Eine Stadt macht sich bereit

Foto: Amac Garbe, ein-satz-zentrale.deVon Juliane Bötel

Blaue und pinke Plakate weisen seit einiger Zeit darauf hin – die Stadt und viele Organisationen rufen zu Protesten gegen Rechts auf.

Ein Thema, an dem man im Dresdner Winter genauso wenig vorbeikommt wie an Prüfungen und Kälte, ist der 13. Februar. Auch der Studentenrat (StuRa) der Technischen Universität Dresden hat sich erneut dieses Themas angenommen und eine Veranstaltungsreihe rund um den 13. Februar gestartet. „Durch sie soll der historische Hintergrund mit aktuellen gesellschaftlichen Dynamiken in Verbindung gebracht werden“, sagt Hans Schmitt, Mitglied der Projektgruppe „1302“ des StuRa. Die Annäherung an dieses Thema geschieht auf viele Arten und durch verschiedene Referenten.

Nationalsozialistische Versammlung am 13. Februar

Nach Informationen der Stadt liegt für den diesjährigen 13. Februar in Dresden wieder die Anmeldung einer Versammlung nationalsozialistischer Gruppen vor. Gegen diese richten sich, wie in den vergangenen Jahren, eine Reihe zeitgleich stattfindender Veranstaltungen, vorrangig organisiert von der städtischen Arbeitsgruppe 13. Februar (AG 13. Februar) und dem Bündnis „Nazifrei! –  Dresden stellt sich quer“ (Bündnis Dresden Nazifrei).

In der AG 13. Februar sind die Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU), die Fraktionen von SPD, CDU, FDP, Freie Bürger, Die Linke sowie Bündnis 90/Die Grünen, Kirchen, die Jüdische Gemeinde Dresden und zahlreiche Vereine vertreten. Sie haben sich auf einen gemeinsamen Umgang mit der Erinnerung an die Zerstörung Dresdens 1945 verständigt – unter dem Motto „Mut, Respekt und Toleranz“.

Zum einen soll auf dem Dresdner Heidefriedhof sowie mit Andachten und Konzerten den Opfern des Nationalsozialismus gedacht werden. Daneben sind die Dresdner aufgefordert, sich an einer Menschenkette zu beteiligen, die durch die gesamte Innenstadt führen wird. „Die Menschenkette hat sich zu einem wichtigen Bestandteil der Gedenkkultur entwickelt“, sagt Helma Orosz. Mit ihr soll zudem der Protest gegen rechtsextremistische Demonstrationen ausgedrückt werden. Im Aufruf der AG 13. Februar heißt es: „Im Erinnern an das Geschehene, im Engagement für Demokratie werden wir mangelnden Respekt vor der Menschenwürde anderer und nationalsozialistisches Gedankengut nicht hinnehmen.“ Im vergangenen Jahr beteiligten sich Tausende Dresdner an der Menschenkette und stellten sich hinter diese Aussage.

Auch das Bündnis Dresden Nazifrei hat zahlreiche Unterstützer hinter sich. Dazu zählen verschiedene Abgeordnete, Künstler und regionale sowie überregionale Vereine aus den verschiedensten gesellschaftlichen Bereichen. Das Bündnis organisiert am 13. Februar zum einen den Mahngang „Täterspuren“, der für die Geschichte Dresdens während des Nationalsozialismus sensibilisieren soll. „Andererseits werden wir eine Naziaktion an diesem Tag blockieren“, sagt Silvio Lang, Sprecher des Bündnisses. Daher lautet das diesjährige Motto auch „Nicht lange fackeln – Nazis blockieren“.

Gleiche Ziele, andere Umsetzung

Das Bündnis Dresden Nazifrei und die AG 13. Februar verfolgen die gleiche Intention. „Beide wenden sich gegen Rechtsextremismus allgemein und gegen den rechtsextremistischen Missbrauch des 13. Februar in Dresden“, sagt Frank Richter, Moderator der AG 13. Februar. Nur in der Umsetzung dieses Anliegens unterscheiden sie sich. Anfang Januar trafen sich Vertreter der AG 13. Februar und des Bündnisses Dresden Nazifrei. Beide Seiten zollten dabei einander Respekt für die Entscheidung zu ihrer jeweiligen Aktions- und Protestform.

„Beide lehnen Gewalt als Mittel der politischen Auseinandersetzung ab“, erklärte Richter kurz nach diesem Gespräch. Eine Aussage, die das Bündnis auf seiner Internetseite später dementierte. „Wir haben gegenüber Frank Richter nicht das Zugeständnis gemacht, in diesem Jahr ‚gewaltfreie‘ Aktionen zu organisieren“, heißt es dort – aber auch, dass von ihnen keine Eskalation ausgehe. Wie auch immer man aber nun Protest für sich selbst definiert: Es gibt an diesem Tag genug Möglichkeiten, zu zeigen, welche Art von Gesellschaft man unterstützt.

Menschenkette am 13. Februar: Auftakt am Rathaus um 17 Uhr, Zusammenschluss um 18 Uhr.

Netzinfos: www.stura.tudresden.de/1302; www.13februar.dresden.de; www.dresden-nazifrei.com

Zum Foto: Ein Ort des friedlichen Gedenkens am 13. Februar: die Dresdner Frauenkirche.
Foto: Amac Garbe

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