In Gorbitz wartet eine Ausstellung über die DDR-Bauweise

Foto: Amac GarbeVon Susanne Magister

Mit der Architekturausstellung „Utopien im Städtebau – Modernes industriell gebaut“ in einer ostalgisch eingerichteten Plattenbauwohnung sollen Besucher ins touristisch sonst eher wenig attraktive Gorbitz gelockt werden.

Der Lehramtsstudent Ralf Kahlmann ist einer der zwei Kuratoren einer besonderen Architekturschau. Er wohnt zwar nicht im Dresdner Stadtteil Gorbitz, kennt sich aber mit und in Wohnblöcken gut aus. „Ich bin ursprünglich aus Berlin und dort auch in der Platte groß geworden“, erzählt der 30-Jährige.

Der Lehramtsstudent für Kunst und Geschichte an der TU Dresden ist mehr durch Zufall zu der Ausstellungsbeteiligung gekommen. Sein Mitkurator Mathias Körner ist überzeugter Gorbitzer und beschäftigt sich im Rahmen der Gorbitzer Bürger Initiative „GoBI“ privat schon länger mit der DDR-Bauweise, speziell mit dem für die Plattenbauten typischen Bautypus „WBS 70“. Ralf Kahlmann bot ihm an, eine Ausstellung auf der Grundlage seiner Recherchen zu entwickeln.

Herausgekommen ist eine vielschichtige Schau, die nicht nur die spezielle DDR-Plattenbauweise dokumentiert. Andere Dresdner DDR-Baudenkmäler wie der sogenannte Fresswürfel am Zwinger wurden ebenso in den Fokus gestellt wie unrealisierte beziehungsweise utopische Projekte der Stadtplanung, darunter ein Riesenhochhaus in Rathaussichtnähe. Interessant wird das Konzept zudem durch den glücklichen Umstand, dass die Initiatoren bei ihrer Suche nach Ausstellungsräumlichkeiten letztlich als Notlösung auf die Privatwohnung Körners zurückgreifen mussten. Die Ausstellungsstücke, Modelle und Dokumentationen sind hier zwischen originales Wohninventar aus der DDR-Zeit platziert worden. Ralf Kahlmann wollte damit einen Gesamteindruck schaffen, keinen Seziertisch der Ausstellungsfragmente. „Ich habe mehr die Erlebnisvariante gewählt“, erklärt er. „Was gibt es besseres, als die Sachen hier so direkt vor Ort zu sehen?“

Ralf Kahlmann, der vorher noch keine Ausstellungen kuratiert, dafür aber unzählige gesehen hat, hofft, dass sich auch Studenten nach Gorbitz wagen werden und sich unter die bunte Besucherzielgruppe mischen. „Das ist die Gelegenheit, mal einen Plattenbau zu betreten, ihn von außen und innen kennenzulernen. Dabei gibt es viele spannende Dinge zu entdecken“, verspricht er.

Die Architekturausstellung „Utopien im Städtebau – Modernes industriell gebaut“ in Dresden-Gorbitz (Harthaer Straße 20) kann am 3. & 15. Januar (16 bis 20 Uhr) und am 10. Januar (18 bis 20 Uhr) für einen ermäßigten Euro besichtigt werden. Im Januar soll es außerdem „Pantoffelkino“ geben, zu dem Dokumentarfunde aus dem Netz zur Ostmoderne gezeigt werden. Reservierung per Telefon: 0179 7482466;

Netzinfos: www.industriellmoderne.wg.vu

Zum Foto: Ralf Kahlmann kuratiert eine Ausstellung über „Utopien im Städtebau“ in Gorbitz.
Foto: Amac Garbe

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