Bruno Schulz: „Die Zimtläden“ am GHT Zittau

Von Nicole Laube

Das Gerhart-Hauptmann-Theater Zittau (GHT) würdigt den polnischen Avantgardisten Bruno Schulz (1892-1942) mit einer neuen Dramatisierung (Claudia Philipp und Carsten Knödler) seines Romans „Die Zimtläden“ (1933).

In dichten poetischen Sprachbildern erzählt dieser von einer Kaufmannsfamilie vor dem Ruin. Der Vater Jakub (grandios: Stefan Migge) scheint jeglichen Faden zur Realität verloren zu haben. Von einer merkwürdigen Krankheit gezeichnet, wahnwandelt er durch sein Geschäft, während sein Sohn (Stephan Bestier) immer wieder die „finstre Buntheit der Dinge“ in den alten „Zimtläden“ heraufbeschwört und vor mysteriösen „Krokodilen“ schaudert, die alles zu verschlingen drohen. Die Mutter (Renate Schneider) hingegen beschäftigt sich lieber mit der Realität der Buchhaltung, um zu retten, was noch zu retten ist. In diese merkwürdige Konstellation platzt gleich zu Beginn das heitere Dienstmädchen Adela (Natalie Renaud-Claus) hinein, die, ständig um Ordnung bemüht, dieser rätselhaften Umgebung bald ebenfalls zum Opfer fällt.

Dem polnischen Regisseur Bogdan Koca gelingt es in seiner Inszenierung, Schulz’ düstere Sprachbilder auch szenisch einzufangen. Die unmittelbare Nähe zum Geschehen auf der Drehbühne hinter dem Theatervorhang schafft eine atmosphärische Kulisse, die den Zuschauer förmlich in die geheimnisvoll surreale Welt dieser Kaufmannsfamilie hineinzieht, in der die Grenzen zwischen Illusion und Wirklichkeit oft verschwimmen. Die vier Darsteller lassen die schier unergründliche Textvorlage des Romans auf dieser Bühne lebendig werden, sodass die Bedrohung durch Krankheit und der Verlust von Vertrautem nahezu spürbar im Raum schweben – ein sinnliches Theatererlebnis, sofern man bereit ist, sich auf Schulzes Sprachmystik einzulassen.

Gerhart Hauptmann-Theater Zittau: Die Inszenierung läuft am 1. und 5. Februar, jeweils 19.30 Uhr.

Zum Foto: Vater Jakub (Stefan Migge) scheint die Realität fern.
Foto: PR/Detlef Ulbrich