Auf dem Campus unterwegs

Dresden, Zittau, Görlitz und Freiberg – wir sind für Euch auf dem Campus unterwegs, graben die kleinen, aber auch großen Geschichten aus und präsentieren sie Euch hier ganz frisch. Sollten wir doch einmal etwas Erzählenswertes verpassen, schreibt uns: leserpost@ad-rem.de.

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Er löst Probleme mit Recht

Geraten Studenten in Gesetzeskonflikte, weiß Gerd Sureck Hilfe

Von Jana Schäfer

Gerd Sureck weiß, was zu tun ist, wenn es Ärger gibt. Als Justiziar des Dresdner Studentenwerks berät er Ratsuchende immer am letzten Mittwoch des Monats in Zittau.

Sein Aufruf klingt weise, ein bisschen sportlich und ganz und gar nicht justiziarisch. „Teilt Eure Kräfte ein!“ fordert er und will nichts anderes als einen intelligenten Umgang mit Rechtsstreitigkeiten. Er muss es wissen, schließlich steht Gerd Sureck seit 19 Jahren Studenten als Rechtsbeistand in so mancher verzwickten Situation bei. Das Studentenwerk Dresden, das für alle Studenten, auch für die in Zittau und Görlitz zuständig ist, hat ihn extra dafür angestellt. Vor Gericht vertritt er das Studentenwerk unter anderem bei Schadensfällen. Zum Beispiel, wenn jemand in der Mensa stürzt. Meistens aber ist er in seinem Büro. Dort flattern Rechtsstreite am laufenden Band ein.

Oberstes Streitproblem auf Surecks Schreibtisch ist das Bundesausbildungsförderungsgesetz, kurz BAföG genannt. Mit gut 60 BAföG-Klagen muss sich Sureck ständig auseinandersetzen. Dabei untersteht das Studentenwerk dem Bundesgesetz, das die Vorschriften und Regelungen vorgibt. So kann es aufgrund des Gesetzes bei einer Ablehnung des BAföG-Antrags zur Klage gegen das Studentenwerk kommen. Auch Mietrechtsstreite der Wohnheime des Studentenwerkes stehen auf dem Programm, vor allem Räumungsklagen aufgrund von Mietschulden oder Vandalismus. Einen großen Teil nehmen außergerichtliche Klärungen ein, wie die Prüfung von Vertragsentwürfen.

Verzwickte Situationen

Einmal im Monat – immer am letzten Mittwoch – empfängt Gerd Sureck hilfesuchende Zittauer und Görlitzer Studenten in der Außenstellenverwaltung der Mensa Zittau. Zweimal pro Woche berät er auch im Dresdner Studentenwerk. Meist geht es dabei zunächst um Grundsätzliches im BAföG sowie im Familien-, Miet-, Hochschul-, Vertrags- und Arbeitsrecht. Sureck hilft erst einmal aufklärend aus der Patsche.

Soll ein Student seine Eltern verklagen, wenn Sie ihm Unterhaltsrecht verweigern? Was tun, wenn der Job nicht bezahlt wird? Wie oft darf die Liebesaffäre zu Besuch kommen? Einen kompletten Rechtsbeistand kann Gerd Sureck allerdings nicht leisten. Er hilft bei der ersten Orientierung, gibt zum Beispiel Hinweise, wie ein Student sich ohne anwaltliche Hilfe durchsetzen kann. So kann er als Schuldner mit seinen Gläubigern verhandeln, wie die Geldforderungen abbezahlt werden können.

In vielen Fällen müssen sich die Ratsuchenden einen frei niedergelassenen Anwalt nehmen. Denn eine vom Studentenwerk unabhängige Beratung ist Sureck nicht möglich. Bei Problemen sollen sich Studenten immer erst an die Hauptabteilungen wenden.

Maßvolle Regelwut

Der Justiziar warnt vor überzogenen Erwartungen. Mit dem Recht alle Probleme lösen? „Das geht nicht!“ Manchmal lohnt es sich nachzugeben. Die 50 Euro vom Freund zurückklagen, wenn die Prozesskosten 200 Euro betragen und die Forderung nicht beweisbar ist? Über Prozess-Ökonomie klärt Sureck also auch auf – und darüber, sich durch unnötige Klagen das Studium nicht zu erschweren.

Netzinfos: www.studentenwerkdresden.de/soziales

Zum Foto: Das Gesetz hat für Studenten einen beratenden Namen: Gerd Sureck.
Foto: Amac Garbe


Student Initiativ: Erasmusverein Faranto

Studenteninitiave gewinnt DAAD-Preis

Von Matthias Schöne

In der Weltkunstsprache Esperanto bezeichnet faranto den Machenden. Der gleichnamige Dresdner Studentenverein nahm sich diese Wortwurzeln zu Herzen und macht Ausgezeichnetes. Er sorgt sich nämlich so gut um die Integration von Austauschstudenten, organisiert Treffen und internationale Partys, dass der Deutsche Akademische Auslandsdienst (DAAD) ihn kürzlich als besten Erasmusverein in Deutschland auszeichnete.

Der Vorstand Dirk Hladik, Anja Krause, Pascal Stusche und seine über 30 Helfer unterstützen die 40 bis 50 Austauschstudenten, die Jahr für Jahr die Dresdner Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) besuchen. Das fängt bei alltäglichen Dingen wie der Wohnheimsuche oder der Kontoeröffnung bei einer Bank an. „Wir organisieren auch viele Events wie Schlauchboottouren oder Ausflüge in den Klettergarten“, erzählt der Vorsitzende Hladik. Und das Feiern kommt nicht zu kurz. „Bei den Länderabenden am ersten Montag im Monat im Club Aquarium stellen sich die einzelnen Länder vor und es gibt landestypisches Essen“, ergänzt Stusche.

Der Verein arbeitet aber auch stark mit der TU Dresden zusammen, so jedes Jahr bei der „Culture Shock Party“, meist mit über 600 Besuchern im Tusculum. „Im nächsten Sommer steht dann das große Treffen aller Vereine des Erasmusnetzwerkes in Dresden an. Dafür wird noch viel zu organisieren sein“, sagt Anja Krause, seit zwei Jahren bei faranto und für die Finanzen zuständig.

Zwar investiert Hladik, der im zweiten Semester Wirtschaftsingenieurwesen studiert, als Vorstand jeden Tag eine Stunde in die Vereinsarbeit, aber es sei „ein schöner Ausgleich“ und er lerne gern neue Leute kennen, sei viel mit Freunden im Ausland unterwegs und wolle auf jeden Fall noch eine Weile im Ausland studieren. Hladik sieht in dem gewonnen DAAD-Preis „eine Bestätigung für die gute Arbeit des Vereins“ und als Hauptgrund für das gute Abschneiden die familiäre und persönliche Betreuung bei faranto. Studenten, die mitarbeiten wollen, sind zur Vereinssitzung dienstags im HTW-Raum S534 eingeladen.

Netzinfos: www.faranto.de

Zum Foto: Sind ausgezeichnet: Anja Krause, Pascal Stusche und Dirk Hladik.
Foto: Amac Garbe


Zu dritt im Studentenwohnheim

Glück auf kleinem Raum: Zu Besuch bei einer Studentenfamilie auf Dresdens Borsbergstraße

Von Nicole Laube

Seit zweieinhalb Jahren leben Claudia Fritz und David Stein zusammen mit ihrer Tochter Florentine auf engem Raum auf der „Borsi 34“.

Studentenwohnheim Borsbergstraße 34 in Dresden. Von den Studenten nur Borsi 34 genannt. Ein klappriger Fahrstuhl rattert und ruckelt hinauf in die fünfte Etage. Die Wohnungstür zur Nummer 530 ist schon angelehnt. Im Zimmer dahinter spielt Verkehrswirtschaftsstudentin Claudia Fritz gerade mit ihrer zweieinhalbjährigen Tochter Florentine.

Es ist eng im Flur, auch die kleine Wohnküche nebenan bietet nicht viel Raum für drei Personen. Gerade mal Kochnische, Spüle und der Esstisch finden Platz. Gegenüber befindet sich ein kleines Bad, und dann gibt es da noch das zweite, das Wohnzimmer. Wie der Schlafraum ist auch dieses nur zwölf Quadratmeter groß. „Allmählich wird es hier wirklich zu eng“, sagt Claudia Fritz, die im 5. Semester studiert. Nicht nur ein Kinderzimmer, auch ein zweiter Schreibtisch fehlt. Gerade jetzt, wo Florentines Papa David Stein im zehnten Semester seine Diplomarbeit in BWL schreibt, macht sich das bemerkbar.

Florentine war ein Wunschkind. „Als ich das Vordiplom fertig hatte, war der Zeitpunkt perfekt“, sagt Claudia Fritz. Die 24-Jährige und ihr 27-jähriger Freund wohnten damals schon auf der Borsi 34. „Wir haben uns hier kennengelernt“, die Studentin schmunzelt. „Auch wenn das Wohnheim schon sehr alt ist, ich fand es immer gut, daher haben wir uns entschieden, mit Kind zunächst hierzubleiben.“ Ganz einfach war das aber nicht. „Damals hat ein Student in der Mutter-Kind-Einheit gewohnt. Der ist wegen uns dann mit einem anderen zusammengezogen“, berichtet sie. Mit acht Monaten ging Florentine in die Kinderkrippe am Beutlerpark, das Studium ging für beide Elternteile relativ unkompliziert weiter. „Schön ist, dass im Wohnheim viele Freunde in der Nähe sind, die auch mal auf das Kind aufpassen können. Wir haben ja keine Großeltern in Dresden“, erklärt die angehende Verkehrswirtschaftlerin.

Nach einem Jahr hat es die drei für zwei Auslandssemester nach Stockholm verschlagen. Zurück aus dem hohen Norden, machte sich die Studentenfamilie nun daran, nach einem eigenen Heim in Dresden zu suchen. Mit Erfolg. Im August ziehen die drei nun in eine Dreiraumwohnung in der Stübelallee. „Aus Striesen wollte ich nicht mehr weg, gerade für Kinder ist es hier schön“, meint Claudia Fritz. Künftig zahlt die kleine Familie dort anstatt der rund 340 Euro im Wohnheim 450 Euro Miete. Die ersten Kisten sind schon gepackt.

Zum Foto: David Stein und Claudia Fritz sitzen mit Töchterchen Florentine auf gepackten Kisten und Koffern.
Foto: Amac Garbe


Schwitzen für den Wohlklang

TU-Forscher findet heraus, warum edelste Instrumente allein keinen Wohlklang garantieren

Von Matthias Schöne

Zu gern würde man das anstrengende Üben eines Instrumentes durch den Kauf teuren Materials ersetzen.

Selbst die teuerste Stradivari kann das Üben nicht ersetzen. Exzellente Musiker entlocken selbst einer aus Asien importierten Geige Melodien vom allerfeinsten. Das fand Dr. Gunter Ziegenhals in seiner vor kurzem veröffentlichten Doktorarbeit zur „subjektiven und objektiven Beurteilung von Musikinstrumenten“ heraus.

Ziegenhals ist Leiter des Institutes für Instrumentenbau der Fakultät Elektrotechnik an der Technischen Universität Dresden, das im vogtländischen Zwota steht. In seine Doktorarbeit hat der 55-Jährige Erfahrungen aus über 25 Jahren Instrumentenforschung gepackt. Ein Fundus, der nun in jener neuen Erkenntnis gipfelt. Ziegenhals fand nämlich heraus, dass der Einfluss der Musikinstrumente für den harmonischen Klang erstaunlicherweise sehr gering ist. Viel bedeutender sind der spielende Musiker und der Raum, in dem gespielt wird.

Für die wissenschaftliche Analyse der Instrumente nutzte der Wissenschaftler objektive psychoakustische Größen wie Lautheit, Rauigkeit, Schärfe, Volumen und Offenheit. Diese werden auch für die Beurteilung des Wohlklangs von Geräuschen in der Industrie, wie beim Klacken eines Toasters, verwendet.

So ist beispielsweise die Lautheit, im Vergleich zum gewöhnlichen Schalldruck, dem menschlichen Lautstärkehören besser angepasst, da eine verdoppelte Lautheit vom Menschen auch wirklich so empfunden wird. Statistisch zeigt sich, dass diese psychoakustischen Größen Urteilen von Profimusikern über Musik sehr nahe kommen.

Für Ziegenhals’ Untersuchung spielten fünf studierte Musiker drei gleiche Musikstücke mit mittlerer Lautstärke ohne starke Betonung ein. Anschließend wurde das Schallsignal nach den verschiedenen Größen ausgewertet. Die Spielweise der Profimusiker und der Raumeindruck unterschieden sich dabei deutlich mehr als die unterschiedlichen Instrumente, selbst wenn man eine billige „Taiwan“-Gitarre mit einer Profikonzertgitarre vergleicht.

Mit seiner Analyse kann Ziegenhals nun bestätigen , dass bei Klarinette, Trompete, Gitarre und Geige die Instrumente selbst den geringsten Einfluss auf die Ausprägung der Merkmale haben. „Die konkrete Verteilung des Einflusses schwankt je nach Instrumententyp; interessant ist, dass bei Gitarren und Trompeten die Musiker den größten Einfluss ausüben. In jedem Falle ist jedoch der Musikereinfluss größer als der der Instrumente!“ erklärt Ziegenhals weiter.

Dem Lernenden wird wohl nur das tägliche Üben bleiben. Vom Kauf eines teuren Instruments rät Ziegenhals zumindest ab. „Kaufen Sie sich lieber ein schönes Einfamilienhaus – und eine gute Geige eines lebenden Geigenbaumeisters.“

Wer sich genauer informieren will: Die Dissertation von Dr. Ziegenhals „Subjektive und objektive Beurteilung von Musikinstrumenten“ ist bei TUDpress erschienen und wird bald auch in der Sächsischen Landes-, Staats-, und Universitätsbibliothek in Dresden erhältlich sein.

Zum Foto: Exzellente Musiker entlocken jedem Instrument feinste Klänge: Dr. Gunter Ziegenhals – hier mit seiner zwölfsaitigen Westerngitarre – hat eine alteingesessene These der Klangforschung widerlegt.
Foto: Amac Garbe


Der Dresdner Fenstersturz

Ein Unfall im BZW schlägt hohe Wellen und sorgt für Verwunderung

Von Louisa Pagel

Vor zwei Wochen stürzte während eines Tutoriums im Bürogebäude Zellescher Weg ein Fenster auf zwei Psychologiestudentinnen.

Jetzt darf im Gebäude kein Fenster mehr eigenmächtig geöffnet werden und rund um das Bürogebäude Zellescher Weg (BZW) ranken sich die tollsten Geschichten.

Manch einer erzählt von einer Vermietungsfirma aus dem Westen, ein anderer weiß, dass die TU Dresden nächstes Semester nicht mehr im BZW unterrichten darf. „Diese Informationen sind nicht korrekt“, dementiert Anke Haake vom Personalrat der TU. Es ist jedoch der schlechte Informationsfluss von Seiten der Universität selbst, der solchen Gerüchten Nahrung gibt. „Man hat das Gefühl, nicht genügend über die Situation unterrichtet zu werden. Es gibt keine sichere Informationsquelle“, klagt Robert Geiser, der als Lateinlehrer und Sprachreferent von TUDIAS im BZW unterrichtet.

Auch der Personalrat der TU kritisiert die Undurchsichtigkeit. „Ich sehe vor allem Informationsdefizite bei den nichtadressierten Nutzern, also solche, die kein Büro im BZW haben“, bestätigt Personalratsvorsitzender Dr. Michael Hochmuth, der mit seiner Kollegin Haake und seiner Gesprächsbereitschaft ziemlich allein ist an der breiten Verwaltungsfront der TU.

Das Verbot, die Fenster zu öffnen, stößt daher bei vielen Lehrenden und Studenten auf große Verwunderung und Unverständnis. Wie lange die Situation noch anhalten wird, ist allerdings selbst Haake und Hochmuth nicht bekannt.

Sicher ist sicher

TU-Pressesprecherin Kim-Astrid Magister verweist auf ein noch ausstehendes schriftliches Gutachten, das die genaue Unfallursache und alle weiteren Maßnahmen klären soll. „Mündlich hat der Gutachter aber festgestellt, dass das herabgestürzte Fenster einen Konstruktionsfehler aufwies. Da nun noch geklärt werden muss, inwieweit durch Fenster im BZW Unfallgefahr besteht, hat TU-Kanzler Wolf-Eckhard Wormser zur Sicherheit verfügt, dass bis auf weiteres alle Fenster im BZW geschlossen bleiben“, erklärt Kim-Astrid Magister.

Bis dahin öffnen im A-Flügel des Gebäudes die Hausmeister in regelmäßigen Abständen die Fenster, um für Durchzug zu sorgen. Im B-Flügel wird die Klimaanlage hochgefahren. Für längere Prüfungen dürfen die Prüfer einen Sonderbedarf an Lüftungen anmelden. Ein schwacher Trost für die Studenten in diesen heißen Tagen. Magister weiß: „Das ist kein optimaler Zustand, aber angesichts der Gegebenheit muss der Schutz der Studierenden und Mitarbeiter einfach Vorrang haben.“

Zwar befinden sich die TU und der Vermieter des BZW, laut Magister, tatsächlich in Gesprächen, allerdings haben die Überlegungen der TU, das Gebäude zu übernehmen, nichts mit dem Vorfall zu tun. Alles andere ist wohl reine Spekulation.

Zum Foto: Solange das Verbotsschild hängt, müssen TU-Studenten im BZW im Ungewissen schwitzen.
Foto: Amac Garbe


Dosenravioli für die Italienanbeterin

Mediävistikprofessorin Marina Münkler kickboxte einst, liebt Italien und hasst Referate

Nur hier: Die Geschichte hinter dem Bild …

Von Anja Zimmermann

„Mein Prof kocht auch nur mit Wasser“, ist ein Rat, der das mulmige Gefühl vor der Prüfung nehmen kann. Abgesehen davon ist es die reine Wahrheit.

So besuchen „ad rem“-Redakteure Eure Hochschullehrer in ihrem Leben jenseits des Campus. Heute: Prof. Marina Münkler.

In ihrer großen dunklen Sonnenbrille spiegelt sich der Turm der Frauenkirche, während Prof. Marina Münkler erklärt, warum gerade die Frauenkirche ihr Lieblingsplatz in Dresden ist, obwohl sie, wie sie zugeben muss, für Barockarchitektur sonst nicht sehr viel übrig hat. „Ich finde es ganz faszinierend, dass diese Kirche zwei Mal gebaut wurde, und beide Male durch die Initiative der Dresdner Bürger.“ Überhaupt hat sich die Berlinerin in diesem Januar nach der Berufung leichten Herzens für Dresden als zweite Heimat entschieden. „Dresden ist ungewöhnlich schön, hat irgendwie so etwas Südländisches“, schwärmt sie. Die Mediävistikprofessorin verrät außerdem, dass sie inzwischen sogar schon die Baracken der Fakultät Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaften in ihr Herz geschlossen habe.

Regelmäßig pendelt sie am Wochenende zwischen Dresden und Berlin. Kann sie aber einmal nicht nach Hause, besucht sie ihr Mann in ihrer Zwei-Raumwohnung in der Altstadt. Münkler studierte von 1978 bis 1984 Germanistik, Philosophie und Theaterwissenschaften an der Johann Wolfgang Goethe Universität in Frankfurt am Main. Schon während ihres Studiums hat sie Referate gehasst und hasst sie – mittlerweile selbst Dozentin – noch immer.

Dass auch Hochschullehrer ganz normale Menschen sind, erfuhr sie als Studentin nach einem besonders lustigen Zusammentreffen mit einem ihrer Professoren: „Er hielt viele seiner Seminare zu Hause, eines Tages ging ich früher zu ihm, um eine Arbeit zu besprechen. Er setzte sich vor mich mit einem Geschirrtuch um den Hals gebunden und einer aufgewärmten Dose Ravioli“, erzählt Marina Münkler schmunzelnd an dieses Erlebnis zurückdenkend.

Insgesamt beherrscht sie drei Sprachen. Latein, Italienisch und Französisch. Während ihres Studiums verbrachte sie unvergessliche Wochen in Ancona an der Adria, wo sie ihr Italienisch verbesserte und unglaublich nette Menschen traf. Ganz bodenständig liebt sie es heute, die Oper oder das Theater zu besuchen. In jüngeren Jahren aber war Münkler Feuer und Flamme für Kampfsportarten und trainierte regelmäßig Karate und Kickboxen.

1983, noch während ihrer Magisterarbeit heiratete sie und bekam zwei Kinder: Tochter Laura ist heute 24 Jahre, Sohn Hagen 21 Jahre alt. Das war nicht ganz einfach: „Trotz Magister-Abschluss mit Auszeichnung schien promovieren im Westen in den 80er-Jahren als Mutter unmöglich, bis ich an der HU Berlin angenommen wurde und es doch noch geschafft habe.“

Zum Foto: Liebt das Südländische an Dresden: Prof. Marina Münkler in der Altstadt am Fürstenzug.
Foto: Amac Garbe

KURZBIO MÜNKLER.

  • Marina Münkler wuchs in Friedberg bei Frankfurt/M. auf und studierte ab 1978 Germanistik, Philosophie und Theaterwissenschaften an der J.-W.-Goethe-Universität Frankfurt und arbeitete danach zehn Jahre als freie Übersetzerin und Literaturkritikerin. Nach der Promotion habilitierte sie an der HU Berlin und ging anschließend als Gastprofessorin an die Uni Zürich. Im Januar 2010 wurde sie als Professorin für Ältere und frühneuzeitliche Literatur und Kultur ans Institut für Germanistik der TUD berufen.


Sonnige Lernpausen in der SLUB

Können Studenten ihren Kaffee bald auf einer Terrasse genießen?

Von Louisa Pagel

Das neuste Gericht aus der Campus-Gerüchteküche ist serviert. Anscheinend steht eine Erweiterung der Bib-Lounge in der SLUB zu einem Außenbereich zur Debatte. Doch Martin Richter, Geschäftsführer des Studentenwerks Dresden, dementiert dies: „Eine solche Erweiterung ist nicht geplant, weil sie bautechnisch gar nicht möglich ist.“

Also doch keine Terrasse hinter der SLUB? Immerhin gibt es dennoch einige positive Veränderungen für die Studenten. So sollen zum kommenden Wintersemester die Theken modernisiert und neue Kaffeeautomaten angeschafft werden. Weiterhin wird es in der Mensa Siedepunkt bald auch ein Mittagsangebot an Samstagen und einen Sonntagsbrunch geben. Somit können fleißige SLUB-Besucher am Wochenende noch bequemer Mittagessen. „Baulich wird das Konzept aber nicht verändert“, machte Richter deutlich.

SLUB-Café im Grünen?

„ad rem“ hat gefragt, ob Euch eine Erweiterung der SLUBBib-Lounge durch eine Terrasse gefallen würde?

Pierre Seiffert
(Wirtschaftsingenieurwesen, 8. Sem., TUD)

Ich hätte nichts dagegen, halte sie aber nicht für nötig. Es ist gut, dass man sich mit den Liegestühlen in die Sonne oder den Schatten setzen kann. Bei einer Terrasse müsste man sicher immer in der Sonne sitzen. Lieber sollten noch mal 50 Liegestühle angeschafft werden.






Nicole Hoyer
(Geografie, 10. Sem., TUD)

Ich finde es gut, dass man sitzen kann, wo man will. Eine erweiternde Terrasse könnte abgrenzend wirken. Sicher wären für eine Erweiterung Einsparungen nötig, um die Kosten zu decken. Ich möchte nicht mehr fürs Essen bezahlen.






Michael Erler
(Geografie, 10. Sem., TUD)

Ich denke, im Sommer wäre das vielleicht eine gute Idee, aber ich halte es nicht unbedingt für nötig. Es gibt ja auch so genug Sitzplätze. Außerdem sehe ich keinen Nutzen für eine Terrasse im Winter.







Mareike Sach
(Psychologie, 2. Sem., TUD)

Eine Erweiterung der Cafeteria wäre gut, denn der Platz ist schön zum Sitzen. Der ökonomische Aufwand dürfte nicht zu hoch sein. Aber auch Stühle und Tische würden reichen.



Fotos: Amac Garbe



Knetenot im Jahreslot

Freiberger Studentenrat muss sein Finanzloch nach den Studententagen 2010 erklären

Von Sarah Richter

„I want my money back“ schrie es vor einem knappen Monat den Freiberger Studenten in einer Rundmail der Universität entgegen.

Theresa Nerger wollte das nicht auf sich sitzen lassen und reagierte prompt. Die resolute Studentin rief ihre Kommilitonen auf, vom Studentenrat (StuRa) der Bergakademie eine Erklärung zur finanziellen Schieflage einzufordern. Außerdem, so drängte Nerger, sollten die Studentenvertreter erläutern, was eigentlich mit den Semesterbeiträgen der Studenten passiere.

Der Hintergrund: Die Studententage im Mai („ad rem“ berichtete), insbesondere das großaufgezogene Konzert von JBO hatten den Freiberger StuRa mit einem großen Loch im Portemonnaie zurückgelassen.

Freieinritt + Nichtzuschauer = Knetenmisere

Knackpunkt war die Kalkulation für das Konzert, die sich hinterher als Fehleinschätzung herausstellte. Der StuRa hatte sich an dieser Stelle schlichtweg übernommen. „Wir wollten dieses Jahr gerne noch eins draufsetzen“, war das Credo der Veranstalter. Doch da der Eintritt für Studenten kostenlos war und zu wenig zahlende Zuschauer kamen, prankt nun ein fettes Minus auf dem Konto.

Eigentlich hatte der StuRa mit 20 000 Euro Zuschuss gerechnet, jetzt muss der StuRa eine doppelt so hohe Rechnung begleichen. „Geplant war zudem, Ausgaben über Sponsoring zu finanzieren, doch das Konzept ging nicht auf“, erklärt StuRa-Finanzchef Alexander Richter. Und das bekamen prompt die Arbeitsgemeinschaften und die vom StuRa unterstützten Vereine zu spüren. Deren Mittel wurden im Schnitt um 50 Prozent gekürzt und eine Haushaltssperre wurde verhängt.

Die ist mittlerweile wieder aufgehoben und in Absprache mit den meisten Gruppen ein Nachtragshaushalt beschlossen – die prekäre Finanzsituation aber bleibt. Davon betroffen war auch die Absenderin des Rundschreibens, Theresa Nerger, Vorsitzende des Vereins „Alte Mensa“, der die Studentenkneipe „Zum Teufel“ betreibt.

Der Verein war früher eine Arbeitsgemeinschaft des StuRas und erhält auch heute noch noch Zuschüsse für kulturelle Veranstaltungen. Theresa Nergers E-Mail blieb nicht ohne Folgen, 80 Gäste erschienen zum nächsten Sitzungstermin. Eigentlich ein Traum für ein studentisches Gremium, doch die StuRa-Mitglieder, insbesondere Organisator Sanny Reich und Alexander Richter, mussten sich einer Reihe unangenehmer Fragen aus dem Publikum stellen. „Trotzdem fanden wir die Sitzung konstruktiv und es lief ruhiger ab, als wir erwartet haben“, bilanzierte StuRa-Sprecher Noah Knittel.

Aufklärung ja, Verfolgung nein

Obgleich einige ihren Ärger nicht verbergen konnten („Warum sollen wir für Eure Fehler bezahlen?“), reagierten die meisten doch eher verständnisvoll. Erklärungen bitteschön ja, Steinigung nein. Eines wurde auch deutlich: gute Gremienarbeit braucht genug Zeit und genug Leute. Wenn die Kapazitäten knapp werden, unterlaufen Fehler, und in diesem Fall ein besonders schwerwiegender. Helfen soll nun eine Spendenaktion, bereits geplante Veranstaltungen sollen mit Hilfe von Sponsoren gestemmt werden. Eine Erhöhung des Semesterbeitrages wurde ausgeschlossen.

Für das kommende Jahr gilt: „Es wird auf alle Fälle nicht wieder solche Studententage wie dieses Jahr geben“, erklärt Noah Knittel. Kleiner, sparsamer soll es 2011 werden. Gerne mit Unterstützung aller Studenten.

Zur Kari: Wenn’s wenigstens einem gefallen hat, haben sich die Freiberger Studententage doch gelohnt!
Kari: Norbert Scholz


FREIBERGER KNETEFAKTEN.

  • Jeder Student muss zweimal im Jahr den Semesterbeitrag entrichten, für Studenten der TU Bergakademie Freiberg sind dies aktuell 75 Euro pro Semester. Davon geht der Großteil an das Studentenwerk, der Studentenrat (StuRa) bekommt davon 7 Euro. Im Jahr sind dies also zwei mal 7 Euro, bei etwa 5 000 Studenten stehen dem StuRa gut 70 000 Euro zur Verfügung. Diese fließen zum Beispiel in die Unterstützung von Kultur, Sport und andere studentische Veranstaltungen. Die Verwendung des Geldes ist im Finanzplan des StuRas und im Sächsischen Hochschulgesetz geregelt. Beides ist auf der Website des Freiberger StuRas einsehbar: www.stura.tu-freiberg.de


Geprüfte Maskenbildkunst

Vom Karikaturisten zur bösen Seehexe

Von und mit Norbert Scholz

Diplomarbeiten anzufertigen ist ja im allgemeinen schon kein großer Spaß, aber wenn man Maskenbildner werden will, bzw. als Modell dafür zur Verfügung steht, noch viel weniger – bei 30 Grad unter einer Gummiglatze.

Hanna Hackbeil ist 24 Jahre alt und nach acht Semestern im Fach Maskenbild der Studienrichtung Theaterausstattung auf dem Weg zum Ziel. Am kommenden Montag (5.7., 10 Uhr) wird sie vier ganz normale Menschen in fantastische Unterwassergestalten verwandeln. Ihr Thema zur Abschlussarbeit ist die Geschichte der kleinen Meerjungfrau. Ich werde darin die böse Seehexe darstellen, mit Schaumstoffgesichtsmaske und falschen Brüsten. Die geschminkten und verzierten Modelle präsentieren sich am Prüfungstag in einem kleinen Bühnenstück und werden anschließend einzeln begutachtet.

Darauf freue ich mich schon und werde natürlich ordentlich Charme spielen lassen – unter zehn Lagen Schminke. Weniger freudig ist es, dafür dann um 6 Uhr früh aufstehen zu müssen. Aber was tut man nicht alles für die Kunst.

Zum Verständnis: So sieht unser Karikaturist Norbert Scholz eigentlich aus (links, Foto: Amac Garbe).

Die öffentlichen Diplome in der Fachrichtung Maskenbild finden am 5. und 6. Juli, jeweils ab 10 Uhr, in der Güntzstraße 34, Labor-theater, statt.

Netzinfos: www.hfbk-dresden.de

Zu den Fotos: Norbert Scholz wird von der Maskenbildnerstudentin Hanna Hackbeil in die böse Seehexe verwandelt.
Fotos: Norbert Scholz

Die Kamera als Waffe

Das Studentenprojekt NPT-TV rüstet gegen Atomwaffen auf

Von Alexandra Niedermeier

Im Mai 2010 war eine Gruppe Dresdner Studenten in New York und setzte sich durch Öffentlichkeitsarbeit für die nukleare Abrüstung ein.

Es ist vielleicht eine Vision, die das Studentenprojekt NPT-TV aus Dresden antreibt. Das Ideal einer atomwaffenfreien Welt, in der es keine nuklearen Waffen, höchstens noch nukleare Energie gibt.

Seit 2007 existiert der Verein in Dresden, in dem sich sowohl Studenten als auch Schüler engagieren. Seinen Ursprung hat er in Heidelberg, von wo aus die Idee durch einen Studenten hierher getragen wurde. Das zentrale Element des Vereins ist die alle fünf Jahre stattfindende Überprüfungskonferenz des NPT, also des Atomwaffensperrvertrags, in New York, an der sie als Nicht-Regierungs-Organisation (NGO) teilnehmen.

Den gesamten Mai waren sie in Übersee und sammelten Material für ihre Homepage. Auf der Konferenz vernetzten sie sich auch mit anderen NGOs, tauschten Erfahrungen und Meinungen aus. Dort wurden Filme gedreht und Interviews mit anderen NGOMitgliedern und Delegierten geführt, die dann auf ihre Homepage gestellt wurden und für jedermann zugänglich sind. „Wir wollen ein Bewusstsein in der Öffentlichkeit für dieses Thema schaffen und den Menschen helfen, sich eine Meinung dazu zu bilden“, erzählt Nina Salzer, die im zweiten Semester Internationale Beziehungen an der TUD studiert und zum ersten Mal an der Konferenz teilgenommen hat.

Nina Salzer und ihre Kommilitonen hoffen, mit ihrer Vereinsarbeit eine Nachfrage für das Thema zu schaffen und im Idealfall Druck auf Regierungen ausüben zu können. Zum Beispiel auf Staaten wie Israel, Nordkorea, Indien und Pakistan, die den Vertrag noch immer nicht unterzeichnet haben.

Netzinfos: www.npt-tv.net

Zum Foto: Lukas Bretzinger, Nina Salzer und Niels Böhm (v. l.) flogen nach New York, um für eine atomwaffenfreie Welt Druck zu machen.
Foto: Amac Garbe


Ausflugstipp

Studentische Liegewiese

Von Alexandra Niedermeier

Der Sommer ist da. Auch morgen (29.06.) sollen wieder Temperaturen bis 30 Grad erreicht werden.

Also auf zum fröhlichen Sommeranbeten auf der Sächsischen Landes-, Staats- und Universitätsbibliothek (SLUB). Denn ein Spender, der anonym bleiben möchte, verhalf ihr zu 50 Deck chairs. Damit können die Lernpausen und Freistunden nun sommerlich sinnvoll genutzt werden – völlig kostenlos und unkompliziert.

Die Stühle stehen zum Abholen vor der Bib Lounge bereit, und jeder, der noch einen ergattert, kann sich auf dem Außengelände der SLUB breitmachen. Christian Gottschild, der im vierten Semester Wirtschaftswissenschaften an der TU Dresden studiert, hat den neuen Service bereits mehrere Tage hintereinander genutzt und wird dies „auf jeden Fall noch öfter tun“.

Die Bedingungen für die Nutzung sind einfach: Es soll bei den 50 Stühlen bleiben und sich nicht der eine oder andere in eine WG verirren, und die Stühle sollten bei Regen wieder ins Gebäude gebracht werden. Ein faires Angebot für ein paar Sonnenstunden mehr.

Zum Foto: Christian Gottschild entspannt in einem der neuen Deckchairs der Landesbibliothek.
Foto: Amac Garbe

Das Campusradio hat sich umgehört, wie es sich auf der SLUB-Wiese liegt.


Plötzlich auf der Bühne

Angehende Studentin sang auf Dresdens Campusparty

Nur hier: Alle Bilder der Campusparty …

Nur drei Hände blieben am vergangenen Mittwoch in der Luft, als Fräulein Jennifer Weist, Frontfrau der Berliner Band JENNIFER ROSTOCK, fragend in die Massen schrie, wer ihren Hit „Kopf oder Zahl“ auswendig trällern könne.

Eine Hand gehörte Abiturientin Linda Kunze, die nicht schlecht staunte, als Miss Rostock sie auf die Hauptbühne der Campusparty an der TU Dresden zum Mitsingen zitierte.

„Ich war total geschockt und überglücklich zugleich“, sagt Linda Kunze, die im Oktober ein Studium beginnen möchte, „bei jeder anderen Band wäre es ja schon toll gewesen, aber das ist meine absolute Lieblingsband. Total verrückt!“ (fl)

Zum Foto: Linda Kunze (Mitte) sang mit JENNIFER-ROSTOCK-Frontfrau Jennifer Weist auf der Campusparty.
Foto: Amac Garbe


Das Haus auf der Couch

Architekturpsychologe Prof. Peter G. Richter weiß, wie Gebäude wirken

Von Jana Schäfer

„Wo ein Mensch ist, ist Psychologie. Alle Menschen handeln psychologisch, auch im Bezug auf Bauten.“

Die Tür zum Büroraum liegt schon einige Schritte hinter Prof. Peter G. Richter. Wieder ist der Arbeits- und Organisationspsychologe der TU Dresden daran vorbeigeeilt, auch wenn er Tisch und Stühle extra neben seine Bürotür platziert hat. Doch unterliegen alle Gegenstände im BZW-Gebäude am Zelleschen Weg 17 dem gleichen Schicksal: Sie drohen in der Monotonie des Flures zu versumpfen.

Gleichförmigkeit ist nur eines von vielen Problemen moderner Architektur. „Ich untersuche das Erleben und Verhalten von Menschen in Bezug auf die gebaute Umwelt“, erklärt Richter seinen weiteren Forschungsschwerpunkt – die Architekturpsychologie. Entstanden ist diese Architekturwissenschaft als eine Subdisziplin aus der „Environmental Psychology“ in England, wo sie eine lange Tradition hegt. In Deutschland kam sie erst Mitte der 90er-Jahre richtig auf, seitdem forscht auch Richter. Doch sein Interesse daran, wie sich Gestaltung auf die menschliche Psyche auswirkt, entwickelte sich bereits in den 80ern: Richter war Umweltpsychologe, als er erste Erfahrungen durch Designprojekte sammelte.

Aus dem Hobby wurde Wissenschaft. Richter arbeitet hauptsächlich mit Architekten und Designern. Er greift in Bauprozesse von Gebäuden ein: „Architekturpsychologen geben Empfehlungen für menschengerechte Gebäude, die positiv erlebt werden und Orientierung bieten.“ Nur so können Fehler von vornherein vermieden oder bereits begangene korrigiert werden. „Architekten wissen nicht viel darüber, wie
Menschen funktionieren“, ist Richters Erfahrung, „sie gestalten häufig, was für sie selbst steht.“ Erst kommt die Selbstverwirklichung des Architekten, dann die Bedürfnisse des Menschen. Außergewöhnliche Formen anstatt praktischer Nutzen. Oder zu triste Pragmatik, die jede Lebendigkeit erstickt. „Es wird einfach zu viel falsch gebaut, zu wenig orientiert am Menschen“, beobachtet Richter. Der Bedarf an Architekturpsychologen ist daher groß, und darum fordert Richter eigenständige Professuren an den Architektur-Fakultäten.

So sehr sich Richter für Architekturpsychologie einsetzt und diese sein Bewusstsein für Gebäude schärft: „Im Alltag bin ich ein normaler Mensch, dann analysiere ich nicht permanent andere Gebäude.“

In den kommenden „ad rem“-Ausgaben wird Prof. Peter G. Richter in der kleinen Serie „Durch die Wand geschaut“ vier Gebäude der TU Dresden analysieren: Welchen Einfluss haben sie auf Studenten? Was sagen sie über den Fachbereich aus? Wie sollte ein Gebäude gebaut sein?

Zum Foto: Er durchschaut Wände: Der Dresdner Psychologe Prof. Peter G. Richter möchte Architektur menschlicher gestalten.
Foto: Amac Garbe


Nacht der Forschergeister

Eine Nacht lang helle Wissenschaft in Dresden

Von Jana Schäfer

Die „Lange Nacht der Wissenschaften“ lädt ein zu einem Blick hinter die Kulissen der sonst so unnahbaren Forschungsbereiche.

Was treibt die Wissenschaftler in ihren Laboren und hinter dicken
Hörsaalwänden um? Licht ins Dunkel bringt nun die achte „Lange Nacht der Wissenschaften“ am Freitag (18.6., 18 bis 1 Uhr). Dann präsentieren vier Dresdner Hochschulen zusammen mit 32 Forschungseinrichtungen und Unternehmen in und um Dresden ihre geistigen Errungenschaften. Zu den insgesamt über 450 Führungen, Ausstellungen, Vorträgen und Experimenten reihen sich dieses Jahr auch neue Veranstalter ein, wie das Grüne Forum in Pillnitz. Dort steht die Fledermaus im Mittelpunkt, an die sich unter anderem im Schlosspark mit Detektoren herangepirscht werden kann.

Welt der Gene

Wie international die Wissenschaft in Dresden geworden ist, beweist unter anderem das Max Planck Institut für Molekulare Zellbiologie und Genetik – ein Einblick wird nicht nur in die Welt der Gene gewährt, sondern
auch in die Welt der ausländischen Wissenschaftler bei einer Diskussionsrunde. Sie machen am Institut über die Hälfte der Mitarbeiter aus.

Um Marathonläufe zu vermeiden, steuern kostenfreie Zubringerbusse im 12-Minuten-Takt die Veranstaltungsorte auf der Wissensroute an (Linien A und B). Auch entlegenere Stationen wie der Felsenkeller (Linie C) und Königsbrück (Linie D) werden extra angefahren. Der Eintritt ist frei, und so steht den großen wie kleinen Fragen des Lebens eigentlich nichts mehr im Weg.

Netzinfos: www.wissenschaftsnacht-dresden.de

Zum Foto: Forsch, forscher, am Forschen: Zur Wissenschaftsnacht dürfen alle in den Forscherkittel schlüpfen.
Foto: Amac Garbe


WISSENSCHAFTSTIPP.

Wenn man sich im Kurzvortrag literarischer Texte messen kann, warum nicht auch wissenschaftliche Themen prägnant und publikumsfreundlich in einem Wettbewerb vortragen? Das ist zumindest die Idee des ersten Dresdner Science Slam, bei dem am Freitag (18.6., 19 Uhr) fünf Nachwuchswissenschaftler aus fünf Fachgebieten gegeneinander antreten werden.

In jeweils sechs Minuten sollen sie ihre aktuellen Forschungsthemen den bewertenden Zuschauern unterhaltsam darbieten. Austragungsort ist der Platz vor dem Dresdner Hörsaalzentrum, Bergstraße 64. (fp)

Netzinfos: tu-dresden.de/studium/career/scienceslam

Campusparty-Roulette

Die 15. Campusparty präsentiert sich bunter, housiger und filmischer

Von Christiane Nevoigt

Auf einem grell-grünen und violetten Untergrund ist kein Platz mehr für fröhliche Stereo-Sonnenblumen.

Energisch durchbricht ein schwarz-weißes Monster die einstige Blumenwiese, die Lettern der Dresdner Campusparty mit seinen verkrusteten Scheren in neue festivalgleiche Höhen zu hieven. Wenn auch nicht ganz so grell, wandelt auf der Dresdner Campuswiese in diesem Jahr ein frischer Sound. Der Grund: zu suchen in der offenkundigen Zusammenarbeit mit dem elektroversierten Melt!- Festival, das schon mit einem Bein in Sachsen steht. Findet dieses eine gekonnte Grätsche zwischen elektronischer und Indie-Musikszene, treibt es nun auch den elektronischen Siegeszug mit der kleineren Melt!Klub-Bühne in der Campusparty voran.

Kurzfilme für die kulturelle Erholung zwischendurch

Das neue Konzept präsentiert sich dabei nicht nur elektronischer, sondern auch ein bisschen kultureller. Wer etwas Visuelles neben den Konzerten braucht, begibt sich ins Hörsaalzentrum. Eingebettet in die Campusparty finden sich dort erstmals der Campus Poetry Slam und die Shortfilm Stage für das „Filmfest Dresden“. Als unkonventionelle Filmform sieht Gloria Marchesi den Kurzfilm gut in das Konzept der Campusparty eingepasst. „Es ist wie ein Roulettespiel. Der Kurzfilm ermöglicht einen schnellen Ein- und Ausstieg“, sagt die Assistentin der Filmfestivalleitung. Den Sogeffekt nicht eingerechnet.

So flimmern ab 21 Uhr insgesamt 99 Kurzfilm-Minuten in einer Dauerschleife über die Leinwand. Von Einminütern bis zu entspannten vierzehn Minuten Animations- oder Spielfilm ist alles dabei. „Das Programm soll damit einen Querschnitt durch unser Festival geben und skurril-tragische bis verstörend-schöne Bilder zeigen.“ Für die Germanistikstudentin an der TU Dresden unterscheidet sich die Campusparty dabei nicht so sehr von einem Filmfest. Denn wenn die Filmschleife einmal läuft, hat auch sie die Zeit, sich von einer abendlichen Euphorie in die nächste hineinzuhangeln.

CAMPUSPARTYINFOS.

  • Die Campusparty startet am heutigen Mittwoch (16.6., 18 Uhr) auf dem Campusgelände der TU-Dresden.
  • Live-Musik: Centrum Stage: JENNIFER ROSTOCK; NORTHERN LITE; DOLL & THE KICKS; JENIX; THE SONIC BOOM FOUNDATION. Melt!Klub Stage: DOES IT OFFEND YOU; YEAH; SCHLACHTHOFBRONX; EGOTRONIC; TRIP FONTAINE; I SWEAT BLOOD.
  • Ab 24 Uhr sorgen fünf DJ- und Partymeilen in den Innenbereichen für’s Weiterfeiern.
  • Karten: Per Vorverkauf in allen BASE-Läden für Studenten 10 Euro, sonst 13 Euro.
  • Netzinfos: www.campusparty.de
  • Alle Bilder und Emotionen der Campusparty findet Ihr ab Donnerstagmorgen hier auf dem Blog

Zum Foto: Gloria Marchesi sorgte fürs Kurzfilmprogramm bei der Campusparty.
Foto: Amac Garbe


Offen, aber ziemlich leer

Der zweite „open: campus“ an der TU Dresden lud zu Diskussionen und blieb doch unbesucht

Nur hier: Die Geschichte hinter dem Bild …

Von Alexandra Niedermeier

Der „open: campus“ hatte eigentlich viel zu bieten. Vorträge und Workshops zu allerlei Themen, eine Modenschau und ein Konzert. Dennoch zog der alternative Campus nur überschaubar viele Studenten in das Zirkuszelt hinter dem Hörsaalzentrum. Auch außergewöhnliche Veranstaltungen, wie das Hochschulrektoren-Kochduell, das durch die Absage von TU-Prorektor Prof. Karl Lenz zu einem Kochduell zwischen dem Rektor der Evangelischen Hochschule Dresden, Prof. Dr. Ralf Evers, und einem Studenten wurde, schien das Interesse kaum zu wecken.

Im vergangenen Jahr entstand der „open: campus“ im Rahmen des Bildungsstreiks und hatte noch Protestcharakter, der in diesem Jahr nicht mehr vorhanden sein sollte. Gerade dort sieht Janin Volkmann, die Germanistik und Geschichte im vierten Semester studiert und den alternativen Campus mitorganisiert hatte, ein mögliches Problem. „Wir werden oft als geschlossene Gruppe wahrgenommen, der schnell der Stempel ‚Protest‘ aufgedruckt wird, dabei sind wir hier, um Themen, die alle Studenten betreffen, anzusprechen“, sagt Volkmann.

Die Gruppe will weitermachen und plant, den alternativen Campus jedes Jahr zu veranstalten und ihn als feste Größe in Dresden zu etablieren. So soll in diesem Jahr auch etwas Nachhaltiges entstehen. „Wir fertigen eine Zeitung an, in der die Ergebnisse und unsere Erfahrungen und die der Teilnehmer festgehalten werden“, erzählt Gunda Jägeler, die im sechsten Semester Deutsch und Geschichte auf Lehramt studiert. Nun ist zu hoffen, dass die eigentlich gute Idee eines Forums für studentische Themen im nächsten Jahr mehr Zulauf erhält und eventuelle Fehler ausgebügelt werden.

Zum Foto: Strömender Regen statt eitel Sonnenschein: Gunda Jägeler organisierte den „open: campus“ mit und posiert mit dem „Zirkushund“ Arak.
Foto: Amac Garbe


Serie: Karriere trotz Studium

Studium, Schmuckatelier, Uhr- und Goldmacherei unter einem Hut

Von Jana Schäfer

Susanne Giering ist mehr als nur Studentin: Sie ist eine berufstätige Mutter, die sich durch viele Hindernisse kämpfen muss.

Bevor Susanne Giering ihren Weg an die Uni fand, arbeitete die ausgebildete Uhrmacherin und Goldschmiedin in einem Schmuck-Atelier, welches sie nun halbtags mit einer Freundin betreibt. Für ihr Studium in Kunst und Deutsch für Grundschullehramt an der TU Dresden musste die 33-Jährige eine Zulassungsprüfung bestehen. „Ein aufkommendes Interesse an Bildung“, so erklärt Giering ihren Studienwunsch.

Familie, Studium, Halbtagsjob – Bedenken angesichts der großen Herausforderung gab es kaum. Ihr Motto lautet: „Wie weit komme ich überhaupt?“ Diese Zuversicht entspringt der beruflichen Absicherung sowie der
Unterstützung von Partner und Freunden, welche sich ebenso um die 7-jährige Lucy und die 12-jährige Lena kümmern. An Tagen, wo Susanne Gierings Töchter sie mehr brauchen, tritt die Uni kürzer. „Mir ist nie jemand komisch gekommen“, weist Giering auf verständnisvolle Dozenten hin. Blaupausen bedeuten, mehr Lernstoff aufzuholen. „Viel zu mühselig!“ findet Giering. Ein strukturierter Semesterablauf hilft im Alltag: frühzeitige Planung der Referatstermine, kaum Werkstattarbeit in der Prüfungszeit, der Lernstoff wird in Freistunden und im Atelier bearbeitet.

Auch wenn ihr Alltag Disziplin erfordert, eine überstrenge Perfektionistin ist Giering nicht: „Die Hausarbeit wird am letzten Tag abgegeben, wie bei jedem anderen Studenten auch.“ Ihre geerdete Persönlichkeit umgibt ein Schutzpanzer der Gelassenheit angesichts chaotischer Zustände. Wo eine junge Mutter Struktur in ihrem Alltag bekommt, scheint die Uni dazu imstande zu sein. Da gibt es Planungsschwierigkeiten zu jedem Semesterbeginn.

Neben der Bachelorarbeit setzt sich Giering für die Einführung des Grundschulmasters (siehe „ad rem“ 6.2010) in Dresden ein, um nicht nach Leipzig pendeln zu müssen: „Ich denke, man kann noch etwas erreichen, wenn man nicht aufgibt!“

Zum Foto: Susanne Giering an der Werkbank in ihrem Atelier.
Foto: Amac Garbe


Türkisch nebenbei

Endlich gibt es an der TU Dresden auch einen Türkischkurs

Von Felix Prautzsch

Gründe, Türkisch zu lernen, gibt es eigentlich genug – bisher fehlte an Sachsens größter Hochschule aber die passende Lehrveranstaltung.

Auslandsstudium, Reisepläne, Interesse an Deutschlands größter Einwanderungsgruppe oder weil die Sprache schön klingt: Gründe genug für Julia Maruhn, sich in der Studentenstiftung Dresden für die Einrichtung eines Türkischkurses einzusetzen. Die von Studenten gegründete Stiftung hat sich auf die Fahnen geschrieben, die Studienbedingungen vor Ort zu verbessern. Und zu guten Bedingungen gehört es auch, moderne Fremdsprachen lernen zu können. „Türkisch muss wegen der wachsenden Bedeutung der Türkei in Europa und in Deutschland an der TU Dresden auf jeden Fall erlernbar sein“, sagt die 23-jährige Psychologiestudentin Julia Maruhn.

Da das bisher nicht der Fall ist, hat sie das Projekt selbst angeschoben – und dafür auch gleich einen authentischen wie überzeugenden Türkischlehrer gefunden. Engin Yeşil kommt aus Istanbul und ist derzeit Gastdozent an der Fakultät Elektrotechnik und Informationstechnik. „Ich habe einfach Spaß am Vermitteln von Wissen. Türkisch zu unterrichten macht mir Freude, gerade als Ingenieur, denn die Sprache selbst ist sehr logisch“, sagt der 35-Jährige, der nur wenig Deutsch, ansonsten Englisch spricht und seinen Kurs auch deshalb von den Vorzügen der türkischen Sprache überzeugen will.

Jeden Mittwoch in der 7. Doppelstunde trifft sich nun ein Dutzend Lernwilliger, das für den Kurs einen kleinen Unkostenbeitrag zahlt. Den Rest trägt die Studentenstiftung. „Wir wollen aber, dass diese Sprache im Kanon des Lehrzentrums Sprachen und Kulturen kostenfrei angeboten wird“, betont Julia Maruhn. Die TU macht einen Auftrag an TUDIAS vom Interesse der Studierenden abhängig. Im Gegensatz zum gut besuchten Gebärdensprachenkurs der Studentenstiftung können es im Türkischkurs noch mehr Teilnehmer werden.

Netzinfos: www.studentenstiftung.de

Zum Foto: Engin Yeşil kommt aus Istanbul und lehrt in Dresden Türkisch aus Freude an seiner Muttersprache.
Foto: Amac Garbe


Lehramt fordert Latein und lässt stöhnen

Trotz Reform der Studiengänge: angehende Sprachlehrer müssen das Latinum vorweisen, Philologen nicht

Von Franziska Lange

Wer als angehender Lehrer kein Latein an der Schule hatte, muss es an der Uni nachholen – und dabei auch weiterhin einen zeitlichen Drahtseilakt meistern.

Lisa Gulichs Woche hat zu wenig Tage. Ihr fehlen mindestens zwei, um ihr Studium und das Lernen für Latein unter einen Hut zu bekommen.

Da sie die Sprache nicht am Gymnasium belegte, muss sie das Latinum an der Uni nachholen und dafür mehr Zeit vom Studium abzweigen, als ihr lieb ist. Wie schwer dieses Balancehalten ist, zeigt schon ein Blick auf ihre Studienordnung: Für Erziehungswissenschaften sind da im ersten Semester zwei Semesterwochenstunden (SWS) vorgesehen, während Latein mit vier SWS zu Buche schlägt. „Ich habe mal den Aufwand addiert und ausgerechnet, dass ich momentan eine Neuntagewoche bräuchte, um alles zu schaffen“, sagt Lisa Gulich und schüttelt verärgert ihre schwarzen Locken. Der Grund für ihren knapp bemessenen Zeitplan ist ihr Berufswunsch: Sie möchte Lehrerin für Deutsch und Französisch werden. Das darf sie allerdings nur, wenn sie nach dem Bachelorexamen ein Masterstudium anschließt – und dafür braucht sie das Latinum.

Ohne Latinum kein Master

Das Ärgerliche an der Sache ist aber nicht nur die zeitliche Überlast, sondern auch die Ungerechtigkeit: Würde Lisa Gulich nicht an die Schule wollen und stattdessen im fachwissenschaftlichen Master studieren, bräuchte sie das Latinum nicht. Diese Regelung hat sich aus den alten Lehramtsstudiengängen erhalten. Wer sich früher zum Staatsexamen anmeldete, habe das Latinum in bestimmten Fächern nachweisen müssen, erklärt die Studienberaterin für Romanistik an der TU Dresden, Dr. Gabriele Hanig.

Trotz Bolognareform wird das auch künftig so bleiben. Für den ersten Jahrgang des Lehramtsmasters, der im Oktober starten wird, liegen offiziell noch keine Studiendokumente vor. Studienberaterin Hanig kennt aber die Entwicklungen und weiß, dass die Studenten auch künftig unter der Doppelbelastung stöhnen werden: „In den Entwürfen unserer Fächer ist das Latinum als Zulassungsvoraussetzung schon vermerkt.“ Damit bleibt de facto die alte Lehramtsprüfungsordnung I (LAPO I), die das Staatsexamen regelte, trotz neuen Studiengängen in Kraft. „Das Paradoxon besteht darin, dass es sich um innovative Studiengänge unter Verantwortung der Uni handeln soll, aber diese alte Vorschrift weiterhin gilt“, fasst Gabriele Hanig zusammen und mahnt, „der zusätzliche Arbeitsaufwand, der für das Latinum zu leisten ist, steht in keinem Verhältnis zum eigentlichen Studium“. Für Lisa Gulich heißt das im Klartext: ohne Latinum keinen Master und ohne Master keine Lehrbefähigung.

Selektion per Latinum

Wer also Literatur- oder Sprachwissenschaftler werden möchte, braucht kein Latein, wer aber vor Schülern bestehen will, muss es beherrschen? Andrea Schaposchnikowa kann sich darüber nur wundern. Sie unterrichtet Französisch am Gymnasium Dresden-Cotta. „Für meine Arbeit ist Latein tatsächlich nicht relevant“, sagt die Lehrerin, die seit den 1980er-Jahren unterrichtet, „aber gerade in sprachwissenschaftlichen Fragen ist es ausgesprochen hilfreich.“ Das Latinum sei dafür wohl verzichtbar, Lateinkenntnisse sollten aber doch sein. Viel problematischer sei eher, dass man ohne dieses Wissen Philologe werden könne, sagt Schaposchnikowa.

Lisa Gulich sieht das nicht anders. „Eigentlich finde ich es gut, Lateinkenntnisse vermittelt zu bekommen, beim Lernen einer romanischen Sprache hilft das sehr“, sagt sie verständnisvoll, „nur dafür, dass Fach-Bachelorstudenten es nicht vorweisen müssen, habe ich kein Verständnis.“ Schließlich sitzen angehende Philologen und Lehrer an der TU Dresden in denselben Lehrveranstaltungen, Unterschiede im Stoff gebe es kaum. Nur die Doppelbelastung durch das Latinum unterscheide die Studiengänge. „Das ist doch Selektion“, sagt Lisa Gulich, und Studienberaterin Hanig fordert deutlich: „Dieser unhaltbare Zustand muss endlich beendet werden.“

Zum Foto: Volle Planung: Wer das Latinum braucht, muss Prioritäten setzen.
Foto:
Amac Garbe

Ein Zirkuszelt an der Uni

Für eine Woche entsteht an der TU Dresden ein alternativer Campus

Interview: Alexandra Niedermeier

Von Montag bis Freitag (31. Mai bis 4. Juni) mahnt ein großes Zirkuszelt hinter dem Hörsaalzentrum an der TU Dresden zur Selbstbeteiligung.

Das Projekt „open:campus“ lädt ein, sich eigene Gedanken über eine gute Hochschule zu machen – und diese mit anderen zu teilen. Janin Volkmann studiert im vierten Semester Germanistik und Geschichte an der TU Dresden und organisiert das Forum für Studenten mit. Mit „ad rem“ hat sie darüber gesprochen.

Was ist „open:campus“?

Open:campus soll ein alternativer Campus für alle Studenten werden. Hochschulpolitische Themen werden in Arbeitsgruppen, Workshops und vielem mehr aufgegriffen und diskutiert. Die genauen Themen sind aber nicht festgelegt, denn die Vorschläge der Studenten werden bei der Eröffnung am Montag (31.5.) besprochen und ins Programm eingearbeitet.

Wer hat das organisiert?

Wir sind eine Gruppe von Studenten, die sich im letzten Jahr zusammengefunden hat. Entstanden ist die Idee und der erste open:campus durch den Bildungsstreik 2009, aber in diesem Jahr soll es eine interessante Veranstaltung für alle werden und kein Streik. Unterstützt werden wir dabei von den Studentenräten an der TU Dresden und der Dresdner Hochschule für Technik und Wirtschaft.

Das diesjährige Motto lautet „Exzellenz und Kommunikation“. Eine Anspielung auf die Exzellenzinitiative?

Auf jeden Fall. Wir wollen dazu anregen, Hochschulpolitik nicht einfach zu akzeptieren, sondern über sie zu diskutieren und kritisch zu hinterfragen. Das Motto ist nur das Oberthema. Wenn jemand über Nichthochschulpolitisches oder Außeruniversitäres sprechen möchte, gehen wir gern darauf ein. Kommunikation bei uns verläuft auf Augenhöhe.

Was bietet open:campus den Studenten im Gegensatz zum ganz normalen Universitätsalltag?

Die Strukturen sind offen und nicht festgefahren. Bis auf bestimmte, bereits fest geplante Veranstaltungen wie etwa die Podiumsdiskussion sind wir sehr flexibel und wollen den Studenten Spielraum für ihre eigenen  Gestaltungsideen geben. Natürlich soll es immer auch um die Zukunft an der Hochschule gehen. „Was wünschen wir uns?“, „Wo wollen wir hin?“ Das sind dabei die ganz zentralen Fragen.

Zum Foto: Hofft auf gute Ideen beim offenen Campus: Janin Volkmann.
Foto: Amac Garbe

open:campus – Manege frei! Hör’ doch mal rein ins Campusradio Dresden

Wer sind Deine Eltern?

19. Sozialerhebung des DSW gibt neue Einblicke ins Portemonnaie

Von Antje Schöne

Ob jemand studiert oder nicht, hängt in Deutschland vom Bildungsstatus der Eltern ab, vor allem davon, ob sie selbst studiert haben.

Das ergibt die neue Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks (DSW). Von 100 Akademikerkindern studieren 71, von 100 Nichtakademikerkindern schaffen nur 24 den Sprung an die Hochschule.

Alle drei Jahre bildet die Sozialerhebung des DSW die wirtschaftliche und soziale Lage der Studierenden ab. Im Sommer 2009 nahmen 16 370 Studierende von 210 Hochschulen teil. Das besondere an der aktuellen Erhebung: Zum ersten Mal sind viele Bachelor-Studenten dabei.

Wie die neuen Bachelor- und Master-Studiengänge umgesetzt werden, hat viele Studenten auf die Straße getrieben: hohe zeitliche Belastungen, überfrachtete Studiengänge und wenig Durchlässigkeit sind große Kritikpunkte. Diese Kritik kann die 19. Sozialerhebung nur teilweise bestätigen. Bachelor-Studenten haben, Studienaufwand und Nebenjob zusammengenommen, eine 44-Stunden-Woche und liegen mit dieser zeitlichen Belastung im Mittelfeld, hinter Staatsexamen und Diplom. Trotzdem stufen 19 Prozent der Bachelor-Studenten die zeitliche Belastung während des Semesters als zu hoch ein.

Die Sozialstudie gibt außerdem an, dass Studenten 2009 durchschnittlich über 812 Euro im Monat verfügten. 812 Euro – schön wär’s, denkt sich jetzt wohl der eine oder andere. Dieser Durchschnittswert ergibt sich durch weit auseinanderliegende Monatsbudgets.

Während 17 Prozent der Studenten mehr als 1000 Euro zur Verfügung haben, muss ein Viertel der Studentenschaft mit weniger als dem BAföG-Höchstsatz von 648 Euro auskommen. Zugleich stiegen seit 1991 auch die Miet- und Nebenkosten fortwährend. Gemessen an den Monatsmieten ist das Studium in München und Hamburg am teuersten. Die  günstigsten sind – aufgepasst – Dresden und Chemnitz.

Zur Kari: Glücklich ist der Student, der genügend Geld hat …
Kari: Norbert Scholz

STUDIENFAKTEN.

  • Was? Die Studie erfasst in einem repräsentativen Querschnitt die wirtschaftliche und soziale Lage derer Studenten, die an einer Hochschule in Deutschland immatrikuliert sind.
  • Wer? Durchgeführt wird die Befragung vom Hochschul-Informations-System (HIS). Auftraggeber ist das Deutsche Studentenwerk (DWS) mit Förderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.
  • Wann? Die Sozialerhebung wurde bereits 1951 erstmalig durchgeführt und findet nun alle drei Jahre statt. Die aktuellen Daten wurden 2009 erhoben.
  • Netzinfo: www.sozialerhebung.de


Das Auf und Ab des Lesestoffes

Aus dem Katalog ins Regal: So gelangt ein Buch in Sachsens Landes-, Staats- und Universitätsbibliothek in Dresden

Von Janine Kallenbach

Bevor die Nutzer in Büchern schmökern können, legen diese einen weiten Weg in den Bibliothekshallen zurück. „ad rem“ hat ein Buch auf dem Weg ins Regal begleitet.

Flinke Finger verwandelten eine Idee in zahllosen Stunden in das, was es heute ist: ein formvollendetes Buch. Mit einer stolzen Größe von 21 cm und 358 Seiten schimmert es in blau und rot den Leser an. Zu finden ist das gute Stück in der Ebene 0 der Sächsischen Landes-, Staats- und Universitätsbibliothek (SLUB) in Dresden. Sein Titel: „Public Relations in Deutschland“. Doch bis es dorthin gelangt ist, musste es eine beachtliche Wanderung auf sich nehmen, denn die Wege sind weit und die Stufen zahlreich.

Wie in jedem anderen Verwaltungsgebäude auch, reiht sich in der SLUB, für die Nutzer unsichtbar, ein Büro an das andere. Nur das Fördersystem für Bücher verrät, dass es sich hier um eine Bibliothek handelt.

Die Reise des Wälzers beginnt in der zweiten Etage im Büro von Simone Georgi. Sie ist eine von fünfzehn Fachreferenten. Georgi trifft die intellektuelle Auswahl. Sie durchforstet diverse Datenbanken nach dem richtigen Lesestoff. Neben dem Budget muss sie vor allem darauf achten, dass ein allgemeiner Grundstock aus- und aufgebaut wird sowie Wünsche von Lesern und Fakultäten eingearbeitet werden. „Ideal ist es natürlich, wenn das Buch schon im Regal steht, bevor der Nutzer den Wunsch äußerst“, sagt Buchkennerin Georgi. „Es ist die Kunst des Fachreferenten zu entscheiden, was heute gebraucht wird, und was in 50 Jahren.“

Endlose Treppen

Hat sich Simone Georgi für ein Buch entschieden, geht es Stufe für Stufe hinunter ins Großraumbüro zu Brit Naumann und ihrer Auszubildenden Kristina Büttner zur eigentlichen Bestellung des ausgewählten Buches.

Dafür überprüft Naumann im Südwestdeutschen Bibliotheksverbunds (SWB), ob der zu bestellende Titel bereits existiert. Sie legt einen neuen Lokalsatz an, was nichts anderes bedeutet, als dass eine Bestellung ausgelöst wird. Sie benennt den Medientyp „Buch“, und eh man sich versieht, kann jeder im digitalen Katalog der SLUB – den Nutzern als Web-Opac vertraut – sehen, dass das Buch mit dem Titel „Public Relations“ eingekauft wurde. Für die Statistik wird festgehalten, dass es sich um ein neues Buch handelt, da es nach 2006 erschienen ist. Alle anderen Medien vor diesem Jahr gelten im Bibliotheksjargon bereits als antiquarisch.

Ist das Buch bestellt, ist langes Warten angesagt. Denn bis die Büchersendung in der SLUB eingeht, können bis zu fünfzehn Tage vergehen.

Vorbei an der Lieferzufahrt gelangt man ins Büro zu Anita Thieme. Sie steht mit über 9 000 Lieferanten in Kontakt, die Kataloge der zehn wichtigsten haben es in einen Fächerturm auf ihren Schreibtisch geschafft.

Jedes Paket wird hier von Anita Thieme geöffnet und genaustens kontrolliert. Stimmt die Rechnung, sind die Medien gesichert? Wenn alles in Ordnung ist, schickt Thieme diese in die nächste Abteilung.

Dem Regal ganz nah

Das bedeutet wieder Treppen steigen. Wieder zurück zu Brit Naumann, die das Buch einst bestellt hatte. Sie vergibt einen fortlaufenden Barcode, der von nun an auf der Buchrückseite für eine schnelle Wiedererkennung des Buches durch die Scanner an der Ausleihtheke sorgt. Zusätzlich erhält jeder neu eingegangene Titel eine Inventarisierungsnummer. 2010 8 015869 ziert von nun an das Buch „Public Relations in Deutschland“. Hinter dem Code verbirgt sich die Geschichte seines Kaufs. Die ersten vier Ziffern zeigen das Jahr der Anschaffung an, die 8 steht für das Format und die letzten Zahlen verraten, dass dies das bereits 15 869. Buch ist, was in diesem Jahr eingekauft wurde.

Brit Naumann ist fertig und legt das Buch in das Fach des betreffenden Fachreferenten.

Der Aufstieg geht weiter. Zurück zu Fachreferentin Simone Georgi. Per Systematik legt sie die Sachgruppe „AP“ fest. Das Kürzel steht für Medien- und Kommunikationswissenschaft. Um das Buch thematisch einzuordnen, erhält es die Nummer 17420 für die Untergruppe Öffentlichkeitsarbeit, Corporate Identity und Sponsoring. Zuletzt noch S 999 für den Autor Peter Szyszka und P9 für die Unterscheidung zu anderen Titeln des gleichen Autors.

Zwei statt zehn

Noch einmal Stufen steigen, dann ist es geschafft. Sabine Heiden übernimmt den letzten Feinschliff und die abschließende Kontrolle. Sie liest den Barcode ein und setzt die Vorgaben des Fachreferenten um. Das Buch erhält den Status „N“. Das heißt, es darf künftig auch ausgeliehen werden. Etwa 80 Prozent aller Bücher sind ausleihbar. Die anderen sind Präsenz, die entweder für die Fernleihe („P1“) vorgesehen sind oder nicht („P2“). Fix das gelbe Signaturschild ausgedruckt und schon liegt das Buch zum Einsortieren ins Regal bereit.

Während dieser Vorgang normalerweise bis zu zehn Tage dauern kann, hat es Peter Szyszkas „Public Relations in Deutschland“ dank „ad rem“ in zwei Stunden plus der üblichen Lieferzeit geschafft.

Zu den Fotos:

Foto 1: Anita Thieme öffnet jedes Paket selbst und überprüft, ob die Bestellungen korrekt geliefert worden sind.
Foto 2: Mit Inventarisierungsnummer, Standortnummer und Barcode versehen, wandert das neue Buch an seinen künftigen Regalstandort. Sabine Heiden sortiert es selbst ein.
Fotos: Amac Garbe


Ein Hochschulvergleich, der hinkt

Die Dresdner Geschichtswissenschaft boykottiert das Uni-„Ranking“ im ZEIT-Studienführer

Von Michael Lemke

Alles bunt macht der Mai. Zumindest der aktuelle Hochschulvergleich des Centrums für Hochschul-entwicklung (CHE), der Anfang diesen Monats im ZEIT-Studienführer bzw. im Internet erschienen ist.

Studiengänge an über 250 Unis und Fachhoch-schulen werden in diesem Hochschulvergleich per Ampelsystem miteinander verglichen. Sie erhalten grüne, gelbe oder rote Punkte für verschiedene Kriterien wie „Lehrangebot“, „Forschungsgelder“ oder „Bibliotheksausstattung“.

Grundlage sind die Angaben der jeweiligen Fachbereiche und Professoren sowie Stichprobenbefragungen von Studenten. Spitzenwerte, quasi durchgängige Grünphasen, erzielt die TU Dresden gleich in zwei Fächern: Psychologie und Elektro- und Informationstechnik. Tiefrote Schlusslichter bilden jeweils Architektur und Germanistik. Grau bleiben hingegen die Punkte bei Geschichte. Es liegen keine Werte vor. Die Historiker in der Dresdner August-Bebel-Straße verweigern im Schulterschluss mit zahlreichen weiteren Geschichtsinstituten die Teilnahme am CHE-Vergleich.

Masse statt Klasse

„Die Methoden sind unzulänglich“, begründet Geschäftsführer Prof. Dr. Martin Jehne diesen Schritt. So bemesse das CHE die Qualität der Forschung unter anderem anhand der Anzahl wissenschaftlicher Publi-kationen, was aber nur ein Zeichen von Quantität sei. Die Fragebögen ermöglichten zudem keine objektive Bewertung, sie spiegelten nur „Gefühlswerte“ der Studenten wider. CHE-Mitarbeiterin Isabel Roessler bestätigt, dass die Befragungen jeweils subjektive Einschätzungen darstellen. „Durch die Masse der befragten Studenten mitteln sich die Werte aber wieder.“

Fragwürdige Repräsentanz

Nachgefragt, wie viele Hochschüler man für die Bewertung eines Studienganges heranziehe, stellt sich heraus, dass das CHE bereits 15 ausgefüllte Fragebögen als repräsentativ erachtet.

Neben der Vorgehensweise bemängelt Jehne den extremen Wettbewerbscharakter des CHE-Vergleichs. „Das Ganze erzeugt eine eigene Realität.“ Deutlich wird dies dadurch, dass die Zuordnung eines Studiengangs zu einer der drei Ranggruppen immer im Vergleich zu anderen Hochschulen erfolgt.

Mangelhaft trotz guter Noten

Im Extremfall kann es also sein, wie das CHE auf seiner Homepage erläutert, dass selbst ein Studiengang „mit einem absolut gesehen noch recht guten Wert wie 2,5 in die Schlussgruppe geraten kann.“ Im Klartext: der CHE-Vergleich ist so konzipiert, dass er auf jeden Fall rote Punkte vergibt und damit „schlechte“ Hochschulen generiert. Für Jehne werde so bewusst auf Konkurrenzdenken getrimmt: „Das erinnert doch eher an Dieter Bohlen.“

Zur Kari: Kommt eben immer darauf an, wen man fragt!
Kari: Norbert Scholz


Alleskönner sind zu teuer

Der laute Ruf nach einem multifunktionellen Studentenausweis

Von Christina Dietze

Papierausweis und Chipkarten sprengen das Portemonnaie der Studenten der TU Dresden. Der Kanzler bleibt gelassen und lässt nach innovativen Lösung suchen.

In den Dresdner, Tharandter, Zittauer und Görlitzer Mensen und Cafeterien wird getauscht. Derzeit ist die Umstellung vom bisherigen E-Meal auf die neue E-Meal MensaCard in vollem Gange („ad rem“ berichtete). Vor allem die Brieftaschen der Dresdner TU-Studenten scheinen sich trotz knapper Kasse zu wölben. Schuld daran seien tatsächlich die vielen verschiedenen Chipkarten, klagen die Studenten. Zur Benutzungskarte der Sächsischen Landes-, Staats- und Universitätsbibliothek, den Kopierkarten und etwaigen Zugangsberechtigungskarten für ausgewählte Bereiche auf dem Campus muss nun noch die MensaCard in Chipkartenformat Platz im Portemonnaie eines jeden TU-Studenten finden. Ganz zu schweigen vom Ausweis im Papierformat, der zwar auch als Semesterticket gilt, aber das nur in Verbindung mit dem vorzulegenden Personalausweis. Mindestens fünf verschiedene Chipkarten und Dokumente trägt somit fast jeder TU Student mit sich herum.

Wäre es da nicht besser, die einzelnen Funktionen auf einer einzigen Karte zu vereinen? So wie es an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Dresden, der Hochschule Zittau/Görlitz und an der Bergakademie Freiberg längst gang und gäbe ist. Dort dient eine Karte mittlerweile als Studentenausweis, Bibliotheksausweis, Semesterticket sowie als Zugangsberechtigungskarte für Parkplatz und ausgewählte Laborbereiche.

Auf der Chipkarte der HTW befindet sich obendrein auch die Mensabörse des Dresdner Studentenwerks. Laut Hannelore Stephan vom Studentenwerk sei Gleiches auch für eine Chipkarte an der TU Dresden denkbar. Obwohl das Studentenwerk mehrmals schon auf die TU zuging, hält sich die TU weiterhin zurück, eine solche Chipkarte ebenfalls einzuführen. In der zuletzt 2008 gebildeten Projektgruppe mit Vertretern der Hochschulleitung und dem Studentenwerk kam man erneut zu dem Schluss, die Chipkarte nicht einzuführen. Datenschutzrecht hin oder her. „Das musste gar nicht bis zum Ende verfolgt werden, denn ausschlaggebend waren rein ökonomische Gründe“, erklärt der Kanzler der TU Dresden, Wolf-Eckhard Wormser. Also ist eine solche Karte einfach nicht wirtschaftlich genug? „Es wäre für die Universität ein schlechtes Geschäft geworden,“ sagt der Kanzler, „weil der technische und personelle Aufwand deutlich höher als die Einsparmöglichkeiten innerhalb der Universität gewesen wären, die wir durch die Nicht-Einführung einer solchen Chipkarte haben.“

Ob das zukunftsfähig ist? Auf die Frage nach dem Image eines Papierausweises antwortet Wormser gelassen, die Chipkartentechnologie sei auch nicht mehr der letzte Schrei. Er wünscht sich neuere Lösungen. „Das kann auch als Aufforderung an die Studenten gesehen werden, gute Vorschläge zu machen!“

Zur Karikatur: Ist eine Multifunktionskarte, statt vieler kleiner Chipkarten, wirklich ein so ungewöhnlicher Wunsch?
Karikatur: Norbert Scholz


Das Klima rockt eine Woche lang in Dresden

Studentische Umweltinitiative veranstaltet vom 17. bis 21. Mai Klimafestival

Von Marleen Hollenbach

Die studentische Umweltinitiative an der TU Dresden (TUUWI) veranstaltet zusammen mit der Arbeitsgemeinschaft „mensa universale“ und dem Studentenwerk von Montag bis Freitag (17. bis 21. Mai) erstmals ein Klimafestival. „Es soll Euch in einer lustigen, einladenden Weise zum Nachdenken über das Klima und den Konsum veranlassen, ganz ohne Zeigefinger“, erklärt Antonia Mertsching. Die Magisterstudentin für Politikwissenschaft, Rechtswissenschaft und Soziologie organisiert globalisierungskritische Campusführungen an der TU Dresden und bereitet die Klimawoche schon seit Jahresbeginn vor.

Jeder Tag soll unter einem anderen Umweltthema stehen. Der Ernährungs-Montag eröffnet die Woche  mit vegetarischem Essen, gekocht vom Starkoch Attila Hildmann in der Neuen Mensa. Ein Ampelsystem zeigt an, wie umweltfreundlich das jeweilige Menü ist. Am Mobilitäts-Dienstag schafft eine Straßensperrung auf der George-Bähr-Straße Platz für alle Fahrradliebhaber. Am Mittwoch zeigen Workshops, wie ein Kaffeearbeiter schuftet, verdeutlichen den Reiseweg einer Jeans oder entschlüsseln, wer wieviel an einem Turnschuh verdient. Am Donnerstagabend lohnt sich Mitmachen. Wer genug Bonuspunkte gesammelt hat, braucht nichts für das abschließende Konzert zu zahlen.

Netzinfos: http://tuuwi.wcms-file2.tu-dresden.de/cms/index.php/mahlzeit

Zum Foto: Was hat mein Apfel die Umwelt gekostet?
Foto: Amac Garbe

Mehr über das Klimafestival und zum Programm erfahrt ihr im Campusradio.

Bergstädter in Feierlaune

Freiberger StuRa bereitet „17. Studententage“ an Bergakademie vor

Von Sarah Richter

Quietschpinke Plakate kündigen in Freiberg die Konzerthöhepunkte der Studententage an.

Drei Tage sporteln, feiern, konzertieren – das traditionelle Programm der Studententage ist proppevoll. Gemeinsam haben es der Studentenrat (StuRa), Fachschaften, Arbeitsgemeinschaften, Gremien, Vereine und Sponsoren auf die Beine gestellt, um die beschauliche Bergstadt vom 17. bis 19. Mai in Feierlaune zu katapultieren.

Am 17. und 18. Mai feiern die Freiberger ab 13 Uhr zunächst ihren vorlesungsfreien „dies academicus“. Der Montagnachmittag steht dabei ganz im Zeichen der Kunst. Tags darauf rückt der sportliche Wettkampf in den Fokus: Sechs Beachvolleyballfelder werden auf dem Messeparkplatz aufgeschüttet. Auch Fuß- und Basketballfelder sind organisiert.

„Im vergangenen Jahr haben wir begonnen, die Studententage mehr auf dem Campusgelände und nicht mehr weiter draußen bei den Sporthallen zu konzentrieren“, erzählt Stura-Mitglied Marcel Gawlitta. Während in den vergangenen Jahren die Resonanz auf die Studententage etwas verhaltener ausfiel, waren die Studententage 2009 „eine Kehrtwende“, erinnert sich der 23-Jährige. „Nun findet diesmal auch gleichzeitig das von der Universitätsleitung initiierte ‚Universitätsfest‘ statt, zu dem nicht nur Studenten und Universitätsmitarbeiter, sondern auch die restliche Freiberger Stadtbevölkerung eingeladen sind“, erklärt Gawlitta.

Neu ist auch die Wahl zum „Mister & Miss Campus“, Anmeldungen dafür werden gerne noch entgegengenommen. Am 19. Mai dürfen sich AGs und Vereine vorstellen, außerdem gibt es ein Seifenkistenrennen die Agricolastraße entlang, bevor der Nachmittag in den Händen von TOM TWIST und J.B.O. liegen wird. Mindestens 3 000 Zuhörer hofft der StuRa, damit auf den Messeplatz lockenzu können.

Der Fackellauf zum Obermarkt um Mitternacht setzt den drei Festtagen dann das abschließende Krönchen auf. Dabei wird – bergmännisch und traditioniell – gemeinsam das „Steiger-Lied“ gesungen.

Finanziert wird das dreitägige Spektakel zur Hälfte vom Freiberger StuRa, den anderen Teil geben Sponsoren dazu.

Zum Foto: StuRa-Vertreter und Mitorganisator der Freiberger Studententage Marcel
Gawlitta hofft auf ausgelassenen Feierspaß.
Foto: Sarah Richter


Protest: Wehrindustrie hinterfragt

Studentendemo gegen Rüstungsfirmen sorgt für Gesprächsstoff

Von Jonas Diekhans

„Für Waffen & Profit – Technische Universität Dresden macht alles mit“. Unter diesem Motto protestierten Studenten vergangene Woche im Hörsaalzentrum.

Anlässlich der alljährlich stattfindenden „bonding“-Firmenkontaktmesse wiesen etwa 20 Studenten trommelnd und skandierend auf die militärisch orientierte Produktion einiger ausstellender Firmen hin. Die Demonstration blieb abgesehen von einigen Rangeleinen mit der Polizei friedlich und wurde nach Absprache mit dem Dekanat toleriert. Neben Applaus auf der einen und skeptischer Ablehnung auf der anderen Seite sorgten Stände der Protestierenden wie „Waffeln statt Waffen“ für hitzige Diskussionen.

„Ich finde einen solchen Umgang mit der Rüstungsindustrie völlig unverständlich“, sagt Alexander Marquardt. Der angehende Wirtschaftswissenschaftler, der an der TU Dresden studiert, ist zufällig vorbeigekommen und kann dem Protest wenig abgewinnen: „Unsere Bundeswehr schützt unser demokratisches System und braucht dafür Waffen und Ingeneure, die sie produzieren“. Diese seien zudem grundlegende Werkzeuge, um die Zivilbevölkerung in Auslandseinsätzen ausreichend schützen zu können.

Dem widerspricht Keti Relashivili. Die Philosophie-, Soziologie- und Politikwissenschaftsstudentin an der TU kritisiert an diesem Analogieschluss vor allem die Idee einer gewalttätigen, demokratischen Mission. „Eine Gesellschaft ohne eine dynamische, innere Entwicklung mit Waffengewalt zu reformieren erscheint mir unmöglich.“ Am Konzept der Firmenkontaktmesse störe sie vor allem, dass sich Firmen als Kosmos von Prestige, Geld und spannenden Projekten präsentieren würden, ohne über globale Konsequenzen der eigenen Firmenpolitik zu informieren. „Ich finde es wichtig, dass die Leute lernen, in weiterreichenden Prozessen zu denken und nicht bei dem aufzuhören, was ihnen direkt vor Augen liegt.“

Deshalb befürworte sie das Engagement der Studenten und finde es besonders wichtig, dass unterschiedliche Meinungen in einem friedlichen Diskurs zusammentreffen.

Zum Foto: Zwei Demonstranten erkletterten die Säulen vor dem Dresdner Hörsaalzentrum, um ihren Unmut per Transparent kundzutun.
Foto: Amac Garbe


Wenn die Übergänge fließend werden

Zu Besuch bei der Semesterauftaktparty einer Dresdner Burschenschaft

Von Jonas Diekhans

Fackeln brennen vor der alten Villa in der Eisenstuckstraße 50 in Dresden. Einige Gestalten stehen rauchend vor der Eingangstür.

Unweit des Campus der TU Dresden liegt das Verbindungshaus der Aachen-Dresdner Burschenschaft Cheruscia. Krach-Nacht ist das Motto der Semesterauftaktparty. Schwarze Mäntel und bunte Uniformen drängen sich um die etwas biedere Kneipeneinrichtung, als die Musikanlage verstummt. Ein maskierter Bursche in Fechtmontur löst sich von der Wand und schlägt seinen Degen auf den Boden. „Auf Mensur!“

Wie die meisten deutschen Burschenschaften sieht sich die Cheruscia in der Tradition der studentischen Verbindungen vom Anfang des neunzehnten Jahrhunderts. Obwohl deren Werdegang heute überwiegend kritisch beurteilt wird, war ihre Forderung nach einem einheitlichen Deutschland um 1815 eine revolutionäre Agenda, die von Obrigkeitskritik und politischer Einmischung bestimmt war.

Bröckelndes Selbstbild

Betrachtet man das letzte Programm der Cheruscia, scheint von diesem Selbstbild nicht mehr viel übrig zu sein. Vorträge beschränken sich auf Themen wie „Hermann der Cherusker“ und „Ist Deutschland ein Auslaufmodell?“ Kein Bezug zu den Studentenprotesten, dem Bachelordesaster oder der Exzellenzdebatte. Aus der Agenda ist rechtskonservative Mystik geworden. Zwei Studenten in Kampfmontur betreten mit erhobener Waffe den Saal. Der Bursche schreit erneut: „Auf Mensur!“ Dann dreschen die beiden Kontrahenten auf ihre stumpfen Klingen.

Schwitzend steht Richard M.* später am Tresen. Der Gast aus Leipzig schwärmt erhitzt von der Mensur, dem traditionellen Fechtduell, und dem Kampf ohne Gesichtschutz, bei dem sich der Burschenschafter seinen Schmiss zuzieht. Er erzählt, dass sich viele Mitglieder der schlagenden Verbindungen die kleine Schnittverletzung immer wieder öffnen würden. „Damit das ganze heftiger aussieht“. Gäste seien immer willkommen, fügt er hinzu, und dass man nicht aus jedem Burschenschafter einen Nazi machen solle. „So schlimm sind die alle gar nicht.“

Hierarchie am Bande

Etwas abseits unterhält sich Martin K.*, Gast der Suevia aus Regensburg, mit einer Kollegin. Der etwas untersetzte Mittzwanziger, der sein BWL-Studium bereits abgeschlossen hat, sitzt in voller Uniform mit farbigem Band und roter Mütze vor seinem Bierkrug. Er entschuldigt sich förmlich für die Gewaltdemonstration, die prinzipiell „nicht für die Augen einer Dame bestimmt sei“. Das ist sicher sexistisch, wirkt aber im Kontext eher etwas unbeholfen. Martin ist ein sogenannter alter Herr und stellt in der Hierarchie neben den studentischen Aktivita eine hohe Autorität dar. Als ihm ein Anwärter, ein sogenannter Fuchs, über den Weg läuft, weist er ihn streng zurecht. Er habe sein Erkennungsband unrechtmäßigerweise unterm Jackett getragen. Wie identitätsstiftend diese Regeln und Bräuche tatsächlich sind, wird deutlich, als sich das journalistische Interesse herumspricht. Martin ereifert sich über den Umgang der Medien mit dem Thema. Man sieht ihm an, wie existenziell diese Sache für ihn über die Jahre geworden ist.

Genau darauf scheint es die Cheruscia in der Werbung ihrer Mitglieder – zur Zeit sind es etwa zwanzig – abgesehen zu haben. Sie erklärt sich als rettende Insel, als ein Refugium in einer Realität, geprägt von „sozialer Kälte“, und im gleichen Satz als Refugium in einer „politisch korrekten Welt“.

Was das bedeutet, lässt sich erahnen. Unter die Uniformierten und die langhaarigen Metalfans mischen sich offenbar Mitglieder rechtsextremer Gesinnung. Thor Steiner und Alpha Industries, Marken, die der Verfassungsschutz als eindeutige Szenesymbole ausweist, werden offen zur Schau gestellt. Argwöhnische Blicke, knackende Fingerknöchel und schließlich die Anweisung, Fragen nur noch an den Vorstand zu richten. Der stellt sich einem Interview schließlich doch nicht zur Verfügung. Die heile Welt mag Halt bieten und Identität stiften, aber wenn man erst einmal drin ist, sind die Übergänge fließend.

* Namen von der Redaktion geändert

Zur Kari: Die Jungs von der Burschenschaft haben einen ganz schönen Schmiss!
Kari: Norbert Scholz


SLUB-Geflüster

Studenten als Mittelsmänner der Bibliothek

Von Janine Kallenbach

Die Kommunikation macht’s. Da sind sich Peter Reinhart und Marcel Zeidler einig. Deswegen sind sie die studentischen Vertreter der Bibliothekskommission (siehe aktuelle „ad rem“ 10.2010, Seite 4)  geworden. Sie wollen Mittelsmänner zwischen der Bibliothek und der Universität sein. Und eine ihrer ersten Amtshandlungen war die Befragung aller Fachschaftsräte der TU Dresden. Eine mühselige Aufgabe, aber mit einem lohnenden Ende. Sie konnten eine 18seitige Liste mit etwa 260 Punkten an die Leitung der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek (SLUB) überreichen.

„Generaldirektor Bürger war hellauf begeistert davon“, so Reinhart. Positiv finden die FSRs die Wiedereinführung der Erinnerungsmails, die kostenlosen Vormerkungen und die erweiterten Öffnungszeiten. Aber auch die Möglichkeit Erwebungsvorschläge einzureichen oder die kleinen Helfer wie die Busabfahrtsmonitore oder der Internetzugang kommen gut an.

„Doch als größtes Problem entpuppte sich die mangelnde Kommunikation“, meint Zeidler. Besonders deutlich war die bei der Einführung des neuen Gebührensystems im Februar zu spüren. Außer ein paar Handelzetteln und einem Eintrag auf der Homepage gab es kaum Informationen. „Dabei wäre es ein leichtes gewesen eine Email an alle Nutzer zu schicken“, findet Zeidler und Reinhart stimmt ihm nickend zu.

Platzmangel, fehlende Ruhe in der Bibliothek, unbesetzte Infopunkte oder lange Wartezeiten an der Ausleihtheke: Die Bibliothek will die Liste von Zeidler und Reinhart nach und nach arbeiten und versuchen Verbesserungen hervorzubringen. Und natürlich wollen die beiden dran bleiben und sehen wie es sich entwickelt.

Zum Foto: Peter Reinhart und Marcel Zeidler zwischen Slub-Regalen.
Foto: Amac Garbe

Warten auf die Schubladenklappe

Paul Hornoffs „Lass die Schubladen zu“: studentischer Kurzfilm versus Fremdenhass

Von Antje Meier

Eine kleine Wohnung in Dresden-Löbtau, geschäftiges Treiben, Scheinwerfer, Kamera und ich mittendrin. Hier wird ein Film gedreht.

Am Werk sind der Regisseur selbst, Paul Hornoff, und seine Helfer Philipp Grimm und Ralf Jakubski, von der Dresdner Produktionsfirma Hechtfilm, der mit Technik und Knowhow aufwartet. Für Paul ist es ein großer Tag. Denn nachdem er beim TU-Dresden-Wettbewerb „Film drehen statt wegsehen“ gewonnen und zahlreiche Stunden in die Vorbereitungen investiert hat („ad rem“ berichtete in Ausgabe 6.2010), kann er endlich sein Drehbuch „Lass die Schubladen zu“ filmisch umsetzen.

Die Küche wurde bereits zur Maske umgebaut. Ein riesiger Berg an Utensilien ist auf dem Küchentisch aufgetürmt. Kristin Mayer wird auch schon geschminkt und frisiert. Mit einer engelsgleichen Geduld wartet sie auf ihren Einsatz. Im Wohnzimmer werden Bilder abgenommen, die Möbel herausgeräumt, und alle Aufmerksamkeit ist auf eine Kommode mit drei Schubladen gerichtet. Hier wird gleich gedreht. Doch bevor es soweit ist, muss das Licht richtig eingerichtet werden. Dafür werden jede Menge Scheinwerfer im kleinen Zimmer positioniert. Alle Schatten und dunklen Stellen müssen ausgeleuchtet und abgedeckt werden. Die Stimmung am Set ist bestens, wie Paul scherzhaft beweist: „Da hat man es zum Regisseur geschafft und man rennt immer noch mit dem Klebeband herum.“

Der Dreh beginnt

Da gut’ Ding Weile haben will, heißt es eine geschlagene Stunde warten. Dann zieht Kristin mehrere Male eine einzelne Schubladenattrappe auf, aus der heraus gefilmt wird. Dabei setzt sie einen angeekelten Gesichtsausdruck auf, ob des später hineinprojizierten Schubladendenkens. Innerhalb von zehn Minuten ist dann eine brauchbare Szene von etwa zehn Sekunden im Kasten.

Schnell wird umgebaut. Um eine Kamerafahrt frontal auf die Kommode zu ermöglichen, muss die Kamera auf einer Schiene positioniert werden. Kristin zieht diesmal eine Schublade nach der anderen auf. Am Ende sind 20 Minuten Dreh, 20 Sekunden Film und zwei Stunden Arbeit das Resultat des ersten Drehortes.

Ich seh grün

Am späten Nachmittag geht es im Ravir Filmstudio am Weißen Hirsch in Dresden weiter. Grund des Ortswechsels ist ein grellgrüner Raum, den zwar keiner in seiner Wohnung haben möchte, der für einen Filmdreh aber durchaus sehr praktisch ist. Denn die Szenen, die in dieser Greenbox aufgenommen werden, können später ganz leicht in die vorher gefilmten Schubladen eingefügt werden.

Die Schauspieler sitzen bereits in der Maske und werfen sich in ihre Kostüme. Drei Terroristen, eine Arbeitsamtangestellte und ein protziger Ausländer mit Goldkettchen. Das ist die Schaustellerbrigade. Zuerst sind die drei Terroristen dran, die mit wilder Gestikulation gefährlich wirken wollen, aber für viel Gelächter am Set sorgen. Daran schließt sich fast nahtlos die Arbeitsamtangestellte an, die dem Protzausländer ein Bündel Geld in die Hand drückt. Beide sollen eine Ruckbewegung machen, um das Aufziehen der Schublade zu simulieren. Als dabei die Darstellerin samt Pult beinahe umkippt, kann sich auch der sonst sehr konzentrierte Regisseur das Lachen nicht mehr verkneifen.

Gegen 18.30 Uhr ist es schließlich geschafft. Etwa eine Minute Filmmaterial ist nach fast neun Stunden im Kasten. Die Filmcrew, allen voran Paul, ist glücklich, und die ersten Ergebnisse können sich sehen lassen, müssen aber noch nachbearbeitet und richtig zusammengeschnitten werden. Ein spannender Tag geht zu Ende. Nun weiß ich, worauf es beim Film ankommt: Sitzfleisch und Ausdauer.

Das Ergebnis ist neben den beiden anderen Gewinnern Robert Jung mit „Anders“ und Thang Phan Quoc mit „Hier ist kein Platz für dich!“ im Sommer in den Dresdner Straßenbahnen, bei den Filmnächten am Elbufer im Vorprogramm sowie auch ab sofort unter  http://tu-dresden.de/service/multimedia/filme/wettbewerb2010.html zu sehen.

Zu den Fotos:

Links oben: In der Maske: Anja Pastohr schminkt Lisette Gründel.
Rechts oben: In der Box: Regisseur Paul Hornoff im Greenboxstudio.
Links unten: Begutachtung des Ergebnisses: Paul Hornoff, Philipp Grimm, Ralf Jakubski und Jan Schmid (von vorn).
Rechts unten:Terroristen bei der Arbeit: Gökhan Kocak, Jan Schmid und Kirk Boehm (von links).

Fotos (4): Von Amac Garbe

Masterstudium mit Überraschung

BAföG-Ärger: Masterstudenten bekommen trotz Immatrikulationsbescheinigung kein Geld

Von Louisa Pagel

Wer während seines Bachelorstudiums BAföG bekommen hat, sollte dies auch während seiner Masteraus-bildung erhalten. Aber bitte nur, wenn das Bachelor-Zeugnis dem BAföG-Amt bis Studienbeginn vorliegt. Für Studenten, die mit einem Masterstudium nahtlos an ihren Bachelor anknüpfen wollen, lauert hier die Falle. Denn es könnte ihnen ergehen wie beispielsweise Joachim Bartels. Der 24-Jährige zog sein Bachelorstudium der Politikwissenschaften vorbildlich in sechs Semestern durch.  Glücklich nahm er dann seine Bescheinigung zur vorbehaltlichen Immatrikulation zum Master entgegen und beantragte im Oktober 2008 BAföG. Der Antrag wurde abgelehnt. Mit der Begründung, dass der Antrag nicht vollständig sei, das Bachelorzeugnis fehle noch.

Nach dieser Überraschung legte Joachim Bartels Widerspruch ein. „Aber ich habe trotzdem fünf Monate kein BAföG erhalten“, erklärt Bartels. Erst im März des darauffolgenden Jahres, im zweiten Semester seines Masterstudiums der Politik und Verfassung, kam zusammen mit dem Zeugnis auch die Unterstützung vom Staat. „Eine Nachzahlung für die fünf Monate gab es nicht“, beklagt Bartels.

Ähnlich ist der Fall von Christin Kühne. Die 23-jährige Slavistikstudentin reichte ihren BAföG-Antrag pünktlich im Herbst des vergangenen Jahres ein, erhielt jedoch erst in diesem Februar die erste Zahlung: „Weil mein Bachelorzeugnis noch fehlte, wurde mir das BAföG nicht genehmigt.“ Auch ihr wurde nachträglich kein Geld gezahlt.

Für Joachim Bartels ist vor allem der Überraschungseffekt das Problem: „Viele Leute fangen mit dem Master-studium an und wissen nicht, dass sie eventuell kein Geld bekommen werden.“ Die Krux liegt jedoch im Prüfungsdatum und nicht am späten Zeugnis an sich. Der Masterstudiengang ist erst dann förderungsfähig, wenn die letzte Prüfungsleistung des Bachelorstudiums erbracht ist und darüber eine Bescheinigung vorliegt. „Wenn diese letzte Prüfungsleistung die Bachelorarbeit ist und beispielsweise nach der Immatrikulation unter Vorbehalt in den Masterstudiengang erst fertig gestellt oder noch verteidigt werden muss, besteht kein Förderungsanspruch“, erklärt Irene Meister vom BAföG-Amt in Dresden.

Es ist also genau darauf zu achten, dass dem Amt anhand einer Bescheinigung das Prüfungsdatum und nicht bloß das Ausstellungsdatum des Zeugnisses erkenntlich ist. „Selbst wenn das Zeugnis erst einige Zeit nach Beginn des Masterstudiums nachgereicht wird, aber ersichtlich ist, dass diese Prüfung bereits zuvor erfolgreich abgelegt wurde, kann es eine Nachzahlung geben“, erklärt die BAföG-Beraterin. Für Joachim Bartels kommt dieser Ratschlag zu spät: „Ich musste mir zur Überbrückung der Zeit ohne Unterstützung das Geld für meine Miete leihen.“

Zur Kari: Wer sich als frisch immatrikulierter Masterstudent BAföG erhofft, muss kämpfen.
Kari: Norbert Scholz

BAföGFAKTEN.

  • Neubeschluss: Dieses Jahr gibt es mehr BAföG. Das hat die Bundesregierung jüngst beschlossen. Zum kommenden Wintersemester werden die Bedarfssätze um zwei Prozent und die Freibeträge um drei Prozent erhöht. Gleichzeitig wird auch die Zahl der zu vergebenden Stipendien im Stipendienprogramm für Studenten mit herausragenden Leistungen um acht Prozent erhöht. Jedem Stipendiaten werden dann 300 Euro im Monat ausgezahlt. Das Geld hierzu wird zur Hälfte der Bund stellen, die andere Hälfte die Länder.
  • Kritik: Trotz der BAföG-Erhöhung hagelt es für Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) Kritik. So fordern unter anderem der Freie Zusammenschluss von StudentenInnenschaften und das Deutsche Studentenwerk (DSW) eine Breitenförderung und keine übermäßige Förderung von wenigen.
  • Sozialerhebung: Die Kritik fußt vor allem auf den Ergebnissen der 19. Sozialerhebung des DSW. Laut dieser werden immer weniger Studenten von ihren Eltern unterstützt und müssen selbst dazu verdienen. Außerdem müssen 26 Prozent der Studierenden mit weniger als dem BAföG-Höchstsatz von 648 Euro auskommen.


Was ist Bonding?

Die Firmenkontaktmesse bringt über 130 Firmen ins Hörsaalzentrum der TU Dresden

Von Maria Heimann

Einige schnelle Klicks mit der Maus, und das allwissende Google klärt darüber auf, dass es sich bei „Bonding“ um eine Terminologie aus der Halbleitertechnik handelt.

Eigentlich beschreibt der Begriff „bonding“ das Anbringen von Anschlusskontakten auf Bauelementen – naja, wenigstens entfernt tut sich da die Verbindung zur jährlichen Firmenkontaktmesse auf.

„Bonding wurde von Studenten der Elektrotechnik gegründet, für die lag der Name nahe!“ erklärt Viktor Reiser lachend. Der Wirtschaftsingenieurstudent ist Mitglied der Dresdner Hochschulgruppe „bonding“ und verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit der diesjährigen Messe, welche am 3. und 4. Mai auf dem Gelände der TU Dresden stattfindet.

Die „bonding“-Studenteninitiative wurde 1988 an der RWTH in Aachen gegründet und ist heute an elf Hochschulstandorten vertreten. Ziel des Vereins ist es, Studenten undFirmen miteinander in Kontakt zu bringen.

Neben der Messe organisieren die jeweiligen Hochschulgruppen auch Vorträge, Exkursionen zu verschiedenen Firmen, Bewerbungstrainings, Rhetorikseminare und vieles mehr. Nach Dresden kam die Initiative 1991. Seitdem ist der Verein immer weiter angewachsen. Die mehr als zwanzig aktiven Mitglieder organisieren alljährlich eine der größten studentisch geführten Firmenkontaktmessen in Deutschland. „Dieses Jahr stellen sich über 130 Firmen an zwei Tagen vor. Die Nachfrage steigt von Jahr zu Jahr“, freut sich Reiser. Doch die Vorbereitungen sind anstrengend und zeitraubend. Direkt nach der Messe fange schon die Planung für das kommende Jahr an. Die heiße Phase beginnt etwa acht Monate vor den Messetagen.

Ohne Gedanken an die Vorlesung

Da werden Firmen angeworben, Flyer entworfen, gedruckt, verteilt, Technik rangeschafft und das Catering organisiert. „In den letzten Wochen vor der Messe ist an Vorlesungen nicht zu denken“, gesteht Reiser. Unterstützung bekommen die Studenten von den übrigen „bonding“-Hochschulgruppen. Insgesamt sorgen so gut 100 Helfer aus ganz Deutschland für einen reibungslosen Messeablauf. Aber die Arbeit lohnt sich. Die Dresdner Messe hat sich mittlerweile zur „Vorzeigemesse“ etabliert und wird von über 10 000 Studenten besucht. Dabei ist es wichtig, vorbereitet zur Messe zu kommen. „Dazu bieten wir im Vorfeld eine Warm-up-Woche mit verschiedenen Seminaren und Trainings an“, sagt Reiser. Auch den beliebten Bewerbungscheck gibt es wieder, bei dem die Bewerbungsunterlagen geprüft werden.

Zum Foto: Auf los geht‘s los: Am 3. und 4. Mai öffnet die Firmenkontakte Ihre Tore zum 20. Mal.
Foto: Amac Garbe


„ad rem“ positioniert sich auf der Bonding-Messe

Journalist wird man, wenn man schreibt – am besten bei „ad rem“

Du bist neugierig, hakst nach und gehst den Dingen auf den Grund? Dann mach Deine Leidenschaft zur Profession und werde „ad rem“-Reporter.

Im Hörsaal, in der Mensa, im Wohnheim. Mit Stift, Kamera und erstmals auch mit eigenem Stand auf der „bonding“-Firmenkontaktmesse. Die Hochschulzeitung „ad rem“ ist überall.

Für Dich sind Woche für Woche viele Redakteure auf den Geländen der verschiedenen Hochschulen in Zittau, Görlitz, Freiberg und Dresden unterwegs. Sie spüren die Geschichten auf, die den Campus bewegen, und sammeln so neben dem Studium erste Berufserfahrungen im dichten Dickicht des Medienfeldes. Denn gerade in diesem

Bereich geht ohne Arbeitsproben oft nix, und nachgewiesene Praxis in Form veröffentlichter Texte ist viel wertvoller als gute Noten auf dem Zeugnis. Darum bietet die größte sächsische Hochschulzeitung „ad rem“ jedes Semester studienbegleitende Praktika und freie Mitarbeit an.

Wenn Dich das Schreiben reizt, Du hartnäckig und neugierig bist, dann komm doch einfach mal zur Sache – am besten auf dem „ad rem“-Stand im Foyer des Hörsaalzentrums. An den beiden „bonding“-Messetagen kannst Du Dich bei den

Redakteuren über sämtliche Mitschreibemöglichkeiten informieren oder ihnen einfach sagen, was Du schon immer mal sagen wolltest.

Gesponsert wird „ad rem“ auf der Bonding-Messe von stylebutton.de

Zum Foto: „ad rem“ ist für dich überall dabei – selbst beim Frühstück.
Foto: Amac Garbe


Wie bewerbe ich mich richtig?

Karriereberaterin Katharina Maier gibt Tipps und warnt: Individualität bei einer Bewerbung ist wichtig, aber zu viel Originalität kann schaden

Von Maria Heimann

Eines Tages trifft es jeden Studenten: Die schöne Studentenzeit neigt sich zum Ende. Arbeit muss her. Aber woher nehmen?

Wer nicht stundenlang das Internet nach der richtigen Stelle durchforsten will, dem bietet die Firmenkontaktmesse am 3. und 4. Mai im Hörsaalzentrum der TU Dresden die Möglichkeit, direkt mit Firmenvertreten in Kontakt zu treten und Ausschau nach dem zukünftigen Arbeitgeber zu halten.

Der erste Kontakt auf der Messe und die Bewerbungsunterlagen sind dabei die entscheidenden Faktoren. „Informieren Sie sich vorher in den Ausstellerkatalogen und im Internet über die Firmen, die sie kontaktieren wollen und bringen Sie ihre Bewerbungsunterlagen auf den neuesten Stand!“ rät Katharina Maier vom Career Service der TU Dresden. Am Besten überlegt man sich schon vor dem Messebesuch einen Gesprächseinstieg und einige Fragen, sonst gerät man später leicht ins Stocken. Die persönliche Motivation sollte man, ebenso wie die wichtigsten Informationen zur eigenen Person, im Vorfeld in Worte fassen, damit beides im Gespräch glaubhaft rübergebracht werden kann. Nichts sei schlimmer als den Firmenvertreten völlig unvorbereitet gegenüberzutreten und beim Gespräch mehr auf die bunten Werbegeschenke zu achten als auf das Gegenüber. „Signalisieren Sie durch Detailfragen Interesse an der Firma und halten Sie auf jeden Fall ihre aktuellen Bewerbungsunterlagen griffbereit!“ rät die Karriereberaterin.

Wie sieht eine aussagekräftige Bewerbungsmappe aus?

Wichtig sind vor allem Aktualität und Vollständigkeit, aber auch die richtige Reihenfolge der Dokumente. „Das maximal einseitige Anschreiben kommt lose auf die Mappe. Dann folgen Deckblatt, Lebenlauf und alle relevanten Zeugnisse“, zählt die stellvertretende Leiterin des Career Service auf. Die Personalchefs achten bei der Auswahl der Bewerber heute genauso auf außeruniversitäres Engagement wie auf gute Noten. „Durch die Mitgliedschaft in einem Sportverein können Teamfähigkeit und das Organisationstalent geschult werden. Natürlich muss die fachliche Kompetenz immer stimmen, aber solche Soft Skills sind unverzichtbar“, weiß Maier. Wichtig dabei: Immer nur Kopien mitschicken, niemals Originale!

Natürlich müssen auch Grammatik und Orthografie stimmen, sonst landet auch der beeindruckendste Lebenslauf gleich auf dem „Nein“-Stapel. Viele Bewerber vergessen auch, dass sowohl das Anschreiben als auch der Lebenslauf mit aktuellem Datum und Ort versehen und beide eigenhändig unterschrieben werden müssen. Diese Formalia gelten immer – auch bei Bewerbungen via Internet. Dann sollten die Unterlagen im PDF-Format zusammengefügt und gespeichert sein. Die eigene Unterschrift sollte dann eingescannt und in die Dateien eingefügt werden.

Generell müssen die Unterlagen die eigenen Stärken repräsentieren und passend für den jeweiligen Job zusammengestellt werden. Hat man sich neben dem Studium mit diversen Nebenjobs über Wasser gehalten, sollte man sie auch angeben – wenn sie in das Profil der Stellenbeschreibung passen. Hat man beispielsweise längere Zeit als studentische Hilfskraft gearbeitet und Übungen als Tutor geleitet, beweist das Organisationstalent, Durchhaltevermögen und rhetorisches Geschick. „Ihre Bewerbungsunterlagen sind Werbung in eigener Sache, sie sollten die eigenen Stärken herausbringen. Aber je nach Branche kommt zu viel Originalität in der Gestaltung nicht gut an“, warnt Bewerbungsexpertin Maier.

Kleider machen Leute – das wusste schon Gottfried Keller. Und er hat bis heute Recht behalten. Das richtige Outfit ist zwar immer abhängig von den Unternehmen, wo sich der Bewerber präsentiert. Nichtsdestotrotz ist es bei der „bonding“-Messe genauso wichtig wie bei einem richtigen Vorstellungsgespräch. Als Ingenieur reichen Hemd, Krawatte und Sakko aus, während Ihr bei einer Unternehmensberatung besser im Anzug bzw. Kostüm erscheint. Studenten in den Anfangssemestern, die sich nur informieren möchten, können es etwas lockerer angehen, da reicht legere Kleidung völlig aus. Und schon steht einem erfolgreichen Messebesuch nichts mehr im Wege!

Zum Foto: Diplom-Pädagogin Katharina Maier leitet den Career Service an der TU Dresden stellvertretend und kennt sich bestens aus in Sachen Laufbahnberatung.
Foto: Amac Garbe

Weitere Eindrücke und wertvolle Tipps zur Bonding-Messe findet ihr in der aktuellen Sonderbeilage der Ausgabe 09.2010.

„Diskussion ist immer gut. Immer.“

Der Dresdner Student Jacob Schrot ist auf dem besten Weg, Politik ein wenig sympathischer zu machen

Interview von Juliane Hanka

Er trägt meist Turnschuhe und Jeans statt Anzug. Dabei ist Jacob Schrot keinesfalls in Joschka Fischers Spuren unterwegs. Er ist Christdemokrat. Momentan zumindest. Im Gespräch wird klar, dass der 19-Jährige parteibezogene Ideologien zu Gunsten einer gesunden Diskussion ablehnt. Es macht Spaß, sich mit ihm über Politik zu unterhalten.

Was bedeutet Politik für dich?

Ich will jungen Menschen zeigen, dass es keine Aufopferung ist. Ich wirke an vielen Jugendprojekten mit. Viele jammern, aber konkretes tun sie nicht. Das war mein Impuls. Das hat mit ein paar Torstangen für unseren damaligen Fußballplatz angefangen. Es sind die kleinen Sachen, an denen man merkt, dass sich Einmischen etwas bringt. Mit 15 hab ich mich in der Schule engagiert, in ehrenamtlichen Gremien und später erst politisch gebunden.

Warum hast du „Ich kann Kanzler“ gewonnen?

Weil die Menschen mir glauben, wenn ich etwas sage. Ich kann in Kameras sagen, dass ich Frank-Walther Steinmeier im Kanzlerduell besser fand als Angela Merkel, ich habe keine Angst davor, dass dann ein kritischer Anruf aus der Parteizentrale kommt. Ein Politiker muss geradlinig formulieren, was er meint.

Aber in der Show ging es weniger um Inhalte als um die eigene Präsentation.

Das stimmt und das fand ich sehr schade. Es ist einer der vielen Gründe für Politikverdrossenheit. Die Leute können die Sprache der Politiker nicht mehr entschlüsseln. In der Talkshow bewerfen sie sich mit Fachbegriffen und führen eine Diskussion, der Außenstehende nicht mehr folgen können.

Und das willst du ändern?

Ich ertappe mich schon dabei, manche Dinge mittlerweile etwas vorsichtiger zu formulieren, als ich das früher getan hätte. Aber das ist ein ganz normaler Prozess wenn man eine öffentliche Person wird. Slangsprache oder extreme Meinungen sind dann wenig hilfreich. Ich sage aber, was mir an der CDU nicht passt. Deshalb bin ich auch nicht der Beliebteste in der Partei.

Die CDU ist nicht unbedingt eine Studentenpartei …

Schön formuliert.

Du sagst aber „Insbesondere in den Punkten Bildungs-, Umwelt- und Sozialpolitik finde ich hohe Identifikation mit der offiziellen CDU-Programmatik.“ Hast Du dich also bewusst entschieden?

Ja. Ich wollte mitentscheiden, also musste ich einer Partei beitreten. Dann hab ich die Programme nebeneinander gelegt und darauf geschaut, was konkret getan wird, besonders auf der lokalen Ebene. Ich befürworte Atompolitik, das sage ich auch in Gegenwart einer Studentenzeitung. Die Grundwerte Familie, Freiheit, Gerechtigkeit und die Gedanken zur Leistungsgesellschaft waren mir wichtig. Aber genauso will ich Steuersenkungen, in klarer Anti-CDU-Linie. Es gibt keine perfekte Partei. Die ewige Strukturdebatte in der Bildungspolitik hier ist so ideologisch aufgeladen. Es herrscht Schwarz-Weiss-Denken, das regt mich auf.

Du könntest dir also auch vorstellen, dich mal für eine andere Partei zu engagieren?

Natürlich. Man sollte nichts verteidigen, nur weil man Chancen auf ein Mandat hat. Um nochmal auf „Ich kann Kanzler“ zurückzukommen. Viele haben mir danach geschrieben und gesagt, sie wollen sich parteipolitisch binden. Ob das jetzt für die SPD, FDP oder die Linkspartei ist, das ist mir egal.

Wie reagierst du auf den Vorwurf, in deinen politischen Aussagen zu schwammig zu sein wie es Mario Nebl in einem polemischen Text in „Der Freitag“ getan hat?

Er hat mir unterstellt, ich könnte nichts Konkretes sagen zu Energie- und Steuerpolitik und Afghanistan. Ich habe ihm ganz konkret geantwortet und das fand ich mutig und am Ende hat er es auch zurückgenommen. Ich bin kritikfähig und kann auch Kompromisse machen. Ich bin kein Karrierist, ich kann mir nur gut vorstellen, politisch aktiv zu bleiben.

Du sagst, du könntest dir auch vorstellen, Botschafter in Israel zu sein.

Ja. Es ist ein unglaublich komplexes und interessantes Land, diese religiösen Konflikte und die Geschichte auf Schritt und Tritt. Für einen deutschen Diplomaten ist es die größte Ehre, in Israel tätig zu sein. Ich verurteile zwar bestimmte israelische Luftschläge im letzten Gaza-Krieg, den Siedlungsbau in der Westbank und Jerusalem. Aber grundsätzlich haben sie ein absolutes Existenzrecht. Trotz unserer Verantwortung dürfen wir Kritik üben und wir fangen langsam an das zu begreifen.

Was hast du von den Dresdner Studentenprotesten mitbekommen?

Ich war im Potthoff-Bau zur Diskussionsveranstaltung. Diskussion ist immer gut. Immer. Ich halte nichts von Besetzungen, aber es ging ja um die Inhalte. Nur fand ich es bezeichnend, dass die Fachschaftsräte der Philosophischen Fakultät es nicht schaffen, bei einer Wahlbeteiligung von unter 30 Prozent sich untereinander besser auszutauschen, dann aber auf die Straße gehen, um mehr Mitbestimmung zu fordern. Wir sollten bei uns selbst anfangen.

Was ist mit dem Bachelor-System?

Der Gedanke von Bologna ist gut, aber die Umsetzung war miserabel. Die Forderung nach der Abschaffung jedoch wäre katastrophal für die weitere Zusammenarbeit unter den Universitäten.

Was tust du konkret für die Studentenpolitik?

Ich habe überlegt, mich im FSR aufstellen zu lassen, aber ich glaube, ich bin noch nicht so fit in Hochschulpolitik. Dabei könnte man strukturell viel verändern. Ich werde regelmäßig zu den Sitzungen der FSR gehen, aber auf die dortigen Grabenkämpfe habe ich keine Lust.

Das erste Semester ist jetzt rum. Bist du ein guter Student?

Es macht Spaß und läuft gut. Was mich stört ist, dass es keine Identifikation mit der Uni gibt. Ich möchte stolz auf etwas sein. Das ist jetzt wahrscheinlich ziemlich CDU-lastig. Ich glaube, der fehlende Zusammenhalt kann nicht mit dem Argument abgetan werden, dass es eine Massenuniversität ist. Ich möchte, dass am Tag der deutschen Einheit etwas getan wird, natürlich nicht die Deutschlandhymne gesungen wird, aber ein bisschen Festlichkeit herrscht. Gerade im Osten Deutschlands laufen Dinge wie Tradition völlig aus dem Ruder.

Zum Foto: Regt sich über das politische Schwarz-Weiß-Denken auf: Jacob Schrot.
Foto: Amac Garbe

Kurzbio.

  • Jacob Schrot ist 19 Jahre alt, stammt aus Brandenburg und studiert seit letztem Oktober Politik- und Kommunikationswissenschaft an der TU Dresden.
  • Er ist seit über drei Jahren für die CDU politisch aktiv und nun deutschlandweit bekannt, weil er die ZDF-Castingshow „Ich kann Kanzler“ gewann.
  • seit Januar ist er Vorsitzender des Dresdner Arbeitskreises für christliche Grundwerte und Demokratie (CDU).


Raus mit Euch, die Sonne scheint!

Einradkurse am Dresdner Universitätssportzentrum bieten Trainingsmöglichkeiten für Konzentration und Gleichgewicht

Von Matthias Schöne

Bunte Bälle hüpfen wild umher, Keulen werden ge- worfen, Ringe kommen der Hallendecke bedenklich nahe.  Sportler fahren auf ihren Einrädern heran – manche schon sehr geschickt, bei anderen geht man lieber aus dem Weg. Dieses Treiben kann man jeden Freitagabend ab halb sieben in der Hauptsporthalle an der Nöthnitzer Straße in Dresden bestaunen.

„Als Anfänger braucht man nur Turnschuhe und gute Laune“, sagt Johannes Dietz, Trainer und selbst passionierter Einradfahrer. Nach der Erwärmung mit verschiedenen Spielen kann man sich das erste Mal auf das ungewohnte Gefährt wagen. Fest muss man seine Füße auf die Pedale pressen, wird dabei zunächst von einem Partner geführt, findet sein Gleichgewicht und fährt einige Meter, bevor man die Balance wieder verliert. Um aber wirklich gut Einrad fahren zu können, braucht es eine Weile. „Leute mit viel Talent lernen es in einigen Stunden, viele brauchen ein Semester, aber am Ende lernen es alle“, sagt Dietz, der Elektrotechnik an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden studiert. Im Fortgeschrittenenkurs ab 20 Uhr lernen die geübten Fahrer dann Tricks wie Rückwärtsfahren und Pendeln. Akrobatisch geht es gar bei Dietz’ Kollegin Susanne Uhlig beim Jonglieren zu, ganz Verrückte können auch beides kombinieren.

Dietz selbst sei durch den Unikurs zum Einradfahren und Jonglieren gekommen und war schließlich so fasziniert, dass er sich selbstständig gemacht hat. Er bietet nicht nur Trainings für Studenten, Schüler und interessierte Gruppen an und gibt Vorführungen seines Könnens vor Publikum, sondern organisiert auch Akrobatiktreffen und Wettbewerbe in Dresden.

Netzinfos: www.usz.tu-dresden.de

Zum Foto: Elektrotechnik-Student Johannes Dietz lehrt seinen Kommilitonen das Einradfahren.
Foto: Amac Garbe