einer benachbarten Arrestzelle campieren wird.

Netzinfos: www.gefangene-visionen.de

Fotoausschnitt: PR

Kunsttipp

Kunst, die unter die Haut geht

Von Susanne Magister

Was herauskommt, wenn sich Kunststudenten mit Dermatologie beschäftigen, kann ab 17.2. in der Galerie Brühlsche Terrasse angeschaut und erlebt werden.

18 Studierende der Fachrichtungen Kostümgestaltung und Maskenbild der Dresdner Hochschule für Bildende Künste (HfBK) haben sich für ein Ausstellungsprojekt mit der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft zusammengeschlossen. Dabei entstanden Objektentwürfe und ein Film zum Thema „Haut“. Eröffnet wird die Schau aus experimentellen und assoziativen Gedanken zur menschlichen Hülle am Donnerstag (17.2.) um 19 Uhr. Zu sehen ist sie danach bis zum 3. April immer Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr. Während der Tagung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (30.3.-2.4.), für die die Ausstellung als Rahmenprogramm fungiert, bleiben die Tore der ehrwürdigen Hochschule sogar bis 20 Uhr für die Besucher geöffnet.

Foto: PR

Netzinfos: http://www.hfbk-dresden.de/aktuell/

Netzinfos (zur Tagung): http://www.derma.de/ddg-tagung0.html

Es gibt etwas zu feiern

Das Camillo wird zehn

Von Janine Kallenbach

Das mehrfach ausgezeichnete Görlitzer Programmkino Camillo (Foto: PR) feiert dieses Jahr sein zehnjähriges Bestehen. Und um den Geburtstag mit seinem Publikum gebührend zu feiern, wurden nicht nur die Stühle des kleinen Filmtheaters ausrangiert und mit neuem Stoff bekleidet, sondern es wurde auch eine umfangreiche und spannende Veranstaltungsreihe auf die Beine gestellt. Nach dem Auftaktkonzert (27.1.) der Band KREPLECH wird am Donnerstag (10.2., 19 Uhr) eine Ausstellung rund um 10 Jahre Camillo eröffnet. Den Abend rundet der Klassiker „Don Camillo und Peppone“, nicht nur wegen seiner Namensähnlichkeit, ab.

Weitere geplante Veranstaltungen:

11.02.2011 (20 Uhr): Film und Gespräch: „Mein Herz sieht die Welt schwarz – eine Liebe in Kabul” mit Heiner Tettenborn

20.02.2011 (15 Uhr): spezielles Kinderkino: „Alles Trick“

Vier Animationsfilme aus dem DEFA-Trickfilmstudio Dresden.

Der ehemalige Trickfilm-Regisseur André Schmidt ist zu Gast.

24.02.2011 (20 Uhr): musikalische Lesung mit ZWISCHENTON

04.03.2011 (19 Uhr): „Karneval der Hüte”

Kostüm-Tanz-Party mit filmischen Überraschungen in Zusammenarbeit mit Tierra e.V.

12.03.2011 (17:30 Uhr): Film „Mein Herz sieht die Welt schwarz – eine Liebe in Kabul” und 20 Uhr Diavortrag mit Heiner Tettenborn: „Afghanistan – von innen”

17.03.2011 (20 Uhr): Irische Kurzfilme zum St. Patricks Day

Die besten Kurzfilme der letzten Jahre in Originalfassung auf Englisch oder Gälisch mit englischen Untertiteln.

24.03.2011 (20 Uhr): Gedankenreise mit Falk Zenker

Filmisch-musikalisches Konzert mit dem Gitarristen Falk Zenker und Filmen des Dreiland-Filmfestivals in Zusammenarbeit mit dem Filmclub von der Rolle ´94

03.04.2011 (17:30 Uhr): Filmklassiker: „Der Ochse von Kulm”

Der erste in Görlitz gedrehte Film.

14.04.2011 (19 Uhr): Finissage der Ausstellung und um 20 Uhr Filmklassiker: „Don Camillos Rückkehr”

Auch mal was falsch machen dürfen

Zwei Studenten zeigen „Sleeping in our clothes“ im Senatssaal der Dresdner Hochschule

Interview: Susanne Magister

Einen Ausstellungzeitraum im Senatssaal der Hochschule für Bildende Künste Dresden zu ergattern, ist schwierig. Die Wartezeiten betragen in der Regel bis zu drei Jahre. Die Kunststudenten Jakob Flohe und Eileen Dreher haben es geschafft und erzählen im Vorfeld ihrer Ausstellung „Sleeping in our clothes“ (3. bis 13. Februar), wie es zur ihrer Zusammenarbeit kam und welche Art von Kunst sie eigentlich machen.

Warum studiert Ihr Kunst?

Flohe: Das Bildliche, Visuelle der Kunst ist die Sprache, mit der ich sprechen will. Ich möchte mir Sachen ausdenken und sie sichtbar machen.

Dreher: Es dauerte einige Zeit, ehe für mich richtig klar war, dass ich unbedingt ein Studium der Freien Kunst an einer Hochschule beginnen müsste. Heruntergebrochen kann man sagen: Ich suchte eine intensivere Auseinandersetzung und eine größere Möglichkeit zur stetigen Kommunikation.

Welches Konzept steht hinter der Ausstellung?

Dreher: Hinter unserer Ausstellung steht kein eindeutiges Konzept, am ehesten kann der Titel „Sleeping in our clothes“ als eine Art Umklammerung der zu sehenden Arbeiten gelten. Der Titel stand bereits länger fest und wirkte insgeheim als eine Art Motor. Er lässt zahlreiche Assoziationen entstehen.

Flohe: Genau. Im weitesten Sinne bezieht es sich auf unsere Arbeiten, die sich mit Innen und Außen, geschlossenen und offenen Räumen beschäftigen. Es geht aber auch darum, Dinge anders oder sogar falsch zu machen und an ihre Grenzen zu treiben. Für mich waren der Klang und das Schriftbild auch ein wichtiges Kriterium bei der Wahl des Titels. Für mich setzt er auch einen Link auf die Thematik „Wie viel Persönlichkeit gebe ich in meinen Kunstwerken preis?“.

Inwiefern korrespondieren Eure Werke? Warum stellt Ihr zusammen aus?

Dreher: Jakob und ich kennen uns seit dem Beginn unseres Studiums, wir haben häufig die Arbeiten des anderen gesehen. Dabei konnten wir immer wieder die Nähe unserer künstlerischen Herangehensweisen feststellen. Mittlerweile sind wir gut befreundet und eine gemeinsame Ausstellung ist vielleicht eine logische Konsequenz daraus.

Flohe: Wir arbeiten beide nicht figürlich, lassen Dinge lieber weg, als zu viel zu erzählen, und arbeiten meist minimalistisch reduziert auf Grundformen. Es geht darum, Dinge im Unklaren zu lassen und Bildzeichen zu codieren. Die Arbeiten bewegen sich in der Spannungszone zwischen rein geistigem Erarbeiten und Erkennen und dem sinnlichen Erfühlen der Kunstwerke.

Worauf freut Ihr Euch 2011, was habt Ihr vor?

Flohe: Ich freu mich auf die Diplomzeit und auf geplante Kooperationen mit befreundeten Künstlern. Außerdem hab ich vor, im August eine Studienreise nach Island zu machen.

Dreher: Ich plane, nach dem Diplom nach Berlin zurückzukehren, und freue mich auf ausgedehnte Spaziergänge durch diese turbulente und rastlose Stadt. Wobei ich dann sicherlich auch Dresden in seiner Ruhe vermissen werde.

Netzinfos: http://www.jakobflohe.de

Zum Foto: Eileen Dreher und Jakob Flohe beherrschen die Kunst der Andeutung.

Foto: Amac Garbe

Netz gegen das Vergessen

Fotoschau „Unsichtbare Opfer“ über Menschenrechtslage in Mexiko

Nur hier: Die Geschichte hinter dem Bild …

Von Anne-Kathrin Schöler-Rensch

Auf dem Weg in die USA werden jedes Jahr Tausende von Menschen aus Zentral- und Südamerika im Transitland Mexiko entführt oder sogar getötet.

Die Migranten verlassen ihre Familien, fliehen vor Armut und politischer Instabilität. In der Hoffnung auf eine neue, sichere Heimat in den USA nehmen sie eine risikoreiche Reise durch Mexiko auf sich. Die bis Mittwoch (3.2.2011) in der Dresdner Scheune gastierende Wanderausstellung „Unsichtbare Opfer“ gibt mit kommentierten Fototafeln, Kurzfilmen und Audio-Beiträgen Einblick in das Leben dieser Migranten.

Federführend in der Organisation der Ausstellung sind der Verein „promovio“, der sich die Förderung der indianischen Menschenrechtsbewegung im mexikanischen Oaxaca zur Aufgabe gemacht hat, und die Amnesty International Hochschulgruppe (AIH) der TU Dresden. Nadja Müller, Promotionsstudentin der Biologie und Mitglied der AIH, sagt über den Schwerpunkt der Ausstellung: „Die im Süden Mexikos verübten Menschenrechtsverletzungen an den Migranten erhalten in den internationalen Medien viel weniger Beachtung als die Migrationsbewegungen an der mexikanischen Nordgrenze.“

Die Ausstellung und das vielseitige Rahmenprogramm seien erst durch die enge Zusammenarbeit mit weiteren Dresdner Vereinen und Institutionen wie zum Beispiel der „Kampagne gegen Ausgrenzung“, der Dresdner Veränderbar oder dem Dresdner Kino Casablanca realisierbar geworden, betont AIH-Mitstreiter und angehender Wirtschaftswissenschaftler Michael Keller. Dieses dichte Netzwerk ermöglicht es, sich vielfältig und zu Menschenrechtsverletzungen und Migration zu informieren. „Davor sollte niemand die Augen verschließen. Das sind nicht nur in Mexiko aktuelle Themen, sondern auch in Europa und Deutschland“, sagt Michael Keller.

Netzinfos: http://www.tu-dresden.de/amnesty; http://www.mexikodresden.wordpress.com

Zum Foto: Michael Keller und Nadja Müller machen sich mit ihrer Beteiligung an der Fotoschau für die Menschenrechte in Mexiko stark.

Foto: Amac Garbe

AUSSTELLUNGSPROGRAMMINFOS.

  • Donnerstag bis Mittwoch (27.1. bis 2.2.2011) jeweils 22 Uhr, Programmkino Casablanca: Roadmovie, Gangster- und Liebesfilm „Sin Nombre“ (C.J. Fukunaga, Mexiko/USA, 2009)
  • Samstag (29. 1.2011, 22 Uhr), Blaue Fabrik: Benefizkonzert mit SUBTETT – Experimentelle Improvisation mit Videoprojektionen der Ausstellungsfotos
  • Sonntag (30.1.2011, 10-14 Uhr), Veränderbar: Brunch „Beigeschmack – Spendenaktion“
  • Sonntag (30.1.2011, 16 Uhr), Scheune-Saal: Vortrag der Menschenrechtsaktivistin und Freien Journalistin Kathrin Zeiske zu MigrantInnen zwischen Grenzregime, Rassismus und Korruption, ein Bericht von der Südgrenze Mexikos und den Migrationsbewegungen in die USA
  • Dienstag (1.2.2011, 19 Uhr), Scheune-Saal: Podiumsdiskussion „Migration in Europa“
  • Donnerstag (3.2.2011, 20 Uhr), Veränderbar: Dokumentarfilm „De Nadie“, (Tin Dirdamal, Mexiko, 2005).

Der harte Dank der neuen Firma

Unstete Arbeitswelt als neuer Angstfaktor: Erfolgsautor Lutz Hübner im „ad rem“-Gespräch

Die zweite in Dresden, die dritte in Sicht: Heute Abend feiert Lutz Hübners 36. Uraufführung im Kleinen Haus Premiere

Interview: Andreas Herrmann

Seine „Frau Müller“ war die 35. Uraufführung in 17 Jahren und ist seitdem stets ausgebucht. Nun folgt die 36. am Dresdner Kleinen Haus. Am heutigen Donnerstag feiert Lutz Hübners „Die Firma dankt“ hier Premiere, diesmal in Regie von Susanne Lietzow. Die Hochschulzeitung „ad rem“ sprach vorab mit dem 47-jährigen Erfolgsautor, der nach Aufführungszahlen derzeit hierzulande nur noch von Shakespeare und Goethe übertrumpft wird.

Kein wirklicher Theaterfreund kommt heutzutage um Stücke von Lutz Hübner herum. Daher die triviale Frage: Wie wird man zum Dramatiker?

Es ist eine berechtigte Frage. Ich bin nicht den klassischen Weg gegangen, also irgendwo Szenisches Schreiben zu studieren, sondern bin über die Praxis dazugekommen. Ich habe erst Schauspielausbildung gemacht, dann als Schauspieler gearbeitet, nebenher Regie geführt und dann angefangen, Stücke zu schreiben. Lange Zeit habe ich alles parallel getan. Es hat sich dann Schritt für Schritt gewandelt – bis ich nur noch schrieb. Es gab also keinen großen dramatischen Moment, wo ich sagte: „Jetzt werde ich Theaterautor“. Es war mehr eine fließende Bewegung – auch aus der Erkenntnis heraus, dass man eine ganze Weile braucht, um vom Stückeschreiben leben zu können.

Ab wann wurde es denn zum eigentlichen Beruf?

Zuerst gab ich das Spielen auf – auch weil wir da unser Kind bekamen und ich nicht mehr tingeln mochte. Regieführen – mit fünf, sechs Wochen Arbeit am Stück und dann einem Weilchen Pause – war machbar. Aber auch das Inszenieren wurde weniger, weil Aufträge zum Schreiben kamen. Irgendwann hatte sich es etabliert: zwei Stücke pro Jahr, zwei feste Häuser, man konnte davon leben. Diese Phase begann 2000/2001.

Sie sehen sich doch – so wie jetzt hier auch in Dresden – den Probenprozess intensiv an …

Ja, aber mehr als Dramaturg denn als Regisseur. Ich bin nicht der Autor, der jedem Komma hinter weint. Mich interessiert der Prozess der Umsetzung: Man weiß, es wird etwas zu meinem Text hinzukommen – aber man weiß nicht, was genau. Erst das macht das Stück doch komplett.

Wie konkret sind die denn die Vorgaben bei Auftragswerken? Also kommen die Theater mit Besetzungen und thematischen Spielplanlücken an?

So war es zu Anfangszeiten, also in den Lehr- und Gesellenjahren, wo man auf Aufträge angewiesen ist, damit man überhaupt gespielt wird und über die Runden kommt. Da war es so, dass die Theater sagten: Wir würden gern etwas mit zwei Personen zu dem Thema machen – könntest Du Dir das vorstellen? Das ist fürs Handwerk ein gutes Training. Inzwischen ist es so, dass man sich mit den Teams der beiden Häuser, für die ich regelmäßig arbeite, also Bochum (vorher Essen) und Dresden (vorher Hannover), zusammensetzt und das Mandat gemeinsam auslotet.

Also kein isoliertes, monatelanges, leidendes Gebären im Schreibstübchen?

Das ist nie mein Weg gewesen. Das liegt am ersten Auftragswerk: „Das Herz eines Boxers“ für das Berliner Grips-Theater. Deren Arbeitsprinzip war sehr kollegial – und ich habe gemerkt, das ist auch mein Prinzip. Irgendwo einsam auf einer Almhütte, fertigschreiben und rausgeben – das ist nicht meine Arbeitsmethode. Ich begreife mich als Teamspieler, fühle mich wohl im Inszenierungsrudel. Nur bei den Dialogen lasse ich mir nicht rein reden.

Sie wären ja in der Position, dass Sie sagen könnten: „Ich habe ein neues Stück – wer will?“

Ich brauche diesen Austausch, die Plattform, auch zur Rückkopplung. Bisher war es jedoch immer so, dass meine Stückideen für interessant befunden wurden. Ich habe derzeit keinen Grund, da auszubrechen.

Bei ihren Stücken steht seit längerem Sarah Nemitz als Mitarbeiterin dabei – wie darf man sich diese Zusammenarbeit vorstellen?

Es ist ähnlich wie bei Tankred Dorst und Ursula Ehler: Man entwickelt gemeinsam die Geschichte und die Figuren, man recherchiert gemeinsam, am Ende geht man die Dialoge durch und ändert sie, wenn sie nichts taugen. Das hat sich seit „Creeps“, also über zehn Jahre lang, bewährt.

Zu ihren beiden ersten Dresdner Uraufführungen: Warum muss eigentlich die Grundschullehrerin Frau Müller weg?Es ist eine Transformation, Frau Müller ist die Summe vieler Lehrerfiguren. Sie muss weg, weil sie für alles verantwortlich gemacht wird, was mit den Kindern schief gegangen ist. Schule wird ja oft als große gesellschaftliche Reparaturwerkstatt gesehen und wenn das nicht funktioniert, braucht einen Sündenbock und das kann nur Frau Müller sein.

Und welche Firma steht 2011 dankend Vorbild?

Keine konkrete. Der Ausgangspunkt war aber die Selbstmordwelle bei „France Télécom“ – also dass Leute sich wegen eines neuen Arbeitgebers oder einer Versetzung das Leben nehmen. Es gibt noch weitere Selbstmordepidemien, auch in anderen Ländern, wegen der zu Überbelastung am Arbeitsplatz. Ein anderer Anlass war, dass in der Statistik der Krankenkassen psychische Belastungen als Grund für Arbeitsunfähigkeit in den vergangenen zehn Jahren enorm zugenommen haben und nun wohl sogar den Platz eins einnehmen – noch vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Kennen Sie persönlich Beispiele dafür – denn im Theater ist es ja seit jeher so?

Theater ist im Prinzip schon eine Blaupause für die neue Arbeitswelt: Man weiß sehr früh, dass man in dem Job keine ewige Perspektive hat. Die Vorläufigkeit von Arbeitsverhältnissen ist hier schon länger Programm. Aber diese Vorläufigkeit bricht jetzt für die Jugend in viele Berufsfelder ein, es gibt keine Gewissheit mehr, dass man selbst als Ingenieur permanent im Beruf bleiben kann, wie sie noch die Generation zuvor hatte. Diese neue Bruchstelle, diese Ungewissheit, ist eine unglaubliche psychische Belastung.

Ihre Hauptfigur Adam Krusenstern ist – ähnlich wie Frau Müller – eine Transformation verschiedener „Vorbilder“?

Natürlich, die Figur ist zusammengesampelt aus verschiedenen Leuten und deren Verhaltensweisen. Insofern ist das Bauprinzip ähnlich. Wenn man ein 1:1-Vorbild hätte, würde man sich beengen. Aber im neuen Stück wartet zudem noch eine albtraumhafte Überhöhung – wir erzählen die Geschichte quasi aus seinem Kopf heraus.

Ohne zu viel zu verraten: Darf das Publikum auf eine ähnliche Schlusspointe wie bei „Frau Müller“ hoffen?

Durch das Gesamtkonzept ist die ganze Inszenierung ein Überraschungspaket. Der Spaß kommt dadurch, dass man etwas sieht, was eigenen Träumen ähnelt. Der Sog wird diesmal eher durch eine Achterbahnfahrt als durch eine Schlusspointe erzeugt.

Was folgt im Kanon Ihrer Uraufführungen?

Im September hat am Berliner Grips-Theater mein erstes Kinderstück Uraufführung, „Held Baltus“ ein Stück über Kinderängste. Danach folgt ein Liederabend mit Franz Wittenbrink hier in Dresden zum Thema „Familienfeste“. Familienfeiern sind ja, was theatralische Situationen und komödiantisches Potenzial betrifft, immer ein dankbares Thema.

Zum Foto: Lutz Hübner gilt als meistgespielter deutschsprachiger Gegenwartsautor und feiert am Donnerstag im Kleinen Haus seine 36. Uraufführung in 17 Jahren – die zweite in Dresden. Die dritte – ein musikalisches Familienfest mit Franz Wittenbrink – ist schon in Arbeit.

Foto: Matthias Horn

Liebe geht durch die Musik

Die Dresdner Studentin Marion Fiedler lebt ihren amerikanischen Traum

Nur bei uns: Die Geschichte hinter der Geschichte …

Von Jian Tan

Marion Fiedler gelingt das scheinbar Unmögliche: Sie komponiert und singt als Deutsche eigene Lieder in bester amerikanischer Tradition.

Jazz ist ihr absoluter Liebling: „Jazz ist nun ein großer Teil von mir selbst geworden. Die Möglichkeiten, die man im Bereich Rhythmik und Harmonik beim Jazz hat, begeistern mich täglich neu.“ Als Studentin an der Hochschule für Musik „Carl Maria von Weber“ Dresden hat Marion Fiedler eine gute musikalische Ausbildung. „Meine Hauptfachlehrer für Gesang sowie viele Dozenten der Hochschule für Musik haben mich über langjährigen Unterricht als Musikerin gefordert und gefördert“, erklärt die 26-Jährige.

Studium mal zwei

Zusäztlich ist Fiedler seit Jahren begeisterte Studentin der Kulturwissenschaften an der TU Dresden. „Durch die Unterrichtsstunden an der Fakultät für Amerikanistik und frankophone Kulturstudien habe ich meine emotionalen Eindrücke fern der Heimat durch fachliche Diskurse sortieren und teilweise auch erklären können“, erzählt sie. Fern der Heimat, das ist Nashville, Tennessee. Dort hat Marion Fiedler lange Zeit gelebt und Liebe für diese Stadt empfunden: „Nashville ist für mich Heimat, Freunde, Familie, Erfüllung durch die Musik, und irgendwie bin ich selbst auch ein Stück Nashville geworden.“ Aus der Liebe zu Amerika und ihren Studien ergibt sich natürlich eine wunderbare Kombination aus Musik, Sprache und Kultur. So schreibt Marion Fiedler aus dieser Liebe Jazz-Songs, bei denen es thematisch oft um Grenzerfahrungen im wahrsten Sinne des Wortes geht, weil sie zwischen zwei Kontinenten pendelt: Europa und Amerika. In ihrer Nashville-Zeit entstanden die Stücke ihres „American Songbook“, welches das erste Mal bei den Jazztagen Dresden 2010 neu arrangiert in großer Besetzung mit Bläser-Sektion aufgeführt wurde.

Musik auf immer

Nun gibt es eine weitere Produktion. Mit vielen Musikern an ihrer Seite hat Fiedler ihre neue Sammlung „Can I Ride In Your Backpack?“ eingespielt. Darin sind die Lieder, die sich mit dem Thema Reisen und Touren auseinandersetzen und davon erzählen, wie herausfordernd und bereichernd es ist, fern der deutschen Heimat zu leben. Für die Zukunft hat die Musikerin auch schon einen Plan im Gepäck: „Ich möchte weiterhin komponieren und Konzerte geben, Menschen zum Zuhören und Singen animieren, die Musikwelt und den Jazz entdecken und die Welt weiterhin mit offenen Augen bestaunen.“

Zum Foto: Die Dresdner Studentin Marion Fiedler pendelt zwischen zwei Kontinenten und zwei Studien.

Foto: Amac Garbe

Frische Familien fokussiert

Neue Fotoausstellung zeigt auch Studentenkinder aus Elbflorenz

Von Nicole Laube

Die Dresdner Geburtenstatistik trotzt der bundesweiten Baby-Flaute – auch deshalb, weil Familie und Uni hier längst nicht mehr unvereinbar sind.

Eva und Johannes Heidingsfelder, Claudia Fritz und David Stein – das sind zwei junge Pärchen aus Dresden mit vielen Gemeinsamkeiten: Alle vier sind gerade am Ende ihres Studiums angelangt und haben die Paukerei jeweils mit einem gemeinsamen Kind gemeistert. Dass Dresden eine familienfreundliche Stadt ist, darin sind sich die jungen Eltern einig. Die Heidingsfelders kamen gar extra wegen der kinderfreundlichen Studienbedingungen nach Dresden. Heute gehören auch sie jenen sieben Prozent der Studentenschaft an, die mit Kind studieren und damit das bunte Familienleben der Stadt bereichern. Seit dem Jahr 2004 steigt Dresdens Geburtenrate stetig.

Waren es im gesamten Jahr 2009 noch etwa 5 600 Kinder, die hier zur Welt kamen, so zählte die Stadt allein bis zum Oktober 2010 schon rund 5 000 Babys. Eine runde Zahl, der nicht zuletzt auch die Kinderwagen auf dem Campus täglich Leben einhauchen.

Grund genug für den Pressefotografen Amac Garbe – selbst Vater eines kleinen Jungen – sich mit seiner Kamera an die individuellen Brennpunkte dieses Babybooms zu begeben. Um das Dresdner Familienleben in seinem Projekt „Familienbilder“ fotografisch widerzuspiegeln, besucht er seit drei Jahren Familien, deren Kinder im 21. Jahrhundert geboren wurden und lichtet sie in ihrem Lieblingsraum zu Hause ab. Entstanden sind dabei persönliche Momentaufnahmen, die einen Querschnitt durch die Kinderstadt Dresden zeigen. Logisch, dass darin natürlich auch die Bilder der studentischen Familien nicht fehlen dürfen. Wie die Heidingsfelders mit ihrem vierjährigen Töchterchen Sarah standen deshalb auch Claudia Fritz und David Stein mit der dreijährigen Florentine Model.

Zu sehen sind die Fotografien nun ab Samstag (15.1.2011) in einer Ausstellung im Familienladen „Au Chérie“ in der Dresdner Neustadt. Ebenso wie die Stadtbevölkerung soll die Ausstellung nach der Vernissage stetig wachsen und immer wieder um neue Fotografien ergänzt werden. Junge Familien, die abgelichtet werden möchten, können sich melden.

Netzinfos: http://www.aucherie.de & http://www.einsatz-zentrale.de

Zum Foto: Vier Familien, vier Lieblingsorte, vier exemplarische Porträts: Seit drei Jahren rückt Pressefotograf Amac Garbe Dresdner Familien, deren Kinder im 21. Jahrhundert geboren wurden, in den Fokus seiner Kamera.

Foto: Amac Garbe

Kleines Land, große Kunst

Das „treibhaus“ setzt im Dresdner Fischladen mit der Schau „signs“ die Veranstaltungsreihe „Szene Litauen“ fort

Von Jana Schäfer

Fünf Studenten aus Litauen präsentieren zeitgenössische Kunst: interdisziplinär, frei und offen.

Über die Gegenwart der Kunstszene in ihrem Heimatland resümiert Židrija Janusaite: „Litauische Kunst wird reicher – wir gehen in andere Länder, tauschen uns aus“. Einen großen Unterschied zu Deutschland gebe es nicht. Hier und dort ist der Weg als Künstler kein Zuckerschlecken. Židrija Janusaite bedauert, dass so manch junger Künstler das Heimatland verlassen muss, um im Ausland an der Karriere zu arbeiten. Das kleine Land hält nicht für jeden Arbeit bereit, noch weniger in der Kunst. So arbeitet die 27-jährige Janusaite, die an der Kunstakademie in Kaunas Malerei studiert hat, als Krankenschwester. „Ich trenne im Alltag beide Berufe, das kann manchmal sehr anstrengend sein.“ Zu ihrer abstrakten Malerei gesellen sich Videos. Die neue Generation experimentiert viel mit Medien: Internet, Kameras, Photoshop. Zu ihrer Serie „Beruhigter Geist. Begegnungen“ haben Janusaite Farbsprenkel inspiriert, die durchs Atelierfenster auf die Leinwand fielen, und die sie an Gefühle und Gedanken erinnern. Diese erscheinen ebenso schnell, wie sie wieder verschwinden. Nichts nimmt eine Form an. Was bleibt, ist die Leere. „Eine Leere, die voll von allem ist.“ Dieses Paradoxon hält Janusaite mit Tusche und Öl auf zwei Bildern fest, die wüstenhaft leer, beinahe trist wirken im Gegensatz zu den anderen Ausstellungsstücken. Verspielt zeigen sich die Collagen „Gruppenfoto“ von Vytis Mackevicius. Hier wird ein stereotypes Gruppenfoto, bestehend aus einer Handvoll lächelnder Menschen, separiert und vor verschiedene Hintergründe gestellt oder über einen ausbrechenden Vulkan.

Anett Bauer, die Vorsitzende von „treibhaus“, ist froh, die Ausstellung im Fischladen zeigen zu können, musste doch die Galerie in der Katharinenstraße geschlossen werden („ad rem“ berichtete in Ausgabe 26.2010). „Konzeptionelle Ansätze, viel Inhalt“, fällt ihr bei der Betrachtung der Kunst ein. Wie ungewiss die Zukunft vom „treibhaus“ sein mag, eines ist absehbar: Im Frühjahr werden die Kontakte zwischen Deutschland und Litauen vertieft. Dann stellen deutsche Studenten in Litauen aus.

Zum Foto: Die Litauerin Židrija Janusaite stellt ihre Kunst in Dresden aus.

Foto: Amac Garbe

Mit dem Einhorn in der Vorlesung

Märchenhaft anders: Eine Studentin haucht historischem Stoff fantasievoll Leben ein

Die Geschichte hinter dem Bild …

Von Nicole Laube

Josefine Gottwald ist 22 Jahre alt, studiert im 9. Semester Biologie an der TU Dresden und schreibt gerade ihren vierten Fantasie-Roman.

Schmale Papierstreifen hängen an der Pinnwand, das Notebook steht immer bereit. Rund 1 000 Wörter verwandelt Josefine Gottwald darauf jeden Tag in eine abenteuerliche Geschichte von Einhörnern, Vampiren und Kriegern, die die Träume der Menschen beschützen.

Drei Teile ihrer Fantasie-Reihe „Die Krieger des Horns“ hat die Biologiestudentin aus Dresden schon veröffentlicht. Der vierte ist in Arbeit. Auch er soll mit einer Auflage von etwa 200 Exemplaren im Machtwortverlag erscheinen.

„Ich wollte mit 14 eigentlich eine Jugendgeschichte schreiben“, erzählt die Hobbyautorin. Im Jahr 2003 veröffentlichte sie ihren ersten Roman, 2005 den zweiten. Dann begann sie mit dem Studium in Dresden, der dritte Band ließ daher bis zum Jahr 2010 auf sich warten.

Behutsam legt die Biostudentin ihre drei Bücher auf dem Tisch nebeneinander. Die Titelbilder zeigen zusammen ein Einhorn in märchenhafter Landschaft. „Mich haben geheimnisvolle und gruselige Geschichten wie die Romane von Stephen King immer schon fasziniert“, sagt sie. Inzwischen schwirren der Altenbergerin ständig Geschichten und Charaktere im Kopf herum. An der Pinnwand bringt sie die Szenen zunächst optisch in eine sinnvolle Reihenfolge. So entsteht Stück für Stück ein Roman. „Es ist nicht so, dass ich mich zum Schreiben zwinge. Ich warte eher darauf, bis ich alles niederschreiben kann.“

Längst ist es nicht mehr nur ein Buch, an dem sie arbeitet. Zeitgleich mit dem vierten und letzten Teil ihrer Fantasiereihe entsteht ein historischer Roman, der im alten Griechenland spielen soll. Schon zieht sie eine Schublade in ihrem Wohnzimmerschrank auf und holt eine Doktorarbeit über die Stadt Herakleia heraus. „Für den historischen Roman muss ich vorher viel recherchieren.“ Außerdem soll der erste Teil der „Krieger des Horns“ demnächst im Hörbuchverlag „Hörgewand“ erscheinen, der einst beim „5-Euro-Business“-Wettbewerb an der Uni entstanden ist.

Bis zum Jahresende will sie die Hörbuchversion fertig haben. Parallel organisiert sie Lesungen in Altenberg und Freital. Momentan seien aber noch Prüfungen, da komme sie nicht ganz so gut voran. Schließlich warten neben der Uni auch noch ein Nebenjob und ihr Pferd auf sie.

Netzinfos: http://www.ewigewelten.de

Zum Foto: Josefine Gottwald erfindet eigene Welten.

Foto: Amac Garbe

Kunstnachtschwärmerei

Zweite „Kunstnacht im Hecht“ lädt zum Flanieren ins Hechtviertel

Von Susanne Magister

Wenn die Dunkelheit sich am Samstag (11.12.2010) über die Stadt senkt, gehen in 26 Galerien, Ateliers und Hinterhöfen zwischen Rudolf-Leonard- und Hechtstraße die Lichter an.

Von 19 bis mindestens 24 Uhr wird Kunst gucken, ins Gespräch kommen und Glühwein trinken die Abendstimmung prägen. Der Verein Theaterruine St. Pauli hat im Herbst 2009 gemeinsam mit dem Hechtviertelverein und der Künstlerin Daniela Floß die Idee zu jener jährlich stattfindenden Kiez-Kunstnacht entwickelt, deren Fokus ganz bewusst auf das Stadtteilgebiet Hechtviertel begrenzt ist. „Alle Künstler und Kreativen, die im Viertel leben oder gelebt haben, arbeiten und wohnen oder eine sonstige intensive Beziehung zu diesem Ort pflegen, sind aufgefordert, den Stadtteil und seine Kultur zu präsentieren“, erklärt Sven Dietze vom Verein Theaterruine St. Pauli. Davon hat sich auch der Verein „Frames“ angesprochen gefühlt.

Zu den gut zehn Mitgliedern, die es sich zum Ziel gesetzt haben, im Hechtviertel eine Plattform für junge Kunst zu schaffen, gehört auch die TU-Kunstgeschichtsstudentin Friederike Breuer.

Die 24-Jährige weiß, wie schwierig es für HfBK-Absolventen ist, an Ausstellungsflächen zu kommen und möchte selbst neben ihrem Studium Erfahrungen im Konzipieren von Ausstellungen sammeln. „Wir wollen weg von herkömmlichen Ausstellungs- und Präsentationsformen à la White Cube und Co., das Spektrum erweitern und moderner gestalten“, verrät Friederike Breuer. Zur Kunstnacht im Hecht haben sie die eintägige Ausstellung „27 licht an“ mit sieben Künstlern (nicht nur) aus dem Hechtviertel ins Leben gerufen. Der Name bezieht sich auf den Präsentationsort – die Hechtstraße 27, wo im Hinterhaus der ehemaligen Reha Nord die Lichter angehen und neben Malerei, Streetart und Fotografie viel Lichtkunst präsentiert werden wird.

Alle Kunstorte und Netzinfos: http://www.kunstnachthecht.de

Zum Foto: Kunst im Hinterhof: Friederike Breuer im Hof der Hechtstraße 27.

Foto: Amac Garbe

Auf der Spur klassischer Außenseiter

Studenten gehen dem romantischen Vermächtnis von Clara und Robert Schumann in Dresden nach

Die Geschichte hinter dem Bild …

Von Jana Schäfer

Studenten beteiligen sich an dem Projekt „schumann 200“, das dem Künstlerpaar Schumann gewidmet ist.

Dresden und klassische Musik? Da wäre Richard Wagner zu nennen. Aber Robert Schumann, der romantische Komponist, und seine Frau, die Pianistin Clara?

„Wagner ist bekannt in Verbindung mit Dresden, doch Schumann weniger“, erklärt Sara Kumbarji. „Dabei hat er hier viele seiner Stücke komponiert.“ Sara Kumbarji und Rita Sosedow, beide Masterstudentinnen der Musikwissenschaft an der TU Dresden, gehören einer Projektgruppe an, die aus einem Schumann-Seminar im Wintersemester 2007/08 hervorging.

Mit der Unterstützung von Prof. Hans-Günter Ottenberg und Kammersänger Prof. Peter Schreier trugen die 15 bis 20 Studenten Informationen über den fast fünfjährigen Aufenthalt der Schumanns im Elbflorenz zusammen. Sie recherchierten in Archiven und befragten Bürger, wie ihr Blick auf den Komponisten sei. Ein Ausschnitt der Forschungsergebnisse präsentieren die Studenten auf zwölf Tafeln unter dem Titel „Robert und Clara Schumann im Dresden des 21. Jahrhunderts – Eine Spurensuche“. Es war eine harte Zeit für Robert Schumann in Dresden: Die Musikinstitutionen wollten ihn nicht, er fand kaum Anerkennung. Spuren im Stadtbild sind heute spärlich vorhanden, so im Hotel de Saxe, wo Schumanns Klavierkonzert uraufgeführt wurde. Die Tafelinhalte entstammen dabei einem Buch, das nächstes Jahr erscheinen soll. „Es ist schon anstrengend, neben dem Studium im Projekt mitzuarbeiten“, meint Sosedow. Doch die Studentinnen bereuen keine Sekunde. Sie sind stolz, dass nun auch andere Menschen auf Schumanns Spuren wandeln können.

Netzinfos: http://www.tu-dresden.de/phil/muwi

Zum Foto: Sara Kumbarji (links) und Rita Sosedow mit dem Komponisten Robert Schumann am Zwingerteich.

Foto: Amac Garbe

Serie: Karriere trotz Studium

„Please sit for a cuppa“ – Großbritannien gibt es im köstlichen Kleinkuchen- und Teeformat nun auch in Dresden

Die Geschichte hinter dem Bild …

Von Antje Schöne

In ihrem neuen Café in der Dresdner Neustadt bietet TU-Absolventin Anke Hoppert Tee, Bücher und britische Kultur.

Es riecht lecker nach warmen Schokoladenkuchen und englischem Tee. Anke Hoppert weiß, wie sie Gäste anlocken kann. 2008 hat die anglophile Hoppert mit ihrem Magisterabschluss in Germanistik, Anglistik und Kunstgeschichte in der Tasche überlegt, wie es nun weitergehen soll. Vor ihrem Studium hatte sie bereits vier Jahre in Großbritannien gelebt und gearbeitet, unter anderem als Kellnerin und im Buchladen. „Diese Kombination von Café und Büchern hat mich nie losgelassen, im Hinterkopf war immer die Idee, so was einmal zu verwirklichen. Außerdem hat mich der kulturelle Aspekt schon immer mehr interessiert als eine akademische Laufbahn.“

Nach ihrem Studium ging Hoppert dann zu „Dresden exists“ und schrieb einen Business-Plan. Überrascht, mit wie vielen Fördermöglichkeiten sich etwas realisieren lässt, rückte der Traum vom eigenen Café näher. „Vor etwa einem Jahr habe ich mir diese Räumlichkeiten zum ersten Mal angeschaut, im Mai unterschrieb ich den Mietvertrag und im September ging es mit dem Transporter nach England in Antikhallen auf Möbelsuche“, erinnert sie sich. Geholfen hat ihr dabei Laura Park, ehemalige Lehrbeauftragte am Institut für Anglistik an der TU Dresden.

„Laura war begeistert von meiner Idee, fuhr mit mir nach England zum Einkaufen und hat mir in der Eröffnungswoche im Oktober sehr viel geholfen. Vor allem am Anfang muss man erst die richtige Balance finden und sich einarbeiten“, erzählt die 32-Jährige. Im Café „England, England“, für alle Kenner des Romans von Julian Barnes ein bekannter Titel, bietet sie neben englischem Tee, selbstgemachten Kuchen und anderen leckeren Häppchen auch Bücher, bekannte englische Produkte und natürlich britische Kultur.

Das Café soll auch eine Begegnungsstätte werden, ein Buchclub ist geplant und Workshops. „Ich finde es toll, wie die Leute vorbeikommen und selbst Ideen hereintragen. Der Laden soll kein fertiges Konzept darstellen, sondern sich weiterentwickeln“, sagt Hoppert. Zufrieden sieht sie aus in ihrer schicken Teestube mit den edlen Möbeln und der eleganten Tapete. Zu ernst sollte es nicht wirken. Deswegen grinst jetzt die Königsfamilie aus einem Rahmen an der Wand. Sie winkt den Gästen, die Sehnsucht nach Großbritannien haben.

Netzinfos: http://www.englandengland.de

Zum Foto: Anke Hoppert holt England ganz gemütlich und köstlich nach Dresden.

Foto: Von Amac Garbe

So ein Unfug aber auch

Drei lokale Bands zeigen den Facettenreichtum der Mittelalter- und Folk-Musik

Von Isabelle Starruß

Zum Motto „3 Bands, 3 Alben, 1 Bühne“ treffen sich SENOS SENTO, IRREGANG und LIEDERLICHER UNFUG zum gemeinsamen Record-Release.

Man nehme Melodien, vermutlich dem Mittelalter entstammend, passe sie heutigen Hörgewohnheiten an und peppe die Lieder mit Trommeln und Percussion auf – so in etwa entstehen die mittelalterlichen Klänge, die trotzdem nicht altbacken wirken.

Am 20. November 2010 (20 Uhr) tritt Stephan Groth mit seiner Band LIEDERLICHER UNFUG und den befreundeten SENOS SENTO aus Dresden und IRREGANG aus Chemnitz zur Mittelalter/Folk-Record-Release-Party im Dresdner Bärenzwinger auf. Jeweils eine Stunde darf jede Band überzeugen, bevor es am Ende eine Art Tavernenspiel gibt, bei der alle gemeinsam auftreten.

„Wir bedienen mit den drei Bands alle Facetten der Mittelalter/Folk-Musik“, erzählt Groth, der im Gegensatz zu den anderen vier Unfuglern, die noch studieren, sein Mechatronikstudium an der TU Dresden schon beendet hat und nun als Akustiker arbeitet. Die Folk-Band SENOS SENTO spielt sehr atmosphärische, balladenhafte, fast träumerische Musik und komponiert ihre Stücke selbst. IRREGANG aus Chemnitz sind dagegen die lauteste der Bands. Als „fast waschechte Markt-Mittelalterband“, wie Groth sie bezeichnet, benutzen sie ganz traditionell Dudelsäcke und Schalmeien. LIEDERLICHER UNFUG sind eher „ein Mittelding“, sagt der 27-Jährige, der selbst mit Drehleier, Gitarren-Laute und Flöte musiziert. „Wir spielen viele Balladen, aber auch rockigere Tanzstücke.“

Sehr viel Gesang, auch vierstimmiger A-Capella-Gesang, sowie der konsequente Verzicht auf Dudelsäcke zeichnet die Dresdner Band aus, die sich 2003 gründete. „In der Schule gab es ein Projekt zum Thema Mittelalter, da haben wir uns gefunden“, erklärt Groth. „Wir waren vermutlich eine der ersten Schüler-Mittelalter-Bands“, lacht er. Und der Name? „Wir haben immer bei meiner Freundin Sabine Gerth, die in der Band Klarinette spielt, auf dem Land geprobt und ihr Vater wünschte sich rockigere Musik. Also kam er immer rein und fragte, was wir denn für einen Unfug spielen“, erklärt der Dresdner die Namensfindung. „Liederlich kam dann später dazu.“

Die erste CD brachten die fünf Dresdner 2005 noch im Eigenverlag heraus und verkauften sie lediglich am Bühnenrand. Doch mittlerweile wurde ein Label gefunden, so dass das zweite Album „Mirst von herzen leide“ nun auch offiziell erworben werden darf.

Insgesamt ein halbes Jahr hat die Arbeit an der „musikalischen Zeitreise durch Europa“, wie Groth das neuste Werk beschreibt, gedauert. Die Texte und Melodien wurden alle traditionell überliefert, erstmalig sind außerdem zwei selbstgeschriebene Stücke dabei. Jedoch ist es kein reines Mittelalter-Album, fügt Groth hinzu, sondern es besteht zu gleichen Teilen aus moderner Folk- und mittelalterlich-ursprünglicher Musik.

Zum Foto: Stephan Groth tritt mit seiner Band LIEDERLICHER UNFUG im Dresdner Bärenzwinger auf.

Foto: Amac Garbe

Internationale Begegnung

Der Ausländerrat Dresden lädt zum Filmabend

„Eisenfresser“ – ein bewegender Dokumentarfilm von Shaheen Dill-Riaz über Arbeiter in Bangladesch – wird am morgigen Dienstag (9.11.2010/19 Uhr) den Abend im Internationalen Begegnungszentrum (Heinrich-Zille-Straße 6) des Ausländerrates Dresden gestalten und Anlass für eine sich an den Film anschließende Gesprächsrunde sein.

Veranstalter des Filmabends ist der Landesfilmdienst Sachsen für Jugend- und Erwachsenenbildung/Mediathek Dresden, dessen Ziel es ist, dem Bedarf nach anspruchsvoller individueller mediengestützter Bildung und Information zu entsprechen und mit „Eisenfresser“ zum Nach- und Weiterdenken anregt:

In Bangladesch, am einstmals weißen Strand von Chittagong, finden ausgemusterte Tanker und Containerschiffe ihr Ende. Tausende von Arbeitern, die jedes Jahr durch die drückenden Hungersnöte im Norden des Landes gezwungen werden, Arbeit im Süden auf den Schiffsabwrack-Werften zu suchen, ziehen die Ozeanriesen mit Hilfe von Stahl-Seilen an Land: barfuss und mit bloßen Händen (Foto: Aries Images). In den Werften am Strand zerlegen sie die rostigen Pötte. „Lohakhor“ werden diese Arbeiter in der Landessprache genannt – „Eisenfresser“.

Netzinfos: http://www.auslaenderrat.de, http://www.landesfilmdienst-sachsen.de

Fotos: Aries Images

Elektronisches fürs Talvolk

Das Dresdner Label „Uncanny Valley“ gibt House-Musik eine Seele

Die Geschichte hinter dem Bild …

Von Christiane Nevoigt

In einem unheimlichen Tal klaffen Wahrnehmung und Akzeptanz meist weit auseinander. Das ist nicht nur in der Psychologie so.

Auch bei der musikalischen Variante des Effekts soll die Wahrnehmung aus dem Dresdner Tal heraus erprobt werden. Dazu haben sich verschiedenste Künstler aus Dresden mit ihrem jungen Label für elektronische Musik entschlossen.

Zu den knapp 25 Mitgliedern gehören Produzenten, DJs, Grafiker, Videokünstler, bildende Künstler und ein Tischler für die Bühnengestaltung. Die meisten von ihnen kennen sich schon lange. Der größte Ansporn aber kam mit dem sommerlichen Nachtdigital-Festival, zu dem viele Musiker aus dem Freundeskreis einzeln eingeladen wurden. „Dafür haben wir uns dann zusammengetan und ein Konzept entwickelt, über das wir uns identifizieren können“, erzählt der 26-jährige TU-Geschichtsstudent Carl Johannes Schulze, der sich um das optische Auftreten des Labels kümmert. Zusammen mit Albrecht Wassersleben und Conrad von THE MORODERS hält er schützend die Hände über das Label.

Sie alle sind zwischen zwanzig und etwa vierzig Jahre alt und folgen dem Drang, Musik zu hören und Kunst zu fördern. Die kollektive Idee, damit ein einheitliches Bild vom Label zu schaffen, scheint so einfach wie anspruchsvoll. „Im Grunde wollen wir ehrliche Musik mit Seele“, darin sind sich beide DJs einig. Das bedeutet für die Talbewohner musikalisch „House mit immer neuen Einflüssen aus Techno, Disco und Dubstep“. Aber es liegt ihnen auch am Herzen, experimentelle Sachen zu machen, fügt Schulze hinzu. Er selbst orientiert sich dabei als DJ Syzed eher an düsteren Technoplatten.

Gerade Dresden kommt den Musikaktivisten mit dem Ruf als „Tal der Ahnungslosen“ für solche Akzeptanzversuche gelegen. „Wir spielen damit, dass in Dresden nichts geht und nichts wahrgenommen wird“, erklärt der 25-jährige Wassersleben die Idee, genau das mit Impulsen wie Workshop-Reihen zu ändern. Ihr eigenes unheimliches Tal versteckt sich dabei „hinter mafiösen Strukturen“ von rein kommerziellen Partys. „Wir wollen kein reines Partyding sein. Man soll am nächsten Morgen aufwachen und mehr haben als nur einen Kater vom Saufen“, erklärt der TU-Absolvent der Betriebswirtschaftslehre, der die Finanzen des Labels im Blick hat.

Mit ihrer ersten House-Platte gelang ihnen dabei ein kleiner Durchbruch, nicht nur auf dem Cover. Die 800 Stück mit dem mauerdurchrennenden Comicmännlein des Label-Grafikers Paul Waak sind auf Akzeptanz gestoßen und vergriffen. Mehr frischer Musikwind soll künftig in jedem Quartal wehen. Bis dahin setzen sie auf Live-Wahrnehmung. So am 13. November 2010 (21 Uhr), wo Uncanny Valley mit einigen Künstlern, deren audiovisuellen Installationen und kostenlosem Workshop auf dem Medienkunst-Festival CYNETART im Dresdner Festspielhaus Hellerau vertreten ist.

Netzinfos: http://www.uncannyvalley.de

Zum Foto: Zu fotoscheu, um sich fotografieren zu lassen: die Jungs von Uncanny Valley.

Foto: Von Amac Garbe

Augenblickstheater für Kurzentschlossene

Die Theatergruppe des Stadtteilhauses Dresden Neustadt lädt ein

Inspiriert vom Russischen Symbolismus hat sich eine Gruppe ambitionierter Laienschauspieler unter der Leitung von Christian Schmidt auf eine nahezu wortlose Gedankenreise gemacht. Herausgekommen ist das poetische Bildertheater „Von Innen nach Außen“.

Der Zuschauer ist eingeladen, sich von der Fantasie tragen zu lassen und Überraschendes und Gedankenanregendes in vielen Einzelszenen mit nach Hause zu nehmen. Zu erleben gibt es das „Gehörte jenseits des Hörens“ am Freitag (5.11.2010) und Samstag (6.11.2010) jeweils 20 Uhr im Theater ‘Wanne’ im Stadtteilhauses Dresden Äußere Neustadt (Prießnitzstr. 18) für ermäßigte 4 Euro. (sm)

Netzinfos: http://www.stadtteilhaus.de

Zum Foto: Ulrike Krink, Inga Zempel und Lisanne Jeschke machen Neustadt-Theater.

Foto: Amac Garbe

Kindgerechtes buntes Lernen in der Bibliothek

Dreifach qualifiziert: Katja Hütter ist Studentin, Künstlerin, Mutter und gestaltet den SLUB-Kinderraum neu

Von Antje Meier

Drachen, Märchenschloss und Elfe: Der Eltern-Kind-Raum der Sächsischen Landes-, Staats- und Universitätsbibliothek (SLUB) lässt ab sofort mit bunten Motiven Kinderherzen höher schlagen.

Dafür verantwortlich ist die 27-jährige Studentin Katja Hütter. „Ich habe hier gesessen und gelernt, als Herr Mittelbach von der SLUB zur Raumbesichtigung herein kam und meinte, dass hier etwas verändert werden müsste.“ Die Psychologiestudentin im sechsten Semester bot sich prompt für das Projekt an.

Sie studierte bereits in den Niederlanden Kunsttherapie und machte sich anschließend als freie Künstlerin unter ihrem Künstlernamen Yosi Losaij selbstständig. Mit der Eröffnung ihrer Galerie „Goldfisch August“ am 2. Oktober 2010, die sie gemeinsam mit anderen Künstlern ins Leben rief, erfüllte sie sich einen Traum. Doch nicht nur das malerische Talent prädestinierte sie für die Verschönerung des Eltern-Kind-Raumes. Sondern auch die Tatsache, dass sie selbst Mutter einer zweijährigen Tochter ist und im Februar ihr zweites Kind erwartet.

Die Zusammenarbeit zwischen ihr und der SLUB war schnell beschlossene Sache. Zwei Wochen malte und werkelte die emsige Künstlerin – insgesamt gut 50 Arbeitsstunden. Studentische Eltern mussten währenddessen in andere Räume ausweichen. Nun macht eine kleine Farbexplosion den ehemaligen Gruppenarbeitsraum zum Kinderparadies. Kleine Dekodetails sind die Segel unter der Decke und die Lämpchen und Bilder an den Wänden. Auch ein bequemer Stillstuhl gehört nun zur Ausrüstung. „Es ist schön, wenn man Leute mit seiner Malerei beglücken kann“, freut sich die Künstlerin, deren neugestalteter Raum ab Freitag (22.10.2010) geöffnet sein wird.

Galerie „Goldfisch August“ (Heinrichstraße 8), geöffnet jeweils Mo. 14–18 Uhr, Di.–Fr. 10–15 Uhr und Sa. 13–18 Uhr.

Netzinfos: http://www.losaij.de

Zum Foto: Hauptsache bunt: Katja Hütters Kunst ist vor allem farbenfroh.

Foto: Amac Garbe

Asiatisches Lebensgefühl

Das Kino in der Fabrik wird Zuhause des „8. Dresdner Asian Filmfestivals“

Von Antje Meier

Die östliche Filmkunst zieht in den Westen Dresdens, nachdem das Asian Filmfestival mit der Schließung des Metropolis sein Obdach einbüßte.

Nun ist das Dresdner Kino in der Fabrik (KiF) seine neue, etwas kleinere Herberge. Aber trotzdem wird nicht gekleckert. Mit dramatischen Geschichten, Animes und Horrorstreifen ist das Programm vielseitig bestückt. Vom 21. bis 27. Oktober 2010 werden vor allem aktuelle asiatische Filme präsentiert, darunter gibt es fünf Dresdner Erstaufführungen. Zwei besonders herausragende Filme sind „Mother“ (22.10.2010, 17 Uhr sowie 24. & 26.10.2010, jeweils 20 Uhr) und „Lola“ (22.10.2010, 20 Uhr sowie 23. & 26.10.2010, jeweils 17 Uhr), die zwar ähnlich zu sein scheinen, aber auch nicht unterschiedlicher sein könnten.

Wie eine Löwin um ihr Junges kämpft in „Mother“ eine Mutter um ihren geistig etwas zurückgebliebenen Sohn, der in einer südkoreanischen Kleinstadt wegen Mordverdachts verhaftet wird. Um seine Unschuld zu beweisen, geht sie durch die persönliche Hölle. Regisseur Bong Joon-ho bedient sich vor allem des typisch Grotesken in asiatischen Filmen, das durch die starke Präsenz der Hauptdarstellerin allerdings nie an Gehalt verliert.

Auch im philippinischen Drama „Lola“ stehen starke Frauen im Mittelpunkt. „Lola“ bedeutet im Deutschen Großmutter, womit die Frage nach den Hauptdarstellern geklärt sein dürfte. Im Gegensatz zu „Mother“ setzt Brillante Mendoza auf die realistische Darstellung des Geschehens. Ohne Schnörkel, aber mit viel Herz zeigt Mendoza, wie zwei gebrechliche Großmütter auch im hohen Alter noch die Leiden des Lebens schultern müssen.

Netzinfos: http://www.kif-dresden.de

Zu den Fotos:

Fotos 1+2: Zwei Generationen, zwei starke Frauen, zwei bewegende Filme: „Mother“ (Foto li., 24 Bilder) und „Lola“ beim „8. Dresdner Asian Filmfestival“. (Rapid Eye Movies)

Foto 3: Auch der neue Miyazaki „Ponyo“ ist am Start. (Polyfilm)

Verkünder des neuen Optimismus

Turbulente Spielzeiteröffnung der „bühne – Das Theater der TU“

Interview: Anne Gerber

Nach einem Jahr sanierungsbedingter Auslagerung kehrt „die bühne“ an ihre alte Spielstätte im Weberbau zurück. Im „ad rem“-Gespräch blickt die Künstlerische Leiterin Carola Unser auf die vergangene und die neue Spielzeit.

„Respekt! Alles geht den Bach hoch“ – angesichts der Baustelle, die in wenigen Tagen „die bühne“ sein soll, spricht schon eine Portion Galgenhumor aus dem neuen Spielzeitmotto. Wie kam es zu dieser Verzögerung?

Da muss ich passen. Ich habe regelmäßig nachgefragt, es wurde immer ein bisschen später. Ein bisschen vermisst man dann auch die Einsicht, dass da ein ganzer Verein dranhängt, also dass da im Moment 74 Mitglieder in den Startlöchern sitzen und man irgendwie das stemmen muss.

Der Bogen zum Spielzeitthema ist natürlich irgendwo auch großartig: Kommt, wir behaupten jetzt den neuen Optimismus, wir denken positiv, wir schaffen die Finanzkrise, wir schaffen den Frieden in Afghanistan, wir schaffen das mit den Beziehungen und wir behaupten einfach, alles geht den Bach hoch. Das ist in sich schon ein Wortspiel. Gar nicht mit dem Gedanken, eine träumerische Rosarotwelt zu zeigen, sondern einfach zu sagen: Komm, lasst uns anpacken und nicht in der Depression versinken. Deswegen ist dieses Spielzeitthema auch ein bisschen diese Suche nach einer Strategie, wie man überleben kann. Und dass wir jetzt mit so einer Situation konfrontiert sind, das verursacht schon graue Haare und schlaflose Nächte, aber auf der anderen Seite denke ich: Egal, wir machen Theater und wir werden improvisieren und wir werden eine Eröffnungspremiere stemmen und wenn’s dann halt nicht ganz so schniekefein ist, dann ist es halt nicht schniekefein. Irgendwie freundet man sich mit dem Gedanken an, dass es halt so ist, wie es ist. Aber es ist ein Galgenhumor, das stimmt.

Diese erste Premiere ist „Johanna“. Wieso habt ihr euch für dieses Stück zur Eröffnung entschieden?

Es war meine Überlegung: Was passt in dieses Thema? Und es gibt ja einige Figuren in der Literatur, die für Visionäre und Visionen stehen, für dieses „Ich steh für etwas ein, was ich als wichtig und richtig erkannt habe.“ Und da ist Johanna eine der Figuren vorneweg. Schillers Johanna, aber auch der Mythos von Jeanne d’Arc. Das habe ich dem Regieteam Jan Schrewe und Hannah Stoffer vorgeschlagen, die erst bedingt begeistert waren von Schiller. Hannah hat dann einen eigenen dramatischen Text dafür erarbeitet – in der Hinsicht ist es auch eine Uraufführung – hat sich in diesen Mythos verguckt, aber eher in die Zeit, als Johanna schon die Kriegszüge hinter sich hatte. Sie nahm die Gerichtsprotokolle als Grundlage für den Text. Und da ist jetzt etwas ganz Spannendes passiert, denn ich hatte den Gedanken, die Visionärin geht voran, eine super Eröffnung für unsere Spielzeit. Die beiden haben es aber eher gedreht in die Richtung: Wie lange bleiben wir standhaft? Wofür sind wir bereit zu sterben? Wie viel Rückgrat und Glaubwürdigkeit bringt man überhaupt noch auf? Damit stellen wir das Spielzeitmotto, den neuen Optimismus, gleich ganz krass die Frage.

Wurden die anderen Produktionen der Spielzeit auch zum Spielzeitmotto passend ausgewählt oder stellte sich der Zusammenhang erst im Nachhinein heraus?

Anfang Dezember habe ich überlegt, was nach „Zeit zu lieben – ostwest, eine Frage der Perspektive“ und das Jahr zuvor „massenkompatibel – von Konsumkeulen und Moralopfern“ diese Trilogie abrunden könnte und angesichts von Finanzkrise, Kyoto-Klimaprotokoll, Afghanistan, Integrationsdebatte dachte ich an einen Rundumschlag, aber mit einer bestimmten Brille. Diese Idee ging dann an den Vorstand bzw. an alle, die Lust haben, dabei mitzudenken und so hat sich das Thema geformt. Dann habe ich überlegt, welche Stücke dazu passen könnten. Und es kommen pragmatische Sachen dazu: wir verzichten dieses Jahr auf zeitgenössisches Stücke, machen also nur tantiemenfreie Produktionen. Schließlich die Personalfrage: Welcher Regisseur hat Zeit und Lust, wieder hier zu arbeiten. Jetzt willst du bestimmt wissen, welche Produktionen geplant sind?

Ja gern, wenn sie schon feststehen.

Für die nächste Produktion steht die Besetzung fest, am Stück schreibe ich gerade bzw. stelle es aus verschiedenen Zeitungen und Vorlagen zusammen. Es soll heißen: „Der werbetaugliche, aber romantische Triumph der Liebe in den Zeiten der kapitalistischen Cholera“. Wir nennen es Musiktheater-Boulevard-Melodram: Eine Geschichte, in der die alltäglichen Beziehungen, die große weite Welt verhandelt wird, von der alleinerziehenden Mutter bis hin zu der Frage Hartz IV oder doch lieber Ein-Euro-Job.

Mit unserem Thema kommen wir auch um Schiller, den großen Moralisten, nicht herum. Ich bin ein großer Fan von ihm: Theater als moralische Anstalt finde ich nach wie vor sehr richtig. So habe ich Peter Wagner gefragt, der im letzten Jahr „Lilly Link“ geleitet hat, ob er Lust hat, die „Räuber“ zu inszenieren. Und er hat zugesagt.

Und schlussendlich haben wir noch eine Stückentwicklung, deren Arbeitstitel heißt „Die Utopiegesellschaft – In welcher Welt wollen wir leben?“ Mit der Regisseurin vom „Aschenbrödel“, Susanne Zaum. Sie startet jetzt eine große bundesweite Umfrage, bei der jeder, der es möchte, sich dazu äußern kann, in welcher Gesellschaft er gern leben würde. Aus diesem Fragebogen wird sie dann mit vier bis acht Bühnis wieder ein performatives Stück entwickeln und am Ende wissen wir dann, was die perfekte Gesellschaft ist. Dann gibt es zum dritten und letzten Mal unsere Soap, die A-Versuche, die im letzten Jahr so wundervoll gesprießt sind, und wahrscheinlich noch zwei Schnellschüsse. Einmal ein männliches Pendant zu unserem feministisch-dekonstruvistischem „Guten Abend du Schlampe check dich mal“ und eine Art performative Talkrund zu den großen Themen Klimawandel, Weltfrieden, Beziehungen und was über die Spielzeit anfällt – quasi ein theatral-performatives Resumée zu den Fragen: Was kann Theater? Wir haben uns jetzt eine Spielzeit lang damit auseinander gesetzt und was haben wir eigentlich wirklich geschafft?

Und sind für diese Spielzeit auch bühne-Gastspiele auswärts der TU geplant?

Das ist alles noch nicht in trockenen Tüchern, aber innerhalb Dresdens spielen wir erstmal im Rudi, im projekttheater, im Madness weiter. Ich bin nach wie vor mit Hamburg im Gespräch und wir werden uns bei diversen Festivals des Landesverbands Amateurtheater Sachsen bewerben. Außerdem sind wir beim Festival in Oppenheim im Rheinland für nächstes Jahr angefragt, das ist aber eine Finanzierungsfrage. Ich bin ganz guter Dinge, dass wir im Frühjahr wieder ein, zwei Reisen unternehmen können.

Was immer von der alten Spielzeit, in der ihr gezwungenermaßen ausziehen musstet, durchklingt, klingt alles sehr positiv. Habt ihr viel mitgenommen in dieser Zeit?

Ich würde fast sagen, es war ein Segen, dass wir jetzt ein Jahr rumgezogen sind. Längerfristig würde es die „bühne“ nicht verkraften, wenn sie keinen festen Ort hätte, weil wir eine Spielstätte sind und uns dadurch ein Profil geben können, wir gehören an die TU. Aber ein Jahr war das sehr gut, weil wir dadurch in der Neustadt präsent waren und Kontakte geknüpft haben zu anderen Theaterschaffenden, die wir jetzt pflegen. In der Synergie, glaub ich, ist es wirklich gut.

A propos Profil: Wird es mit der neuen Spielstätte auch konzeptionell einen Sprung geben?

Eine Künstlerische Leitung prägt ein künstlerisches Profil und solange ich da bin, wird es sehr politisch und gesellschaftskritisch bleiben. Daher geht es jetzt erstmal ein Jahr so weiter mit voller Kraft. Was wir forcieren, ist unser Lehrangebot. Es gibt drei Schauspielkurse, wir setzen unser AQua-Programm fort, das im letzten Semester sehr erfolgreich lief, und wir bieten wieder Workshops an. In dieser Richtung versuchen wir, noch eine Säule für die „bühne“ zu erarbeiten, denn ich denke, gerade die Vernetzung von Lehre und Kultur macht bei uns Sinn.

Am Samstag (16.10.2010, 20 Uhr) Eröffnungsfest „RESPEKTive“

Zu den Fotos: Mehr Baustelle als Bühne – doch Carola Unser ist zuversichtlich: Am 15. Oktober wurde die Spielzeit mit „Johanna“ eröffnet.

Fotos: Amac Garbe

Spiegelnde Blicke

Fotografien von Anja Schneider in der Dresdner Galerie Adam Ziege

Zur Geschichte hinter dem Foto…

Von Jana Schäfer

Wie nah kommt man einem Porträt? Oder kommt man nur sich selbst näher?

Die Menschen auf den Fotografien von Anja Schneider tragen Tattoos, Falten und Geheimnisse, zurückhaltende Aufforderungen in manch freundlichen oder verletzlichen Blicken. Sie erzeugen eine Intimität, die bei näherer Betrachtung auf der Nasenspitze herumtänzelt, wenn diese fast die Papierfläche berührt.

„Du kommst der Person nahe auf dem Bild“, erklärt Schneider. „Du kennst sie aber nicht. Ihr Charakter, ihr Wesen kannst du nicht fassen. Es ist zu tief.“ Die Tiefe bleibt nur Fassade. Irgendwann spürt dies auch der Betrachter. So wird das Bild, da es nie die andere Person wahrhaftig sein kann, zur Projektion eigener Vorstellungen und Gefühle.

Anja Schneider absolvierte in der DDR eine Ausbildung zur Fotografin. Die Dresdnerin findet ihre Modelle auf der Straße, oder sie melden sich bei ihr. Sie widmet ihnen viel Zeit, schafft Vertrauen. Im besten Fall erhält sie dadurch das Geschenk von Erwartungsfreiheit: Die Künstlerin und ihr Modell kreieren einen freien Raum, wo der Mensch sich loslösen kann. Lossagen von Bedeutung. Schneiders Ziel ist es, bedeutungsfreie Bilder zu erschaffen, die nur der Betrachter selbst auszufüllen vermag. Besonders Kindern gelingt es, diese Gelöstheit vor der Kamera zu bewahren. Davon zeugt ein Lieblingsbild von Schneider, das in der hintersten Ecke des letzten Ausstellungsraumes hängt. Schon beim Eintritt fesseln die tiefblauen Augen eines Jungen, der entrückt, doch zugleich präsent in die Kamera starrt. Ein vielschichtiger, bewegender Gesichtsausdruck. Hier hat sich jemand geöffnet vor der Kamera – doch für den Betrachter bleibt er ein verschlossenes Buch.

„rauschen“ bis 20. Oktober 2010, Mi. und Sa., 16 bis 20 Uhr sowie nach Absprache (E-Mail: anja.schneider@28fische.de) in der Galerie Adam Ziege Dresden (Louisenstraße 87)

Zum Foto: Anja Schneider nähert sich Menschen durch die Kamera an.

Foto: Amac Garbe

Na warte, eine Aufnahme noch!

Die Dresdner Band DIE UKRAINIENS beim Dreh ihres ersten Musikvideos

Von Christiane Nevoigt

Nu Pogodi – Na warte! Mit dieser Losung trieb einst der Wolf den Hasen in einer alten sowjetischen Zeichentrickserie vor sich her.

Heute jagen sich dazu Tina Lorenz, Georg Funke und Stefan Hermann durch einen dicht bewachsenen Hinterhof. Die Anwältin und die zwei Ergotherapeuten sind in weiße Laken gehüllt, die sie wie Gespenster aussehen lassen sollen. Die Kostüme haben sie kurz zuvor noch selbst gebastelt.

Nun sind sie bemüht, nicht völlig chaotisch gegeneinanderzurennen. Dabei wollen sie keine Zeichentrickkomik nachstellen, sondern sie sind Teil eines Musikvideos. Neben den zwei hauptberuflichen Musikern Ulf Nürnberger und John Avila Mora sind sie fester Teil der Dresdner Folkband DIE UKRAINIENS. Zusammen mit einer Produktionsfirma ersponnen sie vor über einem Jahr die Idee zu einem Musikvideo. Auf vielen kleinen Zetteln sammelten sie Konzepte. „Da stand drauf ‚Alle springen nackt auf einem Bett‘“, erzählt Schlagzeuger Ulf Nürnberger und ist ein bisschen erleichtert darüber, dass nicht alle Ideenschnipsel diese durchzechte Nacht bis zum Dreh überlebt haben.

Ähnlich unkompliziert kommt auch im Sommer einer der insgesamt fünf Drehtage zustande. Nürnberger darf als erster die Draufsicht mit seinem Schlagzeug einspielen. Er und sein Instrument sind dazu perfekt aufeinander eingestimmt. Das verrät nicht nur die synchrone Leopardenoptik. Noch vor dem Startsignal drischt und trommelt sich Nürnberger auf seinen Becken inklusive altem DDR-Kochtopf ins morgendliche Bewusstsein der Anwohner. Nach fünf Minuten Warmspielen fällt die Klappe für die Szene.

Nachdem alle Bandmitglieder nach und nach eingetrudelt sind, dürfen sie gemeinsam – ganz dem Liedtext von „Nu Pogodi“ nach – weiterlärmen. Auch als das tanzbeinschwingende Stück zum zehnten Mal wiederholt werden muss, tobt die Band noch ausgelassen über die Wiese. Solange, bis jede Einstellung im Kasten ist und wirklich jeder Anwohner das Lied auswendig summen kann.

Erschöpft ist danach keiner. Noch am Ende des Drehtages jonglieren die Protagonisten mit spektakulären Ideen für den etwa dreiminütigen Clip. Aber für abenteuerliche Liveaufnahmen auf Flugzeugträgern und das Inbrandsetzen des Schlagzeugs ist es zu spät. Die restliche Arbeit bleibt der Filmcrew vorbehalten: Rohclip erstellen, Feinheiten ausbügeln, Audioclip anpassen. Der Schnitt ist dann das kleinste Übel. Danach wird das Video auf der Webseite der Band zu sehen sein. Solange üben sie das Hase-Wolf-Spiel weiterhin auf der Bühne und laufen dafür am Samstag (9.10.2010, 21 Uhr) in der Dresdner Scheune auf.

Zu den Fotos:

Foto 1: Ulf Nürnberger, Schlagzeuger von DIE UKRAINIENS, trommelt im Video zu „Nu Pogodi“.

Foto 2+3: DIE UKRAINIENS beim Dreh.

Fotos: Amac Garbe

Kunst im Radio

Am 2. Oktober wird das Audioprojekt der Künstlerin Anja Böttger bei coloRadio ausgestrahlt

Von Susanne Magister

„Das Leben danach? – Perspektiven auf den Tod“ heißt das Kunstaudioprojekt der HfBK-Absolventin und freien Künstlerin Anja Böttger, mit dem sie ihr Meisterschulstudium bei Professor Lutz Dammbeck abgeschlossen hat.

Am 2. Oktober 2010 von 21 bis 22 Uhr wird die Audiocollage auf coloRadio Dresden (Frequenz 98,4 und 99,3 MHz) erstmals öffentlich in Dresden zu hören sein.

Auf die Frage, ob es ein Leben nach dem Tod gibt und inwiefern Vergänglichkeit Teil des Lebens ist, versuchen unter anderem ein Pfarrer, ein Leiter der Anatomie, eine Philosophin, Altenheimbewohner, ein Friedhofsgärtner und ein Bestatter Antworten zu finden. Die erzählten Gedanken sind im Stil eines Features mit der Schilderung von Eindrücken und einer realistischen Geräuschkulisse verwoben.

Nähere Informationen und ein paar Eindrücke gibt die Künstlerin auf http://www.anja-boettger.de

Zum Foto: Die Audiokünstlerin Anja Böttger.

Foto: Amac Garbe

Siebdruckkunst

Bei „Colored Gigs“ zeigen Poster ihre kunstvolle Seite

Dresden. Der Dresdner Siebdruckkünstler Lars P. Krause organisiert zum zweiten Mal die Ausstellung „Colored Gigs“. Im Mittelpunkt des Interesses stehen dabei Poster – Kunstwerke mit explodierenden Farben und künstlerischen Motiven, gedruckt im Siebdruckverfahren und als kleine, limitierte, handsignierte Auflage herausgebracht, sind sie begehrte Sammlerstücke.

Künstler, die neben Krause ihre Werke zigen, sind Guy Burwell, Michael Michael Motorcycle, Justin Santora, Gina Kelly und Lil Tuffy aus den USA sowie Señor Burns, Mitchum A.D., Wildsmile und Gregor Koerting aus Deutschland – alle anzutreffen auf der heutigen Vernissage (29.09.2010) von 19 bis 22.30 Uhr in der Dresdner Galerie Treibhaus. Anschließend ist die Postershow vom 30.09.2010 bis zum 02.10.2010 täglich von 16 bis 22.30 Uhr bei freiem Eintritt zu besuchen. Am Abschlussabend (01.10.2010) ist die Ausstellung bis 22.00 Uhr geöffnet, mit anschließendem „Fireabend“ in der Groovestation. Musikalisch wird der Abend durch die Bands Mad Cows on Fire, Asses on Fire und Wheels on Fire gestaltet.

Diskussionen um „Jud Süss“

„Jud Süss“-Regisseur Oskar Roehler in Abwehrhaltung

Zur Rezension…

Interview: Antje Meier

Die Resonanz auf seinen Film „Jud Süss – Film ohne Gewissen“ hatte sich Oskar Roehler wohl anders vorgestellt. Geschichtsverfälschung und Legendenbildung wurden ihm immer wieder vorgeworfen.

Er scheint es leid zu sein, sich immer wieder rechtfertigen zu müssen, als er am Donnerstag (23.09.2010) zum Interview erscheint. Und schließlich will er eins verstanden wissen, dass sein Film „Jud Süss“ eben auch als solcher begriffen werden soll, inklusive künstlerischer Freiheit. Was er sonst zu seinem Werk und auch zur Originalvorlage von 1940 zu sagen hat, erfahrt ihr im „ad rem“- Interview.

Wie sind sie auf das Thema von „Jud Süß“ aufmerksam geworden?

Ich habe ein sehr spannendes, gut geschriebenes Drehbuch auf den Tisch bekommen. Diese Spannung zwischen Goebbels und Marian hat mich am meisten gereitzt. Ein Psychoduell im Gewand eines Historienfilms – das finde ich immer spannend.

Was soll „Jud Süß – Film ohne Gewissen“ dem Zuschauer mit auf den Weg geben?

Ich glaube, die entscheidende Frage ist, beeinflusst es irgendwie die Meinung über das Geschehen von damals – positiv oder negativ? Das ist der einzige Punkt, um den es letztendlich geht: Mit welchem Gefühl gehst du raus?Mir war es wichtig, vor dem Hintergrund einer Diktatur zu zeigen, dass moralische Gewissensbisse und Kämpfe, die man führt, im Grunde nur ein Schattenboxen sind, weil man am Ende doch machen muss, was die aus dem System einem sagen. Mir ist bewusst, dass der Film recht aggressiv wirkt und die Zuschauer vereinnahmt. Das ist mein Stil. Ich mag die Überhöhung und auch zum Teil die Überzeichnung. Durch das Exemplarische einer Figur lässt sich viel mehr Herausstellen als durch drögen Realismus.

Sie haben die Originalverfilmung „Jud Süß“ von Veit Harlan aus dem Jahr 1940 sicher im Vorfeld gesehen.

Mehrmals. Sehr oft sogar.

Welche Gefühle löste dieser bei Ihnen aus?

Ich war extrem überrascht, wie gut und modern der Film gemacht ist. Der ist nicht schlecht gealtert im Gegensatz zu 99,9 Prozent der Filme aus der Zeit. Aus irgendeinem merkwürdigen Grund funktioniert der Film.

Es gibt keine Szene, die überflüssig ist, wenn man es dramaturgisch betrachtet. Der Film spielt im Grunde auf drei Ebenen – auf dieser archaischen Ebene mit dem unschuldigen blonden Mädchen, die mit dem Schillerschen Idealdarsteller verheiratet ist, dann auf der politischen Ebene und dann auf einer abstrakteren Ebene. Goebbels hat ja selbst die Dramaturgie des Films bestimmt. Zum Beispiel die Szene, wo man aus einer dunklen Ecke in der Synagoge hört: Wir sind angetreten, um die Weltherrschaft zu erringen. Das fällt einem nicht auf, wenn man den Film das erste Mal sieht.

Im Vorfeld hagelte es viel Kritik. Wie gehen Sie damit um?

Ich neige dazu, das nicht persönlich zu nehmen. Mit anderen Worten: Ich habe sie zum Teil gar nicht gelesen. Es wäre wünschenswert, wenn Kritiker mal ohne Erwartungen als ganz normale Zuschauer in den Film gehen würden.

Wie gesagt, ich nehme die Kritik ehrlich gesagt, nicht an. Da stehe ich drüber.

Sehen Sie die kritischen Stimmen zu ihrem Film als typisch deutsche Reaktion?

Ja. Ein ganz klares ja.

Würden Sie im Nachhinein betrachtet, am Film etwas ändern wollen?

Am Ende gibt es immer Punkte, bei denen man denkt, hier hätte ich es anders machen können. Das ist bei jedem Film so. Der perfekte Film ist mir bis jetzt nicht unterlaufen. Einen perfekten Film findet man sehr selten.

Zum Foto: Oskar Roehler beim Interview in Dresden.

Foto: Antje Meier

Turm-Uraufführung im Dresdner Schauspielhaus

Von Tell zu Tellkamp – Regisseur Wolfgang Engel zeigt DDR-bürgerliches Atlantis auf der Bühne

Interview: Andreas Herrmann

Im Mai 2009 inszenierte Wolfgang Engel noch Schillers „Wilhelm Tell“ am Dresdner Schauspielhaus. Nun hat er die Uraufführung von Uwe Tellkamps „Der Turm“ als Uraufführung vor der Brust. Im „ad rem“-Interview erläutert er den Arbeitsprozess und erklärt, warum junge Leute von heute sich mit dieser „Geschichte aus einem versunkenen Land“ beschäftigen sollten.

Was wird denn in die Theaterliteratur eingehen: Ihre Strichfassung oder die Dramaversion von Armin Petras und Jens Groß?

Das weiß ich nicht, ich bin kein Spekulant.

Und wie unterscheidet sich Ihre Strichfassung von dem, was die beiden geliefert haben?

Ich habe darauf hingearbeitet, dass aus über fünf Stunden Spielzeit dreieinhalb wurden.

Sie haben also keine Romanfiguren rausgeschmissen oder reingeholt? Oder vermissen Sie jemanden?

Nein. Die Fassung war in der Lage, das Zeitgefühl des Romans zu transportieren. Alles weitere gilt es am Freitag nach der Premiere zu beurteilen.

Warum sollten sich junge Leute von heute überhaupt den Turm antun?

Sie sollten sich den Turm antun, weil eine Figur wie der junge Christian, der mit ungeheuren Phantasien und Utopien ins Leben startet, aber nach der Pubertät als halbwegs erwachsener Mensch letztlich wie auf der Titanic steht, und sich fragt: Was soll ich tun mit meinem Leben? Und wie es endet: Das er sich zum Schluss geschlagen gibt und sagt: Ich mache alles, was man mir sagt – und wenn man mir nichts sagt, mache ich nichts. Die DDR hat diesen Christian zerbrochen, der alles werden wollte, nur kein Niemand. Und das ist das Starke an dem Buch: Die Geschichte endet an dieser Stelle.

Das kann für heutige junge Menschen eine Lehre sein?

Natürlich. Machen Sie mit einem beliebigen jungen Menschen eine Langzeitstudie als Dokumention: Sie werden sehen, wie seine Utopien zu Illusionen werden.

„Der Turm“ zeichnet insgesamt ein sehr trostloses Stimmungsbild der DDR-Endzeit. Meine Wahrnehmung jener Zeit ist eine andere – es kam mir, zumindest seit 1987, hoffnungsvoller vor …

Mir nicht. Die Lage war hoffnungslos – und keiner der Menschen, die auf die Straße gingen, wusste, was kommt: Wird es die chinesische Lösung mit Tausenden von Toten – oder etwas anderes. Honecker hatte gerade noch geäußert, dass die Mauer noch hundert Jahre stehen wird.

Zum Foto: Wolfgang Engel inszeniert die Uraufführung von Tellkamps „Der Turm“ am Dresdner Schauspielhaus.

Foto: Andreas Herrmann

Autokino mal anders

Aus Schrott wird Kunst beim Kirschauer Schrottkino

Von Antje Meier

Nobel geht die Welt zugrunde? Dann eben mal den Weltuntergang aufgehalten. Denn vom 3. bis 25. September 2010, immer freitags und samstags (jeweils 19.30 Uhr), haben sich das sächsische Kunstlabel ObArt in Kirschau und der Kunstbauerkino e.V. zusammen getan und sich etwas ganz besonderes ausgedacht: Filmgenuss in eigens dafür hergerichteten Schrottkarren.

Klingt schäbig? Ist es auch, aber eben mal was anderes und das für zehn Euro pro Schrottkarre (da lohnt es sich, das Auto proppevoll mit Freunden zu stopfen). Zur Verfügung stehen 30 solcher ausrangierter Karossen auf dem Gelände der Firma Kirschauer Aquakulturen GmbH (Friesestraße 31) sowie acht Streifen von Action, über Thriller bis Romanze. Damit steht dem Autokinofeeling nichts mehr im Wege. Also einsteigen und Film ab!

Programm:

Freitag, 03.09.2010 – Taxi (Actionkomödie, Frankreich 1998, 86 Min.)

Samstag, 04.09.2010 – Die fabelhafte Welt der Amélie (Spielfilm, Frankreich 2001, 117 Min.)

Freitag, 10.09.2010 – Manta Manta (Actionkomödie, Deutschland 1991, 87 Min.)

Samstag, 11.09.2010 – Departed. Unter Freinden (Thriller, USA 2006, 149 Min.)

Freitag, 17.09.2010 – Easy Rider (Roadmovie, USA 1969, 95 Min.)

Samstag, 18.09.2010 – Walk the Line (Biographie, USA 2005, 136 Min.)

Freitag, 24.09.2010 – Cars (Animationsabenteuer, USA 2006, 116 Min.)

Samstag, 25.09.2010 – Forrest Gump (Literaturverfilmung, USA 1994, 136 Min.)

Netzinfos: http://www.schrottkarrenkino.de

Foto: PR/Stefan Michalk

Musik für traurige Männer

Kumpeliges Festival „The Sound of Bronkow” im Dresdner Societaetstheater

Von Christiane Nevoigt

Ein kleines brandenburgisches Dorf ist verantwortlich für Veröffentlichungen eines Plattenlabels, eine Konzertreihe und nun auch für ein Festival.

Schuld daran ist Lars Hiller, Mitbegründer des Dres-dner Plattenlabels „K & F Records”: „Der Ursprung liegt in einem kleinen Dorf bei Bronkow, in dem ich als Kind jeden Sommer mit dem Opa Erdbeeren geerntet und Pilze gesammelt habe.”

Die Bands, die vom 3. bis 5. September 2010 im Dresdner Societaetstheater auftreten, verströmen vielleicht nicht unbedingt den Duft von Erdbeeren und noch weniger großväterlichen Charme, aber das sollen sie auch nicht. Vielmehr gehören die meisten Künstler zur großen Kreativfamilie der „Kumpels & Friends”, die als Bookingagentur und Label mit der Festivalidee auf der Suche waren nach „was Ruhigerem, Kleinerem und Freundlicherem” – entgegen den großen Festivalmassen.

So betreten an den drei Abenden unter anderem GISBERT ZU KNYPHAUSEN, THE BLACK ATLANTIC, WELL DONE und ein dutzend weitere Bands die vier Bühnen. „Und schließlich präsentieren wir vor allem kleinere, unbekanntere Bands, die uns am Herzen liegen oder die wir gar selbst veröffentlichen, quasi gleichberechtigt mit größeren, populäreren Bands”, erklärt Hiller, der nach dem Organisationsstress selbst am Festivalwochenende zur Gitarre greifen und als Teil der Dresdner Band GARDA aufspielen wird.

Das eigentliche Zwei-Mann-Team, bestehend aus Kai Lehmann und Ronny Wunderland, vergrößert sich halt gern für die Bühne und komplettiert auch in der klanglichen Umsetzung die labeleignen Tonspuren von Indie, Folk bis Singer/Songwritermusik, die auch auf dem Festival mitschwingen sollen. Auch wenn das Duo seine Musik selbst gern mit den Worten seiner Freunde als „Ningelpop, Musik für traurige Männer oder auch Songs für Jammerlappen” beschreibt, räumt Ronny Wunderland ein. Mit dem Album „Die Technique Die” aus dem Jahr 2008 bleibt GARDAs melancholischer Pop dennoch aktuell, so zumindest in Japan, wo es im August veröffentlicht wurde. Bis sie wissen, ob sie dort Gehör finden oder ein Fall für den Kaugummiautomaten sind, erliegen sie der Vorfreude des „Sound of Bronkow”-Festivals. „Unser Konzert wird wohl gemischt sein. Eine Hälfte vom alten Album und die andere werden wir als Preview mit neuen Songs bestreiten.”

Das Festivalwochenende kostet 26 Euro. Für alle Folkskeptiker stellt das Societaetstheater neben drei Bühnen im Innenbereich eine kostenlose Bühne im Garten des Geländes auf. Außerdem wird es eine Aftershowparty in der GrooveStation und ein Late-Night-Konzert von THE GENTLE LURCH im Programmkino Thalia geben. Beides wird auch für Nichtfestivalbesucher geöffnet sein.

Netzinfos: http://www.societaetstheater.de

Zum Foto: Es ist zum Heulen schön: Bei „The Sound of Bronkow” gibt’s Ningelpop und Musik für Jammerlappen.

Foto: Amac Garbe

Sinnliches Kunstwahrnehmen

Studenten engagieren sich für die Ostrale-Kulturpädagogik

Von Susanne Magister

Gegenwartskunst und Schlachthofcharme können in Dresden eng miteinander verknüpft sein.

Bis die Ostrale vom 27. August bis 19. September 2010 150 ausstellende Künstler vereint, gibt es viel zu tun. Unterstützt wird das Kulturteam um die internationale Schau zeitgenössischer Künste in Dresden dabei von einer Reihe Studenten. Zu ihnen gehört die Dresdner TU-Kunstgeschichtsmasterstudentin Stefanie Meier. „Ich interessiere mich sehr für zeitgenössische Kunst. Das kommt bei uns im Studium eindeutig zu kurz“, erklärt sie. Im Rahmen eines halbjährigen Praktikums schnuppert sie in das Feld der Pressearbeit hinein und vertieft ihr Wissen in der Kulturpädagogik, die zum festen Bestandteil der Ostrale werden soll.

Die Studentin knüpft dabei nicht nur neue Netzwerke, sondern arbeitet, anders als im Studium, ganz praktisch mit den Künstlern zusammen. „Hier habe ich die einmalige Gelegenheit, die Auseinandersetzung von zeitgenössischer Kunst mit historischer Substanz mitzuerleben“, schwärmt die 23-Jährige. „Außerdem kann ich von Beginn an bis zur Präsentation der Ausstellung am Geschehen mitarbeiten.“ Die Praktikanten stellen mit dem Kulturpädagogen Karl Philipp Schmitz das Material für Ausstellungsrundgänge und Schulklassenführungen zusammen, die sie später selbst durchführen. Dabei geht es nicht um eine statische Wissensvermittlung, sondern um kreativen Meinungsaustausch und sinnliche Kunstwahrnehmung. Deshalb wird es während der Schau eine Publikumswerkstatt geben, wo die Besucher selbst kreativ werden können.

Ostraleinfos:

  • Um der Besonderheit der Umgebung gerecht zu werden, arbeiten viele Künstler seit dem 26. Juli 2010 vor Ort im Künstlercamp
  • Am 19. August 2010 öffnet das Gelände von 18 bis 22 Uhr anlässlich des 100. Jubiläums des Schlachthofes seine Pforten für Besucher und gewährt unter anderem Einblicke in das Camp und die Arbeit der Künstler
  • Die Kulturpädagogik sucht noch studentische Unterstützer: kulturpaedagogik@ostrale.de
  • Vom 13. bis 17. September 2010 findet der kostenfreie Kreativ-Workshop „GG19“ zu den deutschen Grundrechten statt, der sich an Studenten richtet
  • Netzinfos: www.ostrale.de

Zum Foto: Teil der Ostrale-Kulturpädagogik: Stefanie Meier.

Foto: Amac Garbe

Zum Künstler berufen

Eine sommerliche Diplomausstellung der HfBK Dresden auf der Brühlschen Terrasse

Von Jana Schäfer

40 Diplomanden der HfBK Dresden haben nun einen berufsqualifizierenden Abschluss. „Ja, was ist das?“

Das fragt Rektor Prof. Christian Sery mit verhaltenem Schmunzeln, als er die Eröffnungsrede der Diplomausstellung im Oktogon der HfBK Dresden hält. Gefeiert werden trotzdem, oder gerade darum, 40 Kunstwerke der Absolventen.

Doch schon auf den schwierigen Arbeitsmarkt drängen? Im Atelier 101 hinter dem Oktogon stellt Woo Rim Chu aus. Die 26-jährige Südkoreanerin führte vor zwei Jahren ihr Kunststudium in Deutschland fort – freie Malerei und Grafik. Sie lernte nicht nur Deutsch, sondern auch eine andere Kunstsprache, die den Menschen heilen und zum Guten erziehen soll. Chu ist mutiger geworden, verbindet in ihrem Werk „Wunderschönes Ende“ koreanische Maltradition mit westlich-frecher Sinnlichkeit. Im August stellt sie in London aus.

Tanja Pohls düstere Bilder befinden sich im gleichen Atelier. Über einem Containerschiff gießt sich ein bleierner Himmel aus – Bilder industriellen Zerfalls. Eine Fachjury belohnt diesen „engagierten Gegenwartsbezug“ mit dem Förderpreis von 1 500 Euro, zum viertem Mal vom Freundeskreis der Hochschule gestiftet. „Ich fasse es noch gar nicht“, freut sich die 25-jährige Malerei- und Grafikstudentin. Sie dankt ihrer Mentorin Prof. Elke Hopfe, die sie stets in der Ausarbeitung ihres Stils ermutigte. Das Geld kann Pohl gebrauchen für ihr anstehendes zweijähriges Meisterschülerstudium. Auch Woo Rim Chu wird ihre Ausbildung vertiefen.

Zum Foto: Doppelabschluss: Woo Rim Chu hat neben ihrer koreanischen nun auch die deutsche Kunstausbildung geschafft.

Foto: Amac Garbe

Sommerspieletest: „YO-BE SLING DISC“

Schnapp die Geierkuh

Von Norbert Scholz

Der Hersteller warnt, einen „Mindestabstand von drei Metern Radius zu anderen Personen oder Tieren“ einzuhalten. Um es vorwegzunehmen, diesen Abstand halte ich auch schon im Laden für angemessen. Der potentielle Käufer sollte sich unbedingt daran halten. Dinge, die genauso spannend sind, zum Beispiel Nasebohren oder Fußnägel schneiden, sind deutlich günstiger zu haben und in der Entsorgung auch umweltfreundlicher.

Zur Erklärung: Das YO-BE-Sling-Disc-Dingsbums soll die verschmolzene Spielfreude aus Jo-Jo und Frisbee ergeben. Deshalb gibt es da eine aerodynamische Scheibe, in deren Mitte eine dünne Gummischnur befestigt ist. Das Schnurende führt zu einem Klettband, das ums Handgelenk geschnürt werden soll. Ist dies vollbracht, kann der Spaß beginnen.

Dann wirft man die Scheibe. Tja, und dann fängt man sie wieder. Oder auch nicht und lässt sie albern hin und her baumeln oder um sich kreisen – was noch dämlicher aussieht. Diese Chimäre aus Jo-Jo und Frisbee ist wie die fliegende Geierkuh – eine an sich tolle Idee, aber im Alltag unbrauchbar. So wurde die letzte Geierkuh, eine Kreuzung aus Kuh und Geier, im Jahr 1927 erlegt, da sie zwar – weil selbst mit Flügeln ausgestattet – den Milchtransport erleichterte, aber ihre luftigen Fladen für viel Missgunst sorgten.

Als „YO-BE-Tricks“ zeigt der Beipackzettel vier Elemente: Das „Sling Out“, was Werfen ohne Fangen meint; das „Catching“, dass, oh Wunder, den Wurf UND Fang beinhaltet; und das „Around the World“, was nichts anderes bedeutet, als mit der Scheibe an der Schnur doof rumzuwedeln. Einzig die Figur „Under the Bridge“ erscheint einigermaßen kunstfertig. Dabei soll die Wurfscheibe um die Beine geschwungen werden. Diese Übung empfiehlt sich aber nur für Eunuchen – oder Mädchen, die es untenrum „etwas härter“ mögen.

Abgesehen davon vernichtet das YO-BE die Vorzüge seiner Ideengeber: Es ist im Gebrauch weder kunstvoll wie ein Jo-Jo und durch die Schnur auch kein geselliger Spaß wie der Frisbee. Abschließend sei hier noch erwähnt, dass ich mir beim Gebrauch den Fingernagel angeknackst habe, was ganz doll fies weh tat.

Zum Foto: Die YO-BE Sling Disc ist ab 9,95 Euro zu haben.

Foto: Amac Garbe

Ausstellungstipp

Mit der Kamera unterwegs in Nepal

SLUB. Das sommerliche Fernweh wird nun auch in der Dresdner SLUB geschürt. Vom 3. bis 31. August 2010 präsentiert der TU-Geografiestudent Toni Klemm im Foyer Fotografien seiner Nepalreise.

Die im Reportage-Stil gehaltenen Bilder lassen den Betrachter eintauchen in das turbulente Leben der Hauptstadt Kathmandu und in die gewaltige Landschaft des Himalayas im Gebiet der Annapurna-Region. Im Mittelpunkt stehen dabei die Menschen in ihren unterschiedlichen Lebensumgebungen. (sm)

Zu den Fotos:

Foto 1: Ein Mann, der Wasser und andere Lebensmittel an Wanderer verkauft.

Foto 2: In Badeschuhen Fußball spielende Jungs in einer Schule in Kathmandu.

Foto 3: Touristen, die den Sonnenaufgang auf Poon Hill (3200 m) betrachten.

Fotos: Toni Klemm

Kleine Frau ganz groß

Kickboxen ist ein Sport sowohl für den Körper als auch den Geist und nichts für Schläger

Von Janine Kallenbach

Vorbei an Squashplätzen, Badmintonfeldern, Kletterwänden und zahllosen Fitnessgeräten.

Fast ist es ein verschlungener Pfad, der zur Kampfsportakademie Dresden führt. Ein Schritt aber durch eine Glastür, und schon schwirrt Stimmengewirr durch die Luft.

Der Blick fällt auf durchtrainierte Sportler, die entspannt an der Wand lehnen oder auf dem Sofa sitzen und darauf warten, dass ihr Training beginnt. Unter ihnen ist auch Claudia Kaiser, eine schlanke, beinahe zierlich wirkende, junge Frau. Aber der erste Eindruck täuscht. Kaiser, die derzeit im Fach Chemie an der TU Dresden promoviert, ist schlank, keine Frage. Aber zierlich ist sie nicht. Der sichere Gang und die kräftigen Oberarme verraten zudem, dass sie genau weiß, was sie tut.

Seit 2007 trainiert sie nun schon in der Kampfsportakademie Kickboxen und ist schnell vom einfachen Training zum Wettkampfbetrieb gewechselt. „Ich habe einen Ausgleich neben dem Studium und der Arbeit gesucht“, erzählt Kaiser. Hat sie in ihrer Jugend Geräteturnen als Leistungssport betrieben, widmet sie sich in ihrer wenigen Freizeit nun intensiv dem Kickboxen, um genau zu sein dem Leichtkontakt. „Das heißt vier bis sechs Mal die Woche für anderthalb Stunden trainieren“, erzählt Kaiser. Durchhaltevermögen ist da ebenso gefragt wie eiserne Disziplin. Doch der Teamzusammenhalt stimmt und motiviert. „Bei uns trainieren Schüler, Lehrlinge, Studenten, Bauarbeiter und Büroangestellte. Das Spektrum ist riesig“, meint Kaiser. „Nur ein paar mehr Frauen könnten es sein, gerade für den Wettkampfbetrieb.“

Nach der Erwärmung bauen sich die Leichtkontakt-Kämpfer vor dem Spiegel auf und treiben ihren Puls mit etwas Schattenboxen nach oben. Konzentriert und präzise werden die Schläge und Tritte ausgeführt. Plötzlich kommt Schwung ins Training. Coach Alexander Irmschler gibt die Anweisung, dass es jetzt in den Ring geht. Sicherheit ist wichtig, deswegen darf der Kopfschutz dabei nicht fehlen. Während das Training bisher eher harmlos wirkte, geht es im Ring schlagartig zur Sache. Schnelle Kicks und Schläge wechseln sich ab. Und mittendrin die 60-Kilo-Frau Claudia Kaiser.

Konzentriert baut sie ihren Angriff auf. Ihr Gegner pariert. Irmschler gibt Anweisungen von der Ringecke: „Nicht schieben! Aktiv angreifen!“ Selbst nur beim Zusehen rauscht einem das Adrenalin durch den Körper. „Aber mit einer Schlägerei hat das nichts zu tun“, sagt Kaiser. „Es geht um Disziplin, technisches Können, Taktik und Kondition.“

Netzinfos: http://www.kampfsport-akademie.de

Zum Foto: Claudia Kaiser promoviert und betreibt nebenbei Kampfsport.

Foto: Amac Garbe

Dreizehn Jahre gesund gefiebert

Die Künstler des XIII. SchaubudenSommers freuen sich auf rauschende Feste

Nur hier: Die Geschichte hinter dem Bild …

Von Christiane Nevoigt

„Im Sommer 2000 rannte ich schwanger über den Platz und schrie: Tschaikowsky ist tot.“

So lebhaft erinnert sich Anna Maria Scholz alias ANNAMATEUR an ihren ersten SchaubudenSommer. Seitdem ist sie von diesem Platz nicht mehr wegzudenken.

Heute geht es in ihren Aufführungen um „Amseln, Ritalin, Schlachteplatte, Stalker, Amokbaden, Konfetti“. Und das ist nur ein Bruchteil der Verrücktheiten, die sie in ihrem Schaubuden-Programm „Worst Case Scenario“ (18. bis 21.7.2010) zusammen mit der Schweizer Band PUTSMARIE unterbringen will. Der Rest wird ihr wieder einfallen, spätestens wenn sie auf der Bühne ihres Lieblingsfestivals steht, das gleichzeitig die Geburtsstätte von ANNAMATEUR ist. Und von solch naturgewachsener Kreativität ist auch ihre Arbeit durchzogen. Von Reizüberflutung über Mutter Blamage bis Orakelmateur – „was auf der Bühne rüberkommt, ist immer gesund“. Und damit meint sie „die Sau rauszulassen“.

Denn der SchaubudenSommer lebt vom kreativen Fieber seiner Künstler, vom Puls ihrer Auftritte und von den Verrücktheiten, die ihnen einfallen. So erklärt auch Heiki Ikkola die Festivalatmosphäre. Die Schaubudler schätzen „das Schmutzige unterm Fingernagel und die Publikumsnähe, die Herausforderung, dreimal am Abend ‚ran‘ zu müssen, den Rauschzustand, der sich irgendwann ganz unweigerlich einstellt.“

Er selbst fühlt sich dann nicht nur als künstlerischer Leiter, sondern als Teil der DRAMATEN, die in diesem Jahr die Turnhalle (siehe Print, Seite 10) mit der kaleidoskopartigen Performance „Stars’n’Spikes“ (15. bis 24.7.2010) aus literarischen Geschichten und Bildern füllen werden. Nur als Organisator könne er sich die Arbeit an den Budentagen zwar vorstellen, dann würde es ihn aber sicher bald rappeln und er müsste wieder was spielen.

Und genauso leidenschaftlich öffnen die Macher die Festivaltore für neue Kabarettisten, Musiker, Theaterspieler und alle anderen Kulturexhibitionisten wie auch BRIDGE MARKLAND. Die Berliner Kabarettistin, Autorin und Verwandlungskünstlerin ist zum ersten Mal dabei. Zusammen mit der Saxophonistin Nikola Lutz spielt sie Klartext im Programm „Let’s talk about Sex“ (23. bis 25.7.2010). „Ich verwandle mich von Frau zu Mann, von Mann zu Drag Queen, in undefinierte Wesen. Ich lese erotische Kurzgeschichten, spreche zweisprachige Gedichte, füttere lasziv und erotisch Obst ans Publikum, tanze auf ihrem Schoß.“

Ungenierte Begeisterung für ein kribbelndes Programm spielen das Duo wie auch alle anderen Künstler damit nicht nur dem Publikum zu, sondern lassen es erwartungsvoll und ganz natürlich über den Platz schwirren. Vermutlich ein weiterer Grund, warum ANNAMATEUR den Worst Case nur noch auf der Bühne probt.

Zum Foto: Die Kabarettistin ANNAMATEUR animiert beim SchaubudenSommer Verrücktes auf ganz natürliche Weise.

Foto: Amac Garbe

Uneigennützige Filmkunst

Nahaufnahme: Die Studentin Nicole Neuber will Programmkino mit jedermann teilen

Es fragte nach: Antje Meier

Nicole Neuber sorgt dafür, dass Kino „im Elbland auch außerhalb von Dresden erlebbar wird“.

Gemeinsam mit 14 anderen Mitgliedern zwischen 22 und 80 Jahren engagiert sich die 22-jährige Studentin aus Radebeul ehrenamtlich im Verein „ProjektKino Weinböhla“. Für sie gibt es zwei feste Termine im Jahr: das Sommernachtskino (30. Juli bis 14. August 2010, „ad rem“ berichtete) und das Coswiger Filmfestival „Im Rausch“ im Februar, über das sie zum Verein kam. „Ich bin zuständig für die Koordination und die gesamte Organisation des Sommernachtskinos und des Festivals ,Im Rausch‘, angefangen von der Bestellung der Filme, Angebote einholen, Zuarbeiten an unseren Grafiker, zum Teil Pressearbeit und was sonst alles noch so anfällt.“ Was Nicole Neuber daran und am Kino fasziniert, lest Ihr in der „Nahaufnahme“.

1. Buch oder Film?

Man mag es kaum glauben, aber ich tendiere trotz meiner Freizeitaktivitäten zum Buch. Vor mir ist kein Buch sicher, aber Buchverfilmungen sind dann doch immer interessant, inwieweit die Inhalte und meine Vorstellungen umgesetzt werden.

2. Was studierst Du wo in welchem Semester?

Ich studiere an der Berufsakademie Riesa Sportmanagement und Eventmarketing im letzten (also sechsten) Semester und schreibe hier gerade meine Diplomarbeit.

3. Seit wann engagierst Du Dich für das ProjektKino Weinböhla?

Zum ProjektKino Weinböhla bin ich in der 12. Klasse durch das damals erstmalig stattfindende Winterfestival „Im Rausch“ am Gymnasium Coswig vor fünf Jahren gekommen.

4. Was fasziniert Dich am Medium Kino?

Wie mit mehr oder weniger Aufwand, Musik und Schauspielern bewegte Bilder erzeugt werden, die einen nachhaltig prägen, beschäftigen und berühren können.

5. Wenn Dein Leben verfilmt werden sollte, welcher Schauspieler sollte Dich dann spielen und welchen Titel hätte dieser Film?

Hmm … äußerst schwierig! Als Schauspielerin würde ich Markéta Irglová wählen, da sie sehr natürlich und zurückhaltend ist und eben doch keine richtige Schauspielerin. Titel: Une fois – Einmal.

6. Welchen Film sollte unbedingt jeder mal gesehen haben?

Da gibt es so einige, daher muss ich den Film nehmen, der mich als letztes fasziniert hat, sonst wäre diese Liste endlos – A Single Man!

Netzinfos: http://www.projektkino-weinboehla.de

Zum Foto: Nicole Neuber liebt Kino, aber viel mehr noch, es mit anderen zu teilen.

Foto: Amac Garbe

Die Suche nach den inneren Bildern

Die Theatergruppe des Stadtteilhauses Äußere Neustadt auf der Reise in sich selbst

Von Anne Gerber

„Zwischen Innen und Außen. Ein Bildertheater“ ist alles andere als konventionelles Schauspiel. Das galt schon für die Proben.

Ulrike Krink lacht, wenn sie an die Proben des offenen Theaterprojekts im Stadtteilhaus denkt: „Es war wie eine kostenlose Therapiestunde jede Woche.“

Mit elf weiteren Amateur-Schauspielern entwickelte die TU-Studentin der Kommunikationswissenschaft, Romanistik und Anglistik seit November unter der Leitung von Diplom-Theaterpädagoge Christian Schmidt ein „poetisches Bildertheater“. Ihre Mitstreiterin Inga Zempel, kurz vor dem Abschluss ihres Law-in-Context-Studiums stehend, erklärt: „Wir haben uns auf die Suche gemacht nach Bildern und Eindrücken, die uns im Alltag beeinflussen, allerdings weniger unter politischem oder gesellschaftskritischem, sondern eher zwischenmenschlichem Aspekt.“ Für die beiden Darstellerinnen, die sich schon an der „bühne“ der TU Dresden in den Schauspielkursen ausprobierten, war es dennoch eine neue Erfahrung, gleichzeitig als Autoren, Regisseure und Dramaturgen ihre ganz persönlichen Szenen zu gestalten. Sogar für Kostüm, Bühnenbild und PR-Arbeit war die bunte Truppe selbst zuständig.

Aus der seelischen Bilderpalette wurden schließlich 19 Episoden ausgewählt, um sie der Öffentlichkeit vorzustellen – thematisch gebündelt in dem vagen Rahmen „Lebenslauf“. „Wir wollen nicht zu viel über die einzelnen Bilder verraten, denn sie sind sehr assoziativ. Selbst wenn wir sie sehen, denkt jeder etwas anderes und es ist wichtig, dass jeder seine eigenen Empfindungen einbringt“, deutet Krink an. Ein Sammelsurium an Klangkörpern von Digeridoo über Daumenklavier und Fotoapparat zu Vogelkäfig sorgt dabei statt großer Worte für die passende Atmosphäre des experimentellen Abends.

Zum Foto: Ulrike Krink, Inga Zempel und Lisanne Jeschke machen Neustadt-Theater.

Foto: Amac Garbe

Kurzurlaub mit guter Musik

Passend zum Strahlewetter lädt das „la pampa“-Festival zum dritten Mal nach Görlitz

Von Isabelle Starruß

Sommer, Sonne und die passende Musik: Das „la pampa“ lockt drei Tage mit musikumgarnter Wohlfühlatmosphäre.

Am Wochenende (9. bis 11. Juli 2010) ist es wieder soweit: Mehr als 40 Acts spielen auf dem wohl gemütlichsten deutschen Festival im Freibad Hagenwerder in Görlitz auf.

Auf zwei wechselseitig bespielten Bühnen sowie einer kleinen Auftrittsplattform am See, die tagsüber für Akustik- und in den Abendstunden für DJ-Klänge sorgt, werden reichlich Alternativen geboten. Jedoch ohne, dass der Besucher etwas verpassen muss. „Musik soll keine Fast-Food-Ware sein“, erklärt Kai Grebasch, Mitorganisator des „la pampa“. Genau deshalb lautete die Philosophie von Anfang an: „Festival ist Kurzurlaub mit guter Musik“. „Im Urlaub will ich mich wohl fühlen, Atmosphäre genießen, Spaß haben“, weiß Grebasch, und so sollten beim pampa auch möglichst viele Stressfaktoren vermieden werden, um das vielfältige Line-Up vollends genießen zu können.

Dieses Jahr sind unter anderen TOCOTRONIC, GET WELL SOON und WHO MADE WHO mit am Start. „Die richtige Mischung aus bekannten Headlinern und spannenden Neuentdeckungen ist der Schlüssel zum Erfolg“, weiß Grebasch, der wie alle Organisatoren und Helfer ehrenamtlich am „la pampa“ mitarbeitet. Auch Roman Schwarz, der nicht nur seit 2008 hinter der Bühne mitorganisiert, sondern auch als Schlagzeuger der dreiköpfigen Dresdner Postrock-Band THE FRIENDLINESS IS GOING HAPPY nun bereits das dritte Jahr in Folge mit auf der Bühne steht, weiß um das Besondere des Festivals: „Auf dem pampa zu spielen ist daher so schön, weil man ganz selten mit so vielen Freunden in einer so schönen Umgebung zusammen ist.“ Und dann sind da noch die ganzen persönlichen Highlights der Besucher. „Am schönsten ist es, wenn ein Besucher wegen zwei Bands den Weg in die Pampa antritt – und mit vier neuen Lieblingsbands wieder nach Hause fährt“, sagt Grebasch, der Geschichte und Anglistik studiert hat und in Görlitz berufstätig ist.

Auch abseits der Musik schaffen eine Schwimmbar auf dem See, ein Volleyballturnier, ein Open-Air-Kino sowie spannende Lichtinstallationen am Abend die richtige pampa-typische Wohlfühlatmosphäre rund um den Badesee. Und das Festival erfreut sich wachsender Beliebtheit: Bereits 2009 kamen doppelt so viele Besucher wie im Vorjahr. Doch bei 2 500 Besuchern ist leider Schluss. Drum beeile sich, wer noch kein Ticket ergattert hat! („ad rem“ verlost Freikarten, siehe ABSAHNEN 19.2010)

Zum Foto: Auch Roman Schwarz ist mit seiner Band bereits zum dritten Mal beim „la pampa“ dabei.

Foto: Amac Garbe

Raus aus der trockenen Uni

Freibäder im Überblick: Ihr habt die Wahl, wie Ihr den Sommer genießen wollt

Nur hier: Die Geschichte hinter dem Bild …

Von Matthias Schöne

Sportlich aktiv oder entspannt genießen? In Dresden und Umgebung gibt’s für jeden die passende Ablenkung vom Unistress.

Für Sportler

Beachvolleyball ist seit Jahren äußerst populär. Dementsprechend hat fast jedes Freibad in Dresden und Umgebung eines oder mehrere Beachfelder zu bieten. Leider erhalten Studenten für die Dresdner Bäder keine Ermäßigung, für die Bäder Wostra und Cossebaude muss man daher jeweils 3,50 Euro, für das Georg-Arnold-Bad sogar stolze 9 Euro pro Tag berappen.

Als gute Alternative bietet sich das Freitaler Bad „Zacke“ an, etwa acht Kilometer von Dresdens Stadtmitte entfernt. Die drei Beachvolleyballfelder werden auch von Vereinsspielern genutzt und sind daher gut gepflegt. Studenten zahlen nur zwei Euro für die ermäßigte Tageskarte. Außerdem kann man für 10 bzw. 11 Euro pro Stunde Tennis- und Badmintonplätze mieten, kostenlos die Tischtennisplatten nutzen oder auf dem Fußballplatz bolzen.

Etwas weiter liegt der Badesee Coswig-Kötitz entfernt. Auch hier findet man drei hervorragende Beachvolleyballfelder. Der See lädt zum ausgiebigen Schwimmen ein und im Abendtarif kostet der Eintritt nur schlappe 80 Cent.

Wer nicht unbedingt viel Wasser zum Abkühlen nach dem schweißtreibenden Spiel braucht, dem ist der Dresdner Stadtstrand Citybeach an der Leipziger Straße zu empfehlen. Hier gibt es acht gute Plätze für Beachvolleyball, allerdings kostet die Stunde happige 15 Euro. Die Tischtennisplatte und der Tischkicker sind dafür kostenfrei. Als Alternative bietet sich das Volleyballfeld daneben am Dresdner Purobeach an, ganz kostenfrei, sieht man von den teuren Getränkepreisen ab.

Für Genießer

Wer es ruhiger mag, dem sind die beiden Bäder Wostra im Dresdner Stadtteil Zschieren zu empfehlen. Dabei gibt es eine Variante für Nackedeis mit dem FKK-Badesee und ein Freibad mit fast 1 000 Quadratmetern Wasserfläche. Die großen Liegewiesen laden zum Entspannen, Quatschen oder Kubbspielen ein. Viele Laubbäume bieten reichlich Schatten. Für Studenten mit Kind und Kegel bietet das Naturbad Mockritz viele Spielmöglichkeiten, eine Breitrutsche und ein Planschbecken für die Kleinen, während sich die Eltern entspannt zurücklehnen können.

Ein Geheimtipp ist die naturnahe Kiesgrube Pratzschwitz, bei Pirna gelegen, ein schöner, großer Badesee mit tollen Liegewiesen und herrlich kühlem Wasser. Man zahlt nur für das Auto Parkgebühren, ansonsten ist das Vergnügen kostenfrei. Luxuriöser geht es wieder am Purobeach zu. Die Preise sind hoch, aber die bequemen Ledersofas, die geschmackvolle Chillout-Musik und der stilvolle Pool sind jeden Cent wert. An Puro- und Citybeach an der Leipziger Straße finden Tanzwütige außerdem beinahe täglich Partys und Konzerte.

Zu den Fotos: Sonnenbaden ist wie Kurzurlauben – nur um die Ecke.

Foto 1: Amac Garbe

Foto 2: Toni Klemm

UMLANDPLANSCHEN.

Zittau

  • Freitzeit-Oase am Olbersdorfer See (Zum See): Nicht nur Biergarten und Restaurant, sondern auch ein pekuniär freundlich gestimmter Campingplatz (sechs Euro je Übernachtung) samt Surfschule (75 Euro) warten auf Badespaßler und spontane Kurzurlauber. Baden und Beachvolleyball gibt es für lau. Netzinfos: http://www.olbersdorfer-see.com
  • Trixi-Park (Jonsdorfer Straße 40): Das Waldstrandbad mit angeschlossenem Ferienpark mitten im Zittauer Gebirge öffnet jeden Tag von 10 bis 18 Uhr für 1,50 Euro – in den sächsischen Sommerferien sogar von 9 bis 20 Uhr. Danach geht es munter weiter, denn das Freizeitbad lädt von Sonntag bis Mittwoch (13 bis 21 Uhr) und am Wochenende (13 bis 23 Uhr) in die Sauna. Die Tageskarte kostet 12,50 Euro, der Dreistundentarif ist für 11 Euro zu haben. Netzinfos: http://www.trixi-park.de

Görlitz

  • Freibad Hagenwerder: An der alten B 99 gelegen, ist es mit der Stadtbuslinie E (Weinhübel) zu erreichen. Von 9 bis 20 Uhr warten Schwimmfreuden für 2,50 Euro pro Tageskarte auf Euch. Ab 16 Uhr sind gar nur noch zwei Euro zu berappen. Außerdem erwachen hier das „La Pampa Festival“ (9. bis 11. Juli) und das „House of Summer“ (20. bis 22. August) zum Leben. Mit Zeltplatz, Volleyball, Tischtennis, Schach, Kahnfahren, Klettern und Angeln bleibt kein Sportfan unbedient.

Lasst uns doch spielen – Aktivitäten beim Freibaden

Von Jana Feistel

Die Sonne ruft ihre Anhänger in die Freibäder zur Erfrischung im kühlen Nass. Doch war das schon alles? Hier ein paar Spielvorschläge für Zwischendurch.

Sportlich

Bewegung bieten die klassischen Freibadaktivitäten wie Volleyball, Federball und Frisbee. In vielen Freibädern stehen Volleyballfelder zur freien Verfügung. Eine Alternative zu den überkommenen Sportvarianten bieten Speedminton und Beachrugby, letzteres leicht mit einem Volleyballfeld umzusetzen. Wer das Rugbyspiel unter professioneller Anleitung erfahren will, hat jeden Freitag (18 Uhr) die Chance in der Stadtoase unterhalb der Marienbrücke. Bei allen Aktivitäten gilt aber Rücksicht auf andere Sonnenanbeter zu nehmen, die im Weg liegen könnten.

Ohne Schwitzen

Weniger schweißtreibende Beschäftigung bietet das Trendspiel Kubb, bei dem, ähnlich den beiden Kugelspielen Boccia oder Boule, zwei Mannschaften mit Wurfhölzern versuchen, die gegnerischen Spielsteine umzuwerfen.

Sitzend

Eine lustige Spielalternative für Bewegungsmuffel bietet Mensch-ärgere-dich-nicht als Handtuchdruck mit großen Spielsteinen – ideal für windige Tage am See. Und denen, die sich partout nicht bewegen wollen, bleibt ja immer noch das Sonnenbaden – ganz gediegen mit Studienlektüre in der Hand.

Zum Foto: Spannung, Spiel oder Spaß? Hauptsache draußen sonnen!

Foto: Toni Klemm

Ölverschmiertes Paradies

Dresdner Kunststudenten zeigen sich verspielt, frech und ernst in der alten Tankstelle

Von Jana Schäfer

Die Ausstellung ROZ 91 verbindet sich unter anderem mit der Ortsgeschichte der „Runden Ecke“ des riesa efau.

ROZ 91 ist ein Motorenbenzin. Der Titel der Ausstellung verweist somit auf die Geschichte der „Runden Ecke“ des riesa efau als ehemalige Tankstelle. Doch wenn überhaupt, setzen sich die Werke der Kunststudenten nur indirekt mit der Vergangenheit des Ortes auseinander. So ist das Öl ein wichtiges Thema, wie ein schwarzer Fleck in der Mitte des Raumes beweist. Justus Bräutigam, Student der Malerei und Grafik an der HfBK Dresden, fragt: „Ist das Öl?“. Nur er weiß um den Inhalt der schwarzen Flüssigkeit, die er während der Arbeitswoche auf den Boden ausgekippt und in eine Form gebracht hat. Sein Versuch, den Fleck nach seinem Wunsch zu formen, wird zum paradoxen Unterfangen, als ihm klar wird, wie wenig Kontrolle er über den Fließverlauf hat. Trotzdem ist Bräutigam mit seiner Arbeit zufrieden: Von der Quelle her breitet sich die schwarze Flüssigkeit aus, bis sie in einem Abfluss versickert.

Bedrohlicher, dunkler Fleck – unheimlich wie die Auswirkungen der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko? So düster möchte es Bräutigam nicht immer sehen. Für ihn ist es „Malerei auf dem Boden einer alten Tankstelle“, worüber eine leichte Ironie-Note schwebt. Jakob Flohe studiert freie Kunst und setzt sich in seinen beiden Fensterbildern mit minimalistischen Strukturen auseinander.

Flohe möchte Musik und Bewegung auf abstrakte Art vermitteln. Eine Kleinmädchenstimme liest Zitate aus dem Tagebuch eines französischen Missionars des 16. Jahrhunderts. Visuell begleitet wird die kindlich unschuldige Stimme durch eine animierte Collage aus Fotos und Naturzeichnungen von Anita Müller. Die Studentin der freien Kunst zeigt Naturfantasien: „Ein Ideal, was gar nicht so existiert.“ Ureinwohner und Tiere werden brutal von den Eindringlingen unterworfen. „Was wird mit unseren Werten und Vorstellungen, wenn sie uns andere aufdrängen wollen?“, fragt Müller. Die dargebotene Vielfalt, ist bis zum 9. Juli 2010 zu sehen.

Zum Foto: Die Studenten Justus Bräutigam (rechts) und Jakob Flohe begutachten die runde Ecke.

Foto: Amac Garbe

Artikulationsversuche

Die Experimentierplattform „A-Versuch“ der bühne der TU Dresden ist offen für alle

Von Christina Dietze

Die beiden Studentinnen Elise Schobeß und Berit Toepfer dramatisieren ihre Silversteridee als eigenes Werk auf großer Bühne.

Ob es so schlimm wäre, sich zu verlieben?“ fragt er sie. Das größtenteils studentische Publikum schaut gebannt zur Bühne im Theaterhaus Rudi, eine der Ausweichbühnen, seitdem der bühne-Spielort im Weberbau auf der Teplitzer Straße saniert wird. Restlos ausverkauft. Irgendwo fanden sich noch Extrastühle, um auch die letzten Zuschauer platzieren zu können.

Die Premiere im Juni des Artikulationsversuchs 05/10 „J&J“ der Studentinnen der TU Dresden Elise Schobeß und Berit Toepfer hätte nicht besser besucht sein können. Hinter dem Titel „J&J“ verbirgt sich ein Theaterkurzstück um Jorinde und Joringel. Ein modernes Märchen um ein Liebespaar, das nicht zueinander finden kann, weil verflixt nochmal immer etwas dazwischen kommt. Es könnte so einfach sein, wäre da nicht das Kopfchaos, die endlose Fragerei: Welche Welt ist eigentlich echt? Die verwandelte Jorinde (Shirin Dyanat) im Film oder die am Bühnenrand Singende. Mein Vöglein mit dem Ringlein rot singt/ Leide, Leide, Leide. Joringel (Lorenz Köhler) wacht einsam auf der Bühne. Kann er sich nicht einfach mal verlieben?

Realität und Wirklichkeit verschwimmen mehr und mehr. Gewollt. Und gekonnt. Ein A-Versuch, der tosenden Applaus erhält und dennoch einige kopflos in die Abendsonne entlässt. Es ist eben ein Versuch.

Die Idee dazu kam der „Produktionsgemeinschaft Schobeß/Toepfer“ in der Silvesternacht und wurde innerhalb von wenigen Wochen als Artikulationsversuch, kurz A-Versuch, der bühne aufbereitet. Die Experimentierplattform „A-Versuch“ entwickelte sich einst aus den szenischen Lesungen der bühne heraus und bietet Studenten aller Fachrichtungen die Möglichkeit, einen dramatischen Text zu bearbeiten, bei dem auch auf Kostüme und Bühnenbild zurückgegriffen werden kann, was für pure szenische Lesungen eher unüblich ist. Es kann gelesen und gespielt werden – den Möglichkeiten sind keine Grenzen gesetzt.

Regisseurin Berit Toepfer: „Schritt für Schritt trugen wir anfangs Ideen zusammen und überlegten uns die Konzeption der Szenen.“ Zwar gab Carola Unser, die künstlerische Leiterin der bühne, den zwei Studentinnen wichtige Impulse und dramaturgischen Rat, aber letztendlich wuchsen die sechs Szenen nach eigenen Vorstellungen. „Wir wollten eine Symbiose aus Theater und Musik schaffen, die die Musiker in das Stück schauspielerisch integriert“, erzählt Schobeß.

Unter Einsatz von Klavier, Horn, Zither, Djembe und einem Elektropult gelang den beiden ein musikalisches Experiment, das den Zuschauer sofort in seine Märchenwelt absorbiert. Experiment geglückt. Das Publikum darf sich noch zweimal vom Stück überzeugen, dann kommt schon ein neuer A-Versuch aus der Ideenmaschinerie bühne.

Übrigens: Ulrich Schwarz, wunderlicher und monierender Erzähler im Stück, heute Künstlerischer Leiter der Theatergruppe Spielbrett, war von 1975 bis 1983 Künstlerischer Leiter der bühne. Urgestein-Bonus!

Netzinfos: http://www.die-buehne.net

Zum Foto: Die Studentinnen Berit Toepfer und Elise Schobeß artikulieren erfolgreich ihren silvestralen Geistesblitz im Dresdner Theaterhaus Rudi. Das eigene Quartier der TU-bühne im Victor-Klemperer-Saal im Gebäude am Weberplatz ist derzeit eingerüstet.

Foto: Amac Garbe

Nachts in der Kulturbar

Diesmal im „ad rem“-Clubtest: der multikulturelle Dresdner Club New Feeling

Von Christiane Nevoigt

Der Studentenclub New Feeling feiert jede Woche internationale Lebensfreude mit Cocktails, Hüftschwung, Palmen und Musik.

Denn anders als die Programme einiger anderer Dresdner Bars bringt der rollende WM-Ball das Clubleben hier nicht zum Erliegen. Mit dem Abpfiff des Spiels taucht die tropische Kulisse hinter dem Beamerbild farbenfroh wieder auf und bleibt bis in die rosarot beleuchtete Damentoilette fühlbar. Fast möchte man die Zeitzonen überprüfen, füllen sich wochentags gegen Mitternacht der Chillout-Bereich und die Barräume.

Die Südseeatmosphäre zeigt sich dennoch spartanisch. Verständlich, soll doch der große Clubraum ungehindert zum Tanzen einladen. Die gewohnt studentischen Brettspiele und Dartscheiben sucht man hier vergebens. „Ob Karten oder Spiele, wir haben alles ausprobiert. Nichts hat funktioniert. Party funktioniert“, sagt Amine Aitlachgar, letztes ursprüngliches Gründungsmitglied des Clubs.

Seither dienen der Freitag und einige Donnerstage zum regelmäßigen Tanzbeinschwingen, immer unter einem anderen internationalen Banner. Dass das kein Zufall ist, erklärt die Clubidee. „Wir sind zur Zeit 15 Mitglieder aus mindestens zehn Nationen und wollen auch deswegen auf ausländische Studenten zugehen“, weiß der Student der Wirtschaftsinformatik, der selbst aus Marokko kommt.

Dass Party und Temperament hier Hand in Hand gehen, merkt man. Dafür muss man nicht dreisprachig aufgewachsen sein, aber zumindest ein bisschen Rhythmusgefühl haben. Denn sitzen scheint hier ein Fremdwort zu sein. Nicht nur für die frisch angelernten, ausländischen Barkeeperinnen, die äußerst bemüht sind, selbst übersetzungsschwierige Wünsche zu erfüllen. Schließlich dient vielmehr genau das dem unbeschwerten Miteinander. Die internationale House Music und Black Music der DJs – denn für Konzerte fehlt dem Club der Platz – vollführt dazu ihr Übriges und übertönt dann doch die anfänglichen Hemmschwellen.

Neben clubeigenem Cocktail und Tanzthemen ist auch die Erasmus-Party eine besondere Spezialität, die alle Studenten nach internationaler Manier am Freitag (2.7.2010, 22 Uhr) zum Semesterabschluss lädt.

Zum Foto: Amine Aitlachgar (vorne) mit Clubmitgliedern Slava Dillmann und Ramzi Chaouch.

Foto: Amac Garbe

NEWFEELINGINFOS.

  • Wo? Budapester Straße 24
  • Wie? Bahnlinien 7 und 10 bis Budapester Straße, Buslinie 82 bis Schweizer Straße
  • Wann? Jeden Mittwoch ab 20 Uhr, Donnerstag ab 21 Uhr und Freitag ab 21.30 Uhr geöffnet.
  • Wieviel? Eintritt wird nur zu Partys erhoben und kann bis 2 Euro kosten. Bier ab 1,80 Euro, Wein ab 2,50 Euro, Cocktails ab 3,20 Euro.

Wenn die Bühne explodiert

Die studentische Theatergruppe Bühnamit inszeniert „Hexenjagd“

Noch mehr Theater? Oder doch lieber Kino?

Von Alexandra Niedermeier

Bühnamit – dieser Name ist wohl Programm, wenn die Theatergruppe aus Dresdner Studenten auf der Bühne steht.

Wie könnte man sonst die Tatsache beschreiben, dass sie in einer Kirche ein Stück über die perfiden Abgründe menschlichen Verhaltens und Vorwürfe von Hexerei im Amerika des 17. Jahrhunderts aufführen?

Seit 2006 zeigt die Theatergruppe, die sich aus einem Freundeskreis entwickelt hat, aber ständig erweitert jeden Sommer ein Stück und versucht dabei, es für alle zugänglich zu machen. „Wir wollen, dass man uns den Spaß, den wir beim Spielen haben, ansieht und dass sich die Begeisterung natürlich auch auf das Publikum überträgt“, erzählt Roman Matthes, der im achten Semester Mathematik und Physik auf Lehramt an der TU Dresden studiert und ein Teil von Bühnamit ist.

Ihr diesjähriges Stück, „Hexenjagd“ von Arthur Miller, soll ganz klassisch aufgeführt werden. Es soll den Zuschauer ins Salem des Jahres 1692 versetzen und beginnt damit, dass der örtliche Pastor einige Mädchen nackt im Wald tanzend auffindet. Brisant ist es vor allem dadurch, dass auch seine Tochter Abigail darunter ist. Nun spinnt sich ein Netz von Lügen, Intrigen und Gerichtsverhandlungen um die Mädchen, die durch ihr Verhalten andere Dorfbewohner in den Mittelpunkt des Verdachts der Teufelsanbetung und Hexerei ziehen und sich so als Unschuldslämmer darstellen. Die Folge des Geschehens ist die Hinrichtung eines Unschuldigen.

Dadurch, dass Bühnamit für ihre Auftritte keinen Eintritt verlangen, muss teilweise überlegt werden, worauf der Schwerpunkt gelegt wird. So wird die Bühne bei „Hexenjagd“ eher minimalistisch gehalten sein. „Dafür“, sagt Lehramtsstudent Matthes, „werden wir bei Kostüm und Spiel ausartend“.

Zum Foto: Roman Matthes, Anna Pachen und Johannes Wirsmann (v. l.) freuen sich schon auf Hexerei und Lügen.

Foto: Amac Garbe

Richtig hingehört

Klangwelten

Von Antje Meier

Nach den Augen beim GrenzArt-Festival und den Beinen beim Trikick-Turnier, sind vom 1. bis 11. Juli 2010 bei den Hörkunsttagen ObPhon nun die Ohren gefragt.

Örtlichkeit von ObPhon ist wieder das Werk IV (Friesestraße 12c) in Kirschau, wo früher Grobgarn hergestellt wurde. Auf dem Programm stehen „über 50 Künstler, 34 Klangräume und Installationen, 25 Hörspiele für Groß und Klein, 8 Konzerte, 5 mobile Klänge und Performances“ fasst Pressesprecherin Stephanie Werth zusammen. Dafür sollen „Stimmen, Töne und Geräusche mit Hilfe der akustischen Möglichkeiten der Aufführungsräume und -orte zu Erlebnissituationen gestaltet werden.“

Ein Highlight für Werth ist das „Speakers Gate“, eine Installation aus 350 recycelten Lautsprechern, dass das Wahrzeichen Kirschaus darstellen soll: Das Körsetor. Auch das Projekt „Sonntagskinder“ klingt vielversprechend: „Nur Sonntagskinder hören die Glocke unter Wasser, so sagt der Volksmund. In dieser Arbeit beschäftigt sich Helen Acosta Iglesias mit der Frage, wie man mit einer ,höheren Ebene‘ kommunizieren kann. Das Wasser, welches die Glocke vollständig bedeckt, wird zum Transportmittel dieser Kommunikation. Die Klanginstallation befindet sich in der Johanneskirche (Bautzener Straße) in Kirschau“, erzählt Werth.

Für die Kleinen empfiehlt Werth: „Hörspiele laufen für Kinder vom 2. bis 11. Juli 2010 jeweils von ca. 16:00 bis 17:00 Uhr. Mit dabei sind 12 Teile des Klassikers ,Die haarsträubenden Abenteuer des Detektivs Dick Dickson‘ (DDR 1962).“

Anders als beim GrenzArt-Festival und dem Trikick-Turnier muss ObArt diesmal Eintritt verlangen, auch wenn Stephanie Werth dies sehr bedauert: „Wie schon zum Performancefestival GrenzArt bekommen die Künstler auch zu ObPhon keine Honorare und, weil andere Fördergelder weggefallen sind, nicht einmal Fahrtkosten. Die Künstler verstehen sich allesamt als Raumpioniere. Sie wollen obART bei dessen Anliegen, zeitgenössische Klangkunst im Oberland zu präsentieren, unterstützen.“

Das volle Programm gibt’s unter www.obart.eu
Eintrittspreise:
Kinder bis einschl. 15 Jahre frei1. Juli: freiTageskarte Erwachsene ab 16 Jahre: 3 EuroFestivalkarte (berechtigt zum Besuch des Festivals 2.-11.Juli so oft man möchte/nicht Abendveranstaltungen): 20 EuroAbendkarte (bei gesonderten Abendveranstaltungen): 5 Euro

Zu den Fotos:

Foto 1: 350 Lautsprecher bilden das Körsetor.

Foto 2: Pressesprecherin Stephanie Werth im Werk IV.

Fotos: PR/Mike Salomon, Antje Meier

Folgt dem Ball zum Elbhangfest

Studentinnen aus Dresden und Plauen organisieren am Wochenende „WM Dorf“

Von Marleen Hollenbach

Am Elbhang ausgelassen feiern oder weiter im Fußballfieber bleiben und alle Spiele mitverfolgen?

Diese Frage muss sich beim 20. Elbhangfest am Wochenende (25. bis 27.6.2010) kein Besucher mehr stellen. Drei fußballbegeisterte Studentinnen aus Dresden und dem vogtländischen Plauen wollen die WM-Stimmung an die Elbe bringen und kreieren dafür ein ganzes „WM Dorf“.

„Wir wollen allen Jüngeren und auch Junggebliebenen einfach das geben, was schon lange auf dem Elbhangfest vermisst wurde“, erklärt Mitorganisatorin Manina Heim. Sie studiert BWL im 7. Semester in Plauen. Nicht nur Public Viewing steht auf dem Programm. Kickerturnier und Fußballrodeo stimmen alle Besucher des Dorfes auf die ersten Achtelfinalspiele ein. Die Gewinnernationen werden mit Party und Cocktails am Abend gefeiert. Hinter dem Motto „Folge dem Ball“ versteckt sich eine Überraschung, die noch geheim bleiben soll. Allerdings verrät Heim: „Wenn Ihr das Blaue Wunder betretet, werdet Ihr wissen, was wir meinen“. Also folgt dem Ball und kickt mit beim Turnier.

Netzinfos: http://www.kickerturnier.elbhangfest.de

Zum Foto: Noch parken hier Autos, bevor sie am Wochenende König Fußball weichen werden. Jorinde Unger, Manina Heim und Lisa Kunath (v. r. n. l.) laden zum Elbhangfest ins neue „WM Dorf“.

Foto: Amac Garbe

BRN im Bild

So sah die BRN 2010 aus

Zur BRN-Galerie

Von Susanne Magister

Hannes Holtermann, einer der subversiv Aktiven auf der Bunten Republik Neustadt, die vom 18. Bis 20. Juni 2010 das Stadtviertel in ein buntes und lautes Fest verwandelte (ad rem berichtete), hat mit seinem „Gehwagen“ einiges Kurioses, viel Zuspruch und vor allem eine überraschend verständnisvolle Polizei erlebt.

Jeder, der in dem „Gehwagen“ mitlaufen wollte, hatte zunächst einen Schein auszufüllen, da nach der Straßengehordnung jeder Geher im Besitz eines offiziellen Gehscheines sein muss. Dann ging es mit wechselnder, aber stets gut gefüllter Besetzung in dem Holzgestell auf mindestens zehn und bis zu 16 Beinen los durch das Gedränge der Neustadt.

Hannes Holtermann erzählt von seinen Erlebnissen: „Gleich auf dem Weg zur Talstraße, auf dem Prießnitzgrund, wurden wird von zwei Polizistinnen angehalten. Sie waren total begeistert von unserer Idee und wir haben uns darüber unterhalten. Als ein Autofahrer seine Unmut über unseren Wagen oder seine Wartezeit hinter uns (wir waren ja recht breit) Luft machte, sagte die Polizisten nur trocken: „Der kann warten!“

Überraschenderweise kann er bilanzieren: „Wir sind meist schneller über die BRN gekommen als ein normaler Fußgänger.“ Nach einem ‚Gehschaden‘ aufgrund eines gelösten Anschnallgurtes, der schnell behoben werden konnte, ging es weiter, wobei wieder eine der vielen Polizeisperren an den Zufahrtsstraßen der Äußeren Neustadt eine weitere Anekdote einbrachte: „Als wir in die Görlitzer Str. eingingen, wurden wir von der Polizei darauf hingewiesen, das Autos hier verboten seien. Zum Glück waren wir nur ein „Gehwagen“, das ließen die Beamten durchgehen, aber sie wiesen uns mit einem Lächeln darauf hin, dass unser TÜV abgelaufen sei und wir Übergewicht hatten.“

Weitere Hindernisse konnten leicht überwunden werden: „Einige Mitmenschen lagen direkt in unserem Weg. Die haben wir einfach übergangen – da Gelände gängig. Falls es mal eng wurde habe ich die Megaphon-Sirene genutzt, da war schnell wieder Platz.“

Getreu ihres Mottos „Gemeinsam gehen statt einsam fahren!“ machten die Geher so mit viel Humor auf Dresdner Misstände für Fußgänger und Fahrradfahrer aufmerksam. Für das kommende Jahr überlegen sie, die Mitgehgemeinschaft weiter zu vergrößern und Routen über die BRN anzubieten.

Soviel zu der „Gehwagen“-Geschichte.

BRN-Rückblick in Kürze:

Das bunte Treiben zwischen Talstraße und Lutherplatz ließ besonders tagsüber ein wunderbares Flair und gute Laune aufkommen. Engagierte Studenten, quirlige Kinder und entspannte Eltern prägten hier das Bild zwischen Ständen voller Kitsch und Krempel, Spielspaß, Selbstgemachtem, Kritischem und Kulinarischem. Das offene Zirkuszelt auf der Talstraße bot abwechslungsreiches Programm (nicht nur) für Kinder.

Abends wurde es überall lauter, vor allem betrunkener. Jeder vernünftige Mensch mied das „Permudadreieck“ Alaun-, Louisen-, Görlitzerstraße – es sei denn, er wollte sich fremdschämen angesichts volltrunkener Proleten aus fernen Stadtteilen und schlimmsten Fanfarentechnos. Ebenfalls überfüllt, aber liebevoll gestaltet und bespielt von hausgemachter Musik war der „Lustgarten“, den man durch die Kneipe „Stilbruch“ erreichen konnte.

Fazit: Wer wusste, was er meiden und was er keinesfalls verpassen sollte, erlebte eine BRN voller entspannter Momente. Doch wehe dem, der an Blasenschwäche litt. Klos waren Mangelware – zum Leidwesen der Anwohner und deren Vorgärten.

Fotos: Susanne Magister/Lore Gerstenberger

Die echten Rocker sind fast ausgestorben

AC/DC versetzte das Dresdner Ostragehege am Sonntag Abend unter Hochspannung

Von Nadine Faust

Man sieht es ihnen an. Angus Youngs Wallemähne ist verdächtig dünn geworden, Brian Johnsons Stimme wird mit jedem Song kratziger. Die Herren sind in die Jahre gekommen. Immerhin haben sie schon 37 Jahre Bandgeschichte hinter sich gebracht.

Aber zunächst sollen die Vorbands „The New Black“ aus Deutschland und die Dänen von „Volbeat“ die Stimmung anheizen, wippende Füße sind zumindest in den hinteren Reihen kaum zu sehen. Von Ferne kann man bei Zehntausenden angereisten Fans aber Jubel direkt vor der riesigen Bühne ausmachen.

Überhaupt sieht der Rocker von heute hier anders aus. Lederjacken und -hosen sind Mangelware, von langen Haaren bei der leicht überrepräsentierten männlichen Fraktion ganz zu schweigen. Nur die gute, alte Jeansjacke hat den Weg vielfach zum Konzert gefunden. Die gerät richtig in Wallung, als gegen 21 Uhr der „Rock’n’Roll Train“ Einzug hält.

Als eine Glocke vom Bühnenhimmel heruntergelassen wird, lässt „Hells Bells“ nicht mehr lange auf sich warten. Neben Titeln vom aktuellen Album „Black Ice“ setzen die Australier hauptsächlich auf Altbekanntes und die tobende Menge dankt es barbusig. Nach Sonnenuntergang, 17 Songs sowie einer 15-minütigen Soloeinlage von Angus Young, setzen AC/DC zur Zugabe an und bringen die Menge auf den „Highway to Hell“. Gegen 23 Uhr endet das Spektakel mit einem kleinen Feuerwerk. Die Massen verlassen im zähem Strom das Gelände, geleitet von rot blinkenden Teufelshörnern und einer gigantischen Bühnenshow im Kopf.

Zum Foto: Hier noch ganz lieb, auf der Bühne dann später Tiere: die australischen Altrocker von AC/DC.

Foto: PR/Guido Karp

Kicken im Dreiländereck

Deutschland und Tschechien gewinnen beim Trikick-Auftakt

Zum Thema ein Beitrag bei DRadio Wissen

Von Antje Meier

Kein Abseits, keine Eckbälle und Minuspunktzählung. Der gestrige (19.6.2010) Trikick-Auftakt in Kirschau war schon etwas verwirrend – vor allem für die Spieler.

„Mit dem Anpfiff zum ersten Spiel war es für die Spieler schon eine Umstellung, dass nicht nur eine Mannschaft, sondern zwei auf ein gegnerisches Tor spielen“, erzählt Stephanie Werth, Pressesprecherin des Kirschauer ObArt-Kunstlabels ganz euphorisch. ObArt ist maßgeblich an der Umsetzung von Trikick beteiligt, denn dieses Sportereignis ist ein künstlerisches Projekt, das im Rahmen des GrenzArt-Festivals stattfindet. „Doch ohne die Fördergelder durch die Euroregion Neisse wäre das ganze nicht möglich gewesen“, so Werth weiter. „Für uns ist das ganze ein Nullprojekt. Wir machen dadurch keinen Gewinn. Aber es ist schön zu sehen, wie das ganze hier angenommen wird.“

Etwa 1200 Zuschauer kamen zu diesem Fußballspiel der besonderen Art und verfolgten ab 14.30 Uhr die zwei Spiele zwischen Deutschland, Tschechien und Polen, die jeweils dreimal 30 Minuten dauerten.

Das erste Spiel ging aus der Projekt-Partnerschaft im Rahmen der Förderung der Euroregion Neisse hervor und fand zwischen den Fußballvereinen der Gemeinden Kirschau (SV Großpostwitz-Kirschau), der tschechischen Gemeinde Špinlerův Mlyn (Miasta Špinlerův Mlyn) und der polnischen Gmina Podgôrzyn statt, wie Sophia Görlach, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit von Trickick., verrät. Dieses erste Spiel endete mit einem Sieg für Deutschland. Dabei erzielte die deutsche Mannschaft 2 Punkte, Polen -6 Punkte und Tschechien -8 Punkte.

„Für die Zusammenstellung der Mannschaften des zweiten Spieles tragen André Kohlschütter (Geschäftsführer Kreisverband Fußball Bautzen e.V.) und Ronny Gutte (Sportjugendkoordinator Sportbund Bautzen) die Verantwortung. André Kohlschütter stellte die Landkreisauswahl Bautzen zusammen und Ronny Gutte nutzte seine Kontakte zu tschechischen und polnischen Fußballvereinen.“, so Görlach. Es standen sich somit das Team des Kreises Jelenia Gora, das Team des Kreises Liberec und die Landkreisauswahl Bautzen gegenüber. In dieser Partie war Tschechien der haushohe Gewinner mit 7 Punkten im Gegensatz zu Deutschland mit -13 Punkten und Polen mit -23 Punkten.

Doch was haben die Minuspunke zu bedeuten? Ganz einfach. Schießt eine Mannschaft ein Tor, erhält diese einen Punkt und die beiden anderen Mansnchaften jeweils einen Minuspunkt. Damit solle verhindert werden, dass sich zwei Mannschaften gegen die dritte Mannschaft verbünden. Eine Verbrüderung war zwar nicht der Fall, doch die deutsche und tschechische Auswahlmannschaft erkannten im zweiten Spiel sehr schnell, dass das polnische Tor das schwächste war und schossen sich darauf ein.

Es bleibt also spannend, wie es mit dem Projekt Trikick weitergeht, wenn der Platz in Kirschau fertiggestellt sein wird (Baubeginn soll im September sein). Der Auftakt jedenfalls war ein voller Erfolg.

Zum Foto: Modell des Trikickfeldes. In Kirschau wurde zunächst auf einem Provisorium gespielt.

Foto: PR

Drei Buchstaben für ein Stadtteilfest

Die Bunte Republik Neustadt, kurz BRN, feiert Zwanzigjähriges

Von Susanne Magister

„Betrunken Reicht Nicht“ übersetzte eine Freundin einmal die vielsagenden Buchstaben für das Dresdner Fest, das die Bewohner eines Viertels drei Tage lang nicht zur Ruhe kommen lässt.

Das scheint in den letzten Jahren zum Haupt- wenn nicht gar zum einzigen Motto der BRN geworden zu sein. Könnte man angesichts der Besucherströme, die sich jährlich zwischen Alaun-, Louisen- und Görlitzer Straße durch Bier- und Fressstände kämpfen, meinen. Jene Partykruste ist wohl auch nicht mehr wegzubekommen, auch wenn die Kulturverantwortlichen einiger Neustadthäuser radikale Vorschläge ins Land schickten, die sogar die gänzliche Auflösung des Festes nicht ausschlossen.

Wer sich einmal die Geschichte der Neustadt-Republik und ihre Grundsätze à la „Das Ideal, die Zahl der Regierenden sei gleich der Zahl der Bürger, wird ernsthaft angestrebt“ anschaut, findet davon auf den ersten Blick tatsächlich denkbar wenig in der heutigen, kommerzialisierten Form.

Doch zum Glück gibt es einige Unbeugsame. Die trifft man vor allem tagsüber. Zum Beispiel in der kreativ-bunten Spielzone in der Talstraße. Oder am Samstag ab 10 Uhr beim Kuppturnier für Jedermann im Alaunpark. Auch der Martin-Luther-Platz verspricht wieder allerlei netten Schnickschnack, und auf der gleichnamigen Straße gibt’s wieder sonntägliches Straßenpicknick. Von der Unbeirrbarkeit der Neustadtbewohner der letzten zwanzig Jahre zeugt das zum Jubiläum eröffnende BRN-Museum auf der Prießnitzstraße.

Kein fester Ort lässt sich für ein Grüppchen Unbeirrbarer benennen, die die Idee der BRN mit einem „Gehwagen“ in die Köpfe der Menschen tragen wollen und dabei gleichzeitig Kritik üben. Initiator ist der 25-jährige Geografiestudent Hannes Holtermann. Ursprünglich wollte dieser einen festen Stand vor seiner Wohnung in der Neustadt anmelden. Dies sei in den letzten Jahren komplizierter, die Fristen strenger geworden, klagt er an. Um die zunehmende Kommerzialisierung des Festes anzuprangern und gleichzeitig auf Dresdner Probleme, wie mangelhafte Fahrradwege und alles zuparkende Autos hinzuweisen, basteln er und seine Mitstreiter einen seifenkistenähnlichen „Holzgehwagen“ von der Größe einer Limousine. Mit diesem wollen sie sich durch die Massen kämpfen und zur Diskussion anregen.

Holtermann fasst schließlich zusammen, was allen Engagierten gemeinsam sein dürfte: „Ich bin ein Gegner vom Schlechtreden. Wenn man etwas verändern will, muss man auch was anpacken.“ Und dazu hat die BRN noch viel Potential.

Netzinfos: http://www.dieneustadt.de sowie http://www.neustadt-ticker.de

Zum Foto: Geographiestudent Hannes Holtermann mit einem seiner ersten gesammelten „Fahrzeugteile“.

Foto: Amac Garbe

Kicken für ein buntes Dreiländereck

Die Fußball-WM kann einpacken: In Kirschau wird jetzt Dreifelderfußball gespielt

Von Antje Meier

Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 zeigte sich Deutschland seinen Gästen weltoffen. Für mehr Toleranz soll auch „Trikick“ sorgen.

Bereits vor vier Wochen belebte das „GrenzArt-Festival“ („ad rem“ berichtete) Kirschau und holt nun am Samstag (19.6.2010, 14 Uhr auf dem Sportplatz) erneut zu einem künstlerischen Innovationsschlag aus. Mit einem außergewöhnlichen Sportereignis, das durch die Euro-Neiße-Region gefördert wird, könnte die künftige Fußballwelt auf den Kopf gestellt werden. Denn im Gegensatz zum normalen Fußballspiel stehen sich beim Trikick drei Mannschaften gleichzeitig auf dem Spielfeld gegenüber. Es gibt also drei Mannschaften, drei Tore, aber trotzdem nur einen Ball.

Der Leipziger Künstler Sandro Porcu, der nun nach Kirschau zieht, hatte die Idee und ließ sie sich jetzt sogar patentieren: „Trikick hat das Potential, wirklich etwas Eigenständiges zu werden, und vielleicht wird sogar eine Sportart daraus.“ Dabei ist Porcu eigentlich gar kein großer Fußballfan, wie er lachend zugibt. Ihm ginge

es vielmehr um den symbolischen Charakter hinter diesem Sport: „Fußball verbindet“ und dies sei im Dreiländereck dringend notwendig. Denn in Gesprächen stellte er fest, dass die Menschen in der Grenzregion ein negatives Bild von den tschechischen und polnischen Nachbarn haben. „Ich komme ursprünglich aus Italien, und wenn ich mir da das Dreiländereck in Südtirol anschaue: In dieser Grenzregion werden drei Sprachen gesprochen und es herrscht ein reges Miteinander. Hier im Dreiländereck gibt es das nicht. Es wirkt hier fast wie in einem Dornröschenschlaf.“

Aus diesem Schlaf hofft Porcu die Menschen aufzuwecken, wenn deutsche, polnische und tschechische Auswahlmannschaften im Trikick-Turnier gegeneinander antreten. „Ich möchte völkerverbindend arbeiten

und das Miteinander, das ,Wir‘-Gefühl fördern. ,Wir‘ hat auch drei Buchstaben und darum geht es eigentlich.“ Größte Hürde sind dabei bislang die Regeln, die bis zum Samstag noch auf der Homepage zur Diskussion gestellt sind. Wahrscheinlich entfallen Abseitsregel und Eckbälle. Fliegende Auswechslungen sind geplant und gespielt wird dreimal 30 Minuten mit jeweils sieben Spielern pro Mannschaft „Es wird ein sehr schnelles Spiel sein, und wichtig ist, dass sich die Mannschaften nicht verbünden“, deshalb sei die Punktezählung auch noch nicht ganz klar, meint Porcu. „Aber ich sehe das ganz locker. Das ist ein Pilotprojekt und soll vor allem Spaß machen.“

Netzinfos: www.trikick.net

Zur Kari: Wer die Wahl hat: Tor 1, Tor 2, oder doch lieber der Umschlag?

Kari: Norbert Scholz

TRIKICKFAKTEN.

  • Programm: Gespielt wird am Sonnabend (19. Juni 2010) auf dem Sportplatz in Kirschau. Es gibt zwei Spiele: Ab 14.30 Uhr und ab 16.30 Uhr stehen sich jeweils Mannschaften aus Deutschland, Tschechien und Polen gegenüber. 20.30 Uhr wird das WM-Spiel zwischen Kamerun und Dänemark übertragen. Außerdem tritt die Liveband YELLOW CAP aus Görlitz auf. Eintritt ist ganztags frei.
  • Komfort: Es stehen 700 Sitzplätze auf der Tribüne zur Verfügung. Ansonsten gilt Decken mitbringen oder Stehen. Für Versorgung ist vor Ort gegen einen kleinen Obolus gesorgt, darf aber auch mitgebracht werden.
  • Schlechtwetter: Der Sonnengott wird angebetet, doch auch bei Regen wird ausgeharrt und trotzdem gespielt.
  • Zukunft: Trikick soll über den 19. Juni 2010 hinaus fortgeführt werden. Ab September entsteht ein eigener Fußballplatz dafür in Kirschau.

WM-Alternative

Nächtliches Kunstspektakel

Von Matthias Schöne

An diesem Sonntag (13.6.2010) lädt Johannes Dietz mit Unterstützung vieler weiterer Künstler aus Dresden zur großen, offenen Kleinkunstbühne ein.

Ab 20 Uhr werden auf der Waldbühne im Priesnitzgrund, die sich in der Verlängerung der Kamenzer/Bischofswerdaer Straße befindet, mehr als 20 verschiedene Künstler mit Musik, Literatur und Artistik zu sehen sein. Ein besonderer Leckerbissen sind die Feuershows nach Einbruch der Dunkelheit. Der Eintritt ist frei.

Netzinfos: http://www.derfeuerfrosch.com

Foto: PR

Auf die Kisten, fertig, los!

Bereits zum 10. Mal werden die Seifenkisten in der Saloppe mobil gemacht

Nur hier: Die Geschichte hinter dem Bild …

Von Isabelle Starruß

„Wer zuerst bremst, den verspotten die Boxenluder!“ Am 12. Juni 2010 startet das Exotenrennen der Sommerwirtschaft Saloppe nun bereits in die zehnte Runde. Alter egal, Geschlecht im Prinzip auch.

„Die harte und schweißtreibende Arbeit übernehmen die Männer – die Frauen sind zur mentalen Unterstützung dabei“, weiß Veranstalter Michael Kramer aus Erfahrung. Mit mentaler Unterstützung ist dabei das Anfeuern durch die in beliebiger Stückzahl mitzubringenden Boxenluder gemeint.

Diese dürfen den Teams den nötigen Motivationsschub verpassen, wenn es darum geht, sich von der dreieinhalb Meter hohen Rampe zu stürzen und die kommenden 800 Meter möglichst wagemutig und halsbrecherisch entlang zu düsen, um schließlich im Schoß des Dresdner Elbufers das Ziel zu erreichen. Jedes Team besteht aus fünf Personen: Vier schieben und einer sitzt in der Seifenkiste.

Aus Schmerz wird Lust

Dass die Strecke zum wahren Höllenritt werden kann, damit muss gerechnet und Schmerzen durch unsachgemäßes Wenden oder Kurven mit eingeplant werden. Nicht zuletzt steht das Rennen auch unter dem Motto: „Aus dem Schmerz entsteht die Lust!“ Die Seifenkisten müssen von den insgesamt 20 Teams im Vorfeld selbst gebaut werden. Dabei sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. „Alle Kisten sind individuell, pompös, extravagant und mit viel Liebe gebaut“, weiß Kramer. Nur zwei Regeln sind zu beachten. Maximal drei Meter Breite und absolute Unmotorisiertheit, denn alle Kisten müssen nur mit Muskel- und Manneskraft vorwärts bewegt werden. Wer das Ziel als Erster durchfährt, dem winken 52 Kästen Bier.

Zusätzlich wurde dieses Jahr der knapp eine Tonne schwere „Paul-Fröhlich-Gedächtnis-Pokal“ ins Leben gerufen. „Ingenieure der TU Dresden haben diesen entworfen und in dreimonatiger Feinarbeit aus Edelmetallen hergestellt“, sagt Kramer. Leider ist der Grund für den Pokal sehr traurig. „Unser Moderator Paul Fröhlich, der seit der ersten Stunde dabei war, ist unter tragischen Umständen ums Leben gekommen. Wir widmen ihm diesen Wanderpokal.“

Wessen Siegeswille und Abenteuerlust geweckt ist, wer den anderen Teams zeigen will, dass er der wahre König der Seifenkisten oder wer heiß auf einen Jahresvorrat Bier ist, hat noch bis zum Starttag 10 Uhr die Möglichkeit zur Anmeldung. „Wir wünschen uns eine rege Beteiligung studentischer Teams“, animiert Kramer. Beginn ist 12 Uhr, der Eintritt ist frei, nur die Teams müssen im Vorfeld eine Startgebühr entrichten.

Anmeldung: http://www.saloppe.de

Zum Foto: Veranstalter Michael Kramer freut sich sehr aufs Seifenkistenrennen in der Saloppe.

Foto: Amac Garbe

Kapitalismus bei den Eiern

Szenische Lesung des Theaters die bühne im Stilbruch Dresden

Nur hier: Die Geschichte hinter dem Bild …

Von Christina Dietze

Klimawandel, Finanzkrise, Turbokapitalismus, System verweigern, querdenken. Oder? Was trag ich eigentlich zu all dem bei?

Speziell zum 1. Klimafestival an der TU Dresden vor zwei Wochen von der bühne inszeniert, wird die szenische Lesung „Wir haben auch was dazu zu sagen!“ am Dienstag (8.6.2010) in der surrealen Szenebar Stilbruch wiederholt und damit auch (leider) letztmalig aufgeführt. Ein Außer-der-Reihe-Stück der bühne, welches innerhalb kürzester Zeit (8 Tage) und mit geringstem Etat (keinem) entstand.

Carola Unser, Künstlerische Leiterin der bühne, erklärt, dass man sich eine klassische Lesung vorstellen kann, die aber ins szenische Spiel aufbricht: „Es gibt nicht nur was für’s Ohr, sondern auch was für’s Auge.“ Die szenische Lesung ist ein Format, auf dem die bekannten „Artikulationsversuche“ der bühne zwar basieren, das aber als solches komplett neu im Programm ist. Begleitet von Lisa Willing (Akkordeon) und Martin Guß (Percussion) lesen Martin Sommer, Anni Sonnenberg, Lisa Ingermann, Louise Marten und Konrad Rädlinger einen dramatischen Text, der politisch, grotesk, komisch und dabei so verdammt real unsere Zeit widerspiegelt.

Inhaltlich verrät Carola Unser nur: „Das Stück greift so vielfältige Themen auf, die einen im schlimmsten Fall erschlagen, im Optimalfall aber eine Palette von Ansatzpunkten bieten, die eigene Realität zu überprüfen.“ Lebe ich richtig? Raum für anschließende Gespräche mit dem Publikum bietet das Stilbruch allemal. Pflichtprogramm!

Netzinfos: www.die-buehne.net

Zum Foto: Leitet die TU-bühne künstlerisch: Carola Unser.

Foto: Amac Garbe

„Ich bin gespannt, was die zarte Lena macht“

Am Samstagabend soll der „Satellite“ abheben: USFO-Moderator Dirk Bach im „ad rem“-Interview

Interview: Volker Tzschucke

Am Samstag tritt „Unser Star für Oslo“ Lena Meyer-Landrut beim Finale des Eurovision Song Contest, vormals bekannt als „Grand Prix Eurovision de la Chanson“, an.

Wie oft es „Germany: 12 points“ heißen wird, kann man beim Public Viewing am Samstag (29.5.2010, 19 Uhr) in der Halle 9 in der Dresdner Zeitenströmung (Königsbrücker Straße 96) miterleben. Moderiert wird das Dresdner Live-Ereignis vom Kölner Fernsehmoderator und Comedian Dirk Bach sowie Co-Moderator Bernd von Fehrn. „ad rem“ spendiert Euch ein Freikartenpaar dafür, war bei Dirk Bach und unterhielt sich mit ihm.

Herr Bach, wie sind Ihre Verbindungen zum Grand Prix?

Für meine Generation, ich bin 1960 geboren, war der Grand Prix eine gaaanz wichtige Show jedes Jahr. Zu vielen Größen von damals wie Gitte, Mary Roos oder Joy Flemming entstand eine wirkliche Liebe, die auch zu gemeinsamer Arbeit geführt hat. Mein erster Grand Prix, den ich selbst besucht habe, war in der Entourage von Guildo Horn 1998, das war eine sehr beeindruckende Geschichte. So habe ich Verbindungen zum alten Grand Prix, und zum neuen Eurovision Song Contest.

Können Sie sich denn noch an Ihr erstes Grand Prix-Erlebnis als Kind erinnern?

Wir hatten immer die Käseschnittchen mit Häubchen, das war schon immer mein Liebstes. Ich kann mich zwar nicht an einen konkreten Titel erinnern, aber es gibt viele Hits, die ich nach wie vor zu meinen Lieblingsliedern zähle. Daraus erwuchs auch die große Enttäuschung, dass Joy Flemming mit „Ein Lied kann eine Brücke sein“ 1975 so abgestürzt ist.

Apropos abgestürzt: Wie rechnenSie sich denn die Chancen für Lena aus?

Man soll sich ja nie so weit aus dem Fenster lehnen, aber ich weiß, dass es von der Stimmung her ähnlich ist wie damals mit Guildo, eine sehr liebevolle Stimmung und auch gute Quoten bei den Buchmachern. Die Frage wird sein, wie sich „Satellite“ gegen die gewaltigen osteuropäischen Lieder durchsetzen kann mit ihren Explosionen und Peitschen und den Kleidern und den riesigen Tanzformationen. Da bin ich ganz gespannt, was die zarte Lena dazwischen macht. Aber das sehe ich wiederum auch als große Chance: Ihr Vorteil ist wohl, dass sie keinen direkten großen Konkurrenten hat, weil sie so anders ist. Ich sehe es mit großer Freude, wie sie mit Unbefangenheit an die Sache herangeht.

Und Deutschland steht geschlossen hinter ihr …

Man kann schon feststellen: Alle lieben die Sängerin, alle lieben die Musik, und das ist ein tolles Gefühl. Man geht guten Mutes in den Wettbewerb. Es wird auf jeden Fall schön, das in Dresden gemeinsam zu zelebrieren und vorher und hinterher zu feiern. Und selbst wenn es in Oslo nicht funktioniert: Es bleibt das Mädchen und es bleibt das Lied.

Zum Foto: Freut sich auf Samstag: Dirk Bach.

Foto: Amac Garbe

Kunst zu Gast in der Oberlausitz

Vom 22. bis 24. Mai werden in Kirschau Grenzen überschritten

Von Antje Meier

Das „grenzArt“-Festival erteilt den sächsischen Metropolen eine Absage und zieht mit über 40 internationalen Künstlergruppen in den ländlichen Raum.

Am Pfingstwochenende soll Kirschau erwachen. „Ich bin schon sehr gespannt, so viele Performer hier vor Ort zu haben. Das ist auch für Kirschau und das Oberland eine tolle Möglichkeit, auf sich aufmerksam zu machen“, sagt Stephanie Werth, Pressesprecherin von „obArt“, im Vorfeld des „grenzArt“-Festivals, das von Sonnabend (22.5.2010) bis Montag (24.5.2010) in Kirschau die Geister wecken soll.

Für alle, die Kirschau nicht kennen, hier ein paar kurze Fakten. Die Gemeinde Kirschau hat etwa 2 400 Einwohner und liegt nahe dem Dreiländereck Deutschland-Polen-Tschechien, etwa 60 Kilometer von Dresden und zehn Kilometer von Bautzen entfernt. In den 1920er-Jahren erlebte die Textilbranche hier ihre Blüte und beschäftigte bis zu 3 000 Menschen. Heute zeugen viele leer stehende Fabrikanlagen von diesen goldenen Zeiten und verlangen nun nach neuen Nutzungsmodellen.

Mit dem „grenzArt“-Festival ist ein solches Konzept gefunden. Denn das Werk IV, in dem bis vor sechs Jahren noch Grobgarn hergestellt wurde, soll Hauptveranstaltungsort des Performancefestivals werden, zu dem Künstler aus Deutschland, Tschechien, Polen, aber auch aus Kanada, Indonesien, Taiwan und Großbritannien kommen. „Das Werk IV hat eine ausgezeichnete Lage und tolle Architektur, um ein solches Festival dort zu veranstalten“, sagt Pressesprecherin Werth. Auf drei Etagen seien die Fabrikräume leergeräumt und teilweise mit Stoffen abgehangen worden. Um den Charme des Gebäudes zu erhalten, soll von der Einrichtung so viel wie möglich für das Festival verwendet werden. Große Garnrollen werden so zum Beispiel zu Sitzplätzen umfunktioniert.

Initiator von „grenzArt“ ist Mike Salomon, der schon das erfolgreiche Projekt „Ostrale“ in Dresden kreierte, bei dem jährlich zeitgenössische Kunst aus allen Ländern zu sehen ist. Mit dem neuen Projekt „grenzArt“ möchte Salomon mittels Video-, Licht-, Aktions- oder auch Bewegungsperformances räumliche, mediale und künstlerische Grenzen aufsprengen. Im Dezember 2008 besuchte er erstmals Kirschau. Daraufhin entwarf er ein Konzept für ein Kunstlabel im ländlichen Raum. Im März 2009 wurde der Verein „Kunstinitiative Kirschau“ gegründet, der ab sofort der Träger des Labels „obArt“ wurde, das nun das „grenzArt“-Festival sowie „obPhon“ (1. bis 11. Juli 2010) im Sommer veranstaltet.

Netzinfos: http://www.obart.eu

Zum Foto: Grenzöffnung: Stephanie Werth ist gespannt, wie das „grenzArt“-Festival angenommen wird.

Foto: Antje Meier

GRENZFAKTEN.

  • Anfahrt: Kirschau ist am besten mit dem Auto zu erreichen. Von Dresden direkt über die B6 oder die A4 bis Abfahrt Burkau und dann weiter auf der B6. Von Görlitz aus ist die A4 bis Bautzen, weiter auf der B96 bis Großpostwitz und dann auf der S116 bis Kirschau die beste Strecke. Zittauer sollten ebenfalls die B96 und S116 fahren.
  • Programm: Vom 22. bis 24. Mai 2010 startet das Festival täglich ab 14 Uhr. Am Sonnabend und Sonntag gibt’s Tanz (21 Uhr) in der „grenzDiele“. Montag dürfen Künstler und Publikum zur „grenzAuflösung“ (18 Uhr) den Abend musikalisch selbst gestalten.
  • Künstler: Bekannte Künstler wie Jürgen Fritz, Alastair MacLennan, Myriam Laplante oder Tomáš Ruller werden das Festival besuchen und Teile ihre Performances erst vor Ort entwickeln.
  • Austritt: Statt eines Eintritts wird es einen Austritt geben, dessen Höhe von jedem selbst bestimmt wird.

Türchoreografie im neutralen Treppenraum

Studenten von HfbK und HfM inszenieren Benjamin Brittens „The turn of the screw“ im Dresdner Kleinen Haus

Von Nicole Laube

Die studentische Inszenierung von Benjamin Brittens Geisteroper „The turn of the screw“ feierte am Mittwoch (12.5.2010) Premiere. „ad rem“ blickte hinter die Kulissen.

Freitag, zehn Uhr vor dem Bühneneingang des Kleinen Hauses in Dresden. Lea Maud-Charlott Klein wartet schon. Die Studentin für Bühnen- und Kostümbild an der Hochschule für Bildende Künste (HfbK) in Dresden lädt zu einem Blick hinter die Kulissen des Theaterhauses. Im Rahmen ihrer Diplomarbeit hat sie das Bühnenbild und die Kostüme für die diesjährige Gemeinschaftsproduktion der Hochschulen für Kunst und Musik in Dresden entworfen.

In wenigen Minuten wird die Probe für Benjamin Brittens Geisteroper „The turn of the screw“ beginnen. Die Kulisse ist gerade aufgebaut worden – der monumentale Bau aus dunklem Holz und vielen Treppen füllt die komplette Bühne aus, er gleicht einer unbezwingbaren Burg. Plötzlich gerät eine ellenlange Leiter auf der Bühne ins Wanken, Lea Klein hält für einen Schreckmoment die Luft an. Doch die Bühnenbauer haben alles im Griff. Im August 2009 hat das Team um Regisseur Andreas Baumann von der Dresdner Hochschule für Musik (HfM) begonnen, erste Ideen zu sammeln.

Inzwischen hat Lea Klein den Inhalt der Oper längst verinnerlicht. Das Libretto lässt vieles offen. Das wollte sie im Bühnenbild widerspiegeln. Schnell führt die zierliche Frau, die im 10. Semester studiert, durch ihre Kulisse. „Ich habe

einen konkreten Raum konzipiert, in dem alles passiert. Er kann Diele, Wohnzimmer oder Rathaus sein“, sagt sie. Die Treppen symbolisieren Aufstieg, Fall und Anonymität. Zehn versteckte Türen zeigen einen Ausweg aus der Enge. Ohne Musik ging jedoch gar nichts. „Wenn ich eine Idee hatte, habe ich vom Regisseur oft gehört: Lea das steht nicht in der Musik“, erzählt sie.

Die Kostüme hat die Studentin bewusst im Stil der Jahrhundertwende entworfen. Für den Einkauf der Stoffe und die Kalkulation des Budgets war Lea Klein allein verantwortlich. Ausdauer und Feingefühl brauchte es nachher, um in den Kostümproben alles passend zu machen. „Ich schaue dann in die Augen der Sänger und weiß sofort, wenn etwas nicht funktioniert. Dann frage ich, ob wir das Kleid noch etwas enger nähen sollen – und wenn das Gesicht sich aufhellt, weiß ich: Okay!“

Wenig später betreten die ersten Sänger die Bühne, Andreas Baumann ruft Lea Klein nach vorn. Vor der Probe soll sie noch einmal die „Türenchoreografie“ erklären. Sofort ist sie zur Stelle. Zur Premiere muss schließlich alles sitzen.

Zum Foto: Studentin Lea Maud-Charlott Klein entwarf das Bühnenbild und die Kostüme für „The turn of the screw“. Das Stück ist eine Gemeinschaftsproduktion der Hochschulen für Kunst und Musik in Dresden

Foto: Amac Garbe.

Kurzweile im Thalia und PK Ost

Deutscher Kurzfilmpreis ist auf Dresden-Tour

Das Dresdner Filmfest ist gerade erst vorüber, trudeln schon wieder kurzweilige Filme in den Dresdner Kinos Thalia und Programmkino Ost (PK Ost) ein. Diesmal werden allerdings keine Filme verliehen, sondern bereits preisgekrönte Kurzfilme gezeigt.

Und die Filme wurden nicht mit irgendeinem Preis ausgezeichnet. Nein, sie dürfen sich mit dem Titel des Deutschen Kurzfilmpreises 2009, der seit 1956 vergeben wird und bereits Legenden wie Wim Wenders und Tom Tykwer auszeichnete, schmücken. Dabei gibt es seit 2002 vier Kategorien: „Spielfilme mit einer Laufzeit von 7 Minuten“, in der dieses Mal „Kokon“ das Rennen machte, „Polar“ heimste den Preis in der Sparte „Spielfilme mit einer Laufzeit von mehr als 7 bis 30 Minuten“ ein, „Please say something“ wurde bester „Animations-/Experimentalfilm mit einer Laufzeit bis 30 Minuten“ und im Bereich „Dokumentarfilme mit einer Laufzeit bis 30 Minuten“ gewann „Wagah“.

Doch damit nicht genug. Auch ihre sechs filmischen Mitstreiter im Kampf um den Deutschen Kurzfilmpreis, „Antje und wir“, „Birthday“, „Fliegen“, „Wüste/Außen/Tag“, „Der Conny ihr Pony“ und „Radfahrer“, die zuvor aus einer 253 starken Filmkonkurrenz hervorgingen, sind bei der Tournee mit von der Partie.

In zwei Programmen, „Einerseits: ungestüm“ und „Andererseits“: betörend“, mit je fünf Filmen, werden die insgesamt zehn Kurzfilme vom 7. bis 12. Mai 2010 im Thalia und PK Ost für alles andere als Langeweile sorgen. Außerdem sind am 7. Mai 2010 im Thalia und am 8. Mai 2010 im PK Ost die Regisseure anwesend.

„Einerseits: ungestüm“: „Andererseits: betörend“:

7.5.2010 (20 Uhr): Thalia (mit Regisseuren)                                    7.5.2010 (22 Uhr): Thalia (mit Regisseuren)

8.5.2010 (20 Uhr): PK Ost (mit Regisseuren)                                   8.5.2010 (22 Uhr): PK Ost (mit Regisseuren)

9.5.2010 (20 Uhr): Thalia                                                                 9.5.2010 (21:15 Uhr): PK Ost

10.5.2010 (20 Uhr): Thalia                                                              10.5.2010 (21:15 Uhr): PK Ost

11.5.2010 (21:15 Uhr): PK Ost                                                        11.5.2010 (20 Uhr): Thalia

12.5.2010 (21:15 Uhr): PK Ost                                                        12.5.2010 (20 Uhr): Thalia

Netzinfos: http://www.kurzfilmpreisunterwegs.org

Fotos: PR

Tanz der Palucca-Kinder

Ein Jahr lang begleitete der MDR die Schüler der Palucca Schule

Von Antje Schöne

Aufregung herrscht im Grünen Saal der Dresdner Palucca Schule. Alle starren gespannt auf die Leinwand und fragen sich: Wo bin ich zu sehen? Wie werde ich wirken?

Auch Shirley-Cordula Meissner sitzt an diesem Tag ganz aufgeregt auf ihrem Stuhl, als sie, gemeinsam mit fast 200 anderen Schülern, den ersten Teil der MDR Doku-Soap „Palucca-Kinder – Vom Tanzen besessen“ ansieht und sich erinnert: „Ein Schuljahr hat man uns mit der Kamera begleitet, unseren Schulalltag und besondere Ereignisse wie Prüfungen oder Auftritte gefilmt.“

Die Regisseurin Susanne Köpcke hatte die Schüler und Studenten der Hochschule für Tanz beobachtet, sich mit in den Unterricht gesetzt und sich dann für drei interessante Tänzerinnen entschieden: Shirley (17), Pauline (17) und Nina (12), sowie für den Tänzer David (12).

„Als ich gehört habe, dass ich ausgewählt wurde, habe ich mir Gedanken gemacht, wie ich mich vor der Kamera verhalten soll. Ich hatte mir vorgenommen natürlich zu sein, das war mir sehr wichtig. Nicht einfach für das Fernsehen besonders zu wirken oder gar in eine Rolle zu fallen“, denkt die Schülerin zurück. Es sei aber auch interessant gewesen zu sehen, wie die anderen sich verhalten.

Das Kamerateam arbeitete als stiller Beobachter, führte aber auch Interviews mit den Schülern. Dabei entstanden witzige Momente, berichtet die Tänzerin, „etwa wenn Lehrer zweimal ins Klassenzimmer kommen und Hallo sagen mussten, weil sie noch nicht verkabelt waren.“

Zum Foto: Eines der „Palucca-Kinder“: Shirley Meissner.

Foto: Amac Garbe

Soweit das Kameraauge reicht

Die Ausstellung „Bilder machen“ der ALTANA-Galerie in Dresden zeigt Fotografie als Praxis

Von Susanne Magister

Die ALTANA-Galerie der Universitätssammlungen Kunst + Technik der TU Dresden beherbergt bis 17. Juli 2010 dieses Jahres die Ausstellung „Bilder machen“.

Kurator Bertram Kaschek, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kunstgeschichte an der TU Dresden, beschreibt das Konzept der Ausstellung.

Herr Kaschek, wie ist es zu diesem Ausstellungsprojekt gekommen?

Der Grundimpuls bestand darin, eine Kooperation zwischen der ALTANA-Galerie der TU Dresden und der Deutschen Fotothek in die Wege zu leiten. Die Fotothek, als ein Teil der SLUB, sollte durch eine umfangreiche Ausstellung stärker ins Bewusstsein der Studierenden gerückt werden.

„Bilder machen. Fotografie als Praxis“ ist ein weit gefasster Titel. Was ist das Konzept der Ausstellung?

Fotografie soll hier nicht nur als Kunstform, sondern als vielgestaltige Kulturtechnik präsentiert werden. Insofern zeigen wir neben künstlerischen Arbeiten auch Arbeiterfotografie, Bord- und Pressefotografie, Werbeaufnahmen, Postkarten, Plakate, fotografische Kunstreproduktionen und vieles mehr. Das „Bilder machen“ bezieht sich aber auch darauf, dass die meisten Abzüge tatsächlich für diese Ausstellung hergestellt werden mussten, da die Fotothek in erster Linie Negative sammelt.

Welchen Mehrwert kann man in Zeiten von 3D-Animationen noch aus analoger Fotografie ziehen?

Die Fototheorie der letzten Jahrzehnte hat hervorgehoben, dass die analoge Fotografie den Charakter einer Spur trägt: Das von den Gegenständen ausgesandte Licht schreibt sich physisch-chemikalisch in das Negativ ein. Somit bezeugt die analoge Fotografie das einstige Vorhandensein der Dinge. Dieses Vertrauen in die Zeugenschaft der Fotografie ist im Zeitalter digitaler Simulationen verlorengegangen.

Fotografieren Sie selbst?

Wie die meisten Menschen heutzutage habe ich eine kleine Digitalkamera, die ich für ganz verschiedene Zwecke nutze – etwa in der Bibliothek oder in Archiven. Doch im Zuge der Ausstellungsvorbereitung habe ich auch mal wieder meine Spiegelreflexkamera ausgepackt.

Ausstellung bis 17. Juli 2010 in der ALTANA-Galerie (Görges-Bau der TUD, Helmholtzstraße 9), geöffnet Mo. bis Fr. 10 bis 18 Uhr, Sa. 10 bis 14 Uhr; Katalog zur Ausstellung für 15 Euro; Begleitprogramm: Öffentliche Ringvorlesung im HS 226 des Görges-Baus (Do. 18.30 Uhr), kostenfreie Führungen am 15. Mai 2010 (11 Uhr) & 22. Juni 2010 (16 Uhr)

Netzinfos:www.altana-galerie-dresden.de

Zum Foto: TU-Mitarbeiter Bertram Kaschek kuratiert die neue Ausstellung in der ALTANA-Galerie.

Foto: Amac Garbe

Her mit der regionalen Musik!

Sachsens bissigste Radioinitiative startet nun eine neue Offensive für gute Musik

Von Isabelle Starruß

Nach einer gescheiterten Petition hat sich Biss.FM nun eine neue Aktion zur Verbesserung der sächsischen Radiolandschaft erdacht.

Über 3 500 Unterschriften haben die Initiatoren von Biss.FM im vergangenen Jahr gesammelt. Ziel war ein „besseres (Jugend-)Radio in Sachsen“. Aber das war offenbar zuviel verlangt. Der Petitionsausschuss des Sächsischen Landtags lehnte das ab – keine persönliche Anhörung und so auch zukünftig keine Frequenzen, also keine Chance für frische Musik in Sachsen. „Da keinerlei Unterstützung vom Landtag zu erwarten ist, werden wir uns in Zukunft verstärkt darum kümmern, den Dialog mit den bestehenden Sendern zu führen“, beschreibt Sebastian Schwerk die Zukunftspläne von Biss.FM. Dies soll vor allem in Form von Netzwerkverknüpfungen mit kleinen Podcastern und Internetradiomachern geschehen.

Weiterhin wurde die Aktion „Musiknachhilfe für JUMP und NRJ“ ins Leben gerufen. Ablaufen soll das Ganze wie folgt: Eigenproduktionen oder CDs mit den liebsten Liedern sollen am besten in zweifacher Ausfertigung an Biss.FM geschickt werden. Dort wird fleißig gesammelt und am Ende den beiden Radiosendern flashmobähnlich ein hoffentlich riesiger Berg Platten ins Studio gestellt. Denn Fakt ist, „dieser Funktion des Entdeckens kommen die Radiosender immer weniger bis gar nicht mehr nach, und das ist extrem frustrierend für alle Beteiligten der regionalen Musikszene, egal ob Bands, Fans oder Veranstalter“, wie Schwerk feststellen muss. „Sachsens Musikszene ist in der Lage, 52 radiotaugliche Stücke im Jahr zu produzieren“, fügt er schließlich noch hinzu.

Vor drei Wochen gestartet, beteiligten sich bisher rund 35 junge Bands, besonders aus Nordrhein-Westfalen und Hessen, an der Aktion. „Nur fünf Musikstücke von Bands, Produzenten oder Labels aus Mitteldeuschland beziehungsweise Sachsen in der Hauptsendezeit tun niemandem weh, aber sorgen für Bekanntheit, Selbstbewusstsein, regionalen Zusammenhalt und auch finanzielle Verbesserung der regionalen Musikszene“, findet Schwerk. Schließlich sollten die GEZ-Gebühren nicht nur wohlhabenden Künstlern zugute kommen, sondern auch die regionale Musikszene fördern. Und seitens JUMP gibt es zwar bisher keinen Sendeplatz für junge Bands, aber „trotzdem versuchen wir Tipps und junge Musiker in unser Programm einfließen zu lassen“, wie eine Mitarbeiterin mitteilt. Dann dürfte dem Ganzen ja nichts mehr im Wege stehen. Die Aktion läuft noch bis zur „pop up“-Messe am 8. Mai 2010 in Leipzig. Dort wird Biss.FM mit eigenem Stand vertreten sein, wo „Bands und Musikfans ihre CDs noch abgeben können“, ergänzt Schwerk.

Netzinfos: www.biss.fm

Zum Foto: Sebastian Schwerk hat Hoffnung: Ist bald gute Musik aus Sachsens Radios zu hören?

Foto: Amac Garbe

Hörsaalzentrum als Theaterbühne

„TU in Szene“ lädt am 2. Mai 2010 zum vierten Mal während der Studententage ins Dresdner HSZ

Von Antje Schöne

„Aus einer Bierlaune heraus, aus einem gemütlichen Abend und der Suche nach einem neuen Beitrag zum studentischen Leben ist die Idee für ‚TU in Szene‘ entstanden.“

Das erzählt Daniel Bochum, ehemaliger Informatikstudent und Mitglied im Studentenclub Wu5. Inspiriert von Poetry-Slams und ähnlichen Veranstaltungen, wurde 2007 diese Idee erstmals im Rahmen der Studententage umgesetzt. „Man wollte Kleinkunst auch an die Uni bringen“, erzählt Bochum, „und die Finanzierung ist natürlich mit Hilfe des Studentenwerks einfacher, und so lässt es sich gleich etwas größer aufziehen.“ Wichtig dabei war den Organisatoren auch, etwas Neues zu planen und nicht wieder einfach nur eine „Studenten-Sauf-Party“.

Seit Januar sitzt nun die neue Generation des Organisationsteams und plant die vierte Auflage. Allesamt sind sie Mitglieder des Studentenclubs Wu5, neben Daniel Bochum sind es weitere drei Studenten. Bei der Homepage, den Flyern und am Abend selbst bekommen die vier Organisatoren Hilfe von anderen Clubmitgliedern, den Rest stemmen sie alleine. Am zeitintensivsten ist die Sponsorensuche, und die Künstler müssen natürlich auch früh genug Bescheid wissen. „Teilweise treten die Künstler direkt an uns heran, oder wir nehmen Kontakt auf. Wichtig ist uns, dass ein gemischtes Programm dabei herauskommt“, erklärt der 30-jährige Bochum. Das ist dem Team dieses Jahr auch wieder gelungen.

Bereits zum zweiten Mal dabei ist die Katastrophenkombo „The Fuck Hornisschen Orchestra“, um niveauvolle Unterhaltung abseits der Norm und völlig ohne Konzept zu bieten. Das Dachtheater Freital wird Schillers „Kabale und Liebe“ vorführen, musikalisch bietet Sebastian Opitz Kleinrockkunst am Klavier, und Titus Lang will mit sonnig-melancholischen Popklängen ans Meer entführen. In Dresden sicherlich vielen bekannt ist Thomas Jurisch, der ehrliche und skurile Texte aus seinem Leben präsentiert. Außerdem wird es von den vier Künstlern von „Flimm Flamm Funken“ eine Schwarzlichtshow geben, bei der sie aus einer Vielzahl von Gegenständen komplexe Muster formen. Es wartet also ein reiches Programm aus Darbietungen verschiedener Künstler der unterschiedlichsten Genres. Durch den Abend führt der in Dresden bekannte Winterwetterfrosch Roman Facilides.

Netzinfos: www.tu-szene.org

Zum Foto: Christina Paul, Anne Scholz, Daniel Bochum und Franziska Boy (v. l.) lieben Kleinkunst.

Foto: Amac Garbe

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