Dual statt Vollzeit

Karikatur: Norbert ScholzVon Sabine Schmidt-Peter

Das Sächsische Kabinett streicht vollzeitschulische Ausbildungsgänge – betroffen ist unter anderem die Europäische Wirtschafts- und Sprachenakademie (ESW) Dresden.

Ende des vergangenen Jahres beschloss das Sächsische Kabinett, vollzeitschulische Ausbildungsgänge zugunsten des dualen Ausbildungssystems zu reduzieren. „In den 1990er-Jahren wurde in Sachsen ein breites Angebot an landesrechtlichen Berufsausbildungen geschaffen, um den geburtenstarken Jahrgängen an Schulabgängern eine vollwertige Berufsausbildung auch außerhalb des dualen Systems anbieten zu können“, führt die stellvertretende Pressesprecherin des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus (SMK), Dr. Susann Meerheim, dazu aus.

Reicht das duale System aus?

Angesichts des sich abzeichnenden Fachkräftebedarfs könne jedoch zukünftig davon ausgegangen werden, dass allen Jugendlichen betriebliche Ausbildungen im dualen System zur Verfügung stünden. „Das Angebot an zusätzlichen vollzeitschulischen Ausbildungsmöglichkeiten kann daher in Teilen reduziert werden“, begründet Meerheim den Kabinettsbeschluss. Betroffen von den Streichungen sind unter anderem die Berufsfachschulen für Technik und für Wirtschaft. Erhalten bleiben aufgrund fehlender Äquivalente in der dualen Berufsausbildung sowie aufgrund des bestehenden Fachkräftebedarfs hingegen die Berufsfachschulen für Pflegehilfe, für Sozialwesen und für Medizinische Dokumentation.

Unmittelbar nach der Beschlussfassung verkündete die Europäische Wirtschafts- und Sprachenakademie (EWS) Dresden ihr Aus. Nach über 20 Jahren wird sie nach dem Abschluss der laufenden Kurse 2015 ihre Türen schließen. Verantwortlich für die Schließung sei ebenjener Kabinettsbeschluss, der den vollzeitschulischen Ausbildungsgängen, wie sie an der EWS angeboten werden, ein Ende bereitet. Eine „ad rem“-Anfrage nach den konkreten Ursachen für die Schließung blieb seitens der EWS-Schulleitung allerdings unbeantwortet. Im SMK fühlt man sich für das Ende der EWS jedoch nicht verantwortlich. „Das SMK hat keine Schließungen von privaten Bildungsstätten beschlossen. Die Schließung der EWS Dresden wurde von der Geschäftsführung der Einrichtung verkündet“, sagt Meerheim.

Bei der Schülerinitiative „DIE Aktion“, die im November 2012 gegründet wurde, um den Protest gegen die Streichungen zu organisieren, sieht man das anders: „Keine Schule, die spezialisiert arbeitet, kann sich auf diese Änderungen einstellen“, erklärt Mona Schwede, Schülerin der EWS Dresden und Leiterin der Initiative. Die EWS hat sich auf die Ausbildung von Wirtschaftsassistenten mit Vertiefungsrichtungen wie Marketing, Event und BWL spezialisiert. Andere Felder, mit denen sie auch nach der Streichung des Ausbildungsgangs des Wirtschaftsassistenten weitermachen könnte, gibt es nicht. „Entsprechend sehen wir die Schließung der EWS in einem direkten Zusammenhang mit dem Beschluss des Sächsischen Kabinetts“, argumentiert Schwede.

Auch die Tatsache, dass im vergangenen Jahr rund 1 100 duale Ausbildungsplätze in Sachsen unbesetzt blieben, steht für die Initiative in keinem Verhältnis zu den Streichungen von fast 13 000 reinschulischen Ausbildungsplätzen. Obwohl der Kabinettsbeschluss bereits in Kraft ist, wollen sich die Mitglieder von „DIE Aktion“ noch nicht geschlagen geben. Nach einer Demonstration im vergangenen Dezember planen sie auch für die kommenden Monate weitere Aktionen, um auf sich aufmerksam zu machen.

Zur Karikatur: An der Europäischen Wirtschafts- und Sprachenakademie Dresden ist 2015 Schluss, aus, vorbei!
Karikatur: Norbert Scholz

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