Rassismus-Debatte

Karikatur: Norbert ScholzDiese Karikatur zum Artikel „Mit Trommeln und Trachten“ in der „ad rem“-Ausgabe 30.2013 vom 4. Dezember, Seite 2, erregt die Gemüter.

Zur Karikatur: Bei aller Feierei: Vorsicht bei exotischen Gerichten!
Karikatur: Norbert Scholz

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LESERSATZLESE.

Zu „Mit Trommeln und Trachten“ in der „ad rem“-Ausgabe 30.2013 vom 4. Dezember, Seite 2.

Hallo „ad rem“-Redaktion,
heute schlug ich euer Blatt auf und mir fielen beinahe die Augen aus. Die Karikatur von Norbert Scholz ist ja wohl die allerletzte rassistische Kackscheiße. Wie könnt ihr nur so unreflektiert schwarze Menschen auf diese Art und Weise darstellen?! Sofort fielen mir Parallelen zu dem „Knorkator“-Cover auf, das derzeit scharf angeprangert wird. Die ISD (Initiative Schwarzer Menschen) hat dazu schon detailliert Stellung genommen. Ich kann es einfach nicht fassen! Ich bin gerade ein wenig ungehalten und kann keinen klaren Satz formulieren. Deshalb bin ich froh, dass es die ISD, fast wie für euch gemacht, in Worte fassen kann.
Zugeschickt von: Désireé Steuer

Liebe AdRem-Redaktion,
eigentlich lese ich gerne, was ihr schreibt. Vor allem, weil ihr oft kritisch zu Hochschulpolitik Stellung nehmt und auch mal über den Uni-Tellerrand hinausschaut. Das hätte euch auch in dieser Ausgabe weitergebracht. Und hier meine ich nicht den Uni-Tellerrand, sondern den eigenen, von „lustigen“ Stereotypen über „exotische“ „Völker“ geprägten. Es geht um den Artikel „Mit Trommeln und Trachten“, vor allem aber die dazugehörige Karikatur von Norbert Scholz, die von kolonialen Bildern nur so strotzt. „Die Universität will ein Fest der Begegnungen anbieten“, zitiert ihr Birthe Vollmer vom Kulturbüro. Bitter nötig, denn die Integration von Studierenden nicht-deutscher Herkunft läuft nicht so toll, wie sich das eine Uni wünschen sollte, die sich für ihre Exzellenz allerorten auf die Schulter klopft. Und ihr habt nichts besseres zu tun, als bei dieser Gelegenheit eine Karikatur zu veröffentlichen, in deren Zentrum eine schwarze Figur mit Bananenröckchen und Knochen im Haar steht? Wie soll Begegnung stattfinden, wenn eine Seite nicht mal ansatzweise den Versuch wagt, koloniale Diskurse, die mit enorm viel Leid und Toten (Stichwort: Völkermord an den Herero u. v. a.) verbunden sind, zu überwinden? Gelegenheit, sich damit auseinanderzusetzen, gibt es seit einiger Zeit erfreulicherweise genug. So fand im November im Rahmen der Tage gegen Sexismus und Homophobie ein Vortrag von Natasha Kelly zu afrodeutscher Geschichte statt. Am Institut für Geschichte wird gerade an einer Website über Dresdens Kolonialgeschichte (bis in die Gegenwart, das war nicht 1918 vorbei!) gearbeitet. Ich erwarte von einer Uni-Zeitung, dass sie sich mit so etwas beschäftigt. Ich kann zwischen den rassistischen Werbemotiven von 1900 und eurer Karikatur von 2013 ehrlich gesagt keinen Unterschied erkennen. Aber vielleicht belehrt ihr mich darüber ja eines besseren.
Zugeschickt von: Jacob Nuhn

Als Veranstalter der Internationalen Feier zum Jahresausklang und als Mitarbeiter, die tagtäglich mit Studierenden aller Nationen zu tun haben, waren wir vom Akademischen Auslandsamt der TU Dresden schockiert über die Karikatur zum Artikel „Mit Trommeln und Trachten“. Abgesehen von einigen Abweichungen im Vergleich zu den Originalaussagen von Frau Vollmar ist dieser Artikel durchaus gelungen und könnte Lust auf diese Feier machen. Allerdings nur demjenigen, der sich von der Karikatur nicht hat abschrecken lassen und/oder der Meinung ist, Veranstaltungen, welche mit solchen rassistischen und politisch inkorrekten Bildentwürfen werben, müsse man boykottieren. Diese Karikatur von Herrn Norbert Scholz empfinden wir als geschmacklos, rassistisch und als tiefgehende Beleidigung. Zeiten, in denen dunkelhäutige Menschen als Kannibalen mit Knochen im Haar und Bananenröckchen dargestellt werden, welche sich genüsslich ein Menschenfleischsüppchen kochen, haben wir eigentlich überwunden. Dachten wir. Wieso bitte stellt sich eine Hochschulzeitung auf dieses Niveau? Das Sahnehäubchen wird dem Ganzen noch durch die Bildunterschrift aufgesetzt: „Vorsicht bei exotischen Speisen“. Wie bitte sollen wir das verstehen? „Vorsicht! Unsere afrikanischen Studenten kochen vielleicht gerade ihre eigenen Kommilitonen? Besser von denen nichts essen! Bei aller Exotik – Deutsche bleibt bei eurer Bratwurst!?“ Die ad rem ist eine Zeitung von Studierenden für Studierende. Was wohl Ihren dunkelhäutigen Kommilitonen durch den Kopf geht, wenn sie so primitiv stigmatisiert werden!? Diese Zeichnung ist sehr beschämend. Die Chefredaktion einer Hochschulzeitung trägt in gewissem Sinne auch eine politische Verantwortung. Darüber hinaus kann man eigentlich erwarten, dass den Redakteuren die Definition von dem Wörtchen Karikatur – als eine überzeichnete Darstellung von Menschen oder gesellschaftlichen Zuständen, unter Umständen auch mit politischem bzw. propagandistischem Hintergrund – bekannt ist. Wir teilten diese kritische Sichtweise der ad rem in einem Brief am 5.12.13 mit. Die Reaktion der ad rem war für uns ebenso schockierend wie die Karikatur. Die unabhängige Hochschulzeitung sieht „…keinen Anlass für eine Entschuldigung. Die Karikatur verzerrt das Thema und zieht die abgebildete Situation geradezu ins Lächerliche. Sie behauptet aber eben nicht, dass dies der Wahrheit entspricht.“ Dies ist, wir können es nur noch einmal betonen, unreflektiert und geschmacklos. Dass wir keinem übertriebenem Anspruch an Politischer Korrektheit verhaftet sind, zeigen wohl auch die beiden gedruckten Leserbriefe der letzten Ausgabe.
Zugeschickt von: Anja Albrecht, Margarete Quast, Monika Diecke, Markus Rimmele, Cornelia Hesse

ACHTUNG, MEINUNG!

Von Norbert Scholz

Norbert Scholz, Foto: Amac Garbe, ein-satz-zentrale.deWenn doch nur alle „ad rem“-Karikaturen solch einen kunstanalytischen Zuspruch erhielten. Aber nun gerade diese! Man zeichnet einen dunkelhäutigen Menschen und schon wird die Rassismuskeule geschwungen. Dabei ist die Darstellung in diesem Fall derartig übertrieben klischeehaft, dass man daraus nicht ernsthaft auf die Wirklichkeit schließen könnte (meint man). Die Kritik reichte vom angeblichen Fernbleiben von Besuchern, weil diese befürchten müssten, von Kannibalen gekocht zu werden, bis zu geschichtlichen Vorwürfen aus Zeiten Kaiser Wilhelms. Doch weder wurde die Bevölkerungsgruppe der Dunkelhäutigen noch ein ganz bestimmter Mensch herabgewürdigt. Dem genauen Betrachter sollte sogar auffallen, dass das Opfer des Spotts der unbedarfte, weiße Typ im Topf ist. Die eingetroffenen Beschwerden, von denen keine von einem dunkelhäutigen Mitmenschen zu sein scheint, implizieren anscheinend, dass: 1. Studenten nicht fähig sind, eine Karikatur von der Realität zu unterscheiden; 2. dunkelhäutige Menschen nicht eigene Beschwerden (Mail, Brief, Anruf) anführen können; 3. man insgesamt anderen Menschen vorschreiben kann, was diese als humorvoll empfinden. Ich als Karikaturist und Mitglied der „ad rem“ halte unsere Leser für deutlich gebildeter, alle Menschen für fähig, Kritik im eigenen Namen anzuführen, und es im Übrigen anmaßend, über Humor zu urteilen. Wer seine Freizeit dem wirklichen Kampf gegen wirres Gedankengut widmen möchte, möge ins benachbarte Radebeul gehen, wo offenbar gerade gegen ein Asylbewerberheim mobil gemacht wird, weil es zu nahe an einer Schule stehen würde.

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