Neues Hochschulgesetz gefährdet Semesterticket

Karikatur: Norbert ScholzVon Juliane Bötel

Die Änderungen des Sächsischen Hochschulgesetzes sind seit diesem Jahr in Kraft. Neuerungen stehen dadurch auch beim Semesterticket an.

Das frühlingshafte Wetter hat sich verabschiedet. Da bleibt das Fahrrad im Keller und der Weg zur Vorlesung wird mit Bus oder Bahn bestritten. Dank des Semestertickets muss dabei kein Gedanke an eine Fahrkarte aufkommen.

„Das Ticket ist naturgemäß ein Service unseres Studentenrates“, erklärt Martin Kamke, Semesterticketbeauftragter des Studentenrates der Dresdner Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW). Es ist zudem sachsenweit nutzbar. Die Verhandlungen und Vereinbarungen mit dem Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) übernehmen die jeweiligen Studentenräte der Hochschulen. Neben denen der HTW haben auch die studentischen Vertreter der TU Dresden, der Palucca Hochschule für Tanz, der Evangelischen Hochschule, der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber, der Hochschule für Bildende Künste und der Fachhochschule Dresden einen Vertrag mit dem VVO.

Kein Solidaritätsprinzip mehr

„Unser derzeitiger gemeinsamer Vertrag mit dem VVO läuft noch bis zum Ende des Sommersemesters 2013“, sagt Kamke. Eine naht- und problemlose Weiterführung dessen könnte die Änderung des Sächsischen Hochschulgesetzes, die am 1. Januar in Kraft getreten ist, erschweren. Durch sie ist es Studenten nun möglich, aus der verfassten Studierendenschaft auszutreten. Als Folge zahlt er keinen Studentenschaftsbeitrag mehr. Über diesen wird die Arbeit der studentischen Vertretungen und das Semesterticket finanziert. Der Beitrag zur Studentenschaft stellt an der TU Dresden mit 149,80 Euro den Großteil des insgesamt für das kommende Semester zu zahlenden Semesterbeitrag von 221,30 Euro dar.

„Die Beitragsordnung der verfassten Studentenschaft entfaltet keine Wirkung mehr auf ausgetretene Studenten“, erläutert Christian Soyk, Referent Semesterticket im Studentenrat der TU Dresden, das Problem. Somit entfällt für jene auch die Nutzung des Semestertickets. „Das Semesterticket ist in der Höhe des Preises so berechnet, dass alle Studierenden es kaufen müssen“, erklärt Soyk. Darum erwerben derzeit alle, die an einer Dresdner Hochschule immatrikuliert sind, das Semesterticket automatisch mit ihrer Rückmeldung zum neuen Semester. Wer zur Vorlesung lieber mit dem Fahrrad fährt, finanziert die Vergünstigungen für Kommilitonen, die den Bus nehmen, mit. Nutzen aber bald nur noch diejenigen das Semesterticket, für die es sich wirklich lohnt, gerät die Preiskalkulation ins Wanken.

„Das Semesterticket wird aufgrund des neuen Hochschulgesetzes nicht automatisch wegfallen, denn der Studentenrat kann natürlich weiter mit dem Verkehrsverbund verhandeln“, sagt Nico Tippelt, hochschulpolitischer Sprecher der FDP im Sächsischen Landtag. Seiner Aussage nach könnte aber auch ein anderer Vertragspartner, beispielsweise das Studentenwerk, die Verhandlungen mit dem VVO übernehmen. Seit einiger Zeit beraten Hochschulvertreter, das Studentenwerk und Mitglieder der Studentenräte mit den Verkehrsunternehmen über die zukünftige Ausgestaltung des Semestertickets. „Wir hoffen, noch im ersten Quartal dieses Jahres erste Eckpunkte zu fixieren“, sagt Christian Schlemper, Pressesprecher des VVO. Nach Aussage von Kim-Astrid Magister, Pressesprecherin der TU Dresden, wird es auch erst ab dem kommenden Wintersemester an der TU Dresden möglich sein, aus der verfassten Studentenschaft auszutreten. Bis dahin bleibt noch Zeit, um die Gesamtkonzeption des Semestertickets neu zu gestalten, so dass die Interessen aller Studenten einbezogen sind.

Zur Karikatur: Für den Weg zur Uni gibt es Alternativen zu Bus und Bahn.
Karikatur: Norbert Scholz

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