Maskottchen mal anders

Foto: Norbert ScholzVon Norbert Scholz

Ob Löwe, Pinguin oder Hühnchen: In Dresden findet die dritte Maskottchen-Catchen-Weltmeisterschaft statt.

Sonst sieht man sie durch Einkaufspassagen wackeln, Kinder bespaßen oder für knuffige Fotos posieren. Sie sollen fiesen Banken ein freundliches Gesicht geben – oder über den Weg des Abwassers aufklären. Aber diese ewigen Grinsegesichter haben eine dunkle, gewalttätige Seite. Und die wollen sie zum Faschingsdienstag ausleben. So zumindest ließen es die Veranstalter der Maskottchen-Catchen-Weltmeisterschaft in Dresden verlauten.

Als Ulli Gulli unterwegs in kuschliger Mission

2004 geschah das rabiate Aufeinandertreffen der Maskottchen noch im ganz kleinen Rahmen zu einer internen Betriebsfeier der Firma Waterloo Produktion. Ein Jahr später aber wurde die erste öffentliche Maskottchen-CatchenWM ausgerufen. Und nun sind aus den ehemals vier Kontrahenten im Jahre 2004 über zwanzig mutige Pelzköpfe geworden, die als kultureller Höhepunkt zum diesjährigen Faschingsfest im Dresdner Parkhotel aufeinandertreffen.

Und so soll das Ganze ablaufen: Wie aus dem fernen Amerika überliefert, steigen die Kontrahenten in einen Ring, um sich mit allen Mitteln und einer emotional aufgeheizten Show gegenseitig den Garaus zu machen. Mit dabei ist natürlich der Champion der letzten WM: Ulli Gulli von der Stadtentwässerung Dresden. Unter dem grauen Dachspelz verbirgt sich der 35-jährige Patrick Ament. Er studiert Sozialpädagogik an der TU Dresden. „Ich mache schon seit vielen Jahren Führungen für Kinder und andere Interessierte im städtischen Klärwerk. Als das Maskottchenkostüm 2007 in die Firma kam, war ich als Freiwilliger schnell zur Stelle. Und weil der Chefetage meine Darbietung als Ulli Gulli gefiel, bin ich seitdem in kuschliger Mission unterwegs“, erklärt Ament. Als solcher hat er auch am größten Maskottchentreffen Europas in Karlsruhe teilgenommen und damit einen Eintrag im Guinessbuch der Rekorde miterkämpft. „Die Umwelt reagiert auf meine Tätigkeit mit einer Mischung aus Ehrfurcht und Mitleid – gerade im Sommer. Aber meinen Job mache ich, solange ich gebraucht werde“, sagt er stolz.

Es winken Ruhm und Ehre

Und heiß wird es tatsächlich unter so einem Kostüm, besonders, wenn man zu ausgefeilten Choreografien gegeneinander im Ring kämpfen muss. Doch am Ende lockt dem Gewinner eine Menge Ruhm, denn die alkoholgetränkten Massen feiern den Wettkampf erfahrungsgemäß frenetisch mit. Und auch aus studentischer Sicht ist der Fasching ja interessant, denn es können „Studien im Bereich Biochemie, Soziologie und Sexualkunde getätigt werden“, wie ein anonymer Mitarbeiter verrät.

Parkhotel Dresden: Maskottchen-Catchen-WM zum Fasching am 12. Februar (20 Uhr).

Zum Foto: Bei der Maskottchen-Catchen-Weltmeisterschaft spielen sich illustre Szenen ab.
Foto: Norbert Scholz

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