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Für Euch archiviert

Auch wenn Filme von der Kinoleinwand verschwinden. In unserer „ad rem“-Filmdatenbank bleiben sie bewahrt – für Euch zum Nachstöbern in alphabetischer Sortierung.


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„Über uns das All“ von Jan Schomburg (Kinostart: 15.9.2011)

Frisches deutsches Kino präsentiert Jan Schomburg mit seinem Erstlingswerk „Über uns das All“. In der Mischung aus Drama und Komödie, untersetzt mit einer Prise Spannung, widmet er sich mit seinem Drehbuch den Themen Sein und Schein, Leben und Tod.

Martha (Sandra Hüller) und Paul (Felix Knopp) führen eine glückliche Ehe. Als Paul ein Jobangebot in Marseille erhält, wollen die beiden ihre Zelte in Deutschland abbrechen und nach Frankreich ziehen. Paul fährt schon mal vor, um sich um eine neue Wohnung zu kümmern. Doch statt vor einer hoffnungsvollen Zukunft steht Martha plötzlich vor den Scherben ihres Lebens, als die Polizei ihr mitteilt, dass sich Paul in Frankreich umgebracht hat. Erst nach und nach erfährt sie, dass sie ihren Mann eigentlich gar nicht richtig kannte: Dessen Leben entpuppt sich für sie als eine einzige große Lüge.

Jan Schomburg inszeniert in seiner Geschichte eindrucksvoll, dass ein Ende auch immer einen Neuanfang bedeutet. Anstatt seine Protagonistin nach dem Tod ihres Mannes in eine tiefe Trauer verfallen zu lassen, stellt er ihr mit Alexander (Georg Friedrich) eine neue Liebe an die Seite – wenn auch nicht ohne Probleme. Lässt die unbewältigte Vergangenheit überhaupt eine gemeinsame Zukunft zu? (AM)


„Umständlich verliebt“ von Josh Gordon und Will Speck (Kinostart: 11.11.2010)

Eigentlich sind in Liebesgeschichten die Außenseiter meist die liebenswürdigen Charaktere. In „Umständlich verliebt“ ist Wally (Jason Bateman) aber nicht nur ein Freak, sondern ein absoluter Nervbolzen. Seine Macken sind nicht niedlich. Nein, sie sind anstrengend. Und das nicht nur für sein filmisches Umfeld, sondern auch für den Zuschauer.

Wally ist ein Pessimist. Seine beste Freundin Kassie (Jennifer Aniston) hingegen schaut positiv in die Zukunft. So will sie mit Anfang 40 endlich Mutter werden und sucht dafür einen Samenspender. Wally ist davon wenig begeistert. Auf einer „Befruchtungsparty“ geht Roland (Patrick Wilson), Kassies Wunschvater, schließlich seiner Verpflichtung nach. Doch der sturzbetrunkene Wally ändert Kassies und seine Zukunft und kann sich anschließend nicht daran erinnern.

Diese Romantikkomödie bietet keine großen Überraschungen. Sie hat vielmehr ein großes Manko: Keiner der Charaktere überzeugt. Aniston spielt schon fast abgeklärt und Szenen mit Bateman sind einfach nervtötend. Einzig Kassies Sohn Sebastian (Thomas Robinson) ist wirklich bezaubernd neurotisch. So bleibt „Umständlich verliebt“ von Josh Gordon und Will Speck nur schlechtes Mittelmaß. (AM)


„Unbeugsam – Defiance“ von Edward Zwick (Kinostart: 23.4.2009)

Es ist unglaublich, aber wahr. Am Ende des Zweiten Weltkrieges traten 1200 jüdische Überlebende aus den Wäldern Weißrußlands.

Völlig autark hatten sie dort die Jahre des Krieges überlebt. Gerettet wurden sie von den Bielski-Brüdern, die im Wald eine Siedlung aufbauten und versuchten, die Menschen am Leben zu erhalten.

Edward Zwick („Blood Diamond“) nahm sich der Geschichte an und bannte sie mit „Unbeugsam – Defiance“ auf Zelluloid. Bekannt für seine bildgewaltigen Epen, versucht er verzweifelt, einer außergewöhnlichen menschlichen Leistung gerecht zu werden. Zu sehr schwankt Zwick zwischen Actionfilm und Drama, so daß der Film häufig platt und mit Heldenposen überwuchert wirkt.

Einzig die Hauptdarsteller Daniel Craig und Liev Schreiber sind ein Lichtblick, aber das Dreckige, die Kälte und das Unfaßbare werden nur schwer greifbar. Sehenswert ist der Film allein, weil er eine wirklich unglaubliche Geschichte zeigt. (JKK)


„Und dann der Regen“ von Icíar Bollaín (Kinostart: 29.12.2011)

Wasser ist für alle da? Nicht in „Und dann der Regen“.

Regisseur Icíar Bollaín inszeniert mit „Und dann der Regen“ (Originaltitel: „También La Lluvia“) einen fesselnden Film im Film, der gekonnt den Bogen zwischen Vergangenheit und Realität spannt.

Der spanische Regisseur Sebastián (Gael García Bernal) möchte einen Film über Kolumbus drehen. Um Geld zu sparen, finden die Dreharbeiten nicht an Originalschauplätzen, sondern in den bolivianischen Anden statt. Die Darsteller, darunter auch der aufrührerische Daniel (großartig: Juan Carlos Aduviri), werden aus der Bevölkerung rekrutiert. Als Daniel während der Dreharbeiten an einer Bürgerrevolte teilnimmt, die den Zugang zu Wasser für jedermann fordert, droht nicht nur der Film zu platzen.

Bollaín legt den Fokus zunächst auf die Charaktere und deren Motivation. Als der Konflikt zwischen Regierung und Bürgern zu eskalieren droht, gewinnt der Film an Fahrt und die Spannung ist fast nicht mehr auszuhalten. Fazit: Programmkino, wie man es sich wünscht. (AM)


„Unknown Identity“ von Jaume Collet-Serra (Kinostart: 3.3.2011)

Für Dr. Martin Harris (Liam Neeson) beginnt nach einem Unfall eine Odyssee: Nicht nur seine Frau (January Jones) erkennt ihn nicht. Ein anderer Mann an ihrer Seite behauptet sogar, er zu sein. Verwirrung als Komafolge – oder eine Verschwörung? Für Harris beginnt ein Kampf um die eigene Identität. Und um sein Leben.

Ein Handgemenge hier, eine Verfolgungsjagd da – ein Augenschmaus für Actionfans, bildgewaltige Explosion inklusive. Was aber fehlt, ist Logik. Zu abstrus, wenn auch überraschend, sind die Wendungen. Erst nach dem Film fällt das ins Gewicht. Denn 113 Minuten fesselt Regisseur Serra die Zuschauer, zum Grübeln ist keine Zeit. Auch weil Liam Neeson und die bezaubernde Diane Kruger als seine Helferin Gina grandios aufgelegt sind. (TH)


„Unter Strom“ von Zoltan Paul (Kinostart: 10.12.2009)

„Unter Strom“ zeigt auf skurrile Weise, wie sich Entführer und Geiseln langsam annähern.

Frankie (Hanno Koffler) wird verurteilt. Weil er sich aber für unschuldig hält, weiß er keinen anderen Ausweg, als mit Geiseln aus dem Dresdner Gerichtsgebäude zu fliehen. Schnell gefunden ist das Nicht-Mehr-Ehepaar Trieb (Harald Krassnitzer und Catrin Striebeck), in dessen Jaguar sich die drei rasant durch Dresden schlängeln. Zufällig treffen sie auf den vermeintlich Verantwortlichen, den Minister van Möllerbreit.

Wer hier gut oder böse ist, bleibt zunächst unklar. Der Zuschauer hegt aber schnell Sympathien für den Kriminellen. Bleibt nur die Frage, wer für Frankies Notlage verantwortlich ist. Darüber wird ausführlich diskutiert. Freiwillig und unfreiwillig unterstützen die Geiseln ihren Entführer. Das Konzept des Films scheint einfach, doch es kommt anders. Wo permanenter Streit ist, ist Liebe – wo Liebe erwartet wird, sind Vertrauensbrüche, statt korrekter Polizeiarbeit, ist Korruption.

Die Besetzung ist grandios. Jung und alt harmonieren perfekt. Vor allem die Dialoge zwischen den Kriminalkommissaren Sigrid Freesmann (Sunnyi Melles) und Jochen Kaminski (Ralph Herforth) sind köstlich. Dass die Finanzierung des zweiten Spielfilms von Zoltan Paul nur mit Mühe auf die Beine zu stellen war, merkt man zwar manchmal, aber genau das macht den Charme des Filmes aus. Aber auch die ulkigen Fluchtversuche, eine hoffnungslose Liebe und eine Dauererektion machen „Unter Strom“ zu einer sehr sehenswerten deutschen Kriminalkomödie. (LG)

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