Brunhild Kurth ist Sachsens neue Kultusministerin und steht vielen Problemen gegenüber

Von Christine B. Reißing

Der Lehrermangel an Sachsens Schulen ist nach wie vor dramatisch. Ein Personalwechsel im Kultusministerium allein behebt das Problem keineswegs.

Jahrelang stand der Freistaat bei bundesweiten PISA-Vergleichen an der Spitze. Der 24-jährige Burkhard Naumann vom Fachschaftsrat Allgemeinbildende Schulen und Grundschulen an der TU Dresden sieht diesen Titel schwinden: „Sachsen kann sich von seinem Ruf als Bildungsland verabschieden.“

Der Streit um den Personalmangel in Sachsens Bildungssektor führte letztlich zum Rücktritt von Ex-Kultusminister Roland Wöller (CDU). Eine Nachfolgerin war schon zwei Tage später gefunden: Brunhild Kurth (parteilos), ehemalige Leiterin der Regionalstelle Chemnitz der sächsischen Bildungsagentur, hat Wöllers Platz eingenommen. Doch die Probleme bleiben. Das Bundesland leidet unter chronischem Lehrermangel. Sachsens Lehrerschaft ist überaltert und trotz wachsender Schülerzahlen fehlt es an Lehrernachwuchs. Trotzdem ist jüngst vom Kabinett sogar ein Einstellungsstopp für den öffentlichen Dienst verhängt worden.

Burkhard Naumann, selbst Lehramtsstudent für die Fächer Mathematik und Physik im zweiten Mastersemester, hofft auf Veränderungen: „Frau Kurth empfehle ich nun offene Augen und Ehrlichkeit beim Umgang mit uns als Nachwuchs. Beruflich gesehen gibt es nur noch wenig, was uns hier hält.“ Auch Martin Dulig, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag, erklärt: „Ob es aber der Staatsregierung tatsächlich gelingt, den Lehrerbedarf an Sachsens Schulen nachhaltig zu sichern, liegt einzig und allein in der Verantwortung des Ministerpräsidenten. Es ist die Aufgabe von Tillich, das unsägliche Gezerre zwischen Kultus- und Finanzministerium zu beenden und für eine ausreichende Anzahl hoch qualifizierter und hoch motivierter Lehrerinnen und Lehrer an Sachsens Schulen zu sorgen.“ Dirk Reelfs, Pressesprecher der CDU-Fraktion im Sächsischen Landtag, hält der neuen Ministerin ihre bisherige Arbeit zugute: „Bei Frau Kurth kommt hinzu, dass sie den Schulbereich aus allen Perspektiven kennengelernt hat. Sie weiß, wie Schule organisiert werden muss. Damit stehen die Chancen ausgesprochen gut, den drohenden Lehrermangel abzuwenden.“

Nicht nur Studierende zeigen sich unzufrieden mit der Bildungspolitik. Unter dem Motto „Bildet die Rettung! Rettet die Bildung!“ wurden Ende März landesweit Proteste organisiert. Der Stadtschülerrat Dresden und das Aktionsbündnis „Macht?Schule.Bildung!“ riefen zusammen mit der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und dem Sächsischen Lehrerverband (SLV) sowie dem Dresdner Kreiselternrat zu den Protesten auf. Allein in Dresden gingen über 3 000 Schüler auf die Straße.

Vertrauensschutz für Bachelor und Master

Selbst die Entscheidung, mit welchem Abschluss der dringend nötige Lehrernachwuchs an Sachsens Schulen eintrudelt, kann unterschiedlich ausfallen. Ab dem Wintersemester 2012/13 soll sachsenweit das Lehramtsstudium, das derzeit in Bachelor- und Master-Studiengängen organisiert ist, als modularisiertes Staatsexamen angeboten werden.

Trotzdem können Bachelor- und Masterstudenten ihr Studium mit den „alten“ Abschlüssen zu Ende führen. Mitte Februar dieses Jahres sprach Prof. Ursula Schaefer, Prorektorin für Bildung und Internationales an der TU Dresden, allen derzeitigen Lehramtsstudenten der TU Dresden den Vertrauensschutz aus. Die Universitätsleitung habe entschieden, dass „alle Studierenden, die derzeit im Bachelor- oder Masterstudium des Lehramts sind, ihr Studium in dem begonnenen Fach auch bis zum Masterabschluss zu Ende führen können, falls sie nicht in die neuen Staatsexamensstudiengänge wechseln können oder möchten.“

Zum Foto: Sitzen Sachsens Schüler bald ohne Lehrer in ihren Klassenzimmern?
Foto: Amac Garbe


LEHRAMTSINFOS.

  • Bildungspaket: Beim Lehrermangel könnte das Bildungspaket Abhilfe schaffen, das vor Weihnachten vom Koalitionsausschuss der sächsischen CDU und FDP beschlossen wurde. Bisher sind allerdings keine konkreten Umsetzungspläne vorhanden; die CDULandtagsfraktion überarbeitet das Paket derzeit. Vor Beginn der Sommerpause soll aber ein verbindliches Konzept vorliegen.
  • Einstellungsstopp: Seit Mitte März werden in Sachsen keine frei werdenden Stellen im Staatsdienst neu besetzt. Das beschloss das sächsische Kabinett. Durch diesen Einstellungsstopp verschärft sich Sachsens Lehrermangel zusätzlich. Von regionalen Bildungsagenturen werden für den Übergang Notkonzepte entworfen.
  • Modularisiertes Staatsexamen: Lehrernachwuchs soll von den Unis kommen. Dort wird das modularisierte Staatsexamen im Wintersemester 2012/13 als neuer Lehramtsstudiengang angeboten. Infos dazu wird es am 23. April (17.30 Uhr) im Physikhörsaal im Trefftz-Bau (TRE/PHY) der TU Dresden geben.
  • Engagement: Ende März wurde Lehramtsstudent Burkhard Naumann der Erich-Glowatzky-Preis für sein Engagement in Schul-, Hochschul- und Gewerkschaftsarbeit verliehen.
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