Für Euch kulturell unterwegs
Ob Ausstellungen, Kino, Theater oder Konzert: Wir schauen hinter die Kulissen, geben Veranstaltungstipps und rücken die Menschen hinter den Projekten in den Vordergrund.
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Autokino mal anders
Aus Schrott wird Kunst beim Kirschauer Schrottkino
Von Antje Meier
Nobel geht die Welt zugrunde? Dann eben mal den Weltuntergang aufgehalten. Denn vom 3. bis 25. September, immer freitags und samstags (jeweils 19.30 Uhr), haben sich das sächsische Kunstlabel ObArt in Kirschau und der Kunstbauerkino e.V. zusammen getan und sich etwas ganz besonderes ausgedacht: Filmgenuss in eigens dafür hergerichteten Schrottkarren.
Klingt schäbig? Ist es auch, aber eben mal was anderes und das für zehn Euro pro Schrottkarre (da lohnt es sich, das Auto proppevoll mit Freunden zu stopfen). Zur Verfügung stehen 30 solcher ausrangierter Karossen auf dem Gelände der Firma Kirschauer Aquakulturen GmbH (Friesestraße 31) sowie acht Streifen von Action, über Thriller bis Romanze. Damit steht dem Autokinofeeling nichts mehr im Wege. Also einsteigen und Film ab!
Programm:
Freitag, 3.09. – Taxi (Actionkomödie, Frankreich 1998, 86 Min.)
Samstag, 4.09. – Die fabelhafte Welt der Amélie (Spielfilm, Frankreich 2001, 117 Min.)
Freitag, 10.09. – Manta Manta (Actionkomödie, Deutschland 1991, 87 Min.)
Samstag, 11.09. – Departed. Unter Freinden (Thriller, USA 2006, 149 Min.)
Freitag, 17.09. – Easy Rider (Roadmovie, USA 1969, 95 Min.)
Samstag, 18.09. – Walk the Line (Biographie, USA 2005, 136 Min.)
Freitag, 24.09. – Cars (Animationsabenteuer, USA 2006, 116 Min.)
Samstag, 25.09. – Forrest Gump (Literaturverfilmung, USA 1994, 136 Min.)
Netzinfos: www.schrottkarrenkino.de
Foto: PR/Stefan Michalk
Musik für traurige Männer
Kumpeliges Festival „The Sound of Bronkow“ im Dresdner Societaetstheater
Ein kleines brandenburgisches Dorf ist verantwortlich für Veröffentlichungen eines Plattenlabels, eine Konzertreihe und nun auch für ein Festival.
Schuld daran ist Lars Hiller, Mitbegründer des Dres-dner Plattenlabels „K & F Records“: „Der Ursprung liegt in einem kleinen Dorf bei Bronkow, in dem ich als Kind jeden Sommer mit dem Opa Erdbeeren geerntet und Pilze gesammelt habe.“
Die Bands, die vom 3. bis 5. September im Dresdner Societaetstheater auftreten, verströmen vielleicht nicht unbedingt den Duft von Erdbeeren und noch weniger großväterlichen Charme, aber das sollen sie auch nicht. Vielmehr gehören die meisten Künstler zur großen Kreativfamilie der „Kumpels & Friends“, die als Bookingagentur und Label mit der Festivalidee auf der Suche waren nach „was Ruhigerem, Kleinerem und Freundlicherem“ – entgegen den großen Festivalmassen.
So betreten an den drei Abenden unter anderem GISBERT ZU KNYPHAUSEN, THE BLACK ATLANTIC, WELL DONE und ein dutzend weitere Bands die vier Bühnen. „Und schließlich präsentieren wir vor allem kleinere, unbekanntere Bands, die uns am Herzen liegen oder die wir gar selbst veröffentlichen, quasi gleichberechtigt mit größeren, populäreren Bands“, erklärt Hiller, der nach dem Organisationsstress selbst am Festivalwochenende zur Gitarre greifen und als Teil der Dresdner Band GARDA aufspielen wird.
Das eigentliche Zwei-Mann-Team, bestehend aus Kai Lehmann und Ronny Wunderland, vergrößert sich halt gern für die Bühne und komplettiert auch in der klanglichen Umsetzung die labeleignen Tonspuren von Indie, Folk bis Singer/Songwritermusik, die auch auf dem Festival mitschwingen sollen. Auch wenn das Duo seine Musik selbst gern mit den Worten seiner Freunde als „Ningelpop, Musik für traurige Männer oder auch Songs für Jammerlappen“ beschreibt, räumt Ronny Wunderland ein. Mit dem Album „Die Technique Die“ aus dem Jahr 2008 bleibt GARDAs melancholischer Pop dennoch aktuell, so zumindest in Japan, wo es im August veröffentlicht wurde. Bis sie wissen, ob sie dort Gehör finden oder ein Fall für den Kaugummiautomaten sind, erliegen sie der Vorfreude des „Sound of Bronkow“-Festivals. „Unser Konzert wird wohl gemischt sein. Eine Hälfte vom alten Album und die andere werden wir als Preview mit neuen Songs bestreiten.“
Das Festivalwochenende kostet 26 Euro. Für alle Folkskeptiker stellt das Societaetstheater neben drei Bühnen im Innenbereich eine kostenlose Bühne im Garten des Geländes auf. Außerdem wird es eine Aftershowparty in der GrooveStation und ein Late-Night-Konzert von THE GENTLE LURCH im Programmkino Thalia geben. Beides wird auch für Nichtfestivalbesucher geöffnet sein.
Netzinfos: www.societaetstheater.de
Zum Foto: Es ist zum Heulen schön: Bei „The Sound of Bronkow“ gibt’s Ningelpop und Musik für Jammerlappen. Foto: Amac Garbe
Sinnliches Kunstwahrnehmen
Studenten engagieren sich für die Ostrale-Kulturpädagogik
Von Susanne Magister
Gegenwartskunst und Schlachthofcharme können in Dresden eng miteinander verknüpft sein.
Bis die Ostrale vom 27. August bis 19. September 150 ausstellende Künstler vereint, gibt es viel zu tun. Unterstützt wird das Kulturteam um die internationale Schau zeitgenössischer Künste in Dresden dabei von einer Reihe Studenten. Zu ihnen gehört die Dresdner TU-Kunstgeschichtsmasterstudentin Stefanie Meier. „Ich interessiere mich sehr für zeitgenössische Kunst. Das kommt bei uns im Studium eindeutig zu kurz“, erklärt sie. Im Rahmen eines halbjährigen Praktikums schnuppert sie in das Feld der Pressearbeit hinein und vertieft ihr Wissen in der Kulturpädagogik, die zum festen Bestandteil der Ostrale werden soll.
Die Studentin knüpft dabei nicht nur neue Netzwerke, sondern arbeitet, anders als im Studium, ganz praktisch mit den Künstlern zusammen. „Hier habe ich die einmalige Gelegenheit, die Auseinandersetzung von zeitgenössischer Kunst mit historischer Substanz mitzuerleben“, schwärmt die 23-Jährige. „Außerdem kann ich von Beginn an bis zur Präsentation der Ausstellung am Geschehen mitarbeiten.“ Die Praktikanten stellen mit dem Kulturpädagogen Karl Philipp Schmitz das Material für Ausstellungsrundgänge und Schulklassenführungen zusammen, die sie später selbst durchführen. Dabei geht es nicht um eine statische Wissensvermittlung, sondern um kreativen Meinungsaustausch und sinnliche Kunstwahrnehmung. Deshalb wird es während der Schau eine Publikumswerkstatt geben, wo die Besucher selbst kreativ werden können.
Ostraleinfos:
- Um der Besonderheit der Umgebung gerecht zu werden, arbeiten viele Künstler seit dem 26. Juli vor Ort im Künstlercamp
- Am 19. August öffnet das Gelände von 18 bis 22 Uhr anlässlich des 100. Jubiläums des Schlachthofes seine Pforten für Besucher und gewährt unter anderem Einblicke in das Camp und die Arbeit der Künstler
- Die Kulturpädagogik sucht noch studentische Unterstützer: kulturpaedagogik@ostrale.de
- Vom 13. bis 17. September findet der kostenfreie Kreativ-Workshop „GG19“ zu den deutschen Grundrechten statt, der sich an Studenten richtet
- Netzinfos: www.ostrale.de
Zum Foto: Teil der Ostrale-Kulturpädagogik: Stefanie Meier. Foto: Amac Garbe
Zum Künstler berufen
Eine sommerliche Diplomausstellung der HfBK Dresden auf der Brühlschen Terrasse
Von Jana Schäfer
40 Diplomanden der HfBK Dresden haben nun einen berufsqualifizierenden Abschluss. „Ja, was ist das?“
Das fragt Rektor Prof. Christian Sery mit verhaltenem Schmunzeln, als er die Eröffnungsrede der Diplomausstellung im Oktogon der HfBK Dresden hält. Gefeiert werden trotzdem, oder gerade darum, 40 Kunstwerke der Absolventen.
Doch schon auf den schwierigen Arbeitsmarkt drängen? Im Atelier 101 hinter dem Oktogon stellt Woo Rim Chu aus. Die 26-jährige Südkoreanerin führte vor zwei Jahren ihr Kunststudium in Deutschland fort – freie Malerei und Grafik. Sie lernte nicht nur Deutsch, sondern auch eine andere Kunstsprache, die den Menschen heilen und zum Guten erziehen soll. Chu ist mutiger geworden, verbindet in ihrem Werk „Wunderschönes Ende“ koreanische Maltradition mit westlich-frecher Sinnlichkeit. Im August stellt sie in London aus.
Tanja Pohls düstere Bilder befinden sich im gleichen Atelier. Über einem Containerschiff gießt sich ein bleierner Himmel aus – Bilder industriellen Zerfalls. Eine Fachjury belohnt diesen „engagierten Gegenwartsbezug“ mit dem Förderpreis von 1 500 Euro, zum viertem Mal vom Freundeskreis der Hochschule gestiftet. „Ich fasse es noch gar nicht“, freut sich die 25-jährige Malerei- und Grafikstudentin. Sie dankt ihrer Mentorin Prof. Elke Hopfe, die sie stets in der Ausarbeitung ihres Stils ermutigte. Das Geld kann Pohl gebrauchen für ihr anstehendes zweijähriges Meisterschülerstudium. Auch Woo Rim Chu wird ihre Ausbildung vertiefen.
Ausstellung bis 5. September im Oktogon, dem Senatssaal und einigen Ateliers (Zugang Georg-Treu-Platz), Di. bis So. von 11 bis 18 Uhr.
Zum Foto: Doppelabschluss: Woo Rim Chu hat neben ihrer koreanischen nun auch die deutsche Kunstausbildung geschafft. Foto: Amac Garbe
Sommerspieletest: „YO-BE SLING DISC“
Schnapp die Geierkuh
Von Norbert Scholz
Der Hersteller warnt, einen „Mindestabstand von drei Metern Radius zu anderen Personen oder Tieren“ einzuhalten. Um es vorwegzunehmen, diesen Abstand halte ich auch schon im Laden für angemessen. Der potentielle Käufer sollte sich unbedingt daran halten. Dinge, die genauso spannend sind, zum Beispiel Nasebohren oder Fußnägel schneiden, sind deutlich günstiger zu haben und in der Entsorgung auch umweltfreundlicher.
Zur Erklärung: Das YO-BE-Sling-Disc-Dingsbums soll die verschmolzene Spielfreude aus Jo-Jo und Frisbee ergeben. Deshalb gibt es da eine aerodynamische Scheibe, in deren Mitte eine dünne Gummischnur befestigt ist. Das Schnurende führt zu einem Klettband, das ums Handgelenk geschnürt werden soll. Ist dies vollbracht, kann der Spaß beginnen.
Dann wirft man die Scheibe. Tja, und dann fängt man sie wieder. Oder auch nicht und lässt sie albern hin und her baumeln oder um sich kreisen – was noch dämlicher aussieht. Diese Chimäre aus Jo-Jo und Frisbee ist wie die fliegende Geierkuh – eine an sich tolle Idee, aber im Alltag unbrauchbar. So wurde die letzte Geierkuh, eine Kreuzung aus Kuh und Geier, im Jahr 1927 erlegt, da sie zwar – weil selbst mit Flügeln ausgestattet – den Milchtransport erleichterte, aber ihre luftigen Fladen für viel Missgunst sorgten.
Als „YO-BE-Tricks“ zeigt der Beipackzettel vier Elemente: Das „Sling Out“, was Werfen ohne Fangen meint; das „Catching“, dass, oh Wunder, den Wurf UND Fang beinhaltet; und das „Around the World“, was nichts anderes bedeutet, als mit der Scheibe an der Schnur doof rumzuwedeln. Einzig die Figur „Under the Bridge“ erscheint einigermaßen kunstfertig. Dabei soll die Wurfscheibe um die Beine geschwungen werden. Diese Übung empfiehlt sich aber nur für Eunuchen – oder Mädchen, die es untenrum „etwas härter“ mögen.
Abgesehen davon vernichtet das YO-BE die Vorzüge seiner Ideengeber: Es ist im Gebrauch weder kunstvoll wie ein Jo-Jo und durch die Schnur auch kein geselliger Spaß wie der Frisbee. Abschließend sei hier noch erwähnt, dass ich mir beim Gebrauch den Fingernagel angeknackst habe, was ganz doll fies weh tat.
Zum Foto: Die YO-BE Sling Disc ist ab 9,95 Euro zu haben.
Foto: Amac Garbe
Ausstellungstipp
Mit der Kamera unterwegs in Nepal
SLUB. Das sommerliche Fernweh wird nun auch in der Dresdner SLUB geschürt. Vom 3. bis 31. August präsentiert der TU-Geografiestudent Toni Klemm im Foyer Fotografien seiner Nepalreise.
Die im Reportage-Stil gehaltenen Bilder lassen den Betrachter eintauchen in das turbulente Leben der Hauptstadt Kathmandu und in die gewaltige Landschaft des Himalayas im Gebiet der Annapurna-Region. Im Mittelpunkt stehen dabei die Menschen in ihren unterschiedlichen Lebensumgebungen. (sm)
Zu den Fotos:
Foto 1: Ein Mann, der Wasser und andere Lebensmittel an Wanderer verkauft.
Foto 2: In Badeschuhen Fußball spielende Jungs in einer Schule in Kathmandu.
Foto 3: Touristen, die den Sonnenaufgang auf Poon Hill (3200 m) betrachten.
Fotos: Toni Klemm
Kleine Frau ganz groß
Kickboxen ist ein Sport sowohl für den Körper als auch den Geist und nichts für Schläger
Vorbei an Squashplätzen, Badmintonfeldern, Kletterwänden und zahllosen Fitnessgeräten.
Fast ist es ein verschlungener Pfad, der zur Kampfsportakademie Dresden führt. Ein Schritt aber durch eine Glastür, und schon schwirrt Stimmengewirr durch die Luft.
Der Blick fällt auf durchtrainierte Sportler, die entspannt an der Wand lehnen oder auf dem Sofa sitzen und darauf warten, dass ihr Training beginnt. Unter ihnen ist auch Claudia Kaiser, eine schlanke, beinahe zierlich wirkende, junge Frau. Aber der erste Eindruck täuscht. Kaiser, die derzeit im Fach Chemie an der TU Dresden promoviert, ist schlank, keine Frage. Aber zierlich ist sie nicht. Der sichere Gang und die kräftigen Oberarme verraten zudem, dass sie genau weiß, was sie tut.
Seit 2007 trainiert sie nun schon in der Kampfsportakademie Kickboxen und ist schnell vom einfachen Training zum Wettkampfbetrieb gewechselt. „Ich habe einen Ausgleich neben dem Studium und der Arbeit gesucht“, erzählt Kaiser. Hat sie in ihrer Jugend Geräteturnen als Leistungssport betrieben, widmet sie sich in ihrer wenigen Freizeit nun intensiv dem Kickboxen, um genau zu sein dem Leichtkontakt. „Das heißt vier bis sechs Mal die Woche für anderthalb Stunden trainieren“, erzählt Kaiser. Durchhaltevermögen ist da ebenso gefragt wie eiserne Disziplin. Doch der Teamzusammenhalt stimmt und motiviert. „Bei uns trainieren Schüler, Lehrlinge, Studenten, Bauarbeiter und Büroangestellte. Das Spektrum ist riesig“, meint Kaiser. „Nur ein paar mehr Frauen könnten es sein, gerade für den Wettkampfbetrieb.“
Nach der Erwärmung bauen sich die Leichtkontakt-Kämpfer vor dem Spiegel auf und treiben ihren Puls mit etwas Schattenboxen nach oben. Konzentriert und präzise werden die Schläge und Tritte ausgeführt. Plötzlich kommt Schwung ins Training. Coach Alexander Irmschler gibt die Anweisung, dass es jetzt in den Ring geht. Sicherheit ist wichtig, deswegen darf der Kopfschutz dabei nicht fehlen. Während das Training bisher eher harmlos wirkte, geht es im Ring schlagartig zur Sache. Schnelle Kicks und Schläge wechseln sich ab. Und mittendrin die 60-Kilo-Frau Claudia Kaiser.
Konzentriert baut sie ihren Angriff auf. Ihr Gegner pariert. Irmschler gibt Anweisungen von der Ringecke: „Nicht schieben! Aktiv angreifen!“ Selbst nur beim Zusehen rauscht einem das Adrenalin durch den Körper. „Aber mit einer Schlägerei hat das nichts zu tun“, sagt Kaiser. „Es geht um Disziplin, technisches Können, Taktik und Kondition.“
Netzinfos: www.kampfsport-akademie.de
Zum Foto: Claudia Kaiser promoviert und betreibt nebenbei Kampfsport.
Foto: Amac Garbe
Dreizehn Jahre gesund gefiebert
Die Künstler des XIII. SchaubudenSommers freuen sich auf rauschende Feste
Nur hier: Die Geschichte hinter dem Bild …
„Im Sommer 2000 rannte ich schwanger über den Platz und schrie: Tschaikowsky ist tot.“
So lebhaft erinnert sich Anna Maria Scholz alias ANNAMATEUR an ihren ersten SchaubudenSommer. Seitdem ist sie von diesem Platz nicht mehr wegzudenken.
Heute geht es in ihren Aufführungen um „Amseln, Ritalin, Schlachteplatte, Stalker, Amokbaden, Konfetti“. Und das ist nur ein Bruchteil der Verrücktheiten, die sie in ihrem Schaubuden-Programm „Worst Case Scenario“ (18. bis 21.7.) zusammen mit der Schweizer Band PUTSMARIE unterbringen will. Der Rest wird ihr wieder einfallen, spätestens wenn sie auf der Bühne ihres Lieblingsfestivals steht, das gleichzeitig die Geburtsstätte von ANNAMATEUR ist. Und von solch naturgewachsener Kreativität ist auch ihre Arbeit durchzogen. Von Reizüberflutung über Mutter Blamage bis Orakelmateur – „was auf der Bühne rüberkommt, ist immer gesund“. Und damit meint sie „die Sau rauszulassen“.
Denn der SchaubudenSommer lebt vom kreativen Fieber seiner Künstler, vom Puls ihrer Auftritte und von den Verrücktheiten, die ihnen einfallen. So erklärt auch Heiki Ikkola die Festivalatmosphäre. Die Schaubudler schätzen „das Schmutzige unterm Fingernagel und die Publikumsnähe, die Herausforderung, dreimal am Abend ‚ran‘ zu müssen, den Rauschzustand, der sich irgendwann ganz unweigerlich einstellt.“
Er selbst fühlt sich dann nicht nur als künstlerischer Leiter, sondern als Teil der DRAMATEN, die in diesem Jahr die Turnhalle (siehe Print, Seite 10) mit der kaleidoskopartigen Performance „Stars’n’Spikes“ (15. bis 24.7.) aus literarischen Geschichten und Bildern füllen werden. Nur als Organisator könne er sich die Arbeit an den Budentagen zwar vorstellen, dann würde es ihn aber sicher bald rappeln und er müsste wieder was spielen.
Und genauso leidenschaftlich öffnen die Macher die Festivaltore für neue Kabarettisten, Musiker, Theaterspieler und alle anderen Kulturexhibitionisten wie auch BRIDGE MARKLAND. Die Berliner Kabarettistin, Autorin und Verwandlungskünstlerin ist zum ersten Mal dabei. Zusammen mit der Saxophonistin Nikola Lutz spielt sie Klartext im Programm „Let’s talk about Sex“ (23. bis 25.7.). „Ich verwandle mich von Frau zu Mann, von Mann zu Drag Queen, in undefinierte Wesen. Ich lese erotische Kurzgeschichten, spreche zweisprachige Gedichte, füttere lasziv und erotisch Obst ans Publikum, tanze auf ihrem Schoß.“
Ungenierte Begeisterung für ein kribbelndes Programm spielen das Duo wie auch alle anderen Künstler damit nicht nur dem Publikum zu, sondern lassen es erwartungsvoll und ganz natürlich über den Platz schwirren. Vermutlich ein weiterer Grund, warum ANNAMATEUR den Worst Case nur noch auf der Bühne probt.
Zum Foto: Die Kabarettistin ANNAMATEUR animiert beim SchaubudenSommer Verrücktes auf ganz natürliche Weise.
Foto: Amac Garbe
Uneigennützige Filmkunst
Nahaufnahme: Die Studentin Nicole Neuber will Programmkino mit jedermann teilen
Es fragte nach: Antje Meier
Nicole Neuber sorgt dafür, dass Kino „im Elbland auch außerhalb von Dresden erlebbar wird“.
Gemeinsam mit 14 anderen Mitgliedern zwischen 22 und 80 Jahren engagiert sich die 22-jährige Studentin aus Radebeul ehrenamtlich im Verein „ProjektKino Weinböhla“. Für sie gibt es zwei feste Termine im Jahr: das Sommernachtskino (30. Juli bis 14. August, „ad rem“ berichtete) und das Coswiger Filmfestival „Im Rausch“ im Februar, über das sie zum Verein kam. „Ich bin zuständig für die Koordination und die gesamte Organisation des Sommernachtskinos und des Festivals ,Im Rausch‘, angefangen von der Bestellung der Filme, Angebote einholen, Zuarbeiten an unseren Grafiker, zum Teil Pressearbeit und was sonst alles noch so anfällt.“ Was Nicole Neuber daran und am Kino fasziniert, lest Ihr in der „Nahaufnahme“.
1. Buch oder Film?
Man mag es kaum glauben, aber ich tendiere trotz meiner Freizeitaktivitäten zum Buch. Vor mir ist kein Buch sicher, aber Buchverfilmungen sind dann doch immer interessant, inwieweit die Inhalte und meine Vorstellungen umgesetzt werden.
2. Was studierst Du wo in welchem Semester?
Ich studiere an der Berufsakademie Riesa Sportmanagement und Eventmarketing im letzten (also sechsten) Semester und schreibe hier gerade meine Diplomarbeit.
3. Seit wann engagierst Du Dich für das ProjektKino Weinböhla?
Zum ProjektKino Weinböhla bin ich in der 12. Klasse durch das damals erstmalig stattfindende Winterfestival „Im Rausch“ am Gymnasium Coswig vor fünf Jahren gekommen.
4. Was fasziniert Dich am Medium Kino?
Wie mit mehr oder weniger Aufwand, Musik und Schauspielern bewegte Bilder erzeugt werden, die einen nachhaltig prägen, beschäftigen und berühren können.
5. Wenn Dein Leben verfilmt werden sollte, welcher Schauspieler sollte Dich dann spielen und welchen Titel hätte dieser Film?
Hmm … äußerst schwierig! Als Schauspielerin würde ich Markéta Irglová wählen, da sie sehr natürlich und zurückhaltend ist und eben doch keine richtige Schauspielerin. Titel: Une fois – Einmal.
6. Welchen Film sollte unbedingt jeder mal gesehen haben?
Da gibt es so einige, daher muss ich den Film nehmen, der mich als letztes fasziniert hat, sonst wäre diese Liste endlos – A Single Man!
Netzinfos: www.projektkino-weinboehla.de
Zum Foto: Nicole Neuber liebt Kino, aber viel mehr noch, es mit anderen zu teilen.
Foto: Amac Garbe
Die Suche nach den inneren Bildern
Die Theatergruppe des Stadtteilhauses Äußere Neustadt auf der Reise in sich selbst
Von Anne Gerber
„Zwischen Innen und Außen. Ein Bildertheater“ ist alles andere als konventionelles Schauspiel. Das galt schon für die Proben.
Ulrike Krink lacht, wenn sie an die Proben des offenen Theaterprojekts im Stadtteilhaus denkt: „Es war wie eine kostenlose Therapiestunde jede Woche.“
Mit elf weiteren Amateur-Schauspielern entwickelte die TU-Studentin der Kommunikationswissenschaft, Romanistik und Anglistik seit November unter der Leitung von Diplom-Theaterpädagoge Christian Schmidt ein „poetisches Bildertheater“. Ihre Mitstreiterin Inga Zempel, kurz vor dem Abschluss ihres Law-in-Context-Studiums stehend, erklärt: „Wir haben uns auf die Suche gemacht nach Bildern und Eindrücken, die uns im Alltag beeinflussen, allerdings weniger unter politischem oder gesellschaftskritischem, sondern eher zwischenmenschlichem Aspekt.“ Für die beiden Darstellerinnen, die sich schon an der „bühne“ der TU Dresden in den Schauspielkursen ausprobierten, war es dennoch eine neue Erfahrung, gleichzeitig als Autoren, Regisseure und Dramaturgen ihre ganz persönlichen Szenen zu gestalten. Sogar für Kostüm, Bühnenbild und PR-Arbeit war die bunte Truppe selbst zuständig.
Aus der seelischen Bilderpalette wurden schließlich 19 Episoden ausgewählt, um sie der Öffentlichkeit vorzustellen – thematisch gebündelt in dem vagen Rahmen „Lebenslauf“. „Wir wollen nicht zu viel über die einzelnen Bilder verraten, denn sie sind sehr assoziativ. Selbst wenn wir sie sehen, denkt jeder etwas anderes und es ist wichtig, dass jeder seine eigenen Empfindungen einbringt“, deutet Krink an. Ein Sammelsurium an Klangkörpern von Digeridoo über Daumenklavier und Fotoapparat zu Vogelkäfig sorgt dabei statt großer Worte für die passende Atmosphäre des experimentellen Abends.
Theaterhaus Rudi Dresden: Samstag (10.7.) und Sonntag (11.7., jeweils 19 Uhr)
Zum Foto: Ulrike Krink, Inga Zempel und Lisanne Jeschke machen Neustadt-Theater.
Foto: Amac Garbe
Kurzurlaub mit guter Musik
Passend zum Strahlewetter lädt das „la pampa“-Festival zum dritten Mal nach Görlitz
Von Isabelle Starruß
Sommer, Sonne und die passende Musik: Das „la pampa“ lockt drei Tage mit musikumgarnter Wohlfühlatmosphäre.
Am Wochenende (9. bis 11. Juli) ist es wieder soweit: Mehr als 40 Acts spielen auf dem wohl gemütlichsten deutschen Festival im Freibad Hagenwerder in Görlitz auf.
Auf zwei wechselseitig bespielten Bühnen sowie einer kleinen Auftrittsplattform am See, die tagsüber für Akustik- und in den Abendstunden für DJ-Klänge sorgt, werden reichlich Alternativen geboten. Jedoch ohne, dass der Besucher etwas verpassen muss. „Musik soll keine Fast-Food-Ware sein“, erklärt Kai Grebasch, Mitorganisator des „la pampa“. Genau deshalb lautete die Philosophie von Anfang an: „Festival ist Kurzurlaub mit guter Musik“. „Im Urlaub will ich mich wohl fühlen, Atmosphäre genießen, Spaß haben“, weiß Grebasch, und so sollten beim pampa auch möglichst viele Stressfaktoren vermieden werden, um das vielfältige Line-Up vollends genießen zu können.
Dieses Jahr sind unter anderen TOCOTRONIC, GET WELL SOON und WHO MADE WHO mit am Start. „Die richtige Mischung aus bekannten Headlinern und spannenden Neuentdeckungen ist der Schlüssel zum Erfolg“, weiß Grebasch, der wie alle Organisatoren und Helfer ehrenamtlich am „la pampa“ mitarbeitet. Auch Roman Schwarz, der nicht nur seit 2008 hinter der Bühne mitorganisiert, sondern auch als Schlagzeuger der dreiköpfigen Dresdner Postrock-Band THE FRIENDLINESS IS GOING HAPPY nun bereits das dritte Jahr in Folge mit auf der Bühne steht, weiß um das Besondere des Festivals: „Auf dem pampa zu spielen ist daher so schön, weil man ganz selten mit so vielen Freunden in einer so schönen Umgebung zusammen ist.“ Und dann sind da noch die ganzen persönlichen Highlights der Besucher. „Am schönsten ist es, wenn ein Besucher wegen zwei Bands den Weg in die Pampa antritt – und mit vier neuen Lieblingsbands wieder nach Hause fährt“, sagt Grebasch, der Geschichte und Anglistik studiert hat und in Görlitz berufstätig ist.
Auch abseits der Musik schaffen eine Schwimmbar auf dem See, ein Volleyballturnier, ein Open-Air-Kino sowie spannende Lichtinstallationen am Abend die richtige pampa-typische Wohlfühlatmosphäre rund um den Badesee. Und das Festival erfreut sich wachsender Beliebtheit: Bereits 2009 kamen doppelt so viele Besucher wie im Vorjahr. Doch bei 2 500 Besuchern ist leider Schluss. Drum beeile sich, wer noch kein Ticket ergattert hat! („ad rem“ verlost Freikarten, siehe ABSAHNEN 19.2010)
Zum Foto: Auch Roman Schwarz ist mit seiner Band bereits zum dritten Mal beim „la pampa“ dabei.
Foto: Amac Garbe
Raus aus der trockenen Uni
Freibäder im Überblick: Ihr habt die Wahl, wie Ihr den Sommer genießen wollt
Nur hier: Die Geschichte hinter dem Bild …
Von Matthias Schöne
Sportlich aktiv oder entspannt genießen? In Dresden und Umgebung gibt’s für jeden die passende Ablenkung vom Unistress.
Für Sportler
Beachvolleyball ist seit Jahren äußerst populär. Dementsprechend hat fast jedes Freibad in Dresden und Umgebung eines oder mehrere Beachfelder zu bieten. Leider erhalten Studenten für die Dresdner Bäder keine Ermäßigung, für die Bäder Wostra und Cossebaude muss man daher jeweils 3,50 Euro, für das Georg-Arnold-Bad sogar stolze 9 Euro pro Tag berappen.
Als gute Alternative bietet sich das Freitaler Bad „Zacke“ an, etwa acht Kilometer von Dresdens Stadtmitte entfernt. Die drei Beachvolleyballfelder werden auch von Vereinsspielern genutzt und sind daher gut gepflegt. Studenten zahlen nur zwei Euro für die ermäßigte Tageskarte. Außerdem kann man für 10 bzw. 11 Euro pro Stunde Tennis- und Badmintonplätze mieten, kostenlos die Tischtennisplatten nutzen oder auf dem Fußballplatz bolzen.
Etwas weiter liegt der Badesee Coswig-Kötitz entfernt. Auch hier findet man drei hervorragende Beachvolleyballfelder. Der See lädt zum ausgiebigen Schwimmen ein und im Abendtarif kostet der Eintritt nur schlappe 80 Cent.
Wer nicht unbedingt viel Wasser zum Abkühlen nach dem schweißtreibenden Spiel braucht, dem ist der Dresdner Stadtstrand Citybeach an der Leipziger Straße zu empfehlen. Hier gibt es acht gute Plätze für Beachvolleyball, allerdings kostet die Stunde happige 15 Euro. Die Tischtennisplatte und der Tischkicker sind dafür kostenfrei. Als Alternative bietet sich das Volleyballfeld daneben am Dresdner Purobeach an, ganz kostenfrei, sieht man von den teuren Getränkepreisen ab.
Für Genießer
Wer es ruhiger mag, dem sind die beiden Bäder Wostra im Dresdner Stadtteil Zschieren zu empfehlen. Dabei gibt es eine Variante für Nackedeis mit dem FKK-Badesee und ein Freibad mit fast 1 000 Quadratmetern Wasserfläche.
Die großen Liegewiesen laden zum Entspannen, Quatschen oder Kubbspielen ein. Viele Laubbäume bieten reichlich Schatten. Für Studenten mit Kind und Kegel bietet das Naturbad Mockritz viele Spielmöglichkeiten, eine Breitrutsche und ein Planschbecken für die Kleinen, während sich die Eltern entspannt zurücklehnen können.
Ein Geheimtipp ist die naturnahe Kiesgrube Pratzschwitz, bei Pirna gelegen, ein schöner, großer Badesee mit tollen Liegewiesen und herrlich kühlem Wasser. Man zahlt nur für das Auto Parkgebühren, ansonsten ist das Vergnügen kostenfrei. Luxuriöser geht es wieder am Purobeach zu. Die Preise sind hoch, aber die bequemen Ledersofas, die geschmackvolle Chillout-Musik und der stilvolle Pool sind jeden Cent wert. An Puro- und Citybeach an der Leipziger Straße finden Tanzwütige außerdem beinahe täglich Partys und Konzerte.
Zu den Fotos: Sonnenbaden ist wie Kurzurlauben – nur um die Ecke.
Foto 1: Amac Garbe
Foto 2: Toni Klemm
UMLANDPLANSCHEN.
Zittau
- Freitzeit-Oase am Olbersdorfer See (Zum See): Nicht nur Biergarten und Restaurant, sondern auch ein pekuniär freundlich gestimmter Campingplatz (sechs Euro je Übernachtung) samt Surfschule (75 Euro) warten auf Badespaßler und spontane Kurzurlauber. Baden und Beachvolleyball gibt es für lau. Netzinfos: www.olbersdorfer-see.com
- Trixi-Park (Jonsdorfer Straße 40): Das Waldstrandbad mit angeschlossenem Ferienpark mitten im Zittauer Gebirge öffnet jeden Tag von 10 bis 18 Uhr für 1,50 Euro – in den sächsischen Sommerferien sogar von 9 bis 20 Uhr. Danach geht es munter weiter, denn das Freizeitbad lädt von Sonntag bis Mittwoch (13 bis 21 Uhr) und am Wochenende (13 bis 23 Uhr) in die Sauna. Die Tageskarte kostet 12,50 Euro, der Dreistundentarif ist für 11 Euro zu haben. Netzinfos: www.trixi-park.de
Görlitz
- Freibad Hagenwerder: An der alten B 99 gelegen, ist es mit der Stadtbuslinie E (Weinhübel) zu erreichen. Von 9 bis 20 Uhr warten Schwimmfreuden für 2,50 Euro pro Tageskarte auf Euch. Ab 16 Uhr sind gar nur noch zwei Euro zu berappen. Außerdem erwachen hier das „La Pampa Festival“ (9. bis 11. Juli) und das „House of Summer“ (20. bis 22. August) zum Leben. Mit Zeltplatz, Volleyball, Tischtennis, Schach, Kahnfahren, Klettern und Angeln bleibt kein Sportfan unbedient.
Lasst uns doch spielen – Aktivitäten beim Freibaden
Von Jana Feistel
Die Sonne ruft ihre Anhänger in die Freibäder zur Erfrischung im kühlen Nass. Doch war das schon alles? Hier ein paar Spielvorschläge für Zwischendurch.
Sportlich
Bewegung bieten die klassischen Freibadaktivitäten wie Volleyball, Federball und Frisbee. In vielen Freibädern stehen Volleyballfelder zur freien Verfügung. Eine Alternative zu den überkommenen Sportvarianten bieten Speedminton und Beachrugby, letzteres leicht mit einem Volleyballfeld umzusetzen. Wer das Rugbyspiel unter professioneller Anleitung erfahren will, hat jeden Freitag (18 Uhr) die Chance in der Stadtoase unterhalb der Marienbrücke. Bei allen Aktivitäten gilt aber Rücksicht auf andere Sonnenanbeter zu nehmen, die im Weg liegen könnten.
Ohne Schwitzen
Weniger schweißtreibende Beschäftigung bietet das Trendspiel Kubb, bei dem, ähnlich den beiden Kugelspielen Boccia oder Boule, zwei Mannschaften mit Wurfhölzern versuchen, die gegnerischen Spielsteine umzuwerfen.
Sitzend
Eine lustige Spielalternative für Bewegungsmuffel bietet Mensch-ärgere-dich-nicht als Handtuchdruck mit großen Spielsteinen – ideal für windige Tage am See. Und denen, die sich partout nicht bewegen wollen, bleibt ja immer noch das Sonnenbaden – ganz gediegen mit Studienlektüre in der Hand.
Zum Foto: Spannung, Spiel oder Spaß? Hauptsache draußen sonnen!
Foto: Toni Klemm
Ölverschmiertes Paradies
Dresdner Kunststudenten zeigen sich verspielt, frech und ernst in der alten Tankstelle
Von Jana Schäfer
Die Ausstellung ROZ 91 verbindet sich unter anderem mit der Ortsgeschichte der „Runden Ecke“ des riesa efau.
ROZ 91 ist ein Motorenbenzin. Der Titel der Ausstellung verweist somit auf die Geschichte der „Runden Ecke“ des riesa efau als ehemalige Tankstelle. Doch wenn überhaupt, setzen sich die Werke der Kunststudenten nur indirekt mit der Vergangenheit des Ortes auseinander. So ist das Öl ein wichtiges Thema, wie ein schwarzer Fleck in der Mitte des Raumes beweist. Justus Bräutigam, Student der Malerei und Grafik an der HfBK Dresden, fragt: „Ist das Öl?“. Nur er weiß um den Inhalt der schwarzen Flüssigkeit, die er während der Arbeitswoche auf den Boden ausgekippt und in eine Form gebracht hat. Sein Versuch, den Fleck nach seinem Wunsch zu formen, wird zum paradoxen Unterfangen, als ihm klar wird, wie wenig Kontrolle er über den Fließverlauf hat. Trotzdem ist Bräutigam mit seiner Arbeit zufrieden: Von der Quelle her breitet sich die schwarze Flüssigkeit aus, bis sie in einem Abfluss versickert.
Bedrohlicher, dunkler Fleck – unheimlich wie die Auswirkungen der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko? So düster möchte es Bräutigam nicht immer sehen. Für ihn ist es „Malerei auf dem Boden einer alten Tankstelle“, worüber eine leichte Ironie-Note schwebt. Jakob Flohe studiert freie Kunst und setzt sich in seinen beiden Fensterbildern mit minimalistischen Strukturen auseinander.
Flohe möchte Musik und Bewegung auf abstrakte Art vermitteln. Eine Kleinmädchenstimme liest Zitate aus dem Tagebuch eines französischen Missionars des 16. Jahrhunderts. Visuell begleitet wird die kindlich unschuldige Stimme durch eine animierte Collage aus Fotos und Naturzeichnungen von Anita Müller. Die Studentin der freien Kunst zeigt Naturfantasien: „Ein Ideal, was gar nicht so existiert.“ Ureinwohner und Tiere werden brutal von den Eindringlingen unterworfen. „Was wird mit unseren Werten und Vorstellungen, wenn sie uns andere aufdrängen wollen?“, fragt Müller. Die dargebotene Vielfalt, ist bis zum 9. Juli zu sehen.
„Runde Ecke“ (Adlergasse 12, Ecke Wachsbleichstraße), Mo.–Sa. 16–21 Uhr
Zum Foto: Die Studenten Justus Bräutigam (rechts) und Jakob Flohe begutachten die runde Ecke.
Foto: Amac Garbe
Artikulationsversuche
Die Experimentierplattform „A-Versuch“ der bühne der TU Dresden ist offen für alle
Von Christina Dietze
Die beiden Studentinnen Elise Schobeß und Berit Toepfer dramatisieren ihre Silversteridee als eigenes Werk auf großer Bühne.
Ob es so schlimm wäre, sich zu verlieben?“ fragt er sie. Das größtenteils studentische Publikum schaut gebannt zur Bühne im Theaterhaus Rudi, eine der Ausweichbühnen, seitdem der bühne-Spielort im Weberbau auf der Teplitzer Straße saniert wird. Restlos ausverkauft. Irgendwo fanden sich noch Extrastühle, um auch die letzten Zuschauer platzieren zu können.
Die Premiere im Juni des Artikulationsversuchs 05/10 „J&J“ der Studentinnen der TU Dresden Elise Schobeß und Berit Toepfer hätte nicht besser besucht sein können. Hinter dem Titel „J&J“ verbirgt sich ein Theaterkurzstück um Jorinde und Joringel. Ein modernes Märchen um ein Liebespaar, das nicht zueinander finden kann, weil verflixt nochmal immer etwas dazwischen kommt. Es könnte so einfach sein, wäre da nicht das Kopfchaos, die endlose Fragerei: Welche Welt ist eigentlich echt? Die verwandelte Jorinde (Shirin Dyanat) im Film oder die am Bühnenrand Singende. Mein Vöglein mit dem Ringlein rot singt/ Leide, Leide, Leide. Joringel (Lorenz Köhler) wacht einsam auf der Bühne. Kann er sich nicht einfach mal verlieben?
Realität und Wirklichkeit verschwimmen mehr und mehr. Gewollt. Und gekonnt. Ein A-Versuch, der tosenden Applaus erhält und dennoch einige kopflos in die Abendsonne entlässt. Es ist eben ein Versuch.
Die Idee dazu kam der „Produktionsgemeinschaft Schobeß/Toepfer“ in der Silvesternacht und wurde innerhalb von wenigen Wochen als Artikulationsversuch, kurz A-Versuch, der bühne aufbereitet. Die Experimentierplattform „A-Versuch“ entwickelte sich einst aus den szenischen Lesungen der bühne heraus und bietet Studenten aller Fachrichtungen die Möglichkeit, einen dramatischen Text zu bearbeiten, bei dem auch auf Kostüme und Bühnenbild zurückgegriffen werden kann, was für pure szenische Lesungen eher unüblich ist. Es kann gelesen und gespielt werden – den Möglichkeiten sind keine Grenzen gesetzt.
Regisseurin Berit Toepfer: „Schritt für Schritt trugen wir anfangs Ideen zusammen und überlegten uns die Konzeption der Szenen.“ Zwar gab Carola Unser, die künstlerische Leiterin der bühne, den zwei Studentinnen wichtige Impulse und dramaturgischen Rat, aber letztendlich wuchsen die sechs Szenen nach eigenen Vorstellungen. „Wir wollten eine Symbiose aus Theater und Musik schaffen, die die Musiker in das Stück schauspielerisch integriert“, erzählt Schobeß.
Unter Einsatz von Klavier, Horn, Zither, Djembe und einem Elektropult gelang den beiden ein musikalisches Experiment, das den Zuschauer sofort in seine Märchenwelt absorbiert. Experiment geglückt. Das Publikum darf sich noch zweimal vom Stück überzeugen, dann kommt schon ein neuer A-Versuch aus der Ideenmaschinerie bühne.
Übrigens: Ulrich Schwarz, wunderlicher und monierender Erzähler im Stück, heute Künstlerischer Leiter der Theatergruppe Spielbrett, war von 1975 bis 1983 Künstlerischer Leiter der bühne. Urgestein-Bonus!
Theaterhaus Rudi: Montag (5.7.), 22 Uhr und Mitwoch (7.7.), 20 Uhr
Netzinfos: www.die-buehne.net
Zum Foto: Die Studentinnen Berit Toepfer und Elise Schobeß artikulieren erfolgreich ihren silvestralen Geistesblitz im Dresdner Theaterhaus Rudi. Das eigene Quartier der TU-bühne im Victor-Klemperer-Saal im Gebäude am Weberplatz ist derzeit eingerüstet.
Foto: Amac Garbe
Nachts in der Kulturbar
Diesmal im „ad rem“-Clubtest: der multikulturelle Dresdner Club New Feeling
Der Studentenclub New Feeling feiert jede Woche internationale Lebensfreude mit Cocktails, Hüftschwung, Palmen und Musik.
Denn anders als die Programme einiger anderer Dresdner Bars bringt der rollende WM-Ball das Clubleben hier nicht zum Erliegen. Mit dem Abpfiff des Spiels taucht die tropische Kulisse hinter dem Beamerbild farbenfroh wieder auf und bleibt bis in die rosarot beleuchtete Damentoilette fühlbar. Fast möchte man die Zeitzonen überprüfen, füllen sich wochentags gegen Mitternacht der Chillout-Bereich und die Barräume.
Die Südseeatmosphäre zeigt sich dennoch spartanisch. Verständlich, soll doch der große Clubraum ungehindert zum Tanzen einladen. Die gewohnt studentischen Brettspiele und Dartscheiben sucht man hier vergebens. „Ob Karten oder Spiele, wir haben alles ausprobiert. Nichts hat funktioniert. Party funktioniert“, sagt Amine Aitlachgar, letztes ursprüngliches Gründungsmitglied des Clubs.
Seither dienen der Freitag und einige Donnerstage zum regelmäßigen Tanzbeinschwingen, immer unter einem anderen internationalen Banner. Dass das kein Zufall ist, erklärt die Clubidee. „Wir sind zur Zeit 15 Mitglieder aus mindestens zehn Nationen und wollen auch deswegen auf ausländische Studenten zugehen“, weiß der Student der Wirtschaftsinformatik, der selbst aus Marokko kommt.
Dass Party und Temperament hier Hand in Hand gehen, merkt man. Dafür muss man nicht dreisprachig aufgewachsen sein, aber zumindest ein bisschen Rhythmusgefühl haben. Denn sitzen scheint hier ein Fremdwort zu sein. Nicht nur für die frisch angelernten, ausländischen Barkeeperinnen, die äußerst bemüht sind, selbst übersetzungsschwierige Wünsche zu erfüllen. Schließlich dient vielmehr genau das dem unbeschwerten Miteinander. Die internationale House Music und Black Music der DJs – denn für Konzerte fehlt dem Club der Platz – vollführt dazu ihr Übriges und übertönt dann doch die anfänglichen Hemmschwellen.
Neben clubeigenem Cocktail und Tanzthemen ist auch die Erasmus-Party eine besondere Spezialität, die alle Studenten nach internationaler Manier am Freitag (2.7., 22 Uhr) zum Semesterabschluss lädt.
Zum Foto: Amine Aitlachgar (vorne) mit Clubmitgliedern Slava Dillmann und Ramzi Chaouch.
Foto: Amac Garbe
NEWFEELINGINFOS.
- Wo? Budapester Straße 24
- Wie? Bahnlinien 7 und 10 bis Budapester Straße, Buslinie 82 bis Schweizer Straße
- Wann? Jeden Mittwoch ab 20 Uhr, Donnerstag ab 21 Uhr und Freitag ab 21.30 Uhr geöffnet.
- Wieviel? Eintritt wird nur zu Partys erhoben und kann bis 2 Euro kosten. Bier ab 1,80 Euro, Wein ab 2,50 Euro, Cocktails ab 3,20 Euro.
- Netzinfos: www.club-new-feeling.de
Wenn die Bühne explodiert
Die studentische Theatergruppe Bühnamit inszeniert „Hexenjagd“
Noch mehr Theater? Oder doch lieber Kino?
Bühnamit – dieser Name ist wohl Programm, wenn die Theatergruppe aus Dresdner Studenten auf der Bühne steht.
Wie könnte man sonst die Tatsache beschreiben, dass sie in einer Kirche ein Stück über die perfiden Abgründe menschlichen Verhaltens und Vorwürfe von Hexerei im Amerika des 17. Jahrhunderts aufführen?
Seit 2006 zeigt die Theatergruppe, die sich aus einem Freundeskreis entwickelt hat, aber ständig erweitert jeden Sommer ein Stück und versucht dabei, es für alle zugänglich zu machen. „Wir wollen, dass man uns den Spaß, den wir beim Spielen haben, ansieht und dass sich die Begeisterung natürlich auch auf das Publikum überträgt“, erzählt Roman Matthes, der im achten Semester Mathematik und Physik auf Lehramt an der TU Dresden studiert und ein Teil von Bühnamit ist.
Ihr diesjähriges Stück, „Hexenjagd“ von Arthur Miller, soll ganz klassisch aufgeführt werden. Es soll den Zuschauer ins Salem des Jahres 1692 versetzen und beginnt damit, dass der örtliche Pastor einige Mädchen nackt im Wald tanzend auffindet. Brisant ist es vor allem dadurch, dass auch seine Tochter Abigail darunter ist. Nun spinnt sich ein Netz von Lügen, Intrigen und Gerichtsverhandlungen um die Mädchen, die durch ihr Verhalten andere Dorfbewohner in den Mittelpunkt des Verdachts der Teufelsanbetung und Hexerei ziehen und sich so als Unschuldslämmer darstellen. Die Folge des Geschehens ist die Hinrichtung eines Unschuldigen.
Dadurch, dass Bühnamit für ihre Auftritte keinen Eintritt verlangen, muss teilweise überlegt werden, worauf der Schwerpunkt gelegt wird. So wird die Bühne bei „Hexenjagd“ eher minimalistisch gehalten sein. „Dafür“, sagt Lehramtsstudent Matthes, „werden wir bei Kostüm und Spiel ausartend“.
Dreikönigskirche Dresden: 2. und 3. Juli (20 Uhr), in der Drogenmühle Heidenau am 4. Juli (20 Uhr)
Zum Foto: Roman Matthes, Anna Pachen und Johannes Wirsmann (v. l.) freuen sich schon auf Hexerei und Lügen.
Foto: Amac Garbe
Richtig hingehört
Klangwelten
Von Antje Meier
Nach den Augen beim GrenzArt-Festival und den Beinen beim Trikick-Turnier, sind vom 1. bis 11. Juli bei den Hörkunsttagen ObPhon nun die Ohren gefragt.
Örtlichkeit von ObPhon ist wieder das Werk IV (Friesestraße 12c) in Kirschau, wo früher Grobgarn hergestellt wurde. Auf dem Programm stehen „über 50 Künstler, 34 Klangräume und Installationen, 25 Hörspiele für Groß und Klein, 8 Konzerte, 5 mobile Klänge und Performances“ fasst Pressesprecherin Stephanie Werth zusammen. Dafür sollen „Stimmen, Töne und Geräusche mit Hilfe der akustischen Möglichkeiten der Aufführungsräume und -orte zu Erlebnissituationen gestaltet werden.“
Ein Highlight für Werth ist das „Speakers Gate“, eine Installation aus 350 recycelten Lautsprechern, dass das Wahrzeichen Kirschaus darstellen soll: Das Körsetor. Auch das Projekt „Sonntagskinder“ klingt vielversprechend: „Nur Sonntagskinder hören die Glocke unter Wasser, so sagt der Volksmund. In dieser Arbeit beschäftigt sich Helen Acosta Iglesias mit der Frage, wie man mit einer ,höheren Ebene‘ kommunizieren kann. Das Wasser, welches die Glocke vollständig bedeckt, wird zum Transportmittel dieser Kommunikation. Die Klanginstallation befindet sich in der Johanneskirche (Bautzener Straße) in Kirschau“, erzählt Werth.
Für die Kleinen empfiehlt Werth: „Hörspiele laufen für Kinder vom 2. bis 11. Juli jeweils von ca. 16:00 bis 17:00 Uhr. Mit dabei sind 12 Teile des Klassikers ,Die haarsträubenden Abenteuer des Detektivs Dick Dickson‘ (DDR 1962).“
Anders als beim GrenzArt-Festival und dem Trikick-Turnier muss ObArt diesmal Eintritt verlangen, auch wenn Stephanie Werth dies sehr bedauert: „Wie schon zum Performancefestival GrenzArt bekommen die Künstler auch zu ObPhon keine Honorare und, weil andere Fördergelder weggefallen sind, nicht einmal Fahrtkosten. Die Künstler verstehen sich allesamt als Raumpioniere. Sie wollen obART bei dessen Anliegen, zeitgenössische Klangkunst im Oberland zu präsentieren, unterstützen.“
Das volle Programm gibt’s unter www.obart.eu
Eintrittspreise:
Kinder bis einschl. 15 Jahre frei1. Juli: freiTageskarte Erwachsene ab 16 Jahre: 3 EuroFestivalkarte (berechtigt zum Besuch des Festivals 2.-11.Juli so oft man möchte/nicht Abendveranstaltungen): 20 EuroAbendkarte (bei gesonderten Abendveranstaltungen): 5 EuroZu den Fotos:
Foto 1: 350 Lautsprecher bilden das Körsetor.
Foto 2: Pressesprecherin Stephanie Werth im Werk IV.Fotos: PR/Mike Salomon, Antje Meier
Folgt dem Ball zum Elbhangfest
Studentinnen aus Dresden und Plauen organisieren am Wochenende „WM Dorf“
Am Elbhang ausgelassen feiern oder weiter im Fußballfieber bleiben und alle Spiele mitverfolgen?
Diese Frage muss sich beim 20. Elbhangfest am Wochenende (25. bis 27.6.) kein Besucher mehr stellen. Drei fußballbegeisterte Studentinnen aus Dresden und dem vogtländischen Plauen wollen die WM-Stimmung an die Elbe bringen und kreieren dafür ein ganzes „WM Dorf“.
„Wir wollen allen Jüngeren und auch Junggebliebenen einfach das geben, was schon lange auf dem Elbhangfest vermisst wurde“, erklärt Mitorganisatorin Manina Heim. Sie studiert BWL im 7. Semester in Plauen. Nicht nur Public Viewing steht auf dem Programm. Kickerturnier und Fußballrodeo stimmen alle Besucher des Dorfes auf die ersten Achtelfinalspiele ein. Die Gewinnernationen werden mit Party und Cocktails am Abend gefeiert. Hinter dem Motto „Folge dem Ball“ versteckt sich eine Überraschung, die noch geheim bleiben soll. Allerdings verrät Heim: „Wenn Ihr das Blaue Wunder betretet, werdet Ihr wissen, was wir meinen“. Also folgt dem Ball und kickt mit beim Turnier.
Netzinfos: www.kickerturnier.elbhangfest.de
Zum Foto: Noch parken hier Autos, bevor sie am Wochenende König Fußball weichen werden. Jorinde Unger, Manina Heim und Lisa Kunath (v. r. n. l.) laden zum Elbhangfest ins neue „WM Dorf“.
Foto: Amac Garbe
BRN im Bild
So sah die BRN 2010 aus
→ Zur BRN-Galerie
Von Susanne Magister
Hannes Holtermann, einer der subversiv Aktiven auf der Bunten Republik Neustadt, die vom 18. Bis 20. Juni das Stadtviertel in ein buntes und lautes Fest verwandelte (ad rem berichtete), hat mit seinem „Gehwagen“ einiges Kurioses, viel Zuspruch und vor allem eine überraschend verständnisvolle Polizei erlebt.
Jeder, der in dem „Gehwagen“ mitlaufen wollte, hatte zunächst einen Schein auszufüllen, da nach der Straßengehordnung jeder Geher im Besitz eines offiziellen Gehscheines sein muss. Dann ging es mit wechselnder, aber stets gut gefüllter Besetzung in dem Holzgestell auf mindestens zehn und bis zu 16 Beinen los durch das Gedränge der Neustadt.
Hannes Holtermann erzählt von seinen Erlebnissen: „Gleich auf dem Weg zur Talstraße, auf dem
Prießnitzgrund, wurden wird von zwei Polizistinnen angehalten. Sie waren total begeistert von unserer Idee und wir haben uns darüber unterhalten. Als ein Autofahrer seine Unmut über unseren Wagen oder seine Wartezeit hinter uns (wir waren ja recht breit) Luft machte, sagte die Polizisten nur trocken: „Der kann warten!“
Überraschenderweise kann er bilanzieren: „Wir sind meist schneller über die BRN gekommen als ein normaler Fußgänger.“ Nach einem ‚Gehschaden‘ aufgrund eines gelösten Anschnallgurtes, der schnell behoben werden konnte, ging es weiter, wobei wieder eine der vielen Polizeisperren an den Zufahrtsstraßen der Äußeren Neustadt eine weitere Anekdote einbrachte: „Als wir in die Görlitzer Str. eingingen, wurden wir von der Polizei darauf hingewiesen, das Autos hier verboten seien. Zum Glück waren wir nur ein „Gehwagen“, das ließen die Beamten durchgehen, aber sie wiesen uns mit einem Lächeln darauf hin, dass unser TÜV abgelaufen sei und wir Übergewicht hatten.“
Weitere Hindernisse konnten leicht überwunden werden: „Einige Mitmenschen lagen direkt in unserem Weg. Die haben wir einfach übergangen – da Gelände gängig. Falls es mal eng wurde habe ich die Megaphon-Sirene genutzt, da war schnell wieder Platz.“
Getreu ihres Mottos „Gemeinsam gehen statt einsam fahren!“ machten die Geher so mit viel Humor auf Dresdner Misstände für Fußgänger und Fahrradfahrer aufmerksam. Für das kommende Jahr überlegen sie, die Mitgehgemeinschaft weiter zu vergrößern und Routen über die BRN anzubieten.
Soviel zu der „Gehwagen“-Geschichte.
BRN-Rückblick in Kürze:
Das bunte Treiben zwischen Talstraße und Lutherplatz ließ besonders tagsüber ein wunderbares Flair und gute Laune aufkommen. Engagierte Studenten, quirlige Kinder und entspannte Eltern prägten hier das Bild zwischen Ständen voller Kitsch und Krempel, Spielspaß, Selbstgemachtem, Kritischem und Kulinarischem. Das offene Zirkuszelt auf der Talstraße bot abwechslungsreiches Programm (nicht nur) für Kinder.
Abends wurde es überall lauter, vor allem betrunkener. Jeder vernünftige Mensch mied das „Permudadreieck“ Alaun-, Louisen-, Görlitzerstraße – es sei denn, er wollte sich fremdschämen angesichts volltrunkener Proleten aus fernen Stadtteilen und schlimmsten Fanfarentechnos. Ebenfalls überfüllt, aber liebevoll gestaltet und bespielt von hausgemachter Musik war der „Lustgarten“, den man durch die Kneipe „Stilbruch“ erreichen konnte.
Fazit: Wer wusste, was er meiden und was er keinesfalls verpassen sollte, erlebte eine BRN voller entspannter Momente. Doch wehe dem, der an Blasenschwäche litt. Klos waren Mangelware – zum Leidwesen der Anwohner und deren Vorgärten.
Fotos: Susanne Magister/Lore Gerstenberger
Die echten Rocker sind fast ausgestorben
AC/DC versetzte das Dresdner Ostragehege am Sonntag Abend unter Hochspannung
Von Nadine Faust
Man sieht es ihnen an. Angus Youngs Wallemähne ist verdächtig dünn geworden, Brian Johnsons Stimme wird mit jedem Song kratziger. Die Herren sind in die Jahre gekommen. Immerhin haben sie schon 37 Jahre Bandgeschichte hinter sich gebracht.
Aber zunächst sollen die Vorbands „The New Black“ aus Deutschland und die Dänen von „Volbeat“ die Stimmung anheizen, wippende Füße sind zumindest in den hinteren Reihen kaum zu sehen. Von Ferne kann man bei Zehntausenden angereisten Fans aber Jubel direkt vor der riesigen Bühne ausmachen.
Überhaupt sieht der Rocker von heute hier anders aus. Lederjacken und -hosen sind Mangelware, von langen Haaren bei der leicht überrepräsentierten männlichen Fraktion ganz zu schweigen. Nur die gute, alte Jeansjacke hat den Weg vielfach zum Konzert gefunden. Die gerät richtig in Wallung, als gegen 21 Uhr der „Rock’n’Roll Train“ Einzug hält.
Als eine Glocke vom Bühnenhimmel heruntergelassen wird, lässt „Hells Bells“ nicht mehr lange auf sich warten. Neben Titeln vom aktuellen Album „Black Ice“ setzen die Australier hauptsächlich auf Altbekanntes und die tobende Menge dankt es barbusig. Nach Sonnenuntergang, 17 Songs sowie einer 15-minütigen Soloeinlage von Angus Young, setzen AC/DC zur Zugabe an und bringen die Menge auf den „Highway to Hell“. Gegen 23 Uhr endet das Spektakel mit einem kleinen Feuerwerk. Die Massen verlassen im zähem Strom das Gelände, geleitet von rot blinkenden Teufelshörnern und einer gigantischen Bühnenshow im Kopf.
Zum Foto: Hier noch ganz lieb, auf der Bühne dann später Tiere: die australischen Altrocker von AC/DC.
Foto: PR/Guido Karp
Kicken im Dreiländereck
Deutschland und Tschechien gewinnen beim Trikick-Auftakt
Zum Thema ein Beitrag bei DRadio Wissen
Von Antje Meier
Kein Abseits, keine Eckbälle und Minuspunktzählung. Der gestrige (19.6.) Trikick-Auftakt in Kirschau war schon etwas verwirrend – vor allem für die Spieler.
„Mit dem Anpfiff zum ersten Spiel war es für die Spieler schon eine Umstellung, dass nicht nur eine Mannschaft, sondern zwei auf ein gegnerisches Tor spielen“, erzählt Stephanie Werth, Pressesprecherin des Kirschauer ObArt-Kunstlabels ganz euphorisch. ObArt ist maßgeblich an der Umsetzung von Trikick beteiligt, denn dieses Sportereignis ist ein künstlerisches Projekt, das im Rahmen des GrenzArt-Festivals stattfindet. „Doch ohne die Fördergelder durch die Euroregion Neisse wäre das ganze nicht möglich gewesen“, so Werth weiter. „Für uns ist das ganze ein Nullprojekt. Wir machen dadurch keinen Gewinn. Aber es ist schön zu sehen, wie das ganze hier angenommen wird.“
Etwa 1200 Zuschauer kamen zu diesem Fußballspiel der besonderen Art und verfolgten ab 14.30 Uhr die zwei Spiele zwischen Deutschland, Tschechien und Polen, die jeweils dreimal 30 Minuten dauerten.
Das erste Spiel ging aus der Projekt-Partnerschaft im Rahmen der Förderung der Euroregion Neisse hervor und fand zwischen den Fußballvereinen der Gemeinden Kirschau (SV Großpostwitz-Kirschau), der tschechischen Gemeinde Špinlerův Mlyn (Miasta Špinlerův Mlyn) und der polnischen Gmina Podgôrzyn statt, wie Sophia Görlach, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit von Trickick., verrät. Dieses erste Spiel endete mit einem Sieg für Deutschland. Dabei erzielte die deutsche Mannschaft 2 Punkte, Polen -6 Punkte und Tschechien -8 Punkte.
„Für die Zusammenstellung der Mannschaften des zweiten Spieles tragen André Kohlschütter (Geschäftsführer Kreisverband Fußball Bautzen e.V.) und Ronny Gutte (Sportjugendkoordinator Sportbund Bautzen) die Verantwortung. André Kohlschütter stellte die Landkreisauswahl Bautzen zusammen und Ronny Gutte nutzte seine Kontakte zu tschechischen und polnischen Fußballvereinen.“, so Görlach. Es standen sich somit das Team des Kreises Jelenia Gora, das Team des Kreises Liberec und die Landkreisauswahl Bautzen gegenüber. In dieser Partie war Tschechien der haushohe Gewinner mit 7 Punkten im Gegensatz zu Deutschland mit -13 Punkten und Polen mit -23 Punkten.
Doch was haben die Minuspunke zu bedeuten? Ganz einfach. Schießt eine Mannschaft ein Tor, erhält diese einen Punkt und die beiden anderen Mansnchaften jeweils einen Minuspunkt. Damit solle verhindert werden, dass sich zwei Mannschaften gegen die dritte Mannschaft verbünden. Eine Verbrüderung war zwar nicht der Fall, doch die deutsche und tschechische Auswahlmannschaft erkannten im zweiten Spiel sehr schnell, dass das polnische Tor das schwächste war und schossen sich darauf ein.
Es bleibt also spannend, wie es mit dem Projekt Trikick weitergeht, wenn der Platz in Kirschau fertiggestellt sein wird (Baubeginn soll im September sein). Der Auftakt jedenfalls war ein voller Erfolg.
Zum Foto: Modell des Trikickfeldes. In Kirschau wurde zunächst auf einem Provisorium gespielt.
Foto: PR
Drei Buchstaben für ein Stadtteilfest
Die Bunte Republik Neustadt, kurz BRN, feiert Zwanzigjähriges
Von Susanne Magister
„Betrunken Reicht Nicht“ übersetzte eine Freundin einmal die vielsagenden Buchstaben für das Dresdner Fest, das die Bewohner eines Viertels drei Tage lang nicht zur Ruhe kommen lässt.
Das scheint in den letzten Jahren zum Haupt- wenn nicht gar zum einzigen Motto der BRN geworden zu sein. Könnte man angesichts der Besucherströme, die sich jährlich zwischen Alaun-, Louisen- und Görlitzer Straße durch Bier- und Fressstände kämpfen, meinen. Jene Partykruste ist wohl auch nicht mehr wegzubekommen, auch wenn die Kulturverantwortlichen einiger Neustadthäuser radikale Vorschläge ins Land schickten, die sogar die gänzliche Auflösung des Festes nicht ausschlossen.
Wer sich einmal die Geschichte der Neustadt-Republik und ihre Grundsätze à la „Das Ideal, die Zahl der Regierenden sei gleich der Zahl der Bürger, wird ernsthaft angestrebt“ anschaut, findet davon auf den ersten Blick tatsächlich denkbar wenig in der heutigen, kommerzialisierten Form.
Doch zum Glück gibt es einige Unbeugsame. Die trifft man vor allem tagsüber. Zum Beispiel in der kreativ-bunten Spielzone in der Talstraße. Oder am Samstag ab 10 Uhr beim Kuppturnier für Jedermann im Alaunpark. Auch der Martin-Luther-Platz verspricht wieder allerlei netten Schnickschnack, und auf der gleichnamigen Straße gibt’s wieder sonntägliches Straßenpicknick. Von der Unbeirrbarkeit der Neustadtbewohner der letzten zwanzig Jahre zeugt das zum Jubiläum eröffnende BRN-Museum auf der Prießnitzstraße.
Kein fester Ort lässt sich für ein Grüppchen Unbeirrbarer benennen, die die Idee der BRN mit einem „Gehwagen“ in die Köpfe der Menschen tragen wollen und dabei gleichzeitig Kritik üben. Initiator ist der 25-jährige Geografiestudent Hannes Holtermann. Ursprünglich wollte dieser einen festen Stand vor seiner Wohnung in der Neustadt anmelden. Dies sei in den letzten Jahren komplizierter, die Fristen strenger geworden, klagt er an. Um die zunehmende Kommerzialisierung des Festes anzuprangern und gleichzeitig auf Dresdner Probleme, wie mangelhafte Fahrradwege und alles zuparkende Autos hinzuweisen, basteln er und seine Mitstreiter einen seifenkistenähnlichen „Holzgehwagen“ von der Größe einer Limousine. Mit diesem wollen sie sich durch die Massen kämpfen und zur Diskussion anregen.
Holtermann fasst schließlich zusammen, was allen Engagierten gemeinsam sein dürfte: „Ich bin ein Gegner vom Schlechtreden. Wenn man etwas verändern will, muss man auch was anpacken.“ Und dazu hat die BRN noch viel Potential.
Netzinfos: www.dieneustadt.de sowie www.neustadt-ticker.de
Zum Foto: Geographiestudent Hannes Holtermann mit einem seiner ersten gesammelten „Fahrzeugteile“.
Foto: Amac Garbe
Kicken für ein buntes Dreiländereck
Die Fußball-WM kann einpacken: In Kirschau wird jetzt Dreifelderfußball gespielt
Von Antje Meier
Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 zeigte sich Deutschland seinen Gästen weltoffen. Für mehr Toleranz soll auch „Trikick“ sorgen.
Bereits vor vier Wochen belebte das „GrenzArt-Festival“ („ad rem“ berichtete) Kirschau und holt nun am Samstag (19.6., 14 Uhr auf dem Sportplatz) erneut zu einem künstlerischen Innovationsschlag aus. Mit einem außergewöhnlichen Sportereignis, das durch die Euro-Neiße-Region gefördert wird, könnte die künftige Fußballwelt auf den Kopf gestellt werden. Denn im Gegensatz zum normalen Fußballspiel stehen sich beim Trikick drei Mannschaften gleichzeitig auf dem Spielfeld gegenüber. Es gibt also drei Mannschaften, drei Tore, aber trotzdem nur einen Ball.
Der Leipziger Künstler Sandro Porcu, der nun nach Kirschau zieht, hatte die Idee und ließ sie sich jetzt sogar patentieren: „Trikick hat das Potential, wirklich etwas Eigenständiges zu werden, und vielleicht wird sogar eine Sportart daraus.“ Dabei ist Porcu eigentlich gar kein großer Fußballfan, wie er lachend zugibt. Ihm ginge
es vielmehr um den symbolischen Charakter hinter diesem Sport: „Fußball verbindet“ und dies sei im Dreiländereck dringend notwendig. Denn in Gesprächen stellte er fest, dass die Menschen in der Grenzregion ein negatives Bild von den tschechischen und polnischen Nachbarn haben. „Ich komme ursprünglich aus Italien, und wenn ich mir da das Dreiländereck in Südtirol anschaue: In dieser Grenzregion werden drei Sprachen gesprochen und es herrscht ein reges Miteinander. Hier im Dreiländereck gibt es das nicht. Es wirkt hier fast wie in einem Dornröschenschlaf.“
Aus diesem Schlaf hofft Porcu die Menschen aufzuwecken, wenn deutsche, polnische und tschechische Auswahlmannschaften im Trikick-Turnier gegeneinander antreten. „Ich möchte völkerverbindend arbeiten
und das Miteinander, das ,Wir‘-Gefühl fördern. ,Wir‘ hat auch drei Buchstaben und darum geht es eigentlich.“ Größte Hürde sind dabei bislang die Regeln, die bis zum Samstag noch auf der Homepage zur Diskussion gestellt sind. Wahrscheinlich entfallen Abseitsregel und Eckbälle. Fliegende Auswechslungen sind geplant und gespielt wird dreimal 30 Minuten mit jeweils sieben Spielern pro Mannschaft „Es wird ein sehr schnelles Spiel sein, und wichtig ist, dass sich die Mannschaften nicht verbünden“, deshalb sei die Punktezählung auch noch nicht ganz klar, meint Porcu. „Aber ich sehe das ganz locker. Das ist ein Pilotprojekt und soll vor allem Spaß machen.“
Netzinfos: www.trikick.net
Zur Kari: Wer die Wahl hat: Tor 1, Tor 2, oder doch lieber der Umschlag?
Kari: Norbert Scholz
TRIKICKFAKTEN.
- Programm: Gespielt wird am Sonnabend (19. Juni) auf dem Sportplatz in Kirschau. Es gibt zwei Spiele: Ab 14.30 Uhr und ab 16.30 Uhr stehen sich jeweils Mannschaften aus Deutschland, Tschechien und Polen gegenüber. 20.30 Uhr wird das WM-Spiel zwischen Kamerun und Dänemark übertragen. Außerdem tritt die Liveband YELLOW CAP aus Görlitz auf. Eintritt ist ganztags frei.
- Komfort: Es stehen 700 Sitzplätze auf der Tribüne zur Verfügung. Ansonsten gilt Decken mitbringen oder Stehen. Für Versorgung ist vor Ort gegen einen kleinen Obolus gesorgt, darf aber auch mitgebracht werden.
- Schlechtwetter: Der Sonnengott wird angebetet, doch auch bei Regen wird ausgeharrt und trotzdem gespielt.
- Zukunft: Trikick soll über den 19. Juni hinaus fortgeführt werden. Ab September entsteht ein eigener Fußballplatz dafür in Kirschau.
WM-Alternative
Nächtliches Kunstspektakel
Von Matthias Schöne
An diesem Sonntag (13.6.2010) lädt Johannes Dietz mit Unterstützung vieler weiterer Künstler aus Dresden zur großen, offenen Kleinkunstbühne ein.
Ab 20 Uhr werden auf der Waldbühne im Priesnitzgrund, die sich in der Verlängerung der Kamenzer/Bischofswerdaer Straße befindet, mehr als 20 verschiedene Künstler mit Musik, Literatur und Artistik zu sehen sein. Ein besonderer Leckerbissen sind die Feuershows nach Einbruch der Dunkelheit. Der Eintritt ist frei.
Netzinfos: www.derfeuerfrosch.com
Foto: PR
Auf die Kisten, fertig, los!
Bereits zum 10. Mal werden die Seifenkisten in der Saloppe mobil gemacht
Nur hier: Die Geschichte hinter dem Bild …
Von Isabelle Starruß
„Wer zuerst bremst, den verspotten die Boxenluder!“ Am 12. Juni startet das Exotenrennen der Sommerwirtschaft Saloppe nun bereits in die zehnte Runde. Alter egal, Geschlecht im Prinzip auch.
„Die harte und schweißtreibende Arbeit übernehmen die Männer – die Frauen sind zur mentalen Unterstützung dabei“, weiß Veranstalter Michael Kramer aus Erfahrung. Mit mentaler Unterstützung ist dabei das Anfeuern durch die in beliebiger Stückzahl mitzubringenden Boxenluder gemeint.
Diese dürfen den Teams den nötigen Motivationsschub verpassen, wenn es darum geht, sich von der dreieinhalb Meter hohen Rampe zu stürzen und die kommenden 800 Meter möglichst wagemutig und halsbrecherisch entlang zu düsen, um schließlich im Schoß des Dresdner Elbufers das Ziel zu erreichen. Jedes Team besteht aus fünf Personen: Vier schieben und einer sitzt in der Seifenkiste.
Aus Schmerz wird Lust
Dass die Strecke zum wahren Höllenritt werden kann, damit muss gerechnet und Schmerzen durch unsachgemäßes Wenden oder Kurven mit eingeplant werden. Nicht zuletzt steht das Rennen auch unter dem Motto: „Aus dem Schmerz entsteht die Lust!“ Die Seifenkisten müssen von den insgesamt 20 Teams im Vorfeld selbst gebaut werden. Dabei sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. „Alle Kisten sind individuell, pompös, extravagant und mit viel Liebe gebaut“, weiß Kramer. Nur zwei Regeln sind zu beachten. Maximal drei Meter Breite und absolute Unmotorisiertheit, denn alle Kisten müssen nur mit Muskel- und Manneskraft vorwärts bewegt werden. Wer das Ziel als Erster durchfährt, dem winken 52 Kästen Bier.
Zusätzlich wurde dieses Jahr der knapp eine Tonne schwere „Paul-Fröhlich-Gedächtnis-Pokal“ ins Leben gerufen. „Ingenieure der TU Dresden haben diesen entworfen und in dreimonatiger Feinarbeit aus Edelmetallen hergestellt“, sagt Kramer. Leider ist der Grund für den Pokal sehr traurig. „Unser Moderator Paul Fröhlich, der seit der ersten Stunde dabei war, ist unter tragischen Umständen ums Leben gekommen. Wir widmen ihm diesen Wanderpokal.“
Wessen Siegeswille und Abenteuerlust geweckt ist, wer den anderen Teams zeigen will, dass er der wahre König der Seifenkisten oder wer heiß auf einen Jahresvorrat Bier ist, hat noch bis zum Starttag 10 Uhr die Möglichkeit zur Anmeldung. „Wir wünschen uns eine rege Beteiligung studentischer Teams“, animiert Kramer. Beginn ist 12 Uhr, der Eintritt ist frei, nur die Teams müssen im Vorfeld eine Startgebühr entrichten.
Anmeldung: www.saloppe.de
Zum Foto: Veranstalter Michael Kramer freut sich sehr aufs Seifenkistenrennen in der Saloppe.
Foto: Amac Garbe
Kapitalismus bei den Eiern
Szenische Lesung des Theaters die bühne im Stilbruch Dresden
Nur hier: Die Geschichte hinter dem Bild …
Von Christina Dietze
Klimawandel, Finanzkrise, Turbokapitalismus, System verweigern, querdenken. Oder? Was trag ich eigentlich zu all dem bei?
Speziell zum 1. Klimafestival an der TU Dresden vor zwei Wochen von der bühne inszeniert, wird die szenische Lesung „Wir haben auch was dazu zu sagen!“ am Dienstag (8.6.) in der surrealen Szenebar Stilbruch wiederholt und damit auch (leider) letztmalig aufgeführt. Ein Außer-der-Reihe-Stück der bühne, welches innerhalb kürzester Zeit (8 Tage) und mit geringstem Etat (keinem) entstand.
Carola Unser, Künstlerische Leiterin der bühne, erklärt, dass man sich eine klassische Lesung vorstellen kann, die aber ins szenische Spiel aufbricht: „Es gibt nicht nur was für’s Ohr, sondern auch was für’s Auge.“ Die szenische Lesung ist ein Format, auf dem die bekannten „Artikulationsversuche“ der bühne zwar basieren, das aber als solches komplett neu im Programm ist. Begleitet von Lisa Willing (Akkordeon) und Martin Guß (Percussion) lesen Martin Sommer, Anni Sonnenberg, Lisa Ingermann, Louise Marten und Konrad Rädlinger einen dramatischen Text, der politisch, grotesk, komisch und dabei so verdammt real unsere Zeit widerspiegelt.
Inhaltlich verrät Carola Unser nur: „Das Stück greift so vielfältige Themen auf, die einen im schlimmsten Fall erschlagen, im Optimalfall aber eine Palette von Ansatzpunkten bieten, die eigene Realität zu überprüfen.“ Lebe ich richtig? Raum für anschließende Gespräche mit dem Publikum bietet das Stilbruch allemal. Pflichtprogramm!
Stilbruch (Böhmische Straße 30 im Hinterhaus): Dienstag (8.6., 21 Uhr); Eintritt frei;
Netzinfos: www.die-buehne.net
Zum Foto: Leitet die TU-bühne künstlerisch: Carola Unser.
Foto: Amac Garbe
„Ich bin gespannt, was die zarte Lena macht“
Am Samstagabend soll der „Satellite“ abheben: USFO-Moderator Dirk Bach im „ad rem“-Interview
Interview: Volker Tzschucke
Am Samstag tritt „Unser Star für Oslo“ Lena Meyer-Landrut beim Finale des Eurovision Song Contest, vormals bekannt als „Grand Prix Eurovision de la Chanson“, an.
Wie oft es „Germany: 12 points“ heißen wird, kann man beim Public Viewing am Samstag (29.5., 19 Uhr) in der Halle 9 in der Dresdner Zeitenströmung (Königsbrücker Straße 96) miterleben. Moderiert wird das Dresdner Live-Ereignis vom Kölner Fernsehmoderator und Comedian Dirk Bach sowie Co-Moderator Bernd von Fehrn. „ad rem“ spendiert Euch ein Freikartenpaar dafür, war bei Dirk Bach und unterhielt sich mit ihm. 
Herr Bach, wie sind Ihre Verbindungen zum Grand Prix?
Für meine Generation, ich bin 1960 geboren, war der Grand Prix eine gaaanz wichtige Show jedes Jahr. Zu vielen Größen von damals wie Gitte, Mary Roos oder Joy Flemming entstand eine wirkliche Liebe, die auch zu gemeinsamer Arbeit geführt hat. Mein erster Grand Prix, den ich selbst besucht habe, war in der Entourage von Guildo Horn 1998, das war eine sehr beeindruckende Geschichte. So habe ich Verbindungen zum alten Grand Prix, und zum neuen Eurovision Song Contest.
Können Sie sich denn noch an Ihr erstes Grand Prix-Erlebnis als Kind erinnern?
Wir hatten immer die Käseschnittchen mit Häubchen, das war schon immer mein Liebstes. Ich kann mich zwar nicht an einen konkreten Titel erinnern, aber es gibt viele Hits, die ich nach wie vor zu meinen Lieblingsliedern zähle. Daraus erwuchs auch die große Enttäuschung, dass Joy Flemming mit „Ein Lied kann eine Brücke sein“ 1975 so abgestürzt ist.
Apropos abgestürzt: Wie rechnenSie sich denn die Chancen für Lena aus?
Man soll sich ja nie so weit aus dem Fenster lehnen, aber ich weiß, dass es von der Stimmung her ähnlich ist wie damals mit Guildo, eine sehr liebevolle Stimmung und auch gute Quoten bei den Buchmachern. Die Frage wird sein, wie sich „Satellite“ gegen die gewaltigen osteuropäischen Lieder durchsetzen kann mit ihren Explosionen und Peitschen und den Kleidern und den riesigen Tanzformationen. Da bin ich ganz gespannt, was die zarte Lena dazwischen macht. Aber das sehe ich wiederum auch als große Chance: Ihr Vorteil ist wohl, dass sie keinen direkten großen Konkurrenten hat, weil sie so anders ist. Ich sehe es mit großer Freude, wie sie mit Unbefangenheit an die Sache herangeht.
Und Deutschland steht geschlossen hinter ihr …
Man kann schon feststellen: Alle lieben die Sängerin, alle lieben die Musik, und das ist ein tolles Gefühl. Man geht guten Mutes in den Wettbewerb. Es wird auf jeden Fall schön, das in Dresden gemeinsam zu zelebrieren und vorher und hinterher zu feiern. Und selbst wenn es in Oslo nicht funktioniert: Es bleibt das Mädchen und es bleibt das Lied.
Zum Foto: Freut sich auf Samstag: Dirk Bach.
Foto: Amac Garbe
Kunst zu Gast in der Oberlausitz
Vom 22. bis 24. Mai werden in Kirschau Grenzen überschritten
Von Antje Meier
Das „grenzArt“-Festival erteilt den sächsischen Metropolen eine Absage und zieht mit über 40 internationalen Künstlergruppen in den ländlichen Raum.
Am Pfingstwochenende soll Kirschau erwachen. „Ich bin schon sehr gespannt, so viele Performer hier vor Ort zu haben. Das ist auch für Kirschau und das Oberland eine tolle Möglichkeit, auf sich aufmerksam zu machen“, sagt Stephanie Werth, Pressesprecherin von „obArt“, im Vorfeld des „grenzArt“-Festivals, das von Sonnabend (22.5.) bis Montag (24.5.) in Kirschau die Geister wecken soll.
Für alle, die Kirschau nicht kennen, hier ein paar kurze Fakten. Die Gemeinde Kirschau hat etwa 2 400 Einwohner und liegt nahe dem Dreiländereck Deutschland-Polen-Tschechien, etwa 60 Kilometer von Dresden und zehn Kilometer von Bautzen entfernt. In den 1920er-Jahren erlebte die Textilbranche hier ihre Blüte und beschäftigte bis zu 3 000 Menschen. Heute zeugen viele leer stehende Fabrikanlagen von diesen goldenen Zeiten und verlangen nun nach neuen Nutzungsmodellen.
Mit dem „grenzArt“-Festival ist ein solches Konzept gefunden. Denn das Werk IV, in dem bis vor sechs Jahren noch Grobgarn hergestellt wurde, soll Hauptveranstaltungsort des Performancefestivals werden, zu dem Künstler aus Deutschland, Tschechien, Polen, aber auch aus Kanada, Indonesien, Taiwan und Großbritannien kommen. „Das Werk IV hat eine ausgezeichnete Lage und tolle Architektur, um ein solches Festival dort zu veranstalten“, sagt Pressesprecherin Werth. Auf drei Etagen seien die Fabrikräume leergeräumt und teilweise mit Stoffen abgehangen worden. Um den Charme des Gebäudes zu erhalten, soll von der Einrichtung so viel wie möglich für das Festival verwendet werden. Große Garnrollen werden so zum Beispiel zu Sitzplätzen umfunktioniert.
Initiator von „grenzArt“ ist Mike Salomon, der schon das erfolgreiche Projekt „Ostrale“ in Dresden kreierte, bei dem jährlich zeitgenössische Kunst aus allen Ländern zu sehen ist. Mit dem neuen Projekt „grenzArt“ möchte Salomon mittels Video-, Licht-, Aktions- oder auch Bewegungsperformances räumliche, mediale und künstlerische Grenzen aufsprengen. Im Dezember 2008 besuchte er erstmals Kirschau. Daraufhin entwarf er ein Konzept für ein Kunstlabel im ländlichen Raum. Im März 2009 wurde der Verein „Kunstinitiative Kirschau“ gegründet, der ab sofort der Träger des Labels „obArt“ wurde, das nun das „grenzArt“-Festival sowie „obPhon“ (1. bis 11. Juli) im Sommer veranstaltet.
Netzinfos: www.obart.eu
Zum Foto: Grenzöffnung: Stephanie Werth ist gespannt, wie das „grenzArt“-Festival angenommen wird.
Foto: Antje Meier
GRENZFAKTEN.
- Anfahrt: Kirschau ist am besten mit dem Auto zu erreichen. Von Dresden direkt über die B6 oder die A4 bis Abfahrt Burkau und dann weiter auf der B6. Von Görlitz aus ist die A4 bis Bautzen, weiter auf der B96 bis Großpostwitz und dann auf der S116 bis Kirschau die beste Strecke. Zittauer sollten ebenfalls die B96 und S116 fahren.
- Programm: Vom 22. bis 24. Mai startet das Festival täglich ab 14 Uhr. Am Sonnabend und Sonntag gibt’s Tanz (21 Uhr) in der „grenzDiele“. Montag dürfen Künstler und Publikum zur „grenzAuflösung“ (18 Uhr) den Abend musikalisch selbst gestalten.
- Künstler: Bekannte Künstler wie Jürgen Fritz, Alastair MacLennan, Myriam Laplante oder Tomáš Ruller werden das Festival besuchen und Teile ihre Performances erst vor Ort entwickeln.
- Austritt: Statt eines Eintritts wird es einen Austritt geben, dessen Höhe von jedem selbst bestimmt wird.
Türchoreografie im neutralen Treppenraum
Studenten von HfbK und HfM inszenieren Benjamin Brittens „The turn of the screw“ im Dresdner Kleinen Haus
Von Nicole Laube
Die studentische Inszenierung von Benjamin Brittens Geisteroper „The turn of the screw“ feierte am Mittwoch (12.5.) Premiere. „ad rem“ blickte hinter die Kulissen.
Freitag, zehn Uhr vor dem Bühneneingang des Kleinen Hauses in Dresden. Lea Maud-Charlott Klein wartet schon. Die Studentin für Bühnen- und Kostümbild an der Hochschule für Bildende Künste (HfbK) in Dresden lädt zu
einem Blick hinter die Kulissen des Theaterhauses. Im Rahmen ihrer Diplomarbeit hat sie das Bühnenbild und die Kostüme für die diesjährige Gemeinschaftsproduktion der Hochschulen für Kunst und Musik in Dresden entworfen.
In wenigen Minuten wird die Probe für Benjamin Brittens Geisteroper „The turn of the screw“ beginnen. Die Kulisse ist gerade aufgebaut worden – der monumentale Bau aus dunklem Holz und vielen Treppen füllt die komplette Bühne aus, er gleicht einer unbezwingbaren Burg. Plötzlich gerät eine ellenlange Leiter auf der Bühne ins Wanken, Lea Klein hält für einen Schreckmoment die Luft an. Doch die Bühnenbauer haben alles im Griff. Im August 2009 hat das Team um Regisseur Andreas Baumann von der Dresdner Hochschule für Musik (HfM) begonnen, erste Ideen zu sammeln.
Inzwischen hat Lea Klein den Inhalt der Oper längst verinnerlicht. Das Libretto lässt vieles offen. Das wollte sie im Bühnenbild widerspiegeln. Schnell führt die zierliche Frau, die im 10. Semester studiert, durch ihre Kulisse. „Ich habe
einen konkreten Raum konzipiert, in dem alles passiert. Er kann Diele, Wohnzimmer oder Rathaus sein“, sagt sie. Die Treppen symbolisieren Aufstieg, Fall und Anonymität. Zehn versteckte Türen zeigen einen Ausweg aus der Enge. Ohne Musik ging jedoch gar nichts. „Wenn ich eine Idee hatte, habe ich vom Regisseur oft gehört: Lea das steht nicht in der Musik“, erzählt sie.
Die Kostüme hat die Studentin bewusst im Stil der Jahrhundertwende entworfen. Für den Einkauf der Stoffe und die Kalkulation des Budgets war Lea Klein allein verantwortlich. Ausdauer und Feingefühl brauchte es nachher, um in den Kostümproben alles passend zu machen. „Ich schaue dann in die Augen der Sänger und weiß sofort, wenn etwas nicht funktioniert. Dann frage ich, ob wir das Kleid noch etwas enger nähen sollen – und wenn das Gesicht sich aufhellt, weiß ich: Okay!“
Wenig später betreten die ersten Sänger die Bühne, Andreas Baumann ruft Lea Klein nach vorn. Vor der Probe soll sie noch einmal die „Türenchoreografie“ erklären. Sofort ist sie zur Stelle. Zur Premiere muss schließlich alles sitzen.
Dresden, Kleines Haus am Mittwoch (12.5.), Samstag (15.5.) sowie am 22. und 27. Mai, jeweils 19.30 Uhr
Zum Foto: Studentin Lea Maud-Charlott Klein entwarf das Bühnenbild und die Kostüme für „The turn of the screw“. Das Stück ist eine Gemeinschaftsproduktion der Hochschulen für Kunst und Musik in Dresden
Foto: Amac Garbe.
Kurzweile im Thalia und PK Ost
Deutscher Kurzfilmpreis ist auf Dresden-Tour
Das Dresdner Filmfest ist gerade erst vorüber, trudeln schon wieder kurzweilige Filme in den Dresdner Kinos Thalia und Programmkino Ost (PK Ost) ein. Diesmal werden allerdings keine Filme verliehen, sondern bereits preisgekrönte Kurzfilme gezeigt.
Und die Filme wurden nicht mit irgendeinem Preis ausgezeichnet. Nein, sie dürfen sich mit dem Titel des Deutschen Kurzfilmpreises 2009, der seit 1956 vergeben wird und bereits Legenden wie Wim Wenders und Tom Tykwer auszeichnete, schmücken. Dabei gibt es seit 2002 vier Kategorien: „Spielfilme mit einer Laufzeit von 7 Minuten“, in der dieses Mal „Kokon“ das Rennen machte, „Polar“ heimste den Preis in der Sparte „Spielfilme mit einer Laufzeit von mehr als 7 bis 30 Minuten“ ein, „Please say something“ wurde bester „Animations-/Experimentalfilm mit einer Laufzeit bis 30 Minuten“ und im Bereich „Dokumentarfilme mit einer Laufzeit bis 30
Minuten“ gewann „Wagah“.
Doch damit nicht genug. Auch ihre sechs filmischen Mitstreiter im Kampf um den Deutschen Kurzfilmpreis, „Antje und wir“, „Birthday“, „Fliegen“, „Wüste/Außen/Tag“, „Der Conny ihr Pony“ und „Radfahrer“, die zuvor aus einer 253 starken Filmkonkurrenz hervorgingen, sind bei der Tournee mit von der Partie.
In zwei Programmen, „Einerseits: ungestüm“ und „Andererseits“: betörend“, mit je fünf Filmen, werden die insgesamt zehn Kurzfilme vom 7. bis 12. Mai im Thalia und PK Ost für alles andere als Langeweile sorgen. Außerdem sind am 7. Mai im Thalia und am 8. Mai im PK Ost die Regisseure anwesend.
„Einerseits: ungestüm“: „Andererseits: betörend“:
7.5. (20 Uhr): Thalia (mit Regisseuren) 7.5. (22 Uhr): Thalia (mit Regisseuren)
8.5. (20 Uhr): PK Ost (mit Regisseuren) 8.5. (22 Uhr): PK Ost (mit Regisseuren)
9.5. (20 Uhr): Thalia 9.5. (21:15 Uhr): PK Ost
10.5. (20 Uhr): Thalia 10.5. (21:15 Uhr): PK Ost
11.5. (21:15 Uhr): PK Ost 11.5. (20 Uhr): Thalia
12.5. (21:15 Uhr): PK Ost 12.5. (20 Uhr): Thalia
Netzinfos: www.kurzfilmpreisunterwegs.org
Fotos: PR
Tanz der Palucca-Kinder
Ein Jahr lang begleitete der MDR die Schüler der Palucca Schule

Von Antje Schöne
Aufregung herrscht im Grünen Saal der Dresdner Palucca Schule. Alle starren gespannt auf die Leinwand und fragen sich: Wo bin ich zu sehen? Wie werde ich wirken?
Auch Shirley-Cordula Meissner sitzt an diesem Tag ganz aufgeregt auf ihrem Stuhl, als sie, gemeinsam mit fast 200 anderen Schülern, den ersten Teil der MDR Doku-Soap „Palucca-Kinder – Vom Tanzen besessen“ ansieht und sich erinnert: „Ein Schuljahr hat man uns mit der Kamera begleitet, unseren Schulalltag und besondere Ereignisse wie Prüfungen oder Auftritte gefilmt.“
Die Regisseurin Susanne Köpcke hatte die Schüler und Studenten der Hochschule für Tanz beobachtet, sich mit in den Unterricht gesetzt und sich dann für drei interessante Tänzerinnen entschieden: Shirley (17), Pauline (17) und Nina (12), sowie für den Tänzer David (12).
„Als ich gehört habe, dass ich ausgewählt wurde, habe ich mir Gedanken gemacht, wie ich mich vor der Kamera verhalten soll. Ich hatte mir vorgenommen natürlich zu sein, das war mir sehr wichtig. Nicht einfach für das Fernsehen besonders zu wirken oder gar in eine Rolle zu fallen“, denkt die Schülerin zurück. Es sei aber auch interessant gewesen zu sehen, wie die anderen sich verhalten.
Das Kamerateam arbeitete als stiller Beobachter, führte aber auch Interviews mit den Schülern. Dabei entstanden witzige Momente, berichtet die Tänzerin, „etwa wenn Lehrer zweimal ins Klassenzimmer kommen und Hallo sagen mussten, weil sie noch nicht verkabelt waren.“
Die weiteren fünf Teile gibt es donnerstags von 19.50 Uhr bis 20.15 Uhr im MDR Fernsehen zu sehen.
Zum Foto: Eines der „Palucca-Kinder“: Shirley Meissner.
Foto: Amac Garbe
Soweit das Kameraauge reicht
Die Ausstellung „Bilder machen“ der ALTANA-Galerie in Dresden zeigt Fotografie als Praxis
Von Susanne Magister
Die ALTANA-Galerie der Universitätssammlungen Kunst + Technik der TU Dresden beherbergt bis 17. Juli dieses Jahres die Ausstellung „Bilder machen“.
Kurator Bertram Kaschek, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kunstgeschichte an der TU Dresden, beschreibt das Konzept der Ausstellung.
Herr Kaschek, wie ist es zu diesem Ausstellungsprojekt gekommen?
Der Grundimpuls bestand darin, eine Kooperation zwischen der ALTANA-Galerie der TU Dresden und der Deutschen Fotothek in die Wege zu leiten. Die Fotothek, als ein Teil der SLUB, sollte durch eine umfangreiche Ausstellung stärker ins Bewusstsein der Studierenden gerückt werden.
„Bilder machen. Fotografie als Praxis“ ist ein weit gefasster Titel. Was ist das Konzept der Ausstellung?
Fotografie soll hier nicht nur als Kunstform, sondern als vielgestaltige Kulturtechnik präsentiert werden. Insofern zeigen wir neben künstlerischen Arbeiten auch Arbeiterfotografie, Bord- und Pressefotografie, Werbeaufnahmen, Postkarten, Plakate, fotografische Kunstreproduktionen und vieles mehr. Das „Bilder machen“ bezieht sich aber auch darauf, dass die meisten Abzüge tatsächlich für diese Ausstellung hergestellt werden mussten, da die Fotothek in erster Linie Negative sammelt.
Welchen Mehrwert kann man in Zeiten von 3D-Animationen noch aus analoger Fotografie ziehen?
Die Fototheorie der letzten Jahrzehnte hat hervorgehoben, dass die analoge Fotografie den Charakter einer Spur trägt: Das von den Gegenständen ausgesandte Licht schreibt sich physisch-chemikalisch in das Negativ ein. Somit bezeugt die analoge Fotografie das einstige Vorhandensein der Dinge. Dieses Vertrauen in die Zeugenschaft der Fotografie ist im Zeitalter digitaler Simulationen verlorengegangen.
Fotografieren Sie selbst?
Wie die meisten Menschen heutzutage habe ich eine kleine Digitalkamera, die ich für ganz verschiedene Zwecke nutze – etwa in der Bibliothek oder in Archiven. Doch im Zuge der Ausstellungsvorbereitung habe ich auch mal wieder meine Spiegelreflexkamera ausgepackt.
Ausstellung bis 17. Juli in der ALTANA-Galerie (Görges-Bau der TUD, Helmholtzstraße 9), geöffnet Mo. bis Fr. 10 bis 18 Uhr, Sa. 10 bis 14 Uhr; Katalog zur Ausstellung für 15 Euro; Begleitprogramm: Öffentliche Ringvorlesung im HS 226 des Görges-Baus (Do. 18.30 Uhr), kostenfreie Führungen am 15. Mai (11 Uhr) & 22. Juni (16 Uhr)
Netzinfos:www.altana-galerie-dresden.de
Zum Foto: TU-Mitarbeiter Bertram Kaschek kuratiert die neue Ausstellung in der ALTANA-Galerie.
Foto: Amac Garbe
Her mit der regionalen Musik!
Sachsens bissigste Radioinitiative startet nun eine neue Offensive für gute Musik
Von Isabelle Starruß
Nach einer gescheiterten Petition hat sich Biss.FM nun eine neue Aktion zur Verbesserung der sächsischen Radiolandschaft erdacht.
Über 3 500 Unterschriften haben die Initiatoren von Biss.FM im vergangenen Jahr gesammelt. Ziel war ein „besseres (Jugend-)Radio in Sachsen“. Aber das war offenbar zuviel verlangt. Der Petitionsausschuss des Sächsischen Landtags lehnte das ab – keine persönliche Anhörung und so auch zukünftig keine Frequenzen, also keine Chance für frische Musik in Sachsen. „Da keinerlei Unterstützung vom Landtag zu erwarten ist, werden wir uns in Zukunft verstärkt darum kümmern, den Dialog mit den bestehenden Sendern zu führen“, beschreibt Sebastian Schwerk die Zukunftspläne von Biss.FM. Dies soll vor allem in Form von Netzwerkverknüpfungen mit kleinen Podcastern und Internetradiomachern geschehen.
Weiterhin wurde die Aktion „Musiknachhilfe für JUMP und NRJ“ ins Leben gerufen. Ablaufen soll das Ganze wie folgt: Eigenproduktionen oder CDs mit den liebsten Liedern sollen am besten in zweifacher Ausfertigung an Biss.FM geschickt werden. Dort wird fleißig gesammelt und am Ende den beiden Radiosendern flashmobähnlich ein hoffentlich riesiger Berg Platten ins Studio gestellt. Denn Fakt ist, „dieser Funktion des Entdeckens kommen die Radiosender immer weniger bis gar nicht mehr nach, und das ist extrem frustrierend für alle Beteiligten der regionalen Musikszene, egal ob Bands, Fans oder Veranstalter“, wie Schwerk feststellen muss. „Sachsens Musikszene ist in der Lage, 52 radiotaugliche Stücke im Jahr zu produzieren“, fügt er schließlich noch hinzu.
Vor drei Wochen gestartet, beteiligten sich bisher rund 35 junge Bands, besonders aus Nordrhein-Westfalen und Hessen, an der Aktion. „Nur fünf Musikstücke von Bands, Produzenten oder Labels aus Mitteldeuschland beziehungsweise Sachsen in der Hauptsendezeit tun niemandem weh, aber sorgen für Bekanntheit, Selbstbewusstsein, regionalen Zusammenhalt und auch finanzielle Verbesserung der regionalen Musikszene“, findet Schwerk. Schließlich sollten die GEZ-Gebühren nicht nur wohlhabenden Künstlern zugute kommen, sondern auch die regionale Musikszene fördern. Und seitens JUMP gibt es zwar bisher keinen Sendeplatz für junge Bands, aber „trotzdem versuchen wir Tipps und junge Musiker in unser Programm einfließen zu lassen“, wie eine Mitarbeiterin mitteilt. Dann dürfte dem Ganzen ja nichts mehr im Wege stehen. Die Aktion läuft noch bis zur „pop up“-Messe am 8. Mai in Leipzig. Dort wird Biss.FM mit eigenem Stand vertreten sein, wo „Bands und Musikfans ihre CDs noch abgeben können“, ergänzt Schwerk.
Netzinfos: www.biss.fm
Zum Foto: Sebastian Schwerk hat Hoffnung: Ist bald gute Musik aus Sachsens Radios zu hören?
Foto: Amac Garbe
Hörsaalzentrum als Theaterbühne
„TU in Szene“ lädt am 2. Mai zum vierten Mal während der Studententage ins Dresdner HSZ
Von Antje Schöne
„Aus einer Bierlaune heraus, aus einem gemütlichen Abend und der Suche nach einem neuen Beitrag zum studentischen Leben ist die Idee für ‚TU in Szene‘ entstanden.“
Das erzählt Daniel Bochum, ehemaliger Informatikstudent und Mitglied im Studentenclub Wu5. Inspiriert von Poetry-Slams und ähnlichen Veranstaltungen, wurde 2007 diese Idee erstmals im Rahmen der Studententage umgesetzt. „Man wollte Kleinkunst auch an die Uni bringen“, erzählt Bochum, „und die Finanzierung ist natürlich mit Hilfe des Studentenwerks einfacher, und so lässt es sich gleich etwas größer aufziehen.“ Wichtig dabei war den Organisatoren auch, etwas Neues zu planen und nicht wieder einfach nur eine „Studenten-Sauf-Party“.
Seit Januar sitzt nun die neue Generation des Organisationsteams und plant die vierte Auflage. Allesamt sind sie Mitglieder des Studentenclubs Wu5, neben Daniel Bochum sind es weitere drei Studenten. Bei der Homepage, den Flyern und am Abend selbst bekommen die vier Organisatoren Hilfe von anderen Clubmitgliedern, den Rest stemmen sie alleine. Am zeitintensivsten ist die Sponsorensuche, und die Künstler müssen natürlich auch früh genug Bescheid wissen. „Teilweise treten die Künstler direkt an uns heran, oder wir nehmen Kontakt auf. Wichtig ist uns, dass ein gemischtes Programm dabei herauskommt“, erklärt der 30-jährige Bochum. Das ist dem Team dieses Jahr auch wieder gelungen.
Bereits zum zweiten Mal dabei ist die Katastrophenkombo „The Fuck Hornisschen Orchestra“, um niveauvolle Unterhaltung abseits der Norm und völlig ohne Konzept zu bieten. Das Dachtheater Freital wird Schillers „Kabale und Liebe“ vorführen, musikalisch bietet Sebastian Opitz Kleinrockkunst am Klavier, und Titus Lang will mit sonnig-melancholischen Popklängen ans Meer entführen. In Dresden sicherlich vielen bekannt ist Thomas Jurisch, der ehrliche und skurile Texte aus seinem Leben präsentiert. Außerdem wird es von den vier Künstlern von „Flimm Flamm Funken“ eine Schwarzlichtshow geben, bei der sie aus einer Vielzahl von Gegenständen komplexe Muster formen. Es wartet also ein reiches Programm aus Darbietungen verschiedener Künstler der unterschiedlichsten Genres. Durch den Abend führt der in Dresden bekannte Winterwetterfrosch Roman Facilides.
Sonntag (2.5., 18 Uhr) im Dresdner HSZ, Eintritt frei
Netzinfos: www.tu-szene.org
Zum Foto: Christina Paul, Anne Scholz, Daniel Bochum und Franziska Boy (v. l.) lieben Kleinkunst.
Foto: Amac Garbe











