Kultusminister Roland Wöller kam nach dem Plagiatsvorwurf mit einem Rüffel davon

Von Nicole Laube

Die TU Dresden hat das Plagiatsverfahren gegen den sächsischen Kultusminister Roland Wöller eingestellt. Dennoch bleibt ein bitterer Beigeschmack.

Kultusminister Roland Wöller (CDU) muss sich in seiner 2002 verfassten Doktorarbeit „kein vorsätzliches oder grobfahrlässiges Verhalten“ vorwerfen.

Die erneute Prüfung von Wöllers Dissertation mit dem Titel „Der Forschungsbeirat für Fragen der Wiedervereinigung Deutschlands (1952 bis 1975)“ durch eine fünfköpfige Untersuchungskommission ließ „keinen Zweifel daran, dass Wöller die Arbeit eigenständig erstellt hat“. Ein wissenschaftlichesnFehlverhalten liege nicht vor. Mit diesen Worten wurde das Untersuchungsverfahren im Dezember offiziell eingestellt.

Wöller, der in seiner Dissertation von einer 1990 in Bonn verfassten Magisterarbeit abgeschrieben haben sollte, kann aufatmen und darf seinen Doktortitel behalten. So eindeutig das Ergebnis der Untersuchung auch klingen mag, ein bitterer Beigeschmack bleibt – für alle Beteiligten. So meldete sich Wöllers früherer Doktorvater, der Geschichtswissenschaftler Ulrich Kluge, Anfang Januar in dieser Angelegenheit erstmals zu Wort. Via ZEIT-Interview distanzierte er sich öffentlich von Wöller, dessen Arbeit 2002 übrigens mit „Magna Cum Laude“ bewertet wurde.

Schon 2008 für ungenaue Arbeit gerügt

Anders als der über seine fehlenden Fußnoten gefallene Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, geht Wöller jedoch weiter seinem Job nach. War vielleicht alles nur eine politische Intrige? Warum spricht es dann niemand aus? Vermutlich, weil Wöller in seiner Dissertation tatsächlich ungenau gearbeitet hat. Schließlich konnte der Promotionsausschuss der Philosophischen Fakultät der TU Dresden dem heutigen Kultusminister schon 2008 eine Rüge nicht ersparen. Eine Blamage, wie Roland Wöller später selbst gestand.

Doch welche Konsequenzen zieht die Wissenschaftswelt aus der Angelegenheit? Tatsächlich könnte man nicht einmal drei Wochen nach dem polarisierenden ZEIT-Interview meinen, es sei mitten im Winter plötzlich sehr viel Gras über die Sache gewachsen.

Auf die „ad rem“-Anfrage zum Thema antwortete allein der Leiter der Untersuchungskommission, Prof. Hans-Heinrich Trute. Sowohl Studenten als auch Professoren müssten aus diesem sowie aus anderen Fällen der jüngsten Zeit lernen, sagt der Plagiatsexperte. Wöllers Exempel zeige nur einmal mehr, dass „unsauberes Arbeiten noch Jahre später für Probleme sorgen kann“. Auch die Reaktion des Doktorvaters Kluge kann Trute nicht nachvollziehen: „Sich nach vielen Jahren öffentlichkeitswirksam, aber möglicherweise ohne genaue Kenntnisse der eigentlichen Zusammenhänge von dem früheren Doktoranden zu distanzieren, ist zu einfach. Da hätte das Prüfen der eigenen Rolle zunächst durchaus im Vordergrund stehen können.“

Der Dresdner Plagiatsexperte Stefan Weber, der im Sommer 2011 noch vom wissenschaftlichen Fehlverhalten des Kultusministers überzeugt schien, hüllt sich dagegen in Schweigen. Ebenso der Studentenrat der Universität, der eine zweimalige „ad rem“-Anfrage zum Thema Wöller schlicht unbeantwortet ließ.

Aberkennung des Doktors wäre nicht gerechtfertigt

Für die TU Dresden war mit der Stellungnahme, die sie dem Interview von Wöllers Doktorvater in der ZEIT hinterherschickte, ohnehin alles gesagt. „Die TU Dresden hat die Dissertation von Dr. Roland Wöller zweimal untersuchen lassen. Beide Untersuchungen haben ergeben, dass im Ergebnis eine Aberkennung des Doktortitels in keiner Weise gerechtfertigt wäre“, hieß es darin unter anderem. Herr Kluge wolle man zu einem klärenden Gespräch zeitnah an die Uni laden.

Karikatur: Norbert Scholz

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