Auf dem Campus unterwegs

Wir sind für Euch auf dem Campus in Dresden unterwegs, graben die kleinen, aber auch großen Geschichten aus und präsentieren sie Euch hier ganz frisch. Sollten wir doch einmal etwas Erzählenswertes verpassen, schreibt uns: leserpost@ad-rem.de.

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Campus-Pläne

Uni auf dem Reißbrett

Foto: Amac garbe, ein-satz-zentrale.deVon Katrin Mädler

Das Frankfurter Architekturbüro Albert Speer & Partner (AS&P) plant den Campus der TU Dresden neu.

Ungefähr im April 2014 soll der erste Entwurf für einen neu strukturierten Campus der TU Dresden vorliegen. „Dabei handelt es sich aber um keinen festen Bebauungsplan, sondern um ein erstes Grundkonzept. Darauf können alle betroffenen Einrichtungen dann noch reagieren“, sagt Carolin Riedel, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit im Studentenrat (StuRa) der TU Dresden.

Der Auftrag kam von der Stadt Dresden und umfasst die gesamte Südvorstadt. Es geht darum, die Entwicklung dieses Stadtteils in den nächsten Jahren bauplanerisch festzuhalten. „Der Plan soll klarstellen, wohin sich dieses Areal am besten entwickeln könnte. Dabei wird auch überlegt, wie man die Wohngebiete mit dem Campus verbinden kann und wo die Hauptverkehrsknotenpunkte sind“, erklärt Riedel weiter, die im sechsten Semester Architektur an der TU studiert.

Laut des Dresdner Bürgermeisters Jörn Marx (CDU) vom Geschäftsbereich Stadtentwicklung umfasst das Untersuchungsgebiet eine Fläche von ungefähr 375 Hektar, wozu neben der TU auch die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) und andere Institute, Bildungs- und Forschungseinrichtungen gehören. „Die Stadt hat es sich zum Ziel gesetzt, mit dem Rahmenplan auch den Exzellenzstatus der TU Dresden zu unterstützen. Acht Architekturbüros wurden aufgefordert, ein Angebot abzugeben. Die Wahl fiel dann auf das Büro Albert Speer & Partner aus Frankfurt“, ergänzt Marx. Einige Schwerpunktgebiete soll das Planungsbüro detailliert neu überdenken. Dazu zählt die Strecke zwischen Hauptbahnhof und Fritz-Löffler-Platz und der Zellescher Weg, vor allem im Bereich der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek (SLUB). Auch der Nürnberger Platz und die angrenzenden Flächen gehören dazu. „Das zentrumsnahe Gebiet, das in Teilbereichen städtebauliche Defizite aufweist, soll weiterentwickelt werden. Dazu wurde dem Stadtplanungsamt ein Budget von 150000 Euro zur Verfügung gestellt“, sagt Marx.

Foto: Amac garbe, ein-satz-zentrale.de

Das Architekturbüro selbst möchte zum jetzigen Zeitpunkt noch keine näheren Informationen zum Projekt preisgeben, berät sich aber mit den betroffenen Institutionen. „Es gab Gespräche zwischen TUD-Vertretern und dem AS&P zu Vorstellungen und Wünschen der TU. Die Universität geht davon aus, dass ihre Interessen auch bei künftigen Bauplanungen berücksichtigt werden“, bestätigt Kim-Astrid Magister, Pressesprecherin der TU Dresden.

Studentenrat will Studierendenhaus

Auch Vertreter des StuRa konnten ihre Ideen vorbringen. „Ich fand es schön, dass auch wir zu einem Gespräch eingeladen wurden. Wir arbeiten natürlich besonders daran, dass ein Studierendenhaus in die Planung integriert wird“, sagt Carolin Riedel, die auch Leiterin des Projektes Studierendenhaus ist. Es gebe diesbezüglich sowohl von der TU Dresden als auch vom AS&P positive Rückmeldungen. Das Haus könnte an gleicher Stelle wie die heutige StuRa-Baracke entstehen und Platz für verschiedene studentische Projekte und Hochschulgruppen bieten. „Der Bau würde ungefähr fünf Millionen Euro kosten. Wir unterstützen das Projekt auch mit unserer eigenständigen Suche nach Sponsoren. Einen kleinen Teil versuchen wir auch selbst zusammenzubekommen, beispielsweise durch Spenden beim Campuslauf“, berichtet Carolin Riedel.

Neben der Forderung nach einem Studierendenhaus soll der Campus auch behindertengerechter werden. Außerdem wären die Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel und die Fahrradwege zu optimieren. Alles Dinge, die die Speer-Architekten in ihrem Zukunftskonzept jetzt berücksichtigen müssen.

Zu den Fotos:
Foto 1: Der Zellescher Weg ist Teil der Neuplanung des Dresdner Unicampus.
Foto 2: Wird vielleicht umgebaut: der Nürnberger Platz in Dresden.

Fotos: Amac Garbe

Exzellent, aber kein Geld

Der Sonderforschungsbereich 804 muss schließen

Foto: Amac Garbe, ein-satz-zentrale.deVon Stephan Klaus

Ein herber Rückschlag für die Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften an der TU Dresden: Der Sonderforschungsbereich 804 Transzendenz und Gemeinsinn wird ab Juli 2013 nicht weitergefördert.

Die Nachricht schlug ein wie ein Blitz: Am 23. Mai gab der Bewilligungsausschuss der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) bekannt, dass die beantragte Weiterfinanzierung des Sonderforschungsbereichs (SFB) 804 an der TU Dresden nicht genehmigt wird. Mit dem SFB Transzendenz und Gemeinsinn verlieren die Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften der TU Dresden eines ihrer Aushängeschilder. Das Projekt geht der Frage nach, was soziale und politische Ordnungen überhaupt zusammenhält.

Von der Entscheidung der DFG sind rund 50 Mitarbeiter und etwa doppelt so viele studentische Hilfskräfte betroffen. Einer der Betroffenen ist Eric Piltz. Er ist seit 2009 als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Teilprojekt Gottlosigkeit und Eigensinn des SFB tätig. „Mir war zwar bewusst, dass alles möglich ist, gerechnet habe ich damit aber nicht“, sagt er über die Entscheidung der DFG. Für ihn bedeutet das, dass er an seinem Projekt nicht weiterarbeiten kann und seine Dissertation nun schnell zu Ende bringen muss. „Ärgerlich und unglücklich ist, dass der SFB und die meisten Projekte zwar für sehr gut befunden wurden, aber dennoch keine Förderung erhalten.“ Damit spricht Piltz die Tatsache an, dass eine Kommission, die im März das Projekt begutachtete, dem SFB eine exzellente Bewertung zukommen ließ. Nichtsdestotrotz lehnte der Bewilligungsausschuss eine Weiterfinanzierung ab.

Unterstützte die DFG das Projekt in den vergangenen vier Jahren mit insgesamt 11,7 Millionen Euro, scheiterte der Antrag auf Weiterfinanzierung wohl grundsätzlich an der dramatischen Geldnot der DFG, sagt Prof. Gerd Schwerhoff. Er ist Lehrstuhlinhaber für Geschichte der Frühen Neuzeit an der Philosophischen Fakultät der TU und zudem stellvertretender Sprecher des SFB. Er sagt: „Es können eine ganze Reihe von SFBs, die positiv begutachtet wurden, nicht gefördert werden, weil zu wenig Geld im Topf ist. Wir haben in der DFG seit einiger Zeit die Situation, dass die Anträge in einem umgekehrt proportionalem Verhältnis zum Geld stehen.“

Foto: Amac Garbe, ein-satz-zentrale.deMarco Finelli, Pressesprecher der DFG, sagt über die inhaltlichen Beweggründe nur: „Der Ausschuss trifft seine Entscheidungen über Bewilligungen beziehungsweise Nicht-Bewilligungen ausschließlich nach Kriterien der wissenschaftlichen Qualität, die bei allen Förderentscheidungen der DFG der Maßstab sind.“ Er verweist darauf, dass die Antragssteller demnächst ausführlichere Informationen erhalten.

Ein Trostpflaster gibt es aber: Für ein Jahr erhält der SFB noch Personalmittel für die beschäftigten Mitarbeiter. Dies soll ihnen die Möglichkeit bieten, sich nach neuen beruflichen Perspektiven umzusehen. „Da wir eine Abschlussfinanzierung erhalten, kann ich vorerst für ein Jahr planen. Das ist angesichts des Wegfalls des SFB schon eine Erleichterung. Darüber hinaus ist noch unklar, wie es weitergeht“, erzählt Piltz. Für studentische Hilfskräfte gilt diese Übergangsregelung allerdings nicht. „Für alles Weitere gibt es ab dem 1. Juli so gut wie kein Geld mehr, etwa für Forschungs- und Konferenzreisen, für Tagungen, für Publikationen. Damit enden die Gestaltungsmöglichkeiten der SFB-Leitung und die Projektleiter werden zu Konkursverwaltern“, führt Prof. Werner J. Patzelt aus. Er ist einer der Projektleiter im SFB und Lehrstuhlinhaber für Politische Systeme und Systemvergleich an der Philosophischen Fakultät der TU. „Das ist wahrlich nicht die schönste Aufgabe meines Berufslebens“, sagt er weiter.

Für die Lehre bedeutet die Entscheidung der DFG vor allem eins: Einschränkungen in der Vielfalt. Viele Mitarbeiter bieten unentgeltlich Lehrveranstaltungen neben ihrer Forschungstätigkeit am SFB an. „Es werden in einigen Instituten vielleicht nicht mehr in einer begrüßenswerten Breite – wie es in der Vergangenheit war – Veranstaltungen angeboten, sondern es wird sich eher auf das Kerngeschäft konzentriert“, erklärt Prof. Schwerhoff. Auf die Frage nach den langfristigen Auswirkungen der Entscheidung für die gesamten Geisteswissenschaften, antwortet der Rektor der TU, Prof. Hans Müller-Steinhagen: „Die Entscheidung der DFG ist sehr schmerzhaft für die gesamte Universität. Das ändert aber nichts an unserer Strategie, auch weiterhin die TU Dresden als Volluniversität zu profilieren. Rund 12000 unserer insgesamt 37000 Studierenden sind in den Geistes- und Sozialwissenschaften eingeschrieben, und es gibt zahlreiche Forschungsprojekte und Forschungserfolge in diesem Bereich.“

Ein Interview mit SFB-Sprecher Prof. Hans Vorländer gibt’s im Netz: www.campusradiodresden.de

Zum Foto: Prof. Gerd Schwerhoff sieht die Gründe für die ausbleibende Weiterförderung des Sonderforschungsbereiches 804 hauptsächlich im Geldmangel bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft.
Foto: Amac Garbe

Von wegen lauer Lenz

Können Studenten bald Teilzeit studieren?

Karikatur: Norbert ScholzVon Christine Reißing

Eine Arbeitsgemeinschaft des Studentenrates der TU Dresden setzt sich seit 2010 dafür ein, dass an der Universität Teilzeit studiert werden kann – im Herbst soll es so weit sein.

Krankheit, Schwangerschaft, Pflegefälle: Wenn man jung ist, ist man vor besonderen Lebensumständen nicht gefeit. Auch für diejenigen, die neben dem Studium arbeiten müssen, wird die Zeit zum Lernen schnell knapp. Individuelle Lösungen sind gefragt.

Zwar gibt es die Möglichkeit, ein Urlaubssemester einzulegen. „Aber das Problem ist dann, dass man jedes Semester erneut Anträge stellen muss – man ist immer irgendwo Bittsteller“, sagt Steven Seiffert. Der 25-Jährige studiert im vierten Mastersemester Raumentwicklung und Naturressourcenmanagement an der TU Dresden und leitet, gemeinsam mit Diana-Victoria Menzel, die AG Teilzeitstudium des Studentenrates (StuRa) der Universität. Ihr Ziel: Ab dem Wintersemester 2013/14 soll an der TU Dresden Teilzeit studiert werden können. „Wir haben schon Informationsveranstaltungen organisiert, aber die waren eher spärlich besucht. Vertreter aus den Geisteswissenschaften hatten zum Beispiel gar keine Ambitionen, da aufzutauchen – obwohl ein Teilzeitstudium in diesen Studiengängen sicher am ehesten umsetzbar wäre. Vertreter aus dem Bauingenieurwesen sind hingegen schon sehr weit“, erklärt Diana-Victoria Menzel, die an der TU Chemnitz im zweiten Mastersemester Politik studiert und zuvor ihren Bachelorabschluss an der TU Dresden gemacht hat.

Die Paragraphen 16 und 32 des Sächsischen Hochschulgesetzes verweisen auf die Möglichkeit des Teilzeitstudiums. Dieser Anspruch soll ab Oktober in der Immatrikulationsordnung der TU Dresden verankert werden. „Der Passus wird in die Imma-Ordnung kommen, das ist Fakt. Aber es ist dann an den Fakultäten selber, ihre Studiengänge entsprechend auf Teilzeit studierbar zu machen“, erläutert Menzel. Mit verlängerten Regelstudienzeiten können die im Sächsischen Hochschulgesetz festgeschriebenen Langzeitstudiengebühren umgangen werden. BAföG-Zahlungen sind nach derzeitigem Stand für Langzeitstudenten allerdings nicht vorgesehen.

Flexibles Studium

Prof. Ursula Schaefer, Prorektorin für Bildung und Internationales an der TU Dresden, verdeutlicht auf „ad rem“-Anfrage: „Das Teilzeitstudium wird an der TU Dresden als eine wichtige Maßnahme zur Flexibilisierung des Studiums im Rahmen einer familiengerechten Hochschule angesehen.“ So sei in der vergangenen Zeit die Zusammenarbeit zwischen der AG Teilzeitstudium und den zuständigen Sachgebieten der Zentralen Universitätsverwaltung intensiviert worden. Aus Sicht der AG Teilzeit muss die Kooperation mit Fakultäten und Unileitung allerdings noch enger werden. Schaefer versichert außerdem, dass die Möglichkeit eines Teilzeitstudiums zum Wintersemester 2013/14 gegeben sein soll. Theoretisch können sich dann also Teilzeitstudierende immatrikulieren – und hoffen, dass passende Studienablaufpläne bereitstehen. „Die Fakultäten sollten darauf vorbereitet sein, dass ab dem Wintersemester ein paar Leute kommen und auf ihr Recht auf Teilzeitstudium beharren“, rät Menzel abschließend.

Netzinfos: www.stura.tu-dresden.de/ag_teilzeitstudium

Zur Karikatur: Teilzeit wäre oft eine angenehmere Lösung.
Karikatur: Norbert Scholz


Das Ende der Fahnenstange?

Strukturgespräche führen zu harten Einschnitten an der TU Dresden

Karikatur: Norbert ScholzVon Nadine Faust

Sechs Studiengänge, 224 Stellen, davon 49 Professuren: Auf deren Wegfall konnten sich Universitätsleitung und die Fakultäten der TU Dresden letztendlich einigen. Dabei wurde offenbar nicht jede Stimme beachtet. „Der Einfluss der Studierenden über die formalen Gremien war gleich null. Bei unserer Fakultät wurden die Strukturgespräche direkt zwischen Dekan und Unileitung ausgehandelt und nicht die einzelnen Institute in die Diskussion einbezogen. Von daher standen auch einige Professoren außen vor“, sagt Kay Schomburg, Drittsemester im Masterstudiengang Raumentwicklung und Naturressourcenmanagement und beratendes Mitglied des Fachschaftsrates Geowissenschaften.

Einmal alles durchplanen

Die Fachrichtung des 32-jährigen Schomburg, beheimatet an der Fakultät Umweltwissenschaften, muss fortan auf den Bachelorstudiengang Kartographie und Geomedientechnik verzichten. Hinzu kommen die Studiengänge Chemieingenieurwesen, Spanisch als eigenständiges Fach und auf Lehramt, Altgriechisch sowie der Masterstudiengang Childhood Research and Education. Seit knapp zweiJahren führte die Leitung der Technischen Universität unzählige Strukturgespräche mit den einzelnen Fakultäten. Grund ist der geforderte Stellenabbau der Landesregierung an sächsischen Hochschulen. Zwar erließ sie der TU nach deren Erfolg in der Exzellenzinitiative im vergangenen Juni den Abbau von 94 Stellen bis 2016. Doch die Unileitung wollte einmal alles durchplanen und nicht alle zwei Jahre neu anfangen, wie TU-Rektor Prof. Hans Müller-Steinhagen in einem Gespräch mit Pressevertretern unlängst erklärte.

Platz für was Neues

Dabei wollte man nicht nach der Altersstruktur an den Fakultäten vorgehen, sondern strategische Entscheidungen treffen, sagt der Rektor. Schließlich müsse man in einigen Jahren für die Weiterentwicklung der Universität auch neue Professuren schaffen können. Dabei habe der Fortbestand der Volluniversität nie zur Diskussion gestanden, auch Fakultäten sollen nicht geschlossen werden. „Es ist bemerkenswert, dass die allermeisten Streichungen den geistes- und sozialwissenschaftlichen Bereich betreffen“, sagt dagegen Prof. Gerhard Besier, hochschulpolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE im sächsischen Landtag. „Die TU Dresden befindet sich offenbar auf dem Weg zur MINT-Universität, obwohl der Status der Volluniversität explizit im Zukunftskonzept der Universität angelegt ist“, führt er weiter aus.

Holger Mann, Sprecher für Hochschule und Wissenschaft der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag, sieht neben der Profilbildung innerhalb der Uni das Problem vor allem im vorgeschriebenen Stellenabbau durch die schwarz-gelbe Koalition: „Die Stellenkürzungen gefährden auch das Prestigeobjekt des Freistaates – die Exzellenzuniversität Dresden.“ Dr. Karl-Heinz Gerstenberg,  hochschulpolitischer Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, fügt hinzu: „Die TU Dresden ist leider nur ein weiteres Opfer der kurzsichtigen Politik des Freistaates, handelt mit ihren Kürzungsplänen aber zugleich im vorauseilenden Gehorsam. Selbst der aktuelle Staatshaushalt stellt die Stellenstreichungen ab 2016 unter einen Evaluierungsvorbehalt, ganz abgesehen davon, dass die sächsische CDU-/FDP-Regierung keine Ewigkeitsgarantie hat.“

Foto: Amac Garbe, ein-satz-zentrale.deBemühen um stärkere Profilierung

Sachsens Wissenschaftsministerin Sabine von Schorlemer (parteilos) lehnt hingegen jede Verantwortung der Landesregierung ab. Vielmehr unterstütze sie die TU bei ihren Bestrebungen, „eine der führenden Universitäten in Europa zu werden. In diesem Kontext obliegt es der Technischen Universität, sich um eine stärkere Profilierung zu bemühen.“

Für die Studenten bedeutet das neben der Schließung eben jener Studiengänge die stärkere Anwendung des Numerus clausus. Damit wird es schwerer, an der TU Dresden überhaupt zum Studium zugelassen zu werden. Schon jetzt ist etwa die Hälfte der momentan 126 Studiengänge zulassungsbeschränkt. Alle Studenten der betroffenen sechs Studiengänge sollen aber die Möglichkeit bekommen, diesen auch abzuschließen. Zwei Jahre über Regelstudienzeit sind dafür einkalkuliert. Außerdem werden einige der Studiengänge in andere integriert. „Die Zusammenlegung des Chemieingenieurwesens und der Verfahrenstechnik ist quasi schon seit Jahren geplant“, erzählt der 23-jährige Tim Hoffmann, der im achten Diplomsemester Chemieingenieurwesen studiert und Mitglied des Fakultätsrates und der Studienkommission Chemieingenieurwesen war.

Anders sieht es beim Studiengang Childhood Research and Education aus. Hier gab es schon vor Abwicklung des Studiengangs Probleme, wie Anne Bunge erzählt. Die 25-Jährige befindet sich im vierten Semester des Masterstudiengangs und ist Mitglied im Fachschaftsrat Sozialpädagogik. Die Studenten wurden nie richtig informiert, sagt sie. Letztendlich gab es viele Faktoren, die ein Studium zeitweise fast unmöglich gemacht hätten. Das Personal fehlte. „Zudem konnten angemeldete Prüfungen wegen Weggangs einer Dozentin nicht mehr abgelegt werden.“ Erst ein Brief ans Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst und eine neue Studiengangskoordinatorin führten dazu, dass die Studenten ihr Studium wenigstens ordentlich zu Ende bringen können.

Die Strukturgespräche sind indes abgeschlossen, die Ergebnisse wurden dem Senat bereits vorgelegt. Der kann bei seiner Sitzung Anfang Mai eigentlich nur noch abnicken. Für Kay Schomburg ist das aber nicht das Ende der Fahnenstange: „Problematischer sehe ich eher die Frage, welche Studiengänge voraussichtlich noch wegfallen werden.“

Zur Karikatur: In der Kirche zum Heiligen Rotstift sind Studentenvertreter nicht willkommen.
Karikatur: Norbert Scholz

Zum Foto: 224 Stellen für eine neue Struktur: An der TU Dresden wird ab- und umgebaut.
Foto: Amac Garbe

TU-STRUKTURINFOS.

  • Stellenabbau: Die TU Dresden will bis 2025 insgesamt 224 Stellen abbauen: 48,9 bis Ende 2013, in den folgenden zwei Jahren 58, 2016/17 weitere 43 und danach noch mal 75. Innerhalb von zwölf Jahren entfallen somit 49 Professuren, 82 wissenschaftliche und 93 nichtwissenschaftliche Stellen. Das sind insgesamt etwa zehn Prozent der vom Land finanzierten Stellen. Solche, die über Drittmittel oder andere Gelder finanziert werden, sind nicht betroffen.
  • Leistungsindikatoren: Studiennachfrage, Absolventenzahl, Lehrauslastung, Berufschancen, Drittmitteleinwerbung und -streuung sowie das Verhältnis zwischen Grundlagen- und angewandter Wissenschaft waren maßgebend für die Entscheidung. Verglichen wurde fachspezifisch auf Landes- und Bundesebene.


Es gibt sie weiterhin

Wie es mit POT81 weiter geht?

Karikatur: Norbert ScholzVon Katrin Mädler

Die studentische Gruppe POT81 will auch in Zukunft an der TU Dresden mitmischen.

Aktiv seit den Studentenprotesten von 2009 und weiterhin unbequem aus Überzeugung: Das ist POT81, die sich auch KOK16 nennen. Bis Anfang März besetzte die studentische Gruppe den Hermann-Kokenge-Bau der TU Dresden an der Bayreuther Straße 40 („ad rem“ berichtete, siehe Ausgabe 4.2013 vom 30. Januar). Ohne Strom und Wasser missachteten sie den Räumungsbefehl der Universität.  Doch dann kündigten sie plötzlich ihren Auszug an.

„Es gab eine Gruppe von Leuten mit alternativen Lebensentwürfen, die mit uns dort wohnen wollten, sich aber ziemlich daneben benommen haben“, erklärt Martin B., TU-Student der Abfallwirtschaft im achten Semester. Seinen Nachnamen möchte er nicht nennen, da er Konsequenzen für sein Studium fürchtet. Die Störenfriede seien keine Angehörigen der TU Dresden gewesen. „Die haben Sachen mitbenutzt ohne Rücksicht darauf, ob sie kaputtgehen – wie den Notstromgenerator. Regeln durchzusetzen hat nicht funktioniert. Wir wollten niemanden mit Gewalt rausschmeißen, und so haben wir selbst die Konsequenzen gezogen.“ Seitdem sind sie ohne Räume.

Anzeige gegen unbekannt

Den Auszug feierte POT81 am 8.März mit einer Party, bei der es zu Sachbeschädigungen an den Baracken kam. „Türen wurden eingetreten, Kabel herausgerissen. Die Uni hat Anzeige gegen unbekannt gestellt, weil nicht klar ist, wer dahinter steckt“, sagt Mathias Bäumel, stellvertretender Pressesprecher der TU Dresden. „Und da sich dort nach dem Auszug von POT81 Obdachlose aus der Punkszene aufgehalten haben, wurden die Baracken an der Bayreuther Straße am 21. März mit polizeilicher Unterstützung geräumt. Danach ist gleich mit dem Abriss begonnen worden“, erzählt Bäumel weiter.

Der Studentenrat (StuRa) der TU Dresden befürwortet weiterhin die Forderung von POT81 nach neuen, geeigneten Räumen. Allerdings unterstützen wir nicht, was während der Abschlussparty passiert ist. Dazu gehört die Zerstörung der Gebäude“, erklärt Carolin Riedel, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit beim StuRa.

Die Studenteninitiative POT81 versucht jetzt, nach vorn zu schauen. „Bei der Abrissparty waren einige von uns ziemlich wütend, weil die Kommunikation mit der Universität nicht funktioniert hat. Aber jetzt planen wir, wie die weitere Arbeit aussehen soll. Wir werden bald einen hochschulpolitischen Stammtisch anbieten“, erzählt Martin. Im Moment unterstützen sie die Aktionsgruppe, die sich gegen die Beteiligung der Bundeswehr und namhafter Rüstungsunternehmen auf der bonding-Firmenkontaktmesse Ende April einsetzt. „Wir wollen das Bewusstsein der Studierenden weiter ausbauen und eine radikale Kritik an der Universität formulieren“, erklärt der Student.

Zur Karikatur: Altlastenentsorgung auf dem Gelände der TU Dresden.
Karikatur: Norbert Scholz


Hoffnungsschimmer am Horizont

Architekten hoffen nun auf Neubau

Foto: Amac Garbe, ein-satz-zentrale.deVon Sabine Schmidt-Peter

Ein Umzug der Architekturstudenten der TU Dresden auf die August-Bebel-Straße ist vom Tisch, stattdessen wird ihnen ein Neubau in Aussicht gestellt. Eine Entscheidung über das Wo und Wann steht noch aus.

Die Emotionen an der Fakultät Architektur der TU Dresden kochten hoch, als im vergangenen Herbst bekannt wurde, dass an ihrer Stelle die Verwaltung der TU Dresden in den Fritz-Förster-Bau einziehen wird. Die Architekten, so der damalige Plan, sollten stattdessen die Räumlichkeiten auf der August-Bebel-Straße beziehen. Kein angemessener Ersatz für den seit Langem versprochenen Fritz-Förster-Bau, befanden die Architekturstudenten. In Protestaktionen machten sie ihrer Verärgerung und Enttäuschung über die Entscheidung Luft („ad rem“ berichtete, siehe Ausgabe 27.2012 vom 7. November).

August-Bebel-Straße ungeeignet

Der Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB), der für die Gebäude auf dem Campus verantwortlich ist, prüfte inzwischen in einer planerischen Untersuchung, ob die Flächen der Fakultät im sogenannten Blauen Haus auf der August-Bebel-Straße untergebracht werden könnten. „Dabei stellte sich heraus, dass das Gebäude dafür ungeeignet und zu klein ist“, erklärt Andrea Krieger, Pressesprecherin des SIB. Daraufhin „hat das SIB der TU Dresden empfohlen, von der Idee Abstand zu nehmen, die Architekten in der August-Bebel-Straße unterzubringen“, führt die Pressesprecherin der TU Dresden, Kim-Astrid Magister, dazu weiter aus. Der Studiendekan Architektur, Prof. Jörg Joppien, betonte Anfang April im Gespräch mit dem Campusradio Dresden die allgemeine Erleichterung über das Untersuchungsergebnis an der Fakultät.

Alternativ ist nun ein Anbau an den Beyer-Bau am Fritz-Förster-Platz im Gespräch. Für diesen gibt es seitens der Fakultät Architektur unter dem Namen Campustor bereits einen ersten Entwurf. „Der Rektor hat Mitte Dezember den damals amtierenden Dekan der Architekten, Prof. Hans-Georg Lippert, gebeten, die Option Beyer-Bau genauer zu prüfen“, erklärt der jetzige Dekan der Fakultät, Prof. Gerald Staib, die Hintergründe des Entwurfs. „Daraufhin wurde an der Fakultät eine skizzenhafte Vorstudie angefertigt, um die grundsätzliche Eignung des Standorts zwischen Beyer-Bau und Hörsaalzentrum nachzuweisen“, fährt Staib fort. Grundsätzlich seien aber auch andere Standorte auf dem Campus denkbar. Allerdings erscheint der Fritz-Förster-Platz aufgrund der unmittelbaren Nachbarschaft zu den anderen Fakultäten des Bereichs Bau und Umwelt, zu denen eine inhaltliche Nähe bestehe, dem Dekan der Fakultät Architektur besonders sinnvoll. Beim Fachschaftsrat (FSR) Architektur und Landschaftsarchitektur zeigt man sich bezüglich der neusten Entwicklungen noch etwas skeptisch: „Bis jetzt liegt uns keine schriftliche Zusage vor, die uns eine Alternative oder sonstige Maßnahmen in Aussicht stellt“, erklärt Kathrin Bittner, die im sechsten Semester Architektur studiert. Sie betont jedoch gleichzeitig, dass der FSR einen Neubau mehr als begrüßen würde.

„Das Projekt Campustor ist zunächst eine Ideenskizze der Fakultät Architektur, die nun mit dem SIB und dem Rektorat der TU Dresden diskutiert werden muss“, ordnet Kim-Astrid Magister den Entwurf ein. Auch die Pressesprecherin des SIB betont, dass eine abschließende Entscheidung über die Unterbringung der Fakultät Architektur noch ausstehe. Krieger verweist allerdings darauf, dass im Doppelhaushalt 2013/2014 des Freistaates Sachsen keine Haushaltsmittel für einen Neubau der Fakultät zur Verfügung stehen würden. Vorerst verbleibt die Fakultät Architektur daher im Bürogebäude auf dem Zelleschen Weg. Pläne für die zukünftige Nutzung der Räumlichkeiten auf der August-Bebel-Straße sind bisher nicht bekannt.

Funkstube des Campusradios vom 4. April: www.kurzlink.de/architekten

Zum Foto: Pläne für das sogenannte Campustor der Architekten gibt es bereits.
Foto: Amac Garbe


Zwischen Mensastühlen

Blut gegen Schokolade

Foto: Amac Garbe, ein-satz-zentrale.deVon Christine Reißing

Nicht nur in Krankenhäusern und Kliniken, sondern auch an der Uni kann Blut gespendet werden. „ad rem“ hat einen Studenten der TU Dresden bei seiner ersten Spende begleitet.

Es ist Mittagszeit am Campus der TU Dresden. Aber Matthias Küfner ist heute nicht zum Essen in die Neue Mensa gekommen. Er möchte Blut spenden – zum ersten Mal. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) hat seine Blutspendestation im Obergeschoss der Neuen Mensa aufgebaut. Ungefähr einmal im Monat kann hier Blut gespendet werden. Ein Kommilitone hat Küfner davon überzeugt, mitzumachen.„Da habe ich mir gedacht: Warum nicht? Schließlich ist das ja was Gutes“, erzählt er, während er akribisch den obligatorischen Anamnesebogen ausfüllt. Seine Personalien musste er schon vorher angeben. Außerdem hat ein Laborant seine Körpertemperatur und den Hämoglobinwert gemessen.

Foto: Amac Garbe, ein-satz-zentrale.deFoto: Amac Garbe, ein-satz-zentrale.de

Angst vor der Entnahme hat der 23-Jährige, der an der TU Dresden im fünften Semester Verkehrsingenieurwesen studiert, nicht. „Impfungen nehme ich ja auch einfach so hin“, sagt er. Grinsend fügt er hinzu: „Ich hoffe nur, dass sie die richtige Stelle treffen.“ Als der Bogen ausgefüllt ist, geht es zum Arztgespräch in einen separaten Raum. „Geht es Ihnen heute gut? Haben Sie genug gegessen und getrunken?“, fragt Mediziner Dr. Hans-Christoph Wild, während er den Anamnesebogen begutachtet. Alles ist in Ordnung. Auch Blutdruck, Hämoglobinwert und Körpertemperatur stimmen. Küfner darf zur nächsten Station gehen.

Würden nicht Salz- und Pfefferstreuer auf den Fensterbänken ans alltägliche Mittagessen erinnern, wäre Saal IV der Mensa schwer wieder zu erkennen: Kühlboxen, Ampullen und Messgeräte stehen hier bereit. Aus einem Radiorekorder dudelt Popmusik, als sich Matthias Küfner auf einen der Entnahmesessel legen soll. Ein Mitarbeiter bereitet den personalisierten Blutbeutel vor und bindet den rechten Arm des Studenten ab.

Foto: Amac Garbe, ein-satz-zentrale.deFoto: Amac Garbe, ein-satz-zentrale.de

Nun wird es ernst: DRK-Krankenschwester Sabine Kunze sprüht Desinfektionsmittel auf Küfners Armbeuge und sticht die Nadel in seine Armvene. Zunächst entnimmt sie vier kleine Blutproben, die später in einem Labor beispielsweise auf Infektionskrankheiten wie HIV oder Hepatitis untersucht werden. Dann aber wird wirklich gespendet. Binnen zehn Minuten füllt sich der Blutbeutel über einen dünnen Schlauch mit knapp einem halben Liter Blut. Währenddessen ballt der 23-Jährige kontinuierlich seine Hand zur Faust und öffnet diese wieder – damit soll der Blutfluss angeregt werden. Zu seiner Rechten wippt derweil der Beutel hin und her.

Als das Behältnis voll ist, löst die Krankenschwester die Kanüle aus der Armvene des angehenden Verkehrsingenieurs. „Bei mir ist alles in Ordnung“, berichtet er. „Ich habe fast nichts gemerkt. Mein Blut war wohl nur etwas zu zähflüssig – ich habe bestimmt doch zu wenig getrunken.“ Sofort aufstehen darf er allerdings nicht, das könnte den Kreislauf zu sehr beanspruchen. Zur Stärkung stehen schon Kekse und Limonade bereit. Außerdem warten ein Mensagutschein oder ein Naschpaket mit Saft, Gummibärchen und Schokolade auf den Spender. Circa zwanzig Minuten Pause sollten nach der Spende eingeplant werden. Matthias Küfner ist sich sicher: „Ich gehe auf jeden Fall wieder Blut spenden. Aber darauf muss ich nun erst mal acht Wochen warten.“

Männer dürfen sechsmal, Frauen viermal jährlich Blut spenden. Nächste Blutspendetermine an der TU Dresden: Neue Mensa am 9. April (15 bis 19 Uhr) und 29. April (10 bis 15 Uhr). Anlässlich des 150-jährigen DRK-Jubiläums bekommen Blutspender zu diesen Terminen eine Tafel Schokolade geschenkt.

Netzinfos: www.blutspende-ost.de

Zu den Fotos:
Foto1: Hier geht’s zur Blutspende.
Foto2+3: Verkehrsingenieurstudent Matthias Küfner traut sich und geht in der Neuen Mensa Dresden erstmals zur Blutspende. Probleme bereitet ihm das nicht.
Foto4+5: Dr. Hans-Christoph Wild und Krankenschwester Sabine Kunze kümmern sich um spendefreudige
Studenten. Dazu gehören die Anamnese und der richtige Umgang mit dem abgenommenen Blut.

Fotos: Amac Garbe

Zukunft weiter ungewiss

Wie es mit dem Semesterticket weitergeht

Foto: Amac Garbe, ein-satz-zentrale.deVon Sabine Schmidt-Peter

Studierende der HTW und der TU Dresden haben sich klar zum sachsenweiten Semesterticket bekannt. Im kommenden Sommersemester bleibt es ihnen noch erhalten. Was danach kommt, bleibt vorerst offen.

Selten wurde so deutlich Position bezogen: 20 025 Studenten der Dresdner Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) und der Technischen Universität Dresden folgten Ende Januar dem Aufruf ihrer Studentenräte und beteiligten sich an einer Umfrage zum sachsenweiten Semesterticket. Mit 49,3 Prozent war die Beteiligung damit deutlich höher als bei vergleichbaren Umfragen in der Vergangenheit. Doch nicht nur die hohe Teilnehmerzahl, sondern auch das Ergebnis dürfte bei den Studentenräten für Zufriedenheit gesorgt haben. 93 Prozent aller Teilnehmer sprachen sich für eine Beibehaltung des sachsenweiten Semestertickets in seiner derzeitigen Form aus.

Solidarprinzip in Gefahr

Anstehende Neuverhandlungen zwischen den Studentenräten und den Verkehrsbetrieben hatten die Studentenvertreter veranlasst, aktuelle Daten über die Nutzung des Semestertickets einzuholen. Die Neuverhandlungen waren nach dem Inkrafttreten des neuen Sächsischen Hochschulgesetzes Anfang des Jahres notwendig geworden. Dieses ermöglicht den Studierenden einen Austritt aus der verfassten Studierendenschaft. Infolgedessen müssen sie den Beitrag zur Studentenschaft, durch den unter anderem das Semesterticket finanziert wird, nicht mehr zahlen. Der Erwerb des Tickets ist damit ab dem Wintersemester jedem Studierenden freigestellt und eine Preiskalkulation gestaltet sich so in Zukunft schwierig („ad rem“ berichtete, siehe Ausgabe 2.2013 vom 16. Januar).

„Die hohe Beteiligung und vor allem die hohe Zustimmung von 93 Prozent für das Semesterticket ist ein klarer Auftrag für uns, alles zu tun, um als Studentenrat ein Semesterticket weiter anbieten zu können“, sagt André Lemme, Mitarbeiter im Referat Semesterticket des Studentenrates der TU Dresden. Nun sei es an den Verkehrsbetrieben, dem Studentenrat ein gutes Angebot zu machen. Denn ohne ein Semesterticket würden die Studierenden, das habe die Befragung ebenfalls gezeigt, weniger Bus und Bahn nutzen, sondern eher auf das Fahrrad oder das Auto umsteigen.

„Die DVB hat mit einem Semesterticket sichere und planbare Einnahmen. Man sollte nicht darauf spekulieren, dass die Studierenden sich teure Monatskarten kaufen“, gibt Lemme zu bedenken. Christian Schlemper, Pressesprecher des Verkehrsverbunds Oberelbe (VVO), betont, dass der VVO das derzeitige Modell im Solidarprinzip für das Beste halte. „Damit wird dem Umweltgedanken und den Bedürfnissen der Studierenden am besten Rechnung getragen“, führt Schlemper dazu aus. Gemeinsam mit allen Beteiligten sei man an einer Weiterführung der 20-jährigen Erfolgsgeschichte des Semestertickets interessiert.

Erste Gespräche zwischen den Verkehrsbetrieben und den Vertretern der Studierenden, des Studentenwerkes und der Hochschulen haben bereits stattgefunden. Für das kommende Sommersemester 2013 vereinbarten die Verantwortlichen einen Fortbestand des Tickets in seiner jetzigen Form. Wie es danach weitergeht, ist bisher unklar. Viel Zeit für Verhandlungen bleibt jedoch nicht, denn bis zum Beginn der Rückmeldung für das Wintersemester 2013/14 benötigt das Immatrikulationsamt die Beitragshöhe.

Zum Foto: André Lemme vom Studentenrat der TU Dresden setzt sich für das Semesterticket ein.
Foto: Amac Garbe


Mit Bus und Bahn

Neues Hochschulgesetz gefährdet Semesterticket

Karikatur: Norbert ScholzVon Juliane Bötel

Die Änderungen des Sächsischen Hochschulgesetzes sind seit diesem Jahr in Kraft. Neuerungen stehen dadurch auch beim Semesterticket an.

Das frühlingshafte Wetter hat sich verabschiedet. Da bleibt das Fahrrad im Keller und der Weg zur Vorlesung wird mit Bus oder Bahn bestritten. Dank des Semestertickets muss dabei kein Gedanke an eine Fahrkarte aufkommen.

„Das Ticket ist naturgemäß ein Service unseres Studentenrates“, erklärt Martin Kamke, Semesterticketbeauftragter des Studentenrates der Dresdner Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW). Es ist zudem sachsenweit nutzbar. Die Verhandlungen und Vereinbarungen mit dem Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) übernehmen die jeweiligen Studentenräte der Hochschulen. Neben denen der HTW haben auch die studentischen Vertreter der TU Dresden, der Palucca Hochschule für Tanz, der Evangelischen Hochschule, der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber, der Hochschule für Bildende Künste und der Fachhochschule Dresden einen Vertrag mit dem VVO.

Kein Solidaritätsprinzip mehr

„Unser derzeitiger gemeinsamer Vertrag mit dem VVO läuft noch bis zum Ende des Sommersemesters 2013“, sagt Kamke. Eine naht- und problemlose Weiterführung dessen könnte die Änderung des Sächsischen Hochschulgesetzes, die am 1. Januar in Kraft getreten ist, erschweren. Durch sie ist es Studenten nun möglich, aus der verfassten Studierendenschaft auszutreten. Als Folge zahlt er keinen Studentenschaftsbeitrag mehr. Über diesen wird die Arbeit der studentischen Vertretungen und das Semesterticket finanziert. Der Beitrag zur Studentenschaft stellt an der TU Dresden mit 149,80 Euro den Großteil des insgesamt für das kommende Semester zu zahlenden Semesterbeitrag von 221,30 Euro dar.

„Die Beitragsordnung der verfassten Studentenschaft entfaltet keine Wirkung mehr auf ausgetretene Studenten“, erläutert Christian Soyk, Referent Semesterticket im Studentenrat der TU Dresden, das Problem. Somit entfällt für jene auch die Nutzung des Semestertickets. „Das Semesterticket ist in der Höhe des Preises so berechnet, dass alle Studierenden es kaufen müssen“, erklärt Soyk. Darum erwerben derzeit alle, die an einer Dresdner Hochschule immatrikuliert sind, das Semesterticket automatisch mit ihrer Rückmeldung zum neuen Semester. Wer zur Vorlesung lieber mit dem Fahrrad fährt, finanziert die Vergünstigungen für Kommilitonen, die den Bus nehmen, mit. Nutzen aber bald nur noch diejenigen das Semesterticket, für die es sich wirklich lohnt, gerät die Preiskalkulation ins Wanken.

„Das Semesterticket wird aufgrund des neuen Hochschulgesetzes nicht automatisch wegfallen, denn der Studentenrat kann natürlich weiter mit dem Verkehrsverbund verhandeln“, sagt Nico Tippelt, hochschulpolitischer Sprecher der FDP im Sächsischen Landtag. Seiner Aussage nach könnte aber auch ein anderer Vertragspartner, beispielsweise das Studentenwerk, die Verhandlungen mit dem VVO übernehmen. Seit einiger Zeit beraten Hochschulvertreter, das Studentenwerk und Mitglieder der Studentenräte mit den Verkehrsunternehmen über die zukünftige Ausgestaltung des Semestertickets. „Wir hoffen, noch im ersten Quartal dieses Jahres erste Eckpunkte zu fixieren“, sagt Christian Schlemper, Pressesprecher des VVO. Nach Aussage von Kim-Astrid Magister, Pressesprecherin der TU Dresden, wird es auch erst ab dem kommenden Wintersemester an der TU Dresden möglich sein, aus der verfassten Studentenschaft auszutreten. Bis dahin bleibt noch Zeit, um die Gesamtkonzeption des Semestertickets neu zu gestalten, so dass die Interessen aller Studenten einbezogen sind.

Zur Karikatur: Für den Weg zur Uni gibt es Alternativen zu Bus und Bahn.
Karikatur: Norbert Scholz


Das Ende eines Freiraumes

Studentische Gruppen müssen Baracken räumen

Karikatur: Norbert ScholzVon Katrin Mädler

Seit 2009 gibt es die studentische Gruppe POT 81 an der TU Dresden schon. In Kürze sitzt sie auf der Straße.

Bald stehen die Unirevolutionäre von POT 81 wohl ohne feste Bleibe da. Die Gruppe entstand 2009, als der Potthoff-Bau der TU Dresden 77 Tage lang besetzt wurde.

Einer, der damals schon dabei war, ist Paul, ein Student der Ingenieurwissenschaften an der TU Dresden. Seinen Nachnamen möchte er nicht nennen, weil er Konsequenzen für sein Studium fürchtet. „Am Anfang protestierten wir in erster Linie gegen das Bachelor-Master-System, das viele Studenten überfordert hat. Der harte Kern unserer Gruppe bestand aus ungefähr 20 Leuten. Wir haben uns beispielsweise gegen die Anwesenheitspflicht in bestimmten Veranstaltungen eingesetzt“, erklärt er. In den Verhandlungen mit der Unileitung erkämpften sie sich schließlich eigene Räume an der TU. „Wir haben die Baracke des Hermann-Kokenge-Baus an der Bayreuther Straße 40 ausgehandelt, auch KOK 16 genannt. Danach beruhigte sich alles etwas und wir konnten dort in Ruhe eigene Projekte machen“, erzählt Paul. Dazu gehören Kurse in Yoga und gewaltfreier Kommunikation, Arbeitsrechtsschulungen und verschiedene Workshops.

„Im KOK 16 gibt es eine Art Freiraum. Jeder ist willkommen. Es war immer offen, auch nachts. Bei uns bestand oftmals die einzige Möglichkeit, kurzfristig einen Raum für Projekte zu bekommen, Transparente zu malen oder mit anderen Studierenden in Kontakt zu kommen“, ergänzt Peter, TU-Informatikstudent und ebenfalls Mitglied bei POT 81. Auch er möchte seinen Nachnamen nicht nennen.

Es gibt kein festes Programm. Jeder kann sich für das engagieren, was ihm wichtig ist. Die Räume, zu denen auch eine Küche und ein Seminarraum gehören und die mit Sofas, Bücherregalen und alten Sesseln gemütlich eingerichtet wurden, boten die Plattform für Kunstabende, Übungsräume für Theatergruppen und die Möglichkeit zu Vorträgen.

Doch das Verhältnis zwischen der Gruppe und der Unileitung blieb die Jahre hindurch angespannt. „Es ist unglaublich frustrierend, gegen die Strukturen dieser Uni anzukämpfen. Man bekommt immer mehr das Gefühl, dass alles, was man gemacht oder wofür man gekämpft hat, irgendwann im Sande verläuft“, bedauert Paul. Man habe ständig Angst gehabt, alles wieder zu verlieren. Gesprächsanfragen blieben unbeantwortet.

Räumung bis Mitte Januar

Seit Anfang Dezember spitze sich die Lage zu. Ein Gutachten bescheinigte Brandgefahr durch die alten Öfen in der Baracke. Kurz vor Weihnachten informierte Wolf-Eckhard Wormser, Kanzler der TU Dresden, in einem Rundschreiben über die Räumung der Baracken 16 und 17 an der Bayreuther Straße. Bis zum 11. Januar muss alles raus sein, was nicht nur die Leute von POT 81 betrifft. Auch die studentische Unternehmensberatung Paul Consultants, der Verein ELSA-Dresden oder das zentrale Aussonderungslager der TU Dresden sind bislang hier untergebracht. „Wir haben uns aber 2009 bei den Verhandlungen mit der Uni eigene Räume erkämpft“, sagt Peter.

Doch an der TU herrscht akuter Raummangel. „Das ist absolut nichts, was sich gegen die Leute von POT 81 richtet“, betont Mathias Bäumel, stellvertretender Pressesprecher der TU Dresden. „Die Maßnahme betrifft ja alle Nutzer dieser Baracken. Für niemanden können Ersatzräume angeboten werden. Auch die Leute von unserem Aussonderungslager wissen noch nicht, wie sie das Problem lösen sollen.“

Keine Alternativen

Der Eigentümer der Baracken ist das Sächsische Immobilien- und Baumanagement, die TU verwaltet lediglich die Räume. „Die Baracken sind desolat und nicht mehr vernünftig zu reparieren, deshalb hat das Bauamt die Räumung beschlossen“, erklärt Ulf Nicol von der Niederlassung Dresden II. „Die TU trägt die Sorge, dass die Leute, die aus einem Raum weg müssen, woanders untergebracht werden. Bei der Größenordnung gehe ich davon aus, dass die Uni das Problem auch lösen kann.“

Mathias Bäumel ist sich sicher, dass von Seiten der Universitätsleitung Gesprächsbereitschaft mit POT 81 bestehe. Man habe den Studentenrat (StuRa) angeschrieben und gebeten, Räume für die Gruppe bereitzustellen. „Der StuRa hat überhaupt keine freien Räume, dessen Baracke ist komplett belegt. Das Problem ist sehr groß. Wenn die Uni uns keinen Ersatz anbietet, stehen wir und alle Materialien, Möbel, Computertechnik etc. auf der Straße“, sagt Politikwissenschaftsstudent Jan Kossick, der von Anfang an Mitglied bei POT 81 und im Studentenrat der TU Dresden für das Referat Kultur zuständig ist.

Der Freiraum KOK 16 macht in einem offenen Brief auf seine Forderungen aufmerksam und hofft auf rege Unterstützung. Hier kann die Petition unterzeichnet werden.

Zur Karikatur: Kein guter Jahresstart für TU-Revolutionäre …
Karikatur: Norbert Scholz


Keine Elite-Mensa

Die Mensa Bergstraße muss weiter auf Sanierung warten

Foto: Amac Garbe, ein-satz-zentrale.deVon Katrin Mädler

Die Sanierung der Mensa Bergstraße an der TU Dresden, Neue Mensa genannt, bleibt auch in den nächsten Jahren unsicher.

Das Gebäude der Neuen Mensa Dresden ist mittlerweile über 30 Jahre alt. Wochentags finden sich rund 4 000 Mittagsgäste ein. Zusätzliche 1 500 Leute besuchen im Erdgeschoss die Cafeteria oder die Suppenbar.

Betreut werden die Mensagäste von ungefähr 60 Angestellten. Letztere bekommen den sanierungsbedürftigen Zustand des Gebäudes deutlich zu spüren: „Die Mensa ist einfach in die Jahre gekommen und technisch nicht mehr auf dem neuesten Stand, was den Betrieb des Hauses teuer macht“, sagt Udo Lehmann, Geschäftsbereichsleiter für Hochschulgastronomie des Studentenwerkes Dresden. Er nennt viele Bereiche, die betroffen sind: Wärmedämmung, Wasserleitungen, die Lüftungs- und Elektroanlagen, sanitärtechnische Einrichtungen, Brandschutzbestimmungen. „Wir hatten gehofft, dass die Sanierung im kommenden sächsischen Doppelhaushalt für 2013/14 konkret enthalten ist. Danach schaut es im Moment nicht aus“, ergänzt Lehmann.

Auch der Klub Neue Mensa ist mit der Bierstube in dem Gebäude zuhause. Die Geschäftsführerin Vera Zeller sieht ähnliche Probleme. „Es sind Dachteile undicht und es kommt immer wieder zu Wassereinbrüchen. Außerdem ist das Rohrleitungssystem marode, was zu Lecks und Brüchen führt. Es muss viel mit Provisorien gearbeitet werden.“ Das Studentenwerk als Betreiber hat auf die Sanierung wenig Einfluss, Bauherr ist der Freistaat Sachsen und für die Ausführung das Sächsische Immobilienbaumanagement zuständig. „Die Baumaßnahme ist im kommenden Haushaltsplan im Moment nur als Titel zu finden, sie ist aber dort noch ohne Geld eingestellt“, erklärt Ulf Nicol von der Niederlassung Dresden II. Er hofft, dass sich daran noch was ändert. „Vielleicht ergibt sich beispielsweise durch besser laufende Steuereinnahmen die Möglichkeit, diesen Titel mit Geld anzureichern. Dann könnten die Baumaßnahmen trotzdem schon in den nächsten beiden Jahren beginnen.“

Gemäß Bauentwurf würde die Sanierung rund 20 Millionen Euro kosten. Geplant sind laut Nicol statt der momentanen Essensausgabe ein Freeflow-Bereich, eine Art Büffet, und ein zusätzliches Café in der jetzigen Zufahrt. Außerdem soll die Statik des Gebäudes verstärkt werden. „Während des normalen Mensabetriebes ist die statische Belastung für das Gebäude völlig unproblematisch. Aber unsere Messungen haben ergeben, dass bei dynamischen Belastungen, wie bei einer Tanzveranstaltung, die Decke anfängt zu schwingen“, ergänzt Nicol. Das könnte zu Rissen führen.

Keine Partys im Oberstübchen

Deshalb sind seit ungefähr zwei Jahren keine Mensapartys mehr im Obergeschoss erlaubt. Die Mensagäste müssten sich aber keine Sorgen machen und sie bekommen von diesen Problemen auch wenig mit. „Das Flair in der Mensa Bergstraße ist sehr schön, die Räume erinnern mich an die 70er-Jahre. Sie wirken gemütlich. Ich bin oft hier und fände es schade, wenn nach einem Umbau alles anders aussehen würde“, findet Anna-Theresia Rau, die im ersten Semester Höheres Lehramt an Gymnasien studiert.

„Wir haben das Haus in den letzten 30 Jahren sehr gepflegt und deshalb sieht es optisch noch gut erhalten aus“, sagt Udo Lehmann. Außerdem stehe das Gebäude unter Denkmalschutz und viele liebenswerte Details müssten auch bei einer Sanierung erhalten bleiben. Wenn die Baumaßnahmen anlaufen sollten, wäre die Mensa für ungefähr zweieinhalb Jahre geschlossen. Die studentische Verpflegung würde dann eine Zeltmensa auf dem Campusgelände übernehmen.

Zum Foto: Vera Zeller betreibt den Klub Neue Mensa und kämpft mit Wassereinbrüchen.
Foto: Amac Garbe


Umzugsreigen an der Uni

Exzellenz macht müde Geister munter

Von Juliane Bötel

An der TU Dresden werden dank Exzellenzinitiative bald Kisten gepackt und Institute in andere Gebäude verpflanzt.

Es bohrt und hämmert auf dem Campus der Technischen Universität Dresden. In den nächsten Jahren entstehen neue Physikgebäude und ein neues Hochleistungsrechenzentrum auf der Nöthnitzer Straße. Gebäude in der August-Bebel-Straße und auf der Schuhmannstraße werden saniert. Dafür weichen Lehrveranstaltungen auf andere Hörsäle auf dem Campus aus.

Geht es nach den Plänen des Rektorats der TU, ist das erst der Vorgeschmack auf eine ganze Reihe von räumlichen Veränderungen für einige Fakultäten. Umzugspläne und ihre Umsetzung werden schon seit den 90er-Jahren diskutiert. „Die Entwicklungen der vergangenen Jahre erfordern es, die alten Planungen auf den Prüfstand zu stellen und den neuen Entwicklungen anzupassen“, sagt Kim-Astrid Magister, Pressesprecherin der TU. „Die Exellenzinitiative hat diesem Prozess eine erhöhte Dynamik gegeben und zusätzlichen Raumbedarf geschaffen“, erklärte Rektor Prof. Hans Müller-Steinhagen in einem Interview mit dem Campusradio Anfang November.

So wird unter anderem Platz für die Graduiertenschule, dem interdiszipinär arbeitenden Promotionszentrum, benötigt. Die finanziellen Mittel dafür stammen aus der Exellenzinitiative und müssen innerhalb der nächsten fünf Jahre verbaut werden. Daneben ist geplant, Fakultäten, die bisher über den ganzen Campus verteilt sind, an einem Standort zusammenzuführen. „Die neuen Planungen sehen unter anderem vor, die Fakultät Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaften und die Philosophische Fakultät im Bürogebäude am Zelleschen Weg zu konzentrieren und die Fachrichtung Psychologie am Falkenbrunnen unterzubringen“, erläutert Magister. Die gesamte Verwaltung soll den Fritz-Foerster-Bau beziehen. Die Architekten, denen das Gebäude eigentlich versprochen worden war, sollen dann die Räume auf der August-Bebel-Straße bekommen („ad rem“ berichtete, siehe Ausgabe 27.2012 vom 7. November).

Prof. Bruno Klein, Dekan der Philosophischen Fakultät, begrüßt die geplante Zusammenlegung der Philosophischen Fakultät mit den Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaften. „Beide Fakultäten arbeiten organisatorisch und wissenschaftlich eng zusammen“, sagt er. Zudem seien viele Studenten aufgrund ihrer Studiengänge an beiden Fakultäten eingeschrieben. „Gerade für diese Studierenden wäre die räumliche Zusammenführung der größte Gewinn“, führt Klein weiter aus. Der Fachschaftsrat (FSR) der Philosophischen Fakultät schließt sich dieser Ansicht prinzipiell an. Ob das Bürogebäude am Zelleschen Weg allerdings genügend Räumlichkeiten für beide Fakultäten inklusive Sonderforschungsbereich und Lehrveranstaltungen bietet, das bezweifeln Klein und der FSR. Auch wenn die Lage, vor allem zur Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek (SLUB), ideal ist.

Kein Fakultätengerangel

Auf die gute Lage müssten die Psychologen verzichten. Ob die Räume im Falkenbrunnen ihren Anforderungen gerecht werden, ist unklar. Fragen wie diese und nach dem aktuellen Planungsstand sollen bei einem Treffen der gesamten Fachrichtung in den nächsten Tagen geklärt werden, erzählt die 19-jährige Lisa Richter vom FSR Psychologie.

So sehr er auch eine Zusammenlegung begrüßt, eine Profilierung einer Fakultät auf Kosten einer anderen lehnt Prof. Bruno Klein ab: „Meine Fakultät beteiligt sich nicht an einem Verdrängungswettbewerb, der in diesem Falle konkret die Fakultät Architektur betreffen würde. Dass dabei im Einzelnen noch nicht das letzte Wort gesprochen ist, dürfte klar sein“, fügt er an. Der Rektor betont, dass alles noch einmal geprüft wird, bevor endgültige Festlegungen getroffen werden. Laut Kim-Astrid Magister können die ersten Umzüge sowieso frühestens 2016 realisiert werden. Dann wird sich zeigen, ob die Universitätsleitung ihrem Anspruch gerecht werden konnte. Denn die bemüht sich, „eine Lösung zu finden, die für alle sinnvoll ist“, wie Kim-Astrid Magister erklärt.

Das Interview des Campusradios mit Rektor Prof. Hans Müller-Steinhagen: www.kurzlink.de/rektor_campusradio

Zur Karikatur: Reise nach Jerusalem an der Dresdner Universität? Aber Obacht, dass niemand beim großen Umzugsspiel am Ende ohne Häuschen bleibt!
Karikatur:Norbert Scholz


Bruchbude statt Backsteinbau

Architekten sollen in die August-Bebel-Straße ziehen

Von Nicole Czerwinka

Die TU-Architekten wehren sich gegen den geplanten Umzug auf die AugustBebel-Straße. Fordert die Exzellenzinitiative damit schon erste Tribute vom Lehrbetrieb?

Michelle Walther will kämpfen. Die 19-Jährige studiert im dritten Semester Architektur an der TU Dresden und kann sich mit dem von der Universitätsleitung kurzfristig festgelegten Umzug ihrer Fakultät in die Räumlichkeiten auf der August-BebelStraße nicht abfinden. Anfang November hat die Studentin daher bei einer Protestaktion mit rund 50 Kommilitonen etwa 100 symbolische Kreuze vor dem Fritz-Foerster-Bau der TU Dresden aufgestellt. Sprüche wie „Wir begraben das Vertrauen in die Unileitung“ waren darauf zu lesen. Der Grund: Am 6. September hatte diese der Fakultät aus heiterem Himmel mitgeteilt, dass die August-Bebel-Straße im Zuge der Umgestaltung des Campus die neue Heimat der TU-Architekten werden soll.

Fritz-Foerster-Bau schon seit 90ern Wunschdomizil

Die Architekten sind bislang im Bürogebäude auf dem Zelleschen Weg (BZW) untergebracht, hatten jedoch schon in den 90er-Jahren den Fritz-FoersterBau als künftiges Domizil von der Uni versprochen bekommen. Tatsächlich wird der in diesem Herbst für rund 38 Millionen Euro saniert. Im Zuge der Exzellenzinitiative soll dort jedoch künftig die Verwaltung der TU Dresden einziehen, die bislang
an zwölf Standorten verteilt ist.

„Wir fühlen uns mit diesem Beschluss vom Campus vertrieben. Die August-Bebel-Straße ist nicht nur ab vom Schuss, sie bietet für Architekten auch keine geeigneten Räumlichkeiten wie Studios oder Computerräume. Zudem verlängern sich die Wege ins Hörsaalzentrum“, sagt Michelle Walther. Der Verlust des Fritz-Foerster-Baus schmerzt die rund 1 200 Studenten der Fakultät umso mehr, weil dieses Gebäude – eines der ältesten auf dem Dresdner Unicampus – ursprünglich in diesem Jahr eigens für die Architekten umgebaut werden sollte. Die plötzliche Kehrtwende begründet die Unileitung wie folgt: „Bei den Umzugsplanungen geht es darum, eine Lösung zu finden, die für die gesamte Universität sinnvoll ist. Bei den Planungen geht es nicht nur darum, andere, bisher zersplittert untergebrachte Fakultäten wie die Philosophische Fakultät konzentriert unterzubringen, sondern auch die Verwaltung“, teilt TUD-Pressesprecherin Kim-Astrid Magister auf „ad rem“-Anfrage mit.

Ganz ähnlich lautete auch die Argumentation von Rektor Prof. Hans Müller-Steinhagen und Kanzler Wolf-Eckhard Wormser bei einer öffentlichen Stellungnahme in der Fakultät Ende Oktober – zu der Pressevertreter allerdings von der Unileitung ausgeschlossen wurden. Die Hochschulzeitung „ad rem“ nahm dennoch an dem über zwei Stunden lang teils hitzig geführten Gespräch zwischen Fakultätsangehörigen, Dozenten, Fachschaftsrat, Studierenden und Unileitung teil. Das Ergebnis des Abends: Die Universitätsleitung wird wohl nur schwerlich von ihren neuen Plänen abweichen, die Studenten indes befürchten eine weitere Verschlechterung der Studienbedingungen in den Räumen auf der August-Bebel-Straße, in denen momentan noch Institute der Philosophischen Fakultät ihr Dasein fristen und die ursprünglich sowieso nur als Interimslösung im Zuge verschiedener Baumaßnahmen von der Uni angemietet wurden.

August-Bebel-Straße wird auf Tauglichkeit geprüft

„Ein Gespräch war das am 23. Oktober eigentlich nicht wirklich“, fasst Marcus Lieder vom Fachschaftsrat Architektur den Abend kritisch zusammen. Doch er hat, ebenso wie das Dekanat der Fakultät, die Hoffnung noch nicht aufgegeben. „Wir wollen mit der Unileitung verhandeln und nach einer Lösung suchen, die langfristig für alle gut ist“, sagt er. Nach der Diskussion habe das Rektorat weitere Gespräche mit Fakultät und Fachschaftsrat zugesichert. Ziel sei es, zu überprüfen, wie die Studenten noch besser in die Lösungssuche eingebunden werden können. Wie genau dies aussehen soll, sei derzeit aber noch nicht klar, sagt Lieder. Fest steht nur: Die Universität lässt die Räumlichkeiten in der August-Bebel-Straße momentan auf ihre Tauglichkeit für die Ansprüche der Fakultät prüfen. „Sollte sich diese Alternative nicht als tragfähig erweisen, wird man nach anderen Möglichkeiten suchen müssen. Doch dies gilt es jetzt erst einmal abzuwarten“, sagt Kim-Astrid Magister.

Architekturstudentin Michelle Walther kämpft indes weiter: „Wir planen jetzt jede Woche eine Protestaktion. Als nächstes soll ein Sarg getragen werden“, erzählt sie. „Natürlich hoffen wir darauf, den Fritz-Foerster-Bau doch noch zu bekommen. Andernfalls werden wir um einen Neubau kämpfen, den wir als Architekturstudenten vielleicht auf einem freien Grundstück der TU selber entwerfen“, sagt die junge Frau.

Zu dem Thema strahlt das Campusradio Dresden am Donnerstag (8.11., 19.10 Uhr) im Magazin Funkstube ein Interview mit dem Rektor aus.

Zum Foto: Michelle Walther kämpft für eine gute Unterbringung der Architekturstudenten der TU Dresden – am liebsten im Fritz-Foerster-Bau.
Foto: Amac Garbe


Mäuse auf dem Seziertisch

Tierversuche sind auch in Dresdner Laboren an der Tagesordnung

Von Tamina Zaeske

Für den wissenschaftlichen Fortschritt unerlässlich oder unzumutbare Tierquälerei? Tierversuche sind nach wie vor gang und gäbe. Auch an der TU Dresden.

Dass zum wissenschaftlichen Alltag von Medizinern auch früher oder später der Umgang mit Versuchstieren gehört, das lernen Dresdner Medizinstudenten schon im ersten Semester. Denn im Rahmen des biologischen Praktikums wird den Studenten eine gerade getötete Labormaus auf den Tisch gelegt – zum Sezieren. Spätestens mit der Doktorarbeit kommt dann der eine oder andere Wissenschaftler an Tierversuchen gar nicht mehr vorbei. Die Stimmen gegen Tierversuche haben in den vergangenen Jahren zugenommen. Doch in den Laboren angekommen sind diese Forderungen kaum. Laut einer Anfrage der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag hält der Aufwärtstrend bei Tierversuchen in Sachsen weiter an. Zwar habe sich die Zahl der Versuchstiere 2011 im Vergleich zum Vorjahr von circa 94 000 auf 84 000 gesenkt, sie liege damit aber immer noch weit über den Zahlen der vergangenen Jahre.

Auch die TU Dresden trägt dazu bei. Etwa 40 000 Versuchstiere wurden allein 2011 hier verwendet. Neben einem Großteil an Mäusen und Fischen waren darunter auch vereinzelt größere Tiere wie Schafe und Schweine. Widerstand dagegen regt sich schon seit Jahren. Organisationen wie der deutschlandweit agierende Verein Ärzte gegen Tierversuche fordern die komplette Abschaffung der Experimente. „Tierversuche sind nicht nur ein riesiges ethisches Problem, sie führen auch in eine wissenschaftliche Sackgasse“, ist sich deren Sprecherin, Diplombiologin Silke Bitz aus Freiburg, sicher. „Nicht nur, dass Tiere zu Tode gequält werden, es wird auch eine Sicherheit vorgespielt, die nicht gegeben ist.“ Das Argument: Tierversuche seien nicht auf den Menschen übertragbar, und selbst Medikamente, die Versuche an Tieren überstehen, verursachen beim Menschen oft schwere Nebenwirkungen. „Nutzlos ist da noch die beste Option, oft sind Tierversuche gefährlich. Eine moderne Medizin muss sich am Menschen orientieren.“

Warum werden also trotz vorhandener Alternativen wie Computersimulationen, Biochips und menschlichen Zellkulturen immer noch Tierversuche durchgeführt? „Tierversuche sind unerlässlich, um den medizinischen Fortschritt voranzutreiben und damit den Leiden des Menschen zu begegnen. Eine komplette Abschaffung halte ich für unrealistisch“, sagt Veterinärmedizinerin Dr. Kerstin Brüchner. Seit Juli 2012 ist sie Tierschutzbeauftragte der TU Dresden und für die Einhaltung des Tierschutzes an der Universität zuständig. Tierschutz ist ihr ein persönliches Anliegen, obwohl sie als Wissenschaftlerin selbst mit Tierversuchen arbeitet. „Der Zweck heiligt nicht die Mittel. Jeder Wissenschaftler muss sich genau vor Augen führen, was und warum er es tut.“

Strenge Regelungen

Trotzdem seien Tierversuche, wie sie an der TU vor allem in der Krebsforschung, der Diabetologie und der Gefäßforschung durchgeführt werden, unvermeidbar. „Vor jedem Tierversuch muss der Wissenschaftler beispielsweise an Zellkulturen testen, ob die Fragestellung überhaupt an Tieren bearbeitet werden kann und muss. Aber auch die beste computergesteuerte Simulation ist letztlich nur ein Modell, in dem die Komplexität eines Gesamtorganismus nicht gegeben ist“, sagt Brüchner. Zwar sei das Tier vom Menschen immer noch weit entfernt, die Zellkultur aber noch viel mehr. Außerdem sind Tierversuche streng geregelt. Kriterien sind dabei unter anderem die wissenschaftliche Unerlässlichkeit der Tierversuche, die genaue Begründung, warum welche Tierart verwendet werden soll, und eine exakte statistische Planung, um die Versuchstierzahlen möglichst gering zu halten. So wünschenswert eine Reduktion von Tierversuchen auch ist – machbar sei sie in absehbarer Zeit nicht.

Damit sich das ändert, sieht Diplombiologin Silke Bitz vor allem die Politik in der Pflicht. „Tierversuchsfreien Methoden muss mehr Priorität eingeräumt werden, indem zum Beispiel Fördergelder umverteilt werden. Den Forschern muss tierversuchsfreie Forschung schmackhaft gemacht werden. Aber dazu ist in der Politik ein kompletter Paradigmenwechsel nötig.“

Zum Foto: Vor allem Mäuse werden an der TU Dresden in Tierversuchen verwendet.
Foto: Amac Garbe


Im Herzen jung geblieben

Auch mit fast 65 Jahren spielt Prof. Christfried Brödel noch gern mit Legosteinen

Von Marion N. Fiedler

Prof. Christfried Brödel wird nach 25 Jahren seinen Rektorstuhl und den Platz hinter dem Pult des Chorleiters an der Hochschule für Kirchenmusik Dresden freimachen. Doch noch immer steckt der fast 65-Jährige voller Energie.

Wenn Prof. Christfried Brödel von seiner Modelleisenbahn spricht, leuchten seine Augen wie die eines sechsjährigen Burschen. „Ich habe viele verschiedene Interessen, die mein Leben bunt gestalten“, erzählt er. „Eine Leidenschaft ist zum Beispiel meine Eisenbahn, sie entspannt mich so wunderbar. Am liebsten sind mir aber die Dinge, die ich mit meiner Familie oder Freunden unternehmen kann.“ Da wären das tägliche Radfahren, ein gemütlicher Plausch und Tee nach 22 Uhr mit seiner Frau oder ein Ausflug mit Familie und Freunden. Der Kirchenmusiker zählt viele Kollegen zu seinem Freundeskreis: „Mit denen kann ich eng und produktiv zusammenarbeiten. Uns verbindet aber auch eine tiefe, vertraute Freundschaft.“ Die gute Gemeinschaft bereichere natürlich ihre Hochschule.

Christfried Brödel tauscht sich auch gern mit Naturwissenschaftlern aus, die er in seinen Jahren als Mathematiker kennengelernt hat. Er mischt die logische Perspektive mit der berührenden Seite der Kunst. „So bleibt das Geschenk Leben mit allen Facetten immer spannend!“ Kraft schöpft er nach harten Arbeitstagen in der Stille. „Wir haben es uns in Striesen gemütlich eingerichtet. Ein Ort der Familie und Rückkehr ist mir sehr wichtig.“ Und die Familie kommt für ihn als allererstes. Auch wenn sich seine Kinder inzwischen fern von Elbflorenz niedergelassen haben, um eigene Wurzeln zu schlagen: „Wir sehen uns nicht oft, aber auf diese gemeinsamen Wochenenden freue ich mich immer sehr. Und auf meine drei Enkel!“, erzählt der Familienvater und Opa stolz. Mit den Enkeln verbaut er dann auch Legosteine. „Meine Tochter Maria hat in Dresden Lehramt für Musik und Englisch studiert. Sie unterrichtet jetzt in Baden-Württemberg. Und Johannes lebt inzwischen in Zürich.“ Der hat (entgegen der vom Vater vorgelebten Reihenfolge) zuerst Musik und danach Naturwissenschaften studiert und ist inzwischen theoretischer Physiker.

Prof. Brödel ist sehr zufrieden mit dem, was er beruflich und privat geschafft und erlebt hat. Als bekennender Christ hatte er trotz Talent und besten Voraussetzungen nach seinem Mathematikstudium berufliche Schwierigkeiten, weshalb er zur Musik wechselte. Die Herausforderung hat den Musiker aber stark gemacht. „Den Glauben und meine Weltoffenheit kann mir niemand nehmen. Sie bestimmen und bereichern mein Leben auf allen Ebenen, auch als Rektor.“

Dass er diese wertvolle Erfahrung an seine Studenten weitergeben darf, erfüllt Brödel. „Ich kenne viele großartige junge Menschen und vertraue ihnen. Ich glaube an das Talent meiner Studenten. In persönlichen Gesprächen begegne ich ihnen auf Augenhöhe und sehe es als eine Bereicherung, mich mit an Kommunikation interessierten Menschen jeglicher Herkunft zu unterhalten. Wenn ich in einem halben Jahr aufhöre, werden mir am meisten die jungen Leute fehlen!“

Zum Foto: Prof. Christfried Brödel greift privat auch mal zu Legosteinen.
Foto: Amac Garbe

BRÖDEL-INFOS.

Der 1947 geborene Christfried Brödel übernahm bereits mit 14 Jahren Kantorenvertretungen als Organist, studierte aber nach seinem Abitur erstmal Mathematik an der Uni Leipzig. Nach einem Jahr wurde ihm eine Assistentenstelle beim Unichor übertragen und er erhielt von der damaligen Organistin der Thomaskirche, Almuth Reuther, Orgelunterricht. 1969 wurde er Chorpräfekt in der Meißner Kantorei und übernahm bald die Leitung, die er noch heute innehat. Um sich ganz der Kirchenmusik zu widmen, hängte er 1984 seinen Beruf als Mathematiker an den Nagel. Vier Jahre später übernahm er die Funktion des Chorleiters und Rektors an der Dresdner Hochschule für Kirchenmusik und folgte dem Ruf in das Direktorium der Neuen Bachgesellschaft. Zu den vielen Auszeichnungen, die sein Schaffen als Musiker würdigen, zählen das Bundesverdienstkreuz, die Johann-Walter-Plakette des Sächsischen Musikrates, der supersonic award sowie eine Ehrenpromotion durch die Musikakademie in Klausenburg (Rumänien).

Geist gegen Geld

Betrügern auf der Spur

Von Katrin Mädler

Schreibende Geister kämen bei wissenschaftlichen Arbeiten vielen recht. Doch der Schutz geistigen Eigentums hat große Bedeutung in der wissenschaftlichen Welt.

Für einige Studenten ist die Versuchung, einen Ghostwriter zu engagieren, groß. Einer dieser schreibenden Geister heißt Milena. Vor drei Jahren machte sie an der TU Dresden ihren Abschluss als Kommunikationswissenschaftlerin. Seitdem arbeitet sie hauptberuflich als Texterin. Ihr Nachname soll nicht genannt werden, da die Unternehmen, für die sie arbeitet, nichts von ihrer Nebentätigkeit wissen.

Als Ghost übernimmt Milena ungefähr zwei größere Abschlussarbeiten pro Jahr. Der Fachbereich spielt dabei keine Rolle, solange sie sich einlesen kann. Im Schnitt benötigt sie sechs Wochen. „Ghostwriting ist verbreitet. Ich lehne es aber ab, wenn sich jemand das gesamte Studium erkauft, alle kleineren Arbeiten schon ein Ghost verfasst und die Person keine Ahnung vom Thema ihrer Abschlussarbeit hat.“ Doch manche ständen bereits im Berufsleben und hätten einfach keine Zeit, den ausstehenden Abschluss nachzuholen.

Der Kontakt in die Geisterwelt ist leicht herzustellen: Im Internet bieten Agenturen ihre Dienste an. Ein Student muss mindestens 5 000 Euro für eine Abschlussarbeit einkalkulieren. Doch er kann kaum nachvollziehen, ob sein Ghost sauber arbeitet. Hat dieser Passagen aus anderen wissenschaftlichen Arbeiten übernommen, ohne sie durch Fußnoten zu kennzeichnen? Dadurch könnten Plagiatsvorwürfe entstehen.

Kommt es an der TU Dresden zu Verdachtsfällen, wird Prof. Achim Mehlhorn aktiv. Von 1994 bis 2003 Rektor der TU, hat er seit 2011 das Amt als Ombudsmann und als Vertrauensperson im Umgang mit wissenschaftlichem Fehlverhalten übernommen. Seitdem hat er elf Fälle bearbeitet, darunter gefälschte Messungen, parteiisch empfundene Gutachtertätigkeiten und vier Plagiatsvorwürfe. Gelingt es ihm nicht, einen Vorwurf allein aufzuklären, übergibt er den Fall einer uniinternen Untersuchungskommission. Die kann dem Dokument „Grundsätze guter wissenschaftlicher Praxis an der TU Dresden und Regeln für den Umgang mit wissenschaftlichem Fehlverhalten“ gemäß verschiedene Strafen bei einer „Anmaßung wissenschaftlicher Autorschaft“ verhängen, darunter Exmatrikulation, Hausverbot oder Strafanzeige. Prof. Mehlhorn warnt: „Wichtig ist die Erziehung zu einer wissenschaftlichen Ethik, die das Schmücken mit fremden Federn als unseriös ausschließt. Unehrlichkeit wird oft entdeckt und führt zum meist lebenslänglichen Ausschluss aus der Gemeinschaft der Wissenschaftler.“

Geist Milena weiß: „Gutes Ghostwriting wird auch in Zukunft schwer zu erkennen sein. Gerade wenn sich der Ghost dem Schreibstil des Kunden anpasst, gibt es kaum Anhaltspunkte.“ Doch nicht jeder unsichtbare Schreiber macht sich diese Mühe. Milena gehört zu den gewissenhaften Geistern. Sie hat den Anspruch, keine Arbeit unter der Note 2,5 zu schreiben.

Welche Möglichkeiten bleiben den Professoren, Ghostwriting vorzubeugen? Prof. Marcel Thum vom Lehrstuhl für Finanzwissenschaft der TU Dresden versucht, Mode- und Standardthemen zu vermeiden: „Wir achten auf wiederholte Besprechungen mit den Studenten. Wenn wir eine Richtung vorschlagen, der Student aber auf seiner ursprünglichen Gliederung beharrt, gehen die Alarmglocken los.“

Geist Milena arbeitet in einer Grauzone. „Offiziell recherchiert der Ghost und verfasst einen Text, an dem sich der Studierende ‚orientieren‘ kann. Der Kunde muss darauf vertrauen, dass ich nie etwas verraten werde, da sein Abschluss und seine Karriere auf dem Spiel stehen. Aber auch ich bin darauf angewiesen, dass er mich nicht der Beihilfe zum Betrug überführt.“

Zur Karikatur: Hüte dich vor der dunklen Seite der akademischen Macht!
Karikatur: Norbert Scholz


Serie: Karriere trotz Studium

Kaffee frisch gebrüht

Von Anja Hilliger

Für viele Studenten ist Steffi Prieskorn am Morgen die letzte Rettung. Denn bei ihr bekommen sie Kaffee. Frisch gemahlen. Die ehemalige Biologiestudentin hat sich mit einer mobilen Kaffeebar selbstständig gemacht.

Es duftet nach frischem Kaffee, wenn man das Hörsaalzentrum der TU Dresden betritt. Das liegt an Steffi Prieskorn und ihrer mobilen Kaffeebar. Die 29-Jährige beliefert unter dem Namen Campua Dresden ihre Kundschaft mit verschiedenen Kaffeespezialitäten und anderen Heißgetränken. „Das Besondere an der Station ist, dass die Getränke live zubereitet werden. Die Studenten können Schritt für Schritt die Entstehung ihres Kaffees oder Cappuccinos beobachten. Vom Mahlen der Bohne bis zum fertigen Getränk, das in die Tasse läuft“, schwärmt Steffi Prieskorn, die 2007 ihr Biologiestudium an der TU abgeschlossen hat. Danach war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin im biomedizinischen Forschungszentrum der Uni. „Doch das war nicht mein Weg“, sagt sie, „es passte einfach nicht.“

Prieskorn begann, Seminare zur Selbstständigkeit zu besuchen. Bei einem Workshop lernte sie die Gründer von Campua aus Köln kennen. Dort gibt es seit zwei Jahren eine mobile Kaffeestation an der Uni. „Ihr Auftreten und die Produkte haben mich sofort angesprochen“, erinnert sich die Barista.

Seit März hat Steffi Prieskorn ihre eigene Campua-Station. Bereut hat sie ihre Entscheidung nicht. In der Vorlesungszeit braucht sie inzwischen einen Mitarbeiter, obwohl sie bewusst ohne Werbung angefangen hat. „Ich war und bin auf das Feedback der Kunden gespannt“, sagt sie. Und so mancher Professor ist immer noch überrascht, wenn er zufällig an ihrer Bar vorbeikommt.

Die Station wird indessen an den Wochenenden auch für andere Veranstaltungen gemietet. Die Bandbreite reicht von privaten Feiern bis zu Tagungen und größeren Events. „Espresso passt zu allen Anlässen“, sagt Steffi Prieskorn, die zum Frühstück selbst Tee trinkt. „Ich bin inzwischen verwöhnt und freue mich auf den Espresso an meiner Station“, sagt sie schmunzelnd.

Angst vor der Konkurrenz hat Prieskorn nicht. Im Gegenteil, sie würde langfristig gern mit ihr zusammenarbeiten: „Ich sehe die Mensen beispielsweise nicht als Konkurrenz, sie haben ihren Fokus nicht auf Kaffee.“ In Zukunft hat die ehemalige Biologin noch viel vor: Eine zweite Station für die außeruniversitären Veranstaltungen ist geplant, ein weiterer Mitarbeiter für die Station im Hörsaalzentrum wird gesucht. „Interessenten können einfach zu mir an die Station kommen“, sagt Prieskorn.

In den Semesterferien ist die Station von 9 bis 16 Uhr, in der Vorlesungszeit 7.15 bis 18 Uhr geöffnet.

Netzinfos: www.campuadresden.de

Zum Foto: Steffi Prieskorn hat sich nach dem Biologiestudium selbstständig gemacht und verkauft Kaffee.
Foto: Amac Garbe


Studentenvertretungen ade?

Pläne dazu kommen von der Jungen Union

Von Sabine Schmidt-Peter

Die Verfassten Studierendenschaften sind die einzigen legitimierten Vertreter der Studierenden. Ginge es nach der Jungen Union, dann gehörten sie abgeschafft.

In ihrem Entwurf für ein neues Grundsatzprogramm fordert die Junge Union (JU) die Abschaffung der Verfassten Studierendenschaften. Diese vertreten, mit Ausnahme von Bayern und Baden-Württemberg, in allen anderen Bundesländern die Interessen der Studierenden an den Hochschulen.

Die JU begründet ihre Forderung vor allem damit, dass die derzeit vorherrschenden Strukturen der studentischen Interessenvertretungen ineffizient und veraltet seien. Darüber hinaus würden die Studentenvertretungen häufig nicht mehr die Interessen der Studierenden vertreten und deren Beiträge oftmals nicht in ihrem Sinne verwenden.

Mit ihrem Anliegen stößt die JU auf breiten Widerstand. „Die Forderung der Jungen Union ist ein Schnellschuss, der seines gleichen sucht“, zeigt sich der Geschäftsführer des Referates Hochschulpolitik des Studentenrates der TU Dresden, Andreas Spranger, empört. Eine Abschaffung der Verfassten Studierendenschaften aufgrund von zu hohen oder falsch verwendeten Mitgliedsbeiträgen hält er für unverhältnismäßig.

Auch die Konferenz Sächsischer Studierendenschaften (KSS) empfindet den Vorwurf, dass die studentische Selbstverwaltung ihre Mittel nicht sinnvoll verwenden würde, als anmaßend. „Die studentische Selbstverwaltung setzt sich für die Belange der Studierenden ein und schafft ein Bewusstsein für die Probleme der aktuellen Hochschulpolitik, von prüfungsrechtlichen und studienorganisatorischen Schwierigkeiten bis hin zur Finanzierung der Hochschulen“, erklärt KSS-Sprecher Florian Sperber. „Außerdem organisiert sie das studentische Leben, veranstaltet kulturelle Events und hilft Studierenden auch in Einzelfällen weiter“, hebt Sperber weitere Leistung der Studierendenvertretungen hervor.

Durch das Hochschulgesetz sei der Entscheidungsraum der studentischen Selbstverwaltung zudem auf bestimmte Aufgabenfelder beschränkt, sodass eine beständige Verfehlung ihrer Aufgaben ausgeschlossen sei. „Die studentische Selbstverwaltung funktioniert in ihren Grundzügen gut. Mögliches Reformpotenzial stellt diese Institution nicht als Ganzes infrage“, fügt Florian Sperber abschließend hinzu.

Weiterentwicklung statt Abschaffung

Auch der freie Zusammenschluss von studentInnenschaften (fzs) lehnt die Forderung der JU ab. Vorstandsmitglied Torsten Rekewitz verweist darauf, dass es sich bei den Hochschulen um einen demokratischen Raum handele und weitreichende Mitspracheund Mitgestaltungsmöglichkeiten der Studierenden unabdingbar wären. Diese könne es aus Sicht des fzs allerdings nur durch eine schlagkräftige Studierendenvertretung geben, so Rekewitz weiter. Er räumt aber ein, dass es Einzelfälle gäbe, in denen die Studierendenvertreter nicht im Interesse der Studierenden oder gar zu ihrem eigenen finanziellen Vorteil handeln würden. „Die überwiegende Mehrzahl der Studienvertretungen leistet an den Hochschulen jedoch exzellente und engagierte Arbeit“, betont das Vorstandsmitglied des fzs. Statt einer Abschaffung fordert der fzs eine weitere Stärkung der Verfassten Studierendenschaften. Diese müssten in allen 16 Bundesländern auf eine solide gesetzliche Grundlage gestellt werden und so die Möglichkeit bekommen, selbstbewusst und mit den notwendigen finanziellen Mitteln für die Interessen der Studierenden einzutreten.

Selbst der Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) zeigt sich über die Forderung der JU brüskiert. „Die Studenten sind die größte Interessengruppe an unseren Hochschulen und benötigt daher weiterhin eine starke Stimme gegenüber den Hochschulleitungen“, erklärt der RCDS-Bundesvorsitzende Frederik Ferreau. Anstelle von Pauschalkritik und Abschaffungsforderungen bedürfe es der Weiterentwicklung des bestehenden Systems sowie der Beseitigung der Missstände.

Zur Karikatur: Die Junge Union versucht sich scheinbar an ganz innovativen Wegen der Studentenvertretung.
Karikatur: Norbert Scholz


VERFASSTE STUDIERENDENSCHAFTEN.

  • Verbreitung: Mit Ausnahme von Bayern und Baden-Württemberg gibt es die Verfassten Studierendenschaften in allen Bundesländern. Es handelt sich hierbei um gesetzlich vorgeschriebene Organe, die sich für die Interessen und Belange der Studenten an den Hochschulen einsetzen. Dabei verfügen sie über eine Finanzhoheit, die es ihnen ermöglicht, Beiträge von den Studierenden zu erheben, um ihre Aufgaben zu erfüllen.
  • Formen: In Deutschland gibt es verschiedene Formen Verfasster Studierendenschaften, zum Beispiel die Allgemeinen Studierendenausschüsse (AStA), die Studierendenparlamente (StuPa) oder die Studentenräte (StuRa). An sächsischen Hochschulen werden die Studenten durch Studentenräte vertreten.


Sozial ist, was Spaß macht

Kompost für Kenia

Von Anja Zimmermann

TU-Studentin Anna-Sophie Strues engagiert sich im Dresdner Verein Akifra und half beim Bau von Komposttoiletten in einer Schule in Kenia.

Mit jeder Toilettenspülung verbrauchen wir jedes Mal circa vier Liter Wasser, und zwar gutes Trinkwasser. Eigentlich zu schade, um es die Toilette herunterzuspülen. Dieser Meinung ist Anna-Sophie Strues. Die 27-Jährige studiert an der TU Dresden im vierten Semester Abfallwirtschaft und Altlastensanierung.

Soziales Engagement dank Filmfest

Vor zwei Jahren besuchte sie das „Move it“-Filmfest des Dresdner Vereins Akifra. Die Gemeinschaft setzt sich für Kinder- und Frauenrechte in Kenia und Uganda ein. „Während der Veranstaltung kam ich mit der verantwortlichen Projektleiterin für Kenia ins Gespräch, und sie berichtete mir von den Problemen, die eine kenianische Schule mit der Wasserversorgung hat“, erzählt Strues. Der Vorschlag der Studentin, Komposttoiletten zu bauen, wurde von den Vereinsmitgliedern mit Begeisterung aufgenommen. „Während eines Auslandsaufenthalts in Neuseeland lernte ich dieses System kennen“, sagt sie.

Das Besondere: Komposttoiletten verbrauchen kein Wasser. Urin und Fäkalien werden in Thermokompostern gesammelt. Nach jedem Toilettengang muss man ein Asche-Sand-Gemisch oder Sägespäne auf das „Geschäft“ schütten, um Geruch und Feuchtigkeit zu entziehen. Nach circa einem Jahr verwandelt sich alles in brauchbaren Kompost. Damit profitieren die Einheimischen doppelt, denn Dünger ist in Afrika sehr teuer. Umgerechnet kosten 50 Kilogramm 20 Euro, so viel wie eine Erzieherin in einem Monat verdient.

Im Auftrag von Akifra reiste Anna-Sophie Strues im März 2011 nach Kenia, um die Frauengruppe, die die Schule betreut, bei der Organisation des Bauvorhabens zu unterstützen. Die Studentin verbrachte sechs Wochen in Kenia und half den Frauen, die kaum lesen und schreiben können, einen guten Handwerker zu finden. Nun besitzt die Schule zwei Komposttoiletten. „Es wird noch ungefähr ein halbes Jahr dauern, bis sie den Kompost verwenden können“, erklärt die Studentin. In Zukunft sollen noch sechs weitere Toiletten dazukommen.

Aufklärung über ansteckende Krankheiten

Den Verein Akifra gibt es seit 2002. Begonnen hatte alles mit einem bereits 1999 gestarteten Projekt gegen die weibliche Genitalverstümmelung in Kenia und Uganda. Inzwischen setzen sich die Mitglieder vor allem für die Aufklärung über AIDS und andere ansteckende Krankheiten ein. Anna-Sophie Strues möchte nach ihrem Studium beruflich im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit Fuß fassen. „Der Umgang mit Müll ist ein wichtiges Thema. Nach dem Studium würde ich gern nach Asien, speziell nach Indien, gehen“, sagt sie.

Netzinfos: www.akifra.org

Zum Foto: Anna-Sophie Strues studiert an der TU Dresden Abfallwirtschaft und Altlastensanierung. Im Verein Akifra setzt sie sich für Kinder- und Frauenrechte in Kenia und Uganda ein. Ihre Idee, für eine Schule in Kenia Komposttoiletten zu bauen, wurde 2011 erstmals umgesetzt.
Foto: Amac Garbe


Krabbelnde Ermittler

Von Maden, Käfern und anderen Insekten

Von Anja Hilliger

Ein TU-Student hält Vorträge darüber, wie Insekten Kriminalisten bei Mordermittlungen helfen können. Der Grat zwischen Ekel und Faszination beim Publikum ist schmal.

Mücken gelten als nervig, Schaben als eklig. Dass jedoch Insekten Kriminalisten bei Mordermittlungen helfen können, das weiß Marcus Schwarz. Er hält Vorträge darüber, wie beispielsweise anhand von Leichenmaden festgestellt werden kann, wann und wo jemand gestorben ist.

Der 25-Jährige studiert im zweiten Mastersemester Forstwissenschaften mit dem Schwerpunkt Biodiversität und Organismen an der TU Dresden am Standort Tharandt. „Seit dem ersten Semester sind Insekten mein Steckenpferd. Für das Modul Fauna habe ich dann einen Insektenkasten als Prüfungsleistung abgegeben“, erzählt Schwarz. Über Krimis, die er gelesen hat, und einen Vortrag vom Kriminalbiologen Mark Benecke kam er zur Forensik. Bei Benecke hat der Forstwissenschaftler dann auch ein Praktikum absolviert. „Dort haben wir Vorträge gehalten, Experimente gemacht und Schweinekadaver ausgelegt, an denen wir verschiedene Todesarten in ihrer Verwesung beobachtet haben“, erzählt der Student begeistert. Bis heute steht er mit dem „Herrn der Maden“ in Kontakt.

Die Idee mit dem Schwein hat Schwarz übernommen. Derzeit liegt im Tharandter Wald ein totes Wildschwein aus. Das ist ein Vorversuch für die anstehende Masterarbeit des Studenten. „Ich beobachte die Zersetzung des Schweins durch Insekten. Mich interessiert, was wann und bei welchen Temperaturen passiert“, erklärt der Forstwissenschaftler.

Weniger begeistert ist Schwarz von den gelesenen Krimis und Fernsehserien wie CSI. „Vieles ist absoluter Nonsens. Der Stoff wird für das Publikum aufgewertet, damit es möglichst spannend ist. Dabei treten viele Fehler auf.“ Im Laufe seines Studiums hat sich Marcus Schwarz immer mehr mit Insekten beschäftigt. Inzwischen jobbt er im Institut für Waldschutz. Dort präpariert er Insekten. „Das Schöne am Forststudium ist, dass man wirklich noch mit Insekten zu tun hat. Beim Biologiestudium muss man sich vieles theoretisch vorstellen“, sagt er.

Im vergangenen Jahr hatte Schwarz seinen ersten Auftritt als forensischer Entomologe, sprich gerichtsmedizinischer Insektenfachmann. „Beim Bürgerdinner im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden unter dem Motto ‚Krimiautoren und Kriminalisten‘ sagte der Gerichtsmediziner ab und ich wurde gefragt, ob ich mitmachen möchte“, erzählt Schwarz. Zusammen mit zwei Kommissaren der Kripo und einem Gerichtspsychologen diskutierte der Student mit Krimiautoren über ihre Werke und die fachlichen Fehler, die darin auftreten.

Danach war die Idee zu eigenen Vorträgen geboren. Der Bücherladen Büchers Best in der Dresdner Neustadt hatte die Veranstaltung im Kleinen Haus mitorganisiert. Marcus Schwarz ist mit dem Besitzer des Buchladens befreundet. „Zuerst war es nur ein gegenseitiger Schwank, doch dann waren bei meinem ersten Vortrag gleich 60 Leute da und das Haus war voll“, erinnert sich der Student.

Unterstützung bekommt er vom Autor Henning H. Wenzel, den Schwarz bei einer Lesung kennengelernt hat. Wenzel liest aus Krimis, Schwarz hält zu den Themen Vorträge und beleuchtet das Fachliche. Zu der allgemein verbreiteten Anschauung über Insekten sagt er: „Ekel und Faszination gehen bei den Leuten Hand in Hand.“

Nächster Auftritt am 5. Oktober im Societaetstheater Dresden.

Zu den Fotos: Marcus Schwarz hat ein totes Wildschwein im Tharandter Wald ausgelegt und beobachtet die Zersetzung durch Insekten.
Fotos: Amac Garbe


WG oder Single-Wohnung?

So wohnen Dresdner Studenten

Von Tobias Hoeflich

Der Dresdner Otto-Normal-Student haust in einer uninahen WG. Verkehrsanbindung und Mietpreis sind ihm wichtig. Und: Er ist mit seiner Wohnsituation zufrieden – noch. Damit das so bleibt, muss gehandelt werden.

So eine Wohngemeinschaft hat schon ihre Vorzüge. Das findet auch Sarah Rose. „Es ist immer jemand zum Quatschen da“, sagt die 22-jährige Law-in-Context-Studentin an der TU Dresden. Und klar, es ist billiger. Doch sind da auch die typischen WG-Problemchen: leerer Kühlschrank, Streit ums Putzen. Deshalb sucht sich Sarah Rose eine neue Wohnung, alleine, möglichst in der Neustadt. „So hab ich mehr Ruhe, bin eh nicht so der WG-Typ.“ Bisher verlief die Suche allerdings erfolglos. Zu wenig Angebote, zu große Nachfrage, zu hohe Mieten.

Wohnen, wie es der Geldbeutel zulässt

Damit verkörpert Sarah Rose perfekt die Dresdner Studenten. Sie wohnen größtenteils in WGs, sind mobil, was Umzüge betrifft, leben aber auch gern allein – wenn’s der Geldbeutel zulässt. Und sie beklagen die schwierige Situation auf dem Wohnungsmarkt. Herausgefunden hat das ein Team vom Institut für Geographie an der Fakultät Forst-, Geo- und Hydrowissenschaften der TU Dresden um Koordinator Dr. Jan Glatter. Dafür haben sie monatelang Fragebögen entwickelt, Daten gesammelt, die Ergebnisse ausgewertet. Der Aufwand lohnt sich: Schließlich machen Studenten über acht Prozent der Dresdner Bevölkerung aus.

Erkenntnis Nummer 1: Die WG ist mit 41 Prozent die häufigste Wohnform – Tendenz steigend. 22 Prozent leben mit dem Partner zusammen, 15 allein. Mit 17 Prozent aber ist das Wohnheim immer noch an zweiter Stelle. Seit dem Jahr 2000 hat sich die Zahl jedoch fast halbiert. „Überrascht waren wir über den geringen Anteil an Studenten, die noch zu Hause wohnen“, sagt Glatter – nur vier Prozent. Vermutlich, so die Begründung, liege das an den vielen Zuzügen von außerhalb. Nur wenige Studenten wurden hier geboren.

Dresden am Scheidepunkt

Generell bevorzugt wird ein Wohnort in der Nähe des Campus’. Vor allem die Südvorstadt und das Zentrum sind gefragt. „Doch auch Verkehrsanbindung und günstige Mieten spielen eine Rolle“, sagt Glatter. Fast jeder Zweite zahlt zwischen 200 und 250 Euro – was ein Drittel des studentischen Budgets ausmacht. Etwa jeder Fünfte zieht während des Studiums um, besonders Löbtau profitiert davon. Die Neustadt wird wegen steigender Mietpreise dagegen langsam unattraktiv: „In den letzten Jahren ist der Studentenanteil von 25 auf 20 Prozent gesunken.“ Positiv: Der Großteil der Studenten fühlt sich in seinem Wohnort und der –art wohl. Nur sieben Prozent sind kaum oder nicht zufrieden. „Im bundesdeutschen Vergleich wohnen Studenten hier sehr preiswert und nicht weit vom Campus entfernt“, sagt Glatter über die Vorzüge Dresdens. Allerdings empfindet über ein Drittel die Suche nach einer Bleibe als schwierig. Vor allem im unteren Preissegment und bei kleinen Wohnungen steht die große Nachfrage einem geringen Angebot gegenüber. Auch gäbe es für WGs immer mehr Bewerber. „Noch ist die Lage nicht dramatisch“, sagt Glatter, „doch wir stehen an einem Scheidepunkt.“ Durch den Elitestatus der Uni sei künftig mit noch mehr Studenten zu rechnen – und mit einem stärker umkämpften Wohnungsmarkt.

Nötig ist daher vor allem eins: auf die Bedrohung hinweisen. „Die Stadt kann die Ergebnisse der Studie zumindest publizieren“, sagt Glatter. Noch besser wäre es, die Verantwortlichen würden auch private Betreiber fördern, zudem deren Anträge möglichst schnell bearbeiten. Auch das Studentenwerk kann seinen Teil beitragen: das Angebot nicht weiter reduzieren, Sanierungen möglichst schnell umsetzen, wenn möglich die Kapazitäten erhöhen.

Nicht zuletzt ist auch die Uni in der Pflicht. „Sie könnte auf der Website Infos und Tipps für die Wohnungssuche bereitstellen“, schlägt Glatter vor. Hauptsache, jeder findet eine Unterkunft, die den Vorstellungen und dem Budget entspricht. Dann muss auch niemand auf der Straße schlafen.

Zur Karikatur: Das studentische Budget und die Wohnungsmarktsituation stehen auch in Dresden oft im Gegensatz zueinander.
Karikatur: Norbert Scholz


Austausch mit Qualitätssiegel

Auch das ERASMUS-Programm ist exzellent

Von Anja Zimmermann

In diesem Jahr feiert das ERASMUS-Programm seinen 25. Geburtstag. Pünktlich zum Jubiläum ist die TU Dresden mit dem ERASMUS Qualitätssiegel „E-Quality“ ausgezeichnet worden.

Studenten sollen das Unileben in anderen Ländern kennen lernen. Dafür gibt es beim Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) das ERASMUS-Programm, das den internationalen Austausch fördert. Der DAAD zeichnet jährlich deutsche Hochschulen für die erfolgreiche und besonders gute Umsetzung der einzelnen ERASMUS-Fördermaßnahmen mit dem Qualitätssiegel „E-Quality“ aus. In diesem Jahr wurden aus über 250 deutschen Hochschulen 13 Institutionen, darunter auch die TU Dresden, für diesen Preis ausgewählt.

Zum ersten Mal beworben

„Die TU Dresden hat sich in diesem Jahr zum ersten Mal um die Auszeichnung bemüht“, erzählt Dagmar Krause. Sie ist im Akademischen Auslandsamt (AAA) der TU Dresden zuständig für die Koordination des Auslandsstudiums. Das AAA unterstützt deutsche Studierende und Wissenschaftler während ihres Aufenthalts im Ausland und kümmert sich um die Austauschstudenten an der TU Dresden.

Für den ERASMUS-Austausch von Studenten und Lehrenden hatte die TU Dresden im Studienjahr 2010/2011 rund 1 000 bilaterale Abkommen mit mehr als 300 europäischen Hochschulen abgeschlossen. Im gleichen Studienjahr nutzten 439 Studierende dieses Kernprogramm der europäischen Mobilität für ein Studium im Ausland. 85 Dozentinnen und Dozenten unterrichteten über ERASMUS an einer Hochschule im Ausland. 404 Studierende kamen aus dem europäischen Ausland an die TU Dresden, womit eine nahezu ausgewogene Bilanz zwischen „Outgoing“ und „Incoming“ vorgewiesen werden kann.

„Besonders im 25. Jubiläumsjahr von ERASMUS bescheinigt der Preis allen an der TU Dresden Beteiligten eine ausgezeichnete Arbeit bei der Umsetzung des Programms“, sagt Dagmar Krause. Trotzdem stellt die Anerkennung der im Ausland erbrachten Studienleistungen nach wie vor noch ein Problem dar, was viele Studenten abschreckt, das Programm wirklich in Anspruch zu nehmen. Daran soll in Zukunft gearbeitet werden. „Unser Ziel ist es, in einheitliches Regelwerk zu gestalten, soweit das die unterschiedlichen Fachrichtungen erlauben“, sagt Krause. Die AAA-Mitarbeiterin weiß, dass dies kein einfacher Weg wird, aber an der TU gibt es bereits Studienrichtungen wie die Wirtschaftswissenschaften, in denen die Anerkennung der Studienleistungen aus Auslandssemestern unproblematisch ist. „In diesen Fächern ist die studentische Mobilität besonders groß“, bemerkt sie.

Studentische Hilfe vor Ort

Auch Michael Zahn, Vorstandsmitglied der ERASMUS-Initiative TU Dresden, ist stolz auf die Auszeichnung. „Es zeigt, dass ERASMUS für Dresdner Studenten immer interessanter wird und umgekehrt wird auch die TU Dresden für ausländische Studenten immer attraktiver“, stellt der 30-Jährige fest. In der ERASMUS-Initiative der TU Dresden engagieren sich Studenten verschiedener Fachrichtungen ehrenamtlich und kümmern sich um ihre internationalen Kommilitonen. Der Verein will ausländischen Studenten helfen, sich schnell in Dresden und an der Uni zurechtzufinden.

Für die studentische Initiative bedeutet die Auszeichnung in Zukunft mehr Arbeit, im positiven Sinne. Der Verein selbst wurde nicht direkt ausgezeichnet. „Es zeigt uns trotzdem, dass auch wir gute Arbeit geleistet und dass ausländische Studenten in ihrer Heimat für uns Werbung gemacht haben“, erklärt der TU-Absolvent der Geschichte. Er ist sich sicher: Der Erfolg der TU liegt zum einen in dem großen Reiz, den Dresden auf ihre Besucher ausübt. „Zum anderen bietet die TU selbst ein breites Studienspektrum und schafft es damit, viele Interessenten anzusprechen.“ Die Initiative möchte zukünftig vor allem zwei Projekte ausbauen. Mit „Social ERASMUS“ und „Europa macht Schule“ sollen ERASMUS-Studenten in Zukunft mehr in soziale Projekte ihrer Gaststadt eingebunden werden.

Zum Foto: Hurra! Noch ein Geschenk für die TU Dresden: das ERASMUS Qualitätssiegel „E-Quality“.
Foto: Amac Garbe


Eine Idee nimmt Gestalt an

Die Ausstellung zu den Studierendenhausmodellen in der Sächsischen Landesbibliothek fand ihren Abschluss

Von Juliane Bötel

Der Siegerentwurf für ein Studierendenhaus der TU Dresden ist gefunden. Losgebaut wird trotzdem noch nicht.

Klaviermusik klingt aus dem Vortragssaal der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB). Von einer Preisverleihung begleitet endet die Ausstellung der Studierendenhausmodelle. In den vergangenen Wochen konnten diese im Foyer der SLUB bewundert werden.

„Wir freuen uns, dass mit diesen Modellen und der ersten öffentlichen Präsentation der Initiative die Idee eines Studierendenhauses greifbarer und vorstellbarer wird“, sagt Janin Volkmann, Geschäftsführerin für Öffentlichkeitsarbeit im Studentenrat der TU Dresden (StuRa). Die 25-jährige Germanistikstudentin der TU Dresden vertritt den StuRa in der Initiative „Ein Studierendenhaus für die TU Dresden“. In dieser engagieren sich auch die Studentenstiftung Dresden und der Verein PROPHIL DRESDEN.

Die drei Gewinnermodelle des Studierendenhauses: Der 1. Platz von Maria Mitschke, der 2. Platz von Marius Trauschke und der 3. Platz von Christian Schubert (v. l.)

Volkmann freut sich darüber, dass Prof. Hans Müller-Steinhagen für die Eröffnungsrede der Preisverleihung gewonnen werden konnte. „Ich unterstütze das Vorhaben voller Freude, da die jetzige Baracke des Studentenrates die Erwartungen an ein zentrales Gebäude auf dem Campus, welches als Anlauf- und Identifikationspunkt dienen soll, nicht erfüllen kann“, sagt der Rektor der TU Dresden. Außerdem macht er darauf aufmerksam, „dass dies nicht die einzige bauliche Sanierungsstelle ist und wir uns nicht allein auf eine staatliche Finanzierung verlassen können, sondern auch alternative Finanzierungsmöglichkeiten gesucht werden müssen.“ Passend dazu übergab die Studentenstiftung Dresden der Initiative einen Scheck über 5000 Euro und die Zusicherung auf weitere Unterstützung.

Sechs weitere Modelle zum Studierendenhaus wurden in der SLUB ausgestellt – konnten aber keinen der vorderen Plätze ergattern.

Die ausgestellten Modelle entstanden im Rahmen eines Seminars von Prof. Christoph Schulten an der Fakultät für Architektur. Die Studenten sollten Studierendenhäuser für den Campus der TU Dresden entwickeln, die genügend Raum für studentisches Engagement, Begegnungen und Erholung bieten. Aus den neun ausgestellten Ergebnissen dieses Seminares wählten sowohl eine Jury als auch die Ausstellungsbesucher ihren Favoriten.

Das Modell von Maria Mitschke überzeugte die Jury am meisten. Die 23-Jährige studiert im achten Semester Architektur und gewann mit ihrem „Cube of Change“. „Für Architekturstudenten gibt’s kaum noch Arbeitsräume auf dem Campus. Ein Gebäude, das Studenten benötigte Arbeitsräume zur Verfügung stellt, finde ich daher gut“, sagt sie und ist sichtlich überrascht angesichts der Ehrung. Ihren Entwurf kennzeichnen zahlreiche Einzel- und Gruppenarbeitsbereiche. Auch ein Veranstaltungssaal, Pausenräume, Gästezimmer und ein Partykeller sind untergebracht. Äußerlich lehnt er sich ans Hörsaalzentrum der Uni und den Walter-Pauner-Bau an.

In seiner Innenkonzeption ähnlich, allerdings von außen ganz anders zeigt sich das Modell des Publikumsgewinners Christian Schubert, Architekturstudent der TU Dresden im sechsten Semester. Der 23-Jährige entwarf mit seinem „CampusCenter“ ein rundes und organisch aufgebautes Gebäude mit einer hellen Glasfassade. Dafür erhielt er auch von der Jury den dritten Platz.

„Der erste Anstoß ist gemacht“, resümiert Janin Volkmann. „Nun muss die Idee noch weiter verbreitet werden. Daneben werden wir damit beginnen, wenigstens einen Teil der benötigten Mittel durch Fundraising zu sammeln.“ Ob einer der ausgestellten Entwürfe letztlich genauso umgesetzt und ob das Studierendenhaus an Ort und Stelle der jetzigen StuRabaracke errichtet wird, ist allerdings noch unklar.

Netzinfos: www.studierendenhaus.posterous.com

Zum Foto (ganz oben): Marius Trauschke, Maria Mitschke und Christian Schubert (v. l.) haben bei der Jury den zweiten, ersten und dritten Platz belegt. Ob der Siegerentwurf von Maria Mitschke umgesetzt wird, ist allerdings unklar.
Fotos: Toni Klemm

Testosteron allenthalben

WG-Einfall (I): In unmittelbarer Uninähe wohnen drei Männer allein unter einem Dach und fühlen sich so pudelwohl

Von Marcus Herrmann

Wie wohnen Studenten in Dresden? Die Hochschulzeitung „ad rem“ geht dieser Frage nach und stellt Euch Studenten und ihre Wohnsituation vor.

Berge von Altpapier stapeln sich nahe der Wohnungstür. Bierkästen und Pfandflaschen stehen herum. Keine Frage, eine reine Männer-WG hat ihren ganz eigenen Charme. Das Zusammenleben erfüllt hier so manches Klischee. Doch das stört die allesamt an der TU Dresden immatrikulierten Studenten Sebastian Langguth, Ferenc Neumann und Ricco Hennig nicht. Die Vorteile einer solchen Konstellation liegen wohl auf der Hand: „Unter Männern gibt es keine großen Reibereien. Wir haben ähnliche Interessen, brauchen früh nie lange im Bad und können schon mal leicht bekleidet durch die Wohnung schlendern“, sagt der 24 Jahre alte Sebastian Langguth mit einem Augenzwinkern. Er studiert im zweiten Mastersemester Wirtschaftsrecht und kam über eine Internetplattform zu seinem kleinen Zimmer, so wie der gleichaltrige Ricco Hennig. Er ist Diplom-Elektrotechnikstudent im achten Fachsemester.

WG statt trauter Zweisamkeit

Zunächst lebten die beiden mit einer Kommilitonin zusammen. Nach deren Umzug in die Neustadt komplettierte der 25-jährige Ferenc Neumann, der im zweiten Mastersemester Wirtschaftsrecht studiert, vor knapp neun Monaten das Trio. Er zieht das WG-Leben der trauten Zweisamkeit mit Freundin erst einmal vor. Bestimmte Grundsätze haben sich die drei natürlich auferlegt. Seit Neuestem existiert sogar ein Putzplan. Der soll helfen, Aufgaben zu koordinieren. Jeder muss mal das Bad putzen, den Geschirrspüler ausräumen oder Einkäufe erledigen. „Eine gute Mischung also“, sagt Ricco Hennig. Dennoch kennt er Problemchen, die unter Männern auftreten können. „Um kleinere Reparaturen kümmert sich häufig erst dann jemand, wenn es gar nicht mehr abzuwenden ist.“ Den Wahrheitsgehalt dieser Worte bestätigt ein vor sich hin tropfender Wasserhahn, unter dem eine Schüssel als Auffangbecken steht. „Manchmal kommt es auch vor, dass einer von uns nach einer durchzechten Nacht seinen Schlüssel nicht findet und einen anderen deshalb rausklingelt“, erzählt Hennig. Manch kleiner Partyexzess lässt sich nicht vermeiden. „Einmal klingelte ein Hausbewohner an unserer Tür und beklagte sich recht aufgebracht wegen der lauten Musik.

Und im Keller wurde mal die Sicherung durch jemanden rausgedreht, der wohl ein Problem mit uns hatte und meinte, uns den Strom kappen zu müssen“, erzählt Sebastian Langguth. Es gibt aber auch Grenzen, an denen der Spaß ein Ende hat. „Ich würde nie angeheitert bei einer Vorlesung erscheinen“, sagt Langguth. „Die Polizei musste auch noch nicht wegen uns kommen!“, sagt Ricco Hennig mit Nachdruck.

Bilder von leicht bekleideten Frauen

Ohne die eine oder andere Regel ist ein Zusammenleben also nicht möglich. Dazu gehört augenscheinlich das ostentative Anbringen von Bildern mit leicht bekleideten Frauen in nahezu allen Räumen. Speziell im Bad mangelt es nicht daran. Das Bad selbst ist sehr sauber. Die drei Studenten sind sich da einig: „Wo es an die Hygiene geht, wird Reinlichkeit bei uns groß geschrieben.” Selbst in der Küche gibt es nicht viel zu meckern. Mit zwei Kühlschränken, einem Mixer, Spülmaschine und Toaster, ja selbst einer Mini-Fritteuse, ist alles vorhanden, was das Männerherz begehrt. Nur der besagte Wasserhahn tropft ausdauernd vor sich hin und die Fritteuse hat offenbar einige unschöne Spritzer an der Wand hinterlassen. Von den Einzelzimmern besticht besonders Ferenc Neumanns durch Ordnung und Sauberkeit. In den anderen beiden herrscht, euphemistisch umschrieben, geordnetes Chaos. Doch auch in den Zimmern von Sebastian Langguth und Ricco Hennig findet der, der etwas länger Ausschau hält, eine bequeme Sitzmöglichkeit und kann sich wohlfühlen. Und solange die WG-ler genau das tun, ist eigentlich alles in bester Ordnung.

Zu den Fotos: Die TU-Studenten Sebastian Langguth, Ricco Hennig und Ferenc Neumann (v. l., Foto ganz oben) teilen sich seit neun Monaten Flur, Bad und Küche einer WG ganz in der Nähe der Dresdner Uni. Auffälliges Merkmal der Männer-WG sind Bilder von manchmal sehr leicht bekleideten Frauen.
Fotos: Amac Garbe

Der Traum von der großen Bühne

Beim Dresdner Bandwettbewerb UNI AIR werden studentische Talente gesucht

Von Falk Ulshöfer

Sieben Bands spielen beim 8. UNI AIR hinter dem Hörsaalzentrum der TU Dresden um 1 500 Euro. Mit dabei sind die LAST DANGEROUS RACOONS.

Als Christian Walter die Mail mit der Zusage bekommt, kann er sein Glück kaum fassen. „Ich bin erstmal fünf Minuten durchs Zimmer gehüpft“, beschreibt der 21-jährige Maschinenbaustudent und Gitarrist seine Reaktion auf jene Zeilen, die für seine Band LAST DANGEROUS RACOONS den Höhepunkt der Bandgeschichte bedeuten könnten. Von 18 Bands, die sich beworben hatten, wurden die vier Musiker von einer Jury ausgewählt, um am studentischen Bandwettbewerb UNI AIR teilzunehmen.

Der in seinem achten Jahr stattfindende Wettbewerb markiert das Ende und zugleich den Höhepunkt der Dresdner Studententage. Hinter dem Hörsaalzentrum spielen sieben Bands in 20-minütigen Auftritten auf einer großen Open-Air Bühne um ein Preisgeld von 1 500 Euro, das vom Studentenwerk Dresden zur Verfügung gestellt wird. Wer mit dem Gewinn nach Hause gehen darf, entscheidet allein das Publikum per Stimmzettel. Um das Geld geht es den LAST DANGEROUS RACOONS aber nicht, wie Sänger John Obenauff, der Landschaftsarchitektur an der TU Dresden studiert, klarstellt: „Wir wollen nicht gewinnen, wir wollen viele Leute mit der Musik erreichen. Das ist uns mehr wert als der Preis.“ Mit ihrer sympathischen Musik zwischen Postpunk und Indie sollte das gelingen. Ob dann nicht auch das Podium drin wäre? „Ich denke nicht über die Chance zu gewinnen nach, ich habe meine Chance schon lange. Die Chance, auf einer großen Bühne spielen zu können“, sagt Jens Schulte, Bassgitarrist der RACOONS, wie die Band oft genannt wird. Seit seiner Jugend träumt der 23-jährige Schulte davon, einmal auf einer großen Bühne zu stehen. Doch dass der Traum so schnell in Erfüllung gehen würde – damit hatte der Medieninformatikstudent nicht gerechnet.

Der große Auftritt bedarf einer guten Vorbereitung. Im Proberaum werden die Songs nun intensiver einstudiert, die Setliste auf die vorgeschriebenen 20 Minuten zusammengeschrumpft. Welche Lieder die LAST DANGEROUS RACOONS spielen werden, ist noch ein Geheimnis. Aber ein Showelement steht schon fest, wie Gitarrist Christian Walter verrät: „Freunde der Nasenflöte werden auf ihre Kosten kommen.“ Trotz der intensiven Vorbereitung inklusive fünf Kilo abnehmen und „Justin-Bieber-Frisur-schneiden“, hat die Band für den Tag des Auftrittes selbst einen ganz konventionellen Plan: Duschen, Zähneputzen, Essen. Und dann nichts wie ab auf die große Bühne!

UNI AIR am Mittwoch (23.5., 18 bis 24 Uhr) auf der Wiese hinterm Hörsaalzentrum der TUD. Mit dabei sind neben den LAST DANGEROUS RACOONS auch THE NAKED HANDS, MITCH BUCHANNON, DIE NOTENDEALER, PIANOPROJECT, SEBASTIAN OPITZ & BAND sowie RAVETOLOGY. Der Eintritt ist frei.

Netzinfos: www.lastdangerousracoons.de; www.studentenwerk-dresden.de;

Zum Foto: Weniger gefährlich: Christian Walter, John Obenauff, Matthias Selig und Jens Schulte (v. l.).
Foto: Amac Garbe


Der letzte seines Fachs

Dokumentarfotograf Lutz Liebert hält das visuelle Gedächtnis der TU Dresden frisch

Von Toni Klemm

Sie sind von Anfang an dabei gewesen, haben Umbrüche und Neuanfänge miterlebt. Wir stellen Mitarbeiter vor, die das Bild Eurer Hochschule seit vielen Jahren mitgestalten – oder festhalten. So wie Fotograf Lutz Liebert.

Die Person, die das Telefon neben dem großen Flachbildschirm abhebt, meldet sich mit kräftiger, sachlicher, aber doch angenehmer Stimme: „Liebert, Medienzentrum“. Wer diese Worte hört, der ist in den seltensten Fällen ein Student und ruft in den meisten Fällen aus einem einzigen Grund an: Fotos. Lutz Liebert leitet die Abteilung Mediendesign am Medienzentrum der TU Dresden und arbeitet als Dokumentarfotograf an der Uni – seit 40 Jahren. Mit der Kamera erlebte er die politisch gesteuerte 150- und die liberal geprägte 175-Jahr-Feier, den Besuch von Kofi Annan 1999 und den Beginn der Honorarprofessur von Thomas de Maizière 2010.

Nicht Künstler, sondern Handwerker

Lutz Liebert fotografiert, was für die Universität von Bedeutung ist: Veranstaltungen mit internationalen Gästen, Architektur oder Entwicklungen aus allen Bereichen der Wissenschaft. Seine Bilder sind das visuelle Gedächtnis der TU Dresden. Der Fotografenmeister sehe sich dabei nicht als Künstler, sondern als Handwerker. „Natürlich habe ich gewisse gestalterische Freiheiten, aber im Allgemeinen ist es so, dass die Auftraggeber schon eine konkrete Vorstellung davon haben, was sie wollen“, erklärt Liebert. Er ist dann der, der die Vorstellungen umsetzt – entweder im hauseigenen Studio oder mithilfe von mobiler Technik vor Ort.

Lange Zeit setzte das Audio-Visuelle Medienzentrum der Technischen Universität Dresden und dessen Vorgänger auf Entwicklerlabors sowie analoge Mittel- und Großformatkameras, bis vor etwa zehn Jahren die digitale Fotografie und Bildbearbeitung Einzug hielt. Lutz Liebert sagt schmunzelnd: „Wir hatten gesagt: ‚Hoffentlich gehen wir in Rente, bevor die Computerarbeit kommt.‘ Ein halbes Jahr später haben wir die erste Digitalkamera angeschafft.“

Doch die Prozesse und Möglichkeiten der Digitalfotografie seien „genial“, sagt Liebert heute begeistert. „Die Bearbeitung am Computer, etwa Abwedeln und Nachbelichten von Bildern, ist gar nicht so anders als die Techniken, die wir früher benutzten“, erzählt er und freut sich. „Bei der Belichtung in der Dunkelkammer wurden starke Helligkeitsunterschiede auf Bildern noch mit Pappschablonen und viel Feingefühl und Erfahrung angepasst. Dieses Prinzip wurde von Photoshop übernommen.“

Bis 1990 gab es noch etwa 25 Laboranten und Fotografen an der TU Dresden, zehn Jahre später noch etwa ein halbes Duzend, deren Stellen nach deren Pensionierung jedoch nicht neu besetzt wurden. Seit 2010 ist Lutz Liebert der einzige verbliebene festangestellte Dokumentarfotograf der Universität, mit dramatischen Folgen. „Der Berg an Arbeit ist riesig geworden. Vor Ostern hatte ich an fünf Tagen sechs Veranstaltungen zu fotografieren. Bevor ich überhaupt zur Bilderauswahl kam, riefen schon die Auftraggeber an und fragten nach Bildern.“ Doch aus Liebe zum Beruf und Verantwortung gegenüber den Kunden nehme er sich oft noch einen Tag am Wochenende für die Nachbearbeitung Zeit, ohne die Überstunden aufzuschreiben.

Auch seine Stelle soll, wenn er im Herbst dieses Jahres in den Ruhestand geht, nicht neu besetzt werden, selbst wenn Professor Thomas Köhler, der Direktor des Medienzentrums der TU Dresden, große Anstrengungen unternehme, eine tragbare Lösung zu finden. „Trotzdem“, sagt Lutz Liebert, „bin ich der Universität wohlgesonnen und von Herzen dankbar, über die Jahre einen festen Arbeitsplatz gehabt zu haben.“ Ein Luxus, der heutigen Fotografen meist vorenthalten bleibt.

Zu den Fotos: Der Meister selbst zweimal vor der Kamera: TU-Fotograf Lutz Liebert 2012 bei der Arbeit zu einem Auftrag auf dem Campus der Uni (Foto oben) und mit einer Linhof-Großformatkamera im Jahre 1977 (Foto unten).
Fotos: Toni Klemm/ privat


Auf die Plätze, fertig, los!

Laufen für den guten Zweck: Am 9. Mai startet der vierte Campuslauf an der TU Dresden

Von Janine Kallenbach

Der dies academicus der TU Dresden steht vor der Tür und damit auch der vierte Campuslauf der Dresdner Studentenstiftung.

Rennen, schwitzen, Luft schnappen. Es geht um alles. Um die Ehre, den Spaß und den guten Zweck. Der Campuslauf der Studentenstiftung Dresden geht in die vierte Runde und die Organisatoren hoffen wieder auf rege Teilnahme. „Über 700 Anmeldungen haben wir schon“, sagt Jennifer Beger und freut sich. Die 26-Jährige ist eine der Organisatoren des diesjährigen Laufes. „Natürlich schwebt uns immer vor, die 1000-Läufer-Marke zu knacken“, ergänzt die 22-jährige Julia Dobrinat, die an der TU Dresden den Bachelorabschluss in Soziologie anstrebt. „Wir nähern uns zumindest an.“

Seit dem ersten Lauf vor vier Jahren steigen die Teilnehmerzahlen. Als die Stiftungsmitglieder Jens Bemme und Sirko Bartholomay 2009 den Campuslauf aus der Taufe hoben, traten 200 Läufer an und finanzierten damit das Zuhörtelefon Nightline, bei dem sich seitdem Studenten dreimal pro Woche die Sorgen und Probleme ihrer Kommilitonen anonym anhören. 2011 waren dann knapp 500 Läufer am Start. „Mit den Einnahmen von circa 3 000 Euro wurden mehrere Projekte unterstützt, aber vor allem Gebärden- und andere Sprachkurse“, erzählt der 25-jährige TU-Maschinenbaustudent Albrecht Bauer, der ebenfalls für den Lauf verantwortlich ist.

Der Erfolg gibt der Studentenstiftung Dresden Recht. Seit 2005 versucht sie, Studenten zur Verbesserung der TU Dresden und deren Umfeld zu bewegen – egal, ob sie Geld spenden oder sich direkt in Projekten engagieren. Einige Projekte hat die Studentenstiftung, die sich aus Studenten, aber auch Absolventen zusammensetzt, bereits erfolgreich umgesetzt. Die Sonntagsöffnungen der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) gehört ebenso dazu wie der erste Wickeltisch an der TU Dresden. Der Campuslauf hat sich dabei als gutes Mittel entpuppt, um auf die Stiftung aufmerksam zu machen, Studenten und Unimitarbeiter für eine gute Sache zu gewinnen und natürlich Geld für weitere Projekte zu sammeln.

Albrecht Bauer ist mit Herzblut dabei. Über ihn kam auch Jennifer Beger zum Campuslauf. „Albrecht hat händeringend nach Unterstützung gesucht, und so bin ich dort gelandet“, erzählt Beger, die in England ihren Bachelor in Interkulturelle Kommunikation und Medienwissenschaften gemacht hat. Seit Oktober sucht sie gemeinsam mit ihren Mitstreitern nach Sponsoren. „Die Idee ist, dass alle anfallenden Kosten für die Organisation wie etwa die Chips für die Zeitmessung durch die Sponsoren getragen werden und die kompletten Startgelder der Studentenstiftung für Projekte zur Verfügung stehen“, sagt Dobrinat. Schließlich wirbt die Studentenstiftung mit dem Slogan „Lauf für bessere Studienbedingungen“. Da wird jeder Cent gebraucht. Dieses Jahr haben sie sich groß „Studierendenhaus“ auf die Fahnen geschrieben. Schon seit einigen Jahren versuchen die Studentenstiftung, der Studentenrat der TUD und der Verein prophil Dresden ein Haus zu realisieren, in dem alle Hochschulgruppen und studentischen Initiativen unter einem Dach anzutreffen sind.

Doch abgesehen vom ernsten Hintergrund geht es auch um sportliche Leistung und Spaß. „Wir versuchen, den Spagat zwischen sportlichem Messen und Funlauf zu erhalten“, erzählt Dobrinat. Beger kann das nur bestätigen: „Bei allen lustigen Kostümen: Man läuft nicht mal ebenso zehn Kilometer.“ Das ist auch gut so. Denn neben den Spaßmachern sollen auch Laufinteressierte aller Altersgruppen angesprochen werden. Die Statistik gibt der Studentenstiftung Recht. Im vergangenen Jahr nahmen 14 Läufer unter 15 Jahren teil und 12, die bereits über 50 Jahre alt waren. Es ist ein öffentlicher Lauf. „Wir freuen uns, wenn nicht nur Studenten, sondern auch Unimitarbeiter und Professoren am Lauf teilnehmen“, sagt Dobrinat. „Und wenn Läufer von der HTW oder anderen Hochschulen den Weg zum Campuslauf finden.“

Netzinfos: www.campuslauf-dresden.de

Zum Foto: Jennifer Beger (links) und Julia Dobrinat sind Teil des Organisationsteams für den vierten Campuslauf am 9. Mai – dem dies academicus der TU Dresden. Die Laufstrecke führt über das Gelände der Universität.
Foto: Toni Klemm


CAMPUSLAUFINFOS.

  • Wann: 9. Mai 2012.
  • Strecken: 2,5, 5 oder 10 Kilometer. Die 10 Kilometer können auch als Staffel absolviert werden.
  • Start: Die 2,5- und 5-Kilometer-Läufer starten um 17.30 Uhr. Für die 10-Kilometer-Strecke geht es 18.30 Uhr los.
  • Startgebühr: 5 Euro bei Onlineanmeldung, 2,50 Euro bei Anmeldung in den MLP Geschäftsstellen in der George-Bähr-Straße 14 oder in der Bergstraße 29. Kurzentschlosse können sich am Lauftag von 15 bis 17 Uhr im Start- und Zielbereich anmelden.
  • Preise: Neben dem schnellsten Läufer wird auch das beste Kostüm prämiert. Es wird eine Läuferverpflegung geben und ein DJ vom Campusradio sorgt für die musikalische Umrahmung.


Sehen mit den Händen

Eine blinde Koreanerin studiert an der Dresdner Musikhochschule Klavier

Die Geschichte hinter dem Bild …

Von Anja Hilliger

Song Yi Park ist 20 Jahre alt und studiert an der Hochschule für Musik. Sie ist aus Korea nach Dresden gekommen, um Pianistin zu werden. Und sie ist blind.

Song Yi Park heißt ihre Besucher herzlich willkommen. Sie wohnt allein, nicht weit weg von der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden. Ihre Wohnung ist geräumig und hell. Im Wohnzimmer läuft leise klassische Musik, an der Wand steht ein Klavier.

Soweit ist das nichts Ungewöhnliches, schließlich möchte die Koreanerin Pianistin werden. Das Bemerkenswerte ist: Song Yi Park ist blind. Seit ihrem sechsten Lebensjahr verschlechterte sich ihr Augenlicht, inzwischen kann sie nur noch hell und dunkel unterscheiden. „Eine Ursache haben die Ärzte nicht gefunden“, erzählt die 20-Jährige. Seit einem Jahr lebt sie in Dresden. An der Hochschule für Musik studiert Song Yi Park Klavier im zweiten Bachelorsemester. „Mein Traum ist es, Solo-Pianistin zu werden“, sagt sie.

Dresden statt Amerika

Die Entscheidung, sich diesen Traum in Dresden zu erfüllen, fiel in der Schule. „Als ich an der Oberschule war, kam Prof. Arkadi Zenzipér von der Musikhochschule Dresden nach Korea. Mein Lehrer und er kannten sich. Prof. Zenzipér hat mir vorgeschlagen, nach Dresden zu kommen, um dort Klavierspielen zu lernen.“ Die Entscheidung ist ihr schwergefallen. Aber nicht, weil sie sehbehindert ist oder Deutschland weit weg von zu Hause ist, sondern weil sie eigentlich in Amerika studieren wollte. „Meine Eltern haben mir zu Deutschland geraten. Und bisher habe ich meine Entscheidung nicht bereut. Ich vermisse zwar meine Eltern, aber der Entschluss, in Dresden zu studieren, war gut“, sagt Park mit sicherer Stimme.

Von Seiten der Hochschule bekommt die Koreanerin große Unterstützung. Ihr Studienalltag unterscheidet sich jedoch kaum von dem der anderen Studenten. „Vormittags habe ich Kurse und nachmittags übe ich Klavierspielen.“ Lediglich in den beiden Fächern Musiktheorie und Gehörbildung erhält sie Einzelunterricht. „Von einer Musikwissenschaftsstudentin, da das an die Tafel Geschriebene nicht sofort für mich übersetzt werden kann“, erklärt Park. Eine Meisterschülerin der Musikhochschule wurde Park für das Klavierspielen gestellt. Wenn es neue Noten gibt, spielt sie der Koreanerin die Noten passagenweise vor und Song Yi Park merkt sie sich und spielt sie nach.

Hilfe durch Kommilitonen

Zurzeit lernt die 20-Jährige außerdem die deutsche Punktschrift. „Ich nehme Nachhilfe in Deutsch von einer anderen Sehbehinderten und besuche zusätzlich den Deutschkurs, den die Musikhochschule anbietet.“ Dass es bisher keine Verständigungsprobleme gab, liegt auch an Halym Kim. Der 23-Jährige studiert ebenfalls an der Hochschule für Musik und gehört dem Team International an. Das ist eine Gruppe ausländischer Studenten der Musikhochschule, die anderen ausländischen Studenten helfen, sich in Dresden einzugewöhnen. Halym Kim ist Parks Ansprechpartner und Übersetzer. „Weil ich auch aus Korea komme, passte das ganz gut.“ Und so meistert Song Yi Park ihren Alltag. Ihr Enthusiasmus ist regelrecht beeindruckend: „Ich hatte nie das Gefühl, durch die Blindheit benachteiligt zu sein oder etwas nicht schaffen zu können.“

Zum Foto: Song Yi Park stammt aus Korea und studiert im zweiten Semester Klavier an der Dresdner Hochschule für Musik Carl Maria von Weber – trotz Sprachbarriere und Behinderung.
Foto: Toni Klemm


Exzellentes Ergebnis?

Absolventen der TU Dresden haben bei deutschen Personalmanagern einen guten Ruf

Von Anja Hilliger

Studenten, die ihren Abschluss an der TU Dresden gemacht haben, gehören zu den begehrtesten Arbeitskräften in Deutschland. Es gibt aber auch Probleme.

Anfang April veröffentlichte die Zeitschrift „Wirtschaftswoche“ das Ergebnis einer anonymen Befragung unter 500 Personalchefs. Die Frage war: „Von welchen Universitäten kommen die besten Studenten?“ Die Personaler, von denen knapp 70 Prozent aus Konzernen mit mehr als 1 000 Mitarbeitern kommen und 25 Prozent zwischen 100 und 1 000 Angestellten haben, sollten entscheiden, von welcher Hochschule sie bevorzugt Absolventen einstellen. Das Ergebnis kann sich für die TU Dresden sehen lassen.

Besonders Absolventen des Wirtschaftsingenieurwesens, der Wirtschaftsinformatik, des Maschinenbaus, der Elektrotechnik, der Informatik und der Naturwissenschaften liegen bei den Personalmanagern hoch im Kurs. In diesen Fächern gehört die Uni zur Spitzengruppe der jeweils besten neun Hochschulen Deutschlands. In Naturwissenschaften, Elektrotechnik und Maschinenbau war die TU sogar die beste Uni Ostdeutschlands. In Informatik, Wirtschaftsinformatik und Wirtschaftsingenieurwesen landete sie auf dem zweiten Platz aller ostdeutschen Hochschulen. „Im technischen Bereich zeigt sich die größte Kompetenz der Dresdener“, heißt es in der Wirtschaftswoche. Kim-Astrid Magister, Pressesprecherin der TU Dresden, bestätigt den guten Platz im Uniranking: „Wir erleben fast täglich, dass Unternehmen nach Möglichkeiten suchen, mit unseren Studierenden in Kontakt zu treten, um Personal zu rekrutieren.“ Zahlreiche Absolventenbefragungen zeigen zudem, dass TU-Absolventen aller Fachrichtungen gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Mit dem Ergebnis sind Studenten wie Professoren zufrieden. Die Mitglieder des Fachschaftsrats (FSR) Wirtschaftswissenschaften der TU sind sich einig, warum ihre Fachrichtung so gut abgeschnitten hat. „Unsere Wirtschaftsinformatiker profitieren von der Tatsache, dass es an der Fakultät vier Lehrstühle im Bereich Wirtschaftsinformatik gibt, was ein bundesweites Alleinstellungsmerkmal des Studienganges darstellt. Die Wirtschaftsingenieure profitieren von der starken technischen Ausrichtung der Uni“, sagt Anton Gross vom FSR.

Problem Stellenkürzungen

Prof. Susanne Strahringer, Dekanin der Fakultät Wirtschaftswissenschaften, kennt ein weiteres Erfolgsrezept: „Unternehmen, die im Wirtschaftsingenieurwesen oder in Wirtschaftsinformatik Absolventinnen suchen, sind an der TU Dresden erfolgreicher als an vielen westdeutschen Standorten. Personaler suchen händeringend Frauen in Disziplinen mit Technikbezug. Wir können das bedienen.“ Für Strahringer sei es eine Herausforderung, das Niveau zu halten und eine Angleichung anderer Unis zu verhindern. Prof. Klaus Janschek, Dekan der Fakultät Elektrotechnik und Informationstechnik, setzt auf Ausgeglichenheit: „Unsere Fakultät legt großen Wert auf ein praxisnahes und zugleich forschungsorientiertes Studium mit aktuellen Lehrinhalten. Die enge Zusammenarbeit mit der Industrie garantiert unseren Studierenden die Mitarbeit an praxisrelevanten Forschungsprojekten. Davon profitieren wiederum die Unternehmen.“ Prof. Bernhard Ganter, Dekan der Fakultät Mathematik und Naturwissenschaften, freut sich zwar über den Erfolg, spricht aber ein Problem an: „Wer an der TU Dresden Naturwissenschaften studiert, der bekommt ein hervorragendes Angebot, das exzellente Berufsaussichten eröffnet, und trifft auf engagierte Hochschullehrer und Mitarbeiter, die zugleich auch erstklassige Wissenschaftler sind. Daran dürfen auch die harten Einsparungen der sächsischen Staatsregierung nichts ändern.“ Dass das ein Problem sein könnte, bestätigt Silvia Kapplusch, die für die Öffentlichkeitsarbeit an der Fakultät Informatik zuständig ist: „Stellenkürzungen vom Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst würden unser Betreuungsverhältnis verschlechtern.“

Der Bachelor ist zu wenig

Noch ein anderes Problem zeigte sich bei der Umfrage: 62 Prozent der Befragten beklagen, dass es Bachelorstudenten an praktischer Erfahrung mangele. Weitere 49 Prozent kritisierten die fehlende Reife der Absolventen. Das bekräftigt auch Prof. Janschek: „Durch die Einschätzung der Personalchefs fühlen wir uns in unserem Beschluss bestärkt, bei dem fünfjährigen Diplomstudium zu bleiben. Die Zeit ist nötig, um Vollingenieure ausbilden zu können. Der Markt benötigt die Fähigkeiten eines Vollingenieurs. Beim Bachelor-Master-System sind Brüche und Verzögerungen im Studienablauf vorprogrammiert.“ Anton Gross vom FSR Wirtschaftswissenschaften und selbst Bachelorstudent sieht das ähnlich: „Die Kommunikation zwischen den technischen und den wirtschaftswissenschaftlichen Lehrstühlen sowie die Aufteilung von deren Kompetenzen in puncto Bachelorarbeit läuft nicht immer optimal.“ Ausruhen kann die TUD sich also trotz des guten Ergebnisses nicht.

Netzinfos: www.wiwo.de/erfolg/campus-mba

Zum Foto: Hier sitzen so einige Objekte der Personalerbegierde: der Schumann-Bau der TU Dresden.
Foto: Amac Garbe

Wegen Sanierung gesperrt

Die Hörsäle auf der August-Bebel-Straße werden saniert

Von Antje Meier

Das Warten hat ein Ende: Die Hörsäle des TU-Gebäudes in der Dresdner August-Bebel-Straße 10 (ABS) werden saniert. Das Kino im Kasten (KiK) ist derweil obdachlos.

Es scheint wie ein Traum, der nach Jahren des Wartens wahr wird. Das heruntergekommene Hörsaalgebäude in der August-Bebel-Straße wird für etwa fünf Millionen Euro durch den Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) saniert.

Veranstaltungen verlegt

Innerhalb von drei Semestern soll die Fassade erneuert, der Hörsaal H1 zu einem Seminarraum umgebaut, die anderen beiden Hörsäle saniert und Brandschutzmaßnahmen vorgenommen werden. Außerdem soll das Gebäude barrierefrei erschlossen und ein neuer Aufzug eingebaut werden, erklärt Andrea Krieger, Pressesprecherin vom SIB. Während der gesamten Bauzeit finden keine Vorlesungen in dem Gebäude statt. „Sämtliche Veranstaltungen wurden in andere Räume auf dem Campus untergebracht. Vieles ist in den Weber-Bau gewandert“, erklärt TU-Pressesprecherin Kim-Astrid Magister dazu.

Der Weg zum Umbau war ein langer. Erbaut wurde die ehemalige Militärakademie 1973. Nach über 30 Jahren war das Gebäude bereits so heruntergewirtschaftet, dass im Jahr 2009 Mitglieder des Fachschaftsrates der Philosophischen Fakultät im Zuge des Bildungsstreikes das Gebäude in der ABS besetzten, um auf die baulichen Mängel an der Fassade, im Sanitärbereich und der Technik hinzuweisen. An die Besetzer wurde damals herangetragen, dass es einen Gebäudesanierungsplan gebe, der auch die Sanierung der ABS vorsähe. Wann diese Pläne umgesetzt werden sollten, war zu diesem Zeitpunkt unklar.

Im August 2010 sollte es schließlich so weit sein. Gerüchte über einen Umbau schwirrten schon zu Beginn des Jahres über den Campus. Der FSR phil erklärte damals auf „ad rem“-Anfrage: „Pläne zur Instandsetzung des Gebäudes schwirren schon lange durch die Flure der Dresdner Universitätsverwaltung.“ Schließlich wurde die Sanierung verschoben, weil vom Freistaat kein Geld bereitgestellt wurde (siehe „ad rem“ 30.2010). „Eine gewisse Routine hat sich schon eingeschliffen, da es wirklich kaum jemand an der Philosophischen Fakultät wundert, dass die Baumaßnahmen verschoben wurden, ja man plante diese erst gar nicht wirklich in die Pläne für das Semester ein“, erklärte der FSR damals kritisch. Auch der Doppelhaushalt 2011/2012 der sächsischen Landesregierung sah vorerst kein Geld für diese Maßnahme vor. Die TU Dresden rechnete damit, dass erst 2013 das Geld für die Sanierung der August-Bebel-Straße zur Verfügung stünde. Erst mit den konkreten Abstimmungen zum Doppelhaushalt Ende 2010 wurde nun der Baubeginn im Frühjahr 2012 möglich, so die SIB-Sprecherin.

Kino im Kasten sucht Bleibe

Inzwischen haben sich Bagger, Bauzäune und Bauwagen vor dem Gebäude eingefunden. Die Mitglieder des Kinos im Kasten, die hier seit 19 Jahren ausgewählte Filme unter die Studenten bringen, müssen hingegen den Rückzug antreten. Leinwand und Projektoren wurden noch schnell abmontiert und fortgebracht. Denn spätestens Ende 2013 soll wieder alles zurück in den angestammten, dann aufgemöbelten Hörsaal. Wie es aber in den nächsten anderthalb Jahren mit dem Studentenkino weitergeht, darüber gibt es noch keine genauen Pläne. Die Suche nach einem Ersatzhörsaal auf dem Campus verlief bislang erfolglos. Einen Sommerspielplan gibt es noch nicht. Doch trotz dieser Rückschläge soll es weiter gehen. Das Team ist sich sicher: „Das KiK bleibt bestehen.“ Die kleine Zwangsauszeit soll nun für neue Vorhaben genutzt werden. So werde derzeit überlegt, ein Open-Air-Kino im Sommer zu starten.

Netzinfos: www.kino-im-kasten.de

Zum Foto: Momentan kein Zutritt: Das TU-Gebäude August-Bebel-Straße 10 wird endlich saniert.
Foto: Amac Garbe


Mit Kraftwerken aufs Treppchen

CeBIT-Gewinner (I): Informatikstudenten der TU Dresden bekommen einen CeBIT-Preis

Von Anja Hilliger

Die CeBIT ist die größte Computermesse der Welt. Die diesjährige Messe wird einigen Dresdner Informatikstudenten lange im Gedächtnis bleiben.

Seit 1986 werden auf der CeBIT – übrigens ein Akronym für Centrum für Büroautomation, Informationstechnologie und Telekommunikation – in Hannover Jahr für Jahr die neuesten Entwicklungen auf dem Gebiet der Informationstechnik vorgestellt. Auf der diesjährigen Computermesse wurden gleich fünf Dresdner Informatikstudenten für ihre neu entwickelten Apps beziehungsweise Webanwendungen beim sogenannten „Apps4Deutschland“-Wettbewerb ausgezeichnet.

Einer von ihnen ist Sebastian Werner. „Unsere Webanwendung ‚e11‘ beschäftigt sich mit dem Energiehaushalt Deutschlands. Wir haben alle Kraftwerke Deutschlands, das heißt Kohle-, Atom-, Verbrennungs-, Wasser-, Solar- und Windkraftwerke zusammengetragen und stellen diese auf einer Deutschlandkarte dar“, erklärt er. Der 25-Jährige studiert im neunten Semester Medieninformatik an der TU Dresden und hat zusammen mit Jan Falkenberg, der ebenfalls Medieninformatik im neunten Semester studiert, den zweiten Platz bei dem Wettbewerb belegt.

Kraftwerke selbst abschalten

Auch über die Energieimporte und -exporte sowie über die Energieverteilung der jeweiligen Bundesländer bekommt der Nutzer eine Übersicht. Die verwendeten Daten haben die Entwickler aus öffentlich verfügbaren Quellen. Eine Garantie auf Vollständigkeit oder Korrektheit gibt es aber nicht.

Die Idee für ihre Entwicklung hatten die Studenten, als im Frühjahr 2011 nach der Atomkatastrophe in Japan der Ausstieg aus der Atomenergie beschlossen wurde. „Leider findet man keine gute Übersicht über alle Energien und Kraftwerke in Deutschland. Außerdem sagt jede Instanz etwas anderes darüber, ob die Abschaltung der Atomenergie wirklich möglich ist. Dieses Problem wollten wir angehen und dem Benutzer unserer Anwendung die Möglichkeit geben, auszuprobieren, wie sich die Abschaltung einzelner Kraftwerke auf den Energiehaushalt in Deutschland auswirken würde“, beschreibt Werner den Inhalt der Webanwendung. Verbesserungsvorschläge nehmen sie gern entgegen.

Dass sie zu den Preisträgern des Wettstreits gehören, haben sie auch ihrer Fakultät zu verdanken. Der Lehrstuhl für Datenbanken der Fakultät Informatik hatte im vergangenen Wintersemester ein Praktikum ausgeschrieben, das als Aufgabenstellung die Rahmenbedingungen des Wettbewerbs „Apps4 Deutschland“ hatte. „Uns wurde freigestellt, ob wir unsere Anwendung nach dem Praktikum beim Wettbewerb einreichen wollen“, erinnern sich die beiden Studenten. Sie entschieden sich für die Teilnahme, was sie angesichts ihres Erfolgs nicht bereuen.

Den dritten Platz bei „Apps4Deutschland“ belegten Conny Günther, Marcus Kirsch und Felix Thalmann für ihr Programm, bei dem Nutzer nach persönlichen Interessen gewichtet die geeignete Uni auswählen können. Die Hochschulzeitung „ad rem“ stellt sie in einer späteren Ausgabe vor.

Netzinfos: http://www.e11map.de

Zu den Fotos:
Zum Foto1: Informatikstudent Jan Falkenberg blickt in die energetische Zukunft Deutschlands und testet sie per Webanwendung.
Zum Foto2: Dafür gab’s den Preis: eine Webanwendung zum deutschen Energiehaushalt.

Fotos: Amac Garbe

Surfst du noch oder lebst du schon?

Zwei bis sieben Prozent aller Internetnutzer neigen zur Abhängigkeit – auch Studenten

Von Anja Hilliger

Im Zeitalter sozialer Netzwerke und von Videoportalen sind Onlinemedien nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken. Das birgt nicht nur Vorteile.

Schnell mal E-Mails checken, auf der Homepage der Lokalzeitung schauen, was es in der Heimatstadt Neues gibt, oder im Blog lesen, was demnächst in der Lieblingsfernsehserie passiert. Diese Dinge sind für viele Studenten Routine. Was aber ist, wenn das Internet plötzlich nicht mehr in das Leben, sondern das Leben in das Internet integriert wird?

„Ich dachte immer, ich könnte jederzeit aufhören mit Spielen und anfangen zu studieren“, erzählt Robert Wassermann, der seinen richtigen Namen nicht nennen möchte. Der 24-jährige Physikstudent ist onlinesüchtig. Eine aktuelle Studie der Universitäten Lübeck und Greifswald zeigt, dass etwa 560 000 Deutsche zwanghaft ins Internet gehen und 2,5 Millionen weitere einen problematischen Umgang mit dem Internet zeigen. Von Ärzten und Therapeuten wird diese Störung als „Pathologischer PC- und Internetgebrauch“ bezeichnet. Eine psychische Klassifizierung oder staatliche Anerkennung der Onlinesucht gibt es bisher aber nicht. Auch weil die Angaben zur Häufigkeit schwanken. „Das ist durch Stichproben, unterschiedliche Altersstufen und den unterschiedlichen Voraussetzungen der Internetnutzung zu erklären“, veranschaulicht Diplompsychologin Anja Kräplin von der Professur für Suchtforschung der TU Dresden das Problem. Außerdem werden in den Studien unterschiedliche, nicht vergleichbare Messinstrumente eingesetzt.

Weder für die TU Dresden noch für Sachsen gibt es bisher Studien zur Störungshäufigkeit von Onlinesucht. Es gibt sie laut Kräplin aber – nicht nur bei Einzelfällen. „Die Grenze zwischen Onlinesucht und keiner Onlinesucht ist einfach“, erklärt Wassermann. „Kontrollverlust. Werden andere Sachen vernachlässigt und hat man die Kontrolle über die Zeit, die man im Internet verbringt, verloren, ist man mehr als gefährdet.“ Er selbst hatte alle Kontakte abgebrochen. „Ich habe keine Briefe mehr geöffnet, keine E-Mails mehr gelesen, nicht mehr telefoniert. Zur Uni bin ich kaum gegangen.“ Seine Eltern begannen sich Sorgen zu machen, weil sie ihn nicht erreichten. „Als sie mich daraufhin besuchten, konnte ich es nicht mehr verheimlichen.“ Wassermann begab sich in Therapie. Über die psychosoziale Beratungsstelle der TU Dresden wurde er an die gemeindenahe sozialpsychiatrische Versorgung in Dresden (Gesop) weitergeleitet. Das ist ein Jahr her. Nach einer Einzeltherapie geht der Physikstudent nun wöchentlich zu einer Selbsthilfegruppe. Katrin Wolff, Sozialpädagogin und Suchttherapeutin der Gesop, bescheinigt: „Insbesondere Studenten suchen immer wieder aufgrund ihrer Online-Problematik Beratung und Hilfe bei uns.“ Wassermann geht es derzeit gut, auch wenn er Angst hat, rückfällig zu werden. „Pläne für andere Dinge im Leben sind wichtig. Und Organisation.“ Er warnt vor Bagatellisierung. „Jeder sollte sein Verhalten im Internet beobachten.“

Im Sommersemester wird vom Institut für Klinische Psychologie und Psychotherapie der TU Dresden ein Seminar zum Thema „Pathologisches Glücksspielen und andere exzessive Verhaltensweisen“ angeboten.

Netzinfos: www.enter-dein-leben.de; www.klicksafe.de

Zum Foto: Internetsüchtige finden Hilfe – auch im Internet.
Foto: Amac Garbe


Trügerische Weltoffenheit

Gegen Fremdenfeindlichkeit engagieren sich Sachsens Unis auf verschiedene Weise

Von Christine B. Reißing

Auch der akademisch geprägte Raum ist nicht vor Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit gefeit. Ob, wie und unter welchem Namen man sich dem Thema annimmt, das stellt sich oft als Gratwanderung heraus.

Einen von zahllosen Anlässen zur Diskussion rund um rassistische Tendenzen in der ostdeutschen Gesellschaft bot ein im Herbst 2011 vom Leipziger Studentenrat (StuRa) und dem Antidiskriminierungsbüro Sachsen (ADB) veröffentlichtes Testergebnis.

In sechs von elf Leipziger Clubs wurde „nicht deutsch“ aussehenden Besuchern der Eintritt verweigert, während „deutsch aussehende“ Probanden problemlos eingelassen wurden. Abdulaziz Bachouri, Referent für ausländische Studierende im Leipziger StuRa, sei ähnliches Verhalten schon häufig entgegengebracht worden: „Es ist verletzend und du fühlst dich wie ein Mensch zweiter Klasse. Du fragst dich, ob du in Leipzig wirklich willkommen bist.“

Ende Februar wurde vom ADB und dem StuRa ein Fünf-Punkte-Plan gegen rassistische Tendenzen bei Einlasskontrollen vorgestellt. Dieser soll als Leitlinie dienen und umfasst unter anderem Informationen für Gäste über ihre Rechte und Pflichten, Vorschläge für das Vorgehen bei Beschwerdefällen sowie Schulungsmöglichkeiten für Mitarbeiter der Diskotheken. Doch wie sieht es an Dresdens Uni in Sachen Rassismusprävention aus? „Viele ausländische Studenten fühlen sich hier wenig willkommen und unverstanden, weil kein Englisch gesprochen wird und im Alltag oft keine Zeit für intensive Gespräche bleibt“, weiß Anja Albrecht vom Akademischen Auslandsamt der TU Dresden (TUD). Sie hat zwei Jahre lang das Projekt für Weltoffenheit und Fremdenfreundlichkeit betreut. Ihr Verdacht findet in einer Onlinebefragung zum Lebensgefühl ausländischer Studierender unter der Leitung von Prof. Wolfgang Donsbach vom Institut für Kommunikationswissenschaft Bestätigung. In der Studie gaben zwar 72 Prozent der Befragten an, sich an der TUD wohlzufühlen. Fast ein Drittel antwortete aber auf die Frage nach negativen Erlebnissen, zum Beispiel Beschimpfungen aufgrund der Nationalität, mit „Ja“. Kim-Astrid Magister, Pressesprecherin der TU Dresden, betonte auf Anfrage der „ad rem“ anstelle des Engagements gegen Rassismus lieber die Weltoffenheit der TUD: „Und das ist aus meiner Sicht deutlich mehr als nur Rassismusprävention. Das Projekt Weltoffenheit ist ein gutes Beispiel dafür, dass mit Fördermitteln zahlreiche neue Projekte, Initiativen, Netzwerke angestoßen und umgesetzt werden konnten“, sagt Magister. Ende März dieses Jahres endete das Projekt, das über zwei jahre bestand, allerdings. Ob und wie die bis dato in dessen Rahmen durchgeführten Aktionen fortgesetzt werden können, ist unklar.

So wurden im Rahmen des Projektes für Weltoffenheit Workshops, Ringvorlesungen und Kooperationen, zum Beispiel mit dem Kurzfilm-Wettbewerb „Film drehen statt wegsehen“, organisiert. Besonders die Ringvorlesung und die Workshops für Studenten und Mitarbeiter der Uni seien ein voller Erfolg gewesen, bilanziert Albrecht. Zuletzt erschien die Broschüre „Die Uni als ,rechtsfreier Raum‘? Reflexionen zu Diskriminierung und rassistischen Tendenzen“, in der zum gemeinsamen Nachdenken über Formen rassistischer Diskriminierung und Rechtsextremismus eingeladen wird. War diese ursprünglich als Handreichung zum Umgang mit Fremdenfeindlichkeit und Rassismus an der Uni gedacht, erschien sie letztlich nur als Auseinandersetzung mit der Frage, in welcher Form die Uni mit der Thematik in Berührung kommt.

Zur Karikatur: Und schon ist ein Thema fürs nächste Seminar gefunden.
Karikatur: Norbert Scholz


WELTOFFENHEIT-INFOS

  • Das Projekt für Weltoffenheit und Fremdenfreundlichkeit an der TU Dresden lief von 2010 bis Ende März dieses Jahres. Im Rahmen dessen wurden etwa Workshops für Studenten und Mitarbeiter der TU Dresden sowie im Wintersemester 2011/12 die Ringvorlesung „Rassistische Gewalt und ihre gesellschaftlichen Umfeldbedingungen“ organisiert.
  • Der Ende März erschienene Projektbericht „Die Uni als ,rechtsfreier Raum‘? Reflexionen zu Diskriminierung und rassistischen Tendenzen“ wurde vom oben genannten Projekt gemeinsam mit dem Kulturbüro Sachsen entwickelt. Es ist ursprünglich für die Mitarbeiter der TU Dresden gedacht. Interessierte Studierende können allerdings kostenlos Exemplare anfordern oder den Bericht als pdf-Dokument herunterladen. Netzinfos: www.tu-dresden.de/internationales/kultur/weltoffenheit/Reflexion
  • Mehr Informationen des Akademischen Auslandsamtes der TU Dresden rund um Weltoffenheit und Fremdenfreundlichkeit sowie Hilfsangebote für Diskriminierungsopfer, zum Beispiel das vom Dresdner Studentenrat organisierte Antira(ssistische) Telefon, gibt es im Netz: www.tu-dresden.de/internationales/kultur/weltoffenheit
  • Das Antidiskriminierungsbüro (ADB) ist eine sachsenweite Anlaufstelle für Fragen zu Diskriminierung. So wird auch zu Diskriminierung aufgrund von Geschlecht oder Lebensalter beraten.


Ungebetene Gäste

Anfang des Jahres suchten Einbrecher häufig die TU Dresden heim

Von Anja Hilliger

Einigen Langfingern hat es derzeit besonders die TU Dresden angetan. Auch vor Studentenwohnheimen und der Dresdner Hochschule für Musik machen sie nicht Halt.

Im vergangenen Jahr wurden in Dresden rund 53 300 Straftaten registriert. Im Vergleich zu 2010 ist das ein Plus von 12,4 Prozent – Höchststand seit fast zehn Jahren. Vor allem die Zahl der Diebstahls- und Drogendelikte nahm zu.

Geld, Laptops oder Schlüssel als Diebesgut

Davon kann die Technische Universität Dresden ein Lied singen. Von Januar bis März dieses Jahres wurde mehrfach in Unigebäude eingebrochen. Der Zeuner-Bau, der Schumann-Bau, ein TU-Gebäude an der Bergstraße, ein Gebäude am Zelleschen Weg sowie ein weiteres an der Nürnberger Straße wurden von Dieben heimgesucht. Immer wurden Geld, Laptops oder Schlüssel gestohlen. Der Pressesprecher der Polizeidirektion Dresden, Thomas Geithner, betont jedoch: „In der Vergangenheit war die TU immer wieder mal von Einbrüchen betroffen. Sie stellt allerdings keinen Schwerpunkt im Bereich der Einbrüche in Dresden. Wir sehen derzeit auch keine Zusammenhänge zwischen den Taten und schließen somit eine Einbruchsserie aus.“

Der Betriebsingenieur für Gefahrenmeldetechnik Stefan Krumbiegel ist verantwortlich für die Einbruchmeldeanlagen der TU Dresden. Zu den Vorfällen wollte er sich nicht äußern und verwies an die Pressestelle der TU. Nach den aktuellen Sicherheitsvorkehrungen am Uni-Campus befragt, äußert sich Mathias Bäumel von der Pressestelle vorsichtig: „Über die Sicherheitsvorkehrungen können wir keine detaillierten Auskünfte geben, um potenziellen Einbrechern nicht noch behilflich zu sein.“ Einen Unterschied zwischen Semester und Semesterpause gebe es aber nicht. „Während der Semesterferien werden keine anderen Sicherheitsvorkehrungen getroffen als innerhalb der Semester. Es bleibt bei denselben Gebäudeschließzeiten, bei denselben Rundgängen der Sicherheitsdienste und bei derselben Einstellung der Alarm- und der Einbruchsmeldeanlagen“, erklärt Bäumel. An der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden sowie in einem Studentenwohnheim in der Güntzstraße kam es ebenfalls zu Zwischenfällen. Bei letzterem konnten die Täter überführt werden. Insgesamt sank die Aufklärungsquote laut einer Mitte März veröffentlichten Kriminalitätsstatistik leicht von rund 55 auf 52 Prozent.

Dresdner Polizeidirektion ohne heiße Spur

„In der TU wird es vermutlich wieder zu Einbrüchen kommen. Bei den ermittelten Tätern handelt es sich bisher um Einzeltäter, die keiner Bande oder Serie zugeordnet werden konnten“, schildert Thomas Geithner die Situation. „Die Taten vom Januar und Februar sind bisher nicht aufgeklärt. Eine Angabe zur Wahrscheinlichkeit der Täterermittlung gibt es nicht. Mitunter finden Ermittler, im Rahmen von Durchsuchungen in anderen Verfahren, Diebesgut auf, welches vielleicht auch einmal zu einen Einbruch in die TU passt“, sagt er. Außerdem dauere die Auswertung von Spuren meist längere Zeit. Davon abgesehen gebe es aber aktuell keinen konkreten Ermittlungsansatz oder eine sogenannte „heiße Spur“.

Zur Karikatur: Die Diebe an der TU Dresden werden immer dreister.
Karikatur: Norbert Scholz


Von der Uni in die Küche

Prof. Ingo Kolboom verlässt die TU Dresden in den Ruhestand

Von Marion N. Fiedler

Auch Professoren kochen nur mit Wasser und verbringen ihre Zeit nicht nur im Hörsaal. „ad rem“ besucht Eure Hochschullehrer in ihrem Leben jenseits des Campus. Heute: Prof. Ingo Kolboom.

Wie eine Burg mit nicht enden wollender Wendeltreppe, so sieht die Villa in Dresden aus. Große Holztüren verschließen den Eingang, ein herrlicher Duft liegt im Treppenhaus. Die Wände der verwinkelten Behausung sind weitflächig mit Büchern bestückt. Leitern laden ein, sich in den bis unter die Decke reichenden Regalen zu verlieren. Gemütliche Leseecken gibt es überall: am Kamin etwa oder in einem der roten Samtsessel. Zwischen antiken Möbeln streift der schwarze Kater Mephisto umher und macht es sich zwischen Säbeln und Flinte gemütlich.

Man könnte fast meinen, Ingo Kolboom lebe wie ein Ritter. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Er ist der einzige deutsche Wissenschaftler, der in Québec zum Ritter geschlagen wurde, wie Urkunden an den Wänden verraten.

Als Ingo Kolboom den Raum betritt, telefoniert er gerade mit Radio Kanada und diskutiert auf Französisch die deutsche Geschichte. Seine Frau Erdmute zeigt inzwischen die verwinkelte Wohnung und erzählt vom Menschen hinter dem Prof. Zum Beispiel, wie er ihr auf einem Schloss den Heiratsantrag machte und nach dem Ringtausch im vergangenen Jahr in ihr wendeltreppiges Geburtshaus einzog. Und wie ihn beim Umzug tonnenweise Bücher begleiteten.

Im Gespräch mit dem Professor selbst wird klar: Ingo Kolboom freut sich auf seinen Ruhestand. Mit seiner bevorstehenden Pensionierung verabschiedet sich wahrscheinlich auch die Vielfalt des Lehrangebots in der Romanistik. Sein einzigartiger Lehrstuhl an der TU Dresden steht vor der Abschaffung. Doch Ingo Kolboom sieht das inzwischen gelassen. Angesichts der Stellenstreichungen an seinem Institut geht er mit Wehmut, aber er freut sich auf neue Aufgaben: „Endlich habe ich mal mehr Zeit zum Lesen, Nachdenken, Schreiben. Vielleicht schreibe ich mein Leben auf.“

Von seinen Studenten verabschiedete er sich auf originelle Art: Er lud geistige Weggefährten ein, vor seinen Studenten zu sprechen. In der ZEIT-Campus wurde ihm eine Traueranzeige zum verstorbenen Lehrstuhl gewidmet. Und es gab eine Abschieds-Überraschungsparty. Mit Limousine und Chauffeur hatten sie ihn von seiner Ritterburg abgeholt. Au revoir et merci, Monsieur Le Chevalier Kolboom!

Zum Foto: Professor Ingo Kolboom verlässt die TU Dresden und will als Pensionär mehr
lesen und schreiben – unter anderem in seiner Küche.
Foto: Amac Garbe


KOLBOOM-FAKTEN.

  • Kurzbio: Ingo Kolboom wurde 1947 in Schleswig-Holstein geboren. Nach seinem Studium (Romanistik, Geschichte, Politikwissenschaft und Germanistik in Berlin, Saarbrücken und Paris) wurde er als Dozent an die Uni Hamburg berufen. Ab 1983 war er für ein Jahrzehnt politischer Vermittler zwischen Deutschland und Frankreich und anschließend Professorin Montréal und Dresden.
  • Auszeichnungen: Seine Werke und Verdienste als Forscher, Gastprofessor, Berater und Politik-Experte sowie Mittler zwischen Deutschland und dem Ausland wurden mit zahlreichen wissenschaftlichen Auszeichnungen und Orden geehrt: Offizier der Akademischen Palmen, Offizier im Nationalen Verdienstorden, Ehrendoktor einer kanadischen Universität.
  • TU-Lehrstuhl: Ingo Kolboom baute ab 1994 als Professor den in Deutschland einzigartigen Lehrstuhl Frankreichstudien und Frankophonie an der TU Dresden auf und engagierte sich für ein vielseitiges Unterrichtsangebot.


Kein Freifahrtschein für Ostsachsen

Aus der Bahnfahrt-Flatrate für Zittauer und Görlitzer Studenten wird vorerst nichts

Von Anja Hilliger

Anfang Januar endete eine Abstimmung unter Studenten der Hochschule Zittau/Görlitz zur Einführung eines Semestertickets. Ergebnisse kann der Studentenrat der Hochschule nicht vorweisen.

Viele sächsische Hochschulen haben bereits ein Semesterticket. Die Hochschule Zittau/Görlitz wollte nun nachziehen. Eine entsprechende Befragung erfolgte auf Initiative des Studentenrates (StuRa) der Hochschule. Doch laut Sebastian Schwalbe vom StuRa ist die Abstimmung über die Einführung des Semestertickets aufgrund mehrerer Fehler ungültig und muss wiederholt werden. Was im Detail schiefgelaufen ist, dazu äußern er und seine StuRa-Mitstreiter sich nicht.

Dr. Jürgen Scheibler, Campusmanager am Standort Görlitz, erklärt: „Es gab wohl massive Probleme beim Wahltool in OPAL.“ Welche das genau waren, kann er nicht sagen. „Es waren aber mehrere. Das Ergebnis ist dadurch verfälscht und nicht für so eine wichtige und weitreichende Entscheidung repräsentativ.“ Eine Einführung für das kommende Sommersemester ist damit unmöglich. Eine neue Abstimmung soll voraussichtlich zu Beginn des nächsten Semesters stattfinden.

Das Thema beschäftigt die Hochschule schon seit mehreren Jahren. „Es gab vor sechs oder sieben Jahren unter dem Altkanzler Dr. Reinhold schon mal einen Vorstoß und Verhandlungen mit der Bahn. Das ist damals aber nicht mal zur Abstimmung unter den Studis gekommen“, sagt Scheibler.

Auch diesmal gab es bereits im Vorfeld Diskussionen um das Für und Wider eines Semestertickets. „Fluch oder Segen?“ wurde auf der Homepage des Studentennetzwerkes Offensiv gefragt. Nicht jeder Student hätte einen Nutzen von der Fahrkarte, die immerhin 135,80 Euro pro Semester kosten würde. Beinhaltet wäre die Nutzung aller Verkehrsmittel im Zweckverband Verkehrsverbund Oberlausitz-Niederschlesien und aller Nahverkehrszüge in Sachsen sowie zusätzlich die Strecke Görlitz–Cottbus mit der Ostdeutschen Eisenbahn GmbH.

Die Verantwortung darüber, wie es weitergehen soll, möchte jedoch keiner übernehmen. Matthias Baldt vom Studentenwerk Dresden, das auch Zittau/Görlitz betreut, stellt klar: „Es geht dabei um eine Initiative des StuRa, die uns nicht betrifft.“ Ähnlich äußert sich der Rektor der ostsächsischen Hochschule, Prof. Friedrich Albrecht: „Da es sich beim Semesterticket um eine Angelegenheit handelt, die zwischen Studierendenschaft und Studentenwerk verhandelt wird, war ich – wie auch die Kanzlerin – nicht involviert. Mitbekommen haben wir natürlich, dass es Schwierigkeiten bei der Umsetzung einer studentischen Befragung gab.“ Der StuRa indes hält sich bedeckt. Auf weitere Nachfragen von „ad rem“ gab es keine Reaktion. Auf der Homepage wird man jedoch immernoch zu einer Umfrage zum Semesterticket eingeladen. Diese endete allerdings am 4. Juni des vergangenen Jahres.

Zur Karikatur: Und wieder dreht sich das Abstimmungskarussell in Zittau und Görlitz.
Karikatur: Norbert Scholz


Ausgezeichneter Nachwuchs an der TU Dresden

Der Dresdner Forscher Dr. Moritz Riede erhält den academics-Preis für Nachwuchswissenschaftler 2011

Von Anja Hilliger

Dr. Moritz Riede ist viel herumgekommen. Nach Cambridge, Freiburg, Konstanz und Stanford forscht er nun in Dresden. Mit Erfolg!

Am 19. März wird in Hannover der academics-Preis für den Nachwuchswissenschaftler des Jahres 2011 verliehen. Einer der Preisträger ist der 34-jährige Dr. Moritz Riede vom Institut für Angewandte Photophysik (IAPP) der TU Dresden. „Der academics-Preis zeichnet Nachwuchswissenschaftler aus, die durch ihren Einsatz und ihre Ideen die Wissenschaft, Forschung und Entwicklung positiv beeinflussen“, erzählt der Preisträger. „Die Kandidaten können sich selbst bewerben oder von anderen vorgeschlagen werden.“

Riede wurde von Prof. Karl Leo vorgeschlagen, der auch am IAPP arbeitet und im Dezember 2011 selbst einen Preis gewann – den Deutschen Zukunftspreis für Technik und Innovation. Riede wird mit dem academics-Preis unter anderem für seine Forschungsleistungen im Bereich erneuerbare Energien ausgezeichnet. Sein Engagement für die Verantwortung von Wissenschaftlern in der Gesellschaft fiel den Juroren ebenfalls auf. Seit 1999 ist Riede beim International Student/Young Pugwash aktiv und ließ mit anderen Studenten den Bundesdeutschen Studenten Pugwash wieder aufleben.

Pug … was? „Pugwash hat seinen Namen von einem kanadischen Fischerdorf“, erklärt Riede. „Zum ersten Mal trafen sich dort 1957 Wissenschaftler, um Fragen zu atomarer Bedrohung, bewaffneten Konflikten und Problemen der globalen Sicherheit zu besprechen. Aus diesem Treffen entwickelten sich die ‚Pugwash Conferences on Science and World Affairs‘, die sich heute noch mit diesen Themen auseinandersetzen.“

Als Riede während seines Physikstudiums in Cambridge an der dortigen Uni die University Cambridge Student Pugwash Society gründete, hatte er namhafte Unterstützung. „Józef Rotblat, der 1995 zusammen mit den Pugwash-Konferenzen den Friedensnobelpreis bekam, hielt für unsere Society den Eröffnungsvortrag. Das war eine tolle Werbung“, erzählt er. An der TU Dresden leitet der Physiker seit 2007 die Gruppe zu organischen Solarzellen. „Wir untersuchen, entwickeln und optimieren neue Materialien und Strukturen für organische Solarzellen. Es geht um die günstigere Umwandlung von Sonnenlicht in elektrische Energie“, erklärt Riede. Seine nächsten Ziele sind nun die Habilitation und eine Professur. „Man gilt solange als Nachwuchs, bis man Professor ist“, erzählt er schmunzelnd.

Seiner Pflicht als Wissenschaftler bleibt er dabei treu: „Ich finde, dass besonders Wissenschaftler eine Verantwortung gegenüber der Gesellschaft haben. Sie sind die Experten auf ihrem Gebiet. Sie müssen Konsequenzen abschätzen, diese gegenüber der Gesellschaft kommunizieren und gegebenenfalls auch verantworten können.“

Zum Foto: Dr. Moritz Riede forscht an der TU Dresden und erhält einen Preis für Nachwuchswissenschaftler.
Foto: Amac Garbe


Sozial ist, was Spaß macht

Das Bildungsprojekt „Grenzen überwinden“ betreibt antirassistische Aufklärung

Von Leo Schwarz

Studenten wie die 22-jährige Veronika Stolyar organisieren für Schulen und Bildungseinrichtungen Projekttage zu Themen wie Migration, Flucht und Rassismus.

Mit den jüngeren Ereignissen um die Zwickauer Terrorzelle ist einmal mehr bewiesen, dass die rassistischen Verirrungen der Vergangenheit keinesfalls überwunden sind. Vielmehr sind xenophobe Unwissenheit, Abneigung und Stereotypie weiterhin stark verbreitet.

Das Dresdner Bildungsprojekt „Grenzen überwinden“ versucht, diesen Missständen entgegenzuwirken. Bestehend aus zehn Studenten, organisiert die Gruppe seit 2009 für Schulen und Ausbildungseinrichtungen Projekttage zu den Themen Migration, Flucht und Rassismus.

Eine von ihnen ist die TU-Studentin Veronika Stolyar. Die 22-Jährige studiert im 9. Semester Psychologie auf Diplom und arbeitet seit einem halben Jahr im Bildungsprojekt mit. „Ich hatte Interesse daran, mich ehrenamtlich zu engagieren und habe nach einer Möglichkeit gesucht, etwas zu verändern“, erzählt Stolyar. Die Jugendarbeit des Vereins Ausländerrat Dresden, der das Projekt koordiniert, habe sie dabei sehr angesprochen.

Inzwischen gestaltet sie als Referentin die Bildungstage aktiv mit. An diesen Projekttagen werden im Internationalen Begegnungszentrum in der Heinrich-Zille-Straße Schulklassen einen halben oder ganzen Tag lang durch interaktive Spiele, Übungen und Diskussionen für das Thema sensibilisiert. „Wir diskutieren in der Gruppe, wie Formen rassistischer Diskriminierung in unserem Alltag vorkommen und wie wir selbst dazu beitragen“, erläutert Veronika Stolyar. Dabei sollen die Jugendlichen „Redewendungen aus dem Alltag auf ihren rassistischen Gehalt bewerten. Danach sind sie erstaunt, wie viele Ausdrücke in unserer Sprache rassistisch gefärbt sind.“ Natürlich ist das Bildungsprojekt „Grenzen überwinden“ auch immer an neuen Mitstreitern interessiert. Wer sich engagieren möchte, kann das tun. Dabei absolviert man drei didaktische Seminare und kann anschließend bereits gemeinsam mit einem erfahrenen Mitglied Thementage organisieren. Da das Projekt mit dem Landesprogramm „Weltoffenes Sachsen“ kooperiert, können die Referenten dabei auch mit 25 Euro pro Tag entlohnt werden.

Stolyar erzählt, dass das Angebot inzwischen häufig in Anspruch genommen und von Schülern wie Schulen positiv aufgenommen wird. Sicherlich ist dies ein Schritt in die richtige Richtung. „Es ist wichtig, wie wir dieses Thema in unserem Alltag wahrnehmen, und dass wir verstehen, dass es auch mit uns zu tun hat.“

Netzinfos: www.auslaenderrat.de/ar/interkulturelles_projekt_grenzen_ueberwinden

Zum Foto: Veronika Stolyar überwindet rassistische Grenzen.
Foto: Amac Garbe


Zwei Männer und ein Boot

Zwei Dresdner TU-Studenten gewinnen einen Wettbewerb der Sächsischen Dampfschifffahrt

Von Anja Hilliger

Christian Jacobs und Eric Liebenehm haben das Fahrgastschiff der Zukunft entworfen – ohne selbst jemals mit einem Schiff gefahren zu sein.

Anfang des vergangenen Jahres wurde Christian Jacobs auf einen Aushang aufmerksam. Er studiert Maschinenbau mit der Vertiefung Technisches Design im siebten Semester an der TU Dresden. „An unserem Lehrstuhl hing ein Plakat zu einem Wettbewerb. Die Aufgabenstellung fiel ziemlich genau in den Bereich des Technischen Designs und war deshalb eine gute Gelegenheit, sich an dem Projekt auszuprobieren“, erzählt der 23-Jährige.

Aufgerufen wurde zum studentischen Wettbewerb „Navis futura“ der TU Dresden und der Sächsischen Dampfschifffahrt. Zum 175-jährigen Jubiläum der letzteren Institution wurde das Fahrgastschiff der Zukunft gesucht.

Für das Projekt holte sich Christian Jacobs nicht nur sprichwörtlich Eric Liebenehm mit ins Boot. „Um sowohl konzeptionell als auch technisch einen ausgereiften Entwurf liefern zu können, habe ich Eric gefragt, ob er Interesse hat. Er studiert Allgemeinen Konstruktiven Maschinenbau, unsere Fachbereiche ergänzen sich also sehr gut“, erzählt Jacobs.

Heraus kam der spätere Siegerentwurf „RedoxFlowVehicle“. Christian Jacobs erklärt: „Wir wollten eine schlichte und elegante Erscheinung. Ein futuristischer Entwurf erschien uns unpassend, da ein Elbschiff als Vermittler zwischen dem Tourismus und Dresden dienen sollte, nicht als Konkurrenz zur Altstadt oder den Elbschlössern. Das Ergebnis ist ein Schiff, das an die alten Dampfschiffe erinnert, ohne dabei die moderne Technik zu verstecken.“ Der Name „Redox-FlowVehicle“ bezieht sich auf das dabei verwendete Antriebskonzept, das Redox-Flow-Prinzip. Es beschreibt die Speicherung elektrischer Energie in zwei getrennten Elektrolytlösungen. Durch Ionenaustausch zwischen beiden Lösungen, der Redoxreaktion, setzt man die Energie wieder frei. „Es ist ein chemischer Akku“, bringt es Christian Jacobs auf den Punkt. „Wir haben außerdem versucht, aktuelle sächsische Forschungsergebnisse mit einzubinden. Es finden sich die transparente Photovoltaikfolie, transparente organische Leuchtdioden, kurz OLEDs, und das hochbelastbare Formholz in unserem Konzept wieder.“

Das Projekt war Christian Jacobs’ erster Kontakt mit dem Schiffbau. Dass er damit gleich einen Preis gewinnen würde, das hätte er nicht gedacht. Auch, weil er bisher noch nie mit einem Schiff gefahren ist.

Bis 29. Februar sind die Exponate aller Wettbewerbsteilnehmer im Dresdner Verkehrsmuseum ausgestellt.

Zum Foto: Maschinenbaustudent Christian Jacobs hat mit einem Kommilitonen das Schiff der Zukunft entwickelt.
Foto: Amac Garbe


Ausreichend katastrophenbereit?

Die TU Dresden gibt nach dem Chemiealarm Einblick in ihr Notfallmanagement

Von Katrin Mädler

Zwischen Seminaren, der Mensa und Prüfungen denkt kaum jemand über Brandschutzpläne, Chemieunfälle oder Geiselnahmen nach. Doch wie gut ist die TU Dresden auf derartige Szenarien vorbereitet?

Wer vergangenen Donnerstagabend das Hörsaalzentrum der TU Dresden in der Bergstraße betrat, schaute in ungläubige Gesichter. Nach einem angeblichen Chemieunfall wurden etwa 100 Personen vorsorglich in Krankenhäuser gebracht und Sicherheitskräfte evakuierten das daneben liegende Chemiegebäude vollständig.

Vorsichtshalber evakuieren

Während eines Laborpraktikums hatten mehrere Studenten einen seltsamen Geruch bemerkt und einer klagte über Übelkeit. Vielleicht trat während eines Experiments kurzzeitig Arsen-Wasserstoff in sehr geringen Mengen aus. Mittlerweile konnte aber Entwarnung gegeben werden. Trotzdem haben alle Beteiligten in den Augen von Marko Laske, Pressesprecher der Polizeidirektion Dresden, richtig reagiert: „Die Studenten und Verantwortlichen haben sich absolut korrekt verhalten. Es war in der Tat nicht auszuschließen, dass hier etwas Gravierendes geschehen war.“ Laske sagt, die Einsatzkräfte seien auf die verschiedensten Notsituationen vorbereitet, er sieht aber auch die Unileitung in der Pflicht, Notfallpläne zu entwickeln.

Die ersten Maßnahmen an der TU Dresden leitet gewöhnlich der Sicherheitsdienst ein, der im Gebäude der Technischen Leitzentrale untergebracht ist. Die Leiterin des Büros für Arbeitssicherheit, Dr. Petra Schilling, erklärt: „Nachdem in einer Gefahrensituation Polizei und Feuerwehr informiert sind, müssen die Betroffenen unbedingt dem Sicherheitsdienst der TU in unserer Technischen Leitzentrale Bescheid geben. Der ist rund um die Uhr und an jedem Tag zu erreichen, die Nummer steht auf vielen Plänen: 463 34515.“ Das sei wichtig, damit die zuständigen TU-Mitarbeiter informiert werden und sie die Situation koordinieren können. Der Wehrleiter der Betrieblichen Feuerwehr, Klaus Liebich, ergänzt: „Wir werden als Feuerwehrleute vom Einsatzleiter eingewiesen, wie wir uns zu verhalten haben. Bei dem Giftalarm vorige Woche mussten auch schnell Experten, beispielsweise Professoren, informiert werden, die sagen konnten, wie gefährlich die Stoffe sind, damit man weiß, was zu tun ist.“

Bei Amok im Raum bleiben

Laut Schilling gibt es Rundschreiben für die Universitätsmitarbeiter, die verschiedene Szenarien ansprechen, unter anderem auch Bombendrohungen und Amokläufe. Die zuständigen Mitarbeiter wiederum sind verpflichtet, ihre Studenten einzuweisen. Wichtig ist, sich bei Amokläufen anders zu verhalten als bei den übrigen Notfällen. „Normalerweise ist ein Gebäude im Notfall so schnell wie möglich zu verlassen. Bei einem Amoklauf ist es aber besser, sich in relativ geschützten Räumen zu verbarrikadieren, bis Entwarnung gegeben wird“, rät Schilling mit Nachdruck.

Einen ähnlichen Tipp gibt der Rechts- und Polizeipsychologe Dr. Steffen Dauer, der momentan als Gastdozent am Institut für Klinische Psychologie an der TU Dresden lehrt: „Den Täter zu überwältigen kann ich nicht raten, da man nie genau weiß, welche Waffen er besitzt. Und auf keinen Fall sollten Studenten einen Täter ansprechen, da sie die Motive und Hintergründe nicht abschätzen können. Selbst wenn sie ihn kennen, kann er in einer nicht ansprechbaren Situation sein.“ Vielmehr sei es wichtig, Schutz zu suchen und viele Informationen nach außen dringen zu lassen, beispielsweise über das Handy, um den Spezialkräften ein detailliertes Bild der Situation zu geben. Auch innerhalb des Gebäudes sollten die Betroffenen versuchen, sich bestmöglich untereinander zu informieren.

Um Notfälle besser und schneller koordinieren zu können, arbeitet das Rechenzentrum der TU Dresden momentan an der Installation eines neuen Sicherheitssystems, dem digitalen Alarm- und Kommunikationsserver. Damit können bestimmte Informationen per Telefon an mehrere Personen gleichzeitig gesendet werden. Denn, weiß der Feuerwehrmann Klaus Liebich, der TU-Campus ist weitläufig und einige Gebäude haben eine unübersichtliche Bauweise.

Schilder weisen den Weg

Ein weiteres Problem ist, dass die Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek (SLUB) nicht zur TU Dresden gehört, ebenso wie das Dresdner Studentenwerk. Dadurch könnten bei einem Amoklauf einige Bereiche des Campus zu spät informiert werden. Einen letzten wichtigen Tipp gibt Volker Fuhrmann vom Technischen Dienst der SLUB: „Weil in unserem Haus bei einem Alarm große Brandtüren schließen, war manchen Studenten bei den Brandübungen ihr gewohnter Weg aus der Bibliothek versperrt. Sie versuchten dann vergeblich, diese Tore aufzubekommen. Dabei weisen genügend grüne Schilder auf verlässliche Fluchtwege hin. Nach diesen Hinweisschildern sollten die Benutzer schon vorher einmal schauen.“

Zum Foto: Wenn es auf dem Campus zum Notfall kommt, ist ein kühler Kopf und schnelle Hilfe gefragt.
Foto: Amac Garbe


KATASTROPHENFORSCHUNGSINFOS.

  • Hier werden die Experten für künftige Katastrophenhilfsmaßnahmen ausgebildet: Die Hochschule Bremerhaven hat für den Masterstudiengang Sicherheitsmanagement (Integrated Safety and Security Management) ein neues Lage- und Führungszentrum eröffnet, in dem größere Unglücke simuliert werden können. Hier koordinieren Studenten virtuelle Kriseneinsätze.
  • Die Universität Bremen unterhält ein eigenes Institut für Rechtspsychologie. Ein Themenschwerpunkt ist die Polizeipsychologie. Hier lernen Studenten Verhandlungstaktiken mit Geiselnehmern, das Vorbeugen von Attentaten und Bedrohungs- und Gefährdungsanalysen.
  • An der Technischen Universität Darmstadt fand bis 2009 eine psychologische Studie zum Thema Amoklauf statt. Dort führt der ehemalige Studienleiter Dr. Jens Hoffmann nun das Institut für Psychologie und Bedrohungsmanagement. Schwerpunkte sind neben dem Lehrpunkt Bedrohungsmanagement auch Profiling und Fallanalysen.


„Was will die denn hier?“

Ludmila Marhula ist die älteste Studentin an der TU Dresden

Von Nico Karge

Lebenslanges Lernen: Ludmila Marhula studiert trotz etwas fortgeschrittenen Alters Slavistik an der TU Dresden und beweist, dass man eben doch nie auslernt.

Ludmila Marhula kann auf einen abwechslungsreichen, spannenden Lebenslauf zurückblicken. Sie hat bereits im Außenhandel gearbeitet, bei einer Literaturagentur, als Dolmetscherin, beim Fernsehen und an Volkshochschulen. Aber auf die Idee, genug gelernt zu haben, würde Ludmila Marhula, Jahrgang 1944, niemals kommen.

Seit 2009 ist Marhula an der Technischen Universität Dresden eingeschrieben: Sie studiert Slavistik (B.A.) mit dem Hauptfach Tschechisch im derzeit fünften Semester – und ist die älteste Studentin der TU. Mit ihren 67 Jahren entspricht sie weniger dem Bild einer Durchschnittsstudentin und sticht aus jeder Statistik hervor. Denn im letzten Wintersemester waren laut dem Statistischen Landesamt Sachsen gerade mal vier Prozent der rund 110 000 Studierenden an einer sächsischen Hochschule 35 Jahre alt oder älter. „Man lernt doch lebenslänglich“, sagt Marhula. „Meine Muttersprache Tschechisch lag mir schon in der Schule und ich wollte auf meinem Wissen aufbauen und mich fortbilden.“ Den Entschluss, tatsächlich noch einmal zu studieren, nachdem sie bereits in der früheren Tschechoslowakei ein betriebswirtschaftliches Studium abgeschlossen hatte, fasste sie während ihrer Tätigkeit als Fremdsprachenlehrerin. Seitdem sie 1978 nach Deutschland gekommen war, lehrte Marhula immer wieder freiberuflich Tschechisch. An ihrem letzten Volkshochschulkurs nahm ein 84-Jähriger teil. Er inspirierte sie: Sie sah, dass man auch im hohen Alter lernen und studieren kann.

Also beschloss Marhula, selbst noch einmal die Hochschulbank zu drücken und schrieb sich an der TU Dresden für ihre Muttersprache und Russisch im Nebenfach ein. Unterstützung und Bestärkung durch andere bekam sie bis auf wenige Ausnahmen nicht. Aber das sei nicht so schlimm. Nur Kontakt zu den jüngeren Studenten wünsche sie sich mehr. „Ich merke, dass eingebildete Sunnyboys oft denken: Was will die denn hier?“, sagt Marhula. „Dabei bin ich für jede Art von Kontakt offen. An mir soll es nicht liegen.“ Insbesondere Arbeitsgruppen erhofft sie sich dabei: Da könne jeder das, was er weiß, weitergeben. Sie selbst bietet Hilfe bei den Sprachen an und könnte Unterstützung beim Umgang mit Computern gebrauchen. Sie lerne schließlich immer gerne dazu. Nur das mit den Prüfungen fällt ihr auch heute nicht leichter. „Je älter ich werde, desto mehr Angst vor Klausuren habe ich“, sagt Ludmila Marhula. „Aber ich bin Schwierigkeiten gewöhnt. Ich habe Ausdauer, Geduld und Kraft.“

Zum Foto: Ludmila Marhula studiert trotz Rentenalter.
Foto: Amac Garbe


Spaßiger Kummeronkel

Alexander Puchtlers Kolumne erfreut sich an der HS Zittau/Görlitz einiger Beliebtheit

Von Anja Hilliger

Beim Studentennetzwerk Offensiv der Hochschule Zittau/Görlitz helfen sich Studenten untereinander. Einer von ihnen betreibt einen Kummerkasten besonderer Art.

Zwischen Veranstaltungen und Mitfahrgelegenheiten stößt man auf der Homepage des Studentennetzwerks Offensiv auf die Kolumne „Puchtlers Kummerkasten“. „Unverfroren und heroisch geht Alexander Puchtler dem Unglaublichen, Unverzichtbaren und Unnötigen an der Hochschule auf die Spur,“ heißt es. Der Kolumnist selbst beschreibt den Kummerkasten eher so: „Es berichtet ein zynischer Ich-Erzähler von seinen kleinen Problemchen mit dem Leben, mit sich selbst und mit den anderen.“

Am liebsten jammern

Alexander Puchtler ist 30 und studiert im siebenten Semester Kommunikationspsychologie an der Hochschule Zittau/Görlitz. Seit September 2011 ist er bei Offensiv. Seit Oktober 2011 gibt es seinen Kummerkasten, der 14-tägig neu erscheint. „Die Offensiv-Redaktion kam auf mich zu und bot mir an, eine Kolumne zu schreiben. Ich sagte zu. Wieso auch nicht?“, erklärt der Kolumnist die Entstehungsgeschichte des Kummerkastens. „Ich versuche so lebensnah wie möglich zu arbeiten. Ich überlegte mir, was ich am liebsten mache. Und das ist jammern/kummern. Damit liegt man nie verkehrt. Jammern gehört heutzutage zum guten Umgangston.“ Das Beklagen im Kummerkasten sei jedoch nicht immer ernst gemeint, versichert Puchtler.

Auf die Frage, woher er seine Themen nimmt, antwortet er: „Das passiert automatisch. Themen liegen einfach so herum. Gelegentlich werden sie auch an mich herangetragen. Manchmal passiert auch nichts. Das ist natürlich wieder Grund zum Kummern.“

Grundsätzlich versucht er, über Themen zu schreiben, die seine Kommilitonen nachvollziehen können. Dazu nimmt er sowohl Dozenten als auch Studenten ins Visier. Nicht jeder findet das gut: „Meine November-Kolumne war eine Antwort auf einen SZ-Artikel. Es ging um die mögliche Versetzung der Görlitzer Informatiker nach Zittau und dem daraus resultierenden Schaden für die Stadt. Ich überspitzte das Ganze und schrieb vom drohenden apokalyptischen Untergang Görlitz’ und dem wichtigsten Studiengang Informatik. Das haben einige Informatiker persönlicher genommen, als es gemeint war.“

Fantastisch interaktiv

Mit negativer Kritik kommt Puchtler klar: „Die gucken zwar immer noch böse beim Mittagessen, aber das Schnitzel schmeckt trotzdem.“

Außerhalb des Kummerkastens schreibt der Kolumnist für einen Blog, den er zusammen mit dem Görlitzer Schriftsteller Mario Kelling betreibt. Dort arbeitet er an einem interaktiven Fantasy-Roman, an dem die Leser mitwirken können. Es gibt aber auch noch ein anderes, naheliegendes Ziel: „Vielleicht werde ich in Richtung Stand-Up/Kabarett gehen, allerdings liegt das noch in einiger Ferne.“

Netzinfos: www.offensiv.hs-zigr.de; www.mojo-poems.blogspot.com

Zum Foto: Alexander Puchtler trägt seinen Kummer in die ostsächsische Studentenwelt.
Foto: Amac Garbe


Angst vorm Himmelskrokodil?

Ein Maya-Codex ist der mythischste Schatz im Museum der Sächsischen Landesbibliothek

Am 21. Dezember dieses Jahres endet zwar der Maya-Kalender – doch leitet das wirklich den Weltuntergang ein?

Interview: Jana Schäfer

Der Dresdner Maya-Codex ist eine von weltweit nur noch drei erhaltenen Handschriften der untergegangenen Maya-Hochkultur. Gespickt mit Schriftzeichen und Zeichnungen von Gottheiten in menschlicher sowie halbtierischer Gestalt, entführt der Kalender in die Welt Mittelamerikas im 13. Jahrhundert. Wie schlimm es um die Menschheit steht und vieles mehr weiß der Direktor der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB), Prof. Thomas Bürger.

Prof. Bürger, wie kam der Maya-Codex nach Dresden?

Den Codex kaufte 1739 der Bibliothekar Johann Christian Götze einer Privatperson in Wien ab. Erst im 19. Jahrhundert wurde erkannt, dass es sich um einen Codex der untergegangenen Maya-Kultur handelt. Dadurch stieg der Wert der Handschrift ins Unermessliche.

Am Ende des Kalenders speit das Himmelskrokodil Wasser über das Land aus. Ist das der Weltuntergang oder nur ein haltloser Mythos?

Der Codex steht für die Prophezeiung einer Flutkatastrophe im Land der Maya, die nicht datiert ist. Die Priester der Maya prophezeiten diese. In einer voraufgeklärten Gesellschaft spielten Wahrsagungen eine große Rolle. Esoteriker machen daraus einen Weltuntergang, weil am 21.12.2012 der Kalender der Mayas angeblich endet. Aber die Historiker wissen: Mit dem Ende eines Kalender beginnt eine neue Zeitrechnung. Mit Fantasie kann man immer einen Weltuntergang prophezeien, aber seriös wissenschaftlich ist das nicht.


Gibt es neben dem Weltuntergangsrummel faszinierende Aspekte des Kalenders, die leider zur Nebensache werden?

Es ist aufregend zu sehen, wie eine Hochkultur mit ihrer Zeitrechnung umgegangen ist und warum sie solche Angst vor Fluten gehabt hat. Wenn sie Tsunamis sehen oder den Untergang von New Orleans, sieht man auch bei einer Hochkultur wie die der Mayas, dass das Klima von größter Wichtigkeit ist. Wir sollten das Jahr 2012 und die Weltuntergangsfantasie nutzen, um über unsere Umwelt nachzudenken. Klimaschwankungen nehmen zu. Die Angst vor Naturkatastrophen ist begründet, weil wir Menschen letztendlich von den Naturspielen sehr abhängig sind – was wir gerne verdrängen.

Wer hat sich den Codex bisher angesehen?

Besucher kommen aus aller Welt. Darunter sind auch Maya-Nachfahren, die darum bitten, in Ruhe über die Handschrift eine Verbindung zu ihren Vorfahren aufzunehmen. Es ist für sie eine heilige Schrift. Sie bringen Weihrauch mit und würden am Liebsten eine Maya-Zeremonie machen mit heiligem Feuer – aber das geht natürlich nicht!

Was hebt den Dresdner Codex von den zwei Codices in Paris und Madrid ab?

Nur der Dresdner Maya-Codex ist ein Wahrsagungskalender. Er ist heute der einzige Codex, den sie weltweit sehen können. Und er ist am brillantesten erhalten, obwohl er 1945 im Löschwasser schwamm. Wenn es Wunder gibt, dann dass diese Handschrift Feuer und Wasser überstanden hat.

Der Maya-Codex ist täglich von 10 bis 18 Uhr zu sehen. Am 23. Februar (19 Uhr) öffnet die Sonderausstellung „Weltuntergang 2012? Der Dresdner Maya-Codex und seine Entzifferung“.

Zu den Fotos: Im Buchmuseum der SLUB Dresden (oben) gehört der sogenannte Codex Dresdensis (li.) zu den
wertvollsten Stücken, mit denen sich Direktor Prof. Thomas Bürger (re.) bestens auskennt.
Fotos: Amac Garbe


Tacheles im Lehramtswust

Ein pädagogischer Fachschaftsrat der TU Dresden organisiert eine Podiumsdiskussion

Von Christine Reißing

Um die Rereform öffentlich zu diskutieren, versammeln sich am 16. Januar in Dresden Studenten, Professoren und Politiker. Die Beteiligten sollen außerhalb gewohnter Strukturen Klartext reden.

Am vergangenen Dienstag veröffentlichten die Vertreter des Fachschaftsrates Allgemeinbildende Schulen/Grundschulen der TU Dresden (FSR ABS/GS) unter dem Titel „Rereform ins Leere?“ ein Positionspapier, das drei aktuelle Problemfelder der Lehramtsreform thematisiert: Erstens stünden in Sachsen zu wenig Lehramtsabsolventen zur Verfügung, um den Bedarf an Lehrkräften abzudecken. Zweitens sei für die geplante Wiedereinführung des Studiums für Grundschullehramt in Dresden zu wenig Fachpersonal vorhanden. Drittens sei es problematisch, das Mittelschulstudium an der TU Dresden wiedereinzuführen. Denn auch dazu fehlten finanzielle und personelle Ressourcen. „Insbesondere mit der Wiedereinführung der Grundschulausbildung an der TUD machen sich in der Tat deutliche kapazitäre Engpässe auf, die wir nur mit zusätzlichem Personal werden lösen können. Angesichts dieser neuen Zahlen wird sich der Freistaat noch einmal gut überlegen müssen, wie sich diese mit den landesweiten personellen Kürzungsforderungen vertragen“, weiß auch Prof. Ursula Schaefer, Prorektorin für Bildung und Internationales der TU Dresden.

Eine Podiumsdiskussion soll nun der allgemeinen Verwirrung über die Rereform Abhilfe schaffen. Grundlage der Diskussion soll das Positionspapier sein. Am Montag (16.1., 18.30 Uhr) versammeln sich viele der beteiligten Akteure. Mit dabei sein werden neben Vertretern des FSR die Prorektorin Prof. Ursula Schaefer, der Studiendekan der Lehramtsstudiengänge, Prof. Axel Gehrmann, die Referatsleiterin für Lehrerbildung im Kultusministerium, Petra Zeller, Dr. Ronald Werner von der Abteilung Hochschulen aus dem Wissenschaftsministerium sowie Vertreter vom Zentrum für Lehrerbildung an der TU Dresden (ZLSB) und der Staatlichen Kommission Lehrerbildung. „Es ist sicherlich sinnvoll, die Beteiligten mal außerhalb der gewohnten Strukturen zusammenzubringen. So werden die Probleme der Einzelnen viel deutlicher“, meint David Jugel vom FSR ABS/GS, der ebenfalls mitdiskutieren wird.

Burkhard Naumann, ebenfalls Mitglied im FSR, wird die Podiumsdiskussion moderieren. „Ich möchte Probleme der Rereform diskutieren und sie der Staatlichen Kommission Lehrerbildung sowie den Beteiligten an der TU Dresden mit auf den Weg geben“, formuliert er seine Motivation. „Nachdem an der Uni nun monatelang allein die Exzellenzinitiative das Thema war, soll die Podiumsdiskussion das Lehramtsstudium wieder auf die Agenda setzen“, fordert schließlich Jessica Bilz, die sich ebenfalls aktiv bei der Organisation beteiligte.

Podiumsdiskussion des FSR ABS/GS am Montag (16.1., 18.30 Uhr) im Trefftz-Bau/Mathematik-Hörsaal (TRE/MATH).

Netzinfos: www.fsrabsgs.de

Zum Foto: David Jugel, Burkhard Naumann und Jessica Bilz (v. li.) vom FSR ABS/GS sind mit der aktuellen Situation in Sachen Lehramt unzufrieden.
Foto: Amac Garbe


Alles Bio oder was?

In den Potthoff-Bau der TU Dresden zieht eine Biomensa ein

Von Marion N. Fiedler

Das Studentenwerk Dresden wird auf Wunsch seiner Studenten zum Sommersemester eine Mensa eröffnen, in der es nur Bioessen geben soll.

Darauf haben Studenten wie Puneh Arazm lange gewartet. „Ich finde ein warmes Essen pro Tag sehr wichtig, und die Auswahl für ernährungsbewusste Studenten ist nicht immer vielseitig“, erzählt die TU-Medizinstudentin im 12. Semester. Für sie ist das ein wichtiges Thema. „Besonders Mensagänger, die die Herkunft der Lebensmittel wissen wollen, greifen lieber auf die eigenen Butterbrote zurück.“

Im Sommersemester 2012 könnte sich für ernährungsbewusste Studenten aber einiges ändern: Im Moment wird im Studentenwerk Dresden intensiv geplant und vorbereitet. Das extra für das „Projekt Biomensa“ gegründete Team nimmt mit neuen, auf Bioprodukte spezialisierten Lebensmittellieferanten Kontakt auf. Pünktlich zum Semesterstart sollen sich die Türen des „U-Boots“ als Biomensa öffnen. Die ehemalige Cafeteria im Potthoff-Bau der TU Dresden befindet sich gerade im Umbau. Auf dem Speiseplan sollen dann pfiffige und vollwertige Mahlzeiten stehen. Wie viele verschiedene Gerichte pro Tag angeboten werden beziehungsweise ob ein veganes oder vegetarisches Angebot integriert wird, das ist noch nicht klar. Udo Lehmann, Geschäftsbereichsleiter Hochschulgastronomie im Studentenwerk, versichert aber, dass das Essen auf Basis der EG-Öko-Verordnung produziert werde.

Pro Tag wird es 150 warme Mahlzeiten geben. „Der Preis für die Portion wird aufgrund der besonderen Qualität unserer Speisen leicht teurer, aber immer noch erschwinglich sein“, sagt Sandy Lohe, stellvertretende Pressesprecherin im Studentenwerk Dresden. „Eine Art Probelauf hat das Studentenwerk ja bereits mit dem wöchentlichen Biotag in der Alten Mensa gemacht. Seit Oktober 2007 gibt es dort einmal in der Woche ein Bioessen zusätzlich zum regulären Angebot. Diese Aktion läuft noch bis zur Wiedereröffnung des übrigens seit 2003 existierenden ‚U-Boots‘. Wir sind zuversichtlich, dass die Biomensa in Zukunft begeistert genutzt wird.“

Auch Marcus Mundus, der an der Dresdner Hochschule für Musik im 9. Semester Gesang studiert, möchte, obwohl er meist am eigenen Campus diniert, in der Biomensa ab und zu vorbeischauen. Ihm ist nicht nur gesunde Ernährung wichtig. Er freut sich auch über die Initiative des Studentenwerkes, bessere Qualität auf den Speiseplan zu bringen.

Mundus und Arazm sind allerdings in einem Punkt skeptisch: „Bio ist für mich ein ziemlicher In-Begriff. Daher möchte ich wissen, was am Angebot wirklich ‚Bio‘ ist. Mich interessiert neben den Zusammensetzungen der Nahrungs- und Zusatzstoffe besonders die Herkunft der Lebensmittel“, sagt Medizinstudentin Arazm.

Zum Foto: In Dresdens neuer Biomensa soll es mehr als nur Äpfel geben.
Foto: Amac Garbe

Eine Kerze für jede Stelle

Den Geowissenschaften der TU Dresden stehen massive Stellenstreichungen bevor

Von Anja Hilliger

Obwohl die Fachrichtung Geowissenschaften mehr Studierende als jede andere naturwissenschaftliche Fachrichtung an der TU Dresden hat, soll gekürzt werden.

Hunderte Kerzen brennen Mitte Dezember vorm Rektorat der TU Dresden. Damit möchte der Fachschaftsrat (FSR) Geowissenschaften ein Zeichen setzen. Grund dafür ist, dass das Rektorat bis 2015 einen Abbau von etwa 100 Stellen an der Uni umsetzen muss. Das wurde vom Sächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst per Hochschulentwicklungsplan vorgegeben. Die Gespräche laufen zwar noch, doch die Entscheidung scheint gefallen. Unter dem Motto „In Gedenken an unsere Bildung“ wurde nun eine Kerze für jede gefährdete Stelle angezündet.

Steigende Studierendenzahlen

„Die Staatsregierung geht davon aus, dass durch den demographischen Wandel die Studentenzahlen abnehmen werden. Es gab jedoch noch nie so viele Bewerbungen an der TU wie im letzten Semester. Die geburtenschwachen Jahrgänge sind längst an der Uni. Die in zwei Jahren nachfolgenden Jahrgänge werden bereits sukzessive wieder stärker besetzt sein“, weist Prof. Arno Kleber, Studiendekan der Geowissenschaften, auf die Widersprüchlichkeit hin.

Der sächsische Hochschulentwicklungsplan geht von sinkenden Studentenzahlen aus. Die Studienanfängerzahlen der Geowissenschaften steigen jedoch stetig – im letzten Semester um 8,3 Prozent. Dennoch ist die Fakultät vom künftigen Stellenabbau betroffen. Es geht um den Abbau von sechs Professuren mit 16 Folgestellen. Kay Schomburg, der sich im dritten Semester des Masterstudiengangs Raumentwicklung und Naturressourcenmanagement befindet, ist Mitglied im Geo-FSR und betont: „Das ist etwa ein Drittel der an der Fachrichtung Geowissenschaften vorhandenen Stellen. Geographie und Kartographie verlieren sogar über die Hälfte ihrer Stellen.“ Die Lehre für einige Studiengänge sei so nicht mehr gewährleistet. Deshalb wird die Immatrikulation zum Wintersemester 2012/13 für den Bachelorstudiengang Geographie sowie Geomedientechnik und Kartographie eingestellt. Wenn letzteres an der TU wegfällt, wird es an keiner Uni in Deutschland mehr möglich sein, reine Kartographie zu studieren.

Sinkende Forschungskraft

Im Ergebnis dieser Strukturanpassung bliebe dem Institut für Geographie nur der Studiengang Geographie für Lehrer, der dann von drei der bisher sieben Professuren abzudecken wäre. Doch auch hier wird die Qualität der Lehre abnehmen, sind sich Prof. Arno Kleber und Prof. Dominik Faust, Inhaber des Lehrstuhls Physische Geographie, einig: „An der TU werden hauptsächlich Gymnasiallehrer ausgebildet. Das heißt, sie werden später Geographie in der Oberstufe unterrichten. Dort sind sie auf Forschungskompetenz angewiesen, die sie an der TU dann nur noch schwer erwerben können.“

Auch die Geographie-Lehramtstudentinnen Henriette Pohl und Ireen Plato, beide im fünften Semester, fühlen sich unsicher: „Es ist, als würde man nur noch Lehramt studieren, ohne Geographie. Exkursionen fallen weg. Wie soll man da Erfahrungen sammeln?“ Ein Auslandssemester scheint nicht denkbar: „Wenn man wiederkommt, ist die jetzige Auswahl vielleicht nicht mehr gewährleistet.“

Unterstützung kommt von anderen Fakultäten. Steven Lerch studiert im dritten Semester Biologie und hat eine klare Meinung: „Die Geographie ist ein etablierter Studiengang. Fällt er weg, sinkt die Attraktivität der TU und von Dresden.“ Darum hat er wie die beiden Studentinnen eine Kerze vor dem Rektorat angezündet.

Knappe Regelstudienzeit

Auch Geographie-Erstsemester sind beunruhigt, obwohl im Wintersemester 2011/12 immatrikulierte Bachelorstudenten ihr Studium noch beenden können. „Wenn sie einigermaßen in der Regelstudienzeit bleiben“, mahnt Faust. „Wird eine Studentin zum Beispiel schwanger, wird es schwierig.“ Kleber fügt hinzu: „Wir sind darum bemüht, dass jeder Student zu seinem Abschluss kommt.“ In einem Brief an den Rektor vom 17. November 2011 baten die Professoren des Instituts für Geographie um eine sachliche Begründung der Entscheidungen. Eine Antwort darauf steht noch aus. Auf „ad rem“-Nachfrage hieß es von Seiten des TU-Rektors Prof. Hans Müller-Steinhagen: „Es handelt sich um schwere Entscheidungen und harte Einschnitte. Da es sich bei den Strukturgesprächen um ein laufendes Verfahren handelt, können derzeit noch keine endgültigen Aussagen getroffen werden.“

Zum Foto: Allein auf weiter Flur: Wenn die TU Dresden den Geowissenschaften die Stellen streicht, könnte Kay Schomburg vom FSR Geowissenschaften bald im Hülsse-Bau der Uni recht einsam sein.
Foto: Toni Klemm


Geklautes Bücherwissen

Studenten fungieren in den Dresdner Hochschulbibliotheken auch als Bücherdiebe

Von Christian Schmidt

Jedes Jahr verschwinden Tausende Bücher aus den Büchertempeln deutscher Unis – „ad rem“ forscht in den Hochschulbibliotheken Dresdens nach.

Lesestoff gibt es in Arztpraxen wahrlich genug. Ob Apotheken-Umschau, Tageszeitungen oder Baby-Ratgeber, alles keine Unbekannten in Warteräumen. Aber ein Buch aus der Sächsischen Landes-, Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB)? Das ist dann doch etwas ungewöhnlich. Ein Freund von Katrin Matteschk, Mitarbeiterin der SLUB, betreibt eine eigene Arztpraxis in Dresden und schaute nicht schlecht, als der Fund bei ihm gemacht wurde. „Natürlich kann im Nachhinein nicht mehr genau festgestellt werden, wie das Exemplar dort hingelangt ist“, berichtet sie. Dennoch liegt der Verdacht nahe, dass es entwendet und später in der Arztpraxis wieder entsorgt wurde.

Lückenlos im Regal

Ein Problem, mit dem viele Bibliotheken zu kämpfen haben – das Verschwinden von Büchern. So auch die Bibliothek der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Dresden. „Leider gibt es auch bei uns dieses Phänomen beziehungsweise Nutzer, die kriminelle Energien entwickeln“, sagt Bibliotheksleiterin Petra-Sibylle Stenzel.

Momentan verzeichnet die HTW bei einem Gesamtbestand von etwa 160 000 Medien ein Defizit von ungefähr 0,3 Prozent. Neben entwendeten Büchern sind dabei möglicherweise auch im Bestand verstellte Bücher oder welche, die sich gerade im Mahnverfahren befinden. „Wir wappnen uns dagegen, so gut es geht“, erklärt Stenzel. Bücher zu stehlen sei ein Delikt, bei dem sofort die Polizei informiert und Hausverbot ausgesprochen werden würde. „Bisher mussten wir aus diesem Grund allerdings noch nie die Polizei verständigen.“ Videoüberwachung und ein Sicherungssystem, durch das die einzelnen Medien gesichert werden sowie aufmerksames Personal versuchen, die Zahl der vermissten Medien gering zu halten.

Maßnahmen, auf welche auch die SLUB setzt, die aber dennoch Lücken aufweisen, wie Theresa Kipping berichten kann. Die 21-Jährige studiert Germanistik sowie Latein im fünften Semester und ist sehr oft in der SLUB anzutreffen. „Aus Versehen nahm ich einmal einige Bestandsexemplare mit nach Hause, ohne dass das Sicherungssystem ansprang“, erzählt sie. Auch Kommilitonen von ihr sei das schon passiert. Bekannt ist dieses Problem noch nicht, jedoch sei dies bestimmt nicht der Regelfall, versichert die SLUB.

Wie im Supermarkt

Da das Klauen von Büchern nicht die sicherste Methode ist, verlagern sich viele Studenten auf das Verstellen, damit niemand anders das Buch nutzen kann. Zwar können mangels Statistiken keine genauen Zahlen genannt werden, doch laut SLUB-Mitarbeiterin Katrin Matteschk ist dies das größere Problem. „Tatsächlich ist es oft wie im Supermarkt, wo manche Produkte auf einmal woanders liegen“, veranschaulicht sie. Bei Büchern ist dies jedoch problematischer, da sie meistens identisch aussehen und somit eine Korrektur sehr schwierig wird. Hierbei sind dann die Mitarbeiter gefragt, welche in ständigen Revisionen versuchen, Bücher an ihren richtigen Platz zu stellen. Doch ist dies bei circa fünf Millionen Bänden in der SLUB eine Mammutaufgabe. Auch die Zivilcourage der Studenten ist hier gefragt. Alles in allem versichert die SLUB, insgesamt zufrieden zu sein, dennoch wisse man nie genau, wie viele Bücher wirklich fehlen oder verstellt sind. Oftmals kommt manches erst Monate, teilweise sogar Jahre später ans Licht.

Theresa Kipping hat schlussendlich ihre Bücher sofort wieder zurückgegeben. „Alles andere wäre auch einfach unfair gegenüber meinen Mitstudenten gewesen“, sagt sie.

Zur Karikatur: Ob Bücherklau oder nur Bücherumstellen, beides kann in der Unibibliothek gefährlich sein!
Karikatur: Norbert Scholz

Stärkt ihnen den Rücken!

Und jährlich grüßt der Wahlzettel: Studierende der TU Dresden können Kreuze verteilen

Von Sabine Schmidt-Peter

Kurz vor Jahresende haben Studierende die Chance, ihren studentischen Vertretern den Rücken zu stärken: Vom 22. bis zum 24. November wird an der TU Dresden gewählt.

Die Demonstration in Leipzig am vergangenen Montag macht deutlich: Zufrieden sind die sächsischen Studierenden nicht. Umso erstaunlicher ist es, wie wenig Beachtung sie ihrem Recht an universitärer Mitbestimmung schenken. Mit 22,29 Prozent beteiligten sich an der TU Dresden im vergangenen Jahr so wenig Studierende wie nie an der Wahl der Fachschaftsräte (FSR). Gerade einmal jeder fünfte gab seine Stimme ab.

Spitzenreiter in Sachen Wahlbeteiligung war mit 42,51 Prozent wieder einmal der FSR Verkehr. Der FSR Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaften schaffte es hingegen gerade einmal auf 12,19 Prozent und hatte damit die geringste Wahlbeteiligung. Auch der FSR der Philosophischen Fakultät gehört seit Jahren zu den Schlusslichtern in Sachen Wahlbeteiligung. „Es ist bedauerlich, dass wir nunmehr schon ‚traditionsgemäß‘ zu den Wahlverlierern gehören. Wir haben uns diesbezüglich, wie alle anderen Fachschaften, unsere Gedanken gemacht“, erklärt Richard Heimann. Der Finanzverantwortliche des FSR Philosophie möchte die geringe Wahlbeteiligung aber nicht auf eine schlechte Arbeit seines FSR zurückführen, dennoch wäre es in seinen Augen wünschenswert, die Arbeit des FSR noch stärker in das studentische Leben an der Fakultät einzubinden.

„Hier haben wir in der vergangenen Legislatur mit unserer Arbeit angesetzt“, erklärt Heimann. „Wir haben versucht, an unserer Außenwirkung zu arbeiten, indem wir vor allem medial wesentlich präsenter waren.“ So habe man beispielsweise angeschoben, den Newsletter auszubauen und die Internetseite besser zu strukturieren und aktueller zu gestalten. Auch auf die anstehende Wahl ist der FSR vorbereitet. Mit Plakataktionen soll versucht werden, die Studierenden der Philosophischen Fakultät zu erreichen und auf die Wahl aufmerksam zu machen. Außerdem wird es auch in diesem Jahr wieder eine Broschüre geben, in der sich die Kandidierenden vorstellen. Einen wesentlichen Grund für die mangelnde Beteiligung der Studierenden an den Wahlen sieht Heimann in der begrenzten Kandidatenauswahl. „Es ist unschwer nachzuvollziehen, dass eine Wahl, bei der ohnehin fast alle Kandidierenden in das zu wählende Gremium einziehen, nur geringen Anreiz bietet sich überhaupt zu beteiligen“, erklärt er. Schuld an der rückläufigen Bereitschaft für einen FSR zu kandidieren, ist seiner Meinung nach insbesondere der begrenzte zeitliche Rahmen, der den Studierenden in den Bachelor- und Masterstudiengängen für soziales Engagement zu Verfügung steht.

Eine hohe Beteiligung an den Wahlen in der kommenden Woche wäre wünschenswert. Sie würde nicht nur verdeutlichen, dass den Studierenden ihr Recht auf Mitbestimmung keineswegs egal ist, sondern würde auch den studentischen Vertretern – die sich schließlich für unsere Interessen einsetzen – den Rücken stärken. Denn mal ehrlich, wie glaubwürdig kann ein studentischer Vertreter schon auftreten, der nur von einer Minderheit gewählt wurde?

Zur Karikatur: Vielleicht wäre das Interesse größer, wenn die Kandidaten etwas bekannter wären?!
Karikatur: Norbert Scholz

WAHLINFOS.

  • Wahltermin: Vom 22. bis 24. November werden an der TU Dresden die Fachschaftsräte, die Fakultätsräte, der Senat sowie der erweiterte Senat gewählt. In allen Gremien sitzen auch Studenten.
  • Ort und Zeit: Wo und wann Ihr Eure Vertreter wählen könnt, erfahrt Ihr auf der Internetseite des Studentenrates.
  • Fachschaftsrat: Vertritt die Interessen der Studierenden seiner Fachschaft. Bei Fragen und Problemen im Studium ist er für Studierende eine erste Anlaufstelle.
  • Fakultätsrat: Ist das zentrale Entscheidungsgremium an einer Fakultät zu dessen Aufgaben unter anderem der Erlass der Prüfungsund Studienordnungen zählt.
  • Senat: Ist das wichtigste und mächtigste Gremium der Uni, hier werden Entscheidungen von grundsätzlicher Bedeutung für Lehre und Forschung getroffen.
  • Erweiterter Senat: Ist zuständig für die Wahl und die Abwahl des Rektors.


Ein Kreuz für Dein Projekt

Warum Ihr sie wählen solltet, hat „ad rem“ Eure Vertreter gefragt

Umfrage: Sabine Schmidt-Peter
Fotos: Amac Garbe

Alle Fachschafträte, kurz FSR, der TU Dresden haben wir gefragt, vier haben geantwortet – und erklären, warum Ihr die Wahl vom 22. bis 24. November keinesfalls verpassen solltet.

Lorenz Wünsch, FSR Verkehr:
In Zeiten von Verwaltungsreform und Stellenkürzungen ist es wichtig, dass die Belange der Studierenden über FSR- und Gremienarbeit die Entscheidungsträger erreichen. Bei den diesjährigen Wahlen sollte die gesamte Studentenschaft durch eine hohe Wahlbeteiligung demonstrieren, dass sie die studentische Selbstverwaltung als unverzichtbaren Bestandteil der Hochschullandschaft unterstützt.


Marcel Sauerbier, FSR Biologie:
Ihr solltet wählen, weil Ihr damit indirekt die Projekte der studentischen Vertretung bestimmt. Diese hängen immer an Menschen. Wählt Ihr Partylöwen in den FSR – bekommt Ihr Partys. Wählt Ihr Kandidaten mit Helferkomplex, bekommt Ihr eine Sprechstunde. Außerdem stehen mehr Stimmen für mehr Rückhalt. Ein Vertreter mit 200 Wählerstimmen wird gegenüber der Hochschule selbstbewusster auftreten können als ein Vertreter, der mit drei Stimmen gewählt wurde.

Michael Junghannß, FSR Allgemeinbildende Schulen:
Studierende sollten wählen gehen, um ihren Interessen, Wünschen und Problemen ein Gesicht zu geben. Wahlen sind für sie die ideale Möglichkeit, studentische Mitbestimmung in allen Gremien zu unterstützen. Gleichzeitig bekommen sie die Chance, herauszufinden wer ihre Ansprechpartner für Probleme oder sonstige Anliegen im Studium sind. Außerdem macht Demokratie immer viel Spaß.


Heinrich Uhlmann, FSR Maschinenwesen:
Studenten sollten wählen, um ihr Recht auf Mitbestimmung zu nutzen. Vor einigen Jahren wurde in Dresden mit der Besetzung von Hörsälen auf die schlechten Lehrverhältnisse hingewiesen und allgemeine Mitbestimmung gefordert. Diese Mitbestimmung können die Studenten, die wählen gehen, mittragen und stärken damit jedes Mitglied des künftigen FSR. Wenn man nur von zehn Prozent der Fachschaft getragen wird, ist es schwierig, als ordentliche Vertretung vor Professoren, der Fakultät oder der Universität aufzutreten.


Auch AD ACTA nimmt die FSR-Wahlen ins Visier:

Herbststurm auf Wahlurne

Skandal nach TH-Forderung

Es ist ein bunter Herbst: Mit riesigen Wahlplakaten, Flashmobs, Prospekten und Protestaktionen wird an sächsischen Unis für die Fachschaftswahlen geworben.

An der TU Dresden werden Ende November die Urnen zur Fachschaftsratwahl gestürmt: Jeder will seine Kandidaten in das stark umworbene Gremium bringen. Wirklich beachtenswert sind die Prognosen: Mindestens satte 80 Prozent Wahlbeteiligung werden in allen Fakultäten vorausgesagt. Der Studentenrat weiß dafür eine Antwort: „Das kann man nur Demokratiegeilheit nennen“, stöhnt eine Sprecherin gegenüber AD ACTA über die Mehrarbeit. Ein Kandidat bestätigt sie ungefragt: „Ich habe richtig Bock auf das Ganze!“ Durch Gremienarbeit eine historische Situation mit Engagement und Leidenschaft mitzugestalten – das sei, was er jetzt unbedingt machen möchte. Da hänge er auch gerne noch ein Semester dran.

Selbst an der Philosophischen Fakultät ist Begeisterung zu spüren. In den letzten Jahren war hier die Wahlbeteiligung mit am geringsten. Nun haben die Koordinatoren noch zwei 20-Liter-Fässer Glühwein nachbestellt. Nur bei einem Kandidaten, der für den Fachschaftsrat Maschinenwesen antreten wollte, ging eine allzu forsche Parole nach hinten los: Er hatte – entsprechend der Ausrichtung – die Rückstufung zur Technischen Hochschule gefordert. Daraufhin wurde er vom Rektorat der künftigen Exzellenzuni heimlich von der Wahl ausgeschlossen.

Zum Foto: Bereits Ende Oktober wurde an der Hochschule Zittau-Görlitz gewählt: An der Wahlurne, die im fünften Stock vom Kaisertrutz stand, bildeten sich lange Schlangen, die Studenten mussten insgesamt drei Stunden warten.
Foto: AH


Nur BAföG schützt vor GEZ

Gericht urteilt: Studienkredit bald kein Grund mehr für eine Gebührenbefreiung

Von Tobias Hoeflich

Studenten brauchen nur dann keine Rundfunkgebühr zu zahlen, wenn sie Ausbildungsförderung erhalten. Doch 2013 müssen auch sie ran – wahrscheinlich.

Schon GEZahlt? Ja, sagt Felix Rodig. Jeden Monat 17,98 Euro. Viel Geld für den Maschinenbau-Student im fünften Semester an der TU Dresden. Warum er zahlt? „Ich wohne in einer Ein-Raum-Wohnung, die ein Verbergen des Fernsehers ziemlich erschwert“, sagt der 21-Jährige mit einem Augenzwinkern. Und betont aber, die Gebühr nicht grundlegend abzulehnen, allenfalls Teile des Programms. Zum Beispiel königliche Hochzeiten, die parallel von mehreren Sendern übertragen werden – mit jeweils eigener Berichterstattung. „Aber es ist ja jedem selbst überlassen, ob und in welchem Maß er Rundfunkmedien nutzt.“ Deshalb, findet er, dürfe niemand von der Gebühr befreit werden. Auch BAföG-Empfänger nicht. Nicht jeder zahlt so bereitwillig wie Felix Rodig. Oftmals werden Briefe der Gebühreneinzugszentrale (GEZ) nicht beantwortet, Rundfunkgeräte nicht aufgeführt. Oder es wird geklagt, wie es eine Studentin kürzlich tat. Sie nahm statt des BAföGs einen Studienkredit in Anspruch, sollte dennoch die Gebühr bezahlen. Die Klägerin sah sich ungleich behandelt und argumentierte, ihr Lebensunterhalt werde zu ähnlichen Bedingungen wie denen eines BAföG-Empfängers finanziert.

So verfügte sie über kein eigenes Einkommen, hatte jedoch auch keinen Anspruch auf Ausbildungsförderung. Mit dem Studienkredit lebte sie auf Pump – wie beim BAföG. Weder das Verwaltungsgericht Gießen, noch das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig folgten ihrer Argumentation. Begründung: Allein ein niedriges oder fehlendes Einkommen genüge nicht für eine Befreiung von der Rundfunkgebühr. „Maßgeblich ist vielmehr, dass eine bestimmte staatliche Sozialleistung bezogen wird“, heißt es in der Urteilsbegründung. Befreit sind demnach neben BAföG-Empfängern unter anderem auch Behinderte und Arbeitssuchende.

Ab 2013 könnte auch damit Schluss sein. Wie die Ministerpräsidenten der 16 Bundesländer im vergangenen Jahr beschlossen, wird die Rundfunkgebühr reformiert. Gezahlt wird dann pro Haushalt – unabhängig davon, ob überhaupt ein Empfangsgerät vorhanden ist.

Noch unklar ist, ob die derzeit von der Gebühr befreiten Gruppen auch weiterhin nicht zahlen müssen. „Nach derzeitigem Erkenntnisstand ist diese Frage bisher noch nicht geklärt“, heißt es bei der GEZ-Zentrale in Köln auf „ad rem“-Nachfrage. Aber: Paul Kirchhof, Steuerrechtler und Mitinitiator der GEZ-Reform, sprach sich dafür aus, dass auch diese künftig zahlen. Die Sonderbehandlung für BAföG-Empfänger wäre dann vorbei.

Zur Karikatur: Schwarzsehen wird in Zukunft noch schwieriger werden …
Karikatur: Norbert Scholz


RUNDFUNKGEBÜHRENINFOS.

  • Die Gebühr: In Deutschland besteht für die öffentlich-rechtlichen Fernseh- und Rundfunkanstalten eine gesetzliche Gebührenpflicht. Sie beträgt derzeit 5,76 Euro für Radio und/oder neuartige Empfangsgeräte (zum Beispiel PC, internetfähige Handys) und 17,98 Euro für einen Fernseher. Die Gebühreneinzugszentrale (GEZ) zieht die Gebühren im Auftrag der Öffentlich-Rechtlichen ein.
  • Die Reform: Ab 2013 wird die Gebühr nicht mehr pro Kopf und gestaffelt nach Gerät, sondern pauschal pro Haushalt erhoben. Sie soll zunächst 17,98 Euro betragen – für Nutzer, die bisher nur für ein Radio und/oder neuartiges Empfangsgerät zahlten, ist das eine Steigerung um über 200 Prozent. Gezahlt werden muss auch, wenn kein Gerät vorhanden ist.
  • Die Ausnahmen: Nicht zahlen muss bisher, wer kein Empfangsgerät hat. Von der Gebühr befreit ist, wer staatliche Unterstützung erhält – zum Beispiel Empfänger von Arbeitslosengeld, Grundsicherung, Pflegezulagen oder BAföG. Ob das auch nach der Reform so bleibt, ist noch unklar.


Veggi-Tag in Dresden

Einmal im Monat fleischfrei

Von Maria Schulze

Seit dem vergangenen Semester gibt es jeden zweiten Mittwoch einen vegetarischen Tag in der Neuen Mensa Dresden. Heute ist es wieder soweit. Doch das Experiment ist auf acht Versuche begrenzt.

Heute (9.11.)  ist Veggie-Tag. Und damit wieder die Gelegenheit, abwechslungsreiche und gesunde Gerichte zu probieren. In Anlehnung an die Kampagne des Vegetarierbundes, derartige Tage deutschlandweit zu etablieren, haben sich die Neue Mensa Dresden und die Studenteninitiative „mensa universale“ zusammengetan. Die versuchsweise monatlich stattfindenden Veggie-Tage sollen Alternativen zu Fleischgerichten bieten und auf die bestehenden ökologischen und ethischen Probleme hinter der Nahrungsmittelproduktion hinweisen, wie die Tierhaltung oder die große Ressourcenverschwendung.

Neue Ziele in grün

Es ist der sechste Veggie-Tag von insgesamt acht, die es dann in zwei Semestern gegeben hat. Danach endet das vegetarische Experiment. Für Ralf Reinhardt, den Leiter der Neuen Mensa, ist damit aber nicht die Förderung der pflanzlichen Ernährung abgeschlossen. „Ziel ist es, dauerhaft vegetarisches und veganes Essen in die Mensa zu bringen und das Angebot dafür möglichst vielfältig und interessant zu gestalten“, meint Reinhardt und hat Pläne für weitere Projekte.

So soll es eine Auszeichnung der Klimabilanz mit einem CO2-Fußabdruck geben und die vegane Kennzeichnung von Gerichten dauerhaft eingeführt werden.

Damit die Ideen auch umgesetzt werden, wird die „mensa universale“ weiter mit dem Dresdner Studentenwerk und der Mensa zusammenarbeiten. Als Arbeitsgruppe der Umweltinitiative der TU Dresden will sie darauf einwirken, die Herkunft der Nahrungsmittel transparenter zu machen und den Anteil an pflanzlichem, gesundem und nachhaltigem Essen zu erhöhen.

Enttäuschende Bilanz

An den beiden noch stattfindenden Veggie-Tagen gibt es Infostände und Umfragen, um die Studierenden zu informieren und Meinungen einzuholen. Aber da die Anzahl der ausgegebenen Essen an dem Tag immer geringer ausfällt, ist er nicht wirtschaftlich genug für die Mensa.

Julia Mertens von „mensa universale“ hat viele positive Rückmeldungen von Mensagängern erlebt, aber auch immer wieder Studenten gesehen, die wieder gehen, weil es an dem Tag außer in der Cafeteria kein Fleisch in der Mensa gibt.

Von der Bilanz, nach der etwa 10 bis 20 Prozent weniger Essen ausgegeben wurden, ist Julia Mertens enttäuscht. „Es ist zwar ein Erfolg, dass es den Tag in der zweitgrößten Mensa Dresdens gibt, aber anscheinend ist das Interesse daran zu gering. Der Tag sollte zeigen, dass vegetarisches und veganes Essen kein Verzicht bedeutet, sondern eine kulinarische Bereicherung ist.“ Sie möchte das Bewusstsein für Ernährung erhöhen, dafür, was die Produktion von Lebensmitteln für Umwelt, Tiere und Menschen bedeutet. Für sie bleibt der Tag eine zeitlich begrenzte Aktion auf dem Weg zu nachhaltigerem Konsum in den Dresdner Mensen.

Zur Karikatur: Nicht alle sind vom Veggi-Tag begeistert …
Karikatur: Norbert Scholz


„Es wird keine perfekte Uni geben!“

Zwei Studentinnen berichten über ihren Alltag an der TU Dresden und im Rollstuhl

Von Jana Schäfer

Der Campus der TU Dresden ist nicht immer freundlich zu Rollstuhlfahrern. Doch wer lernt, Unterstützung einzufordern, bahnt sich seinen Weg.

Katharina Kohnen sitzt aufgrund einer Muskelerkrankung im Rollstuhl. Der 19-Jährigen steht rund um die Uhr ein Assistent zur Seite. „Sie geben mir ein Gefühl der Sicherheit“, sagt Kohnen, die im ersten Semester Kartographie an der TU Dresden studiert. Heute kümmert sich eine junge Rettungsassistentin, wenn ihr ein Bleistift runterfällt, den sie von ihrem hohen elektrischen Rollstuhl aus nicht aufheben kann. Oder wenn ein Einkauf im Copy-Shop ansteht.

Viele Rucksäcke im Gesicht

Katharina Kohnen fühlt sich wohl an der Uni, auch wenn zum Studienbeginn nicht alles geklärt war. So fehlte im Hörsaal ein Tisch, ihre Mitschriften verfasste sie umständlich auf dem Schoß. Doch für solche Probleme hat die Studentin Kontakt zum Fachschaftsrat geknüpft, der ihr den Tisch besorgte. Froh war sie auch, als ein Dozent den Physikunterricht von einem nicht-barrierefreien in ein modernes Gebäude verlegte. Auch zum Vorteil der Kommilitonen. Nicht jeder ist so aufmerksam: „Oft spreche ich bei Problemen selbst die Leute an.“

Wenn die junge Frau mal nicht mit dem Auto, sondern dem Bus fährt, streift der eine oder andere Rucksack ihr Gesicht. Trotzdem fährt sie gern mit den Öffentlichen: „Ich werde ein Teil der Studentenmasse, gehöre dazu.“

Nicole Karpa verlor mit neun Jahren durch einen Autounfall ihr Bein. Mitleid möchte die 33-Jährige nicht, die im Master Germanistik und Geografie auf Lehramt studiert. Sie geht offen mit ihrer Behinderung um, bewahrt sich so viel Autonomie wie möglich. Hilfe fordert sie selbstbestimmt ein. „Man muss Eigeninitivative zeigen, um das Studium zu bewältigen“, findet sie.

Der Traum vom Asphalt

Nicole Karpa wird es ermöglicht, die Seminare zu besuchen, die sie interessieren – auch wenn sie ihren Stundenplan entsprechend den Räumlichkeiten ausrichten muss, um diese in den Pausen zu erreichen. Doch oft sind es die alltäglichen Dinge, die das Leben schwer machen. Manche Wege zu den Gebäuden werden für sie zu einer kleinen Odyssee. Barriefreie Eingänge, ausgestattet mit Rampen und automatischen Türen, befinden sich nur in den hinteren Gebäudeteilen – Umwege, die über Schotterpisten führen. „Asphaltierte Wege überall – das wäre ein Traum!“ seufzt sie.

Am wenigsten mag Nicole Karpa die Zeunerstraße 1. Dort sitzt ihre Fakultät, aber der Weg dahin ist steil, das Gebäude nicht barrierefrei. Die Hausarbeiten bespricht sie deshalb lieber gemütlich mit den Professoren in der Cafeteria der Bibliothek.

Nachteile wie schwer befahrbare Umwege, wenige behindertengerechte Toiletten und der hohe Organisationsaufwand demotivieren die beiden Frauen nicht. Unabhängig voneinander sind sie sich einig: „Es wird keine perfekte Uni geben!“ Aber Katharina Kohnen und Nicole Karpa können und wollen damit gut leben.

Zu den Fotos: Im Rolli an der Uni: Für Katharina Kohnen (1. Foto) und Nicole Karpa (2. Foto) birgt der Studienalltag Vor- und Nachteile.
Foto: Amac Garbe


Exzellenz heißt längst nicht mehr nur Bildung

Die Bedingungen für körperbehinderte Studenten an Dresdner Hochschulen – ein exemplarischer „ad rem“-Überblick

Von Anja Hilliger

Menschen mit Behinderung werden im Unialltag oft durch mangelnde Barriefreiheit ausgegrenzt – an manchen Hochschulen bessert sich das.

Das Fazit zuerst: An den Dresdner Hochschulen hat sich einiges getan, der Bedarf ist dennoch groß. So hat die Hochschule für Musik alle Voraussetzungen geschaffen, damit behinderte Studenten problemlos studieren und an den Veranstaltungen barrierefrei teilnehmen können – auch wenn das recht wenige sind. „Vor einiger Zeit hat jedoch ein gehbehinderter Musikwissenschaftler eine Assistenz wahrgenommen und seine Promotion bei uns geschrieben“, erklärt der Rektor der Musikhochschule, Ekkehard Klemm. „Gegenwärtig sind wir sehr gespannt und freuen uns auf eine fast erblindete koreanische Studentin, deren Traum es ist, Pianistin zu werden.“ Man wolle versuchen, ihr die Voraussetzungen zu einem erfolgreichen Studium zu schaffen. Was dafür konkret zu tun ist, werde sich im Laufe ihres Studiums zeigen.

An der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) achten die Schwerbehindertenvertretung (SBV) und das Technikdezernat darauf, dass bei Rekonstruktionen, Sanierungen und Neubauten in Abstimmung die Vorschriften zum behindertengerechten Bauen beachtet werden. Vor allem die Barrierefreiheit für Rollstuhlfahrer und Gehbehinderte ist wichtig. Alle Gebäude verfügen über für Rollstuhlfahrer geeignete Zugänge. „Darüber hinaus gehende Anforderungen für Menschen mit anderen Behinderungen wurden aus baulicher Sicht nicht umgesetzt“, sagt Bernd Hamann vom Dezernat Technik der HTW.

Cornelia Hähne von der SBV der Arbeitnehmer der TU Dresden hat eine klare Meinung: „Es wurden zwar beispielsweise Induktionsschlaufen zum besseren Hören für Hörgeschädigte in allen neuen Hörsälen angebracht, aber der Bedarf nach mehr Verbesserung ist groß. Es gibt noch keine Barrierefreiheit.“ Die Probleme beginnen schon bei der Internetpräsenz der TU. Die sei für Sehbehinderte kaum nutzbar, weil sie nicht vergrößert werden könne. Nicht einmal eine akustische Variante gebe es. Dazu gehört auch die Homepage von Prof. Rainer Spallek, der an der TU Ansprechpartner für Studenten mit Handicap ist. „Bei ihm und uns wird niemand weggeschickt,“ versichert Hähne. „Wir versuchen jedem zu helfen.“ So gut es geht, denn die SBV hat ihren Sitz in Räumlichkeiten ohne Fahrstuhl, dafür mit einem Aufgang, der so hoch und eng ist, dass er jedem Rollstuhlfahrer den Zutritt verwehrt. „Diese Situation ist paradox“, sagt Hähne, „zu einer Exzellenz-Uni gehören eben nicht nur Bildung und Kinderfreundlichkeit.“

Netzinfos: Schwerbehindertenvertretung TU Dresden, Schwerbehindertenvertretung HTW Dresden

Zum Foto: Cornelia Hähne setzt sich mit ihrem Team an der TU Dresden
für die Interessen von Behinderten ein.
Foto: Amac Garbe


Spanischzukunft in den Sternen

Kompromissvorschlag könnte Romanistik an der TU Dresden retten

Von Thomas Kasperski

Seit mehr als einem Jahr kämpfen Studenten und Professoren, um die
Romanistik der TU Dresden zu erhalten. Nun steht ein Kompromissvorschlag im Raum, der Hoffnung schürt.

Jens Beier ist Student an der Fakultät Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaften der TU Dresden. Und er ist wütend. Der Grund: Bis 2020 sollen an der TU Dresden 300 bis 500 Stellen gestrichen werden. Dies plant das Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst. Das könnte nicht nur Professoren treffen, sondern auch Mitarbeiter, Lektoren und Sekretärinnen. An Beiers Fakultät steht die merkwürdige Zahl von 10,5 zu streichenden Stellen im Raum. „Allein am Institut für Romanistik sollten bisher neun Stellen wegfallen“, erklärt er, „darunter die gesamte Hispanistik.“ Darauf hatte sich der Fakultätsrat Mitte Juli verständigt. Die endgültige Schließung der Hispanistik wurde nun am vergangenen Mittwoch beschlossen.

Beier kritisiert, dass das Dekanat und nicht der Fakultätsrat – in dem auch zwei Studentenvertreter sitzen – über die Stellenstreichungen entscheidet. „Der Fakultätsrat, der eigentlich das demokratisch legitimierte Gremium wäre, diskutiert kaum noch über so schwerwiegende Dinge wie Personalentscheidungen.“ Zudem ist es für ihn unverständlich, dass der Tagesordnungspunkt „Strukturplanung“ vom öffentlichen in den nicht öffentlichen Teil der Sitzung am vergangenen Mittwoch verlegt wurde. „Auch das sehr beliebte und fachübergreifend genutzte Begleitstudium Regionalwissenschaften Lateinamerika soll bis 2013 abgeschafft werden“, erklärt Beier.

Die Studenten des Instituts für Romanistik wissen seit November 2010 von den Kürzungsplänen und haben seitdem mehrfach dagegen protestiert. Nun hat das Dekanat einen Kompromissvorschlag unterbreitet. Laut diesem, sollen am Institut für Romanistik nur noch vier anstatt neun Stellen gestrichen werden, das Institut somit erhalten bleiben. Weitere Eckdaten oder ein Fahrplan, wie es weitergehen soll, wurden nicht genannt. In der Antwort auf eine parlamentarische Anfrage von Holger Mann (SPD) zum Thema heißt es aus dem Ministerium für Wissenschaft und Kunst: „Eine konkrete Zielvereinbarung mit entsprechenden Streichungen liegt noch nicht vor, die Gespräche darüber laufen noch.“ Das Ministerium verweist zudem auf die Autonomie der Hochschulen und macht Vorgaben, wieviele Stellen an den sächsischen Hochschulen gestrichen werden sollen. Die Realität vor Ort scheint nicht zu interessieren.

Jens Beier bleibt skeptisch. „Mit dem Kompromissvorschlag ist nicht gesagt, wo die anderen 6,5 Stellen gekürzt werden.“ Zudem hätten er und seine Mitstreiter „das Große und Ganze im Blick“. Das Streichen von Stellen sei kein Naturgesetz, mahnt er an, und auch, dass sich „alle Betroffenen solidarisch miteinander zeigen sollten“. Eine Möglichkeit dazu bietet sich am 14. November in Leipzig. Dort wollen Studierende gegen Kürzungen an ihrer Universität protestieren. Und setzen dabei auch auf Unterstützung aus Dresden.

Zum Foto: Romanistikstudent Jens Beier ist sauer über die Kürzungspläne des Wissenschaftsministeriums. Am 14. November geht er zur großen Demo gegen die Stellenstreichungen an den sächsischen Unis auf die Straße.
Foto: Toni Klemm


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Datenskandal in Dresden

Aus dem Kessel ins Gericht

Die Blockierer vom Februar 2011 sollen sich verantworten – das trifft auch Studenten

Von Christiane Nevoigt

Am 19. Februar verhinderten 20 000 Menschen den Aufmarsch der Neonazis in Dresden. Einige stehen deshalb nun vor Gericht – einer zweifelhaften Beweislage zum Trotz.

Ein bunt zusammengewürfelter Haufen Menschen, jung und alt, mit und ohne akkurate Dreadlocks, sammelt sich am vergangenen Mittwoch vor dem Amtsgericht Dresden. Dazwischen ein Banner mit der Aufschrift „Ziviler Ungehorsam ist legitim“. Im Gerichtssaal gibt es nur noch Stehplätze. Und selbst die werden noch gefüllt.

Vor Gericht steht ein Student der TU Dresden. Dem 22-jährigen Daniel H. wird vorgeworfen, am 19. Februar 2011 die Kreuzung der Fritz-Löffler-Straße/Reichenbachstraße mit rund 1 700 weiteren Demonstranten gegen einen Neonazi-Aufmarsch blockiert zu haben. Die Polizei registrierte etwa 250 Beteiligte, die angeklagt werden sollten. Allen bot die Staatsanwaltschaft Dresden an, die Verfahren gegen die Auflage unterschiedlich hoher Geldsummen einzustellen. Über 150 der Demonstranten haben das Angebot angenommen und das Geld bezahlt. Einige legten Einspruch gegen den sogenannten Strafbefehl ein und ließen es auf ein Verfahren ankommen – auch Daniel H. „Ich habe mir an diesem Tag nichts zu Schulden kommen lassen. Wenn ich darauf eingegangen wäre, hätte ich meine Schuld eingestanden“, sagt der Kartografiestudent.

Der Prozess gegen ihn ist der erste gegen einen Blockierer nach Paragraph 21 des Versammlungsgesetzes. Zwei weitere Termine gegen andere vermeintliche Blockierer wurden in der vergangenen Woche kurz zuvor abgesagt. In der ersten Zeugenvernahme hatte ein Kölner Polizist ausgesagt. An den Angeklagten konnte er sich nicht erinnern. Als Beweismittel soll ein Polizeivideo dienen. Es zeigt unterschiedliche Szenen vom Nachmittag des 19. Februars auf der Kreuzung vor dem Studentenwerk. Dort hatte zu diesem Zeitpunkt eine angemeldete Spontandemonstration stattgefunden. Zwei Stunden nach deren Auflösung kesselte die Polizei die dort befindlichen Personen ein. Die Beweislage gegen Daniel H. ist auch deswegen nicht eindeutig, denn bis dahin konnten auch immer wieder unbeteiligte Personen an der Versammlung teilnehmen. Es sei auch möglich, dass Passanten in den Polizeikessel gelangt seien, die gar nicht an der Blockade teilgenommen hätten, sagt seine Anwältin Kristin Pietrzyk. Das gehe auch aus dem Polizeivideo hervor. Ebenso sei zu diesem Zeitpunkt keine Neonazi-Demo mehr in der Nähe gewesen, die hätte blockiert werden können.

Juristisch ist die Lage schwieriger: Seit Januar 2010 gab es kein gültiges Sächsisches Versammlungsgesetz – das Sächsische Verfassungsgericht in Leipzig hatte es rückwirkend aufgehoben. Das hat auch der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages in einem Gutachten aufgezeigt. Demzufolge herrschte bis April 2011 eine „juristische Grauzone“, in der selbst das Strafmaß des Bundesversammlungsgesetzes nicht angewendet werden kann. Nach Aussage der Verteidigung wäre das Verfahren allerdings selbst mit bestehendem Versammlungsgesetz fragwürdig. „Die juristische Auffassung von Sitzblockaden ist seit vielen Jahrzehnten stark umstritten. Zahlreiche Urteile stellen Sitzblockaden unter den Schutz des Versammlungsgesetzes“, erklärt Pietrzyk. Nachweisbar ist die Beteiligung an einer Blockade nicht, denn auch die eine Million illegal erfassten Handydatensätze dürfen in dem Prozess nicht genutzt werden. Im Zuge des 19. Februars wurden so von mehr als 42 000 Menschen personenbezogene Daten erfasst und ausgewertet. Für Daniel H. ist unverständlich, wie man legitimen Protest gegen Neonazis in Sachsen kriminalisieren kann.

Aufgrund der uneindeutigen Beweis- und der unklaren Rechtslage scheint auch beim Gericht noch Klärungsbedarf zu bestehen. Der Prozess gegen Daniel H. wurde jedenfalls bis zum Dezember vertagt.

Zum Foto: Zu Recht gegen die braune Masse? Der Blockadeprozess gegen den Studenten Daniel H. wurde vertagt.
Foto: Amac Garbe

BLOCKADEFAKTEN.

  • Handydaten: Am 13., 18. und 19. Februar 2011 wurden mehr als eine Million Handydatensätze von mehr als 300 000 Anschlüssen und 42 000 Personendaten erfasst, die sich an diesem Tag in der Südvorstadt aufgehalten haben. Nach dem Gutachten des Sächsischen Datenschutzbeauftragten ist diese massenhafte Funkzellenabfrage rechtswidrig und verstößt gegen eine Vielzahl von Gesetzen.
  • Durchsuchungen: Die Razzia im „Haus der Begegnung“, in dem auch das Bündnis „Dresden Nazifrei“ sein Pressebüro am 19. Februar eingerichtet hatte, wurde für rechtswidrig erklärt. Weitere Durchsuchungen folgten bei dem protestantischen Jugendpfarrer Lothar König in Jena und bei vermeintlichen Blockadeteilnehmern in Dresden, Stuttgart und Berlin.
  • Blockaden 2012: Das Bündnis „Dresden Nazifrei“ veranstaltete zum Kampagnenstart Anfang Oktober eine Aktivierungskonferenz an der TU Dresden. Schon im Vorfeld wurde der Workshop zum Blockadetraining kriminalisiert – und anschließend abgesagt. Er soll in den kommenden Monaten nachgeholt werden.


Für ’nen Zehner vors Gericht

Die GAGFAH in Dresden erhöht ihre Mieten – das trifft auch Studenten

Von Tobias Hoeflich

Für rund 10 000 Wohnungen hat das Unternehmen Bescheide für Mieterhöhungen versendet. Ihre Forderungen setzt die GAGFAH hart durch. Aber: Kämpfen kann sich lohnen.

Die Mahnungen der GAGFAH stapeln sich auf Anton Müllers Schreibtisch. Der 21-jährige Verfahrenstechnik-Student im fünften Semester wohnt in der Dresdner Neustadt in einer Studenten-WG. Und in einem Haus der GAGFAH. „Im Juni erhielt ich das erste Mal Post“, erzählt der TU-Student. Der Inhalt: eine Forderung über zehn Euro mehr Miete pro Monat.

Kein Pardon

Das Unternehmen begründete die Mieterhöhung mit dem neuen Dresdner Mietspiegel, wonach die Quadratmeterpreise gestiegen seien. Das habe auch gestimmt, sagt Müller. „Aber sie führten Ausstattungsmerkmale an, die bei uns nicht gegeben sind.“ Zum Beispiel, dass die Wände im Bad über 1,50 Meter hoch gefliest wären. Und so gingen Anton Müller und sein Mitbewohner in Widerspruch. Nach vielen Briefen und Telefonaten ließ die GAGFAH von ihrer Forderung ab. Vorerst, wie es im letzten Schreiben heißt. Müller ist erleichtert, aber auch wütend: über die Art und Weise, wie mit Mietern umgegangen wird. Auf das Argument mit den Fliesen ging die GAGFAH zunächst nicht ein.

Post vom Anwalt

„Statt das zu überprüfen, sagte die Angestellte am Telefon nur, dass wir uns vor Gericht sehen würden.“ Und: Anton Müller weiß, dass nicht alle mit dem Widerspruch durchkamen. Ein befreundetes Pärchen im gleichen Haus, auch Studenten, hätte bereits Post von einem Anwalt bekommen. Bettina Benner, Pressesprecherin der GAGFAH, verteidigt die Erhöhungen. Mit der Klage der Stadt Dresden habe das nichts zu tun, sagt sie auf „ad rem“-Anfrage (siehe Infokasten). Vielmehr würden in regelmäßigen Zeitabständen die Mieten überprüft. „Das ist ein ganz normaler Prozess“, sagt sie. „Selbstverständlich halten wir dabei die mietrechtlichen Auflagen ein.“ Wie viele Studenten von den Mieterhöhungen betroffen sind, weiß Bettina Benner nicht. Darüber gebe es keine Statistiken. „Wir sprechen unterschiedliche Zielgruppen an, darunter fallen auch Studenten.“

„Die verzichten eben auf nichts“

Ein Widerspruch gegen die Erhöhung habe eher geringe Chancen, erklärt Mathias Wagner vom Dresdner Mieterverein. Zwar sei dies von Fall zu Fall unterschiedlich, „die meisten Forderungen sind aber korrekt“. Hier und da versuche die GAGFAH, die Grauzonen auszuloten. „Die verzichten eben auf nichts“, sagt er. Prozesskosten habe man nur einmal am Hals, eine Mieterhöhung aber dauerhaft. Wer davon überzeugt ist, dass die Erhöhung nicht gerechtfertigt ist, könne den gerichtlichen Weg durchaus einschlagen. „Das ist mit einer Rechtsschutzversicherung natürlich sehr viel einfacher.“ Bettina Benner von der GAGFAH betont aber, dass ein Prozess vermieden werden soll. „Oft kann eine außergerichtliche Einigung getroffen werden.“ Wie im Fall von Anton Müller.

Zur Karikatur: Wenn der Vermiter Geldsorgen hat, wird er kreativ!
Karikatur: Norbert Scholz


MIETERHÖHUNGSFAKTEN.

  • Das Unternehmen: Die GAGFAH ist ein Immobilienkonzern mit Sitz in Luxemburg. Deutschlandweit verfügt sie über 155000 Wohnungen, davon knapp 38 000 in Dresden. Diese erwarb sie 2006 durch die Übernahme der städtischen WOBA (Wohnungsbau) GmbH. Zum Schutz der Mieter wurde eine Sozialcharta verabschiedet.
  • Der Streit: Die Stadt Dresden hat die GAGFAH auf über eine Milliarde Euro verklagt. Grund sind angebliche Verstöße des Unternehmens gegen jene Sozialcharta. Die GAGFAH bestreitet dies und erhob ihrerseits Klage, weil der Aktienkurs des Unternehmens im Zuge des Streits mit Dresden abstürzte.
  • Die Erhöhungen: Für rund 10 000 ihrer Dresdner Wohnungen hat die GAGFAH Mieterhöhungsbescheide verschickt – etwa jede vierte ihres Bestandes. Maßgebend seien dabei rechtliche Auflagen und die Marktsituation. Das Unternehmen beruft sich dabei auf den 2010 neu erschienenen Mietspiegel. Mit der Klage der Stadt Dresden hätten die Forderungen nichts zu tun.


Geschmeidig über Bänke und Stühle

Im Kinderzirkus am Dresdner Universitätssportzentrum toben sich Knirpse richtig aus – ab Oktober mehr denn je

Interview: Matthias Schöne

Zirkus, Clowns und Akrobaten. Die Artistik für Kinder am Unisportzentrum Dresden geht ab Oktober in ihre zweite Runde.

Julia Magister studiert eigentlich Psychologie im achten Semester an der TU Dresden. Doch wenn sie nicht die Hörsaalbank drückt, leitet sie einen Unikinderzirkus und erzählt „ad rem“ über ihr Projekt.

Was hat Dich bewogen, Kinderartistik zu machen?

Artistik betreibe ich, seit ich ungefähr acht Jahre alt bin. Angefangen habe ich in einem Kinderzirkus in meiner Heimat Finsterwalde. Dort habe ich die unterschiedlichsten Zirkusdisziplinen kennengelernt, hatte Auftritte und es war mein allerliebstes Hobby. Als ich 2007 nach Dresden gekommen bin, habe ich beim Unisport geschaut, was es in Richtung Artistik gibt, und mich gemeldet, als Übungsleiter gesucht wurden. Der Zirkusspielplatz ist aber ganz neu, den haben wir 2010 ins Leben gerufen.

Was ist denn der Zirkusspielplatz?

Er ist ein Angebot, das sich an Studenten mit Kindern richtet und so erst seit dem letzten Sommersemester existiert. Die Kinder, zwischen zwei und sechs Jahre alt, sind die Hauptakteure. Ich leite den Kurs zusammen mit meiner Freundin Susanne Uhlig. Sie hatte auch die ursprüngliche Idee zum Kinderzirkus. Ich habe bis jetzt ja nur Studenten und in meinem Heimatverein die Jugendlichen trainiert, aber mit den ganz kleinen Kindern ist es für mich noch Neuland. Es ist eine tolle Sache, auch diese viel spielerischere Art und Weise kennenzulernen.

Wie läuft die Artistikstunde ab?

Als erstes gibt es eine Begrüßungsrunde, dann ein Erwärmungsspiel und danach spielerische Dehnung mit Bodenelementen. Die nennen wir Zirkustiere, da sich die Kinder wie Tiere über den Boden bewegen. Wenn die Eltern mitmachen, macht es natürlich noch mehr Spaß. Jede Woche ist ein anderes Thema dran. Es gibt ja im Zirkus ganz unterschiedliche Disziplinen, zum Beispiel Balancehalten auf einer großen Kugel oder Seiltanz. Später üben wir Jonglage und Akrobatik mit den Eltern als Untermänner. Die Kinder krabbeln dann an den Erwachsenen hoch und probieren verschiedene Figuren, wie den Flieger aus. Vieles ergibt sich in der Stunde von selbst. Man macht sich zwar vorher ein Konzept, aber meistens läuft es anders. Die Kinder sehen etwas Neues und haben andere Ideen. Wir disziplinieren die Kinder nicht, sondern beziehen ihre Ideen mit ein.

Habt Ihr Neues geplant?

Nächstes Semester wollen wir vielleicht noch mehr Kinder in den Kurs aufnehmen, weil der Andrang doch groß geworden ist.

Einschreibung am Dienstag (11.10., 17.30 Uhr), Training immer donnerstags (15.30 Uhr bis 16.30 Uhr, Nöthnitzer Halle 3). Die Einschreibung zu den übrigen Sportkursen findet ebenfalls am Dienstag (11.10., ab 16 Uhr) über die Internetseite des Universitätssportzentrums statt.

Netzinfos: www.usz.tu-dresden.de (Sportarten, Bewegung › Spiele und Sport für Eltern und Kinder › Zirkusspielplatz)

Zum Foto: Julia Magister liebt Artistik. Neben der Uni leitet sie einen Knirpszirkus.
Foto: Amac Garbe


Deutschlandstipendien erreichen TU Dresden

Zum neuen Semester können sich 150 von 36 000 Studenten der TU Dresden auf finanzielle Unterstützung freuen

Von Thomas Kasperski

Zum Sommersemester 2011 startete deutschlandweit ein neues Stipendienprogramm: Das Deutschlandstipendium. Zum Wintersemester gibt es die ersten an der TU Dresden.

Die Deutschlandstipendien sollen einkommensunabhängig Studierende aller Nationalitäten fördern, deren bisheriger Werdegang herausragende Studienleistungen erwarten lässt. Studierende aller staatlichen und staatlich anerkannten Hochschulen in Deutschland können sich für die Unterstützung bewerben, die 150 Euro vom Bund und 150 Euro von privaten Förderern umfasst.

Startschwierigkeiten hatte das Deutschlandstipendium allerdings an der TU Dresden. Dort werden erst jetzt, zum Wintersemester 2011/12 die ersten 150 Deutschlandstipendien vergeben. „Zum Umsetzen des Programms bedurfte es zuerst der Erarbeitung entsprechender universitärer Regularien – insbesondere der Vergabeordnungen“, lässt die TU Dresden verlauten.

Dass solch bürokratische Hürden auch schneller überwunden werden können, bewies unter anderem die TU Chemnitz. Dort wurden bereits zum vergangenen Sommersemester die ersten 13 Deutschlandstipendien vergeben. Immerhin gelingt es der TU Dresden zum Oktober die per Gesetz vorgegebene maximale Stipendienzahl für das Jahr 2011 zu vergeben, nämlich 0,45 Prozent aller Studierenden.

„Im zehnjährig angelegten Programm des Deutschlandstipendiums wird jedes Jahr die oben genannte Quote erhöht. Zum Ende des Programms sollen acht Prozent der Studierenden Stipendien erhalten“, erklärt Verena Leuterer, Dezernentin für Studium und Weiterbildung an der TU Dresden.

Von der Existenz des Stipendienprogramms scheinen mittlerweile viele Studenten gehört zu haben. Bis zum 24. August – dem Ende der Bewerbungsfrist für das kommende Semester – gingen mehr als 1 000 Bewerbungen für die 150 zu vergebenden Stipendien ein. 71 Stipendien werden von privaten Stiftern mitfinanziert, weitere 79 von der Gesellschaft von Freunden und Förderern der TU Dresden.

Befürchtungen, dass für diese Finanzierung lediglich Geldgeber aus der Industrie gewonnen werden können und Geisteswissenschaftler bei der Vergabe der Stipendien weniger berücksichtigt werden könnten, entgegnet Leuterer entschieden: „Das kann so nicht stehen bleiben, da zum Beispiel auch der Absolventenverein prophil sowie verschiedene Stiftungen als Finanziers gewonnen werden konnten.“ Tatsächlich sind für die Geisteswissenschaftlichen Fakultäten immerhin 52 der 150 zu vergebenen Stipendien vorgesehen.

Zum Foto: Geschenk zum Unistart: 300 Euro pro Monat legen Staat und Wirtschaft guten Studenten zusätzlich ins Körbchen.
Foto: Toni Klemm


Gern gesehene Knete?

Unfrage: Thomas Kasperski

Die Hochschulzeitung „ad rem“ hat sich auf dem Campus der TU Dresden umgehört, um zu fragen, was Ihr vom Finanzierungskonzept des neuen Deutschlandstipendiums haltet.

Sandra Brücher (2. Semester, Philosophie und Germanistik)
Ich finde es gut, dass das Stipendium je zur Hälfte vom Bund und je zur Hälfte von der Wirtschaft finanziert wird. Die Förderung könnte aber höher ausfallen.





Sylvia Gang (Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Institut für Angewandte Photophysik)
Ich finde es gut, dass die Industrie auch an der Finanzierung der Hochschulbildung beteiligt wird – schließlich profitieren die Unternehmen von einer guten Ausbildung am meisten.




Nico Bittner (6. Semester, Wasserwirtschaft)
Ich habe bisher überhaupt noch nichts von diesem Stipendienprogramm gehört, finde es aber gut, dass es einkommensunabhängig ist.






Merve Anderson (Doktorandin, Institut für Angewandte Photophysik)
Ich fände es viel besser, wenn die finanzielle Situation des Elternhauses stärker ins Gewicht fallen würde.






Fotos: Toni Klemm

Philosophische Grenzen der Algebra

Mathematik-Professor Stefan Schmidt vergleicht Deutsche gern mit Amerikanern

Von Susanne Magister

Auch Professoren kochen nur mit Wasser und verbringen ihre Zeit nicht nur im Hörsaal. „ad rem“ besucht Eure Hochschullehrer in ihrem Leben jenseits des Campus. Heute: Prof. Stefan Schmidt.

Die Wohnung im obersten Stockwerk des Gründerzeitwohnhauses in der Dresdner Neustadt gleicht einer rustikalen Puppenstube. Stefan Schmidt, Professor für angewandte Algebra an der TU Dresden, sieht noch etwas abgehetzt aus, als er an dem antiquierten Sofa vorbei gen Küche läuft und mit Getränken samt Kelchgläsern zurückkehrt. In den letzten Wochen vor Semesterende ist das Professorendasein besonders stressig. Neben seinen Mathematikstudenten bereitet er auch Informatikund andere Ingenieurstudenten auf ihre Prüfungen vor. Für viele ist Mathematik nicht gerade das Lieblingsfach. In manchen Lehrevaluationen lassen sie dann entsprechend anonym Dampf ab. Es klingt so, als wisse Stefan Schmidt nicht so recht, ob er sich darüber ärgern oder amüsiert sein soll.

Nachdem er an dem weißen, rustikalen Holztisch inmitten des großen Wohnraumes Platz genommen hat, sprudelt es aus ihm heraus. Als erstes zieht er Vergleiche zu seinen Lehrerfahrungen in den USA. Dort sei der Umgang zwischen Studenten und Lehrenden viel kameradschaftlicher und natürlicher, gleichzeitig sei ihm dort nie etwas Beleidigendes an den Kopf geworfen worden.

Nichtsdestotrotz liebe er die Arbeit an seinem Lehrstuhl und das produktive Zusammenspiel mit seinen Studenten. „Das Niveau ist zum Teil sehr hoch, vergleichbar mit den Eliteausbildungsstätten der USA“, erzählt er. Sowieso gehe es ihm vor allem darum, Begeisterung herüberzubringen. Das fällt nicht schwer zu glauben, als er einen zehnminütigen Exkurs zu den Anfängen seiner Forschertätigkeit beginnt, in denen er sich noch vorrangig mit den grundlegenden Fragen der Algebra und Geometrie beschäftigt hat. Was ist ein Punkt auf einer Achse? Wie denken wir den Raum? Ihn habe nicht mehr das absolute Sein, sondern die Rolle der Dinge interessiert. „Nicht wie etwas ist, sondern wie wir es denken, ist entscheidend.“ Als längst nicht mehr klar ist, ob es hier noch um Mathematik geht, unterbricht er sich selbst und schmunzelt: „Manche Studenten haben sich beschwert, ich würde ‚rumphilosophieren‘, und solle die Dinge nennen, wie sie sind. Aber so einfach ist es nicht.“ Letztlich ist der Mathematiker, der mit einer Künstlerin zusammenlebt und mit ihr schon einige interdisziplinäre Projekte wie die musikalisch-künstlerische Schattentheaterkunst „Paulus“ verwirklicht hat, sehr für Vielfalt. Stets forciert er die Verknüpfung von Mathematik, Kunst und Geisteswissenschaft.

Als plötzlich ein Bekannter in die zweigeschossige Wohnung tritt, zückt Prof. Schmidt kurzerhand sein Smartphone und macht ein Foto von ihm, mit den Kunstwerken im Hintergrund und dem stilvollen Trödel in der Zimmerecke. Nicht das letzte Mal an diesem Nachmittag. Diese Eigenheit lässt er unkommentiert. Dafür erklärt der Professor mit dem langen, grauen Zopf wortreich sein Zögern beim Nennen seines Geburtsdatums. Er sei das eben nicht mehr gewohnt. In den zehn Jahren seiner Lehrtätigkeit in den USA habe man ihn nie nach seinem Alter gefragt. Was dort zähle, ist die Sicht darauf – und dass man sich zugeschriebene Autorität nicht zu Kopf steigen lässt. Außerdem sei man in den USA nicht auf bestimmte Lebens- oder Wohnformen versteift. Er ist nah am Wald aufgewachsen, hat in London direkt an einer mehrspurigen Straße gewohnt, besitzt in New Mexico ein Haus halb in der Wüste und wohnt jetzt in einer Wohnung mit Blick über die Dächer der Dresdner Neustadt – und ist dort absolut zufrieden.

Zum Foto: Nicht nur privat hat es Prof. Stefan Schmidt das Künstlerische angetan.
Foto: Amac Garbe


KURZBIO PROF. STEFAN SCHMIDT

  • Stefan Schmidt wurde am 15. April 1957 in Hamburg geboren. Dieser Tag ist in den USA der ‚Tax-Day‘, an dem alle ihre Steuererklärung abgeben müssen, weshalb während seiner Zeit in den USA oft keiner Lust hatte, mit ihm Geburtstag zu feiern.
  • Aufgewachsen ist er im ländlichen Holstein an der Grenze zur ehemaligen DDR, die er mehrmals heimlich mit einem befreundeten Bauernjungen übertreten hat.
  • Er studierte Mathematik und Sport auf Lehramt in Hamburg und absolvierte ein Auslandsjahr in London. Privat lernte er nebenher klassisches Komponieren und verbrachte zeitweise mehr Zeit mit seiner Experimentalmusikcombo „P16.D4“ als mit dem Studium. Dank eines Doktorandenstipendiums landete er schließlich an der Darmstädter Universität anstatt am Lehrerpult.
  • Ab 1987 war er Privatdozent in Mainz, habilitierte sich 1993 und kam 1995 über eine Empfehlung zunächst für drei Jahre als „Research Fellow“ an die Universität von Berkeley, arbeitete dann ein Jahr in einem Forschungslabor und lehrte von 1999 bis 2005 an der Universität von White Sands in New Mexico. Hier besitzt er noch heute ein typisch amerikanisches Holzhaus, zu dem er zweimal im Jahr fährt.
  • Seit dem Jahr 2005 hat er die Professur „Methoden der angewandten Algebra“ an der TU Dresden inne, sein Büro von den hässlichen Kunststoffmöbeln befreit und möchte Dresden nicht mehr verlassen.


In jedem Ende steckt auch ein neuer Anfang

Die Arbeitsgemeinschaft Religionsphilosophie hält die rationale Beschäftigung mit der Religion trotz fehlendem Lehrstuhl aufrecht

Von Falk Ulshöfer

Vor einem Semester wurde der Lehrstuhl für Religionsphilosophie der TU Dresden geschlossen. Ein Verein führt dessen Arbeit weiter. „ad rem“ hat nachgehakt, wie die Situation jetzt aussieht.

Das Ende des Wintersemesters 2010 bedeutete das Aus des Lehrstuhls für Religionsphilosophie und vergleichende Religionswissenschaften an der TU Dresden (ad rem berichtete in 11.2010 und auf dem Blog). Nachdem die Lehrstuhlinhaberin Prof. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz in den Ruhestand gegangen war, wurde die Stelle nicht neu ausgeschrieben. Genau einen Tag nach der Pensionierung gründeten jedoch ehemalige Studenten des Lehrstuhls die „Arbeitsgemeinschaft Religionsphilosophie Dresden“.

„Der gemeinnützige Verein will 18 Jahre Forschungsarbeit des Lehrstuhls fortführen und das Thema Religionsphilosophie öffentlich zugänglich machen“, erzählt die erste Vorsitzende, Sophie Arlet.

Lehre ohne Stuhl

Die Dresdner Religionsphilosophie war deutschlandweit einzigartig. Sie hatte den einzigen Lehrstuhl seiner Art inne, der nicht an ein theologisches Institut gebunden war, und konnte konfessionsunabhängig arbeiten. Davon profitierten die Studenten, erklärt Sophie Arlet: „Wer in Dresden Philosophie studierte, hatte die Chance, eine sehr gute, intensive Ausbildung in dem Fach zu bekommen. Das ist jetzt nicht mehr machbar.“ Ob an der TU eine Spezialisierung in Richtung Religionsphilosophie in Zukunft überhaupt noch möglich sein wird, ist fraglich. Im Sommersemester 2011 wurden zwar weiterhin Einführungsveranstaltungen angeboten. Die tiefergehenden Hauptseminare, die die Professorin selbst gehalten hatte, fielen jedoch weg.

Nach der Schließung des Lehrstuhls gibt es nur noch zwei weitere und drei Professuren am Institut für Philosophie, die Auslastung des Fachs stieg von 165 auf über 200 Prozent. Damit werden die Bedingungen für ein Philosophiestudium immer schlechter, zumal bis zum Jahr 2020 50 weitere Stellen an der Philosophischen Fakultät gestrichen werden sollen. Der Fachschaftsrat der Fakultät hat jüngst in einer Stellungnahme an den Rektor auf diese Probleme aufmerksam gemacht (“ad rem” berichtete in 16.2011).

Die Arbeitsgemeinschaft ist seit ihrer Gründung von 12 Mitgliedern auf 30 angewachsen – mit Prof. Gerl-Falkovitz als Ehrenmitglied. Sie hat dem Verein die Lehrstuhlbibliothek mit über 2 000 Bänden überlassen. „Demnächst wird es Räumlichkeiten geben, in denen die Bibliothek frei zugänglich sein wird. Dort werden die vom Verein veranstalteten Lektürekreise und Seminare stattfinden“, sagt Sophie Arlet. Neben dem Edith-Stein-Lesekreis wird dort das Seminar zur Gabe-Thematik, das seit zehn Semestern vom Lehrstuhl angeboten wurde, vom Verein fortgeführt.

Nicht nur für Experten

Dabei sind die Projekte nicht nur Experten vorbehalten. „Wir werden Filmgespräche anbieten, die nicht akademisch sind, sondern für alle zugänglich“, erklärt Julia Schimming, Gründungsmitglied des Vereins. Zusätzlich wird zwei Mal im Jahr das „Journal für Religionsphilosophie“ herausgebracht, in dem neben Fachaufsätzen auch literarische Stücke und Buchrezensionen veröffentlicht werden. Doch Sophie Arlet hat noch mehr vor: „Der langfristige Plan ist es, den Verein weiter auszubauen und zu einem Förderverein eines eigenen religionsphilosophischen Institutes zu machen.“ Dass Religionsphilosophie auch in der heutigen Zeit kein Nischenthema ist, ist für Sophie Arlet klar: „Viele Menschen in Deutschland gehören keiner Konfession an, sind nicht in der Kirche. Sie haben dennoch ein Religionsbedürfnis.“ Schimming ergänzt: „Viele regen sich über Religion auf – aber gerade dann muss man sich rational mit ihr beschäftigen.“

Zum Foto: Sophie Arlet und Julia Schimming mit ihrem Ehrenmitglied Prof. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz (v. l.).
Foto: Amac Garbe


Stiller die Glocken bald klingen

Uneinigkeiten rücken der Internationalen Weihnachtsfeier an der TU Dresden schon im Sommer zu Leibe

Zur Diskussion …

Von Franziska Lange

Traditioniell beginnen im Sommer die Vorbereitungen für die Internationale Weihnachtsfeier der TU Dresden – doch diesmal rumort es im Glockengeläut.

Folkloristische Tänze, Sambarhythmen und Weihnachtsweisen vom Bläserorchester. Dazwischen schwedische Weihnachtszwerge, Väterchen Frost und exotische Leckereien aus vielen Ländern – so bunt und fröhlich feierten 1 600 Studenten zur Internationalen Weihnachtsfeier an der TU Dresden im vergangenen Dezember. Es war ein Besucherrekord – und könnte die letzte Feier ihrer Art gewesen sein.

Nachdem sich bereits das Aus für die Unisause „Dixie auf dem Campus“ ankündigte, steht nun auch die letzte Großveranstaltung – die Internationale Weihnachtsfeier – auf wackligen Füßen. Nichts anderes suggeriert die Informationslage im Akademischen Auslandsamt. Dessen Kulturbüro koordinierte und organisierte die alljährliche Feier bisher in einem gewaltigen Kraftakt. Seit Anfang Juni ist das Büro nicht mehr besetzt, die Stelle ausgelaufen. Auf der Homepage prangt ein dickes N.N., Praktikanten halten zumindest die Sprechstunden aufrecht. Auf diesen Zustand angesprochen, reagierte Prof. Ursula Schaefer erstaunlich. Nicht der Personalmangel sei ein Problem, sondern der Name der Feier, sagte die TU-Prorektorin für Bildung und Internationales kürzlich bei einer Diskussionsrunde zur weltoffenen Uni.

„Es ist der falscheste Name, diese Veranstaltung Weihnachtsfeier zu nennen“, wurde Schaefer deutlich. „Wenn da leicht bekleidete Sambatänzerinnen auftreten, darf darüber nicht Weihnachtsfeier stehen.“ Für einen Muslim sei es eine Zumutung, auf einer Weihnachtsfeier eine Sambatänzerin zu erleben, konkretisierte sie.

Eine solche Beschwerde sei Victor Vincze allerdings noch nie zu Ohren gekommen. Er ist Referent für ausländische Studierende im Studentenrat der Uni. Außerdem moderierte er die Weihnachtsfeier selbst vier Mal und hörte viel Lob für die Veranstaltung. „Beschwerden wegen der Weihnachtsfeier sind mir keine bekannt – sowohl während der Beratung beziehungsweise den Sprechzeiten als auch während und nach den Veranstaltungen wurde mir nichts diesbezüglich vorgetragen.“

Ganz im Gegenteil, die Feier sei ein kultureller Höhepunkt des Jahres. Egal wie sehr man Religion vom Alltagsleben trennen wolle, die abendländische Tradition sei allgegenwärtig, gibt Vincze zu bedenken. „Damit sind aber unsere Gaststudierenden aus anderen Kulturkreisen sicherlich vertraut.“

Darauf in einer späteren schriftlichen „ad rem“-Nachfrage angesprochen, gibt die Prorektorin an, sich vielleicht etwas verkürzt ausgedrückt zu haben. Ein Muslim brauche keine Weihnachtsfeier. „Und die ziemlich leichtbekleideten Sambatänzerinnen erfüllen sicherlich nicht unbedingt die Vorstellungen eines streng protestantisch geprägten Studierenden aus der Westschweiz von einer ebensolchen Feier.“ Kurzum: Nicht ihr Inhalt erregt Schaefers Unmut, sondern ihr Etikett. „Weihnachten ist nun mal ein – ursprünglich – christliches Fest, das in unseren Breiten auch von einigen Menschen noch als solches verstanden wird.“ Und da Schaefer die Universität als religionsfreien Raum verstehe, dürfe auch eine solche Feier keineswegs in diesem Kontext stehen. „Es sollte eigentlich gar keine Veranstaltung mit dem Namen Internationale Weihnachtsfeier geben“, stellt sie unmissverständlich klar.

Stattdessen schlägt sie vor, die Feier zu verschieben und daraus beispielsweise ein „Internationales Neujahrsfest“ zu machen. Auf die „ad rem“-Nachfrage, ob denn eine Neuausrichtung im Gespräch sei, geht die Leiterin des Akademischen Auslandsamtes, Marion Helemann, nicht ein. Auch ob die Feier in alter Form in diesem Jahr stattfinden und wer sie organsieren wird, beantwortet sie nicht. Stattdessen verweist sie auf allgemeine strukturelle Änderungen innerhalb der Uni: „Hierzu stehen grundsätzliche Entscheidungen an, die unter anderem auch Betreuungsmaßnahmen für unsere ausländischen Studierende betreffen.“ Victor Vincze wird da konkreter: „Ohne diese Feier würde etwas fehlen.“ Damit das nicht passiert, muss sich die Uni schnell entscheiden.

Zum Foto: Von wegen frohe Weihnachten: An der TU Dresden tobt die Debatte um die beliebte Internationale Feier.

Foto: Amac Garbe

INTERNATIONALE WEIHNACHTSFEIERFAKTEN.

  • Im vergangenen Jahr verzeichnete die Internationale Weihnachtsfeier an der TU Dresden mit 1 600 Besuchern ihren Rekord.
  • Um Programm- und Begleitprogramm kümmert sich traditionell das Kulturbüro des Akademischen Auslandsamtes. Zahlreiche ausländische Studenten unterstützen die beliebte Feier mit Kulturbeiträgen, Info- und Essensständen.
  • Schon jetzt drängt die Zeit. Erfahrungsgemäß dauern die Vorbereitungen mindestens ein halbes Jahr. Zögert die Uni weiterhin, wackelt die Feier.

Schlaflos ohne Theorie

Dresdens Lange Nacht der Wissenschaften steht im Zeichen der Exzellenzinitiative – prophil dresden sorgt mit einem Quiz für Spaß

Von Anja Zimmermann

Dresdens Lange Nacht der Wissenschaften steht im Zeichen der Exzellenzinitiative – prophil dresden sorgt mit einem Quiz für Spaß.

Welches stumme Verhütungsmittel gab einer kommunikationswissenschaftlichen Theorie ihren Namen? Solche und andere Fragen erwarten die Teilnehmer beim diesjährigen Großen Quiz der Geisteswissenschaften zur Langen Nacht der Wissenschaften am Freitag (1.7., 19 Uhr und 21 Uhr).

„Die Biologen und Chemiker zeigen Experimente oder jagen ganz spektakulär etwas in die Luft. In der Philosophie explodiert nichts, das heißt aber nicht, dass sie nicht spannend ist“, sagt Moderator Patrick Eltner. Er studiert an der TU Dresden Politikwissenschaften und Geschichte und ist ein alter Hase im Quizmaster-Geschäft. Er hat schon die erste Quiznacht vor fünf Jahren moderiert. Diesmal wird er unterstützt von Daniela Praß – einer echten Überläuferin, denn eigentlich hat sie ihr Diplom in Biologie in der Tasche.

Organisiert wird die Veranstaltung vom Förder- und Alumniverein der Philosophischen Fakultät an der TU Dresden „prophil dresden“. Die Gruppe möchte damit die Geisteswissenschaften interessant und greifbar machen. Die Dresdner Lange Nacht der Wissenschaften findet in diesem Jahr bereits zum neunten Mal statt. Von 21 bis 1 Uhr öffnen die Forschungseinrichtungen der Stadt ihre Pforten. Die Wissensnacht steht ganz im Zeichen der Exzellenzinitiative: „Wir möchten die Universität mit dieser Veranstaltung unterstützen“, sagt Oberbürgermeister Dirk Hilbert.

Wie im vergangenen Jahr wird ein kostenloser Busshuttle die Besucher von Station zu Station bringen. Neu ist die Aufteilung in die fünf Themenrouten: Werkstoffe, Bio und Gesundheit, Mikroelektronik, Energie und Umwelt, Kultur. Wer also der Themenroute Kultur folgt, erreicht auch das Quiz der Geisteswissenschaften im Raum 81 des Beyer-Baus der TU Dresden. Bis Donnerstagabend können sich die Teams dafür noch anmelden. Selbst wer kein Team zusammen bekommt, kann sich vor Ort spontan mit anderen Besuchern zusammenschließen. Jeder kann mitmachen. Man muss kein Experte auf dem Gebiet der Geisteswissenschaften sein. „Die Fragen wurden nach Spaßfaktor und Überraschungseffekt ausgewählt“, sagt Patrick Eltner. Auf die Gewinner warten Freikarten und Büchergutscheine. Nebenbei gehen die Mitglieder von „prophil“ in der Nacht auf Jagd. Für die Aktion „Stipendienjäger“ bitten sie die Besucher um jeweils einen Euro. Die so gesammelten 1 800 Euro sollen von Bund und Land zu einem „Deutschlandstipendium“ verdoppelt werden, um zum Beispiel einem Studenten aus einer einkommensschwachen Familie ein Studium zu ermöglichen. Übrigens: Die Lösung der Frage ist „Die Schweigespirale“.

Netzinfos: http://www.dresden-wissenschaft.de & http://www.prophil-dresden.de

Zum Foto: Daniela Praß und Patrick Eltner moderieren das nächtliche Quiz.

Foto: Amac Garbe

Zum Abschied ein Fass Bier

Zu hohe Mietkosten: Der Bagelpoint auf dem TU-Campus schließt

Exklusiv dazu: Die Geschichte hinter dem Bild …

Von Tobias Hoeflich

Der Campus der TU Dresden ist um ein Geschäft ärmer. Acht Jahre lang wurde im Bagelpoint mit Süßem und Herzhaftem der studentische Heißhunger gestillt. Doch Ende Juni ist Schluss.

Um ihren Lebensunterhalt macht sich Katharina Zimmer keine Gedanken. Sie ist eine Geschäftsfrau, betreibt einen Lieferservice, ist Teilhaberin einer Cafeteria im Dresdner Verwaltungsgericht. Und doch klingt sie wehmütig, wenn sie über den Bagelpoint und dessen Schließung spricht. „Die Lage hier am Campus war ideal“, sagt die Inhaberin. Die vielen Studenten waren gut fürs Geschäft.

Unvermeidbares Ende

Dass Katharina Zimmer nun schließen muss, bedauert nicht nur sie: „Jeden Tag muss ich Fragen beantworten, viele sind enttäuscht.“ Doch verhindern ließ es sich nicht. Seit Januar bezahlt Katharina Zimmer wegen einer Mieterhöhung für ihren Bagelpoint über 500 Euro mehr Monatsmiete als im Vorjahr. Ein Aufschlag, den sie durch Preiserhöhungen nicht wettmachen kann – und der das Geschäft unrentabel machte. „Ich habe wirklich alles probiert“, sagt Zimmer. Auch beim Anwalt sei sie gewesen, doch ohne Erfolg. Dazu die steigenden Strompreise, die auf das Budget drückten und für Preiserhöhungen sorgten. „Ich bin nun mal privat und nicht das Studentenwerk“, sagt Zimmer.

Doch nicht nur die Finanzen haben sich verändert – auch die Kunden. Früher, sagt Zimmer, saßen die Gäste im Geschäft, tranken ihren Milchkaffee und plauderten. „In den vergangenen Jahren ist aber das To-Go-Geschäft stark angewachsen.“ Die meisten würden sich einen Kaffee holen und dann wieder gehen. Die Studenten hätten heute wohl weniger Zeit, vermutet sie. „Und sie haben weniger Geld in der Tasche.“ So hätte sich mancher auch über die steigenden Preise beklagt.

Beliebt war der Bagelpoint aus vielerlei Gründen. Auch wegen des Kaffees, sagt Zimmer. „Viele Gäste sagten mir: Nirgendwo bekommt man so einen guten Kaffee wie hier.“ Mit unter einem Euro konnte der Bagelpoint auch mit den Mensapreisen mithalten. Und was sagt die TU Dresden zum Aus des beliebten Bagelpoints? Eine offizielle Stellungnahme gibt es bisher nicht, und vermutlich werde es auch keine geben, heißt es aus der Pressestelle der Hochschule auf „ad rem“-Anfrage.

Sause zum Abschied

Gänzlich muss aber auf die Bagels nicht verzichtet werden. Denn Katharina Zimmer betreibt weiterhin ihren Lieferservice und behält ihre Festnetznummer. Am Dienstag (28.6., 18 Uhr), zwei Tage vor der Schließung, verabschieden sich sie und ihre Angestellten mit Fassbier und einem kleinen Buffet. „Es ist ein Abschied für die, die den Laden gemocht haben“, sagt sie.

Doch was geschieht mit der Gewerbefläche? Einen Nachmieter gebe es, sagt Zimmer. Doch noch sei offen, was genau dort künftig angeboten wird. Bagels werden es wohl nicht sein.

Netzinfos: http://www.bagelpoint-dresden.de

Zum Foto: Eine saftige Mieterhöhung zwingt Katharina Zimmer, ihren Bagelpoint nach acht Jahren aufzugeben.

Foto: Toni Klemm

Mit Schifferklavier auf hoher See

Polyphoner Stereotyp (XIV): Lebensmittelchemie versus Akkordeon

Von Nadine Faust

Sebastian Zeppenfeld studiert an der TU Dresden Lebensmittelchemie. Zum Ausgleich haut er in die Tasten.

Seit er sechs ist, spielt Sebastian Zeppenfeld Akkordeon. Sein Vater spielt das gleiche Instrument und seine Grundschule in Dresden bot die Möglichkeit, es ebenfalls zu lernen. Von der achten bis zur zwölften Klasse war Zeppenfeld Teil des Akkordeonorchesters einer Musikschule, dann kam der Wehrdienst. Den absolvierte er bei der Marine. Er stach mit der Fregatte Augsburg in See und kam bei einem Antiterrorismuseinsatz bis ans Horn von Afrika.

An Bord des deutschen Kriegsschiffs frönte Zeppenfeld weiter seiner Leidenschaft. Zusammen mit einem Kameraden spielte er Seemannslieder, gab mit ihm James Lasts „Biscaya“ zum Besten. „Ein Musikstudium kam für mich trotzdem nicht infrage“, sagt der groß gewachsene Student heute. „Ich habe nur kurze Zeit mit dem Bundeswehrorchester geliebäugelt.“ Doch daraus wurde nichts.

Stattdessen entschied sich der 21-Jährige für ein naturwissenschaftliches Studium in seiner Heimatstadt. „Ich habe mich schon in der Schule für Chemie in Anwendung auf den menschlichen Körper interessiert“, erzählt er. Außerdem gehörte das Fach in der Schule zu seinen Leistungskursen. Nach einem zweistündigen Gespräch mit einem Professor der Technischen Universität stand die Entscheidung für Lebensmittelchemie dann fest. Mittlerweile ist Sebastian Zeppenfeld im zweiten Semester seines Studiums. Die Liebe zum Schifferklavier ist aber geblieben.

Seit einem Jahr ist er im Dresdner Akkordeonorchester anzutreffen, spielt dort zusammen mit anderen die zweite Stimme und sorgt so für die Untermalung der Stücke. Die reichen von Klassik über Unterhaltungsmusik bis zu modernen Werken. Jeden Montagabend üben Zeppenfeld und die anderen Musiker das Repertoire.

Zum Foto: Das Schifferklavier gehört für Sebastian Zeppenfeld trotz Faible für die Lebensmittelchemie einfach dazu.

Foto: Amac Garbe

Kampf dem Stau im Seminarraum

Dresdner TU-Fachschaftsrat beklagt Überlastung der Studiengänge in einem offenen Brief

Von Antje Meier

Die Studiengänge der Philosophischen Fakultät der TU Dresden haben ihre Kapazitäten längst überschritten. Müssen Stellen gestrichen werden, droht der Gau, warnen jetzt Studenten.

Anfang Juni tagte der Fakultätsrat der Philosophischen Fakultät. Die dabei bekannt gewordenen neuen Auslastungszahlen, die Fachschaftsratssprecherin Carolin Heisse „ad rem“ übermittelte, sind alarmierend. So erreiche der Studiengang Politikwissenschaft inzwischen eine Auslastung von 245 Prozent (2009/2010: 170,2 Prozent). Wenig besser sehe es bei Philosophie, Kunstgeschichte und Kommunikationswissenschaft mit 190 Prozent (2009/2010: 165,6 Prozent, 149,6 Prozent und 189,2 Prozent) aus. Diese Studiengänge seien nach Angaben des Fachschaftsrates (FSR) faktisch nicht mehr studierbar. Deshalb verfasste der FSR eine „Stellungnahme zur Situation der Philosophischen Fakultät der TU Dresden“ und sandte den offenen Brief an Rektor Hans Müller-Steinhagen. Das darin benannte Ziel soll „die Forcierung einer offenen gleichberechtigten Debatte sein“.

Doch geht es den FSR-Vertretern nicht allein um die ohnehin schlechten Studienbedingungen an der Fakultät. Sie befürchten eine weitere Verschärfung des Problems. Bis 2020 sollen über 700 Stellen an sächsischen Hochschulen abgebaut werden. So will es der Hochschulentwicklungsplan von Sachsens Wissenschaftsministerin Sabine von Schorlemer (parteilos). Auch an der TU Dresden werden weiter Stellen abgebaut. „Insgesamt ca. 300 bis 400 bis zum Jahr 2020“, schätzt Carolin Heisse. Die Stellungnahme des FSRs geht zwar nur von 200 Stellen aus, führt aber an, dass 25 Prozent, also 50 Stellen, allein an der Philosophischen Fakultät abgebaut werden sollen.

Diese Zahlen seien aus der Luft gegriffen, hält TUD-Pressesprecherin Kim-Astrid Magister dagegen, sie entbehren jeder Grundlage. „Die Stellenkürzungen werden gleichmäßig über alle wissenschaftlichen Bereiche verteilt.“ So würde jeweils ein Viertel der Stellen in den Geistes-, Natur- und Ingenieurwissenschaften sowie der Medizin gekürzt. Genaue Zahlen gebe es aber noch nicht. Was bleibt, ist Magisters Hoffnung auf die Exzellenzuni: „Wenn die TU Dresden diesen Titel erhält, könnte die Universität vielleicht von größeren Stellenstreichungen verschont bleiben“.

Auch im Protokoll des Fakultätsrates vom 19. Januar ist die Rede von nur etwa 25 Stellen, die bis 2020 an der Philosophischen Fakultät abgebaut werden müssten. Heisse räumt ein: „Das sind zwar deutlich weniger, als bei uns in der Stellungnahme vermerkt, doch wo eh schon Überlast gefahren wird, kann eigentlich nichts weiter gestrichen werden.“ So oder so leide die Qualität noch weiter darunter. Deshalb betrachtet die Studentin die Zahlen nicht als absolut, sondern vielmehr als einen Trend. „Sie zeigen einfach, dass sich die Universität in allen Bereichen an einem Scheideweg befindet.“ Auch Prof. Müller-Steinhagen müsse sich an seinen Worten zum Amtsantritt und seinem Bekenntnis zur Volluni messen lassen, mahnt Heisse. Und als solche sei die Philosophische Fakultät ein wichtiger Bestandteil der TU. Der offene Brief bringt es auf den Punkt: „Eine Volluniversität ohne gute Lehre ist eine schlechte Universität.“ Umso erfreulicher sieht Heisse die Gesprächsbereitschaft des Rektors, der trotz vollen Terminplans am Donnerstag (16.6.) zum Termin bittet. „Wir sind sehr gespannt auf dieses Gespräch und freuen uns natürlich, dass der Rektor uns und unsere Stellungnahme doch ernst nimmt.“

Zur Karikatur: Früher oder später findet jeder Student einen Platz im Seminarraum …

Karikatur: Norbert Scholz

Zweihundertjährige Ideen fürs Neue

Die TU Dresden würdigt ihre Forstwissenschaften in Tharandt mit einer zünftigen Campusfeier samt Tagung

Von Felix Prautzsch

Die Jubiläumstagung und das Tharandter Campusfest sind längst nicht nur für Förster interessant.

Im Jahr 1811 ließ sich Heinrich Cotta auf Drängen des sächsischen Königs, der sich um eine nachhaltige Bewirtschaftung seiner Wälder sorgte, mit seiner Forstlehranstalt in Tharandt nieder. Ihr Jubiläum feiern die Tharandter Forstwissenschaften in diesem Jahr mit einer Tagung unter dem Titel „200 Jahre Ideen für die Zukunft“ und einem Campusfest.

Nach dem Festakt am Mittwoch (15.6.) im Internationalen Congress Center folgt am 16. Juni die eigentliche wissenschaftliche Tagung, die sich mit den Impulsen der Forstwissenschaften „für die Analyse von zentralen Herausforderungen der Menschheit“ befasst. Am 17. Juni schließen sich Fachexkursionen in die weitere Umgebung Tharandts an. Schon bei diesem ersten Teil der Feierlichkeiten sind die Studenten in der Vorbereitung und Durchführung beteiligt, weiß Manuel Wächter. Der 24-Jährige ist Sprecher der Fachschaft Forstwissenschaften der TU Dresden und gestaltet das Programm für das Tharandter Campusfest am 18. und 19. Juni mit. Hier wird es dann noch studentischer und bunter. Auf dem Campus der Forststadt gibt es neben offenen Institutstüren, die zu Einblicken in Lehre und Forschung laden, Angebote vom Bierzelt bis zum Konzert der TU-Kammerphilharmonie.

So nimmt die Theatergruppe der Fachschaft beispielsweise mit ihrem Stück „Cotta allein im Wald“ die Geschichte der Forstwissenschaften aufs Korn. Jagdhornbläser, Waldarbeitermeisterschaften und Jagdhundeparade dürfen da nicht fehlen. Bei den forstlichen Wettkämpfen des Heinrich-Cotta-Clubs sind auch Familien willkommen. „Solch ein Fest findet zum ersten Mal in Tharandt statt, und ich hoffe, es bleibt nicht einmalig“, sagt Wächter. „Für jeden wird etwas dabei sein, auch für Nicht-Förster.“

Netzinfos: http://www.tharandt2011.de

Zum Foto: Manuel Wächter organisert das Forstvergnügen in Tharandt mit.

Foto: Amac Garbe

Wider das Campusbröckeln

Finanzministeriale Baubotschaft: Einige sächsische Hochschulen bekommen weniger Geld

Von Antje Meier

Während die übrigen sächsischen Hochschulen sparen müssen, darf sich die TU Dresden vielleicht bald über mehr Geld freuen.

Der Bauunterhalt für Sachsens Universitäten soll gekürzt werden. Wie der Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) in der vergangenen Woche bekannt machte, stellt der Freistaat den Hochschulen nur noch 11,45 Millionen Euro für das laufende Jahr zur Verfügung. Im Vorjahr waren es noch 1,2 Millionen Euro mehr. Die Hochschulen benötigen das Geld, um Reparaturen in und an den Gebäuden zu finanzieren.

Die größten Einschnitte muss dabei die Universität Leipzig hinnehmen, die mit 800 000 Euro weniger auskommen muss als noch im vergangenen Jahr. Sie erhält nur noch 3,6 Millionen Euro. Bei der TU Chemnitz sind es mit 400 000 Euro weniger nur noch 1,8 Millionen. Auch die Bergakademie TU Freiberg muss mit 70 000 Euro weniger haushalten. Ihr Etat wird auf 1,5 Millionen Euro gekürzt. Die TU Dresden hingegen bekommt als einzige der großen sächsischen Unis mehr vom Kuchen ab. Sie kann ein Plus von 65 000 Euro verbuchen und darf schließlich mit 4,55 Millionen Euro haushalten. Doch das Geld reicht längst nicht aus, um den maroden Campus der TU Dresden zu sanieren. Zwei Drittel aller Unigebäude seien dringend sanierungsbedürftig, bestätigt TUD-Pressesprecherin Kim-Astrid Magister auf „ad rem“-Anfrage. In den meisten Fällen handele es sich um denkmalgeschützte und damit alte Gebäude. Um diese zu sanieren, reiche der Bauunterhalt kaum aus. Er diene lediglich zur Werterhaltung – also für Reparaturen, Malerarbeiten oder das Ausbessern der Fassaden. Für die grundhafte Sanierung müssen zusätzliche Gelder beim Freistaat beantragt werden. Deshalb könne der Campus auch nur Stück für Stück saniert werden, erklärt Magister. Dafür sind sogenannte Bauentwicklungspläne notwendig, die regelmäßig erstellt und aktualisiert werden.

„Die Planung ist auch für die Exzellenzbewerbung von grundlegender Bedeutung. Denn wenn die Gutachter sehen, dass es eine Strategie gibt, ist das ein Pluspunkt“, beschreibt die TU-Sprecherin den Vorgang. Doch dies funktioniere nur, wenn der Freistaat mitzieht, hinter den Plänen der Universität steht und Investitionen tätigt. Magister ist guter Dinge: „Es gab schon einige Verhandlungsrunden mit dem Freistaat und dem Finanzministerium.“ Bislang sehe alles gut aus. Ein erstes Zeichen in Richtung Exzellenz und schöneren Campus, wird noch im Herbst dieses Jahres gesetzt. Dann soll die Sanierung des Fritz-Förster-Baus beginnen, die insgesamt 35 Millionen Euro kosten soll.

Auch für die unansehnlichen Baracken auf der Zeunerstraße gibt es wohl schon Pläne. Über kurz oder lang sollen sie vom Campus verschwinden. „Die Fakultät Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaften soll irgendwann auch bessere Bedingungen bekommen“, freut sich Magister. Doch bis es so weit ist, müsse der Zustand mittels kleinerer Schönheitskorrekturen verbessert werden.

Zur Karikatur: Nicht nur der Lehrstoff kann einem den Boden unter den Füßen entziehen …

Karikatur: Norbert Scholz

Stahl soll Grenzen sprengen

Gastdozent Peter Kärst lässt Studierende an der Hochschule Zittau/Görlitz kreativ werden

Von Antje Meier

Peter Kärst ist der erste „artist in residence“ an der Hochschule Zittau/Görlitz. Jetzt hofft der Künstler auf Sponsorengelder, um sein Projekt fortführen zu können.

Im vergangenen Wintersemester erhielt Diplom-Bildhauer Peter Kärst einen Lehrauftrag an der Hochschule Zittau/Görlitz, um als Gastkünstler tätig zu werden. Damit realisierte die Hochschule das „artist of residence“-Programm, das vorsieht, jedes Jahr einen neuen Gastkünstler an die Hochschule zu holen.

Nach zwei Semestern ist die Lehrveranstaltung des Leeraner Künstlers nun beendet. Mit seinem Seminar „Gestalten mit Stahl“ im Rahmen des Studium fundamentale wollte Kärst den Studenten vor allem die Möglichkeit geben, einen Blick über den Tellerrand zu werfen und selbst künstlerisch aktiv zu werden – von der Idee bis zur Umsetzung. „Ziel ist es, diese Kunstwerke als Impulse zum aktiven Nachdenken zu erkennen und zu verstehen“, sagt der Bildhauer. Als Ergebnis präsentieren sich nun drei dem Menschen nachempfundene Silhouettenfiguren aus Stahl auf dem Görlitzer Campus, die eigenhändig von Studenten der Hochschule hergestellt wurden. Der Aufwand, eine solche Figur anzufertigen, sei dabei beachtlich, erklärt Peter Kärst. Zunächst müsse das Gesamtkonzept von den Teilnehmern des Seminars besprochen, die Figurenformen entwickelt und die technische Umsetzung geplant werden, um anschließend an die Realisierung gehen zu können: Vom Zuschneiden des Materials, dessen Verarbeitung zu Stahlplatten, die wiederum mittels Schweißens zu einem Hohlkörper verbunden werden, bis hin zum Lackieren, der abschließenden Montage und zahlreichen Zwischenschritten.

Doch mit den bisher positionierten Figuren konnte Kärst seine Vision von grenzübergreifender Kunst in Görlitz noch nicht gänzlich umsetzen. „Es ist reizvoll, hier durch künstlerische Setzungen den Anreiz einer gedanklichen Verbindung an das andere Ufer, nach Polen, zu initiieren, besser, durch eine ,Figurenlinie‘ eine tatsächliche Verbindung herzustellen.“ Diese „Figurenlinie“ soll sich bis zum in etwa 250 Meter Luftlinie entfernten Dom Kultury auf polnischer Seite erstrecken und damit das Motto der Hochschule „Studieren ohne Grenzen“ mit seiner Kunst symbolisch vergegenwärtigen. Dazu fehlen aber noch vier weitere Silhuoettenfiguren. Das Projekt sei nach Ablauf des Lehrauftrages also noch längst nicht am Ende, im Gegenteil: „Ich versuche Spenden oder Sponsoringmittel einzuwerben, um das Projekt zusammen mit den bisher beteiligten und gegebenenfalls neuen Studenten weiterzuführen“, zeigt sich Peter Kärst energisch. Die Studenten hätten jedenfalls großes Interesse an einer Fortführung.

Zum Foto: Stahlbildhauer Peter Kärst schuf mit Studenten Kunstwerke für den Campus der Hochschule Zittau/Görlitz.

Foto: Toni Klemm

Semesterticketsause darf bleiben

Klare Studentenmehrheit stimmt an TUD und HTW für das sachsenweite Semesterticket

Von Sabine Schmidt-Peter

Sieben Monate nach seiner Einführung stimmte nun eine klare Mehrheit der Studenten für die Fortführung des sachsenweiten Semestertickets.

Obwohl die E-Mail mit dem Link zur Umfrage die Studierenden erst am dritten und nicht wie geplant am ersten Mai erreichte, sprachen sich am Ende 69,7 Prozent der Teilnehmenden für die Fortführung des sachsenweiten Semestertickets aus. Trotz des holprigen Starts haben die Studentenräte (StuRa) der TU Dresden und der Hochschule für Technik und Wirtschaft also allen Grund zur Freude, denn im Vergleich zu der letzten Befragung stieg der Zuspruch für das Ticket um 19 Prozent. „ Die Studierenden der HTW und der TUD haben mit dieser Entscheidung ökologische Weitsicht sowie Solidarität mit den Studierenden, die aus West- und Ostsachsen kommen, bewiesen“, kommentiert Kristin Hofmann, Referentin für Service und Förderpolitik des StuRas der TUD, zufrieden das Ergebnis. Doch nicht nur das Ergebnis der Umfrage, sondern auch die rege Beteiligung sorgt in den Stundentenräten für Zufriedenheit.

Insgesamt gaben 13 779 Studierende, also 37,1 Prozent, ihre Stimme ab. „Mit dieser Beteiligung sind wir sehr zufrieden, denn sie ist deutlich höher als die der letzten Befragung und übertrifft auch die Stimmenabgabe bei den FSR-Wahlen“, erklärt Christian Soyk, der Semesterticketbeauftragte des StuRas der TUD. „Noch nie haben sich so viele Studierende in Dresden an einer basisdemokratischen Abstimmung beteiligt. Ich hoffe, dass sich das Interesse an der studentischen Selbstverwaltung hält“, ergänzt Hofmann, die dem Ticket-Projektteam tatkräftig zur Seite stand. Mit ihrem Votum haben sich die Studierenden deutlich zum sachsenweiten Semesterticket bekannt. Damit wird das Ticket in seiner jetzigen Form nun auf jeden Fall bis zum Sommersemester 2013 Bestand haben.

http://www.stura.tu-dresden.de/semesterticket

Zum Foto: Kristin Hofmann, Referentin für Service und Förderpolitik im Studentenrat der TU Dresden, ist zufrieden mit dem Ergebnis der Umfrage – und nutzt das sachsenweite Semesterticket auch über die Straßenbahn hinaus.

Foto: Amac Garbe

Ein Piks gegen den Krebs

Medizinstudenten suchen Spender, um Leukämiepatienten zu heilen

Von Stefanie Höhne

Für Blutkrebspatienten ist eine Knochenmarktransplantation lebensrettend. Medizinstudenten der TU Dresden suchen jetzt passende Spender.

Ein kleiner Piks und fünf Milliliter abgenommenes Blut später ist alles schon vorbei. Wer bei der Typisierungsaktion am Donnerstag (26.5.) ein paar Tropfen des Lebenselixiers spendet, wird davon kaum etwas spüren, dafür aber vielleicht das Leben eines Leukämiepatienten retten. Denn anlässlich des 20. Jubiläums der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) organisieren Dresdner Medizinstudenten die Veranstaltung. Einige von ihnen nehmen Blut ab, viele lassen sich selbst typisieren. Auch Paul Schumacher, der im zehnten Semester Humanmedizin studiert. „Typisieren heißt grob gesagt, dass wir Euch fünf Milliliter Blut abnehmen“, erklärt er. „Das wird dann eingeschickt und im Labor untersucht.“

Die Gewebemerkmale werden in eine Datenbank aufgenommen, so kann effektiver passendes Knochenmark für Patienten gefunden werden. Die Spenderdatenbank ist auch dem Leiter der Dresdner Uniklinik zu verdanken: Denn Prof. Dr. Ehninger war im Jahr 1991 einer der DKMS-Gründer. Heute unterstützt er die Typisierungsaktion als Schirmherr. Diese wird von Dresdner Studenten nicht nur organisiert und durchgeführt. Damit die DKMS die Kosten von 50 Euro pro Typisierung nicht allein tragen muss, werden die Eintrittsgelder der diesjährigen Medizinerparty, die im April stattfand, gespendet, um Leukämiepatienten helfen zu können. Denn allein in Deutschland erkranken jährlich 11 000 Menschen, besonders Kinder sind betroffen. Doch „die Chance, dass man jemanden heilen kann, ist wirklich hoch“, erzählt Paul Schumacher. Er hofft, dass sich möglichst viele typisieren lassen, denn grundsätzlich ist jeder gesunde Mensch von 18 bis 55 Jahren dafür geeignet.

Übrigens: Entgegen landläufiger Meinung ist es „überhaupt nicht so, dass bei der Transplantation am Rückenmark operiert wird“, entkräftet Paul Schumacher. Das Knochenmark kann aus dem Blut gefiltert oder unter Vollnarkose in der Beckengegend entnommen werden.

Typisierungsaktion am Donnerstag (26.5., 10 bis 16 Uhr) im Medizinisch Theoretischen Zentrum Dresden (Fiedlerstraße 42).

Netzinfos: http://www.dkms.de

Zum Foto: Paul Schumacher will helfen, Leukämie zu heilen.

Foto: Amac Garbe

Alumni als Sparschwein

Der 1. Alumniball der TU Dresden soll nicht nur Spaß bringen

Von Antje Meier

Veranstalter und Medien geben sich euphorisch zum 1. Alumniball der TU Dresden. Doch längst ist nicht alles, was glänzt, auch wirklich Gold.

Nach dem amerikanischem Vorbild „from the graduate to the grave“ möchte Prof. Hans Müller-Steinhagen die Absolventen an ihre ehemalige Ausbildungsstätte binden. Das ist das erklärte Ziel des TU-Rektors. Dazu soll der erste Alumniball der TU Dresden am Samstag (21.5., 18 Uhr) im Kongresszentrum maßgeblich beitragen – indem er, gemäß dem Motto „Wenn sich die Welt in Dresden trifft“, Absolventen und mit ihnen Unternehmen aus aller Welt nach Dresden lockt. „Sicher ergeben sich dabei auch neue Ideen für die Zusammenarbeit mit unseren Absolventen“, freut sich der Rektor und hofft auf einen Image- und Wirtschaftsschub für die TU und die Stadt Dresden. Bedenkt man, dass sich zum Beispiel die namhafte Harvard University oder die renommierte Yale University auch mittels privater Spenden ihrer ehemaligen Studenten finanzieren, liegt dieser Gedanke natürlich nahe.

Genau dort sei allerdings der Hund begraben, bedauert Janin Volkmann vom Studentenrat der TU Dresden: „Die Problematik eines Alumniballs liegt nicht darin, dass es ihn gibt, sondern, dass die Hochschule durch immer mehr Kürzungen auf solche Veranstaltungen angewiesen ist, um zum Beispiel die geplanten Stipendien zu finanzieren und anbieten zu können.“

Gemeint sind die Deutschlandstipendien, die Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) im vergangenen Jahr auf den Weg gebracht hatte. Studenten sollen so mit 300 Euro pro Monat gefördert werden. Eine Hälfte des Geldes steuert der Bund, die andere die Hochschule – mittels privater Geldgeber – bei. Dadurch erhalte eine Veranstaltung wie der Alumniball, bei dem es extra eine Tombola geben wird, einen faden Beigeschmack, findet Volkmann. Denn während Prof. Müller-Steinhagen fleißig Tanzstunden nimmt, um den Ball feierlich zu eröffnen, sollen Absolventen tief in die Tasche greifen. Zum einen mit 89 oder 69 Euro, je nach Sitzplatz, für die Eintrittskarte, zum anderen in Form von finanziellen Zuwendungen für ihre ehemalige Universität. Doch selbst wenn solche Spendengelder eine Bereicherung für die Uni darstellen, wie die Studentenvertretung hofft, bleibt es fraglich „inwieweit davon alle Fakultäten etwas haben oder eben das Geld nur einer bestimmten Richtung zugute kommt.“

Netzinfos: http://www.tu-dresden.de/alumniball

Zur Karikatur: Am Alumniball kann eigentlich jeder teilnehmen – wenn er will! Studenten der TU Dresden zahlen 29 Euro für einen Sitzplatz im 1. Rang.

Karikatur: Norbert Scholz

ACHTUNG, MEINUNG.

Von Antje Meier

Ein Alumniball ist eine klasse Idee und ein wichtiges Signal in Richtung Exzellenzuniversität. Es wird getanzt, getrunken und gefeiert. Und beim Alumniball gibt es noch viel tollere Sachen. Da werden die Fakten auf den Tisch gepackt: Mein Haus, mein Auto, mein Kontostand. Alumni, die vielleicht noch kein so dickes Portemonnaie haben, sind natürlich auch herzlich willkommen. Ein Tisch in der hintersten Ecke findet sich bestimmt für die Geisteswissenschaftler. Denn vorn sitzt die Elite, die Unternehmen, die ihre eigenen Gäste einladen dürfen, um sich fröhlich die Schulter klopfend das Drei-Gänge-Menü schmecken zu lassen, während die Studenten, die ebenfalls ganz herzlich willkommen geheißen werden, immerhin vom ersten Rang per Fernglas einen Blick auf die Teller erhaschen dürfen. Ohne Moos ist nix los. Dann gibt’s eben nur Snacks. Wäre aber auch frech, die Kellner mit Menütellern in den ersten Rang zu hetzen. Es lebe die Klassengesellschaft!

Kein Jazz mehr auf dem Elfenbeinturm

Nach neun Jahren steht das beliebte Jazzspektakel „Dixie auf dem Campus“ an der TU Dresden vor dem Aus

Von Nicole Laube

Das Ende des beliebten Dixieland-Konzertes im Hörsaalzentrum der TU Dresden ist besiegelt. Das stimmt Studenten wie Organisatoren traurig.

Katharina Leiberg vom Unimarketing der TU Dresden ist ein bisschen wehmütig. Seit dem Jahr 2001 hat sie alljährlich „Dixie auf dem Campus“ organisiert, um Musik und Uniatmosphäre zu vebinden. „Ich hatte damals die Idee, das Hörsaalzentrum auch für Konzerte zu nutzen, um es jenseits der Lehrveranstaltungen mit Leben zu erfüllen“, sagt die Projektmanagerin. Seither hat sie viel Engagement in das Konzert gesteckt, zu dem oft mehr als 2 000 Gäste gekommen sind.

Neun Jahre lang wurde „Dixie auf dem Campus“ gemeinsam von Universität, Studentenwerk und dem Klub Neue Mensa veranstaltet. „Bedingung war, dass wir uns finanziell selbst tragen, und das haben wir geschafft“, meint Leiberg stolz. Die Organisatoren haben dabei mit der Festivalvereinigung des Internationalen Dresdner Dixielandfestivals (IDF) – das die Stadt immer im Mai in eine Jazzmeile verwandelt – zusammengearbeitet. „Wir haben jeweils drei Bands eingeladen, die ohnehin auf dem Festival spielen, und dazu selbst drei Bands engagiert.“ Obwohl die Uni das volle finanzielle Risiko für die Veranstaltung getragen hat, war die Verbindung zum Festival stets wichtig: „Es ging uns darum, die Uni in das Stadtleben einzubinden, zu zeigen: Wir sind hier nicht auf einem Elfenbeinturm“, sagt Leiberg. Zudem ist die Universität traditionell eine Keimzelle der Dresdner Jazz- und Dixieland-Historie. Ausgerechnet im zehnten Jahr soll nun mit der schönen Tradition Schluss sein. Die Gründe dafür seien „vielschichtig“, erklärte Jürgen Richter, der Pressesprecher des IDF, auf „ad rem“-Anfrage. „Die Organisation lag zwar in der Hand der Uni, doch mussten wir feststellen, dass der Kartenverkauf in den Vorjahren etwas schleppend verlief. Wir hatten den Eindruck, dass der notwendige Nachdruck und das Engagement fehlten.“

Katharina Leiberg weist dies jedoch barsch zurück: „Wir haben uns selbst finanziert und waren immer ausverkauft.“ Das Problem sei vielmehr, dass die Bands in diesem Jahr erst freitags anreisen müssten. „Wöllten wir sie – wie gehabt – am Donnerstag verpflichten, hieße das, wir wären an diesem Tag auch für Betreuung, Unterbringung und Verpflegung der Musiker verantwortlich“, sagt die Organistorin. Diesen Aufwand könne die Uni personell nicht stemmen.

„Man kann hier niemandem die Schuld zuschieben“, findet sie – und betont mit einem Blick auf ein altes Plakat: „Es ist schade, weil das Konzert ein Ort der Kommunikation an der Uni war, zu dem viele Absolventen kamen.“ An eine spätere Wiederbelebung der Veranstaltung mag sie nicht glauben.

Zur Karikatur: Vielleicht fehlt ja nur noch der passende Sponsor?

Karikatur: Norbert Scholz

Für drei Tage Unternehmer

Ende Mai findet der diesjährige Topsim-Kurs an der TU Dresden statt

Von Anja Hilliger

Seit 2003 veranstaltet das Institut für Leichtbau und Kunststofftechnik der TU Dresden ein Unternehmerplanspiel. Studenten lernen dort, sich kaufmännisch richtig zu entscheiden.

Vom 23. bis 25. Mai können sich Studenten der TU Dresden im Treffen von Entscheidungen üben. In diesem Zeitraum wird der diesjährige Topsim-Kurs durchgeführt. Topsim ist ein computergestütztes Planspiel, in welchem die Teilnehmer Entschlüsse in allen Bereichen eines Unternehmens selbst treffen. Gruppen aus drei bis fünf Leuten leiten im Kurs zusammen ihr virtuelles Unternehmen.

Ziel ist es, die Studenten auf den Beruf vorzubereiten. Dafür werden betriebliche Zusammenhänge vermittelt. „Durch das Planspiel habe ich einen kurzen, aber guten Einblick in das gesamtunternehmerische Denken und Handeln sowie die kurz- und langfristigen Auswirkungen spezieller Entscheidungen erhalten“, sagt Thomas Bartl. Er hat gerade sein Studium abgeschlossen und war im vergangenen Jahr bei Topsim dabei. Er erinnert sich: „Alle Unternehmen treten gegeneinander an und versuchen die Vormachtstellung auf dem Markt für ein bestimmtes Produkt zu erlangen.“ Ein Spielleiter gibt zwischen den Runden Tipps und erklärt wirtschaftliche Abläufe. „Das vermittelte Wissen lassen die Teilnehmer in jede neue Runde einfließen.“ Thomas Bartl bereut seine Teilnahme nicht: „Neben dem Arbeiten im Team gefiel mir das Konkurrenzdenken unter den Gruppen als zusätzliche Motivation. Schließlich will man am Ende doch ganz oben stehen.“

Das Planspiel gilt als nichttechnisches Wahlpflichtfach (zwei Semesterwochenstunden). Studierende aller Fachrichtungen können sich bis zum 19. Mai anmelden. Es findet im ILK-Gebäude (Marschnerstraße 39, Raum 472) statt.

Anmeldungen per Mail an: p.saaber@ilk.mw.tu-dresden.de

Zum Foto: Thomas Bartl sammelte Unternehmererfahrungen im Planspiel.

Foto: Amac Garbe

Bergakademiker auf kurzweiliger Feiermission

Mitte Mai feiern die Freiberger Studententage ihre Volljährigkeit

Von Anja Hilliger

Nicht nur die Studenten der Bergstadt werden im Wonnemonat auf feierfreudige Missionen geschickt.

Schon seit dem Jahr 1993 zelebrieren die Hochschüler in Freiberg ihre Studententage. Die 18. ihrer Art beginnen am 16. Mai mit einem Campuslauf, an dem Studenten und Mitarbeiter der Uni teilnehmen.

Jeder der drei Studententage steht unter einem Motto. Entsprechend der montäglichen Devise „Mission Kino“ wandelt sich im Anschluss an den Campuslauf das Audimax zum Lichtspielhaus. Zu sehen ist die Komödie „Die seltsamen Abenteuer des Mr. West im Land der Bolschewiki“. Passend zum Film klingt der Abend dann im Erdalchimistenclub in der Neuen Mensa mit einer Motto-Party zum Thema Ost-West aus.

Am 17. Mai startet die Mission Sport. Turniere werden ausgetragen und allerlei Funsportarten wie Fassathlon, Blind Kick und Flunkyball geboten. Außerdem ist ein Wohnheim-Treppenlauf geplant. Neu in diesem Jahr ist der Bandcontest am 18. Mai – Achtung: „Mission Kultur“! Vier Schüler- und Studentenbands nehmen teil und auch eine Professorenband, gemischt aus Professoren und einigen Studenten, wird spielen. Die Sieger des Wettbewerbs treten am 18. Juni zur dritten Nacht der Wissenschaft und Wirtschaft in Freiberg auf.

Organisiert werden die Studententage von Mitgliedern des Studentenrates, Arbeitsgemeinschaften und Vereinen. Christoph Brause studiert Wirtschaftsmathematik im 6. Semester und ist Gesamtverantwortlicher des Spektakels: „Unser Motto lautet: Von Studenten für Studenten. Wir möchten den Studenten in Freiberg einen Mehrwert schaffen und die verschiedenen Möglichkeiten aufzeigen, die an der Uni geboten werden.“

Netzinfos: http://www.stura.tu-freiberg.de/studententage, http://www.studententage.tu-freiberg.de/2011

Zum Foto: Drei Tage Feiersause statt Hörsaal: Die Studententage läuten mit ihrem 18. Geburtstag den Sommer ein.

Foto: Amac Garbe

Schrauberromantik im Radschuppen

Die studentische Fahrrad-Selbsthilfewerkstatt „Rad i.O.“ in Dresden sucht Verstärkung

Von Toni Klemm

Die Selbstschrauberwerkstatt in der Dresdner Wundtstraße hilft Studenten bei ihren Fahrradsorgen. Nun aber sucht die Schrauberbude dringend neues Personal.

Mit einer gewaltigen Acht im Hinterrad hing der Drahtesel von Robert Pawlik am Fahrradständer, als er eines Tages im vergangenen Herbst damit fahren wollte. Neben dem demolierten Zweirad, am Fahrradständer seines Wohnheims in der Dresdner Wundtstraße, lagen ein paar leere Bierflaschen. „Da konnte ich mir eins und eins zusammenzählen“, sagt der TU-Student über den unsinnigen Vandalismus. Dann kam der Winter, und das Rad wurde samt der Acht vom Schnee begraben. Jetzt will er es wieder auf Vordermann bringen.

Für Fälle wie Robert Pawliks Fahrrad ist die Fahrradselbsthilfewerkstatt „Rad i.O.“ im Studentenwohnheim Wundtstraße 9 der richtige Ort, meint Knut Kotthoff. Der Kartografiestudent der Hochchule für Technik und Wirtschaft (HTW) Dresden hilft als einer von acht ehrenamtlichen Schraubern den Studenten bei der Behebung von kleinen und großen fahrradtechnischen Problemen.

Schläuche flicken, Bremsbacken erneuern, Tretlager wechseln – dank Werkzeug und Ersatzteilen kein Problem. Und sollte das Zweirad vollkommen hinüber sein, gibt es für wenig Geld ein gutes Gebrauchtes aus dem Bestand der Selbsthilfewerkstatt.

Mit Ersatzteilen war bei Michael Keschka allerdings wenig zu machen. Bei ihm, beschreibt der TU-Student der Verfahrenstechnik ist das Kurbelgewinde, also die Verbindung von Pedal und Tretkurbel, abgenutzt. Die Pedale hält nicht mehr, die Konstruktion mit Zahnkranz und Innenlager muss er austauschen. Zwar musste er für das Set im Fahrradladen 70 Euro bezahlen. Aber durch den Einbau, den er selbst vornehmen kann, spart er, so schätzt Michael, etwa 30 Euro. Das Innenlager, das er nun übrig hat, schenkt er den Leuten von „Rad i.O.“.

Robert Pawlik kommt mit seiner Acht im Rad deutlich günstiger weg: Er findet eine passende Felge im Ersatzteillager der Werkstatt. Etwas Stahlwolle gegen den Rost und einen Flicken für den beschädigten Schlauch – fertig ist sein neues Hinterrad. Ein paar Euro für die Felge und den Flicken wandern in den Spendenbecher der Werkstatt, die auch vom Studentenwerk Dresden unterstützt wird. Knut Kotthoff ist im Zweierteam etwa einmal alle zwei Wochen in der Werkstatt.

Bei aller Schrauberromantik haben die Werkstätter ein Problem: um alle Termine zu besetzen, fehlen ihnen momentan Leute. „Einige von uns sind gerade im Ausland und andere haben mit Prüfungen alle Hände voll zu tun“, erklärt Knut Kotthoff die Misere. Willkommen seien darum alle, die ein bisschen Englisch können und sich gerne mal die Hände schmutzig machen. Technisches Verständnis sei nicht zwingend nötig.

Ihm macht die Arbeit trotz der Unterbesetzung Spaß: „Es ist ein guter Ausgleich zum Studium, und man kann anderen Leuten helfen.“

Zu den Fotos:

Foto 1: Knut Kotthoff schraubt ehrenamtlich in der studentischen Fahrradselbsthilfewerkstatt Dresden.

Foto 2: Letzter Handgriff für Michael Keschka: Er schraubt eine neue Pedale an seine neue Kurbelgarnitur.

Foto 3: Robert Pawlik mit seiner „neuen“ Felge aus dem Ersatzteillager der Schrauberwerkstatt.

Fotos: Toni Klemm

In die Geldbörse gespäht

Dresdner, Zittauer und Görlitzer Studenten zählen zu den ärmsten im Bundesdurchschnitt

Von Tobias Hoeflich

Wie wohnen Studenten heute? Wie finanzieren sie ihren Lebensunterhalt? Die Sozialerhebung des Studentenwerks entschlüsselt die Geheimnisse des Unilebens in Dresden, Zittau und Görlitz.

Der typische Student haust in einer chaotischen Wohngemeinschaft, hat jede Menge Freizeit und macht seinen Abschluss im zweistelligen Semesterbereich. Viele Klischees über das Hochschulleben halten sich hartnäckig – auch wenn Statistiken eines Besseren belehren. Das Deutsche Studentenwerk wollte es genau wissen und fühlte in seiner jährlichen Sozialerhebung auf den studentischen Zahn. Die Regionalauswertung für Dresden, Zittau und Görlitz liefert wenig Überraschendes, und doch Interessantes. Basis hierfür waren 426 Befragte, drei Viertel davon studieren an der TU Dresden.

Erkenntnis Nummer eins: „Hotel Mama“ und Wohnheim haben offenbar ausgedient. Nur je 13 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben dies als derzeitige Wohnform an. Der Student von heute bevorzugt das Leben in einer Wohngemeinschaft. 38 Prozent der Befragten teilen sich eine Bleibe mit einem oder mehreren Mitbewohnern – Tendenz steigend.

Keine Rückzugssorgen

Wie oft aber in den WGs geputzt wird, darüber informiert die Studie nicht. Zum Vergleich: Im Jahr 2 000 waren es noch 24 Prozent WG-Bewohner, fast ein Drittel lebte dagegen im Wohnheim. Grund zur Sorge sieht man beim Dresdner Studentenwerk jedoch nicht. Der Rückgang sei lediglich die Folge von Sanierungsmaßnahmen, sagt Pressesprecherin Dr. Heike Müller. Aus Doppel- wurden vielfach Einzelzimmer. „Der Bedarf an Wohnheimplätzen wird auch weiterhin vorhanden sein“, ist sie sich sicher. Zum Wintersemester 2010/11 hätten sogar 600 Absagen an Bewerber verschickt werden müssen.

Auch das Vorurteil vom lässig-entspannten Studentenleben wird widerlegt – mehr noch: Der Zeitaufwand kommt dem einer 40-Stunden-Woche gleich. Dabei entfallen jeweils knapp 20 Stunden auf Lehrveranstaltungen und Selbststudium, fünf Stunden auf Nebenjobs. Auffällig ist dabei das Gefälle: Jeder Fünfte gab an, weniger als 30 Stunden pro Woche zu investieren, ebenso viele jedoch mehr als 50.

Weiteres Fazit der Studie: Sächsische Studenten zählen zu den ärmsten innerhalb Deutschlands. In Dresden verfügen sie monatlich über 690 Euro, in Zittau und Görlitz geringfügig weniger, und zahlen im Schnitt 222 Euro Miete. Übrig bleiben so 15,39 Euro pro Tag – ohne Kosten für Lehrmittel und Semesterbeitrag. Kaum mehr als das, was ein Arbeitslosengeld-II-Empfänger zur Verfügung hat (11,80 Euro täglich). Zudem jobben mehr und mehr Studenten parallel zum Studium. 58 Prozent gaben an, regelmäßig einer Nebentätigkeit nachzugehen. Zum einen, um Kontakte ins Berufsleben zu knüpfen. Vor allem aber, um den Lebensunterhalt finanzieren zu können und unabhängig von den Eltern zu sein. Dr. Heike Müller verweist daher mit Nachdruck darauf, dass Eltern verpflichtet sind, „das Studium als Erstausbildung zu finanzieren, wenn kein Anspruch auf BAföG besteht“. Dennoch setze sich auch das Studentenwerk dafür ein, die Bezugskriterien für das BAföG zu erleichtern.

Trotz geringer Lebensunterhaltskosten lockt Sachsen indes nur spärlich Abiturienten aus anderen Bundesländern an. So haben zwei Drittel der Studenten in Dresden, Zittau und Görlitz auch ihr Abitur im Freistaat erhalten.

Wirbt man drüben zu wenig? Oder liegt’s am Dialekt? Immerhin, sagt Dr. Heike Müller, steige die Zahl an westdeutschen Studenten von Jahr zu Jahr. Ein Werbedefizit sieht sie nicht und verweist auf „Pack dein Studium“: Seit September 2008 werde mit dieser Kampagne „in den alten Bundesländern geworben, um Abiturienten zum Studieren nach Sachsen zu bewegen“. Jeder fünfte Studienanfänger komme inzwischen aus den alten Bundesländern. Vielleicht werden es noch mehr – wenn die Dresdner TU „exzellent“ ist.

Der komplette Bericht im Netz …

Zum Foto: Student oder ALG-II-Empfänger? Die Studie des Studentenwerkes zeigt: Mit 15,39 Euro am Tag müssen Dresdner, Zittauer und Görlitzer Studenten im Durchschnitt auskommen.

Foto: Amac Garbe

Erste Ticketbewährungsprobe

Hauchdünne Mehrheit auf Probe – erneute Abstimmung zum sachsenweiten Semesterticket

Auch das Campusradio hat nachgefragt …

Von Sabine Schmidt-Peter

Seit einem Semester fahren Dresdner weiter. Nun steht Anfang Mai die Bewährungsprobe für das sachsenweite Semesterticket an.

Vom 1. bis 14. Mai haben die Studierenden der TU Dresden (TUD) und der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden (HTW) die Möglichkeit, ihre Stimme für oder gegen das Ticket abzugeben. „Per E-Mail bekommt jeder Studierende den Link zur Umfrage“, erklärt der Semesterticketbeauftragte des Studentenrates (StuRa) der TU Dresden, Christian Soyk, das Prozedere. Das Ziel der Onlinebefragung sei es, herauszufinden, ob das Ticket Akzeptanz unter den Studierenden findet.

Bereits Anfang des vergangenen Jahres hatte es eine Umfrage unter den Studierenden zum Thema „sachsenweites Semesterticket“ gegeben. Von rund 10 000, die sich an der Umfrage beteiligten, stimmten 50,5 Prozent für die Einführung eines erweiterten Tickets. Trotz dieser hauchdünnen Mehrheit entschieden die Studentenräte von TUD und HTW zu Gunsten einer Erweiterung des Semestertickets. Für Mehrkosten von 33,90 Euro können die Studierenden daher seit dem vergangenen Wintersemester neben den Verkehrsmitteln des Verkehrsverbundes Oberelbe (VVO) auch die Regionalzüge der Deutschen Bahn und privater Eisenbahnen in ganz Sachsen kostenlos nutzen.

„Da meine Eltern außerhalb des bisherigen Gültigkeitsbereiches wohnen, musste ich immer draufzahlen wenn ich sie besuchen wollte, diese zusätzlichen Kosten entfallen Dank des Tickets“, begründet Corinna Schubert ihre Zufriedenheit mit dem sachsenweiten Semesterticket. Sie studiert Lehramt für Geschichte, Ethik und Latein und sieht noch weitere Vorteile: „Man kann jetzt auch Freunde besuchen, die in Leipzig oder Chemnitz studieren oder diese Städte besichtigen, ohne extra zahlen zu müssen.“

Doch nicht alle teilen ihre positive Haltung zum sachsenweiten Semesterticket. TU-Studentin und StuRa-Mitglied Diane Horn sprach sich bei der Abstimmung im vergangenen Jahr gegen das Ticket aus und hat ihre kritische Meinung beibehalten. Zwar sei es die Aufgabe des StuRas, die Mobilität des Studierenden zu fördern, die Grenzen dieser Aufgabe seien jedoch längst überschritten. „Ich bin der Ansicht, dass studentische Mobilität nur ein adäquates Studieren an der TU Dresden ermöglichen sollte.“ Das alte VVO-Ticket habe sich wenigstens damit rechtfertigen lassen, dass es die Forstwissenschaften in Tharandt gibt. „Bei dem Argument, dass die Studierenden kostenlos nach Hause fahren können, kann ich nicht nachvollziehen, inwieweit dies das Studium erleichtern soll.“

Kritische Stimmen sind aus dem Fachschaftsrat (FSR) Verkehr zu hören. Sie richten sich insbesondere gegen die Plakat- und Anzeigenkampagne, mit der der StuRa der TUD derzeit für das Ticket wirbt. „Wir sind der Meinung, dass der StuRa mit seiner Pro-Semesterticket-Kampagne nicht die ganze Wahrheit erzählt“, positioniert sich Lorenz Wünsch vom FSR Verkehr. Da die Kritik des FSR im StuRa nicht auf Resonanz stieß, sahen sich dessen Mitglieder gezwungen, mit einem eigenen Positionspapier aktiv zu werden. „Dabei geht es uns ausdrücklich nicht darum, gegen ein sachsenweites Semesterticket zu mobilisieren“, hebt Wünsch hervor. „Wir sind allein darum bemüht, jedem, der sich vor der Abstimmung informieren möchte, eine neutrale Plattform dafür zu bieten. In diesem Sinne sollen die Studierenden über Vor- und Nachteile der sachsenweiten Ticketoption aufgeklärt werden.“

Trotz dieser Stimmen hofft der Semesterticketbeauftragte Christian Soyk, dass sich die Mehrheit der Studierenden für das Ticket aussprechen wird, da es seiner Meinung nach in der derzeitigen Ausgestaltung die größtmögliche Gerechtigkeit im Kosten-Nutzen-Verhältnis herstelle. Sollte der Großteil der Studierenden gegen das Ticket votieren, sind die Studentenräte aus rechtlicher Sicht aber nicht gezwungen, es wieder abzuschaffen. Allerdings ist anzunehmen, dass sie, wenn sie die Meinung der Studierenden zu einem Thema befragen, diese Meinung nicht ignorieren werden.

Netzinfos: www.stura.tu-dresden.de/aktuelles/110419_eure_fragen_zum_semesterticket_sachsen & www.fsr-verkehr.de/semesterticket

Zur Karikatur: Sachsenweites Reisen liegt voll im Trend …

Karikatur: Norbert Scholz

Dresdens Frankophonie am Ende

Sparmaßnahmen zwingen TU Dresden, bundesweit einzigartige Professur aufzugeben

Von Marion N. Fiedler

Studenten und Lehrkräfte des Instituts für Romanistik stellen die Definition für akademische Exzellenz infrage: Der Abschied von der bewährten Romanistenausbildung rückt näher.

Im Jahr 1994 waren es vierzig Studenten, inzwischen sind es über 1 000: Das Institut für Romanistik ist dabei nicht nur in Studentenzahlen gewachsen, sondern auch auf Qualitätsebene. Die TU Dresden darf dementsprechend einen exzellenten Ruf ihrer Romanistik- und Französischlehrerausbildung genießen und fand, in Anerkennung ihrer hervorragenden Studienmöglichkeiten, auch Unterstützung von außen. Denn wegen finanzieller Engpässe hatten sich in den vergangenen Jahren heimische Dozenten mit geringer oder teilweise gar keiner Bezahlung zufriedengeben müssen. Nur so konnten sie die Lehrund Beratungstätigkeit der Fakultät aufrechterhalten.

Es gelang ihnen, sich für ein internationales Programm einzusetzen, bei dem Wissenschaftler auch aus Frankreich nach Dresden berufen wurden, um an der Fakultät zu unterrichten.

Zwangsmaßnahmen per Pakt

Entschieden ist noch nichts, doch es sieht schlecht für die Vielfalt der Lehre aus. Weitere Überlegungen werden laut Pressestelle der TU Dresden in den kommenden Monaten mit dem Rektorat diskutiert. Die Fakultäten müssen ein in erster Linie aus dem Hochschulpakt resultierendes Sparprogramm ausführen. Der Stellenabbau ist vom Freistaat vorgegeben. Laut TU-Rektor Prof. Hans Müller- Steinhagen sei geplant, die Professur für Frankreichstudien und Frankophonie mit der Professur für Französische und Italienische Literaturwissenschaft zusammenzulegen. („ad rem“ berichtete) Die von Prof. Ingo Kolboom vertretene Professur für französische Landes- und Kulturstudien verliert dann ihre über die Jahre aufgebaute Vielfalt. Mehrere Stellen der Fakultät für Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaften sollen zu einer einzigen komprimiert werden. Die Studenten reagieren geschockt und versuchen, in Gesprächen und mit öffentlichen Aktionen eine Lösung zu finden. So auch der frischgebackene Französischlehrer Thang Panquoc. Um die Aktionen seiner Kommilitonen zu unterstützen, rief er in mehreren sozialen Netzwerken Initiativen ins Leben. Mit vielen Videoprotesten und öffentlichen Briefen kann er dokumentieren wie groß der Umnut über die geplanten Kürzungen ist. „Ich bin zutiefst enttäuscht. Die französische Kulturwissenschaft ist das Herzstück des

Instituts. Die meisten Romanistikstudenten legen darin ihren Schwerpunkt“, sagt er. „Unsere nachfolgenden Kommilitonen haben das Recht auf die gleiche gute

Ausbildung wie wir!“

Auch der soeben vom französischen Botschafter mit dem Nationalen Verdienstorden des Landes Frankreichs zum Offizier ausgezeichnete Prof. Ingo Kolboom kämpft gegen die Kürzungen seit Jahren an. Er verweist in seiner Dankesrede zur Ordensverleihung selbst darauf, dass die Änderung weder den Lehrplänen noch

den Anforderungen an die Französischlehrer an den Schulen gerecht würde. Auch aus Sicht der Globalisierung seien die Kürzungen gefährlich. Frankreich sei der

engste Partner Deutschlands, und die deutschfranzösischen Beziehungen hätten einen transnationalen Exzellenzstatus. Dies sei die Grundlage für einen attraktiven Arbeitsmarkt.

Strategische Plausibilitätsprüfung

Im Grunde sieht TU-Rektor Müller-Steinhagen das genauso. Für Diskussionen und Ideenfindung stehe er zur Verfügung, sei aber an die Verantwortung für die gesamte Universität gebunden, teilte er in einem Brief mit. Dementsprechend müsse er die Institution als Ganzes verantworten. Jede Fakultät müsse regelmäßig ihre Strategien und Schwerpunktsetzungen überprüfen, sagt Müller- Steinhagen. Nur so könne die TU im wachsenden Wettbewerb bestehen. So wird es in den kommenden Semestern weitere Kürzungen geben, da die finanziellen und personellen Ressourcen seit Jahren geringer werden. Dabei werden die Fakultäten aufgefordert, „nach Möglichkeiten zu suchen, um zum einen das eigene Profil in Lehre und Forschung zu schärfen, zum anderen eine qualitativ hochwertige, breit gefächerte Lehre anzubieten“, sagt der Rektor und versucht gleichzeitig zu beruhigen. Die Universität treffe die Entscheidungen über die Kürzungen nicht leichtfertig. Das Rektorat messe der Vielfalt und der Qualität des Studienangebotes an der TU Dresden eine große Bedeutung bei. Studenten und Lehrkräfte der Fakultät hoffen, dass die Veränderung eine unerwartete Verbesserung mit sich bringen wird. Exzellenz und Sparmaßnahmen – eine große Herausforderung.

Zur Karikatur: Französische Kultur hat wohl bald keinen Platz mehr …

Karikatur: Norbert Scholz

Ein Dresdner Schatzhüter im Gespräch

Visionen für die Jazzabteilung: Musikhochschulrektor Prof. Klemm im „ad rem“-Interview

Exklusiv nur hier: Das ausführliche Interview …

Interview: Nicole Laube

Er sorgt für den Nachwuchs in Dresdens reicher Musiklandschaft: Ekkehard Klemm ist seit dem Wintersemester 2010/11 Rektor der Dresdner Hochschule für Musik Carl Maria von Weber (HfM). In „ad rem“ plaudert er über seine Ziele, den Praxisbezug im Musikstudium und Visionen für die Jazzabteilung.

Sie sind seit 2003 als Professor an der HfM tätig, seit 2004 künstlerischer Leiter der Singakademie Dresden und seit 2010 auch Rektor der HfM – Wie bekommen Sie das alles unter einen Hut?

Es ist eine Frage der Organisation und natürlich manchmal anstrengend. Aber gerade einen administrativen Posten, wie den des Rektors einer Musikhochschule, kann man künstlerisch ganz gut abfedern, indem man selbst tätig bleibt. Ich denke, dass diese Doppeltätigkeit dem Amt sogar gut tut. Man macht sich das Leben zwar nicht leichter, denn man wird auch angreifbar – wenn mal etwas schief geht, dann ist es eben der Rektor, dem das passiert ist (lacht). Aber ich denke, wenn man den Studenten an dieser Stelle nicht ein Stück weit die besondere Herausforderung dieses Berufes vorlebt, wäre es schade.

Welche Ziele haben Sie sich als HfM-Rektor gesetzt?

Mir liegt – und das ist auch von der Geschichte der Dresdner Hochschule her gut zu begründen – sehr viel an der Orchesterarbeit. Dass die ortsansässigen Orchester mit der Hochschule verwachsen sind und ihren eigenen Nachwuchs aus der Hochschule rekrutieren, ist eine besondere Ausprägung für Dresden. Wir wollen im Herbst daher ein Dresdner Orchesterinstitut gründen, das die Synergien und Vernetzungen zwischen Staatskapelle, Philharmonie und dem Europäischen Zentrum der Künste Hellerau besser nutzt. Ziel ist es, die Orchesterakademien stärker an die Hochschule zu binden. Wir werden im nächsten Jahr auch in die Junge Szene der Semperoper eingebunden sein. Da ich ein großer Verfechter von neuer Musik bin, will ich diesen Schwerpunkt weiter in den Mittelpunkt rücken.

Gibt es Dinge, die Sie anders als Ihr Vorgänger machen wollen?

Das ist immer so eine Sache. Jeder Rektor hat natürlich Schwerpunkte seiner Tätigkeit, die bei ihm in den Mittelpunkt gerückt werden. Mein Vorgänger ist selbst Musikpädagoge und hat die musikpädagogische Strecke unwahrscheinlich gut profiliert – auch das wird weiterhin Schwerpunkt unserer Arbeit sein. Zumal wir anfangen müssen, in den Schulen mit der Erziehung des künstlerischen Nachwuchses zu beginnen. Es nützt nichts, wenn wir nur Studenten ausbilden. Wir müssen dafür sorgen, dass schon bei den Kindern das Musizieren in der Schule wieder eine größere Rolle spielt.

Immer wieder wird der Vorwurf laut, Musikstudenten würden zu wenig auf die Praxis vorbereitet. Kürzlich wurde an der HfM ein „Career Service“ eingerichtet. Muss man heute in der Lehre umdenken?

Ich begrüße es sehr, dass der „Career Service“ hier im Haus ist und ich finde, das ist eine notwendige und wichtige Sache. Ich versuche auch, den Mitarbeitern zu sagen, wo für mich wichtige Punkte sind. Ich finde zum Beispiel, dass ein Kapellmeister, der heute von der Hochschule geht, einen Einblick in Vertragsstrukturen, die auf ihn zukommen, kriegen muss. Das sind Dinge, für die im künstlerischen Hauptfachunterricht keine Zeit ist. Im Bachelorstudiengang haben wir deshalb ein Fach „Markt/Recht/Kommunikation“, das diese ganzen Dinge berücksichtigt.

Unabhängig davon halte ich eine hervorragende musikalische Ausbildung noch

Immer für die beste Werbung für einen Musiker. Nur durch eine bessere Präsentationsform bei Agenturen oder eine schönere Webseite wird ein Pianist oder Sänger fachlich nicht besser.

Wie weit es an der HfM mit der Umstellung auf Bachelor und Master?

Unsere Diplomstudiengänge laufen jetzt aus. Ansonsten gibt es tatsächlich nur noch Bachelor und Master und natürlich die Meisterklasse. Wir haben die Umstrukturierung wirklich ernst genommen – also versucht, über bestimmte Dinge grundlegend nachzudenken. Momentan sind wir dabei, die Kinderkrankheiten der von uns erdachten Konzepte zu bekämpfen. Das Problem ist für uns, dass ein künstlerisches Studium ganz schwer mit ETCS abzurechnen ist. Und das muss ich auch in aller Deutlichkeit so sagen. Das modularisierte Programm stellt uns daher vor nicht unerhebliche Probleme.

Und die wären?

Bei uns umfasste das Diplom fünf Jahre und das Aufbaustudium zwei Jahre. Jetzt dauert das Bachelorstudium vier Jahre und das Masterstudium zwei Jahre – da sind aus insgesamt sieben Jahren sechs geworden. Bei kürzerer Zeit soll das Studium aber qualitativ besser sein, als vorher. Auf der anderen Seite haben wir aber weniger Geld zur Verfügung gestellt bekommen. Das heißt, der Student soll jetzt also in sechs statt bisher in sieben Jahren ein qualitativ hochwertigeres Studium abschließen und das für weniger Geld. Da hat mir bisher noch niemand erklärt, wie das gehen soll.

Sie haben sich erst vor wenigen Wochen in einem offenen Brief an die Wissenschaftsministerin deutlich gegen die geplante Orchesterfusion zwischen Riesa und Radebeul ausgesprochen. Was hat Sie dazu bewogen?

Was ich bei der momentanen Diskussion vermisse, ist eine wirkliche Vision, was statt der Strukturen, die man glaubt jetzt verändern zu müssen, kommen soll. Ich halte die Kulturlandschaft in Sachsen für einen wirklichen Schatz, den wir nicht leichtfertig aufgeben sollen. Ich habe mich aber vor allem deshalb so deutlich zu Wort gemeldet, weil wir in den letzten Jahren unter anderem vom Ministerium immer aufgefordert worden sind: Hochschulen vernetzt Euch! Schafft den Studenten Praxismöglichkeiten. In Dresden habe ich in den letzten Jahren unzählige Projekte mit allen sächsischen Orchestern gemacht, zum Beispiel mit der Neuen Elbland Philharmonie. Neben den Studenten profitieren auch die Orchester davon. Ich finde, dass auf jeden Fall eine Struktur gefunden werden muss, die diese Aktivitäten weiterhin ermöglicht.

In der diesjährigen Koproduktion mit der HfBK und dem Staatsschauspiel Dresden war zum ersten Mal die Neue Elbland Philharmonie und nicht das Orchester der Hochschule zu hören. Warum?

Das war eine Ausnahme. Es kam daher, weil mit Glucks „Orpheus“ und Lortzings „Wildschütz“ zwei Opern in einem Studienjahr produziert haben. Das ist zu viel für das Hochschulsinfonieorchester. Es war also eine organisatorische Frage. Es ist an anderen Hochschulen übrigens absolut üblich, dass nicht das Hochschulsinfonieorchester solche Produktionen spielt, sondern regionale Orchester. Ich finde das System in Dresden aber sehr gut. Für die Studenten ist es zwar eine große Belastung so viele Vorstellungen zu spielen, andererseits haben sie dadurch die Möglichkeit, Repertoirevorstellungen über einen langen Zeitraum zu geben. So kann ein Stück wachsen und eine andere Art von Sicherheit bekommen.

Sie kommen als Musiker vor allem aus der klassischen Richtung. Inwieweit können auch die Jazzer von Ihnen als Rektor profitieren?

Die Jazzabteilung ist sehr bekannt und auch wieder sehr gut aufgestellt. Mit Till Brönner ist eine neue Generation herangewachsen. Thomas Fellow ist hervorragender Mann und ich arbeite auch eng mit ihm zusammen. Viele wären da noch zu nennen. Ich bin für Jazzkooperationen absolut offen und habe auch eine Vision für die Jazzer der HfM, die im kommenden Jahr 50-jähriges Bestehen feiern. Ich fände es schön, wenn wir innerhalb des Kulturkraftwerkes Dresden Mitte ein Jazzhaus für Dresden erbauen, wo die Jazzer eine attraktive Heimstadt erhalten und bessere Probe- und Übungsbedingungen haben.

Aber es ist doch noch gar nicht lange her, da wurde der Neubau eröffnet – auch mit der Maßgabe alle nun an einem schönen Campus vereint zu haben?

Das Kraftwerk ist ja gegenüber, es wäre also nur eine kleine Campuserweiterung. Tatsächlich haben die Jazzer noch immer viele Räume im Keller, das ist zum Teil bissel schwierig. Und wir haben seit dem Umzug von der Blochmannstraße weniger Quadratmeter zur Verfügung. Außerdem müssen wir im Bachelor und Masterstudium ja nicht nur den Unterricht ausweisen, sondern auch die Überzeit der Studenten. Dafür muss ich wiederum Räume zur Verfügung stellen. Ich hoffe sehr, dass ich den Verantwortlichen in den nächsten Monaten klar machen kann, dass wir auf diesem Gebiet vorankommen müssen. Das, was wir uns hier vorstellen, ist also keine exorbitant neue Forderung, sondern wirklich eine momentan konzeptionell hervorragende Möglichkeit und auch ein schönes Geschenk für das 50-jährige Bestehen der Abteilung. Ich hoffe sehr, dass das klappt.

Zum Foto: Sorgt für den Nachwuchs in Dresdens Musiklandschaft: HfM-Rektor Prof. Ekkehard Klemm.

Foto: Amac Garbe

Ein neuer Campus für Dresden

Evangelische Hochschule und Studienakademie bekommen zum Herbstsemester Neuräume

Von Nicole Laube

Momentan wird im Dresdner Stadtteil Johannstadt gebaggert. Im Wintersemester 2011/12 bekommen zwei Hochschulen dort einen neuen Campus.

Die Evangelische Hochschule für Soziale Arbeit (EHS) und die Staatliche Studienakademie Dresden (SSA) bekommen ein neues Zuhause. Schon im Sommer dieses Jahres werden die beiden Hochschulen voraussichtlich die Umzugskisten packen.

Platz auf 9 000 Quadratmetern

Trotz intensivster Bemühungen über mehrere Tage war es leider nicht möglich, bis zum Redaktionsschluss einen Vertreter einer der beiden Hochschulen ans Telefon zu bekommen. Dafür erklärt Andrea Krieger vom Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement, der auch als Bauherr in der Johannstadt fungiert, auf „ad rem“-Anfrage das Bauvorhaben.

So entsteht in jenem Dresdner Stadtteil auf einer Gesamtfläche von rund 9 000 Quadratmetern ein weiterer zentraler Hochschulstandort.

„Auf der Hans-Grundig-Straße 25 und den angrenzenden Gebäuden der Dürerstraße sollen die SSA und die EHS konzentriert untergebracht werden“, teilt Krieger mit. So wird die SSA künftig das Erdgeschoss im Neubau in der Dürerstraße für ihre Holzwerkstätten mit computergestützten Bearbeitungszentren nutzen. Im Altbau werden zudem Labore, Seminarräume und Büros der SSA, ein Studio für Ton- und Videoaufnahmen sowie drei kleine Hörsäle mit Platz für jeweils 72 Studenten eingerichtet. Fast 6 000 Quadratmeter hat die Berufsakademie dann in der Johannstadt zur Verfügung.

Die EHS erhält im renovierten Altbau Kreativwerkstätten für Töpferei, Druckerei und das Fotolabor. Außerdem entstehen neben Seminarräumen und Büros auch ein Lehrsaal für Theaterpädagogik, ein Mitschnittraum, ein Aufnahmestudio zur Beobachtung von Kindergartengruppen, ein Andachtsraum und ein Hörsaal für 93 Studenten. Das macht zusammen 2 600 frisch hergerichtete Quadratmeter für die Studenten der Evangelischen Hochschule.

Die Baumaßnahmen sind voraussichtlich schon im Sommer 2011 beendet. Demzufolge könnten beide Hochschulen noch vor Start des Wintersemesters umziehen.

Maschinenbau und Künstler unterm Mensadach

Doch nicht nur für moderne Lehrräume, auch für das leibliche Wohl soll auf dem neuen Campusgelände gesorgt sein. Das Studentenwerk Dresden wird im oberen Stockwerk des Neubaus eine frische Mensa mit 212 Plätzen im Innenbereich eröffnen. Küchenleiter Enrico Möckel wird dort schon ab dem 16. Mai mit seinem etwa zehnköpfigen Team Essen servieren. Im neuen Speisesaal der „Mensa Johannstadt“ werden dann auch die Studenten der Fakultät Maschinenwesen und die Studierenden der Hochschule für Bildende Künste (HfBK) am Güntzplatz einkehren. Die müssen bislang noch mit der Postkantine vorliebnehmen. Rund 32 Millionen Euro lässt sich der Freistaat Sachsen den neuen Campus kosten.

Zum Foto: Noch ist er eine Vision: So soll Dresdens neuer Campus schon zum kommenden Wintersemester aussehen.

Foto: Amac Garbe

Namibia im Fahrradrausch

Ein studentischer Verein sammelt Fahrräder für ein besseres Leben in Afrika

Von Jana Schäfer

Der Verein „Fahrräder für Afrika“ engagiert sich in Namibia und ermöglicht Einheimischen durch Fahrräder mehr Mobilität.

Ein Fahrrad bedeutet mehr Freiheit, weiß Johannes Wolf. Dies gilt besonders für Afrika. Bevor der 25-Jährige sein BWL-Studium begann, arbeitete er in der Fahrradbranche. Doch er sehnte sich nach mehr und erfuhr durch Recherchen von Bicycling Empowerment Network (BEN) Namibia. Diese Non-Profit-Organisation engagiert sich in der Fahrradentwicklungshilfe und verkauft in Namibia gebrauchte Fahrräder für einen halben Monatslohn an Einheimische. Die Fahrräder ermöglichen Namibianern, in ländlichen Gebieten schneller ihr Ziel zu erreichen.

Unter der heißen Sonne radelt es sich entspannter zur Grundschule oder zum Markt, als zu Fuß zu laufen. Es gibt Ambulanzfahrräder, die geschwächte und verletzte Menschen ins Krankenhaus bringen. Zudem werden in 25 Fahrradwerkstätten Mechaniker ausgebildet, die Reparaturen durchführen. So arbeiten auch HIV-Kranke und ehemalige Prostituierte in den Werkstätten, schöpfen durch die Arbeit neuen Lebensmut. Ein halbes Jahr verbrachte Johannes Wolf in Namibia. Im Winter 2009 kehrte er mit dem Wunsch nach Deutschland zurück, die Projekte auch von zu Hause aus zu unterstützen. So entwickelte er eine Initiative. „In Deutschland gab es noch niemanden, der Entwicklungshilfe ausschließlich durch Fahrräder anbietet“, sagt er. Seit Februar dieses Jahres ist die Initiative zum Verein gewachsen. Johannes Wolf ist dessen Vorsitzender. „Die Resonanz ist groß“, freut er sich. Damit wächst auch die Verantwortung: Kontakte zu Spendern knüpfen, den Verein organisieren und vertrauenswürdige Leute vor Ort finden – Namibia ist von Korruption nicht verschont. Geplant ist zudem, das Projekt auf andere Länder in Afrika auszuweiten.

Woher nimmt er die Kraft neben dem Studium? „Das Eine motiviert das Andere“, erklärt er. „Ich kann gut abschalten und mir Zeit für bestimmte Tätigkeiten freihalten.“ Er muss gut planen und fürs Studium auch mal Abstriche machen. Freizeit wird zum Fremdwort. Nicht schlimm für Johannes Wolf: „Der Spaß und die Leidenschaft an der Sache lässt mich vieles verschmerzen.“ Der Verein zählt bereits sieben Mitglieder und kooperiert mit BEN Namibia. Bisher konnten schon 200 Fahrräder gesammelt werden.

Im Juli startet das erste große Vereinsprojekt: Per Container werden 400 gesammelte Fahrräder nach Namibia verschifft. Wer das Projekt unterstützen möchte, kann sein brauchbares Fahrrad in Dresden, mit einer freiwilligen Spende von 20 Euro, in der Helgolandstraße 2 abgeben. Mehrere Fahrräder können durch die Kooperation mit einem Transportunternehmen vor Ort eingesammelt werden.

Netzinfos: http://www.fahrraeder-fuer-afrika.de

Zum Foto: Johannes Wolf hilft Afrika auf Rad sammelnde Weise.

Foto: Amac Garbe

Symptome auf Bestellung

Auf Visite: Studenten spielen am Dresdner Uniklinikum Patienten

Von Franziska Lange

Christoph Zürn täuscht oft Schmerzen vor. Am Dresdner Uniklinikum spielt er Patient. So proben Medizinstudenten das Handwerkszeug für später.

Die Studentin bemüht sich redlich, doch überzeugend klingt sie nicht. „Ich kann Sie beruhigen“, versucht sie es erneut, „nach unseren Untersuchungen können wir eine Herzkrankheit ausschließen.“ Sie holt Luft, hofft, dass ihr Patient nun Ruhe gibt und wird prompt enttäuscht. „Das soll also heißen, sie haben nichts gefunden“, braust Christoph Zürn auf. „Genau, körperlich ist alles in Ordnung“, setzt sie an. Doch er lässt das nicht gelten. „Und dafür habe ich extra den weiten Weg hierher auf mich genommen?“, macht er ihr das Gespräch schwer. Denn seine Beharrlichkeit ist gewollt.

Seit einigen Monaten beauftragt das Uniklinikum Christoph Zürn nun schon, vor Kommilitonen zu quengeln, zu leiden und zu monieren. Der 29-Jährige studiert selbst im 8. Semester Medizin und ist einer von zwei Studenten, die regelmäßig in die Rolle von Patienten schlüpfen, damit Kommilitonen von ihnen lernen können.

Das Programm, das die Mediziner „Standardisierte Patienten“ nennen, ist seit Sommersemester 2009 für alle angehenden Ärzte in Dresden Pflicht. Vom 6. bis zum 9. Semester müssen sie diese Kommunikationstrainingsstationen zweimal im Semester absolvieren. Jeder Schauspieler bekommt zehn Minuten für seinen Auftritt. Ein bisschen ist das wie im Theater, ein wenig wie im echten Leben. Die Darsteller kennen ihre Leiden genau, die Studenten nicht. Sie müssen reden, fragen und nach der Diagnose forschen.

Panik in der Nacht

Heute spielt Christoph Zürn einen Angstpatienten, der unter nächtlichen Panikattacken leidet. Die Seminarteilnehmer sollen ihm zum Psychologenbesuch raten. Doch so einfach lässt der sich davon nicht überzeugen.

In die Rolle des Verzweifelten zu schlüpfen, fällt Christoph Zürn leicht. Schon in der Schule stand er auf der Bühne, mit dem Schauspielkurs fuhr er sogar durch Afrika. Zu den Patientenschauspielern brachte ihn dann eine Freundin. Die ersten Rollen übernahm er schon während seiner ersten Semester an der Freiburger Uni. Dass er nach seinem Wechsel an die TU Dresden dabei bleiben würde, war klar. Für ihn, der nebenher noch als Rettungssanitäter arbeitet, ist beides die perfekte Ergänzung zum Studium. Man lerne so viel, sagt er und muntert mittlerweile auch seine Kommilitonin auf. „Meine Verzweiflung stand in deinen Augen“, lobt er ihr Einfühlungsvermögen in der anschließenden Auswertungsrunde. Nur energischer müsse sie noch werden. Dafür gibt es Übungsstunden und Testpatienten wie Christoph Zürn.

Für die Ausbildung werden ständig Laienschauspieler gesucht, Netzinfos dazu und zum Programm: http://tu-dresden.de/med/sp

Zum Foto: Im extra dafür eingerichteten Patientenzimmer spielt Christoph Zürn den Leidenden, damit andere von ihm lernen.

Foto: Amac Garbe

Dem Stress auf den Fersen

Wissenskult: drei Gruppen, drei Tests, eine Diplomarbeit über Stress

Nur hier: Die Geschichte hinter der Geschichte

Von Jian Tan

Für seine Diplomarbeit untersucht Christian Engelschalt, wie Stress entsteht. Und ob einem das Vorwissen hilft, sich äußerem Druck zu widersetzen.

Fühlt man sich gelassener, wenn man schon vor einer schwierigen Situation weiß, was auf einen zukommt? Um das herauszufinden hat Christian Engelschalt einen Test entworfen, mit dem er herausfinden will, wie sich Vorwissen auf die Stressentstehung auswirkt.

Der 34-jährige angehende Diplompsychologe studiert im 10. Semester an der TU Dresden und brauchte Experimentdaten für seine Diplomarbeit. „Stress ist allgegenwärtig, daher möchte ich ihn untersuchen.“ In der Psychologie bezeichnet man Stress als körperliche, emotionale, gedankliche und verhaltensmäßige Reaktion auf eine wahrgenommene Bedrohung oder Herausforderung, gleich ob körperlich oder seelisch, vor allem über die Hormone Adrenalin und Cortisol. „Stress liegt vor, wenn für ein inneres oder äußeres Ereignis nicht genügend Kapazitäten zur Bewältigung vorhanden sind, so dass man aus dem körperlichen oder seelischen Gleichgewicht gerät“, erklärt Christian Engelschalt.

Um seinen Test durchzuführen, musste er genügend Probanden finden. Dafür kamen nur Männer in Frage, denn der Einfluss der Menstruation auf die Emotionen von Frauen sei zu hoch, verrät er.

Letzten Endes wählte er 68 Probanden aus und teilte sie in drei Gruppen ein. Die erste bekam überhaupt keine Informationen über den Testverlauf, die zweite nur wenige. Allein die dritte wusste vorab genau, was auf sie zukommen würde. Während des Tests füllten die Probanden einige Fragebögen zu ihrer Person aus. Anschließend trat jeder zum inszenierten Bewerbungsgespräch an. Danach nahm Engelschalt Speichelproben von allen – aller drei Minuten.

Dabei fand er heraus: Wer weiß, was auf einen zukommt, ist gelassener. Das ist medizinisch nachweisbar, weil der Cortisolspiegel, der ein Indikator für körperlichen Stress ist, weniger ansteigt.

Was banal klingt, liefert wichtige Ergebnisse, die Menschen künftig helfen können. „Damit ist zum Beispiel denkbar, Arbeitslose besser auf Bewerbungen und den Umgang mit schwierigen Terminen etwa auf Ämtern vorzubereiten“, erklärt Christian Engelschalt.

Zum Foto: Gar nicht so einfach: Christian Engelschalt untersucht Stress.

Foto: Amac Garbe

Die neue Nummer sechs

Eine HfM-Gesangsstudentin unterstützt Dresdner A-Cappella-Band

Von Nicole Laube

Hannah Fuchs’ Studentenleben hat sich völlig auf den Kopf gestellt, seit sie die Sängerin Lydia in der Dresdner A-Cappella-Band MEDLZ vertritt.

Als Hannah Fuchs von einem ehemaligen Kommilitonen erfuhr, dass die Dresdner A-Cappella-Band MEDLZ eine Elternzeitvertretung für Sängerin Lydia Haschke sucht, war sie im ersten Moment nicht ganz überzeugt davon, dass sie die Richtige für diesen Job sein könnte. Die 26-Jährige studiert seit dem Jahr 2007 Musikpädagogik und Gesang in der Fachrichtung Jazz/Rock/Pop an der Musikhochschule Dresden (HfM) – und ging schließlich doch zum Casting der bekannten Dresdner Band.

Die Überraschung war groß, als sowohl Hannah Fuchs als auch die MEDLZ dort feststellten, dass die Chemie zwischen ihnen einfach stimmt: „Es war sofort, als ob wir uns schon immer kannten.“ Hannah Fuchs’ Augen funkeln noch immer begeistert, wenn sie von diesem Tag erzählt. So wurde die Studentin im Handumdrehen ein Teil der MEDLZ und startete von null auf 100 in das Künstlerdasein.

Für die Weihnachtszeit waren 18 Konzerte in nur drei Wochen geplant. „Ich habe sehr viel geübt, habe mit Uni, Proben, Auftritten und privaten Dingen quasi drei Leben gleichzeitig geführt“, sagt sie. Irgendwie habe sie dennoch alles unter einen Hut bekommen – und obendrein eine Menge Eindrücke aus der engen Zusammenarbeit mit den MEDLZ mitgenommen. Schließlich arbeitet die Dresdner Band schon seit Jahren professionell in der Konzertbranche. „Das ist schon etwas anderes als bei uns an der Uni.“

Die stressige Weihnachtszeit ist nun vorbei. Die Stimme ein bisschen angekratzt. Offiziell sollte das Engagement bis Anfang 2011 dauern. Doch bis Mai sind noch weitere Konzerte mit Hannah geplant. „Lydia fängt parallel wieder an, so dass sie mich langsam ablösen wird“, erzählt Hannah Fuchs. Sie freut sich inzwischen schon auf etwas mehr Freizeit. „Ich will bis zum Ende des Studiums noch ein paar Dinge ausprobieren und habe im letzten halben Jahr auch gelernt, dass ich meinem Körper Pausen gönnen muss.“ Wer die quirlige Studentin sieht, ahnt jedoch, dass diese Ruhephasen nicht von langer Dauer sein werden. Ein Auslandssemester steht vor der Tür.

Und dann ist da noch das „Wortart-Ensemble“, das eigene Vokalensemble-Projekt von Hannah Fuchs, das zeitgenössische Lyrik vertont. „Wir treten auch beim Kirchentag auf“, sagt sie schmunzelnd, bevor sie von ihrem Mensaschemel aufsteht und endlich ihrem wohlverdienten Feierabend entgegengeht.

Zum Foto: Schenkt den MEDLZ ihre Stimme: Hannah Fuchs.

Foto: Amac Garbe

Fleischlos in Taten

Kein Schwein auf dem Teller

Veganes Mensaglück in Dresden – in Freiberg, Zittau und Görlitz bleibt nur das Salatblatt

→ Zum Artikel: Fleischlos in Worten

Von Stefanie Höhne

Mit veganen Genusswünschen tun sich die Studentenwerke schwer. Wer reuelos schlemmen möchte, muss auf vegetarische Tage warten.

Wenn Maria Schulze mittags aus der Uni kommt, geht sie nicht wie so viele in eine der Mensen. Wahrscheinlich würde die Studentin der Kunstgeschichte nichts Passendes finden. Denn die 25-Jährige lebt seit Ende 2009 vegan. Damals lernte sie die Dresdner Tierrechtsgruppe kennen, sah Aufnahmen aus Mast- und Schlachthöfen. Schulze war schockiert und wusste: „Wenn ich mein Verhalten nicht ändere, bin ich mit schuld daran.“ Heute ist sie selbst Mitglied der Gruppe und macht sich obendrein auch für vegane Mensagänger stark.

Tierfreundliches in der Mensa

Schulze engagiert sich bei „mensauniversale“ an der TU Dresden. Die Arbeitsgemeinschaft ging im Jahr 2009 aus der TU-Umweltinitiative hervor. Ihr Ziel ist, veganes Essen in den Mensen zu etablieren, denn der grüne Mensagenuss ist längst noch keine Selbstverständlichkeit. So gebe es beispielsweise in Freiberg keinen Bedarf. „Die Nachfrage ist nicht groß genug, daher ist veganes Essen bei uns kein Thema“, sagt Kerstin Richlofsky, Küchenleiterin der Freiberger Mensa. Auch in Zittau und Görlitz bleibt für Veganer nur der Salatteller. Lediglich in den Dresdner Mensen werden Fleischverweigerer fündig – wenn auch nicht täglich. Denn auch die vegetarischen Gerichte enthalten oft Milchprodukte. Dennoch: „Das fleischlose Angebot wächst Stück für Stück“, sagt Udo Lehmann, Hauptabteilungsleiter für Hochschulgastronomie im Dresdner Studentenwerk. Weil unter den täglich 18 000 Besuchern viele Fleischliebhaber seien, sei „auch der Schnitzelesser ein willkommener Gast“.

Fleischlos gegen Klimasünden

Doch „Viehhaltung ist eine der größten Klimasünden“, argumentiert Maria Schulze. Während ein veganes Essen einen CO2-Ausstoß von circa 0,4 kg verursache, sei der Wert bei Fleischgerichten zehnmal so hoch. Wer seine Ernährung umstelle, helfe also nicht nur den Tieren, sondern auch der Umwelt.

Aus diesem Grund kooperiert das Studentenwerk Dresden nun mit „mensa universale“. Die Ausgabetheken sollen künftig mit einer Klimaampel versehen werden, die von TU-Ökonomen erstellt wurde. Und auch veganes Essen soll schon bald durch ein entsprechendes Logo gekennzeichnet werden.

Doch ein komplett veganes Angebot wird es laut Udo Lehmann in den Mensen des Studentenwerkes nicht geben. Denn fleischfreie Ernährung sei zwar erwiesenermaßen gesund, doch es können Mangelerscheinungen auftreten. Das größte Problem sei die Versorgung mit dem Vitamin B12. Defizite können, vor allem bei Schwangeren und Ungeborenen, neurologische Schäden verursachen. Deshalb rät auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) generell von streng veganer Ernährung ab. Wer sich allerdings ausreichend informiert und auf Vitamintabletten zurückgreift, wird kaum Probleme haben.

Das Studentenwerk orientiert sich zwar an der Empfehlung der DGE, wird aber in Zukunft öfter fleischfreie Speisen anbieten: So soll es ab dem 6. April monatlich einen vegetarischen Tag in der Dresdner Neuen Mensa geben. Dann wird vielleicht auch Maria Schulze in der Mensa anzutreffen sein.

Zum Foto: Ab dem Sommersemester soll Getier jeglicher Art dem Salat weichen. Einmal im Monat lädt dann die Neue Mensa Dresden – als einzige – zum vegetarischen Tag.

Foto: Amac Garbe

VEGANINFOS.

  • Vegan leben: Veganer verzichten auf sämtliche tierische Produkte – also auf Fleisch, Milch und Käse ebenso wie Honig und Leder. Als Fleischersatz werden Soja, Tofu oder Seitan verwendet. Pizza & Co. werden mit einem Käseersatz aus Hefe, Mehl und Wasser überbacken.
  • Vegan essen: In Dresden gibt’s Veganes zum Beispiel im Devil’s Kitchen, Ladencafé aha, Curry & Co. und beim Inder Jaipur. Außerdem kocht die Gruppe.Cartonage regelmäßig im AZ Conni und die Tierrechtsgruppe Dresden lädt dort zum veganen Soli-Brunch (wieder am 3. April). Rein pflanzliches Eis gibt’s im Café Venezia am Goldenen Reiter, im Café Eisprinzessin und der Tiki-Bar. In Görlitz gibt’s dienstags (20 Uhr) im Hospi30 eine vegane Volksküche.

TU-Technikphilosophie probt Schritt in die Zukunft

Technikbasierte Selbsthilfe als Hilfe gegen personelles Ausbluten

Von Manja Unger-Büttner

Seit Monaten ist das Sekretariat des Lehrstuhls für Technikphilosophie an der TU Dresden unbesetzt. Nun könnte ein Schredder helfen.

Prof. Bernhard Irrgang ist sich sicher: „Man braucht nicht für alles High-Tech-Lösungen. Manchmal reicht einfache Technik“. Die innovative Kraft von Technik als Kulturfaktor ist an der TU Dresden eines seiner Lieblingsthemen. Normalerweise denken die Technikphilosophen über gesellschaftliche Probleme nach, heute ist es komplizierter – es geht um ein Problem im Lehrstuhl selbst.

Seit sechs Monaten ist das Sekretariat des Lehrstuhls für Technikphilosophie nicht besetzt. Und somit auch das der Religionswissenschaft und des Instituts nicht. „Ich dachte immer, in Forschung und Lehre wird mehr Papier verbraucht als in der Verwaltung“, bemerkt Assistent Michael Funk. Doch seit der Krankschreibung der Sekretärin wurden sie eines Besseren belehrt. Berge aus Papier türmten sich, die von den bürokratisch nicht recht versierten Philosophen zunächst noch optimistisch in Angriff genommen wurden. Philosophen sind ja Universalisten, sie können alles. Es schien nur eine Frage der Zeit, bis man wieder jemanden für diese Verwaltungsarbeiten einstellen würde. „Nach einigen Wochen kamen uns dann schon Zweifel“, erinnert sich Funk.

Monate zogen ins Land, Papierberge wuchsen. Um die Situation nicht auf die Studenten abzuwälzen, war man zu noch mehr unbezahlten Überstunden gezwungen, als in Zeiten des Personalabbaus ohnehin ständig nötig sind. Nur so konnte wenigstens die Lehre gesichert werden, während Möglichkeiten zum Forschen schrumpften. Monate vergingen, manches lief auch schief und landete an der falschen Stelle. „Vielleicht könnte Technik helfen“, überlegt nun Funk. Irrgang ergänzt: „Aber sie darf nicht teuer sein!“ Nun offenbart die strombetriebene Ersatzsekretärin, Frau Akten-Schredder, völlig neue Denkräume. Selten hat reale Technik den Philosophen beim Lösen eigener theoretischer Probleme so substanziell geholfen. Man könnte von einem Präzedenzfall mit epochaler Wirkungskraft in Zeiten der Sparmaßnahmen sprechen. Für die Konsequenzen des Tuns der elektrischen Aushilfe könnten wohl nur die verantwortlich gemacht werden, die diese personellen Zwangslagen hervorrufen; das Institut für Philosophie jedenfalls nicht. In der Not blieb keine Zeit für eine Technikfolgenabschätzung. Wozu auch, das Gerät ist doch billig!

Zum Foto: Die Sekretärin von morgen schreddert Papierstapel von gestern.

Foto: Amac Garbe

Außensicht.*

Von René Raschke, Doktorand an der philosophischen Fakultät der TU Dresden und „ehrenamtlicher“ Lehrbeauftragter am Lehrstuhl Religions- sowie Technikphilosophie

Ein Möbelstück bereichert seit Februar 2011 ein „bis auf weiteres“ verwaistes Sekretariat der TU Dresden. Wegen einer juristischen Präventivspitzfindigkeit blieb das Sekretariat der Lehrstühle für Religions- sowie Technikphilosophie und zugleich des gesamten philosophischen Instituts ab 1. Februar einfach unbesetzt.

Ein neuer Schreibtischstuhl hingegen kam und war aus noch praxisferneren Gründen nicht mehr nicht annehmbar, denn der kann auch keine sich am Horizont der abwegigen Möglichkeiten abzeichnende Rechtsstreitigkeit vom Zaun brechen. Das bisschen Mehraufwand wird sich doch u. a. von den vielen, teilweise ehrenamtlichen Helfern aus dem Dunstkreis der Lehrstuhlinhaberin Frau Prof. Gerl-Falkovitz stemmen lassen, deren Pensionierung im besten Philosophenalter sowieso ins Haus steht.

Vielleicht ist der Stuhl ein herzliches Dankeschön für die vergangenen Jahre ihres Lebenswerkes oder ihre Beteiligung am währenden philosophischen „Aufbau Ost“. Unser Dank gilt dem Geber des schönen Sitzplatzes, nur hat leider aus bürokratischen Gründen noch niemand darauf gesessen und die Gabe wirklich annehmen können. Mit Stuhl ohne Besetzung gibt ein Sekretariat schlicht sein Sein auf, das Phänomen verschwindet, ähnlich wie die einzigartige Geistesblüte der Religionsphilosophie an der TU Dresden.

Ein weiterer leerer Stuhl an der „exzellenten“ Universität und wieder wird deutlich: Kein Witz kann zugleich so dramatisch und dreist komisch sein, wie die Pointen, die das Leben zu schreiben wagt.

Zum Foto: Leerer Stuhl.

Foto: Amac Garbe

* In der Rubrik „Außensicht“ kommen Redaktionsfremde zu Wort. Die Beiträge spiegeln nicht zwingend die Meinung der Redaktion wider. Eigene Meinungen, Ideen oder Kritik bitte immer per Mail an leserpost@ad-rem.de

Solidarisch bei Wind und Wetter

Eine Handvoll Demonstranten holt Stuttgart 21 montags an den Dresdner Hauptbahnhof

Von Thomas Kasperski

„Stuttgart ist überall!“ lautet der Schlachtruf der Demonstranten, die sich schon seit dem vergangenen November immer montags 19 Uhr zum Schwabenstreich am Dresdner Hauptbahnhof treffen.

Ein Schwabenstreich in der sächsischen Landeshauptstadt? Ganz recht. Mit dem wöchentlichen Protest wollen die Teilnehmer ihre Solidarität mit den Demonstranten in Stuttgart kundtun, die dort seit dem 28. Juli auf regelmäßig stattfindenden Montagsdemos ihren Unmut gegen Stuttgart 21, das milliardenschwere Großprojekt der Deutschen Bahn, zum Ausdruck bringen. Mittlerweile gibt es ähnliche Aktionen deutschlandweit in mehreren Städten. Und so trotzen auch am Montag in der vergangenen Woche immerhin 13 Teilnehmer dem ungemütlichen Schneeregen und zeigen auf dem Wiener Platz mit Transparenten in der Hand, was sie von dem geplanten unterirdischen Bahnhof halten: Nämlich gar nichts.

Einer von ihnen ist Gottfried Mann vom BUND Dresden. Mit seinem Bart und der gemütlichen Statur wirkt er auf den ersten Blick ein wenig wie der amerikanische Politaktivist und Bestsellerautor Michael Moore. „Es ist die Ignoranz der Politik gegenüber dem Bürgerwillen, die wir in Dresden ja selbst leidvoll erlebt haben“, erklärt er und spielt damit auf den Bau der Dresdner Waldschlößchenbrücke an. „Unsere Proteste und unser Bürgerbegehren – wir haben damals 50 000 Unterschriften gesammelt – wurden einfach ignoriert. Es wurde kompromisslos weitergebaut und wir als Störenfriede abgetan.“

Hört man dem 59-Jährigen so beim Dozieren zu, wirkt es tatsächlich, als spräche hier ein deutscher Halbbruder Moores. „Wir haben auch immer noch ein aktuelles Thema auf dem Schirm. Sei es die Einschränkung im öffentlichen Nahverkehr, die die Landesregierung durchgeprügelt hat, oder die Verlängerung der AKW-Laufzeiten“, ergänzt er. Der Dresdner Schwabenstreich ist aber vor allem auch eine Reaktion auf den so genannten „blutigen Donnerstag“ – also jene Nacht vom 30. September auf den 1. Oktober 2010, in der im Stuttgarter Schlossgarten die ersten Bäume gefällt wurden und die Staatsmacht ungeahnt hart durchgriff. Viele zumeist friedliche Demonstranten wurden verletzt.

Marcel Kunz war damals in Stuttgart selbst dabei. Er studiert im fünften Semester Politikwissenschaft an der TU Dresden und demonstriert an diesem Montag bereits das zehnte Mal in Dresden gegen S21. „Ich kam an dem Tag gerade aus dem baden-württembergischen Landtag, wo ich zu der Zeit ein Praktikum gemacht habe, und sah direkt die Wasserwerfer“, erinnert er sich. „Ich bin dann rein in die Menge und wurde wie viele andere friedliche Demonstranten auch von den Wasserwerfern beschossen. Die Polizei hat sich Meter für Meter den Weg freigeräumt und viele Leute haben aufgrund der Brutalität angefangen zu weinen“, beschreibt der gebürtige Schwabe seine Eindrücke dieses Tages, um anschließend zu erklären, dass die Geschehnisse in Stuttgart alle Bürger in Deutschland etwas angehen. „Ich versuche die Leute aufzuklären, dass S21 kein Thema ist, das nur Stuttgart betrifft. Das Geld, das dort verbuddelt wird, fehlt genauso in Sebnitz oder Bad Schandau.“ Stuttgart ist eben überall.

Und so werden viele der Teilnehmer des Schwabenstreiches auch am kommenden Montag wieder vor dem Dresdner Hauptbahnhof demonstrieren – allen Witterungsbedingungen zum Trotz.

Zur Kari: Das Geld, das in Stuttgart verbuddelt wird, fehlt auch hierzulande. Deshalb bleiben die Baugegner hart und setzen montags vor dem Dresdner Hauptbahnhof ihre Protestzeichen.

Kari: Norbert Scholz

Politische Prüfungsfarce

Dozentenwechsel bringt TU-Politikwissenschaftlern Leistungsärger

Von Stefanie Höhne

Die meisten Studenten denken im November noch lange nicht an Prüfungsleistungen. Doch ein Dozentenwechsel zwang TU-Politikwissenschaftler schon damals dazu.

Arian Meinhardt studiert Politikwissenschaft und Soziologie im dritten Semester und staunte nicht schlecht, als er von einer bedeutenden Änderung der Prüfungsleistungen erfuhr. Die ersten Wochen des Wintersemesters waren bereits verstrichen, als Prof. Peter Hampe im November Änderungen durch eine neue Modulbeschreibung ankündigte: „Der Literaturbericht werde durch ein Referat ersetzt und dieses zähle nun 50 Prozent der Modulnote und nicht nur 20 Prozent wie bisher“, erinnert sich Arian Meinhardt. „Ich habe mich natürlich gefragt, was das soll, mich im Internet auf der Seite des Institutsrates informiert.“ Als er keine Informationen fand, fragte er beim Fachschaftsrat (FSR) der Philosophischen Fakultät an. Doch auch dort erfuhr er nur, dass es zwar eine neue Modulbeschreibung gebe. Diese gelte aber nur für das parallel angebotene Seminar. Wochen später, Ende Dezember, stand fest: Der FSR war nicht ausreichend informiert; die neue Beschreibung gilt auch für Meinhardt.

Neuer Prof. mit frischen Forderungen

Schon vor Semesterbeginn wussten die Studenten, dass im Modul „Politik und Wirtschaft“ eine Umstellung erfolgt: Prof. Hampe ging in den Ruhestand, doch das Institut fand zunächst keinen Nachfolger. Das Problem sollte Prof. Wiesmeth lösen. Gerade aus einem Forschungssemester zurück gekehrt, betraute man ihn mit der Lehre des Moduls. „Das musste rasch, nämlich im jetzigen Wintersemester geschehen“, erinnert sich Prof. Hampe. Denn Wiesmeth ist eigentlich Professor an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät. Ehe diese ihm Aufgaben übertragen konnte, verpflichteten ihn schon die Politikwissenschaftler. Doch ein neuer Prof. bringt Veränderungen mit sich: In Form von neuen Modulbeschreibungen.

Anders als bisher bietet Prof. Wiesmeth nun die Vorlesung im Wintersemester, das Seminar im Sommersemester an. Als Prüfungsleistungen verlangt er Klausur und Referat, die zu gleichen Teilen in die Modulnote eingehen. Sein Vorgänger Prof. Hampe bot – trotz Ruhestand – an, das Seminar noch ein letztes Mal zu leiten, „damit der Übergang zur neuen Lösung für die Studierenden nicht so abrupt ausfällt und in diesem Semester wie bisher noch die Möglichkeit besteht, das gesamte Modul zu absolvieren.“

Zu wenig Themen für höhere Anforderungen

Erst im November wurde bekannt, dass sich die neuen Anforderungen auch auf Hampels „alte“ Version des Moduls beziehen. Also wurde der Literaturbericht gestrichen und durch das Referat ersetzt. Doch die Vergabe der Referatsthemen stellte sich als „eine einzige Farce“ heraus, sagt Arian Meinhardt. Einerseits gab es nicht genug Themen für alle. Andererseits wurden die Anforderungen an das Referat hochgeschraubt.

Arian Meinhardt vermutet, dies soll die Studenten dazu bewegen, das Seminar zu verlassen und es im Sommersemester erneut zu besuchen. Er hat mittlerweile diesen Entschluss gefasst. „Hätte ich das schon zu Semesterbeginn gewusst, hätte ich mich direkt für das Seminar im Sommersemester entschieden. Das wären drei Monate Ärger weniger gewesen“, zieht er Resumee.

Zum Foto: Über das Drunter und Drüber in der Politikwissenschaft kann Arian Meinhardt nur den Kopf schütteln.

Foto: Amac Garbe

Heute ist Silvester

Student aus China organisiert Neujahrsfest für behinderte Kinder

Nur bei uns: Die Geschichte hinter der Geschichte …

Von Jian Tan

Wie ticken die Deutschen eigentlich? Yunqian Wei, chinesischer Student an der TU Dresden, möchte auf diese Frage Antwort finden.

Studiert man in einem fremden Land, sieht man viele Dinge aus einem ganz neuen Blickwinkel. So ergeht es Yunqian Wei, der im Jahr 2005 sein Diplom-Elektrotechnikstudium an der TU Dresden begann. „Mich interessiert, wie die Deutschen im Alltag leben und miteinander umgehen“, sagt der 28-Jährige.

Was Yunqian Wei veranlasst hat, in Deutschland zu studieren, ist seines Erachtens wohl eine Schicksalsfügung zwischen seiner Familie und Deutschland. „Vor elf Jahren kam meine ältere Schwester nach Deutschland, dann folgte ich ihr. Jetzt sind mein Bruder und mein Cousin auch hierzulande“, erinnert er sich zurück. Mittlerweile ist Deutschland seine zweite Heimat geworden. Um die Deutschen besser zu verstehen, engagiert sich Yunqian Wei seit November 2009 aktiv im Umweltzentrum Dresden.

Dort organisierte er viele Programme für chinesische und deutsche Studierende. So basteltete er mit ihnen in einer Dresdner Tischlerei Tische und Stühle, backte Brötchen in einer Biobäckerei und steuerte dank der Unterstützung der Dresdner Verkehrsbetriebe sogar selbst eine Straßenbahn. „Bei diesen gemeinsamen Erlebnissen funktioniert Kommunikation wunderbar“, erzählt er. So genießt er einen wirklich interkulturellen Austausch. Je länger und intensiver er sich mit den verschiedenen Mentalitäten auseinandersetzt, desto mehr schätzt er den Unterschied zwischen den Kulturen. „Wir sind anders, haben aber vieles gemeinsam“, fasst Yunqian Wei zusammen.

Deshalb will er sich auch nach Kräften revanchieren und den Deutschen das chinesische Frühlingsfest näherbringen. Weil sich das chinesische Jahr am Mondkalender orientiert, beginnt das Jahr 2011 offiziell erst am Donnerstag (3.2.). Um gemeinsam ins Jahr des Hasen zu starten, bereitet Yunqian Wei diesmal einen besonderen Jahresstart vor.

Zusammen mit 20 behinderten Kindern feiert er am 9. Februar in der Johann-Friedrich-Jencke-Schule Dresden. „Ich freue mich, dass wir als chinesische Studenten deutschen Kindern auch ein bisschen Liebe und Wärme geben können“, sagt Yunqian Wei lächelnd.

Zum Foto: Zwischen den Kulturen: Yunqian Wei hält einen chinesischen Glücksbringer in der Hand, der das neue Jahr begrüßen soll.

Foto: Amac Garbe

Freie Freiraumfreuden für alle

Prüfungszeit schafft Platznot: Ein Pilotprojekt könnte für mehr Arbeitsräume sorgen

Von Christina Dietze

Die Suche nach Arbeitsräumen für Studenten ist nicht nur auf dem Campus der TU Dresden ein schwieriges Unterfangen. Eine Gruppe von HTW-Absolventen hat nun gleich eine ganze Reihe neuer Kreativräume geschaffen.

Innovative Lehr- und Lernformen wie die gemeinschaftlichen Peerkolloquien, Gruppenvorträge oder interdisziplinäre Projektarbeit fördern zwar Teamfähigkeit und Kooperation, doch die Treffpunktsuche erfordert durchaus drahtige Nerven und Ausdauer. Fern jeder Spontanität und Flexibilität zieht sich die Spur: Mangelware Gruppenraum. Nur Studenten, die schnell genug waren, sich in die gutgefüllten ausliegenden Kalender einzutragen, dürfen ungestört in einem der acht Gruppenräume der Zentralbibliothek der Sächsischen Landes-, Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) in kleiner Gruppe diskutieren. Und nur wer den Rattenschwanz der Antragstellung im Zimmer 110 des Dresdner Hörsaalzentrums samt seiner sechswöchigen Bearbeitungsfrist erduldet, hat die Möglichkeit, einen freistehenden Seminarraum beispielsweise im Schumannbau, Willersbau oder Hülsebau zu nutzen. Die Räume sind wirklich rar. Nur wer das hier liest, erfährt wahrscheinlich überhaupt erst von der Möglichkeit einer kostenlosen und sogar kurzfristigen Gruppenunterbringung im Stützpunkt der Techniker Krankenkasse (George-Bähr-Straße).

Aber man muss nicht gleich alles tiefschwarz sehen, wenn es doch am Horizont schon in signalorange leuchtet. Denn wer suchet, der findet mit dem frisch gegründeten Netzwerk „neonworx“ alternative Räume in einem alten Bürogebäude auf der Franklinstraße 20. Dort öffnen sich nun die Türen zur Welt des gemeinsamen Arbeitens. Der 25-jährige Aram Haydeyan und der 26-jährige Martin Fiedler sind zwei der Initiatoren dieses Coworking-Unternehmens. Im vergangenen Jahr haben sie ihr Produktdesign-Diplomstudium an der HTW Dresden abgeschlossen und mit „neonworx“ ein Projekt im Bereich Neue Arbeitsformen ins Leben gerufen.

An sich seien Bürogemeinschaften zwar nichts Neues, sagt Aram Haydeyan, doch hinter dem Begriff Coworking Spaces verstecke sich die Idee, flexibel und kurzfristig Arbeitsplätze samt Drucker, Scanner oder Fax zur Verfügung gestellt zu bekommen. „Kreative Atmosphäre, neue Kollegen, die ähnlich ticken, und der Netzwerkausbau sind inklusive“, erklärt Martin Fiedler. „Obwohl jeder an seinem eigenen Projekt arbeitet, ist er dabei nicht allein, kann sich mit anderen austauschen und spart auch noch Kosten“, ergänzt Aram Haydeyan. Dieses Prinzip kommt auch der SLUB gelegen, die mit ihren 38 Arbeitskabinen, auch Carrels genannt, selbst unter Platzknappheit leidet. Am vergangenen Montag startete die Landesbibliothek nun eine vorerst halbjährige Kooperation mit „neonworx“.

Gewollte Auseinandersetzung als erhoffte Freiraumfreude

Dafür mietete die SLUB sechs Einzelarbeits-, vier Coworking-Plätze und einen Gruppenarbeitsraum auf der Franklinstraße an, die bis zu 15 Arbeitswilligen – die dafür keinen Cent zahlen müssen – einen Arbeitsplatz auf Zeit bieten. Acht von ihnen seien bereits eingezogen, berichtet Dr. Jens Mittelbach. Der Leiter der SLUB-Abteilung für Benutzung und Leitung ist von der Idee begeistert. Es schaffe nicht nur neue Möglichkeiten bei besonders hoher Platznachfrage, sondern auch kreativen Nährboden für neue Ideen. „Wir wollen, dass sich die Studenten der Auseinandersetzung mit anderen aktiv aussetzen.“ Die Zusammenarbeit ist ein Pilotprojekt. Wenn die neuen Räume angenommen werden, könnten weitere 200 m² für Teambüros im „neonworx“-Gebäude ausgebaut werden.

Siehe auch nebenstehende Umfrage! Netzinfos: http://www.slub-dresden.de & http://www.neonworx.de

Zum Foto: Die HTW-Absolventen Aram Haydeyan und Martin Fiedler erschaffen (v. l.) für Dresden ungeahnte Räume.

Foto: Amac Garbe

Und wo paukst Du?

Umfrage: Christina Dietze

Carsten Riedel (Lehramt Italienisch/ Geografie, 10. Sem.)

Gruppenarbeitsräume gibt es ja nicht viele. Aber im Willersbau bei der Sitzgruppe oder in einem freien Seminarraum kann man sich im Team treffen. Dass ich mich widerrechtlich verhalte, wenn ich keinen Raumnutzungsantrag stelle, wusste ich nicht.

Selina Magister (Psychologie, 7. Sem.)

Einen Raum zu finden ist schwierig. Die Cafeterien und Mensen sind mir zu laut und in der SLUB fühle ich mich nicht wohl und brauche selten einen Gruppenarbeitsraum. Ich lerne am liebsten zu Hause.

Günther David (Wirtschaftswissenschaften, 1. Sem.)

Ich nutze keine Gruppenarbeitsräume. Auch nicht die in der SLUB, da ist es mir zu ruhig. Zur Not kann ich ja alle zu mir nach Hause kommen lassen.

Christina Metscher (Law in Context, 3. Sem.)

Am liebsten treffe ich mich mit meiner Gruppe zu Hause oder in der SLUB-Zweigbibliothek Rechtswissenschaft. Ansonsten bleiben ja noch die Seminarräume.

Fotos: Toni Klemm

Abends am Klavier

Das Physikstudium fand sie öde, heute ist sie fast Nobelpreisträgerin

Von Anja Zimmermann

Petra Schwille schmökerte früher lieber in Thomas Manns Büchern als im Tafelwerk. Heute erklimmt sie in ihrer Freizeit gern die steilen Felsen der Sächsischen Schweiz.

Eine typische Studentin sei sie nicht gerade gewesen, sagt die 42-Jährige über sich selbst. Auf Studentenpartys tanzte sie kaum und engagierte sich lieber im Chor und im Orchester statt auf den vielen Demos gegen den Golfkrieg. Außerdem hat sie weder neben dem Studium gejobbt noch große Reisen unternommen.

Noch nicht einmal strebsam sei sie gewesen. „Ich war zwar immer in den Vorlesungen und Seminaren anwesend, habe aber meistens Schiffe versenken gespielt.“ Im Großen und Ganzen habe sie ihr Studium in der Anfangsphase eher angeödet. „Ich habe lieber bei einer Flasche Wein mit meinem Freund philosophiert oder Bücher von Thomas Mann gelesen statt zu lernen“. Da wundert es wenig, dass sie nach dem Vordiplom in Physik an der Universität Stuttgart umsattelte. Sie ging nach Göttingen und immatrikulierte sich zusätzlich zur Physik endlich auch in die Philosophie.

Doch Feuer für die Wissenschaft fing sie erst, als sie ihre Doktorarbeit am Göttinger Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Angriff nahm. „Erst da habe ich begriffen, wie toll Physik ist. Es ist eine Wissenschaft, die einen schult, Natur physikalisch zu verstehen.“ Will man wissen, wie Leben funktioniert, brauche man Physik und Mathe. Diese Verbindung lässt sie bis heute nicht los. Seit dem Jahr 2002 leitet sie den Lehrstuhl für Biophysik an der TU Dresden. Sie ist international für ihre Forschung zur Zellbiologie bekannt und wurde im vergangenen Jahr sogar mit dem Leibniz-Preis ausgezeichnet. Unter Wissenschaftlern gilt der höchstdotierte deutsche Förderpreis auch als Nobelpreis der deutschen Wissenschaft. Wer ihn erhält, bekommt 2,5 Mio. Euro für seine Forschungen.

Seit acht Jahren lebt sie nun mit ihrer Familie in Dresden. Sie ist verheiratet. Ihre drei Töchter Berenike, Henriette und Leonore sind zwischen ein und sechs Jahren alt. Die Familie wohnt im Dresdner Stadtteil Blasewitz und verbringt im Sommer beinahe jedes Wochenende in der Sächsischen Schweiz zum Fahrradfahren, Wandern oder auch zum Klettern. Den Klettersport hat Petra Schwille während ihrer zweijährigen Zeit als Postdoktorandin in Amerika entdeckt. Seitdem ist sie passionierte Bergsportlerin. Die Biophysikerin hat sich außerdem bis heute ihre musikalische Ader erhalten. In einem Streichquartett spielt sie Geige und Bratsche. Und wenn sie abends Zeit und Muße hat, spielt sie zu Hause gern Klavier.

Zum Foto: Wenn Zeit bleibt, haut Prof. Petra Schwille gern mal in die Tasten.

Foto: Amac Garbe

Die Ruhe vorm Erstsemesteransturm

Aussetzung der Wehrpflicht sorgt in Sachsen für bis zu 3 000 zusätzliche Studienanfänger

Von Tobias Hoeflich

Wird es eng in Sachsens Hörsälen und Wohnheimen? Die Landesregierung rechnet für 2011/12 mit 15 Prozent mehr Studienanfängern als erwartet – und versichert: Man sei dafür gewappnet.

Deutschlands Hochschulen stehen vor einem gewaltigen Ansturm von Schulabsolventen. Der Wegfall von Wehr- und Zivildienst sorgt laut Prognosen für bis zu 59 000 mehr Studienanfänger bis zum Jahr 2015 als geplant. Zusätzlich verschärft wird die Lage durch die Einführung des 12-jährigen Abiturs in Bayern und Niedersachsen: In diesem Jahr werden dort gleich zwei Jahrgänge die Schulen verlassen. Konkret für Sachsen sei laut Staatsregierung mit zusätzlich bis zu 3 000 Studienanfängern zu rechnen.

Mehr Plätze ohne zusätzliche Kohle

Holger Mann, hochschulpolitischer Sprecher der sächsischen SPD-Landtagsfraktion, drängt die Landesregierung zu raschem Handeln. Bisher sei ungeklärt, wer für die zusätzlich benötigten Studienplätze aufkommt, denn sie kosten. Die sächsische Landesregierung rechnet mit einem Mehrbedarf von bis zu 78 Millionen Euro. „Der Freistaat muss endlich handeln und den Hochschulen Planungssicherheit verschaffen“, fordert Mann. Für das Wintersemester 2011/12 sei zusätzliches Personal vonnöten. „Nur durch eine Aufstockung, die bei den Hochschulen auch ankommt, können wir den jungen Menschen gleichbleibende Chancen auf einen Studienplatz sichern.“

In Regierungskreisen sieht man dagegen keinen erhöhten Handlungsbedarf. So betonte der hochschulpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Geert Mackenroth, auf Anfrage von „ad rem“, dass Zulassungsbeschränkungen für Studiengänge einer gesetzlichen Grundlage bedürfen. „Kostengründe erkennt das Gesetz dabei nicht an.“

Durch den Hochschulpakt 2020 habe Sachsen den Erhalt und Ausbau bestehender Kapazitäten zugesagt – und daran werde man sich halten. Auch ohne zusätzliche Gelder des Bundes, versichert Mackenroth, könne der Freistaat allen Studierwilligen eine exzellente Bildung garantieren. „Allen Studenten steht der Weg nach Sachsen offen.“

Derweil geht die Wehrreform auch an den Studentenwerken nicht spurlos vorbei. „Wir rechnen mit Engpässen bei den Wohnheimen, weil wir schon jetzt den Bedarf an Plätzen nicht decken können“, erläutert Heike Müller vom Studentenwerk Dresden. So hätten bereits im vergangenen Jahr etwa 600 Absagen verschickt werden müssen. Eine schnelle Lösung sei jedoch nicht in Aussicht, schließlich lasse sich „so schnell kein Wohnheim neu bauen“. Ebenso seien für solche Projekte keinerlei Mittel im Haushalt eingeplant.

Dennoch: „Insgesamt besteht kein übermäßiger Handlungsbedarf“, lautet Müllers Fazit. Sie prophezeit einen anderen Weg: „Die betroffenen Bewerber werden auf dem Dresdner Wohnungsmarkt unterkommen.“

Zum Foto: Salutierend an die Uni? Bis zu 59 000 zusätzliche Studienanfänger spült die ausgesetzte Wehrpflicht bald in die deutschen Hörsäle. Gut 3 000 davon stranden wahrscheinlich an Sachsens Hochschulen.

Foto: Amac Garbe

ANSTURMINFOS.

  • Das Problem: Weil die Wehrpflicht ausgesetzt wird, strömen bis zum Jahr 2015 bis zu 59 000 mehr Studienanfänger als bisher an die deutschen Hochschulen. Von dieser Zahl geht die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz des Bundes aus. Der Sächsische Hochschuletat sieht indes bis zum Jahr 2020 die Streichung von über 1 000 Stellen vor, weil bisher davon ausgegangen wurde, dass es wegen der demografischen Entwicklung weniger Studenten geben werde.
  • Der Streit: Der Bund habe die Aussetzung von Wehr- und Zivildienst beschlossen und müsse daher die Kosten übernehmen, sagen die Länder. Sie schlagen eine Erhöhung des „Hochschulpaktes 2020“ vor. Der Bund sieht jedoch vor, den Hochschulpakt nicht weiter auszudehnen und die entstehenden Kosten über den jetzigen Finanzierungsplan zu decken.
  • Der Hochschulpakt: „Hochschulpakt 2020“ ist eine Vereinbarung zwischen Bund und Ländern. Er soll für mehr Studienplätze bei gesicherter Studienqualität sorgen. In zwei Projektphasen gibt der Bund den Ländern Geld, wenn es diesen gelingt, die Studienanfängerzahlen auf einem vorgegeben Niveau zu halten, bzw. wenn mehr Studierende an die Hochschulen kommen als geplant. In Projektphase I, von 2011 bis 2015, können dann fünf Milliarden Euro fließen.

Sonne für die Wissbegierde

Dresdner Studenteninitiativen investieren in Solarenergie

Von Anja Zimmermann

Das Netzwerk UniSolar und die Studentenstiftung Dresden unterstützten den Bau einer Solaranlage auf dem Dach der Laborschule des Vereins „Omse“ im Dresdner Stadtteil Gorbitz.

Ursprünglich sollte auf dem Dach des Zentrums für Energietechnik an der TU Dresden eine Solaranlage entstehen. Doch das hat nicht geklappt. „Noch ist es sehr schwierig Dachnutzungslizenzen für Solaranlagen zu bekommen“, sagt Christoph Klaus von UniSolar, einem Projekt der TU Umweltinitiative (TUUWI). Wegen strenger Brandschutzbestimmungen und damit zusammenhängenden hohen Versicherungskosten musste die Idee von einer Solaranlage auf dem Campus vorerst zu den Akten gelegt werden. Die Studenten suchten einen neuen Ort für ihre Idee und fanden ihn in Gorbitz. Durch die Zusammenarbeit mit einer Bürgerinitiative und der Bürgerstiftung Dresden bot sich den Studenteninitiativen die Möglichkeit, das bereits gesammelte Geld in eine Solaranlage auf dem Dach der Laborschule in Gorbitz zu investieren. „Wir haben zwar erst mit der Zusage gezögert, da wir mit unserem Projekt gern auf dem Campus bleiben wollten, aber uns dann doch dafür entschieden, weil die Schüler ja die Studenten von morgen sind“, berichtet Chris Döring von UniSolar.

Diese Geldanlage wird den Studenten in vielerlei Hinsicht zu Gute kommen. Die Kapitalerträge, die die Studentenstiftung aus dieser Investition erzielen wird, können zur Finanzierung weiterer Projekte verwendet werden. Außerdem haben die Studenten freien Zugang zur Anlage und können diese für Exkursionen, Projekte oder Diplomarbeiten nutzen. Vergütete Praktika innerhalb des Projektes werden ebenfalls angeboten.

Zur Kari: Statt in der Uni gibt’s die Sonnenenergie dank der Studenteninitiativen nun auch in der Schule.

Kari: Norbert Scholz

„ad rem“-Serie „Guter Unigeist“

Die SLUB-Mitarbeiterin

Nur hier: Die Geschichte hinter dem Bild … und ganz neu: Die Geschichte hinter der Geschichte …

Es fragte: Jian Tan

Valentina Neumann arbeitet seit fast 25 Jahren in der Sächsischen Landes-, Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB). Sie ist vielen Studenten als engagierte freundliche Mitarbeiterin bekannt. Grund genug für die Hochschulzeitung „ad rem“, sie als guten Unigeist vorzustellen.

Was haben Sie studiert?

Ich habe an der Philologischen Fakultät an der Universität Vilnius in Litauen Slawistik (Russische Sprache und Literatur) studiert.

Wie sieht Ihre SLUB-Arbeit aus?

Ich arbeite in den Abteilungen Bestandserhaltung und Benutzung.

Wie finden Sie die Arbeit in der Bibliothek?

Ich freue mich sehr, den Studenten behilflich zu sein. Diese Arbeit ist mit vielen positiven Überraschungen verbunden. Ich kümmere mich zusammen mit meinen Kolleginnen darum, dass Neuzugänge schnell ausleihbar werden. Mir bereitet Freude, wenn ich an der Ausleihtheke freundlichen mitdenkenden Studenten begegne. Zum Glück ist das keine Seltenheit.

Wie verbringen Sie Ihre Freizeit?

Ich gehe ins Theater (besonders Tanztheater) und Kino, besuche Ausstellungen, lese Bücher und spaziere gern an der Elbe. Das füllt einen Großteil meiner Freizeit. Das alles ist für mich unverzichtbar.

Hätten Sie einen Traumberuf?

Ich habe Literatur studiert und das war eine tolle Sache.

Wohin würden Sie gerne reisen?

Auf die Lofoten und die einmalige Natur genießen, genießen und noch mal genießen!

Was wünschen Sie sich für das neue Jahr?

Gesundheit. Ein weltoffeneres Dresden.

Zum Foto: Valentina Neumann in der SLUB.

Foto: Amac Garbe

Leise steigen die Preise

Erhöhte Kosten und fehlende Zuschüsse erhöhen Semesterbeitrag und Mensapreise

Das Campusradio rechnet nach …

Von Kristin Mewald

Der Verwaltungsrat des Studentenwerkes Dresden hat für das Jahr 2011 einen höheren Semesterbeitrag und teureres Mensaessen beschlossen.

Weihnachtsduft liegt in der Luft und die Festtagsstimmung ist in greifbarer Nähe. Dennoch müssen die Studierenden in Dresden, Zittau und Görlitz kurz vor den Ferien eine unerfreuliche Nachricht hinnehmen: Das Essen in den Mensen wird teurer und der Semesterbeitrag erhöht sich ab dem kommenden Sommersemester um neun Euro.

Erhöhung plus Verteuerung

Bereits in diesem Wintersemester war der Semesterbeitrag an den Dresdner Hochschulen aufgrund des sachsenweit gültigen Semestertickets gestiegen. Nun folgt zusätzlich eine Erhöhung des Stützungsbeitrags für das Studentenwerk Dresden, das neben den Studierenden der Dresdner Hochschulen auch die der Hochschule Zittau/Görlitz und des Internationalen Hochschulinstituts in Zittau betreut. „Den sächsischen Studentenwerken werden die Zuschüsse zur sozialen Preisgestaltung der Essenspreise in den Mensen voraussichtlich gekürzt“, erklärt Martin Richter, Geschäftsführer des Studentenwerkes Dresden. Grund dafür seien die im Doppelhaushalt 2011/12 vorgesehenen Sparbeschlüsse Sachsens.

Deshalb habe der Verwaltungsrat des Studentenwerkes Dresden auf seiner 85. Sitzung Anfang November beschlossen, die fehlenden Gelder durch einen höheren Beitrag der Studierenden an den studentischen Mittagessen auszugleichen. Derzeit unterstützen diese mit 60,50 Euro pro Semester das Studentenwerk. Im Sommer sollen es nun acht Euro mehr sein. „Trotz steigender Kosten und Verkaufszahlen der studentischen Essen um 42 Prozent seit dem Jahr 2001 sinken jährlich die Zuschüsse und damit die soziale Stützung pro Essen.“

Des Weiteren sieht der Wirtschaftsplan des Studentenwerkes für das kommende Jahr vor, für Investitionen am Studentenhaus Tusculum den Semesterbeitrag für Studierende am Standort Dresden zusätzlich um einen Euro zu erhöhen. Damit solle die Grundlage für größere Sanierungen, insbesondere von ungenutzten Kellerräumen geschaffen werden.

Folglich beläuft sich ab kommendem Semester der Anteil des Semesterbeitrags für das Studentenwerk auf insgesamt 69,50 Euro, also neun Euro mehr als bisher. Aufgrund höherer Personal- und Betriebskosten im Bereich der Mensen und Cafeterien werden auch die Essen selbst teurer, sowohl für Studierende als auch für Bedienstete der Hochschulen. Martin Richter versucht, die Berechnung der Erhöhungen zu erklären: „Unser Essenspreis setzt sich zusammen aus dem Wareneinsatz, also den Lebensmitteln, und einem Aufschlag zur Finanzierung der Betriebskosten. Dieser soll ab dem 1. Januar von 75 auf 80 Prozent angehoben werden.“ So koste ein Essen beispielsweise statt 1,75 Euro künftig 1,80 Euro. Die Ursache für diese Erhöhung liegt in der geringeren Förderung der Mensen durch den Freistaat, weil die Hochschulmensen nicht unter die sächsische Kantinenverwaltungsvorschrift (siehe auch „Mensakosteninfos“, Seite 1) fallen.

Zum Foto: Studentenwerksgeschäftsführer Martin Richter erklärt, warum der Januar teureres Mensaessen verheißt.

Foto: Amac Garbe

MENSAKOSTENINFOS.

  • Erhöhung des Semesterbeitrags: Ab Sommersemester 2011 steigt der Beitrag um neun Euro und beläuft sich so an der TU Dresden auf insgesamt 212,60 Euro. Damit wird der Stützungsbeitrag für die Mensen um 16 Prozent angehoben. Ein weiterer Euro davon wird für Investitionen am Studentenhaus Tusculum verwendet.
  • Kürzungen der Zuschüsse: Im Jahr 2009 betrugen die Zuschüsse des Freistaats für die studentischen Essen noch 2,78 Mio. Euro. Diese sinken jährlich und sollen 2012 voraussichtlich nur noch 2,0 Mio. Euro betragen. Die fehlenden Gelder müssen nun von den Studierenden ausgeglichen werden.
  • Erhöhung der Mensapreise: Ab dem 1. Januar 2011 werden die Preise in den Mensen und Cafeterien leicht steigen. Der soziale Aspekt soll gewahrt werden, da hochwertigere Essen mit einem höheren Anteil an den Betriebskosten beteiligt werden als einfache Essen.
  • Sachsens Kantinenverwaltungsvorschrift: Obwohl die Mensen für die Hochschulmitarbeiter die gleiche Kantinenfunktion erfüllen wie private Caterer für andere Landesbedienstete, fällt die Förderung für die Hochschulmensen geringer aus. Die sächsischen Studentenwerke fordern Gleichberechtigung.

An das Nudelholz und los!

Frische Pasta in Dresden: In der Alten Mensa wird selbst genudelt

Von Antje Meier

Canestri, Radiatori, Campanelle, Trecce oder Amori. Willkommen in der Welt der Nudel, oder wie die Italiener sagen: Pasta, Pasta!

Die Alte Mensa auf der Mommsenstraße hat nun eine Pasta-Manufaktur, in der täglich frische hausgemachte Nudeln hergestellt werden. Ob da wohl italienische Köchinnen traditionell ihre Nudelhölzer schwingen, um die beliebten Nudeln zu formen?

Jährlich isst jeder Deutsche etwa 7,7 Kilogramm Nudeln. Damit landen wir im europäischen Vergleich auf Platz sechs. Ungeschlagener Weltspitzenreiter ist jedoch immer noch Italien mit über 28 Kilo. Soweit die trockene Statistik. Doch wie sieht die Praxis in der Pasta-Manufaktur der Mensa aus? Mensaleiter Michael Kittner gibt einen Einblick: Startschuss für die Produktion ist täglich 8.30 Uhr in der Frühe. Bevor es losgeht, heißt es allerdings Hygienevorschriften beachten und weißen Kittel überwerfen.

In der Realität müssen die italienischen Nudelköchinnen Mensamitarbeiter Ingo Seydel weichen, der nicht mit dem Nudelholz den Teig bearbeitet, sondern mit einer Maschine. Mensaleiter Michael Kittner verrät, dass die Maschine eigentlich in der Mensa Bergstraße stehen sollte, um dort das Angebot zu bereichern. Wie und warum diese letzlich bei ihm gelandet sei, wisse er auch nicht so recht. Nun entstehen eben in der Alten Mensa täglich 60 Kilogramm frische Nudeln in vier Stunden Arbeit.

Damit die Maschine Nudeln produziert, füllt Ingo Seydel oben die Zutaten ein. Zehn Kilogramm Hartwei-zengrieß kommen auf 3,2 Liter Wasser. Manchmal kommen noch Zusätze wie Pilzpulver, Tintenfischtinktur oder Tomatenpulver für Geschmack und Farbe dazu.

Diese Masse wird dann von der Maschine 15 Minuten lang geknetet. Solange bis ein krümeliger Streuselteig entsteht, der anschließend durch eine sogenannte Matrize gepresst wird. Eine Matrize ist nichts anderes als eine Platte, die der Nudel am Ende die gewünschte Form gibt. So entstehen Linguine, Fusilli, Penne und Co., die dann nur noch zwei Minuten gekocht werden müssen und eine Etage höher von Sybille Toupal an der Ausgabetheke als „Nudelspezialität des Tages“ angerichtet werden. Dort wird das Angebot für etwa 6 500 Studenten täglich verfeinert. Freitags können die Nudeln auch abgepackt im 500-Gramm-Beutel für 1,50 Euro gekauft werden.

Und für die Vollständigkeit: Die längste Nudel der Welt war übrigens 180 Meter lang und wog 1 500 Gramm.

Zu den Fotos: Mensamitarbeiter Ingo Seydel produziert täglich vier Stunden Nudeln (li.), die er zusammen mit Mensaleiter Michael Kittner zum Kochtopf bringt (mitte). Sybille Toupal richtet die fertigen Nudeln an der Ausgabetheke an (re.).

Fotos: Amac Garbe

Viel zu kurz und dennoch ganz weit oben

Dresden, Paris, Barcelona: Die Dresdner TU-Studentin Luise Henzel erobert modelnd die große weite Welt

Die Geschichte hinter dem Bild …

Von Christina Dietze

Mal eben auf die Pariser Fashionweek, Wolfgang Joop die Hand schütteln und dann ab nach Barcelona? Für Nachwuchsmodel Luise Henzel ist das längst Alltag.

Eigentlich ist sie schon zu alt mit ihren 23 Jahren. Und, noch schlimmer, sie ist zu klein. Ganze drei Zentimeter fehlen ihr zum Modelmaß. Aber für Wolfang Joops Werbespot zu seiner Strumpfkollektion „mJ-1“ wurde die Dresdner Geschichts- und Politikwissenschaftsstudentin Luise Henzel trotzdem gebucht. Das war vor einem Jahr. Für sie gilt es seitdem herauszufinden, ob modeln tatsächlich ihr Ding ist. Probiert hat sie es in der Modehauptstadt Paris. Wenn schon, denn schon!

Alles begann damit, dass die Dresdner Kostümbildnerin Silke Abendschein (siehe „ad rem“ 26.2010) die studentische Barkeeperin im Club „Altes Wettbüro“ einst fragte, ob sie sich vorstellen könne, für ihre Kollektion zu modeln. „Ich war überrascht und auch neugierig, was mich da wohl erwarten würde“, erzählt Henzel, die seit ihrer Kindheit Leistungssport betrieb und für das Modelbusiness fast zu muskulös wirkt. Im „Geh8“, einem in der Dresdner Kunstszene bekannten Ausstellungsort, lief sie dann im Jahr 2007 zum ersten Mal auf dem Catwalk. „Dort habe ich später die Visagistin Uta Stabler kennengelernt.“ Eine Reihe von Shootings folgte. „Ich war plötzlich auf verschiedenen Websites zu sehen und immer mehr Leute sprachen mich darauf an.“ Später folgten Aufnahmen in Berlin, bei denen sie unter anderen die Fotografin Grit Siwonia kennenlernte.

Zwischenstopp Paris

Mittlerweile sind aus diesen Bekanntschaften drei gute Freunde geworden, die Luise Henzel unterstützen. Sie haben ihr immer wieder geraten, unbedingt mehr aus ihrem Talent zu machen. Und so packte sie im September dieses Jahres Highheels und Röhrenjeans zusammen und zog kurzerhand nach Paris. Die anstehende Verteidigung ihrer Bachelorarbeit an der TU Dresden hielt sie nicht davon ab, sich bei etwa 20 der bekanntesten Pariser Modelagenturen vorzustellen. Unüblicherweise ohne Termin. „Ich bin einfach mit meiner Mappe hingegangen und sagte: Hallo, hier bin ich.“ Was ihr an Körpergröße fehlt, macht sie mit ihrer Selbstsicherheit wett. So auch auf der berühmten Pariser Fashionweek: „Ich hab‘ einfach so getan, als ob ich schon ein professionelles Model wäre und dazugehöre. So bin ich auch ohne Einladung in die Shows reingekommen.“ So offen und leicht, wie es klingt, ist es jedoch nicht in diesem Geschäft. Und das Business ist nichts für jedermann. Es ist oft unehrlich, eben mehr Schein als Sein. Das muss man aushalten können. Aber Luise Henzel lässt sich nicht so leicht abschrecken.

Nackte Fragen

Binnen eines Monats brachte sie es auf zahlreiche neue Kontakte und dann ging alles ziemlich schnell. Eine Pariser Bildredakteurin eines Modemagazins half ihr noch, ihre Vorzeigemappe auf die besten Fotos zu reduzieren und sortierte gnadenlos aus. Ganze fünf blieben am Ende drin. Damit und dank der Hilfe eines Modelscouts, der sie auf der Straße ansprach, hat sie es geschafft, trotz der fehlenden Zentimeter, bei einer Agentur unter Vertrag zu kommen. Sie zog in eine Model-WG der Agentur um, und wurde mit einem großzügigen Taschengeld, Friseurbesuch, Maniküre und Zahnaufhellung versorgt. Viel genutzt hat das der Agentur nicht, denn das erste Shooting für eine amerikanische Zeitung lehnte Luise Henzel ab, als sie erfuhr, dass es um Nacktbilder ging. Sie will sich nicht verbiegen lassen und probiert es nun für ein paar Monate in Barcelona. „Entweder es klappt oder nicht.“

Im kommenden Jahr wird sie an die Uni zurückkehren. Das Masterstudium hat sie sich ganz fest vorgenommen.

Zum Foto: „Alles läuft gut, bis ich in der Agentur meine Schuhe ausziehen muss“, sagt Luise Henzel. Fürs Modeln ist sie eigentlich zu klein, und trotzdem so erfolgreich, dass ihr vor dem Abflug nach Barcelona keine Zeit mehr für einen Fototermin blieb. Sie schickte ihre Fotos.

Foto: Amac Garbe

Romanisten formieren sich

Studenten nehmen Professurenwegfall an der TU Dresden nicht hin

Von Thomas Kasperski

An der TU Dresden regt sich Protest. Gut 50 Studenten der Romanistik wollen nicht tatenlos zuschauen, wie Professuren zusammengelegt werden oder gar wegfallen.

Der Willers-Bau der TU Dresden ist bereits menschenleer an diesem Donnerstagabend. Es ist der 11. November und nur in einem Seminarraum herrscht noch reges Treiben. Der Grund: Die geplanten Einschnitte an der Fakultät der Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaften (SLK), von denen besonders die Romanisten betroffen wären, und die daraus resultierende Empörung der Studenten, die sich jetzt erstmals zu einem Koordinierungstreffen zusammenfinden. Sie wollen sich organisieren und sie wollen protestieren.

Die anstehenden Kürzungen an den sächsischen Hochschulen – allein an der TU Dresden müssen in den kommenden Jahren etwa 300 Stellen eingespart werden – dürften auch für die SLK-Fakultät schmerzhafte Konsequenzen mit sich bringen. Zwei Professuren sollen gestrichen werden, indem jeweils die spanischen, italienischen und französischen Landesstudien mit den jeweiligen Literaturwissenschaften zusammengelegt werden.

Unzumutbar seien diese Pläne, sagen die Studenten, die sich dicht an dicht in den kleinen Raum drängen. Schnell wird an diesem Abend aber auch deutlich: Es ist fünf vor zwölf. Ein Fakultätsbeschluss für die bevorstehenden Einschnitte liegt dem Dekan der SLK-Fakultät, Prof. Karlheinz Jakob, bereits zur Unterschrift vor. Bis Ende des Jahres sollen die Pläne durchgewinkt werden.

Viel zu schlanke Lehre

Viele der Anwesenden bemängeln an diesem Donnerstagabend die schlechte Kommunikation der Reformen. Erst jetzt, da das Konzept einer schlankeren kulturwissenschaftlichen Lehre in Dresden beschlossene Sache zu sein scheint, dringen alle Details bis zu den Studenten vor. Es gibt offensichtlich Redebedarf, sowohl unter den Studenten als auch zwischen Studentenschaft, Professoren und Dekan. Und so hat jeder, der an diesem Abend den Weg in den Willers-Bau gefunden hat, etwas zum Thema beizutragen. Eine ganze Liste an Argumenten wird zusammengetragen, mit der dem Dekan vor Augen geführt werden soll, warum die geplanten Einschnitte unverantwortlich sind.

Immer wieder kommt es zu Wortmeldungen, in denen Studenten die zukünftige Qualität der landesspezifischen Kulturstudien in Dresden gefährdet sehen. Und auch eine grundsätzliche Frage wirft sich gegen Ende des fast dreistündigen Gedankenaustausches auf: Inwieweit hat es überhaupt Sinn, an allen Fakultäten einzusparen, bis die Lehrbedingungen überall unzumutbar geworden sind, und wäre es stattdessen nicht sinnvoller, an der TU Dresden auf Schwerpunktbildung zu setzen? Auch wenn dies bedeuten könnte, das Konzept als Volluniversität aufgeben zu müssen.

Studentenvertreter René Schulz warnt angesichts dieses düsteren Szenarios vor „Kannibalismus“ zwischen den Fakultäten und Instituten. Vielmehr solle man darauf setzen, die Wichtigkeit der eigenen Studienrichtung, nämlich der Romanistik, zu unterstreichen. Und genau darum geht es an diesem Abend. Arbeitsgruppen werden gebildet, Kontaktdaten ausgetauscht. Jetzt muss alles sehr schnell gehen, will man die Einschnitte tatsächlich noch verhindern.

Klein beigeben wollen die Romanisten bis zum Schluss nicht, obwohl am Ende dieses Abends im Willers-Bau verstärkt der Begriff „Kompromissbereitschaft“ die Runde macht.

→ Bereits zu diesem Thema erschienen …

Zur Kari: Auf dem Speiseplan der Romanisten könnte schon bald nur noch Einheitsbrei stehen …

Kari: Norbert Scholz

Frustrierender Hörsaalverfall

Das Lehrgebäude der TU Dresden an der August-Bebel-Straße wird nicht vor 2013 saniert

Von Antje Meier

Der stete Tropfen höhlt den Stein und die Geduld von Lehrenden und Studierenden: Das baufällige Lehrgebäude der TU Dresden an der August-Bebel-Straße bleibt weiter unsaniert, weil die finanziellen Mittel fehlen.

Gute Nachrichten waren es, die Anfang des Jahres über den Campus der TU Dresden geflüstert wurden: Das Lehrgebäude an der August-Bebel-Straße 20 (ABS) wird saniert, hieß es damals. Im August sollte es losgehen. Doch noch im Juli ruderte die TU Dresden zurück. Mathias Bäumel von der TU-Pressestelle erklärt dazu: „Im Jahr 2010 wird es nicht mehr zu einer Sanierung der August-Bebel-Straße kommen.“ Und auch 2011 wird wohl nichts mit der einstigen Militärakademie passieren. Denn im Doppelhaushalt 2011/2012 der sächsischen Landesregierung sei diese Maßnahme nicht mit Geld untersetzt. „Die TU Dresden hatte die Sanierung zwar geplant, wird aber vom Freistaat dafür kein Geld eingestellt bekommen“, bestätigt Bäumel. Damit sei die Erneuerung des Gebäudes vor 2013 wohl nicht unmöglich, aber sehr unwahrscheinlich: „Der Freistaat Sachsen versucht, Möglichkeiten der Umschichtung zu erhalten. Wenn woanders Geld frei würde, könnte eventuell schon 2012 mit der Sanierung begonnen werden.“

Bei den betroffenen Instituten, vor allem das Institut für Kunst- und Musikwissenschaft ist in der ABS beheimatet und wird auch von den Historikern als bröckeliges Lehrdomizil genutzt, scheint inzwischen Resignation eingetreten zu sein. „Eine gewisse Routine hat sich schon eingeschlichen, da es kaum jemanden an der Philosophischen Fakultät wundert, dass die Baumaßnahmen verschoben wurden“, heißt es aus dem Fachschaftsrat (FSR) der Philosophischen Fakultät auf Anfrage von „ad rem“. Schon zu lange schwirre das Gerücht über Instandsetzungspläne des Gebäudes durch die Flure der Dresdner Universitätsverwaltung. So dass man die Sanierung erst gar nicht wirklich in die Vorbereitungen für das Wintersemester eingeplant hätte.

Was für Lehrende und Studierende einer Farce gleichkommt, ist für das im ABS angesiedelte Kino im Kasten (KiK) fast ein Segen. Schon seit geraumer Zeit bangt das Studentenkino um seine Existenz. „Ich bin jetzt nicht direkt ein Gegner des Umbaus. Aber unsere Kinotechnik passt natürlich nicht zu 100 Prozent in das Konzept eines Hörsaals“, erzählt Ralph Borowski vom KiK. Mit der Sanierung würde sich für die technischen Begebenheiten des Kinos einiges ändern. Deshalb arbeitet es schon seit längerem eng mit dem Medienzentrum und dem zuständigen Dezernat der TU Dresden zusammen.

Geschichte statt Prunk

So weiß der angehende Wirtschaftsinformatiker Borowski besser über die Bauarbeiten Bescheid als der FSR: „Es sind neue Belüftungsanlagen geplant, Anpassungen an aktuelle Brandschutzverordnungen und der Abbau von Barrieren für Studenten im Rollstuhl“, erklärt der 24-Jährige. So sieht der Plan vor, den Hörsaal 1 auf das Niveau der Eingangshalle anzuheben. Auch die Sitze in den kleineren Hörsälen sollen durch neue ersetzt und die ausrangierte Bestuhlung im Hörsaal 3, in dem das KiK seine Filme zeigt, „aufgemöbelt“ werden.

Diese Bestrebungen dürften auch dem FSR entgegen kommen: „Wir wollen eigentlich keinen Prunkbau an der ABS. Im Gegenteil wäre uns viel daran gelegen, wenn das Gebäude nach außen und innen auch weiterhin als Relikt der Geschichte erhalten bleibt.“ Aber eben moderner und nicht so heruntergekommen. Der FSR fordert Arbeitsecken, W-LAN, funktionierende Technik, neue Sanitäranlagen und einen Wickelraum sowie genügend Platz für Informationstafeln und überdachte Fahrradständer. Alles soll behindertengerecht ausgebaut, schlicht aber stilvoll eingerichtet werden.

Dennoch sei die Kommunikation der Universitätsleitung nicht gut. „Wir haben keine Informationen darüber erhalten, was genau gemacht werden soll. Auch die in der ABS tätigen Institute wissen nicht Bescheid“, heißt es aus dem FSR, dem vorerst nichts anderes übrig bleibt, als weiterhin abzuwarten.

Zum Foto: Ralph Borowski vom Kino im Kasten ist einer der wenigen, die die verzögerte Sanierung gut finden.

Foto: Amac Garbe

SANIERUNGSFAKTEN.

  • Im vergangenen Jahr besetzten einige Mitglieder des Fachschaftsrates (FSR) der Philosophischen Fakultät im Zuge des Bildungsstreikes das Hochschulgebäude in der August-Bebel-Straße (ABS) Dresden. Damit wollten die Studierenden auf die baulichen Mängel an Fassade, Sanitär und Technik der ehemaligen Militärakademie hinweisen.
  • Daraufhin erklärten die zuständigen Dezernate der TU Dresden den Besetzern, dass es bereits einen Gebäudesanierungsplan gebe.
  • Dieser Sanierungsplan sah neben der Instandsetzung des Victor-Klemperer-Saals im Weber-Bau, dem Trefftz-Bau und dem Potthoff-Bau auch die August-Bebel-Straße vor. Nach und nach sollte saniert werden, da die Kapazitäten für einen parallelen Umbau der Gebäude nicht ausreiche. Der sanierte Victor-Klemperer-Saal wurde am 12. November übergeben. Die Bauarbeiten in der ABS sollten bereits in diesem August beginnen. Auch im Potthoff-Bau haben die Arbeiten noch nicht begonnen.

Wissenschaftlich Wettstreiten

Eine „Goldene Kopfnuss“ erwartet den Gewinner des zweiten Science Slams in Dresden

Nur hier: Die Geschichte hinter dem Bild …

Von Antje Schöne

Jeder Teilnehmer hat zehn Minuten Zeit, um ein wissenschaftliches Thema dem Publikum möglichst originell zu präsentieren.

Einer der wissenschaftlichen Schnellerklärer ist Till Korten. Der Postdoc in Biophysik am Dresdner Max-Planck-Institut möchte das Thema seiner Doktorarbeit vorstellen. Darin hat er den Transport von Neurotransmittern im Inneren von Nervenzellen untersucht. Diese Neurotransmitter werden mit Hilfe von Biologischen Nanomotoren, Kinesin genannt, in kleinen Membransäckchen vom Zellkörper zur Synapse transportiert. Doch der Transport ist mit Hindernissen verbunden, ein erschwerter Transport etwa kann Altersdemenz erklären. Klingt kompliziert? Keine Sorge, der 32-jährige hat etwas Besonderes vor. Um den Zuschauern alles genau zu erklären, will er sich als Kinesin verkleiden: „Ich finde es wichtig, einem breiten Publikum Wissenschaft zugänglich zu machen und dabei noch Spaß zu haben.“

Das ist auch das Ziel von Vineeth Surendranath. Der 30-Jährige ist ebenfalls Doktorand am Max-Planck-Institut Dresden und hat sich viele Videos auf YouTube angesehen, um sich Inspiration für seinen Vortrag zu holen. „Die meisten tragen ihr Thema nur witzig vor, aber ich möchte es multimedial machen, damit die Zuschauer verstehen, was wir forschen.“ Er hat in Indien studiert, war dann wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut und ist seit April Doktorand. Sein Thema, eine Heilungsmöglichkeit von HIV, an der er bisher geforscht hat, möchte er auf dem Science Slam am Montag (22.11, 19.30 Uhr) im Festsaal der TU Dresden (Dülferstraße 2) vortragen. Das wird eine Herausforderung für ihn, denn auf Deutsch hat er noch keinen Vortrag gehalten. Am Institut sprechen alle Englisch. „Mein Deutsch habe ich vor allem im Kino gelernt“, erzählt er. Vom Science Slam hat ihm ein Freund erzählt.

Für den noch jungen wissenschaftlichen Slam haben sich neun Akteure angemeldet, darunter Promotionsstudenten, Doktoranden und Professoren. Zum ersten Mal fand der Science Slam zur diesjährigen Langen Nacht der Wissenschaft statt. Diesmal soll er einen ganzen Abend bekommen. Ähnlich dem Poetry Slam gibt es strikte Zeitvorgaben, Hilfsmittel sind aber erlaubt. Das Publikum entscheidet, ob Inhalt und Darbietung überzeugen und kürt den Sieger. Den erwartetdann die „Goldene Kopfnuss“ – wie diese Trophäe aussieht, bleibt spannend.

Netzinfos: http://www.mpi-cbg.de/scienceslam

Zum Foto: Tut gleich selbst so, als sei er ein Nanomotor: Postdoc Till Korten bereitet sich auf den Sience Slam vor.

Foto: Amac Garbe

Weltwasserforschung in Dresden

Universität der Vereinten Nationen plant gemeinsam mit der TU Dresden neues Institut

Von Franziska Lange

Noch fehlen Wände, Dach und Personal, doch die Gründung steht kurz bevor: Die Universität der Vereinten Nationen kommt mit einem neuen Institut nach Dresden.

Um Wasser, Boden und Abfall soll es den Wissenschaftlern gehen. Im neuen Institut der Universität der Vereinten Nationen (UNU) werden sie Strategien erforschen, um kontaminiertes Wasser wieder aufzubereiten, um Boden nachhaltig zu bearbeiten und um dem Abfall Herr zu werden. Dass dieses neue Institut – es wird nach dem in Bonn das zweite in Deutschland sein – nach Sachsen kommen wird, steht fest. Auch dass die UNU dafür neben anderen Partnern mit der TU Dresden, vor allem mit der Fakultät Forst-, Geo- und Hydrowissenschaften, kooperieren will, gilt bereits als abgemacht. Nur wann genau die Wissenschaftler ihre sächsischen Forschungen aufnehmen wollen, ist noch nicht ganz geklärt.

Die Finanzierung dagegen schon. Das neue Institut sei in der Haushaltsplanung berücksichtigt, sagte Sachsens Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Sabine von Schorlemer (parteilos). Das ist nötig, denn die Vereinten Nationen finanzieren die Einrichtungen der UNU nicht. Die jeweiligen Länder müssen selbst dafür aufkommen. Für das Dresdner Institut ist in der Startphase eine Summe von einer Million Euro pro Jahr vorgesehen, die sich Bund und Land teilen werden. Außerdem wird Sachsen ein Institutsgebäude zur Verfügung stellen.

Noch ist vieles in der Planung. Um die letzten Gründungsdetails zu konkretisieren, trafen sich in der vergangenen Woche Wissenschaftler, Vertreter der Vereinten Nationen und Repräsentanten verschiedener UNU-Institute zu einem Auftakt-Workshop in Dresden. Dabei besprachen sie nicht nur eine Strategie für die Startphase des neuen Institutes, das offiziell Integrated Management of Material Fluxes and of Resources (FLORES) heißen wird, sondern auch Konzepte für die Etablierung seines Zwillingsinstituts in Mosambik. Diese Tandemverbindung zweier Institute in verschiedenen Ländern ist neu. Neben Tokio und Accra in Ghana bilden Dresden und Maputo in Mosambik das zweite Team der UNU, das zu einem Thema forschen soll. Prof. Konrad Osterwalder ist überzeugt, dass beide Standorte voneinander lernen können. „Die großen Probleme sind heute nicht mehr lokal, sondern global“, sagte der Rektor der UNU anlässlich des Workshops in Dresden. „Es geht uns nicht darum, einfach Geld und Wissen in Entwicklungsländer zu schicken, sondern um den wissenschaftlichen Austausch.“

Das passt auch der TU Dresden gut ins Konzept. Schließlich stehen Internationalität und Nachhaltigkeit ganz oben auf der Prioritätenliste ihres Zukunftskonzeptes. Da wundert es nicht, dass Rektor Prof. Hans Müller-Steinhagen diese Verknüpfung von UNU und seiner Universität „sauspannend“ findet. Weil die Institute der UNU keine Grundlagenforschung betreiben und statt nach Disziplinen nach Themen gegliedert sind, bringt das unterschiedliche Wissenschaftler zusammen. „Sozialwissenschaftler, Biologen, Chemiker, Wasseringenieure und Mediziner finden dabei wie eine Spinne im Netz zusammen“, sagte der TU-Rektor.

Etwa 20 bis 30 Forscher sollen es in der Anfangszeit sein, bis zu 150 könnten es im Laufe der Jahre werden. Etwa 70 Studenten pro Jahr werden in Master- und Doktorandenprogrammen ausgebildet. Ein grundständiges Studium wird es jedoch nicht geben. Der Startschuss soll mit der Gründung des Institutes und der Ausschreibung des Postens für den Gründungsdirektor im kommenden Jahr fallen. Zunächst müssen die Vertreter der UNU, des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, des Freistaats Sachsen und der TU Dresden aber erst eimal eine gemeinsame Absichtserklärung zur Gründung von UNUFLORES unterschreiben. Damit wird in den kommenden Wochen gerechnet.

Zum Foto: Im Dresdner UNU-Institut sollen Masterstudenten, Doktoranden und Wissenschaftler unter anderem Strategien für sauberes Wasser finden.

Foto: Amac Garbe

VEREINTE NATIONENUNIFAKTEN.

  • Die United Nations University (UNU) wurde 1969 als akademischer Arm der Uno gegründet und unterhält Forschungsstandorte in 13 Ländern. In Deutschland war Bonn bisher der einzige Standort. Dresden soll als zweiter folgen.
  • Die Forschungen der UNU sind auf Nachhaltigkeit ausgerichtet. In deren Einrichtungen wird keine Grundlagenforschung betrieben. Stattdessen wird UNU-FLORES Master-, Doktoranden- und Postdoc-Programme anbieten.
  • Von der Partnerschaft zwischen UNU und TU Dresden erhofft sich der TU-Rektor eine gemeinsame Berufung des Personals ebenso wie die gemeinsame Entwicklung von Modulen für die Lehre.

Aus Freude am Redesport

Ein Abend im einzigen Debattierclub Dresdens ist spannend, impulsiv und lehrreich zugleich

Die Geschichte hinter dem Bild …

Von Felix Prautzsch

Debattieren schult die rhetorischen Fähigkeiten und reizt durch die Auseinandersetzung mit kontroversen Themen.

Wer Debattieren für steif oder gar snobistisch hält, ist hier falsch. Die Atmosphäre ist locker und offen an diesem Dienstagabend in einem Raum im Dresdner Hörsaalzentrum: Ungezwungenes Plaudern, erste Freude am Argumentieren wird deutlich, einer erzählt vom Halbfinale der ZEIT DEBATTE, dem von besagter Wochenzeitung ausgerichteten Redewettstreit für Studenten, in Greifswald.

Doch eine gemeinsame Debatte ist das eigentliche Programm dieses Abends der „DRESDEN debating union“, wie der einzige – obendrein studentische – Verein dieser Art in Dresden heißt. Mögliche Themen für die Debatte an diesem Dienstag: Zwangsheirat, Haftstrafenverkürzung für Geld, politische Fehlentscheidungen als Straftatbestand. Wer so etwas vorschlägt, liebt die Kontroverse. Die etwa 20 Anwesenden stimmen schließlich für die Frage, ob demokratiefeindlichen Gruppen das Demonstrationsrecht entzogen werden sollte. Nach einer Viertelstunde Vorbereitungszeit geht es auch schon los: Zwei Fraktionen zu je drei per Los bestimmten Rednern sitzen sich gegenüber, im Publikum die Jury und drei freie Redner, die ihre Position im Laufe der Auseinandersetzung finden müssen.

„Offene Parlamentarische Debatte“ heißt dieses Debattiermodell, eines der beiden in Deutschland üblichen. Zunächst wirbt die erste Sprecherin der Regierung für den Antrag, dann folgt die Gegenrede der Opposition. Den Rednern ist die Aufregung anzumerken, sie haben Mühe, die sieben Minuten Redezeit frei und schlüssig vorzutragen. Anderen gelingt das schon besser: Der 24-jährige Greifswalder Halbfinalist Alexander Labinsky studiert im 7. Semester Verkehrsingenieurwesen an der TU Dresden. In dieser Debatte ist er freier Redner. Am Redesport schätzt er, dass er das analytische und taktische Denken schult. Wen wundert’s also, dass sich selbst für ein unpopuläres Anliegen nachvollziehbare Argumente finden: „Was sehen wir in Stuttgart? 14 Jahre Planung vom Pöbel auf den Kopf gestellt! Das schadet dem Ansehen unseres Landes!“ Konter: „Wenn es nach der Regierung ginge, dann dürfte ich hier gar nicht sprechen!“ In den Schlussreden gehen die Redner in ihren Rollen vollends auf. Schließlich trennen sie sich parlamentarisch korrekt und gut gelaunt mit Händeschütteln.

Eine Endabstimmung gibt es nicht. Entscheidend sind die Freude am Reden und die Entwicklung der rhetorischen Fähigkeiten. „Am Feedback der Jury wächst man“, sagt Alexander Labinsky.

Netzinfos: http://www.dresden-debating.de

Zu den Fotos: Gut vorbereitet starten die Dresdner Redner in ihre parlamentarische Debatte.

Foto: Amac Garbe

Wissenschaftliche Haarspalterei

Eine biopsychologische Studie an der TU Dresden analysiert erstmals Stress im Haar

Von Franziska Lange

Susann Steudte möchte mit ihrer Doktorarbeit beweisen, dass das Stresshormon Cortisol im Haar nachweisbar ist. Das ist nicht nur neu, sondern auch bahnbrechend.

Eine Frau fährt mit ihrem Auto zur Arbeit. Es regnet. Die Straße ist spiegelglatt. Morgennebel versperrt die Sicht, als plötzlich, wie aus dem Nichts, die Scheinwerfer eines entgegenkommenden Autos blenden. Die Fahrerin reißt das Lenkrad zur Seite. Reifen quietschen. Metall knallt aufeinander. Dann ist alles still. Zitternd sitzt die Frau am Steuer. Ihr Herz schlägt rasend, der Schock sitzt tief.

Solch eine traumatische Situation erlebt nahezu jeder irgendwann einmal im Leben. Der Körper ist darauf vorbereitet. Die Nebennierenrinde schüttet das Stresshormon Cortisol aus, um das Gehirn in Alarmbereitschaft zu versetzen. „Das ist wichtig, um in schwierigen Situationen blitzschnell reagieren zu können“, erklärt Susann Steudte, „nur, wenn der Körper chronisch zuviel davon ausschüttet, ist das Hormon schädlich.“

Die 24-Jährige studierte Psychologie an der TU Dresden und stand schon während ihres Studiums an Hormonen forschend im Labor. Nun analysiert sie für ihre Doktorarbeit seit einem Jahr Stresshormone. Sie interessiert vor allem, in welcher Dosis Cortisol im Körper nach einem Trauma ausgeschüttet wird und warum. Denn jeder Mensch verarbeitet eine traumatische Situation wie etwa einen Autounfall im Morgennebel anders. Manche kommen darüber hinweg. Anderen fällt danach der Alltag schwer. Sie können das schlimme Ereignis einfach nicht vergessen, erinnern sich immer wieder schmerzlich daran oder meiden ähnliche Situationen aus Angst. Sie leiden unter einer Posttraumatischen Belastungsstörung – und sind für Susann Steudtes Promotionsprojekt interessant.

Die Cortisolausschüttung bei Menschen mit dieser Störung scheint nämlich verändert zu sein. Das wissen die Psychologen längst, nicht aber, ob dies auch dauerhaft so ist. Denn bisher konnte Cortisol nur in Speichel, Blut und Urin nachgewiesen und bestimmt werden. Diese Werte sind aber immer situationsbedingt. So mussten die Psychologen aufwändig viele Proben sammeln, um über den Zeitraum von vierundzwanzig Stunden eine Aussage treffen zu können.

Neuland in Dresden

Vor ein paar Jahren entwickelten die Forscher nun eine ganz neue Methode. Mit ihr können sie Cortisol erstmals auch im Haar nachweisen. Und weil das Hormon dort bis zu sechs Monate nachweisbar ist, auch seine Ausschüttung im Körper rückwirkend bestimmen. Mit diesem Wissen könnte sich die Sicht auf die Posttraumatische Belastungsstörung grundlegend ändern.

Dass diese Methode in der Praxis funktioniert, möchte Susann Steudte mit ihrer Doktorarbeit zeigen. Eine erste Anwendung der Methode konnte sie schon nachweisen. Sie untersuchte die Cortisolwerte bei Menschen, die an einer Generalisierten Angststörung leiden und veröffentlichte die Ergebnisse im Journal „Psychiatry Research“.

Ihre Haarstudie soll größer werden. Gelingt sie ihr, wäre das nicht nur ein Erfolg für sie, sondern auch für die Dresdner Biopsychologie. Dafür muss sie in den kommenden zwei Jahren soviele Haarproben von Patienten, die ein Trauma erlebt haben, mit denen von gesunden Menschen vergleichen wie möglich. Doch die Suche ist nicht leicht. Sie fragt in Kliniken, unterhält sich mit Medizinern und stößt dabei auf vorsichtiges Interesse. So eine neue Methode braucht Zeit, um von ihren Vorzügen zu überzeugen. Wenn ihr das gelingt, betritt sie als Doktorin Neuland. Für sich und für andere Menschen, wie etwa die traumatisierte Autofahrerin. Doch bis es soweit ist, sitzt sie noch viele Arbeitstage im Labor und im Büro.

Zum Foto: Für ihr Promotionsprojekt muss Susann Steudte viele Haarproben nehmen – mit der Schere.

Foto: Amac Garbe

TEILNEHMERINFOS.

  • Für die Haarstudie am Institut für Biopsychologie der TU Dresden sucht Susanne Steudte Menschen, die zwischen 18 und 65 Jahren alt sind, eine traumatische Situation erlebt haben und eventuell an einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTB) leiden. Vor Beginn der Studie wird geklärt, ob sie tatsächlich an einer PTB leiden.
  • Die Haare der Patienten müssen mindestens drei Zentimeter lang sein. Es wird eine kleine Strähne vom Hinterkopf benötigt. Eine mögliche Schwangerschaft sollte ausgeschlossen werden.
  • Die Teilnahme an der Studie wird mit 15 Euro vergütet.
  • Interessenten können sich telefonisch (0351-463-35911) oder per E-Mail melden: ptsd-studie@psychologie.tu-dresden.de

Teddys müssen bald zahlen

Der StuRa kann den Teddydoktoren der TU keine finanzielle Unterstützung mehr zusichern

Zur Geschichte hinter dem Bild …

Von Anja Zimmermann

Obwohl sie eine anerkannte Hochschulgruppe ist, verfolgt sie nicht die vom StuRa erwarteten Ziele. Werden nun auch die Kuscheltiere im Teddykrankenhaus Praxisgebühren bezahlen müssen?

Die Homepage des Studentenrats (StuRa) weist insgesamt 55 anerkannte Hochschulgruppen auf. Eine davon ist das Teddykrankenhaus. Diese Initiative hat es sich zur Aufgabe gemacht, Kindergartenkindern die Angst vor dem Arzt zu nehmen. An drei Tagen im April und zur Langen Nacht der Wissenschaften bieten engagierte Medizinstudenten für die Knirpse und deren kranke Kuscheltiere Sprechstunden an.

Doch Hochschulgruppe ist nicht gleich Hochschulgruppe. Auch wenn man vom Studentenrat offiziell anerkannt wird, ist damit eine Unterstützung durch die Studentenvertretung nicht fest zugesichert. Dies haben die Teddydoktoren im Sommer erfahren müssen. Jedes Jahr im Mai müssen die Hochschulgruppen beim Förderausschuss des Studentenrates einen Antrag auf Anerkennung stellen. Das haben die Organisatoren auch getan und der Antrag wurde bewilligt. Was die engagierten Studenten dann aber zu hören bekamen, erstaunte sie doch sehr. „Uns wurde klipp und klar gesagt, dass wir zwar einen Antrag auf finanzielle Unterstützung stellen können, aber man könne uns zusichern, dass wir es nicht bewilligt bekommen“, berichtet Johannes Löll, einer der Teddydoktoren.

Der Grund: Der StuRa unterstütze zwar Studenten und deren Studium sowie die kulturellen und sportlichen Aktivitäten nebenbei, aber das Teddykrankenhaus sei ein Projekt, das Soft Skills vermittle, und das sei Aufgabe der Universität und nicht des Studentenrats. Das Teddykrankenhaus verfolge damit also nicht die Ziele, die der StuRa erwarte. „Diese Begründungen finde ich ziemlich schwachsinnig und es zeigt, dass die Kriterien, die für die Finanzierung gelten, doch sehr Auslegungssache sind“, sagt der Medizinstudent.

Der StuRa hat die Teddydoktoren im letzten Jahr mit 390 Euro unterstützt, will das aber, diesen Aussagen nach zu urteilen, im nächsten Jahr definitiv nicht mehr tun. Matthias Zagermann, der Vorsitzende des Finanzausschusses, bestreitet den von Johannes geschilderten Vorfall im Mai und versichert: „Wenn das Teddykrankenhaus eine anerkannte Hochschulgruppe ist, dann haben sie auf jeden Fall Anspruch auf die finanziellen Mittel vom StuRa.“

Die Hochschulgruppe will nun trotz der Entmutigung einen Finanzantrag stellen und hofft auf Bewilligung.

Zum Foto: Weil die Teddys eher Kindern statt Studenten helfen, droht der kuschligen Sprechstunde das Ende.

Foto: Amac Garbe

Ein Kronprinz in Dresden

Auf ein Feierabendbier und Gartengeflüster mit TU-Geschichts-professor Gert Melville

Die Geschichte hinter dem Bild…

Von Janine Kallenbach

„Mein Prof kocht auch nur mit Wasser“ ist ein Rat, der das mulmige Gefühl vor der Prüfung nehmen kann. Wie wahr dieser Rat ist, zeigt „ad rem“ und besucht Eure Hochschullehrer jenseits des Campus. Heute: Gert Melville.

Ein Bierchen am Nachmittag darf es schon mal sein. Vor allem im Sommer und nach getaner Arbeit. Und so trifft es sich gut, dass Professor Dr. Gert Melville, ehemaliger Lehrstuhlinhaber für Mittelalterliche Geschichte der TU Dresden und nun Seniorprofessor, im Biergarten mit Kollegen auf ein frisch gezapftes Weizenbier anstößt.

Kein Gespräch geht an ihm vorbei. Er ist konzentriert bei der Sache. Umringt von italienischen und amerikanischen Doktoranden ist er in seinem Element. Gekonnt wandert er zwischen den Sprachen hin und her. Italienisch beherrscht ebenso gut wie sie seine Muttersprache Deutsch. „In Englisch kann ich mich verständigen“, meint Melville schmunzelnd. Was getrost als Untertreibung gelten kann. Von den Sprachen geht es zu einem seiner Lieblingsthemen. Sein Garten. „Ich züchte alles, was man essen kann“, sagt Melville. „Seit 20 Jahren habe ich ein Treibhaus. Darin herrscht die totale Überproduktion, so dass ich all meine Nachbarn versorgen kann“. Die Gartenleidenschaft verdankt er seiner Tante, von der er sagt, sie sei eine der klügsten Frauen in seinem Leben. „Mit 19 Jahren hat sie mir ein Stück Land organisiert, damit ich mich körperlich betätigen kann.“ Zwei Sommer lang hat er daraufhin seine kleinen Felder bestellt. „Und da ist auch was geworden“, stellt er lächelnd fest. Seitdem hatte er immer einen Garten, egal ob in München oder Münster.

Seine andere große Leidenschaft ist ohne Frage die Geschichte. „Ich kann Gottseidank sagen, dass mein Beruf mein Hobby ist.“ Aber beinahe wäre es anders gekommen. „Ich war der Kronprinz der Familie“, erzählt Melville, „mein Vater ist im Krieg gefallen.“ So war die Erbfolge quasi an ihm.

Er sollte die bekannte Anwaltskanzlei seiner Familie in München übernehmen. „Es war ein gutes Angebot, deswegen habe ich brav Jura studiert.“ In den Semesterferien ging es nach Italien, mit dem selbst zusammengesparten Auto. Doch während er sich die Etrusker ansah, kam er ins Grübeln. „Was machst Du eigentlich? Du wirst Dich jetzt das ganze Leben mit den Streitigkeiten anderer beschäftigen.“ Sein Entschluss stand fest: Zum Entsetzen der Familie begann Melville ein Studium der Alten Geschichte. Doch die Stolperfalle folgte auf dem Fuße. Melville hätte das Graecum nachholen müssen. Das wollte er nicht. Er wechselte lieber zur mittelalterlichen Geschichte, Latein beherrschte er schließlich schon seit der Schulzeit. Vom Altertum ins Mittelalter – das fiel ihm nicht leicht. „Das war ein Kulturverfall“, sagt er heute.

Seitdem ist viel Zeit vergangen, mittlerweile hatte er zwei Professuren inne und arbeitet bereits im dritten Sonderforschungsbereich. 1994 erhielt er den Ruf für Dresden. Die Professur befand sich noch im Aufbau. „Es gab nichts. Ich habe kofferweise die Bücher nach Dresden geschleppt.“ Auch die Studenten tickten etwas anders. Ohne Weiteres konnten sie sein Auto wieder in Schuss bringen. Aber wenn im Seminar die eigene Meinung gefragt war, wurde es schwierig. Lasen sie einen Aufsatz mit unterschiedlichen Meinungen, fragten sie, welche die richtige sei. „So war das eben“, sagt Melville leicht grinsend. „Aber mir ist hier alles gelungen. Für mich ist es ein persönlicher Erfolg, dass ich hergekommen bin.“

Zum Foto: Für ein Feierabendbier im Grünen ist er gern zu haben: Seniorprofessor und Geschichtskoryphäe Gert Melville.

Foto: Amac Garbe

KURZBIO PROF. MELVILLE

  • Gert Melville wurde am 27. November 1944 in Wartenberg geboren. Neben Geschichte studierte er auch Jura, Germanistik und Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Nach seiner Habilitation 1983 lehrte er an der Eberhard Karls Universität Tübingen, der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main sowie der Universität Passau. Außerdem hatte er eine Gastdozentur an der Université de Paris I (Sorbonne) inne. 1991 folgte er dem Ruf an die Westfälische Wilhelms-Universität in Münster. Drei Jahre später wechselte er an die TU Dresden, an der er bis April 2010 den Lehrstuhl für Mittelalterliche Geschichte inne hatte. Seit April dieses Jahres ist er Seniorprofessor. Melville lebt mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen in Coburg.

Ein Hoch auf zwei Prozent

Bundesrat fällt Entscheidung über BAföG-Erhöhung – 13 Euro mehr sind höchstens drin

Wie Dresdner Studenten ihre zusätzlichen 13 Euro ausgeben, erfahrt ihr beim Campusradio…

Von Sabine Schmidt-Peter

Nach langem Hin und Her stimmte der Bundesrat am vergangenen Freitag nun endlich der zweiprozentigen Erhöhung des BAföGs zu.

Das Gute vorweg: Ab sofort können sich die Studierenden über ein paar Euro mehr in ihrem Geldbeutel freuen. So sei davon auszugehen, dass bei gleichen Bedingungen die Sätze des Bundesausbildungsförderungsge-setzes, kurz BAföG, rückwirkend zum 1. Oktober erhöht werden, sagt Armin Grundig. Der Geschäftsführer für Soziales im Studentenrat (StuRa) der TU Dresden erklärt, was es mit den gleichen Bedingungen auf sich hat. „Wenn das anrechenbare eigene Einkommen beziehungsweise Vermögen, das Einkommen der Eltern und die familiäre Situation gleich bleiben, wird das BAföG um 13 Euro steigen“.

Hart umstritten

Über Monate hinweg hatten sich Bund und Länder über die Finanzierung der neuerlichen Erhöhung gestritten. Beinah schien es so, als würde diese an der Forderung der Länder, der Bund solle die komplette Finanzierung tragen, scheitern. Anfang Oktober wurde jedoch im Vermittlungsausschuss der Durchbruch in den Verhandlungen geschafft.

Der Bund präsentierte einen Kompromiss, dem die Länder am Ende zustimmten. Zwar tragen wie gehabt der Bund 65 Prozent und die Länder 35 Prozent der Anhebung, allerdings will sich der Bund nun jährlich mit einem Umfang von 130 Millionen Euro an den allgemeinen Ausgaben für Forschungsprojekte der Hochschulen und Universitäten beteiligen.

Damit reduzieren sich die Mehrkosten, die für die Länder mit der Erhöhung anfallen, von ursprünglich 160 Millionen auf 30 Millionen Euro. Sachsens Wissenschaftsministerin Prof. Sabine von Schorlemer (parteilos) zeigt sich damit zufrieden: „Ich begrüße den erreichten Kompromiss zur BAföG-Anhebung. Die rückwirkende Erhöhung zum 1. Oktober ist ein gutes Signal für die Studierenden zum Semesterstart.“

Neben der Erhöhung enthält die nunmehr 23. Novelle des BAföGs weitere Änderungen. So werden unter anderem auch die Freibeträge auf das Einkommen der Eltern um drei Prozent angehoben. Damit sind künftig rund 60 000 Studenten mehr BAföG-berechtigt. Darüber hinaus wurde die Altersgrenze auf ein Alter von 35 Jahren bei Studienbeginn angehoben. Dies gilt jedoch ausschließlich für Masterstudenten.

Mit der Novellierung fällt allerdings die Möglichkeit auf einen Dahrlehnsteilerlass bei einem schnellen oder guten Studium weg. Auch wenn sich Bund und Länder am Ende für die Erhöhung und damit im Interesse der Studierenden entschieden haben, sind nach diesem Entschluss nicht alle kritischen Stimmen verstummt. „Grundsätzlich handelt es sich bei der zweiprozentigen Anhebung nicht um eine Erhöhung, sondern um einen Inflationsausgleich. Wir lehnen die Einführung einer zweiten Altersgrenze ab und halten den Wegfall der Darlehensteilerlässe für untragbar“, kritisiert Armin Grundig.

Auch Michael Moschke, dem Sprecher der Konferenz der Sächsischen Studierendenschaften geht die Erhöhung nicht weit genug. Unverständnis herrscht bei ihm vor allem über die Entscheidungsfindung. „Es spricht der Nachhaltigkeit der Bundesbildungspolitik Hohn, dass man für eine Erhöhung um läppische 13 Euro ein halbes Jahr Diskussion benötigt, aber ein milliardenschweres Stipendienprogramm schnell durchgewunken hat“, sagt Moschke.

Sachsens Wissenschaftsministerin sieht das anders. Die BAföG-Novelle enthalte weitreichende Neuerungen und sei mehr als nur eine Erhöhung um zwei Prozent. „Sachsen hat im Jahr 2009 zirka 235 Millionen Euro für BAföG ausgegeben. Davon profitierten über 47 000 Studierende“, erklärt Schorlemer.

Zur Kari: Mehr als ein halbes Jahr dauerte der blutige Kampf um 13 Euro mehr.

Kari: Norbert Scholz

Zum Foto: Eine Handvoll Extrageld.

Foto: Amac Garbe

BAföG-NEUERUNGEN.

  • BAföG-Erhöhung: Die Bedarfssätze werden um zwei Prozent angehoben. Damit steigt der Höchstsatz von 648 auf 670 Euro.
  • Freibeträge: Die Freibeträge auf Elterneinkommen steigen um drei Prozent.
  • Mietkosten: Der Mietkostenzuschlag wird komplett pauschalisiert, auch im Falle eines Auslandsaufenthaltes.
  • Einführung einer zweiten Altersgrenze: Die Altergrenze bei Studienbeginn wird auf 35 Jahr angehoben, allerdings nur für Masterstudenten.
  • Leistungsnachweis: Ausreichend ECTS-Punkte genügen künftig als Leistungsnachweis.
  • Fachrichtungswechsel: Bei einem Fachrichtungswechsel (innerhalb der ersten drei Semester) erhalten die Studenten bis zum Ende der Förderungsdauer weiterhin „echtes“ BAföG anstelle eines Bankdarlehns.
  • Stipendien: Leistungsstipendien werden bis 300 Euro pro Monat nicht mehr auf den BAföG-Bedarf angerechnet.
  • Teilerlasse: Teilerlasse des BAföG-Darlehns bei schnellem oder gutem Studium werden abgeschafft.
  • Verlängerung der Rückzahlungsrate: Der Beginn der Rückzahlung erfolgt nun 18 Monate nach Erhalt der letzten Rate.

Rettung auf vier Pfoten und zwei Beinen

Isabell Graichen und ihre Hündin Kira retten und studieren gemeinsam – beim Roten Kreuz und an der TU Dresden

Die Geschichte hinter dem Bild…

Von Anja Zimmermann

Trotz Wärmebildkameras und hochwertiger Ortungstechnik ist eine Hundenase manchmal unersetzlich.

Lassie und Kommissar Rex waren gestern – Isabell Graichen und ihre kaltschnäuzige Weggefährtin Kira sind seit fünf Jahren als eingespieltes Team beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) aktiv an Rettungsaktionen beteiligt.

„Kira ist eine Spätaufsteherin. Wenn es nach ihr ginge, würde der Tag erst gegen 10 Uhr beginnen“, berichtet Isabell Graichen. So verschläft die sechsjährige Irish-Setter-Hündin das Interview und ihr Frauchen erzählt „ad rem“ von ihren gemeinsamen Erlebnissen und davon, wie sie Studium und Hund unter einen Hut bekommt.

Seit dem vergangenen Oktober ist Isabell Graichen Mitglied in der Hundestaffel des DRK-Kreisverbandes in Dresden. Zuvor engagierte sie sich bereits vier Jahre lang in der Hundestaffel des Bayrischen Roten Kreuzes in Neustadt an der Aisch. Isabell Graichen stammt eigentlich aus Aschersleben in Sachsen-Anhalt. Ihr Beruf Physiotherapeutin hatte sie nach Bayern geführt. „Ich habe einmal beobachtet, wie jemand aus der Staffel seinen Hund vor dem Bäcker lassen konnte, ohne ihn anzuleinen. Das wollte ich auch und deshalb hatte der Verein meinen Hund und mich ganz schnell an der Backe“, erzählt die 31-Jährige schmunzelnd. 2005 begann sie dann ihr Studium in Dresden. Aufbauend auf ihre vorherige Tätigkeit wählte sie das Fach Berufsschullehramt für Gesundheit und Pflege.

Das Engagement bei der Hundestaffel nimmt sie sehr in Anspruch. Da bleibt keine Zeit für andere Hobbys und die Freistunden werden häufig zum Gassigehen genutzt. „Kira gibt mir aber viel zurück, ich kann bei ihr Kraft schöpfen für das Studium“, sagt die Studentin. Einmal musste die angehende Berufsschullehrerin ihre Vierbeinerin mit in die Uni nehmen, weil sie sie nicht anders unterbringen konnte. „Wie ein Raucher auf Rauchverbotsschilder achtet, suche ich nach Hundeverbotsschildern“, erklärt sie. Es war kein Hundeverbotsschild an diesem Unigebäude angebracht, also konnte sie mit in die Lehrveranstaltung.

Ein angehender Rettungshund und der Hundeführer müssen sich, bevor es zum richtigen Einsatz gehen kann, einer Prüfung unterziehen. Die Ausbildung ist aufwändig und anspruchsvoll für Hund und Hundeführer, zweimal in der Woche Training ist für Kira und ihr Frauchen Pflicht. Aber es lohnt sich, denn Isabell kann stolz von einem großen Erfolg für das 15-köpfige Hundestaffel-Team berichten. Bei einem Einsatz in Königsbrück im Frühling spürte einer der Hunde aus der Gruppe die vermisste Person auf. „Es gibt so viele moderne Ortungsmöglichkeiten, aber manchmal ist eine Hundenase eben unersetzlich. Man kann sich gar nicht vorstellen, was ein Hund für ein Geruchskino haben muss“, sagt die Studentin.

Zum Foto: Seit fünf Jahren sind Kira und Isabell Graichen ein eingespieltes Rettungsteam.

Foto: Amac Garbe

Total vernetzt per Messefreude

IT-Firmenkontaktmesse bringt Studenten, Firmen und Jobs zusammen – und an die HTW

Von Christina Dietze

„Eine zweite Hilfskraft in der Vorbereitungsphase wäre wahrscheinlich nicht schlecht“, sagt Medieninformatikstudent Erik Zimmermann. Er organisiert die zweite IT-Firmenkontaktmesse an der HTW.

Am Freitag (15.10.) lockt die zweite MIT.COM IT-Firmenkontaktmesse an die Dresdner Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW). Nach dem MITsommernachts-Ball und dem Mitschnitt-Festival im Juli („ad rem“ berichtete), naht nun die dritte der MIT-Veranstaltungsreihen der Fakultät Informatik/Mathematik der HTW.

Alles aus einer Hand

Die MIT.COM, die sich ausschließlich an die Studenten der Medieninformatik richtet, ist im Vergleich zur Firmenkontaktmesse der „bonding“-Initiative Dresden eine eher kleine Messe. Erik Zimmermann studiert Medieninformatik an der HTW und organisierte schon die erste Auflage im Vorjahr. Auch in diesem Jahr hält er die Fäden wieder zusammen. Sein Aufgabenbereich umfasst ein weites Feld – um nicht zu sagen alles. Zwar werden im Vorfeld die Ideen für die Messe gemeinsam mit Prof. Dr. Markus Wacker, Professor für Computergrafik an der HTW, zusammengetragen, doch die Umsetzung liegt allein bei Zimmermann. Seit zwei Jahren arbeitet Zimmermann als studentische Hilfskraft an der HTW und ist für die kleine Messe so etwas wie das Mädchen für alles. Er schrieb die Einladungen und stellte die Broschüren mit Firmeninformationen zusammen. Er plante, organisierte und improvisierte so lange, bis der Messeplan stand, die Webseite funktionierte und auch der letzte Messestand mit technischem Equipment versorgt wurde.

Stress bis zuletzt

Nervenaufreibend ist es auf alle Fälle und das bis kurz vor Schluss. „Montag noch musste ich mich plötzlich um fehlgelieferte Stühle kümmern“, berichtet Zimmermann. „Aber mit einer riesengroßen Verwaltung im Hintergrund läuft es nie ganz glatt.“ Das Besondere an der Messe sei, sagt Zimmermann, dass sowohl die IT-Firmen sich und ihre Projekte mit einem zehnminütigen Vortrag vorstellen als auch die Studenten ihre momentanen Projekte und Abschlussarbeiten den Unternehmen präsentieren.

Für den studentischen Organisator ist es außerdem wichtig, dass sich „neben den großen Zugpferden vor allem mittelständige Unternehmen aus der Region vorstellen.“ So werden sich am Freitag eine hessische und zehn IT-Firmen mit Niederlassung in Dresden im Foyer der Hochschule präsentieren. „Wir wollen gerade die kleinen IT-Firmen, die fast im Verborgenen arbeiten, entdecken und einen persönlichen Kontakt herstellen.“ Unter der Schirmherrschaft von Prof. Dr. Markus Wacker fördert die MIT.COM den Ausbau der Kontakte zu zahlreichen IT-Firmen und zeigt damit den Studenten verschiedene Möglichkeiten für Praktikumsstellen, Abschlussarbeiten und zukünftige Jobperspektiven. Nach dem Erfolg im vergangenen Jahr – fünf Stellen wurden vermittelt – sollten Messebesucher auf alle Fälle ihre Bewerbungsmappen bereithalten. Ein Blick auf die Internetseite verrät im Vorfeld schon die aktuellen Angebote zu Job und Praktikumsstellen der teilnehmenden Unternehmen.

MIT.COM IT-Firmenkontaktmesse am Freitag (15.10., 9.30 Uhr bis 15 Uhr) im Foyer der HTW Dresden (Friedrich-List-Platz 1)

Netzinfos: http://www.htw-dresden.de/mitcom

Zum Foto: Erik Zimmermann organisiert die IT-Firmenkontaktmesse quasi im Alleingang und hofft auf eine erfolgreiche Vernetzung.

Foto: Amac Garbe

Erzwungener Umtausch

Bis 2013 kann der Emeal noch abgegeben oder getauscht werden

Von Antje Meier

Seit sechs Monaten gehört die MensaCard zur Mensalandschaft. Aber noch sind viele der alten Schlüsselanhänger in Dresden, Görlitz und Zittau im Umlauf.

Anscheinend können sich die Studenten nur schwer von ihrem alten Emeal trennen. Denn Ende Oktober sollte der Wechsel vom Schlüsselanhänger Emeal zur neuen MensaCard („ad rem“ berichtete) abgeschlossen sein. Steffen Klöß, stellvertretender Hauptabteilungsleiter für Hochschulgastronomie, hatte jedoch schon im April die richtige Vorahnung. „Ich sehe die Ausnahmen schon vor mir“, prophezeite er. Derzeit sind es noch etwa 45 000 dieser Ausnahmen. Auch wenn ein Teil davon verschüttgegangen oder wohl auch als Souvenir bei ehemaligen Studenten verblieben sei, halte es Udo Lehmann, Hauptabteilungsleiter für Hochschulgastronomie, für unwahrscheinlich, dass bis Ende Oktober alle Emeals ausgetauscht sein werden. Für die säumigen Studenten habe das jedoch erstmal noch keine Konsequenzen. Er erklärt: „Das Studentenwerk ist gesetzlich dazu verpflichtet, den Umtausch drei Jahre lang aufrecht zu erhalten.“ Letzte Frist ist damit der 31. März 2013. Also kein Grund zur Panik, zumal auch weiterhin mit dem alten Emeal bezahlt werden könne.

Dennoch sei auch positives Fazit zu ziehen: „Es sind schon 23 000 Stück der neuen MensaCard ausgegeben worden“, sagt Udo Lehmann. Außerdem hätten die Studenten über kurz oder lang keine Wahl. Denn der alte Emeal werde definitiv abgeschafft. Sein trauriges Schicksal: „Er wird deaktiviert und verschrottet.“

Zur Kari: Aus Alt mach Neu: In der Mensa verkommt nichts.

Kari: Norbert Scholz

Vier Siebentel durften hierbleiben

Erste sächsische Absolventenstudie zeigt Qualitäten und Mängel im Hochschulsystem

Von Matthias Meyer

Genau 57 Prozent aller sächsischen Absolventen der Abschlussjahrgänge 2006 und 2007 bekamen in Sachsen ihren ersten Job nach dem Studium. Das heißt auch: rund drei von sieben anderswo.

Dies ist ein Ergebnis der ersten sächsischen Absolventenstudie. Diese stellte Sachsens Wissenschaftsministerin Sabine von Schorlemer (parteilos) mitten in den Sommerferien gemeinsam mit den beiden wissenschaftlichen Leitern der Studie vor – dem Erziehungswissenschaftler Andrä Wolter und dem Soziologen Karl Lenz, beide Professoren an der TU Dresden.

Sachsen als Exportland

Schorlemer zeigte sich erfreutüber die Zufriedenheit, denn immerhin bewerteten mehr als die Hälfte aller Befragten die Studienbedingungen an Sachsens Hochschulen als gut bis sehr gut, rund drei Viertel würden gar wieder denselben Studiengang an der gleichen Hochschule wählen.

Zugleich verwies sie auf die Problemfelder, die die Studie offenlegte – wie beispielsweise die oben genannte jobbedingte Abwanderung von ausgebildeten Fachkräften in andere Bundesländer oder ins Ausland.

Denn die jüngste Erstsemesterstudie zeigt, dass fast zwei Drittel der hier beginnenden Studienanfänger auch aus Sachsen stammen – also per saldo ein Verlust an so genannten „Landeskindern“ nach dem Studium festzustellen ist.

Dana Frohwieser hat die Studie am Sächsischen Kompetenzzentrum für Bildungs- und Hochschulplanung (KfBH) betreut und weiß, dass es derzeit wissenschaftlich nicht belegt ist, wie viele Absolventen aus anderen Ländern gen Sachsen diffundieren. Näheres weiß sie aber zum wohl heikelsten Befund der Studie, zu der genau die Hälfte, also 12 300 Absolventen beider Jahrgänge, eingeladen wurden und 46 Prozent zwischen Oktober 2008 und Mai 2009 schriftlich oder online antworteten.

Denn nur ein Viertel absolviert sein Studium in der Regelstudienzeit, der Rest braucht länger. Das kommt für Frohwieser keineswegs überraschend, deren Zentrum gern eine Vollerhebung durchgeführt hätte. Die lasse aber der strenge sächsische Datenschutz nicht zu. Denn schon die Zahlen des Statistischen Landesamtes verraten für 2007 nur 29,4 Prozent Absolventen mit Einhaltung der Regelstudienzeit, die zwischen Mittweida (43,4 Prozent) und Freiberg (9,1 Prozent) variiert. Die TU Dresden lag da bei 28,5 Prozent fast im Schnitt. Die neue Absolventenstudie zeige nun aber große Unterschiede zwischen den Fächergruppen (Medizin 48 Prozent, Sprach- und Kulturwissenschaften, Sport, Kunst je 18 Prozent) und auch zwischen Abschlussarten.

Als Gründe dafür wurden ganz normale – wie Erwerbstätigkeit oder bewusste eigene Planung eines verlängerten Studiums –, aber auch „unzureichende Koordination der Studienangebote“ angegeben. Hier unterschieden sich Universitäten (30 Prozent) und Fachhochschulen (7 Prozent) enorm, konstatiert Frohwieser Handlungsbedarf bei den Unis. Sie hält auch eine ausführliche landesweite Untersuchung aller drei bis fünf Jahre für sinnvoll. Kleinere Befragungen von Absolventen in einzelnen Bereichen zu Studienqualität und Berufseinmündung sollten jedoch zum Alltag an sächsischen Hochschulen werden.

Ironie der Studie und ein Vorbild in Sachen „Braintrain für Erwachsene“ erlebt die TU Dresden derzeit hautnah: Andrä Wolter, bislang als TU-Prof für Organisation und Verwaltung im Bildungswesen eine Koryphäe in Sachen Lehrevaluation und als Leiter des Kompetenzzentrums für diese Studie mitverantwortlich, folgt nun einem Ruf an die Humboldt-Uni in Berlin.

Studie im Netz: http://www.studieren.sachsen.de

Zur Kari: Jubelstimmung in Sachsen nach erster Absolventenbefragung: Immerhin jeder Vierte schaffte 2006/2007 in der Regelstudienzeit …

Kari: Norbert Scholz

Wickeltisch und Hörsaal

Freibergs Studentenknirpse bekommen 120 neue Kitaplätze

Von Sarah Richter

Auf den ersten Blick sind es nur kleine Zeichen, die an der TU Bergakademie darauf deuten, dass das Thema studentische Eltern immer mehr ins Blickfeld rückt.

Eine Eltern-Kind-Ecke in der Mensa, ein Kinderspielplatz vor der Cafeteria und der eine oder andere Kinderwagen auf dem Campus.

Und doch, so sagt Sabine Kaiser, habe sich das Bewusstsein für studentische Eltern gewandelt. „Wir werden wahrgenommen, ein Kind auf dem Campus ist kein Exot mehr.“ Mittlerweile gehöre es dazu, dass die Leute in diesem Alter Kinder bekommen, eine Familie gründen wollen. Sie selbst ist bald mit ihrem Studium der Angewandten Naturwissenschaften fertig und hat einen fünfjährigen Sohn. Clemens geht in den Kindergarten, den das Studentenwerk Freiberg am Hornmühlenweg betreibt. Der schließt um halb sechs. Wenn Sabine Kaiser dann noch Vorlesung hat, holt ein Babysitter den Kleinen ab.

Freibergs Kitaplätze sind ausgebucht, selbst der neue Uni-Kindergarten, für den vor kurzem der Grundstein gelegt wurde, wäre sofort zu hundert Prozent ausgelastet, sagt Thomas Schmalz vom Studentenwerk Freiberg. Möglich wurde der Neubau durch eine gute Zusammenarbeit von Landkreis, Stadt, Universität und Studentenwerk: „Wenn alle wollen, dann geht es auch.“ Damit bietet das Studentenwerk ab Sommer 2012 insgesamt 120 Kita-Plätze an. Wie viele Studenten es mit Kindern genau in Freiberg gibt, weiß man nicht. Eine zentrale Stelle, die diese Daten erfasst, gibt es nicht. Sabine schätzt, dass es um die 500 Studenten sein müssten. Darunter auch promovierende Eltern, die etwa 20 Prozent der Doktoranden ausmachen.

Wer keinen Kita-Platz bekommt, kann sich an die Stadt selbst wenden und bekommt Zuschüsse für eine Tagesmutter, erzählt Sabine Kaiser. Um den Eltern unter die Arme zu greifen, hat sie gemeinsam mit anderen Müttern die „AG Kind“ ins Leben gerufen, eine Website gestaltet und versucht, das Thema bei der Uni ins Bewusstsein zu rücken. Nach wie vor müssen sich Studenten mit Kindern oft für ihre Entscheidung rechtfertigen. Kinder im Studium werden von manchen als Privatvergnügen angesehen, obwohl das Hochschulrahmengesetz des Bundes von den Universitäten fordert, „die besonderen Bedürfnisse von Studierenden mit Kindern zu berücksichtigen“.

Freiberg ist auf einem guten Weg. Das Studentenwerk bietet, gemessen an der Zahl der Studenten, die meisten Betreuungsangebote und die höchste Versorgungsquote in ganz Deutschland.

Netzinfos: http://tu-freiberg.de/vereine/kind-ag

Zum Foto: Auch dank ihrer Unterstützung für Studenteneltern sind die Knirpse keine Exoten mehr auf dem Campus der Freiberger TU-Bergakademie: Sabine Kaiser (vorne rechts) mit ihrem Sohn Clemens und weiteren Studentenmuttis.

Foto: Amac Garbe

Er löst Probleme mit Recht

Geraten Studenten in Gesetzeskonflikte, weiß Gerd Sureck Hilfe

Von Jana Schäfer

Gerd Sureck weiß, was zu tun ist, wenn es Ärger gibt. Als Justiziar des Dresdner Studentenwerks berät er Ratsuchende immer am letzten Mittwoch des Monats in Zittau.

Sein Aufruf klingt weise, ein bisschen sportlich und ganz und gar nicht justiziarisch. „Teilt Eure Kräfte ein!“ fordert er und will nichts anderes als einen intelligenten Umgang mit Rechtsstreitigkeiten. Er muss es wissen, schließlich steht Gerd Sureck seit 19 Jahren Studenten als Rechtsbeistand in so mancher verzwickten Situation bei. Das Studentenwerk Dresden, das für alle Studenten, auch für die in Zittau und Görlitz zuständig ist, hat ihn extra dafür angestellt. Vor Gericht vertritt er das Studentenwerk unter anderem bei Schadensfällen. Zum Beispiel, wenn jemand in der Mensa stürzt. Meistens aber ist er in seinem Büro. Dort flattern Rechtsstreite am laufenden Band ein.

Oberstes Streitproblem auf Surecks Schreibtisch ist das Bundesausbildungsförderungsgesetz, kurz BAföG genannt. Mit gut 60 BAföG-Klagen muss sich Sureck ständig auseinandersetzen. Dabei untersteht das Studentenwerk dem Bundesgesetz, das die Vorschriften und Regelungen vorgibt. So kann es aufgrund des Gesetzes bei einer Ablehnung des BAföG-Antrags zur Klage gegen das Studentenwerk kommen. Auch Mietrechtsstreite der Wohnheime des Studentenwerkes stehen auf dem Programm, vor allem Räumungsklagen aufgrund von Mietschulden oder Vandalismus. Einen großen Teil nehmen außergerichtliche Klärungen ein, wie die Prüfung von Vertragsentwürfen.

Verzwickte Situationen

Einmal im Monat – immer am letzten Mittwoch – empfängt Gerd Sureck hilfesuchende Zittauer und Görlitzer Studenten in der Außenstellenverwaltung der Mensa Zittau. Zweimal pro Woche berät er auch im Dresdner Studentenwerk. Meist geht es dabei zunächst um Grundsätzliches im BAföG sowie im Familien-, Miet-, Hochschul-, Vertrags- und Arbeitsrecht. Sureck hilft erst einmal aufklärend aus der Patsche.

Soll ein Student seine Eltern verklagen, wenn Sie ihm Unterhaltsrecht verweigern? Was tun, wenn der Job nicht bezahlt wird? Wie oft darf die Liebesaffäre zu Besuch kommen? Einen kompletten Rechtsbeistand kann Gerd Sureck allerdings nicht leisten. Er hilft bei der ersten Orientierung, gibt zum Beispiel Hinweise, wie ein Student sich ohne anwaltliche Hilfe durchsetzen kann. So kann er als Schuldner mit seinen Gläubigern verhandeln, wie die Geldforderungen abbezahlt werden können.

In vielen Fällen müssen sich die Ratsuchenden einen frei niedergelassenen Anwalt nehmen. Denn eine vom Studentenwerk unabhängige Beratung ist Sureck nicht möglich. Bei Problemen sollen sich Studenten immer erst an die Hauptabteilungen wenden.

Maßvolle Regelwut

Der Justiziar warnt vor überzogenen Erwartungen. Mit dem Recht alle Probleme lösen? „Das geht nicht!“ Manchmal lohnt es sich nachzugeben. Die 50 Euro vom Freund zurückklagen, wenn die Prozesskosten 200 Euro betragen und die Forderung nicht beweisbar ist? Über Prozess-Ökonomie klärt Sureck also auch auf – und darüber, sich durch unnötige Klagen das Studium nicht zu erschweren.

Netzinfos: http://www.studentenwerkdresden.de/soziales

Zum Foto: Das Gesetz hat für Studenten einen beratenden Namen: Gerd Sureck.

Foto: Amac Garbe

Student Initiativ: Erasmusverein Faranto

Studenteninitiave gewinnt DAAD-Preis

Von Matthias Schöne

In der Weltkunstsprache Esperanto bezeichnet faranto den Machenden. Der gleichnamige Dresdner Studentenverein nahm sich diese Wortwurzeln zu Herzen und macht Ausgezeichnetes. Er sorgt sich nämlich so gut um die Integration von Austauschstudenten, organisiert Treffen und internationale Partys, dass der Deutsche Akademische Auslandsdienst (DAAD) ihn kürzlich als besten Erasmusverein in Deutschland auszeichnete.

Der Vorstand Dirk Hladik, Anja Krause, Pascal Stusche und seine über 30 Helfer unterstützen die 40 bis 50 Austauschstudenten, die Jahr für Jahr die Dresdner Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) besuchen. Das fängt bei alltäglichen Dingen wie der Wohnheimsuche oder der Kontoeröffnung bei einer Bank an. „Wir organisieren auch viele Events wie Schlauchboottouren oder Ausflüge in den Klettergarten“, erzählt der Vorsitzende Hladik. Und das Feiern kommt nicht zu kurz. „Bei den Länderabenden am ersten Montag im Monat im Club Aquarium stellen sich die einzelnen Länder vor und es gibt landestypisches Essen“, ergänzt Stusche.

Der Verein arbeitet aber auch stark mit der TU Dresden zusammen, so jedes Jahr bei der „Culture Shock Party“, meist mit über 600 Besuchern im Tusculum. „Im nächsten Sommer steht dann das große Treffen aller Vereine des Erasmusnetzwerkes in Dresden an. Dafür wird noch viel zu organisieren sein“, sagt Anja Krause, seit zwei Jahren bei faranto und für die Finanzen zuständig.

Zwar investiert Hladik, der im zweiten Semester Wirtschaftsingenieurwesen studiert, als Vorstand jeden Tag eine Stunde in die Vereinsarbeit, aber es sei „ein schöner Ausgleich“ und er lerne gern neue Leute kennen, sei viel mit Freunden im Ausland unterwegs und wolle auf jeden Fall noch eine Weile im Ausland studieren. Hladik sieht in dem gewonnen DAAD-Preis „eine Bestätigung für die gute Arbeit des Vereins“ und als Hauptgrund für das gute Abschneiden die familiäre und persönliche Betreuung bei faranto. Studenten, die mitarbeiten wollen, sind zur Vereinssitzung dienstags im HTW-Raum S534 eingeladen.

Netzinfos: http://www.faranto.de

Zum Foto: Sind ausgezeichnet: Anja Krause, Pascal Stusche und Dirk Hladik.

Foto: Amac Garbe

Zu dritt im Studentenwohnheim

Glück auf kleinem Raum: Zu Besuch bei einer Studentenfamilie auf Dresdens Borsbergstraße

Von Nicole Laube

Seit zweieinhalb Jahren leben Claudia Fritz und David Stein zusammen mit ihrer Tochter Florentine auf engem Raum auf der „Borsi 34“.

Studentenwohnheim Borsbergstraße 34 in Dresden. Von den Studenten nur Borsi 34 genannt. Ein klappriger Fahrstuhl rattert und ruckelt hinauf in die fünfte Etage. Die Wohnungstür zur Nummer 530 ist schon angelehnt. Im Zimmer dahinter spielt Verkehrswirtschaftsstudentin Claudia Fritz gerade mit ihrer zweieinhalbjährigen Tochter Florentine.

Es ist eng im Flur, auch die kleine Wohnküche nebenan bietet nicht viel Raum für drei Personen. Gerade mal Kochnische, Spüle und der Esstisch finden Platz. Gegenüber befindet sich ein kleines Bad, und dann gibt es da noch das zweite, das Wohnzimmer. Wie der Schlafraum ist auch dieses nur zwölf Quadratmeter groß. „Allmählich wird es hier wirklich zu eng“, sagt Claudia Fritz, die im 5. Semester studiert. Nicht nur ein Kinderzimmer, auch ein zweiter Schreibtisch fehlt. Gerade jetzt, wo Florentines Papa David Stein im zehnten Semester seine Diplomarbeit in BWL schreibt, macht sich das bemerkbar.

Florentine war ein Wunschkind. „Als ich das Vordiplom fertig hatte, war der Zeitpunkt perfekt“, sagt Claudia Fritz. Die 24-Jährige und ihr 27-jähriger Freund wohnten damals schon auf der Borsi 34. „Wir haben uns hier kennengelernt“, die Studentin schmunzelt. „Auch wenn das Wohnheim schon sehr alt ist, ich fand es immer gut, daher haben wir uns entschieden, mit Kind zunächst hierzubleiben.“ Ganz einfach war das aber nicht. „Damals hat ein Student in der Mutter-Kind-Einheit gewohnt. Der ist wegen uns dann mit einem anderen zusammengezogen“, berichtet sie. Mit acht Monaten ging Florentine in die Kinderkrippe am Beutlerpark, das Studium ging für beide Elternteile relativ unkompliziert weiter. „Schön ist, dass im Wohnheim viele Freunde in der Nähe sind, die auch mal auf das Kind aufpassen können. Wir haben ja keine Großeltern in Dresden“, erklärt die angehende Verkehrswirtschaftlerin.

Nach einem Jahr hat es die drei für zwei Auslandssemester nach Stockholm verschlagen. Zurück aus dem hohen Norden, machte sich die Studentenfamilie nun daran, nach einem eigenen Heim in Dresden zu suchen. Mit Erfolg. Im August ziehen die drei nun in eine Dreiraumwohnung in der Stübelallee. „Aus Striesen wollte ich nicht mehr weg, gerade für Kinder ist es hier schön“, meint Claudia Fritz. Künftig zahlt die kleine Familie dort anstatt der rund 340 Euro im Wohnheim 450 Euro Miete. Die ersten Kisten sind schon gepackt.

Zum Foto: David Stein und Claudia Fritz sitzen mit Töchterchen Florentine auf gepackten Kisten und Koffern.

Foto: Amac Garbe

Schwitzen für den Wohlklang

TU-Forscher findet heraus, warum edelste Instrumente allein keinen Wohlklang garantieren

Von Matthias Schöne

Zu gern würde man das anstrengende Üben eines Instrumentes durch den Kauf teuren Materials ersetzen.

Selbst die teuerste Stradivari kann das Üben nicht ersetzen. Exzellente Musiker entlocken selbst einer aus Asien importierten Geige Melodien vom allerfeinsten. Das fand Dr. Gunter Ziegenhals in seiner vor kurzem veröffentlichten Doktorarbeit zur „subjektiven und objektiven Beurteilung von Musikinstrumenten“ heraus.

Ziegenhals ist Leiter des Institutes für Instrumentenbau der Fakultät Elektrotechnik an der Technischen Universität Dresden, das im vogtländischen Zwota steht. In seine Doktorarbeit hat der 55-Jährige Erfahrungen aus über 25 Jahren Instrumentenforschung gepackt. Ein Fundus, der nun in jener neuen Erkenntnis gipfelt. Ziegenhals fand nämlich heraus, dass der Einfluss der Musikinstrumente für den harmonischen Klang erstaunlicherweise sehr gering ist. Viel bedeutender sind der spielende Musiker und der Raum, in dem gespielt wird.

Für die wissenschaftliche Analyse der Instrumente nutzte der Wissenschaftler objektive psychoakustische Größen wie Lautheit, Rauigkeit, Schärfe, Volumen und Offenheit. Diese werden auch für die Beurteilung des Wohlklangs von Geräuschen in der Industrie, wie beim Klacken eines Toasters, verwendet.

So ist beispielsweise die Lautheit, im Vergleich zum gewöhnlichen Schalldruck, dem menschlichen Lautstärkehören besser angepasst, da eine verdoppelte Lautheit vom Menschen auch wirklich so empfunden wird. Statistisch zeigt sich, dass diese psychoakustischen Größen Urteilen von Profimusikern über Musik sehr nahe kommen.

Für Ziegenhals’ Untersuchung spielten fünf studierte Musiker drei gleiche Musikstücke mit mittlerer Lautstärke ohne starke Betonung ein. Anschließend wurde das Schallsignal nach den verschiedenen Größen ausgewertet. Die Spielweise der Profimusiker und der Raumeindruck unterschieden sich dabei deutlich mehr als die unterschiedlichen Instrumente, selbst wenn man eine billige „Taiwan“-Gitarre mit einer Profikonzertgitarre vergleicht.

Mit seiner Analyse kann Ziegenhals nun bestätigen , dass bei Klarinette, Trompete, Gitarre und Geige die Instrumente selbst den geringsten Einfluss auf die Ausprägung der Merkmale haben. „Die konkrete Verteilung des Einflusses schwankt je nach Instrumententyp; interessant ist, dass bei Gitarren und Trompeten die Musiker den größten Einfluss ausüben. In jedem Falle ist jedoch der Musikereinfluss größer als der der Instrumente!“ erklärt Ziegenhals weiter.

Dem Lernenden wird wohl nur das tägliche Üben bleiben. Vom Kauf eines teuren Instruments rät Ziegenhals zumindest ab. „Kaufen Sie sich lieber ein schönes Einfamilienhaus – und eine gute Geige eines lebenden Geigenbaumeisters.“

Wer sich genauer informieren will: Die Dissertation von Dr. Ziegenhals „Subjektive und objektive Beurteilung von Musikinstrumenten“ ist bei TUDpress erschienen und wird bald auch in der Sächsischen Landes-, Staats-, und Universitätsbibliothek in Dresden erhältlich sein.

Zum Foto: Exzellente Musiker entlocken jedem Instrument feinste Klänge: Dr. Gunter Ziegenhals – hier mit seiner zwölfsaitigen Westerngitarre – hat eine alteingesessene These der Klangforschung widerlegt.

Foto: Amac Garbe

Der Dresdner Fenstersturz

Ein Unfall im BZW schlägt hohe Wellen und sorgt für Verwunderung

Von Louisa Pagel

Vor zwei Wochen stürzte während eines Tutoriums im Bürogebäude Zellescher Weg ein Fenster auf zwei Psychologiestudentinnen.

Jetzt darf im Gebäude kein Fenster mehr eigenmächtig geöffnet werden und rund um das Bürogebäude Zellescher Weg (BZW) ranken sich die tollsten Geschichten.

Manch einer erzählt von einer Vermietungsfirma aus dem Westen, ein anderer weiß, dass die TU Dresden nächstes Semester nicht mehr im BZW unterrichten darf. „Diese Informationen sind nicht korrekt“, dementiert Anke Haake vom Personalrat der TU. Es ist jedoch der schlechte Informationsfluss von Seiten der Universität selbst, der solchen Gerüchten Nahrung gibt. „Man hat das Gefühl, nicht genügend über die Situation unterrichtet zu werden. Es gibt keine sichere Informationsquelle“, klagt Robert Geiser, der als Lateinlehrer und Sprachreferent von TUDIAS im BZW unterrichtet.

Auch der Personalrat der TU kritisiert die Undurchsichtigkeit. „Ich sehe vor allem Informationsdefizite bei den nichtadressierten Nutzern, also solche, die kein Büro im BZW haben“, bestätigt Personalratsvorsitzender Dr. Michael Hochmuth, der mit seiner Kollegin Haake und seiner Gesprächsbereitschaft ziemlich allein ist an der breiten Verwaltungsfront der TU.

Das Verbot, die Fenster zu öffnen, stößt daher bei vielen Lehrenden und Studenten auf große Verwunderung und Unverständnis. Wie lange die Situation noch anhalten wird, ist allerdings selbst Haake und Hochmuth nicht bekannt.

Sicher ist sicher

TU-Pressesprecherin Kim-Astrid Magister verweist auf ein noch ausstehendes schriftliches Gutachten, das die genaue Unfallursache und alle weiteren Maßnahmen klären soll. „Mündlich hat der Gutachter aber festgestellt, dass das herabgestürzte Fenster einen Konstruktionsfehler aufwies. Da nun noch geklärt werden muss, inwieweit durch Fenster im BZW Unfallgefahr besteht, hat TU-Kanzler Wolf-Eckhard Wormser zur Sicherheit verfügt, dass bis auf weiteres alle Fenster im BZW geschlossen bleiben“, erklärt Kim-Astrid Magister.

Bis dahin öffnen im A-Flügel des Gebäudes die Hausmeister in regelmäßigen Abständen die Fenster, um für Durchzug zu sorgen. Im B-Flügel wird die Klimaanlage hochgefahren. Für längere Prüfungen dürfen die Prüfer einen Sonderbedarf an Lüftungen anmelden. Ein schwacher Trost für die Studenten in diesen heißen Tagen. Magister weiß: „Das ist kein optimaler Zustand, aber angesichts der Gegebenheit muss der Schutz der Studierenden und Mitarbeiter einfach Vorrang haben.“

Zwar befinden sich die TU und der Vermieter des BZW, laut Magister, tatsächlich in Gesprächen, allerdings haben die Überlegungen der TU, das Gebäude zu übernehmen, nichts mit dem Vorfall zu tun. Alles andere ist wohl reine Spekulation.

Zum Foto: Solange das Verbotsschild hängt, müssen TU-Studenten im BZW im Ungewissen schwitzen.

Foto: Amac Garbe

Dosenravioli für die Italienanbeterin

Mediävistikprofessorin Marina Münkler kickboxte einst, liebt Italien und hasst Referate

Nur hier: Die Geschichte hinter dem Bild …

Von Anja Zimmermann

„Mein Prof kocht auch nur mit Wasser“, ist ein Rat, der das mulmige Gefühl vor der Prüfung nehmen kann. Abgesehen davon ist es die reine Wahrheit.

So besuchen „ad rem“-Redakteure Eure Hochschullehrer in ihrem Leben jenseits des Campus. Heute: Prof. Marina Münkler.

In ihrer großen dunklen Sonnenbrille spiegelt sich der Turm der Frauenkirche, während Prof. Marina Münkler erklärt, warum gerade die Frauenkirche ihr Lieblingsplatz in Dresden ist, obwohl sie, wie sie zugeben muss, für Barockarchitektur sonst nicht sehr viel übrig hat. „Ich finde es ganz faszinierend, dass diese Kirche zwei Mal gebaut wurde, und beide Male durch die Initiative der Dresdner Bürger.“ Überhaupt hat sich die Berlinerin in diesem Januar nach der Berufung leichten Herzens für Dresden als zweite Heimat entschieden. „Dresden ist ungewöhnlich schön, hat irgendwie so etwas Südländisches“, schwärmt sie. Die Mediävistikprofessorin verrät außerdem, dass sie inzwischen sogar schon die Baracken der Fakultät Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaften in ihr Herz geschlossen habe.

Regelmäßig pendelt sie am Wochenende zwischen Dresden und Berlin. Kann sie aber einmal nicht nach Hause, besucht sie ihr Mann in ihrer Zwei-Raumwohnung in der Altstadt. Münkler studierte von 1978 bis 1984 Germanistik, Philosophie und Theaterwissenschaften an der Johann Wolfgang Goethe Universität in Frankfurt am Main. Schon während ihres Studiums hat sie Referate gehasst und hasst sie – mittlerweile selbst Dozentin – noch immer.

Dass auch Hochschullehrer ganz normale Menschen sind, erfuhr sie als Studentin nach einem besonders lustigen Zusammentreffen mit einem ihrer Professoren: „Er hielt viele seiner Seminare zu Hause, eines Tages ging ich früher zu ihm, um eine Arbeit zu besprechen. Er setzte sich vor mich mit einem Geschirrtuch um den Hals gebunden und einer aufgewärmten Dose Ravioli“, erzählt Marina Münkler schmunzelnd an dieses Erlebnis zurückdenkend.

Insgesamt beherrscht sie drei Sprachen. Latein, Italienisch und Französisch. Während ihres Studiums verbrachte sie unvergessliche Wochen in Ancona an der Adria, wo sie ihr Italienisch verbesserte und unglaublich nette Menschen traf. Ganz bodenständig liebt sie es heute, die Oper oder das Theater zu besuchen. In jüngeren Jahren aber war Münkler Feuer und Flamme für Kampfsportarten und trainierte regelmäßig Karate und Kickboxen.

1983, noch während ihrer Magisterarbeit heiratete sie und bekam zwei Kinder: Tochter Laura ist heute 24 Jahre, Sohn Hagen 21 Jahre alt. Das war nicht ganz einfach: „Trotz Magister-Abschluss mit Auszeichnung schien promovieren im Westen in den 80er-Jahren als Mutter unmöglich, bis ich an der HU Berlin angenommen wurde und es doch noch geschafft habe.“

Zum Foto: Liebt das Südländische an Dresden: Prof. Marina Münkler in der Altstadt am Fürstenzug.

Foto: Amac Garbe

KURZBIO MÜNKLER.

  • Marina Münkler wuchs in Friedberg bei Frankfurt/M. auf und studierte ab 1978 Germanistik, Philosophie und Theaterwissenschaften an der J.-W.-Goethe-Universität Frankfurt und arbeitete danach zehn Jahre als freie Übersetzerin und Literaturkritikerin. Nach der Promotion habilitierte sie an der HU Berlin und ging anschließend als Gastprofessorin an die Uni Zürich. Im Januar 2010 wurde sie als Professorin für Ältere und frühneuzeitliche Literatur und Kultur ans Institut für Germanistik der TUD berufen.

Sonnige Lernpausen in der SLUB

Können Studenten ihren Kaffee bald auf einer Terrasse genießen?

Von Louisa Pagel

Das neuste Gericht aus der Campus-Gerüchteküche ist serviert. Anscheinend steht eine Erweiterung der Bib-Lounge in der SLUB zu einem Außenbereich zur Debatte. Doch Martin Richter, Geschäftsführer des Studentenwerks Dresden, dementiert dies: „Eine solche Erweiterung ist nicht geplant, weil sie bautechnisch gar nicht möglich ist.“

Also doch keine Terrasse hinter der SLUB? Immerhin gibt es dennoch einige positive Veränderungen für die Studenten. So sollen zum kommenden Wintersemester die Theken modernisiert und neue Kaffeeautomaten angeschafft werden. Weiterhin wird es in der Mensa Siedepunkt bald auch ein Mittagsangebot an Samstagen und einen Sonntagsbrunch geben. Somit können fleißige SLUB-Besucher am Wochenende noch bequemer Mittagessen. „Baulich wird das Konzept aber nicht verändert“, machte Richter deutlich.

SLUB-Café im Grünen?

„ad rem“ hat gefragt, ob Euch eine Erweiterung der SLUBBib-Lounge durch eine Terrasse gefallen würde?

Pierre Seiffert

(Wirtschaftsingenieurwesen, 8. Sem., TUD)

Ich hätte nichts dagegen, halte sie aber nicht für nötig. Es ist gut, dass man sich mit den Liegestühlen in die Sonne oder den Schatten setzen kann. Bei einer Terrasse müsste man sicher immer in der Sonne sitzen. Lieber sollten noch mal 50 Liegestühle angeschafft werden.

Nicole Hoyer

(Geografie, 10. Sem., TUD)

Ich finde es gut, dass man sitzen kann, wo man will. Eine erweiternde Terrasse könnte abgrenzend wirken. Sicher wären für eine Erweiterung Einsparungen nötig, um die Kosten zu decken. Ich möchte nicht mehr fürs Essen bezahlen.

Michael Erler

(Geografie, 10. Sem., TUD)

Ich denke, im Sommer wäre das vielleicht eine gute Idee, aber ich halte es nicht unbedingt für nötig. Es gibt ja auch so genug Sitzplätze. Außerdem sehe ich keinen Nutzen für eine Terrasse im Winter.

Mareike Sach

(Psychologie, 2. Sem., TUD)

Eine Erweiterung der Cafeteria wäre gut, denn der Platz ist schön zum Sitzen. Der ökonomische Aufwand dürfte nicht zu hoch sein. Aber auch Stühle und Tische würden reichen.

Fotos: Amac Garbe

Knetenot im Jahreslot

Freiberger Studentenrat muss sein Finanzloch nach den Studententagen 2010 erklären

Von Sarah Richter

„I want my money back“ schrie es vor einem knappen Monat den Freiberger Studenten in einer Rundmail der Universität entgegen.

Theresa Nerger wollte das nicht auf sich sitzen lassen und reagierte prompt. Die resolute Studentin rief ihre Kommilitonen auf, vom Studentenrat (StuRa) der Bergakademie eine Erklärung zur finanziellen Schieflage einzufordern. Außerdem, so drängte Nerger, sollten die Studentenvertreter erläutern, was eigentlich mit den Semesterbeiträgen der Studenten passiere.

Der Hintergrund: Die Studententage im Mai („ad rem“ berichtete), insbesondere das großaufgezogene Konzert von JBO hatten den Freiberger StuRa mit einem großen Loch im Portemonnaie zurückgelassen.

Freieinritt + Nichtzuschauer = Knetenmisere

Knackpunkt war die Kalkulation für das Konzert, die sich hinterher als Fehleinschätzung herausstellte. Der StuRa hatte sich an dieser Stelle schlichtweg übernommen. „Wir wollten dieses Jahr gerne noch eins draufsetzen“, war das Credo der Veranstalter. Doch da der Eintritt für Studenten kostenlos war und zu wenig zahlende Zuschauer kamen, prankt nun ein fettes Minus auf dem Konto.

Eigentlich hatte der StuRa mit 20 000 Euro Zuschuss gerechnet, jetzt muss der StuRa eine doppelt so hohe Rechnung begleichen. „Geplant war zudem, Ausgaben über Sponsoring zu finanzieren, doch das Konzept ging nicht auf“, erklärt StuRa-Finanzchef Alexander Richter. Und das bekamen prompt die Arbeitsgemeinschaften und die vom StuRa unterstützten Vereine zu spüren. Deren Mittel wurden im Schnitt um 50 Prozent gekürzt und eine Haushaltssperre wurde verhängt.

Die ist mittlerweile wieder aufgehoben und in Absprache mit den meisten Gruppen ein Nachtragshaushalt beschlossen – die prekäre Finanzsituation aber bleibt. Davon betroffen war auch die Absenderin des Rundschreibens, Theresa Nerger, Vorsitzende des Vereins „Alte Mensa“, der die Studentenkneipe „Zum Teufel“ betreibt.

Der Verein war früher eine Arbeitsgemeinschaft des StuRas und erhält auch heute noch noch Zuschüsse für kulturelle Veranstaltungen. Theresa Nergers E-Mail blieb nicht ohne Folgen, 80 Gäste erschienen zum nächsten Sitzungstermin. Eigentlich ein Traum für ein studentisches Gremium, doch die StuRa-Mitglieder, insbesondere Organisator Sanny Reich und Alexander Richter, mussten sich einer Reihe unangenehmer Fragen aus dem Publikum stellen. „Trotzdem fanden wir die Sitzung konstruktiv und es lief ruhiger ab, als wir erwartet haben“, bilanzierte StuRa-Sprecher Noah Knittel.

Aufklärung ja, Verfolgung nein

Obgleich einige ihren Ärger nicht verbergen konnten („Warum sollen wir für Eure Fehler bezahlen?“), reagierten die meisten doch eher verständnisvoll. Erklärungen bitteschön ja, Steinigung nein. Eines wurde auch deutlich: gute Gremienarbeit braucht genug Zeit und genug Leute. Wenn die Kapazitäten knapp werden, unterlaufen Fehler, und in diesem Fall ein besonders schwerwiegender. Helfen soll nun eine Spendenaktion, bereits geplante Veranstaltungen sollen mit Hilfe von Sponsoren gestemmt werden. Eine Erhöhung des Semesterbeitrages wurde ausgeschlossen.

Für das kommende Jahr gilt: „Es wird auf alle Fälle nicht wieder solche Studententage wie dieses Jahr geben“, erklärt Noah Knittel. Kleiner, sparsamer soll es 2011 werden. Gerne mit Unterstützung aller Studenten.

Zur Kari: Wenn’s wenigstens einem gefallen hat, haben sich die Freiberger Studententage doch gelohnt!

Kari: Norbert Scholz

FREIBERGER KNETEFAKTEN.

  • Jeder Student muss zweimal im Jahr den Semesterbeitrag entrichten, für Studenten der TU Bergakademie Freiberg sind dies aktuell 75 Euro pro Semester. Davon geht der Großteil an das Studentenwerk, der Studentenrat (StuRa) bekommt davon 7 Euro. Im Jahr sind dies also zwei mal 7 Euro, bei etwa 5 000 Studenten stehen dem StuRa gut 70 000 Euro zur Verfügung. Diese fließen zum Beispiel in die Unterstützung von Kultur, Sport und andere studentische Veranstaltungen. Die Verwendung des Geldes ist im Finanzplan des StuRas und im Sächsischen Hochschulgesetz geregelt. Beides ist auf der Website des Freiberger StuRas einsehbar: http://www.stura.tu-freiberg.de

Geprüfte Maskenbildkunst

Vom Karikaturisten zur bösen Seehexe

Von und mit Norbert Scholz

Diplomarbeiten anzufertigen ist ja im allgemeinen schon kein großer Spaß, aber wenn man Maskenbildner werden will, bzw. als Modell dafür zur Verfügung steht, noch viel weniger – bei 30 Grad unter einer Gummiglatze.

Hanna Hackbeil ist 24 Jahre alt und nach acht Semestern im Fach Maskenbild der Studienrichtung Theaterausstattung auf dem Weg zum Ziel. Am kommenden Montag (5.7., 10 Uhr) wird sie vier ganz normale Menschen in fantastische Unterwassergestalten verwandeln. Ihr Thema zur Abschlussarbeit ist die Geschichte der kleinen Meerjungfrau. Ich werde darin die böse Seehexe darstellen, mit Schaumstoffgesichtsmaske und falschen Brüsten. Die geschminkten und verzierten Modelle präsentieren sich am Prüfungstag in einem kleinen Bühnenstück und werden anschließend einzeln begutachtet.

Darauf freue ich mich schon und werde natürlich ordentlich Charme spielen lassen – unter zehn Lagen Schminke. Weniger freudig ist es, dafür dann um 6 Uhr früh aufstehen zu müssen. Aber was tut man nicht alles für die Kunst.

Zum Verständnis: So sieht unser Karikaturist Norbert Scholz eigentlich aus (links, Foto: Amac Garbe).

Die öffentlichen Diplome in der Fachrichtung Maskenbild finden am 5. und 6. Juli, jeweils ab 10 Uhr, in der Güntzstraße 34, Labor-theater, statt.

Netzinfos: www.hfbk-dresden.de

Zu den Fotos: Norbert Scholz wird von der Maskenbildnerstudentin Hanna Hackbeil in die böse Seehexe verwandelt.

Fotos: Norbert Scholz

Die Kamera als Waffe

Das Studentenprojekt NPT-TV rüstet gegen Atomwaffen auf

Von Alexandra Niedermeier

Im Mai 2010 war eine Gruppe Dresdner Studenten in New York und setzte sich durch Öffentlichkeitsarbeit für die nukleare Abrüstung ein.

Es ist vielleicht eine Vision, die das Studentenprojekt NPT-TV aus Dresden antreibt. Das Ideal einer atomwaffenfreien Welt, in der es keine nuklearen Waffen, höchstens noch nukleare Energie gibt.

Seit 2007 existiert der Verein in Dresden, in dem sich sowohl Studenten als auch Schüler engagieren. Seinen Ursprung hat er in Heidelberg, von wo aus die Idee durch einen Studenten hierher getragen wurde. Das zentrale Element des Vereins ist die alle fünf Jahre stattfindende Überprüfungskonferenz des NPT, also des Atomwaffensperrvertrags, in New York, an der sie als Nicht-Regierungs-Organisation (NGO) teilnehmen.

Den gesamten Mai waren sie in Übersee und sammelten Material für ihre Homepage. Auf der Konferenz vernetzten sie sich auch mit anderen NGOs, tauschten Erfahrungen und Meinungen aus. Dort wurden Filme gedreht und Interviews mit anderen NGOMitgliedern und Delegierten geführt, die dann auf ihre Homepage gestellt wurden und für jedermann zugänglich sind. „Wir wollen ein Bewusstsein in der Öffentlichkeit für dieses Thema schaffen und den Menschen helfen, sich eine Meinung dazu zu bilden“, erzählt Nina Salzer, die im zweiten Semester Internationale Beziehungen an der TUD studiert und zum ersten Mal an der Konferenz teilgenommen hat.

Nina Salzer und ihre Kommilitonen hoffen, mit ihrer Vereinsarbeit eine Nachfrage für das Thema zu schaffen und im Idealfall Druck auf Regierungen ausüben zu können. Zum Beispiel auf Staaten wie Israel, Nordkorea, Indien und Pakistan, die den Vertrag noch immer nicht unterzeichnet haben.

Netzinfos: http://www.npt-tv.net

Zum Foto: Lukas Bretzinger, Nina Salzer und Niels Böhm (v. l.) flogen nach New York, um für eine atomwaffenfreie Welt Druck zu machen.

Foto: Amac Garbe

Ausflugstipp

Studentische Liegewiese

Von Alexandra Niedermeier

Der Sommer ist da. Auch morgen (29.06.) sollen wieder Temperaturen bis 30 Grad erreicht werden.

Also auf zum fröhlichen Sommeranbeten auf der Sächsischen Landes-, Staats- und Universitätsbibliothek (SLUB). Denn ein Spender, der anonym bleiben möchte, verhalf ihr zu 50 Deck chairs. Damit können die Lernpausen und Freistunden nun sommerlich sinnvoll genutzt werden – völlig kostenlos und unkompliziert.

Die Stühle stehen zum Abholen vor der Bib Lounge bereit, und jeder, der noch einen ergattert, kann sich auf dem Außengelände der SLUB breitmachen. Christian Gottschild, der im vierten Semester Wirtschaftswissenschaften an der TU Dresden studiert, hat den neuen Service bereits mehrere Tage hintereinander genutzt und wird dies „auf jeden Fall noch öfter tun“.

Die Bedingungen für die Nutzung sind einfach: Es soll bei den 50 Stühlen bleiben und sich nicht der eine oder andere in eine WG verirren, und die Stühle sollten bei Regen wieder ins Gebäude gebracht werden. Ein faires Angebot für ein paar Sonnenstunden mehr.

Zum Foto: Christian Gottschild entspannt in einem der neuen Deckchairs der Landesbibliothek.

Foto: Amac Garbe

Das Campusradio hat sich umgehört, wie es sich auf der SLUB-Wiese liegt.

Plötzlich auf der Bühne

Angehende Studentin sang auf Dresdens Campusparty

Nur hier: Alle Bilder der Campusparty …

Nur drei Hände blieben am vergangenen Mittwoch in der Luft, als Fräulein Jennifer Weist, Frontfrau der Berliner Band JENNIFER ROSTOCK, fragend in die Massen schrie, wer ihren Hit „Kopf oder Zahl“ auswendig trällern könne.

Eine Hand gehörte Abiturientin Linda Kunze, die nicht schlecht staunte, als Miss Rostock sie auf die Hauptbühne der Campusparty an der TU Dresden zum Mitsingen zitierte.

„Ich war total geschockt und überglücklich zugleich“, sagt Linda Kunze, die im Oktober ein Studium beginnen möchte, „bei jeder anderen Band wäre es ja schon toll gewesen, aber das ist meine absolute Lieblingsband. Total verrückt!“ (fl)

Zum Foto: Linda Kunze (Mitte) sang mit JENNIFER-ROSTOCK-Frontfrau Jennifer Weist auf der Campusparty.

Foto: Amac Garbe

Das Haus auf der Couch

Architekturpsychologe Prof. Peter G. Richter weiß, wie Gebäude wirken

Von Jana Schäfer

„Wo ein Mensch ist, ist Psychologie. Alle Menschen handeln psychologisch, auch im Bezug auf Bauten.“

Die Tür zum Büroraum liegt schon einige Schritte hinter Prof. Peter G. Richter. Wieder ist der Arbeits- und Organisationspsychologe der TU Dresden daran vorbeigeeilt, auch wenn er Tisch und Stühle extra neben seine Bürotür platziert hat. Doch unterliegen alle Gegenstände im BZW-Gebäude am Zelleschen Weg 17 dem gleichen Schicksal: Sie drohen in der Monotonie des Flures zu versumpfen.

Gleichförmigkeit ist nur eines von vielen Problemen moderner Architektur. „Ich untersuche das Erleben und Verhalten von Menschen in Bezug auf die gebaute Umwelt“, erklärt Richter seinen weiteren Forschungsschwerpunkt – die Architekturpsychologie. Entstanden ist diese Architekturwissenschaft als eine Subdisziplin aus der „Environmental Psychology“ in England, wo sie eine lange Tradition hegt. In Deutschland kam sie erst Mitte der 90er-Jahre richtig auf, seitdem forscht auch Richter. Doch sein Interesse daran, wie sich Gestaltung auf die menschliche Psyche auswirkt, entwickelte sich bereits in den 80ern: Richter war Umweltpsychologe, als er erste Erfahrungen durch Designprojekte sammelte.

Aus dem Hobby wurde Wissenschaft. Richter arbeitet hauptsächlich mit Architekten und Designern. Er greift in Bauprozesse von Gebäuden ein: „Architekturpsychologen geben Empfehlungen für menschengerechte Gebäude, die positiv erlebt werden und Orientierung bieten.“ Nur so können Fehler von vornherein vermieden oder bereits begangene korrigiert werden. „Architekten wissen nicht viel darüber, wie

Menschen funktionieren“, ist Richters Erfahrung, „sie gestalten häufig, was für sie selbst steht.“ Erst kommt die Selbstverwirklichung des Architekten, dann die Bedürfnisse des Menschen. Außergewöhnliche Formen anstatt praktischer Nutzen. Oder zu triste Pragmatik, die jede Lebendigkeit erstickt. „Es wird einfach zu viel falsch gebaut, zu wenig orientiert am Menschen“, beobachtet Richter. Der Bedarf an Architekturpsychologen ist daher groß, und darum fordert Richter eigenständige Professuren an den Architektur-Fakultäten.

So sehr sich Richter für Architekturpsychologie einsetzt und diese sein Bewusstsein für Gebäude schärft: „Im Alltag bin ich ein normaler Mensch, dann analysiere ich nicht permanent andere Gebäude.“

In den kommenden „ad rem“-Ausgaben wird Prof. Peter G. Richter in der kleinen Serie „Durch die Wand geschaut“ vier Gebäude der TU Dresden analysieren: Welchen Einfluss haben sie auf Studenten? Was sagen sie über den Fachbereich aus? Wie sollte ein Gebäude gebaut sein?

Zum Foto: Er durchschaut Wände: Der Dresdner Psychologe Prof. Peter G. Richter möchte Architektur menschlicher gestalten.

Foto: Amac Garbe

Nacht der Forschergeister

Eine Nacht lang helle Wissenschaft in Dresden

Von Jana Schäfer

Die „Lange Nacht der Wissenschaften“ lädt ein zu einem Blick hinter die Kulissen der sonst so unnahbaren Forschungsbereiche.

Was treibt die Wissenschaftler in ihren Laboren und hinter dicken

Hörsaalwänden um? Licht ins Dunkel bringt nun die achte „Lange Nacht der Wissenschaften“ am Freitag (18.6., 18 bis 1 Uhr). Dann präsentieren vier Dresdner Hochschulen zusammen mit 32 Forschungseinrichtungen und Unternehmen in und um Dresden ihre geistigen Errungenschaften. Zu den insgesamt über 450 Führungen, Ausstellungen, Vorträgen und Experimenten reihen sich dieses Jahr auch neue Veranstalter ein, wie das Grüne Forum in Pillnitz. Dort steht die Fledermaus im Mittelpunkt, an die sich unter anderem im Schlosspark mit Detektoren herangepirscht werden kann.

Welt der Gene

Wie international die Wissenschaft in Dresden geworden ist, beweist unter anderem das Max Planck Institut für Molekulare Zellbiologie und Genetik – ein Einblick wird nicht nur in die Welt der Gene gewährt, sondern

auch in die Welt der ausländischen Wissenschaftler bei einer Diskussionsrunde. Sie machen am Institut über die Hälfte der Mitarbeiter aus.

Um Marathonläufe zu vermeiden, steuern kostenfreie Zubringerbusse im 12-Minuten-Takt die Veranstaltungsorte auf der Wissensroute an (Linien A und B). Auch entlegenere Stationen wie der Felsenkeller (Linie C) und Königsbrück (Linie D) werden extra angefahren. Der Eintritt ist frei, und so steht den großen wie kleinen Fragen des Lebens eigentlich nichts mehr im Weg.

Netzinfos: http://www.wissenschaftsnacht-dresden.de

Zum Foto: Forsch, forscher, am Forschen: Zur Wissenschaftsnacht dürfen alle in den Forscherkittel schlüpfen.

Foto: Amac Garbe

WISSENSCHAFTSTIPP.

Wenn man sich im Kurzvortrag literarischer Texte messen kann, warum nicht auch wissenschaftliche Themen prägnant und publikumsfreundlich in einem Wettbewerb vortragen? Das ist zumindest die Idee des ersten Dresdner Science Slam, bei dem am Freitag (18.6., 19 Uhr) fünf Nachwuchswissenschaftler aus fünf Fachgebieten gegeneinander antreten werden.

In jeweils sechs Minuten sollen sie ihre aktuellen Forschungsthemen den bewertenden Zuschauern unterhaltsam darbieten. Austragungsort ist der Platz vor dem Dresdner Hörsaalzentrum, Bergstraße 64. (fp)

Netzinfos: tu-dresden.de/studium/career/scienceslam

Campusparty-Roulette

Die 15. Campusparty präsentiert sich bunter, housiger und filmischer

Von Christiane Nevoigt

Auf einem grell-grünen und violetten Untergrund ist kein Platz mehr für fröhliche Stereo-Sonnenblumen.

Energisch durchbricht ein schwarz-weißes Monster die einstige Blumenwiese, die Lettern der Dresdner Campusparty mit seinen verkrusteten Scheren in neue festivalgleiche Höhen zu hieven. Wenn auch nicht ganz so grell, wandelt auf der Dresdner Campuswiese in diesem Jahr ein frischer Sound. Der Grund: zu suchen in der offenkundigen Zusammenarbeit mit dem elektroversierten Melt!- Festival, das schon mit einem Bein in Sachsen steht. Findet dieses eine gekonnte Grätsche zwischen elektronischer und Indie-Musikszene, treibt es nun auch den elektronischen Siegeszug mit der kleineren Melt!Klub-Bühne in der Campusparty voran.

Kurzfilme für die kulturelle Erholung zwischendurch

Das neue Konzept präsentiert sich dabei nicht nur elektronischer, sondern auch ein bisschen kultureller. Wer etwas Visuelles neben den Konzerten braucht, begibt sich ins Hörsaalzentrum. Eingebettet in die Campusparty finden sich dort erstmals der Campus Poetry Slam und die Shortfilm Stage für das „Filmfest Dresden“. Als unkonventionelle Filmform sieht Gloria Marchesi den Kurzfilm gut in das Konzept der Campusparty eingepasst. „Es ist wie ein Roulettespiel. Der Kurzfilm ermöglicht einen schnellen Ein- und Ausstieg“, sagt die Assistentin der Filmfestivalleitung. Den Sogeffekt nicht eingerechnet.

So flimmern ab 21 Uhr insgesamt 99 Kurzfilm-Minuten in einer Dauerschleife über die Leinwand. Von Einminütern bis zu entspannten vierzehn Minuten Animations- oder Spielfilm ist alles dabei. „Das Programm soll damit einen Querschnitt durch unser Festival geben und skurril-tragische bis verstörend-schöne Bilder zeigen.“ Für die Germanistikstudentin an der TU Dresden unterscheidet sich die Campusparty dabei nicht so sehr von einem Filmfest. Denn wenn die Filmschleife einmal läuft, hat auch sie die Zeit, sich von einer abendlichen Euphorie in die nächste hineinzuhangeln.

CAMPUSPARTYINFOS.

  • Die Campusparty startet am heutigen Mittwoch (16.6., 18 Uhr) auf dem Campusgelände der TU-Dresden.
  • Live-Musik: Centrum Stage: JENNIFER ROSTOCK; NORTHERN LITE; DOLL & THE KICKS; JENIX; THE SONIC BOOM FOUNDATION. Melt!Klub Stage: DOES IT OFFEND YOU; YEAH; SCHLACHTHOFBRONX; EGOTRONIC; TRIP FONTAINE; I SWEAT BLOOD.
  • Ab 24 Uhr sorgen fünf DJ- und Partymeilen in den Innenbereichen für’s Weiterfeiern.
  • Karten: Per Vorverkauf in allen BASE-Läden für Studenten 10 Euro, sonst 13 Euro.
  • Netzinfos: www.campusparty.de
  • Alle Bilder und Emotionen der Campusparty findet Ihr ab Donnerstagmorgen hier auf dem Blog

Zum Foto: Gloria Marchesi sorgte fürs Kurzfilmprogramm bei der Campusparty.

Foto: Amac Garbe

Offen, aber ziemlich leer

Der zweite „open: campus“ an der TU Dresden lud zu Diskussionen und blieb doch unbesucht

Nur hier: Die Geschichte hinter dem Bild …

Von Alexandra Niedermeier

Der „open: campus“ hatte eigentlich viel zu bieten. Vorträge und Workshops zu allerlei Themen, eine Modenschau und ein Konzert. Dennoch zog der alternative Campus nur überschaubar viele Studenten in das Zirkuszelt hinter dem Hörsaalzentrum. Auch außergewöhnliche Veranstaltungen, wie das Hochschulrektoren-Kochduell, das durch die Absage von TU-Prorektor Prof. Karl Lenz zu einem Kochduell zwischen dem Rektor der Evangelischen Hochschule Dresden, Prof. Dr. Ralf Evers, und einem Studenten wurde, schien das Interesse kaum zu wecken.

Im vergangenen Jahr entstand der „open: campus“ im Rahmen des Bildungsstreiks und hatte noch Protestcharakter, der in diesem Jahr nicht mehr vorhanden sein sollte. Gerade dort sieht Janin Volkmann, die Germanistik und Geschichte im vierten Semester studiert und den alternativen Campus mitorganisiert hatte, ein mögliches Problem. „Wir werden oft als geschlossene Gruppe wahrgenommen, der schnell der Stempel ‚Protest‘ aufgedruckt wird, dabei sind wir hier, um Themen, die alle Studenten betreffen, anzusprechen“, sagt Volkmann.

Die Gruppe will weitermachen und plant, den alternativen Campus jedes Jahr zu veranstalten und ihn als feste Größe in Dresden zu etablieren. So soll in diesem Jahr auch etwas Nachhaltiges entstehen. „Wir fertigen eine Zeitung an, in der die Ergebnisse und unsere Erfahrungen und die der Teilnehmer festgehalten werden“, erzählt Gunda Jägeler, die im sechsten Semester Deutsch und Geschichte auf Lehramt studiert. Nun ist zu hoffen, dass die eigentlich gute Idee eines Forums für studentische Themen im nächsten Jahr mehr Zulauf erhält und eventuelle Fehler ausgebügelt werden.

Zum Foto: Strömender Regen statt eitel Sonnenschein: Gunda Jägeler organisierte den „open: campus“ mit und posiert mit dem „Zirkushund“ Arak.

Foto: Amac Garbe

Serie: Karriere trotz Studium

Studium, Schmuckatelier, Uhr- und Goldmacherei unter einem Hut

Von Jana Schäfer

Susanne Giering ist mehr als nur Studentin: Sie ist eine berufstätige Mutter, die sich durch viele Hindernisse kämpfen muss.

Bevor Susanne Giering ihren Weg an die Uni fand, arbeitete die ausgebildete Uhrmacherin und Goldschmiedin in einem Schmuck-Atelier, welches sie nun halbtags mit einer Freundin betreibt. Für ihr Studium in Kunst und Deutsch für Grundschullehramt an der TU Dresden musste die 33-Jährige eine Zulassungsprüfung bestehen. „Ein aufkommendes Interesse an Bildung“, so erklärt Giering ihren Studienwunsch.

Familie, Studium, Halbtagsjob – Bedenken angesichts der großen Herausforderung gab es kaum. Ihr Motto lautet: „Wie weit komme ich überhaupt?“ Diese Zuversicht entspringt der beruflichen Absicherung sowie der

Unterstützung von Partner und Freunden, welche sich ebenso um die 7-jährige Lucy und die 12-jährige Lena kümmern. An Tagen, wo Susanne Gierings Töchter sie mehr brauchen, tritt die Uni kürzer. „Mir ist nie jemand komisch gekommen“, weist Giering auf verständnisvolle Dozenten hin. Blaupausen bedeuten, mehr Lernstoff aufzuholen. „Viel zu mühselig!“ findet Giering. Ein strukturierter Semesterablauf hilft im Alltag: frühzeitige Planung der Referatstermine, kaum Werkstattarbeit in der Prüfungszeit, der Lernstoff wird in Freistunden und im Atelier bearbeitet.

Auch wenn ihr Alltag Disziplin erfordert, eine überstrenge Perfektionistin ist Giering nicht: „Die Hausarbeit wird am letzten Tag abgegeben, wie bei jedem anderen Studenten auch.“ Ihre geerdete Persönlichkeit umgibt ein Schutzpanzer der Gelassenheit angesichts chaotischer Zustände. Wo eine junge Mutter Struktur in ihrem Alltag bekommt, scheint die Uni dazu imstande zu sein. Da gibt es Planungsschwierigkeiten zu jedem Semesterbeginn.

Neben der Bachelorarbeit setzt sich Giering für die Einführung des Grundschulmasters (siehe „ad rem“ 6.2010) in Dresden ein, um nicht nach Leipzig pendeln zu müssen: „Ich denke, man kann noch etwas erreichen, wenn man nicht aufgibt!“

Zum Foto: Susanne Giering an der Werkbank in ihrem Atelier.

Foto: Amac Garbe

Türkisch nebenbei

Endlich gibt es an der TU Dresden auch einen Türkischkurs

Von Felix Prautzsch

Gründe, Türkisch zu lernen, gibt es eigentlich genug – bisher fehlte an Sachsens größter Hochschule aber die passende Lehrveranstaltung.

Auslandsstudium, Reisepläne, Interesse an Deutschlands größter Einwanderungsgruppe oder weil die Sprache schön klingt: Gründe genug für Julia Maruhn, sich in der Studentenstiftung Dresden für die Einrichtung eines Türkischkurses einzusetzen. Die von Studenten gegründete Stiftung hat sich auf die Fahnen geschrieben, die Studienbedingungen vor Ort zu verbessern. Und zu guten Bedingungen gehört es auch, moderne Fremdsprachen lernen zu können. „Türkisch muss wegen der wachsenden Bedeutung der Türkei in Europa und in Deutschland an der TU Dresden auf jeden Fall erlernbar sein“, sagt die 23-jährige Psychologiestudentin Julia Maruhn.

Da das bisher nicht der Fall ist, hat sie das Projekt selbst angeschoben – und dafür auch gleich einen authentischen wie überzeugenden Türkischlehrer gefunden. Engin Yeşil kommt aus Istanbul und ist derzeit Gastdozent an der Fakultät Elektrotechnik und Informationstechnik. „Ich habe einfach Spaß am Vermitteln von Wissen. Türkisch zu unterrichten macht mir Freude, gerade als Ingenieur, denn die Sprache selbst ist sehr logisch“, sagt der 35-Jährige, der nur wenig Deutsch, ansonsten Englisch spricht und seinen Kurs auch deshalb von den Vorzügen der türkischen Sprache überzeugen will.

Jeden Mittwoch in der 7. Doppelstunde trifft sich nun ein Dutzend Lernwilliger, das für den Kurs einen kleinen Unkostenbeitrag zahlt. Den Rest trägt die Studentenstiftung. „Wir wollen aber, dass diese Sprache im Kanon des Lehrzentrums Sprachen und Kulturen kostenfrei angeboten wird“, betont Julia Maruhn. Die TU macht einen Auftrag an TUDIAS vom Interesse der Studierenden abhängig. Im Gegensatz zum gut besuchten Gebärdensprachenkurs der Studentenstiftung können es im Türkischkurs noch mehr Teilnehmer werden.

Netzinfos: http://www.studentenstiftung.de

Zum Foto: Engin Yeşil kommt aus Istanbul und lehrt in Dresden Türkisch aus Freude an seiner Muttersprache.

Foto: Amac Garbe

Lehramt fordert Latein und lässt stöhnen

Trotz Reform der Studiengänge: angehende Sprachlehrer müssen das Latinum vorweisen, Philologen nicht

Von Franziska Lange

Wer als angehender Lehrer kein Latein an der Schule hatte, muss es an der Uni nachholen – und dabei auch weiterhin einen zeitlichen Drahtseilakt meistern.

Lisa Gulichs Woche hat zu wenig Tage. Ihr fehlen mindestens zwei, um ihr Studium und das Lernen für Latein unter einen Hut zu bekommen.

Da sie die Sprache nicht am Gymnasium belegte, muss sie das Latinum an der Uni nachholen und dafür mehr Zeit vom Studium abzweigen, als ihr lieb ist. Wie schwer dieses Balancehalten ist, zeigt schon ein Blick auf ihre Studienordnung: Für Erziehungswissenschaften sind da im ersten Semester zwei Semesterwochenstunden (SWS) vorgesehen, während Latein mit vier SWS zu Buche schlägt. „Ich habe mal den Aufwand addiert und ausgerechnet, dass ich momentan eine Neuntagewoche bräuchte, um alles zu schaffen“, sagt Lisa Gulich und schüttelt verärgert ihre schwarzen Locken. Der Grund für ihren knapp bemessenen Zeitplan ist ihr Berufswunsch: Sie möchte Lehrerin für Deutsch und Französisch werden. Das darf sie allerdings nur, wenn sie nach dem Bachelorexamen ein Masterstudium anschließt – und dafür braucht sie das Latinum.

Ohne Latinum kein Master

Das Ärgerliche an der Sache ist aber nicht nur die zeitliche Überlast, sondern auch die Ungerechtigkeit: Würde Lisa Gulich nicht an die Schule wollen und stattdessen im fachwissenschaftlichen Master studieren, bräuchte sie das Latinum nicht. Diese Regelung hat sich aus den alten Lehramtsstudiengängen erhalten. Wer sich früher zum Staatsexamen anmeldete, habe das Latinum in bestimmten Fächern nachweisen müssen, erklärt die Studienberaterin für Romanistik an der TU Dresden, Dr. Gabriele Hanig.

Trotz Bolognareform wird das auch künftig so bleiben. Für den ersten Jahrgang des Lehramtsmasters, der im Oktober starten wird, liegen offiziell noch keine Studiendokumente vor. Studienberaterin Hanig kennt aber die Entwicklungen und weiß, dass die Studenten auch künftig unter der Doppelbelastung stöhnen werden: „In den Entwürfen unserer Fächer ist das Latinum als Zulassungsvoraussetzung schon vermerkt.“ Damit bleibt de facto die alte Lehramtsprüfungsordnung I (LAPO I), die das Staatsexamen regelte, trotz neuen Studiengängen in Kraft. „Das Paradoxon besteht darin, dass es sich um innovative Studiengänge unter Verantwortung der Uni handeln soll, aber diese alte Vorschrift weiterhin gilt“, fasst Gabriele Hanig zusammen und mahnt, „der zusätzliche Arbeitsaufwand, der für das Latinum zu leisten ist, steht in keinem Verhältnis zum eigentlichen Studium“. Für Lisa Gulich heißt das im Klartext: ohne Latinum keinen Master und ohne Master keine Lehrbefähigung.

Selektion per Latinum

Wer also Literatur- oder Sprachwissenschaftler werden möchte, braucht kein Latein, wer aber vor Schülern bestehen will, muss es beherrschen? Andrea Schaposchnikowa kann sich darüber nur wundern. Sie unterrichtet Französisch am Gymnasium Dresden-Cotta. „Für meine Arbeit ist Latein tatsächlich nicht relevant“, sagt die Lehrerin, die seit den 1980er-Jahren unterrichtet, „aber gerade in sprachwissenschaftlichen Fragen ist es ausgesprochen hilfreich.“ Das Latinum sei dafür wohl verzichtbar, Lateinkenntnisse sollten aber doch sein. Viel problematischer sei eher, dass man ohne dieses Wissen Philologe werden könne, sagt Schaposchnikowa.

Lisa Gulich sieht das nicht anders. „Eigentlich finde ich es gut, Lateinkenntnisse vermittelt zu bekommen, beim Lernen einer romanischen Sprache hilft das sehr“, sagt sie verständnisvoll, „nur dafür, dass Fach-Bachelorstudenten es nicht vorweisen müssen, habe ich kein Verständnis.“ Schließlich sitzen angehende Philologen und Lehrer an der TU Dresden in denselben Lehrveranstaltungen, Unterschiede im Stoff gebe es kaum. Nur die Doppelbelastung durch das Latinum unterscheide die Studiengänge. „Das ist doch Selektion“, sagt Lisa Gulich, und Studienberaterin Hanig fordert deutlich: „Dieser unhaltbare Zustand muss endlich beendet werden.“

Zum Foto: Volle Planung: Wer das Latinum braucht, muss Prioritäten setzen.

Foto: Amac Garbe

Ein Zirkuszelt an der Uni

Für eine Woche entsteht an der TU Dresden ein alternativer Campus

Interview: Alexandra Niedermeier

Von Montag bis Freitag (31. Mai bis 4. Juni) mahnt ein großes Zirkuszelt hinter dem Hörsaalzentrum an der TU Dresden zur Selbstbeteiligung.

Das Projekt „open:campus“ lädt ein, sich eigene Gedanken über eine gute Hochschule zu machen – und diese mit anderen zu teilen. Janin Volkmann studiert im vierten Semester Germanistik und Geschichte an der TU Dresden und organisiert das Forum für Studenten mit. Mit „ad rem“ hat sie darüber gesprochen.

Was ist „open:campus“?

Open:campus soll ein alternativer Campus für alle Studenten werden. Hochschulpolitische Themen werden in Arbeitsgruppen, Workshops und vielem mehr aufgegriffen und diskutiert. Die genauen Themen sind aber nicht festgelegt, denn die Vorschläge der Studenten werden bei der Eröffnung am Montag (31.5.) besprochen und ins Programm eingearbeitet.

Wer hat das organisiert?

Wir sind eine Gruppe von Studenten, die sich im letzten Jahr zusammengefunden hat. Entstanden ist die Idee und der erste open:campus durch den Bildungsstreik 2009, aber in diesem Jahr soll es eine interessante Veranstaltung für alle werden und kein Streik. Unterstützt werden wir dabei von den Studentenräten an der TU Dresden und der Dresdner Hochschule für Technik und Wirtschaft.

Das diesjährige Motto lautet „Exzellenz und Kommunikation“. Eine Anspielung auf die Exzellenzinitiative?

Auf jeden Fall. Wir wollen dazu anregen, Hochschulpolitik nicht einfach zu akzeptieren, sondern über sie zu diskutieren und kritisch zu hinterfragen. Das Motto ist nur das Oberthema. Wenn jemand über Nichthochschulpolitisches oder Außeruniversitäres sprechen möchte, gehen wir gern darauf ein. Kommunikation bei uns verläuft auf Augenhöhe.

Was bietet open:campus den Studenten im Gegensatz zum ganz normalen Universitätsalltag?

Die Strukturen sind offen und nicht festgefahren. Bis auf bestimmte, bereits fest geplante Veranstaltungen wie etwa die Podiumsdiskussion sind wir sehr flexibel und wollen den Studenten Spielraum für ihre eigenen  Gestaltungsideen geben. Natürlich soll es immer auch um die Zukunft an der Hochschule gehen. „Was wünschen wir uns?“, „Wo wollen wir hin?“ Das sind dabei die ganz zentralen Fragen.

Zum Foto: Hofft auf gute Ideen beim offenen Campus: Janin Volkmann.

Foto: Amac Garbe

open:campus – Manege frei! Hör’ doch mal rein ins Campusradio Dresden

Wer sind Deine Eltern?

19. Sozialerhebung des DSW gibt neue Einblicke ins Portemonnaie

Von Antje Schöne

Ob jemand studiert oder nicht, hängt in Deutschland vom Bildungsstatus der Eltern ab, vor allem davon, ob sie selbst studiert haben.

Das ergibt die neue Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks (DSW). Von 100 Akademikerkindern studieren 71, von 100 Nichtakademikerkindern schaffen nur 24 den Sprung an die Hochschule.

Alle drei Jahre bildet die Sozialerhebung des DSW die wirtschaftliche und soziale Lage der Studierenden ab. Im Sommer 2009 nahmen 16 370 Studierende von 210 Hochschulen teil. Das besondere an der aktuellen Erhebung: Zum ersten Mal sind viele Bachelor-Studenten dabei.

Wie die neuen Bachelor- und Master-Studiengänge umgesetzt werden, hat viele Studenten auf die Straße getrieben: hohe zeitliche Belastungen, überfrachtete Studiengänge und wenig Durchlässigkeit sind große Kritikpunkte. Diese Kritik kann die 19. Sozialerhebung nur teilweise bestätigen. Bachelor-Studenten haben, Studienaufwand und Nebenjob zusammengenommen, eine 44-Stunden-Woche und liegen mit dieser zeitlichen Belastung im Mittelfeld, hinter Staatsexamen und Diplom. Trotzdem stufen 19 Prozent der Bachelor-Studenten die zeitliche Belastung während des Semesters als zu hoch ein.

Die Sozialstudie gibt außerdem an, dass Studenten 2009 durchschnittlich über 812 Euro im Monat verfügten. 812 Euro – schön wär’s, denkt sich jetzt wohl der eine oder andere. Dieser Durchschnittswert ergibt sich durch weit auseinanderliegende Monatsbudgets.

Während 17 Prozent der Studenten mehr als 1000 Euro zur Verfügung haben, muss ein Viertel der Studentenschaft mit weniger als dem BAföG-Höchstsatz von 648 Euro auskommen. Zugleich stiegen seit 1991 auch die Miet- und Nebenkosten fortwährend. Gemessen an den Monatsmieten ist das Studium in München und Hamburg am teuersten. Die  günstigsten sind – aufgepasst – Dresden und Chemnitz.

Zur Kari: Glücklich ist der Student, der genügend Geld hat …

Kari: Norbert Scholz

STUDIENFAKTEN.

  • Was? Die Studie erfasst in einem repräsentativen Querschnitt die wirtschaftliche und soziale Lage derer Studenten, die an einer Hochschule in Deutschland immatrikuliert sind.
  • Wer? Durchgeführt wird die Befragung vom Hochschul-Informations-System (HIS). Auftraggeber ist das Deutsche Studentenwerk (DWS) mit Förderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.
  • Wann? Die Sozialerhebung wurde bereits 1951 erstmalig durchgeführt und findet nun alle drei Jahre statt. Die aktuellen Daten wurden 2009 erhoben.

Das Auf und Ab des Lesestoffes

Aus dem Katalog ins Regal: So gelangt ein Buch in Sachsens Landes-, Staats- und Universitätsbibliothek in Dresden

Von Janine Kallenbach

Bevor die Nutzer in Büchern schmökern können, legen diese einen weiten Weg in den Bibliothekshallen zurück. „ad rem“ hat ein Buch auf dem Weg ins Regal begleitet.

Flinke Finger verwandelten eine Idee in zahllosen Stunden in das, was es heute ist: ein formvollendetes Buch. Mit einer stolzen Größe von 21 cm und 358 Seiten schimmert es in blau und rot den Leser an. Zu finden ist das gute Stück in der Ebene 0 der Sächsischen Landes-, Staats- und Universitätsbibliothek (SLUB) in Dresden. Sein Titel: „Public Relations in Deutschland“. Doch bis es dorthin gelangt ist, musste es eine beachtliche Wanderung auf sich nehmen, denn die Wege sind weit und die Stufen zahlreich.

Wie in jedem anderen Verwaltungsgebäude auch, reiht sich in der SLUB, für die Nutzer unsichtbar, ein Büro an das andere. Nur das Fördersystem für Bücher verrät, dass es sich hier um eine Bibliothek handelt.

Die Reise des Wälzers beginnt in der zweiten Etage im Büro von Simone Georgi. Sie ist eine von fünfzehn Fachreferenten. Georgi trifft die intellektuelle Auswahl. Sie durchforstet diverse Datenbanken nach dem richtigen Lesestoff. Neben dem Budget muss sie vor allem darauf achten, dass ein allgemeiner Grundstock aus- und aufgebaut wird sowie Wünsche von Lesern und Fakultäten eingearbeitet werden. „Ideal ist es natürlich, wenn das Buch schon im Regal steht, bevor der Nutzer den Wunsch äußerst“, sagt Buchkennerin Georgi. „Es ist die Kunst des Fachreferenten zu entscheiden, was heute gebraucht wird, und was in 50 Jahren.“

Endlose Treppen

Hat sich Simone Georgi für ein Buch entschieden, geht es Stufe für Stufe hinunter ins Großraumbüro zu Brit Naumann und ihrer Auszubildenden Kristina Büttner zur eigentlichen Bestellung des ausgewählten Buches.

Dafür überprüft Naumann im Südwestdeutschen Bibliotheksverbunds (SWB), ob der zu bestellende Titel bereits existiert. Sie legt einen neuen Lokalsatz an, was nichts anderes bedeutet, als dass eine Bestellung ausgelöst wird. Sie benennt den Medientyp „Buch“, und eh man sich versieht, kann jeder im digitalen Katalog der SLUB – den Nutzern als Web-Opac vertraut – sehen, dass das Buch mit dem Titel „Public Relations“ eingekauft wurde. Für die Statistik wird festgehalten, dass es sich um ein neues Buch handelt, da es nach 2006 erschienen ist. Alle anderen Medien vor diesem Jahr gelten im Bibliotheksjargon bereits als antiquarisch.

Ist das Buch bestellt, ist langes Warten angesagt. Denn bis die Büchersendung in der SLUB eingeht, können bis zu fünfzehn Tage vergehen.

Vorbei an der Lieferzufahrt gelangt man ins Büro zu Anita Thieme. Sie steht mit über 9 000 Lieferanten in Kontakt, die Kataloge der zehn wichtigsten haben es in einen Fächerturm auf ihren Schreibtisch geschafft.

Jedes Paket wird hier von Anita Thieme geöffnet und genaustens kontrolliert. Stimmt die Rechnung, sind die Medien gesichert? Wenn alles in Ordnung ist, schickt Thieme diese in die nächste Abteilung.

Dem Regal ganz nah

Das bedeutet wieder Treppen steigen. Wieder zurück zu Brit Naumann, die das Buch einst bestellt hatte. Sie vergibt einen fortlaufenden Barcode, der von nun an auf der Buchrückseite für eine schnelle Wiedererkennung des Buches durch die Scanner an der Ausleihtheke sorgt. Zusätzlich erhält jeder neu eingegangene Titel eine Inventarisierungsnummer. 2010 8 015869 ziert von nun an das Buch „Public Relations in Deutschland“. Hinter dem Code verbirgt sich die Geschichte seines Kaufs. Die ersten vier Ziffern zeigen das Jahr der Anschaffung an, die 8 steht für das Format und die letzten Zahlen verraten, dass dies das bereits 15 869. Buch ist, was in diesem Jahr eingekauft wurde.

Brit Naumann ist fertig und legt das Buch in das Fach des betreffenden Fachreferenten.

Der Aufstieg geht weiter. Zurück zu Fachreferentin Simone Georgi. Per Systematik legt sie die Sachgruppe „AP“ fest. Das Kürzel steht für Medien- und Kommunikationswissenschaft. Um das Buch thematisch einzuordnen, erhält es die Nummer 17420 für die Untergruppe Öffentlichkeitsarbeit, Corporate Identity und Sponsoring. Zuletzt noch S 999 für den Autor Peter Szyszka und P9 für die Unterscheidung zu anderen Titeln des gleichen Autors.

Zwei statt zehn

Noch einmal Stufen steigen, dann ist es geschafft. Sabine Heiden übernimmt den letzten Feinschliff und die abschließende Kontrolle. Sie liest den Barcode ein und setzt die Vorgaben des Fachreferenten um. Das Buch erhält den Status „N“. Das heißt, es darf künftig auch ausgeliehen werden. Etwa 80 Prozent aller Bücher sind ausleihbar. Die anderen sind Präsenz, die entweder für die Fernleihe („P1“) vorgesehen sind oder nicht („P2“). Fix das gelbe Signaturschild ausgedruckt und schon liegt das Buch zum Einsortieren ins Regal bereit.

Während dieser Vorgang normalerweise bis zu zehn Tage dauern kann, hat es Peter Szyszkas „Public Relations in Deutschland“ dank „ad rem“ in zwei Stunden plus der üblichen Lieferzeit geschafft.

Zu den Fotos:

Foto 1: Anita Thieme öffnet jedes Paket selbst und überprüft, ob die Bestellungen korrekt geliefert worden sind.

Foto 2: Mit Inventarisierungsnummer, Standortnummer und Barcode versehen, wandert das neue Buch an seinen künftigen Regalstandort. Sabine Heiden sortiert es selbst ein.

Fotos: Amac Garbe

Ein Hochschulvergleich, der hinkt

Die Dresdner Geschichtswissenschaft boykottiert das Uni-„Ranking“ im ZEIT-Studienführer

Von Michael Lemke

Alles bunt macht der Mai. Zumindest der aktuelle Hochschulvergleich des Centrums für Hochschul-entwicklung (CHE), der Anfang diesen Monats im ZEIT-Studienführer bzw. im Internet erschienen ist.

Studiengänge an über 250 Unis und Fachhoch-schulen werden in diesem Hochschulvergleich per Ampelsystem miteinander verglichen. Sie erhalten grüne, gelbe oder rote Punkte für verschiedene Kriterien wie „Lehrangebot“, „Forschungsgelder“ oder „Bibliotheksausstattung“.

Grundlage sind die Angaben der jeweiligen Fachbereiche und Professoren sowie Stichprobenbefragungen von Studenten. Spitzenwerte, quasi durchgängige Grünphasen, erzielt die TU Dresden gleich in zwei Fächern: Psychologie und Elektro- und Informationstechnik. Tiefrote Schlusslichter bilden jeweils Architektur und Germanistik. Grau bleiben hingegen die Punkte bei Geschichte. Es liegen keine Werte vor. Die Historiker in der Dresdner August-Bebel-Straße verweigern im Schulterschluss mit zahlreichen weiteren Geschichtsinstituten die Teilnahme am CHE-Vergleich.

Masse statt Klasse

„Die Methoden sind unzulänglich“, begründet Geschäftsführer Prof. Dr. Martin Jehne diesen Schritt. So bemesse das CHE die Qualität der Forschung unter anderem anhand der Anzahl wissenschaftlicher Publi-kationen, was aber nur ein Zeichen von Quantität sei. Die Fragebögen ermöglichten zudem keine objektive Bewertung, sie spiegelten nur „Gefühlswerte“ der Studenten wider. CHE-Mitarbeiterin Isabel Roessler bestätigt, dass die Befragungen jeweils subjektive Einschätzungen darstellen. „Durch die Masse der befragten Studenten mitteln sich die Werte aber wieder.“

Fragwürdige Repräsentanz

Nachgefragt, wie viele Hochschüler man für die Bewertung eines Studienganges heranziehe, stellt sich heraus, dass das CHE bereits 15 ausgefüllte Fragebögen als repräsentativ erachtet.

Neben der Vorgehensweise bemängelt Jehne den extremen Wettbewerbscharakter des CHE-Vergleichs. „Das Ganze erzeugt eine eigene Realität.“ Deutlich wird dies dadurch, dass die Zuordnung eines Studiengangs zu einer der drei Ranggruppen immer im Vergleich zu anderen Hochschulen erfolgt.

Mangelhaft trotz guter Noten

Im Extremfall kann es also sein, wie das CHE auf seiner Homepage erläutert, dass selbst ein Studiengang „mit einem absolut gesehen noch recht guten Wert wie 2,5 in die Schlussgruppe geraten kann.“ Im Klartext: der CHE-Vergleich ist so konzipiert, dass er auf jeden Fall rote Punkte vergibt und damit „schlechte“ Hochschulen generiert. Für Jehne werde so bewusst auf Konkurrenzdenken getrimmt: „Das erinnert doch eher an Dieter Bohlen.“

Zur Kari: Kommt eben immer darauf an, wen man fragt!

Kari: Norbert Scholz

Alleskönner sind zu teuer

Der laute Ruf nach einem multifunktionellen Studentenausweis

Von Christina Dietze

Papierausweis und Chipkarten sprengen das Portemonnaie der Studenten der TU Dresden. Der Kanzler bleibt gelassen und lässt nach innovativen Lösung suchen.

In den Dresdner, Tharandter, Zittauer und Görlitzer Mensen und Cafeterien wird getauscht. Derzeit ist die Umstellung vom bisherigen E-Meal auf die neue E-Meal MensaCard in vollem Gange („ad rem“ berichtete). Vor allem die Brieftaschen der Dresdner TU-Studenten scheinen sich trotz knapper Kasse zu wölben. Schuld daran seien tatsächlich die vielen verschiedenen Chipkarten, klagen die Studenten. Zur Benutzungskarte der Sächsischen Landes-, Staats- und Universitätsbibliothek, den Kopierkarten und etwaigen Zugangsberechtigungskarten für ausgewählte Bereiche auf dem Campus muss nun noch die MensaCard in Chipkartenformat Platz im Portemonnaie eines jeden TU-Studenten finden. Ganz zu schweigen vom Ausweis im Papierformat, der zwar auch als Semesterticket gilt, aber das nur in Verbindung mit dem vorzulegenden Personalausweis. Mindestens fünf verschiedene Chipkarten und Dokumente trägt somit fast jeder TU Student mit sich herum.

Wäre es da nicht besser, die einzelnen Funktionen auf einer einzigen Karte zu vereinen? So wie es an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Dresden, der Hochschule Zittau/Görlitz und an der Bergakademie Freiberg längst gang und gäbe ist. Dort dient eine Karte mittlerweile als Studentenausweis, Bibliotheksausweis, Semesterticket sowie als Zugangsberechtigungskarte für Parkplatz und ausgewählte Laborbereiche.

Auf der Chipkarte der HTW befindet sich obendrein auch die Mensabörse des Dresdner Studentenwerks. Laut Hannelore Stephan vom Studentenwerk sei Gleiches auch für eine Chipkarte an der TU Dresden denkbar. Obwohl das Studentenwerk mehrmals schon auf die TU zuging, hält sich die TU weiterhin zurück, eine solche Chipkarte ebenfalls einzuführen. In der zuletzt 2008 gebildeten Projektgruppe mit Vertretern der Hochschulleitung und dem Studentenwerk kam man erneut zu dem Schluss, die Chipkarte nicht einzuführen. Datenschutzrecht hin oder her. „Das musste gar nicht bis zum Ende verfolgt werden, denn ausschlaggebend waren rein ökonomische Gründe“, erklärt der Kanzler der TU Dresden, Wolf-Eckhard Wormser. Also ist eine solche Karte einfach nicht wirtschaftlich genug? „Es wäre für die Universität ein schlechtes Geschäft geworden,“ sagt der Kanzler, „weil der technische und personelle Aufwand deutlich höher als die Einsparmöglichkeiten innerhalb der Universität gewesen wären, die wir durch die Nicht-Einführung einer solchen Chipkarte haben.“

Ob das zukunftsfähig ist? Auf die Frage nach dem Image eines Papierausweises antwortet Wormser gelassen, die Chipkartentechnologie sei auch nicht mehr der letzte Schrei. Er wünscht sich neuere Lösungen. „Das kann auch als Aufforderung an die Studenten gesehen werden, gute Vorschläge zu machen!“

Zur Karikatur: Ist eine Multifunktionskarte, statt vieler kleiner Chipkarten, wirklich ein so ungewöhnlicher Wunsch?

Karikatur: Norbert Scholz

Das Klima rockt eine Woche lang in Dresden

Studentische Umweltinitiative veranstaltet vom 17. bis 21. Mai Klimafestival

Von Marleen Hollenbach

Die studentische Umweltinitiative an der TU Dresden (TUUWI) veranstaltet zusammen mit der Arbeitsgemeinschaft „mensa universale“ und dem Studentenwerk von Montag bis Freitag (17. bis 21. Mai) erstmals ein Klimafestival. „Es soll Euch in einer lustigen, einladenden Weise zum Nachdenken über das Klima und den Konsum veranlassen, ganz ohne Zeigefinger“, erklärt Antonia Mertsching. Die Magisterstudentin für Politikwissenschaft, Rechtswissenschaft und Soziologie organisiert globalisierungskritische Campusführungen an der TU Dresden und bereitet die Klimawoche schon seit Jahresbeginn vor.

Jeder Tag soll unter einem anderen Umweltthema stehen. Der Ernährungs-Montag eröffnet die Woche  mit vegetarischem Essen, gekocht vom Starkoch Attila Hildmann in der Neuen Mensa. Ein Ampelsystem zeigt an, wie umweltfreundlich das jeweilige Menü ist. Am Mobilitäts-Dienstag schafft eine Straßensperrung auf der George-Bähr-Straße Platz für alle Fahrradliebhaber. Am Mittwoch zeigen Workshops, wie ein Kaffeearbeiter schuftet, verdeutlichen den Reiseweg einer Jeans oder entschlüsseln, wer wieviel an einem Turnschuh verdient. Am Donnerstagabend lohnt sich Mitmachen. Wer genug Bonuspunkte gesammelt hat, braucht nichts für das abschließende Konzert zu zahlen.

Netzinfos: http://tuuwi.wcms-file2.tu-dresden.de/cms/index.php/mahlzeit

Zum Foto: Was hat mein Apfel die Umwelt gekostet?

Foto: Amac Garbe

Mehr über das Klimafestival und zum Programm erfahrt ihr im Campusradio.

Bergstädter in Feierlaune

Freiberger StuRa bereitet „17. Studententage“ an Bergakademie vor

Von Sarah Richter

Quietschpinke Plakate kündigen in Freiberg die Konzerthöhepunkte der Studententage an.

Drei Tage sporteln, feiern, konzertieren – das traditionelle Programm der Studententage ist proppevoll. Gemeinsam haben es der Studentenrat (StuRa), Fachschaften, Arbeitsgemeinschaften, Gremien, Vereine und Sponsoren auf die Beine gestellt, um die beschauliche Bergstadt vom 17. bis 19. Mai in Feierlaune zu katapultieren.

Am 17. und 18. Mai feiern die Freiberger ab 13 Uhr zunächst ihren vorlesungsfreien „dies academicus“. Der Montagnachmittag steht dabei ganz im Zeichen der Kunst. Tags darauf rückt der sportliche Wettkampf in den Fokus: Sechs Beachvolleyballfelder werden auf dem Messeparkplatz aufgeschüttet. Auch Fuß- und Basketballfelder sind organisiert.

„Im vergangenen Jahr haben wir begonnen, die Studententage mehr auf dem Campusgelände und nicht mehr weiter draußen bei den Sporthallen zu konzentrieren“, erzählt Stura-Mitglied Marcel Gawlitta. Während in den vergangenen Jahren die Resonanz auf die Studententage etwas verhaltener ausfiel, waren die Studententage 2009 „eine Kehrtwende“, erinnert sich der 23-Jährige. „Nun findet diesmal auch gleichzeitig das von der Universitätsleitung initiierte ‚Universitätsfest‘ statt, zu dem nicht nur Studenten und Universitätsmitarbeiter, sondern auch die restliche Freiberger Stadtbevölkerung eingeladen sind“, erklärt Gawlitta.

Neu ist auch die Wahl zum „Mister & Miss Campus“, Anmeldungen dafür werden gerne noch entgegengenommen. Am 19. Mai dürfen sich AGs und Vereine vorstellen, außerdem gibt es ein Seifenkistenrennen die Agricolastraße entlang, bevor der Nachmittag in den Händen von TOM TWIST und J.B.O. liegen wird. Mindestens 3 000 Zuhörer hofft der StuRa, damit auf den Messeplatz lockenzu können.

Der Fackellauf zum Obermarkt um Mitternacht setzt den drei Festtagen dann das abschließende Krönchen auf. Dabei wird – bergmännisch und traditioniell – gemeinsam das „Steiger-Lied“ gesungen.

Finanziert wird das dreitägige Spektakel zur Hälfte vom Freiberger StuRa, den anderen Teil geben Sponsoren dazu.

Zum Foto: StuRa-Vertreter und Mitorganisator der Freiberger Studententage Marcel

Gawlitta hofft auf ausgelassenen Feierspaß.

Foto: Sarah Richter

Protest: Wehrindustrie hinterfragt

Studentendemo gegen Rüstungsfirmen sorgt für Gesprächsstoff

Von Jonas Diekhans

„Für Waffen & Profit – Technische Universität Dresden macht alles mit“. Unter diesem Motto protestierten Studenten vergangene Woche im Hörsaalzentrum.

Anlässlich der alljährlich stattfindenden „bonding“-Firmenkontaktmesse wiesen etwa 20 Studenten trommelnd und skandierend auf die militärisch orientierte Produktion einiger ausstellender Firmen hin. Die Demonstration blieb abgesehen von einigen Rangeleinen mit der Polizei friedlich und wurde nach Absprache mit dem Dekanat toleriert. Neben Applaus auf der einen und skeptischer Ablehnung auf der anderen Seite sorgten Stände der Protestierenden wie „Waffeln statt Waffen“ für hitzige Diskussionen.

„Ich finde einen solchen Umgang mit der Rüstungsindustrie völlig unverständlich“, sagt Alexander Marquardt. Der angehende Wirtschaftswissenschaftler, der an der TU Dresden studiert, ist zufällig vorbeigekommen und kann dem Protest wenig abgewinnen: „Unsere Bundeswehr schützt unser demokratisches System und braucht dafür Waffen und Ingeneure, die sie produzieren“. Diese seien zudem grundlegende Werkzeuge, um die Zivilbevölkerung in Auslandseinsätzen ausreichend schützen zu können.

Dem widerspricht Keti Relashivili. Die Philosophie-, Soziologie- und Politikwissenschaftsstudentin an der TU kritisiert an diesem Analogieschluss vor allem die Idee einer gewalttätigen, demokratischen Mission. „Eine Gesellschaft ohne eine dynamische, innere Entwicklung mit Waffengewalt zu reformieren erscheint mir unmöglich.“ Am Konzept der Firmenkontaktmesse störe sie vor allem, dass sich Firmen als Kosmos von Prestige, Geld und spannenden Projekten präsentieren würden, ohne über globale Konsequenzen der eigenen Firmenpolitik zu informieren. „Ich finde es wichtig, dass die Leute lernen, in weiterreichenden Prozessen zu denken und nicht bei dem aufzuhören, was ihnen direkt vor Augen liegt.“

Deshalb befürworte sie das Engagement der Studenten und finde es besonders wichtig, dass unterschiedliche Meinungen in einem friedlichen Diskurs zusammentreffen.

Zum Foto: Zwei Demonstranten erkletterten die Säulen vor dem Dresdner Hörsaalzentrum, um ihren Unmut per Transparent kundzutun.

Foto: Amac Garbe

Wenn die Übergänge fließend werden

Zu Besuch bei der Semesterauftaktparty einer Dresdner Burschenschaft

Von Jonas Diekhans

Fackeln brennen vor der alten Villa in der Eisenstuckstraße 50 in Dresden. Einige Gestalten stehen rauchend vor der Eingangstür.

Unweit des Campus der TU Dresden liegt das Verbindungshaus der Aachen-Dresdner Burschenschaft Cheruscia. Krach-Nacht ist das Motto der Semesterauftaktparty. Schwarze Mäntel und bunte Uniformen drängen sich um die etwas biedere Kneipeneinrichtung, als die Musikanlage verstummt. Ein maskierter Bursche in Fechtmontur löst sich von der Wand und schlägt seinen Degen auf den Boden. „Auf Mensur!“

Wie die meisten deutschen Burschenschaften sieht sich die Cheruscia in der Tradition der studentischen Verbindungen vom Anfang des neunzehnten Jahrhunderts. Obwohl deren Werdegang heute überwiegend kritisch beurteilt wird, war ihre Forderung nach einem einheitlichen Deutschland um 1815 eine revolutionäre Agenda, die von Obrigkeitskritik und politischer Einmischung bestimmt war.

Bröckelndes Selbstbild

Betrachtet man das letzte Programm der Cheruscia, scheint von diesem Selbstbild nicht mehr viel übrig zu sein. Vorträge beschränken sich auf Themen wie „Hermann der Cherusker“ und „Ist Deutschland ein Auslaufmodell?“ Kein Bezug zu den Studentenprotesten, dem Bachelordesaster oder der Exzellenzdebatte. Aus der Agenda ist rechtskonservative Mystik geworden. Zwei Studenten in Kampfmontur betreten mit erhobener Waffe den Saal. Der Bursche schreit erneut: „Auf Mensur!“ Dann dreschen die beiden Kontrahenten auf ihre stumpfen Klingen.

Schwitzend steht Richard M.* später am Tresen. Der Gast aus Leipzig schwärmt erhitzt von der Mensur, dem traditionellen Fechtduell, und dem Kampf ohne Gesichtschutz, bei dem sich der Burschenschafter seinen Schmiss zuzieht. Er erzählt, dass sich viele Mitglieder der schlagenden Verbindungen die kleine Schnittverletzung immer wieder öffnen würden. „Damit das ganze heftiger aussieht“. Gäste seien immer willkommen, fügt er hinzu, und dass man nicht aus jedem Burschenschafter einen Nazi machen solle. „So schlimm sind die alle gar nicht.“

Hierarchie am Bande

Etwas abseits unterhält sich Martin K.*, Gast der Suevia aus Regensburg, mit einer Kollegin. Der etwas untersetzte Mittzwanziger, der sein BWL-Studium bereits abgeschlossen hat, sitzt in voller Uniform mit farbigem Band und roter Mütze vor seinem Bierkrug. Er entschuldigt sich förmlich für die Gewaltdemonstration, die prinzipiell „nicht für die Augen einer Dame bestimmt sei“. Das ist sicher sexistisch, wirkt aber im Kontext eher etwas unbeholfen. Martin ist ein sogenannter alter Herr und stellt in der Hierarchie neben den studentischen Aktivita eine hohe Autorität dar. Als ihm ein Anwärter, ein sogenannter Fuchs, über den Weg läuft, weist er ihn streng zurecht. Er habe sein Erkennungsband unrechtmäßigerweise unterm Jackett getragen. Wie identitätsstiftend diese Regeln und Bräuche tatsächlich sind, wird deutlich, als sich das journalistische Interesse herumspricht. Martin ereifert sich über den Umgang der Medien mit dem Thema. Man sieht ihm an, wie existenziell diese Sache für ihn über die Jahre geworden ist.

Genau darauf scheint es die Cheruscia in der Werbung ihrer Mitglieder – zur Zeit sind es etwa zwanzig – abgesehen zu haben. Sie erklärt sich als rettende Insel, als ein Refugium in einer Realität, geprägt von „sozialer Kälte“, und im gleichen Satz als Refugium in einer „politisch korrekten Welt“.

Was das bedeutet, lässt sich erahnen. Unter die Uniformierten und die langhaarigen Metalfans mischen sich offenbar Mitglieder rechtsextremer Gesinnung. Thor Steiner und Alpha Industries, Marken, die der Verfassungsschutz als eindeutige Szenesymbole ausweist, werden offen zur Schau gestellt. Argwöhnische Blicke, knackende Fingerknöchel und schließlich die Anweisung, Fragen nur noch an den Vorstand zu richten. Der stellt sich einem Interview schließlich doch nicht zur Verfügung. Die heile Welt mag Halt bieten und Identität stiften, aber wenn man erst einmal drin ist, sind die Übergänge fließend.

* Namen von der Redaktion geändert

Zur Kari: Die Jungs von der Burschenschaft haben einen ganz schönen Schmiss!

Kari: Norbert Scholz

SLUB-Geflüster

Studenten als Mittelsmänner der Bibliothek

Von Janine Kallenbach

Die Kommunikation macht’s. Da sind sich Peter Reinhart und Marcel Zeidler einig. Deswegen sind sie die studentischen Vertreter der Bibliothekskommission (siehe aktuelle „ad rem“ 10.2010, Seite 4)  geworden. Sie wollen Mittelsmänner zwischen der Bibliothek und der Universität sein. Und eine ihrer ersten Amtshandlungen war die Befragung aller Fachschaftsräte der TU Dresden. Eine mühselige Aufgabe, aber mit einem lohnenden Ende. Sie konnten eine 18seitige Liste mit etwa 260 Punkten an die Leitung der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek (SLUB) überreichen.

„Generaldirektor Bürger war hellauf begeistert davon“, so Reinhart. Positiv finden die FSRs die Wiedereinführung der Erinnerungsmails, die kostenlosen Vormerkungen und die erweiterten Öffnungszeiten. Aber auch die Möglichkeit Erwebungsvorschläge einzureichen oder die kleinen Helfer wie die Busabfahrtsmonitore oder der Internetzugang kommen gut an.

„Doch als größtes Problem entpuppte sich die mangelnde Kommunikation“, meint Zeidler. Besonders deutlich war die bei der Einführung des neuen Gebührensystems im Februar zu spüren. Außer ein paar Handelzetteln und einem Eintrag auf der Homepage gab es kaum Informationen. „Dabei wäre es ein leichtes gewesen eine Email an alle Nutzer zu schicken“, findet Zeidler und Reinhart stimmt ihm nickend zu.

Platzmangel, fehlende Ruhe in der Bibliothek, unbesetzte Infopunkte oder lange Wartezeiten an der Ausleihtheke: Die Bibliothek will die Liste von Zeidler und Reinhart nach und nach arbeiten und versuchen Verbesserungen hervorzubringen. Und natürlich wollen die beiden dran bleiben und sehen wie es sich entwickelt.

Zum Foto: Peter Reinhart und Marcel Zeidler zwischen Slub-Regalen.

Foto: Amac Garbe

Warten auf die Schubladenklappe

Paul Hornoffs „Lass die Schubladen zu“: studentischer Kurzfilm versus Fremdenhass

Von Antje Meier

Eine kleine Wohnung in Dresden-Löbtau, geschäftiges Treiben, Scheinwerfer, Kamera und ich mittendrin. Hier wird ein Film gedreht.

Am Werk sind der Regisseur selbst, Paul Hornoff, und seine Helfer Philipp Grimm und Ralf Jakubski, von der Dresdner Produktionsfirma Hechtfilm, der mit Technik und Knowhow aufwartet. Für Paul ist es ein großer Tag. Denn nachdem er beim TU-Dresden-Wettbewerb „Film drehen statt wegsehen“ gewonnen und zahlreiche Stunden in die Vorbereitungen investiert hat („ad rem“ berichtete in Ausgabe 6.2010), kann er endlich sein Drehbuch „Lass die Schubladen zu“ filmisch umsetzen.

Die Küche wurde bereits zur Maske umgebaut. Ein riesiger Berg an Utensilien ist auf dem Küchentisch aufgetürmt. Kristin Mayer wird auch schon geschminkt und frisiert. Mit einer engelsgleichen Geduld wartet sie auf ihren Einsatz. Im Wohnzimmer werden Bilder abgenommen, die Möbel herausgeräumt, und alle Aufmerksamkeit ist auf eine Kommode mit drei Schubladen gerichtet. Hier wird gleich gedreht. Doch bevor es soweit ist, muss das Licht richtig eingerichtet werden. Dafür werden jede Menge Scheinwerfer im kleinen Zimmer positioniert. Alle Schatten und dunklen Stellen müssen ausgeleuchtet und abgedeckt werden. Die Stimmung am Set ist bestens, wie Paul scherzhaft beweist: „Da hat man es zum Regisseur geschafft und man rennt immer noch mit dem Klebeband herum.“

Der Dreh beginnt

Da gut’ Ding Weile haben will, heißt es eine geschlagene Stunde warten. Dann zieht Kristin mehrere Male eine einzelne Schubladenattrappe auf, aus der heraus gefilmt wird. Dabei setzt sie einen angeekelten Gesichtsausdruck auf, ob des später hineinprojizierten Schubladendenkens. Innerhalb von zehn Minuten ist dann eine brauchbare Szene von etwa zehn Sekunden im Kasten.

Schnell wird umgebaut. Um eine Kamerafahrt frontal auf die Kommode zu ermöglichen, muss die Kamera auf einer Schiene positioniert werden. Kristin zieht diesmal eine Schublade nach der anderen auf. Am Ende sind 20 Minuten Dreh, 20 Sekunden Film und zwei Stunden Arbeit das Resultat des ersten Drehortes.

Ich seh grün

Am späten Nachmittag geht es im Ravir Filmstudio am Weißen Hirsch in Dresden weiter. Grund des Ortswechsels ist ein grellgrüner Raum, den zwar keiner in seiner Wohnung haben möchte, der für einen Filmdreh aber durchaus sehr praktisch ist. Denn die Szenen, die in dieser Greenbox aufgenommen werden, können später ganz leicht in die vorher gefilmten Schubladen eingefügt werden.

Die Schauspieler sitzen bereits in der Maske und werfen sich in ihre Kostüme. Drei Terroristen, eine Arbeitsamtangestellte und ein protziger Ausländer mit Goldkettchen. Das ist die Schaustellerbrigade. Zuerst sind die drei Terroristen dran, die mit wilder Gestikulation gefährlich wirken wollen, aber für viel Gelächter am Set sorgen. Daran schließt sich fast nahtlos die Arbeitsamtangestellte an, die dem Protzausländer ein Bündel Geld in die Hand drückt. Beide sollen eine Ruckbewegung machen, um das Aufziehen der Schublade zu simulieren. Als dabei die Darstellerin samt Pult beinahe umkippt, kann sich auch der sonst sehr konzentrierte Regisseur das Lachen nicht mehr verkneifen.

Gegen 18.30 Uhr ist es schließlich geschafft. Etwa eine Minute Filmmaterial ist nach fast neun Stunden im Kasten. Die Filmcrew, allen voran Paul, ist glücklich, und die ersten Ergebnisse können sich sehen lassen, müssen aber noch nachbearbeitet und richtig zusammengeschnitten werden. Ein spannender Tag geht zu Ende. Nun weiß ich, worauf es beim Film ankommt: Sitzfleisch und Ausdauer.

Das Ergebnis ist neben den beiden anderen Gewinnern Robert Jung mit „Anders“ und Thang Phan Quoc mit „Hier ist kein Platz für dich!“ im Sommer in den Dresdner Straßenbahnen, bei den Filmnächten am Elbufer im Vorprogramm sowie auch ab sofort unter  http://tu-dresden.de/service/multimedia/filme/wettbewerb2010.html zu sehen.

Zu den Fotos:

Links oben: In der Maske: Anja Pastohr schminkt Lisette Gründel.

Rechts oben: In der Box: Regisseur Paul Hornoff im Greenboxstudio.

Links unten: Begutachtung des Ergebnisses: Paul Hornoff, Philipp Grimm, Ralf Jakubski und Jan Schmid (von vorn).

Rechts unten:Terroristen bei der Arbeit: Gökhan Kocak, Jan Schmid und Kirk Boehm (von links).

Fotos (4): Von Amac Garbe

Masterstudium mit Überraschung

BAföG-Ärger: Masterstudenten bekommen trotz Immatrikulationsbescheinigung kein Geld

Von Louisa Pagel

Wer während seines Bachelorstudiums BAföG bekommen hat, sollte dies auch während seiner Masteraus-bildung erhalten. Aber bitte nur, wenn das Bachelor-Zeugnis dem BAföG-Amt bis Studienbeginn vorliegt. Für Studenten, die mit einem Masterstudium nahtlos an ihren Bachelor anknüpfen wollen, lauert hier die Falle. Denn es könnte ihnen ergehen wie beispielsweise Joachim Bartels. Der 24-Jährige zog sein Bachelorstudium der Politikwissenschaften vorbildlich in sechs Semestern durch.  Glücklich nahm er dann seine Bescheinigung zur vorbehaltlichen Immatrikulation zum Master entgegen und beantragte im Oktober 2008 BAföG. Der Antrag wurde abgelehnt. Mit der Begründung, dass der Antrag nicht vollständig sei, das Bachelorzeugnis fehle noch.

Nach dieser Überraschung legte Joachim Bartels Widerspruch ein. „Aber ich habe trotzdem fünf Monate kein BAföG erhalten“, erklärt Bartels. Erst im März des darauffolgenden Jahres, im zweiten Semester seines Masterstudiums der Politik und Verfassung, kam zusammen mit dem Zeugnis auch die Unterstützung vom Staat. „Eine Nachzahlung für die fünf Monate gab es nicht“, beklagt Bartels.

Ähnlich ist der Fall von Christin Kühne. Die 23-jährige Slavistikstudentin reichte ihren BAföG-Antrag pünktlich im Herbst des vergangenen Jahres ein, erhielt jedoch erst in diesem Februar die erste Zahlung: „Weil mein Bachelorzeugnis noch fehlte, wurde mir das BAföG nicht genehmigt.“ Auch ihr wurde nachträglich kein Geld gezahlt.

Für Joachim Bartels ist vor allem der Überraschungseffekt das Problem: „Viele Leute fangen mit dem Master-studium an und wissen nicht, dass sie eventuell kein Geld bekommen werden.“ Die Krux liegt jedoch im Prüfungsdatum und nicht am späten Zeugnis an sich. Der Masterstudiengang ist erst dann förderungsfähig, wenn die letzte Prüfungsleistung des Bachelorstudiums erbracht ist und darüber eine Bescheinigung vorliegt. „Wenn diese letzte Prüfungsleistung die Bachelorarbeit ist und beispielsweise nach der Immatrikulation unter Vorbehalt in den Masterstudiengang erst fertig gestellt oder noch verteidigt werden muss, besteht kein Förderungsanspruch“, erklärt Irene Meister vom BAföG-Amt in Dresden.

Es ist also genau darauf zu achten, dass dem Amt anhand einer Bescheinigung das Prüfungsdatum und nicht bloß das Ausstellungsdatum des Zeugnisses erkenntlich ist. „Selbst wenn das Zeugnis erst einige Zeit nach Beginn des Masterstudiums nachgereicht wird, aber ersichtlich ist, dass diese Prüfung bereits zuvor erfolgreich abgelegt wurde, kann es eine Nachzahlung geben“, erklärt die BAföG-Beraterin. Für Joachim Bartels kommt dieser Ratschlag zu spät: „Ich musste mir zur Überbrückung der Zeit ohne Unterstützung das Geld für meine Miete leihen.“

Zur Kari: Wer sich als frisch immatrikulierter Masterstudent BAföG erhofft, muss kämpfen.

Kari: Norbert Scholz

BAföGFAKTEN.

  • Neubeschluss: Dieses Jahr gibt es mehr BAföG. Das hat die Bundesregierung jüngst beschlossen. Zum kommenden Wintersemester werden die Bedarfssätze um zwei Prozent und die Freibeträge um drei Prozent erhöht. Gleichzeitig wird auch die Zahl der zu vergebenden Stipendien im Stipendienprogramm für Studenten mit herausragenden Leistungen um acht Prozent erhöht. Jedem Stipendiaten werden dann 300 Euro im Monat ausgezahlt. Das Geld hierzu wird zur Hälfte der Bund stellen, die andere Hälfte die Länder.
  • Kritik: Trotz der BAföG-Erhöhung hagelt es für Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) Kritik. So fordern unter anderem der Freie Zusammenschluss von StudentenInnenschaften und das Deutsche Studentenwerk (DSW) eine Breitenförderung und keine übermäßige Förderung von wenigen.
  • Sozialerhebung: Die Kritik fußt vor allem auf den Ergebnissen der 19. Sozialerhebung des DSW. Laut dieser werden immer weniger Studenten von ihren Eltern unterstützt und müssen selbst dazu verdienen. Außerdem müssen 26 Prozent der Studierenden mit weniger als dem BAföG-Höchstsatz von 648 Euro auskommen.

Was ist Bonding?

Die Firmenkontaktmesse bringt über 130 Firmen ins Hörsaalzentrum der TU Dresden

Von Maria Heimann

Einige schnelle Klicks mit der Maus, und das allwissende Google klärt darüber auf, dass es sich bei „Bonding“ um eine Terminologie aus der Halbleitertechnik handelt.

Eigentlich beschreibt der Begriff „bonding“ das Anbringen von Anschlusskontakten auf Bauelementen – naja, wenigstens entfernt tut sich da die Verbindung zur jährlichen Firmenkontaktmesse auf.

„Bonding wurde von Studenten der Elektrotechnik gegründet, für die lag der Name nahe!“ erklärt Viktor Reiser lachend. Der Wirtschaftsingenieurstudent ist Mitglied der Dresdner Hochschulgruppe „bonding“ und verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit der diesjährigen Messe, welche am 3. und 4. Mai auf dem Gelände der TU Dresden stattfindet.

Die „bonding“-Studenteninitiative wurde 1988 an der RWTH in Aachen gegründet und ist heute an elf Hochschulstandorten vertreten. Ziel des Vereins ist es, Studenten undFirmen miteinander in Kontakt zu bringen.

Neben der Messe organisieren die jeweiligen Hochschulgruppen auch Vorträge, Exkursionen zu verschiedenen Firmen, Bewerbungstrainings, Rhetorikseminare und vieles mehr. Nach Dresden kam die Initiative 1991. Seitdem ist der Verein immer weiter angewachsen. Die mehr als zwanzig aktiven Mitglieder organisieren alljährlich eine der größten studentisch geführten Firmenkontaktmessen in Deutschland. „Dieses Jahr stellen sich über 130 Firmen an zwei Tagen vor. Die Nachfrage steigt von Jahr zu Jahr“, freut sich Reiser. Doch die Vorbereitungen sind anstrengend und zeitraubend. Direkt nach der Messe fange schon die Planung für das kommende Jahr an. Die heiße Phase beginnt etwa acht Monate vor den Messetagen.

Ohne Gedanken an die Vorlesung

Da werden Firmen angeworben, Flyer entworfen, gedruckt, verteilt, Technik rangeschafft und das Catering organisiert. „In den letzten Wochen vor der Messe ist an Vorlesungen nicht zu denken“, gesteht Reiser. Unterstützung bekommen die Studenten von den übrigen „bonding“-Hochschulgruppen. Insgesamt sorgen so gut 100 Helfer aus ganz Deutschland für einen reibungslosen Messeablauf. Aber die Arbeit lohnt sich. Die Dresdner Messe hat sich mittlerweile zur „Vorzeigemesse“ etabliert und wird von über 10 000 Studenten besucht. Dabei ist es wichtig, vorbereitet zur Messe zu kommen. „Dazu bieten wir im Vorfeld eine Warm-up-Woche mit verschiedenen Seminaren und Trainings an“, sagt Reiser. Auch den beliebten Bewerbungscheck gibt es wieder, bei dem die Bewerbungsunterlagen geprüft werden.

Zum Foto: Auf los geht‘s los: Am 3. und 4. Mai öffnet die Firmenkontakte Ihre Tore zum 20. Mal.

Foto: Amac Garbe

„ad rem“ positioniert sich auf der Bonding-Messe

Journalist wird man, wenn man schreibt – am besten bei „ad rem“

Du bist neugierig, hakst nach und gehst den Dingen auf den Grund? Dann mach Deine Leidenschaft zur Profession und werde „ad rem“-Reporter.

Im Hörsaal, in der Mensa, im Wohnheim. Mit Stift, Kamera und erstmals auch mit eigenem Stand auf der „bonding“-Firmenkontaktmesse. Die Hochschulzeitung „ad rem“ ist überall.

Für Dich sind Woche für Woche viele Redakteure auf den Geländen der verschiedenen Hochschulen in Zittau, Görlitz, Freiberg und Dresden unterwegs. Sie spüren die Geschichten auf, die den Campus bewegen, und sammeln so neben dem Studium erste Berufserfahrungen im dichten Dickicht des Medienfeldes. Denn gerade in diesem

Bereich geht ohne Arbeitsproben oft nix, und nachgewiesene Praxis in Form veröffentlichter Texte ist viel wertvoller als gute Noten auf dem Zeugnis. Darum bietet die größte sächsische Hochschulzeitung „ad rem“ jedes Semester studienbegleitende Praktika und freie Mitarbeit an.

Wenn Dich das Schreiben reizt, Du hartnäckig und neugierig bist, dann komm doch einfach mal zur Sache – am besten auf dem „ad rem“-Stand im Foyer des Hörsaalzentrums. An den beiden „bonding“-Messetagen kannst Du Dich bei den

Redakteuren über sämtliche Mitschreibemöglichkeiten informieren oder ihnen einfach sagen, was Du schon immer mal sagen wolltest.

Gesponsert wird „ad rem“ auf der Bonding-Messe von stylebutton.de

Zum Foto: „ad rem“ ist für dich überall dabei – selbst beim Frühstück.

Foto: Amac Garbe

Wie bewerbe ich mich richtig?

Karriereberaterin Katharina Maier gibt Tipps und warnt: Individualität bei einer Bewerbung ist wichtig, aber zu viel Originalität kann schaden

Von Maria Heimann

Eines Tages trifft es jeden Studenten: Die schöne Studentenzeit neigt sich zum Ende. Arbeit muss her. Aber woher nehmen?

Wer nicht stundenlang das Internet nach der richtigen Stelle durchforsten will, dem bietet die Firmenkontaktmesse am 3. und 4. Mai im Hörsaalzentrum der TU Dresden die Möglichkeit, direkt mit Firmenvertreten in Kontakt zu treten und Ausschau nach dem zukünftigen Arbeitgeber zu halten.

Der erste Kontakt auf der Messe und die Bewerbungsunterlagen sind dabei die entscheidenden Faktoren. „Informieren Sie sich vorher in den Ausstellerkatalogen und im Internet über die Firmen, die sie kontaktieren wollen und bringen Sie ihre Bewerbungsunterlagen auf den neuesten Stand!“ rät Katharina Maier vom Career Service der TU Dresden. Am Besten überlegt man sich schon vor dem Messebesuch einen Gesprächseinstieg und einige Fragen, sonst gerät man später leicht ins Stocken. Die persönliche Motivation sollte man, ebenso wie die wichtigsten Informationen zur eigenen Person, im Vorfeld in Worte fassen, damit beides im Gespräch glaubhaft rübergebracht werden kann. Nichts sei schlimmer als den Firmenvertreten völlig unvorbereitet gegenüberzutreten und beim Gespräch mehr auf die bunten Werbegeschenke zu achten als auf das Gegenüber. „Signalisieren Sie durch Detailfragen Interesse an der Firma und halten Sie auf jeden Fall ihre aktuellen Bewerbungsunterlagen griffbereit!“ rät die Karriereberaterin.

Wie sieht eine aussagekräftige Bewerbungsmappe aus?

Wichtig sind vor allem Aktualität und Vollständigkeit, aber auch die richtige Reihenfolge der Dokumente. „Das maximal einseitige Anschreiben kommt lose auf die Mappe. Dann folgen Deckblatt, Lebenlauf und alle relevanten Zeugnisse“, zählt die stellvertretende Leiterin des Career Service auf. Die Personalchefs achten bei der Auswahl der Bewerber heute genauso auf außeruniversitäres Engagement wie auf gute Noten. „Durch die Mitgliedschaft in einem Sportverein können Teamfähigkeit und das Organisationstalent geschult werden. Natürlich muss die fachliche Kompetenz immer stimmen, aber solche Soft Skills sind unverzichtbar“, weiß Maier. Wichtig dabei: Immer nur Kopien mitschicken, niemals Originale!

Natürlich müssen auch Grammatik und Orthografie stimmen, sonst landet auch der beeindruckendste Lebenslauf gleich auf dem „Nein“-Stapel. Viele Bewerber vergessen auch, dass sowohl das Anschreiben als auch der Lebenslauf mit aktuellem Datum und Ort versehen und beide eigenhändig unterschrieben werden müssen. Diese Formalia gelten immer – auch bei Bewerbungen via Internet. Dann sollten die Unterlagen im PDF-Format zusammengefügt und gespeichert sein. Die eigene Unterschrift sollte dann eingescannt und in die Dateien eingefügt werden.

Generell müssen die Unterlagen die eigenen Stärken repräsentieren und passend für den jeweiligen Job zusammengestellt werden. Hat man sich neben dem Studium mit diversen Nebenjobs über Wasser gehalten, sollte man sie auch angeben – wenn sie in das Profil der Stellenbeschreibung passen. Hat man beispielsweise längere Zeit als studentische Hilfskraft gearbeitet und Übungen als Tutor geleitet, beweist das Organisationstalent, Durchhaltevermögen und rhetorisches Geschick. „Ihre Bewerbungsunterlagen sind Werbung in eigener Sache, sie sollten die eigenen Stärken herausbringen. Aber je nach Branche kommt zu viel Originalität in der Gestaltung nicht gut an“, warnt Bewerbungsexpertin Maier.

Kleider machen Leute – das wusste schon Gottfried Keller. Und er hat bis heute Recht behalten. Das richtige Outfit ist zwar immer abhängig von den Unternehmen, wo sich der Bewerber präsentiert. Nichtsdestotrotz ist es bei der „bonding“-Messe genauso wichtig wie bei einem richtigen Vorstellungsgespräch. Als Ingenieur reichen Hemd, Krawatte und Sakko aus, während Ihr bei einer Unternehmensberatung besser im Anzug bzw. Kostüm erscheint. Studenten in den Anfangssemestern, die sich nur informieren möchten, können es etwas lockerer angehen, da reicht legere Kleidung völlig aus. Und schon steht einem erfolgreichen Messebesuch nichts mehr im Wege!

Zum Foto: Diplom-Pädagogin Katharina Maier leitet den Career Service an der TU Dresden stellvertretend und kennt sich bestens aus in Sachen Laufbahnberatung.

Foto: Amac Garbe

Weitere Eindrücke und wertvolle Tipps zur Bonding-Messe findet ihr in der aktuellen Sonderbeilage der Ausgabe 09.2010.

„Diskussion ist immer gut. Immer.“

Der Dresdner Student Jacob Schrot ist auf dem besten Weg, Politik ein wenig sympathischer zu machen

Interview von Juliane Hanka

Er trägt meist Turnschuhe und Jeans statt Anzug. Dabei ist Jacob Schrot keinesfalls in Joschka Fischers Spuren unterwegs. Er ist Christdemokrat. Momentan zumindest. Im Gespräch wird klar, dass der 19-Jährige parteibezogene Ideologien zu Gunsten einer gesunden Diskussion ablehnt. Es macht Spaß, sich mit ihm über Politik zu unterhalten.

Was bedeutet Politik für dich?

Ich will jungen Menschen zeigen, dass es keine Aufopferung ist. Ich wirke an vielen Jugendprojekten mit. Viele jammern, aber konkretes tun sie nicht. Das war mein Impuls. Das hat mit ein paar Torstangen für unseren damaligen Fußballplatz angefangen. Es sind die kleinen Sachen, an denen man merkt, dass sich Einmischen etwas bringt. Mit 15 hab ich mich in der Schule engagiert, in ehrenamtlichen Gremien und später erst politisch gebunden.

Warum hast du „Ich kann Kanzler“ gewonnen?

Weil die Menschen mir glauben, wenn ich etwas sage. Ich kann in Kameras sagen, dass ich Frank-Walther Steinmeier im Kanzlerduell besser fand als Angela Merkel, ich habe keine Angst davor, dass dann ein kritischer Anruf aus der Parteizentrale kommt. Ein Politiker muss geradlinig formulieren, was er meint.

Aber in der Show ging es weniger um Inhalte als um die eigene Präsentation.

Das stimmt und das fand ich sehr schade. Es ist einer der vielen Gründe für Politikverdrossenheit. Die Leute können die Sprache der Politiker nicht mehr entschlüsseln. In der Talkshow bewerfen sie sich mit Fachbegriffen und führen eine Diskussion, der Außenstehende nicht mehr folgen können.

Und das willst du ändern?

Ich ertappe mich schon dabei, manche Dinge mittlerweile etwas vorsichtiger zu formulieren, als ich das früher getan hätte. Aber das ist ein ganz normaler Prozess wenn man eine öffentliche Person wird. Slangsprache oder extreme Meinungen sind dann wenig hilfreich. Ich sage aber, was mir an der CDU nicht passt. Deshalb bin ich auch nicht der Beliebteste in der Partei.

Die CDU ist nicht unbedingt eine Studentenpartei …

Schön formuliert.

Du sagst aber „Insbesondere in den Punkten Bildungs-, Umwelt- und Sozialpolitik finde ich hohe Identifikation mit der offiziellen CDU-Programmatik.“ Hast Du dich also bewusst entschieden?

Ja. Ich wollte mitentscheiden, also musste ich einer Partei beitreten. Dann hab ich die Programme nebeneinander gelegt und darauf geschaut, was konkret getan wird, besonders auf der lokalen Ebene. Ich befürworte Atompolitik, das sage ich auch in Gegenwart einer Studentenzeitung. Die Grundwerte Familie, Freiheit, Gerechtigkeit und die Gedanken zur Leistungsgesellschaft waren mir wichtig. Aber genauso will ich Steuersenkungen, in klarer Anti-CDU-Linie. Es gibt keine perfekte Partei. Die ewige Strukturdebatte in der Bildungspolitik hier ist so ideologisch aufgeladen. Es herrscht Schwarz-Weiss-Denken, das regt mich auf.

Du könntest dir also auch vorstellen, dich mal für eine andere Partei zu engagieren?

Natürlich. Man sollte nichts verteidigen, nur weil man Chancen auf ein Mandat hat. Um nochmal auf „Ich kann Kanzler“ zurückzukommen. Viele haben mir danach geschrieben und gesagt, sie wollen sich parteipolitisch binden. Ob das jetzt für die SPD, FDP oder die Linkspartei ist, das ist mir egal.

Wie reagierst du auf den Vorwurf, in deinen politischen Aussagen zu schwammig zu sein wie es Mario Nebl in einem polemischen Text in „Der Freitag“ getan hat?

Er hat mir unterstellt, ich könnte nichts Konkretes sagen zu Energie- und Steuerpolitik und Afghanistan. Ich habe ihm ganz konkret geantwortet und das fand ich mutig und am Ende hat er es auch zurückgenommen. Ich bin kritikfähig und kann auch Kompromisse machen. Ich bin kein Karrierist, ich kann mir nur gut vorstellen, politisch aktiv zu bleiben.

Du sagst, du könntest dir auch vorstellen, Botschafter in Israel zu sein.

Ja. Es ist ein unglaublich komplexes und interessantes Land, diese religiösen Konflikte und die Geschichte auf Schritt und Tritt. Für einen deutschen Diplomaten ist es die größte Ehre, in Israel tätig zu sein. Ich verurteile zwar bestimmte israelische Luftschläge im letzten Gaza-Krieg, den Siedlungsbau in der Westbank und Jerusalem. Aber grundsätzlich haben sie ein absolutes Existenzrecht. Trotz unserer Verantwortung dürfen wir Kritik üben und wir fangen langsam an das zu begreifen.

Was hast du von den Dresdner Studentenprotesten mitbekommen?

Ich war im Potthoff-Bau zur Diskussionsveranstaltung. Diskussion ist immer gut. Immer. Ich halte nichts von Besetzungen, aber es ging ja um die Inhalte. Nur fand ich es bezeichnend, dass die Fachschaftsräte der Philosophischen Fakultät es nicht schaffen, bei einer Wahlbeteiligung von unter 30 Prozent sich untereinander besser auszutauschen, dann aber auf die Straße gehen, um mehr Mitbestimmung zu fordern. Wir sollten bei uns selbst anfangen.

Was ist mit dem Bachelor-System?

Der Gedanke von Bologna ist gut, aber die Umsetzung war miserabel. Die Forderung nach der Abschaffung jedoch wäre katastrophal für die weitere Zusammenarbeit unter den Universitäten.

Was tust du konkret für die Studentenpolitik?

Ich habe überlegt, mich im FSR aufstellen zu lassen, aber ich glaube, ich bin noch nicht so fit in Hochschulpolitik. Dabei könnte man strukturell viel verändern. Ich werde regelmäßig zu den Sitzungen der FSR gehen, aber auf die dortigen Grabenkämpfe habe ich keine Lust.

Das erste Semester ist jetzt rum. Bist du ein guter Student?

Es macht Spaß und läuft gut. Was mich stört ist, dass es keine Identifikation mit der Uni gibt. Ich möchte stolz auf etwas sein. Das ist jetzt wahrscheinlich ziemlich CDU-lastig. Ich glaube, der fehlende Zusammenhalt kann nicht mit dem Argument abgetan werden, dass es eine Massenuniversität ist. Ich möchte, dass am Tag der deutschen Einheit etwas getan wird, natürlich nicht die Deutschlandhymne gesungen wird, aber ein bisschen Festlichkeit herrscht. Gerade im Osten Deutschlands laufen Dinge wie Tradition völlig aus dem Ruder.

Zum Foto: Regt sich über das politische Schwarz-Weiß-Denken auf: Jacob Schrot.

Foto: Amac Garbe

Kurzbio.

  • Jacob Schrot ist 19 Jahre alt, stammt aus Brandenburg und studiert seit letztem Oktober Politik- und Kommunikationswissenschaft an der TU Dresden.
  • Er ist seit über drei Jahren für die CDU politisch aktiv und nun deutschlandweit bekannt, weil er die ZDF-Castingshow „Ich kann Kanzler“ gewann.
  • seit Januar ist er Vorsitzender des Dresdner Arbeitskreises für christliche Grundwerte und Demokratie (CDU).

Raus mit Euch, die Sonne scheint!

Einradkurse am Dresdner Universitätssportzentrum bieten Trainingsmöglichkeiten für Konzentration und Gleichgewicht

Von Matthias Schöne

Bunte Bälle hüpfen wild umher, Keulen werden ge- worfen, Ringe kommen der Hallendecke bedenklich nahe.  Sportler fahren auf ihren Einrädern heran – manche schon sehr geschickt, bei anderen geht man lieber aus dem Weg. Dieses Treiben kann man jeden Freitagabend ab halb sieben in der Hauptsporthalle an der Nöthnitzer Straße in Dresden bestaunen.

„Als Anfänger braucht man nur Turnschuhe und gute Laune“, sagt Johannes Dietz, Trainer und selbst passionierter Einradfahrer. Nach der Erwärmung mit verschiedenen Spielen kann man sich das erste Mal auf das ungewohnte Gefährt wagen. Fest muss man seine Füße auf die Pedale pressen, wird dabei zunächst von einem Partner geführt, findet sein Gleichgewicht und fährt einige Meter, bevor man die Balance wieder verliert. Um aber wirklich gut Einrad fahren zu können, braucht es eine Weile. „Leute mit viel Talent lernen es in einigen Stunden, viele brauchen ein Semester, aber am Ende lernen es alle“, sagt Dietz, der Elektrotechnik an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden studiert. Im Fortgeschrittenenkurs ab 20 Uhr lernen die geübten Fahrer dann Tricks wie Rückwärtsfahren und Pendeln. Akrobatisch geht es gar bei Dietz’ Kollegin Susanne Uhlig beim Jonglieren zu, ganz Verrückte können auch beides kombinieren.

Dietz selbst sei durch den Unikurs zum Einradfahren und Jonglieren gekommen und war schließlich so fasziniert, dass er sich selbstständig gemacht hat. Er bietet nicht nur Trainings für Studenten, Schüler und interessierte Gruppen an und gibt Vorführungen seines Könnens vor Publikum, sondern organisiert auch Akrobatiktreffen und Wettbewerbe in Dresden.

Netzinfos: www.usz.tu-dresden.de

Zum Foto: Elektrotechnik-Student Johannes Dietz lehrt seinen Kommilitonen das Einradfahren.

Foto: Amac Garbe

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