Das Studentenwerk sucht sein Geschirr

Foto: Amac Garbe, ein-satz-zentrale.deVon Janine Kallenbach

Das Dresdner Campusradio hat Anfang Januar eine Rückrufaktion für Mensageschirr gestartet, weil dem Studentenwerk Dresden langsam die Teller ausgehen.

Es ist ein Horrorszenario: In der Mensa gibt es keinen Kuchen mehr! Oder nur noch Kuchen am Stiel. Und das alles, weil die Kuchenteller weg sind.

So zumindest stellten sich das der stellvertretende Chefredakteur Tobias Krautwer und seine Kollegen vom Campusradio Dresden vor, als das hiesige Studentenwerk im Dezember 2012 im hauseigenen Magazin davon berichtete, dass es in der Alten Mensa nur noch fünfzehn Kuchenteller gibt. Bei der letzten Zählung im Juni desselben Jahres waren es noch 150. Kurz darauf teilte das Studentenwerk mit, dass ihm jährlich Geschirr im Wert von 18 000 Euro verlustig gehe.

Studenten zahlen Neuanschaffungen

„Das ist eine immense Summe“, sagt der 23-jährige Krautwer, der im elften Semester Chemieingenieurwesen an der TU Dresden studiert. Eine Summe, die letztlich alle Studenten begleichen müssen, wenn die Kosten für Neuanschaffungen auf sie umgelegt werden. „Das Beispiel führte zu den kuriosesten Szenarien, aber auch zu dem Wunsch, auf die Situation aufmerksam zu machen“, erzählt Krautwer. „Schließlich sind wir auch gerne einmal Aktionsplattform.“ So wurde in den Räumen des Campusradios eine Sammelstelle eingerichtet, bei der ganz anonym und ohne Fragen Geschirr und Besteck zurückgegeben werden können. Der Studentenrat der TU Dresden hat sich der Aktion angeschlossen und ebenfalls eine Sammelstelle eingerichtet.

„Wir waren überrascht, wie schnell und heftig darauf reagiert wurde“, sagt Tobias Krautwer. Selbst der Mitteldeutsche Rundfunk hat mittlerweile darüber berichtet. Das Studentenwerk selbst begrüßt die Aktion. „Wir sind gespannt, wie viel Geschirr wieder zurückgebracht wird“, sagt die Pressesprecherin des Studentenwerks, Dr. Heike Müller. Die Aktion läuft noch bis zum 31. Januar. Danach will das Campusradio eine Übergabe organisieren. In welchem Rahmen, steht noch nicht fest. Im Moment hat das Sammeln des Geschirrs Vorrang. Und so kreisen Krautwers Gedanken immer wieder darum, wie man noch mehr Leute erreichen könnte. Vielleicht mit einem Aushang in den Instituten. „Ich habe viele Mitarbeiter beobachtet, die gerne mal ihre Kaffeetassen in die anliegenden Universitätsgebäude mitnehmen“, erzählt er. Auf die Frage, ob er selbst schon mal eine Tasse oder einen Teller mitgenommen habe, antwortet er mit einem kategorischen Nein.

Eine sinnvolle Lösung des Problems hat das Studentenwerk bislang nicht gefunden. „Es gibt nur die Pfandmöglichkeit, und da ist der Aufwand für uns sehr groß und steht in keinem Verhältnis zum Verlust“, sagt Müller. Sie kann nur an die Ehrlichkeit der Studenten und Hochschulmitarbeiter appellieren. In der Sammelstelle beim Campusradio wurden bisher vor allem Kaffeetassen abgegeben. „Aber auch einer von den berüchtigten Kuchentellern“, sagt Krautwer grinsend.

Zum Foto: Tobias Krautwer vom Campusradio Dresden sorgt sich ums Geschirr der Mensen.
Foto: Amac Garbe

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