Die TU Dresden kann beim CHE-Ranking einen weiteren Erfolg verzeichnen

Von Anja Hilliger

Beim CHE-Hochschulranking haben die Fachrichtungen Biologie, Chemie, Physik, Geographie, Zahnmedizin und Medizin der TU Dresden gepunktet. Einen Wandel bringt das nicht.

Man könnte sich daran gewöhnen: Im April veröffentlichte die Zeitschrift Wirtschaftswoche das Ergebnis einer Befragung unter Personalchefs, bei dem TU-Absolventen als besonders gefragt eingestuft wurden. Vor allem Absolventen der Fächer Wirtschaftsingenieurwesen, Wirtschaftsinformatik, Maschinenbau, Elektrotechnik, Informatik und Naturwissenschaften stehen demnach hoch im Kurs.

Nun folgte der nächste Erfolg für die TU Dresden. Beim CHE-Hochschulranking, das Orientierungen in Medizin, Sport- und Naturwissenschaften gibt, schneidet die größte sächsische Hochschule in den Fachbereichen Biologie, Chemie, Physik, Geographie, Medizin und Zahnmedizin erfolgreich ab. Das Hochschulranking des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) wird von der Wochenzeitung DIE ZEIT herausgegeben und ist das umfassendste Ranking deutscher Universitäten und Fachhochschulen. Es umfasst 37 Fächer und spricht damit über 75 Prozent aller Studienanfänger an.

Neben Fakten zu Studium, Lehre, Ausstattung und Forschung umfasst das Ranking Urteile von über 250 000 Studierenden über die Studienbedingungen an ihrer Hochschule sowie Professorenmeinungen. Chemie punktete im Ranking mit der Ausstattung der Praktikumslabore. Patrick Mélix vom Fachschaftsrat (FSR) Chemie der TU Dresden hat dennoch Zweifel: „Ich sehe das Hochschulranking insgesamt eher kritisch, da die Daten nicht wirklich aussagekräftig sein können. Die Studenten haben meist keine Vergleichsmöglichkeiten und die Profs reden kaum ihren Standort schlecht.“

Stellenkürzungen trotz Erfolg

Ein richtiger Grund zur Freude ist das Ergebnis also nicht. Denn auch die Stellenkürzungen im Hochschulbereich sind deshalb nicht vom Tisch. Auf „ad rem“-Nachfrage, ob sich das neuerliche positive Ergebnis auf die geplanten Stellenkürzungen auswirke, fällt die Antwort von TU-Pressesprecherin Kim-Astrid Magister kurz aus: „Eher nicht.“

Bis 2015 sollen laut sächsischer Landesregierung 300 Stellen an den sächsischen Hochschulen gekürzt werden, davon rund ein Drittel an der TU Dresden. Tritt das ein, ist die Lehre – und damit auch die guten Ergebnisse bei Rankings – in vielen Studiengängen gefährdet. Patrick Mélix verdeutlicht es: „Die Kürzungen würden bei uns zwei komplette Professuren betreffen, die Technische Chemie und eine Physikalische Chemie. Damit fällt ein sehr praxisrelevanter Bereich komplett aus dem Studium und auch der Studiengang für Chemieingenieure, die derzeit überall gesucht werden, würde fehlen. Das kann kaum als vorrausschauende Politik verstanden werden.“

Erst Anfang Mai demonstrierten 3 500 Schüler und Studierende unter dem Titel „Die Tage länger – die Mittel kürzer“ in Dresden gegen die Bildungskürzungen der sächsischen Landesregierung. Mélix ergänzt: „Die Qualität der Labore ist einflussreich in unserem praktikumsreichen Studiengang, die Lehre ist aber der Schwerpunkt und die wird finanziell komplett vernachlässigt. Die Lehrauslastungen sind extrem hoch und würden mit dem Wegfall der Professuren noch steigen. Das alles spiegelt das Hochschulranking nicht wider, und daher ist es nur mit Vorsicht zu genießen.“

Geisteswissenschaften außer Acht

Daneben gibt es einen weiteren Wermutstropfen. Während die Ingenieursstudiengänge und Naturwissenschaften an der TU Dresden einen Lorbeerkranz nach dem anderen abräumen, gilt den Geisteswissenschaften nicht so viel Aufmerksamkeit. „Beide Rankings haben die Geisteswissenschaften nicht untersucht“, weiß Kim-Astrid Magister. Die Datensätze für diese Fachbereiche sind beim CHE-Ranking deshalb nicht auf dem aktuellsten Stand. „Die einzelnen Fächer werden alle drei Jahre neu bewertet“, erklärt Vanessa Henrichs vom Centrum für Hochschulentwicklung. „Diesmal waren es die Naturwissenschaften. Germanistik und Geschichte beispielsweise sind nächstes Jahr wieder dran“, fügt Henrichs hinzu.

Gibt man beim CHE-Ranking als Suchbegriff Germanistik ein, findet sich die Studienrichtung derzeit in der Mittelgruppe bezüglich der Forschungsgelder wieder. Die Daten sind von 2010. Für Geschichte sind keine Ergebnisse gelistet. Soziologie ist bei der internationalen Ausrichtung zwar noch spitze, aber die Studiensituation und Methodenausbildung des Fachs beurteilten die befragten Studenten 2011 als so schlecht, dass sich das Fach in der Schlussgruppe wiederfindet. Ausruhen gilt für die TU bei allem Erfolg also nicht.

Netzinfos: www.che-ranking.de

Zur Karikatur: Ein Blick hinter die Ergebnisse des aktuellen CHE-Rankings offenbart Probleme an der TU Dresden.
Karikatur: Norbert Scholz

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