Plagiatsvorwürfe belasten Juniorprofessorin

Von Katrin Mädler

Nach Plagiatsvorwürfen verließ die Juniorprofessorin Nina Haferkamp im September das Institut für Kommunikationswissenschaft (IfK) der TU Dresden.

Am 7. Juli 2012 postete Dr. Stefan Weber, selbsternannter Plagiatsjäger, das erste Mal von „dreisten Übernahmen“ in der Dissertation von Nina Haferkamp.

Anderthalb Jahre zuvor hatte Haferkamp mit 28 Jahren die  Juniorprofessur Emerging Communications and Media an der TU Dresden übernommen. Ihre Dissertation von 2009 heißt „Sozialpsychologische Aspekte im Web 2.0“. Darin untersucht sie Soziale Netzwerke, darunter StudiVZ, XING oder Facebook. Nach den Vorwürfen durch Dr. Weber entschloss sich die Uni Duisburg-Essen zu einer Prüfung. Noch vor dem Ergebnis legte Haferkamp ihre Professur nieder. Bis zum endgültigen Urteil kann es Monate dauern.

Die Vertrauensperson für gute wissenschaftliche Praxis an der Uni Duisburg-Essen, Prof. Günter Törner, sorgt sich unabhängig vom Fall Haferkamp um die Nachwuchswissenschaftler. „Viele Personen wollen nicht wirklich betrügen. Sie haben interessante Beiträge, aber sie arbeiten schlampig und das kann sich ein Wissenschaftler nicht leisten.“

Täuschung oder Schlampigkeit?

Auch Dr. Weber unterscheidet zwischen Täuschung und Schlampigkeit. „Wer unsauber arbeitet, hat noch nicht getäuscht. Nach Überprüfung hunderter Qualifikationsschriften schätze ich, dass in mindestens der Hälfte unsauber zitiert wurde und ein bis zehn Prozent enthalten wesentliche Plagiatsstellen“, sagt er. Auf seinem Blog findet sich eine Gegenüberstellung von Textbeispielen aus Haferkamps Dissertation und soziologischen Lehrbüchern beziehungsweise Wikipedia. Die Juniorprofessorin hat einzelne Passagen wortgetreu übernommen oder nur einzelne Wörter verändert. Jeder kann das in den angegebenen Büchern nachschlagen. Es fällt schwer, dahinter lediglich eine unachtsame Arbeitsweise zu sehen.

Dr. Weber, ebenfalls habilitierter Kommunikationswissenschaftler, könnte als freier Sachverständiger für Plagiatsprüfung von den Entwicklungen profitieren, die er angestoßen hat. Einige werfen ihm diese Geschäftstüchtigkeit vor und verweisen auf den heiklen Umstand, dass er sich auch für Haferkamps Professorenstelle beworben hatte. Er hingegen rät den Hochschulen schlankere Qualifikationsarbeiten
einzuführen. „Wir haben nichts von 300 Seiten Dissertation, bei denen der Theorieteil zu wesentlichen Teilen abgeschrieben wurde und der Empirieteil nach wenigen Monaten überholt ist. Das sind Fingerübungen und keine Wissenschaft, die uns voranbringt.“ Momentan beschäftige Weber sich mit einer weiteren Dissertation eines Mitarbeiters vom IfK, bei der ihm eine unsaubere Zitierweise aufgefallen sei. Bei seiner Arbeit benutze er die Plagiatssoftware PlagScan, einige Tricks und sein Gespür.

Podiumsdiskussion an der TU

An der TU Dresden scheint der Fall Haferkamp abgehakt. „Frau Haferkamp hat nicht bei uns promoviert. Wir haben keine Möglichkeit, bei Personaleinstellungen die gesamte bisherige Arbeit zu kontrollieren. Was die Sicherheit im eigenen Haus betrifft, versuchen wir nach höchsten wissenschaftlichen Standards zu arbeiten“, sagt die Pressesprecherin der TU, Kim-Astrid Magister. So würden bereits Studenten mit den Grundlagen wissenschaftlichen Arbeitens vertraut gemacht. Außerdem werde nun an allen Instituten eine Software eingeführt, die Qualifikationsarbeiten prüfen könne.

Das IfK selbst beantwortet keine Fragen, sondern reagiert stattdessen mit der Podiumsdiskussion „Plagiate in der Wissenschaft: Definitionen, Formen und Ursachen“ am 5. November (18.30 Uhr) im Hörsaalzentrum der TUD (HSZ 3), bei der neben dem Institutsleiter Prof. Wolfgang Donsbach auch Dr. Weber Teilnehmer sein wird.

Zum Foto: Nina Haferkamp steht unter Plagiatsverdacht und hat die Juniorprofessur an der TUD aufgegeben.
Foto: Amac Garbe

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