Die OSTRALE vereint Kunst aus aller Welt
Von Susanne Magister
Das internationale Kunstfestival OSTRALE auf dem Gelände des alten Dresdner Schlachthofs im Ostragehege vereint 245 Künstler und vernetzt Kunsthochschulen aus aller Welt.
Die sechste Ausgabe der inzwischen – auch dank eines nun endlich langfristig erhaltenen Mietvertrages – weithin renommierten Ausstellung OSTRALE steht unter dem Motto „homegrown“. Sie setzt den Fokus also auf das selbst Angebaute, Gezogene und stellt damit kontextuelle Fragen nach der Verortung kreativer Impulse.
„Es geht darum, wie eine Gesellschaft mit ihrem Eigengewicht umgeht, in diesem Fall mit zeitgenössischer Kunst“, erklärt Martin Müller, einer der Kuratoren der OSTRALE und Leiter von „International Art Moves“ (IAM). Das Projekt IAM hat sich der Vernetzung von bisher 32 Kunsthochschulen verschrieben. In diesem Jahr dürfen Kunststudenten aus Indonesien, Kroatien, Polen, Peru, Spanien, Montenegro und Hongkong auf der OSTRALE ihre Werke als eine Art „reality check“ neben die etablierten Positionen stellen. Eigentlich sollten es acht Länder sein. Doch die Studenten aus dem Libanon haben leider nicht rechtzeitig ein Visum bekommen. „Hier wird auch der politische Aspekt einer solchen Vernetzung deutlich“, bedauert Müller.
Zuzanna Dyrda und Marta Dachowska aus Wrocław (Breslau) haben in einem der beiden für die IAM-Studenten reservierten Räume ihre Installation aufgebaut. Gemeinsam mit sechs weiteren polnischen Kunststudenten näherten sie sich im Vorfeld an das Thema „homegrown“ an. Workshops mit OSTRALE-Organisatoren begleiteten die Arbeit. Sie entschieden sich für die Konstruktion eines offenen Hauses mit klassischer Raumaufteilung, in dem alles betret- und benutzbar ist. Die Gestaltung teilten sie untereinander auf. Die 25-jährige Zuzanna Dyrda wählte das Kinderzimmer und kombinierte Kinderkritzeleien mit einem Kreis aus bäuchlings schlafenden Teddys. Dabei habe sie frühe Kindheitserinnerungen mit einfließen lassen, erzählt sie. Marta Dachowska gestaltete die Küche und verwendete dafür Vasen aus Eigenkreation und ein traditionelles Brotrezept als Wanddekoration.
Das Besondere am Konzept des IAM-Projekts fasst Dachowska so zusammen: „Wir mussten alles selber durchführen. Wir wurden zu Kuratoren, Organisatoren und Künstlern in einer Person – oder besser in einer Gruppe.“ Neben der tollen Erfahrung des internationalen Austauschs während der Künstlercamps freuen sich die Studentinnen auch auf die Resonanz der OSTRALE-Besucher – schließlich ist es ihre erste Beteiligung bei einer so großen Kunstausstellung.
Bis 16. September im Dresdner Ostragehege; geöffnet Di.–Do. & So. 11–20 Uhr, Fr. & Sa. 11–22 Uhr; Eintritt ermäßigt neun Euro, jeden Di. 11–15 Uhr für Studenten fünf Euro.
Netzinfos: www.ostrale.de
Zum Foto: Die polnische Studentin Marta Dachowska zeigt auf der OSTRALE im Rahmen des Hochschulaustauschprojekts „International Art Moves“ Kunst in der Küche.
Foto: Amac Garbe