An die Nadeln, fertig, los!

Von Janine Kallenbach

Ein eingestrickter Mülleimer, ein Schal für den Goldenen Reiter oder bunter Geländerschmuck auf der Brücke über der Bergstraße. In Dresden taucht immer mal wieder Strickguerilla auf.

Manche stricken zu Hause in aller Ruhe einen Schal für sich, andere lieber für den Goldenen Reiter in Dresden. Im vogtländischen Plauen gab es im Juni sogar das Projekt „Stricken in der historischen Straßenbahn“. „Viele ältere Damen haben dort dem ‚jungen Gemüse‘ das Stricken beigebracht“, erzählt Theresia Schumann von der Kindersachen-Tauschbörse „Knirpsenbox“ in Plauen. Stricken liegt eben voll im Trend, aber nicht nur für sich selbst, sondern auch als Protestbewegung.

So hat auch das Dresdner „Louisen Kombi Naht“, eine basisdemokratisch organisierte Ateliergemeinschaft von Modedesignerinnen, Gewandmeisterinnen und Kostümgestalterinnen (siehe „ad rem“ 3.2012 vom 25. Januar), ein  ehrgeiziges Projekt auf die Beine gestellt. Stricken gegen Krieg und Gewalt! Die Diplom-Politikwissenschaftlerin und Geschäftsführerin von „Louisen Kombi Naht“, die 30-jährige Kristina Krömer, und die Vorsitzende des Vereins, die 28-jährige Barbara Niklas, die an der TU Dresden gerade ihr Diplom in Psychologie schreibt, fassen ihr Projekt in einem Satz zusammen: „Wir werden ab September einen Panzer einstricken!“ Das scheint eine gewaltige Aufgabe zu sein, doch beide sind voller Tatendrang und Vorfreude. Schon jetzt sei die Nachfrage von fleißigen Strickerinnen groß, doch es können nie genug sein, sagt Krömer.

„Masche für Masche arbeiten wir gemeinsam daran, dass sich das symbolische Netz einer friedlichen Gesellschaft um den Panzer legt und seine zerstörerische Kraft in unserem Wollgeflecht verstrickt wird“, beschreibt Niklas das Projekt. Pünktlich zum 13. Februar 2013 soll dann die Maschenhülle über den Panzer gezogen werden. Jenen Panzer, den sie vom Militärhistorischen Museum Dresden zur Verfügung gestellt bekommen und der auch dort ausgestellt wird.

„Die Idee kam bei unserem laufenden Projekt ‚Tu Du‘, einem generationsübergreifenden Handarbeitskreis, auf“, erzählt Krömer. Nach und nach wurde aus der Idee ein Projekt mit dem Ziel, auch auf diesem Weg Senioren und junge Erwachsene miteinander zu verbinden. Damit jene, die weit von Kriegsgeschehnissen entfernt aufgewachsen sind, mit noch lebenden Zeitzeugen in Kontakt treten können. Ganz nebenbei können all diejenigen, die keine Ahnung vom Stricken haben, es lernen. Und fleißige Stricker werden gebraucht. Zweimal in der Woche sollen die Nadeln glühen. Und auch bei einem monatlichen Themenabend soll nicht nur diskutiert, sondern auch jede Menge Maschen angeschlagen werden.

„Ein paar Stricknadeln haben wir schon zusammen und auch schon Wollspenden aus der gesamten Republik“, sagt Krömer. Aber gebraucht wird noch mehr. Grinsend erzählt sie, was ein älterer Herr ausgerechnet hat: Etwa 30 bis 40 Kilo Wolle brauchen sie für den Panzer.

Los geht’s am Montag (17.9., 17.30 Uhr) in der scheune Dresden.

Netzinfos: geflechtsbereit.de

Zum Foto: Barbara Niklas und Kristina Krömer (v. l.) stricken in Dresden einen Panzer ein.
Foto: Amac Garbe

HÄKELBUCHTIPP.

Debbie Stoller: Maschenware. Mosaik bei Goldmann Verlag 2007. 300 Seiten. 12,95 Euro.
Stricken und Häkeln ist nur was für alte Omis? Ganz bestimmt nicht! Stricken und Häkeln liegt voll im Trend und ist längst vom altmodischen Staub befreit. Einen Einstieg ins Häkeln bietet Debbie Stollers „Maschenware“. Schritt für Schritt weist sie Neulinge in die Geheimnisse von Nadeln, Wolle und Luftmaschen ein. Im ersten Teil erklärt sie verständlich und mit Bildern veranschaulicht die verschiedenen Häkeltechniken. Im zweiten Teil kommen die wirklich spannenden Sachen: Häkelanleitungen für Hüte, Schals, Röcke, Schmuck oder Pullover. Für jeden Geschmack ist etwas dabei. Und es ist ganz einfach. Also ran an die Nadeln!

About these ads