An der TU Dresden protestieren Studenten gegen geplante Stellenstreichungen
Von Anja Zimmermann & Anja Hilliger
Egal ob Rektoratsbesetzung, Lehrstuhl-Knut oder Freiluft-Vorlesungen – die Dresdner Studentengemeinde protestierte in der vergangenen Woche äußerst originell.
So ideenreich die Proteste sind, sie haben einen ernsten Hintergrund. Studenten und Unimitarbeiter möchten mit ihren Aktionen auf die Politik der Landesregierung und die geplanten Stellenkürzungen an der Hochschule aufmerksam machen. Denn an der TU Dresden sollen bis 2015 etwa 100 Stellen abgebaut werden. Das wurde vom Sächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst (SMWK) per Hochschulentwicklungsplan vorgegeben („ad rem“ berichtete in Ausgabe 2.2012). Bisher schwieg sich das TU-Rektorat dazu aus.
Schweigen des Rektorats
„Durch Ängste und Verunsicherung entstehen Gerüchte“, brachte der Dekan der Fakultät Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaften, Prof. Karlheinz Jakob, bei einer Infoveranstaltung des Fachbereichs die Lage auf den Punkt. Der ehemalige Leiter des Geschäftsbereichs Hochschulpolitik im Studentenrat, Steven Seifert, kritisierte außerdem die scheinbar willkürlichen Stellenstreichungen. „Die Universitätsleitung bezieht keine klare Stellung zum Thema“, sagt der Student. „Die Exzellenzinitiative muss instrumentalisiert werden und die Universitätsleitung muss Druck machen und sich eindeutig gegen die Kürzungen aussprechen.“
200 Studierende haben im Laufe des vergangenen Mittwochs unter dem Motto „REIN!gekürzt“ ihrem Ärger über die Schweigsamkeit der Unileitung Luft gemacht. Sie besetzten das Rektorat während der öffentlichen Senatssitzung, um Rektor Prof. Hans Müller-Steinhagen zu einer Stellungnahme zu bewegen. Als der Rektor die Senatssitzung vorzeitig verlassen wollte, um sich zu einem Gespräch mit dem Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich zu treffen, wurde er von einer Gruppe Studierender am Verlassen des Gebäudes gehindert. In der Zwischenzeit veranstalteten die Studiengänge Geographie, Abfallwirtschaft und Altlasten, Verkehrswissenschaften, Romanistik und Philosophie der TU Dresden unter dem Motto „RAUS!gekürzt“ Vorlesungen im Freien. Sie alle sind von den geplanten Kürzungen bedroht und wollen öffentlich darauf aufmerksam machen.
Vorlesungen im Freien
So wurde am Dresdner Hauptbahnhof, auf der Prager Straße und auf dem Schlossplatz der Landeshauptstadt doziert. „Es sind angepasste Vorlesungen, die für die Passanten interessant sind“, erklärt die 24-jährige Birgit Lang vom Fachschaftsrat (FSR) Geowissenschaften. „Wir wollen inhaltlich auffallen, nicht durch politische Parolen“, ergänzt Jonas Seufert, der im ersten Semester Internationale Beziehungen studiert. Der FSR Verkehr organisierte außerdem den Lehrstuhl-Knut. Angelehnt an die Werbeaktion eines schwedischen Möbelhauses wurden symbolisch (Lehr-)Stühle aus dem Fenster des FSR-Büros geworfen.
Unterdessen verlief die Besetzung des Rektorats erfolgreich. Müller-Steinhagen ließ sich auf eine Diskussion mit den Studenten ein. Missstände und mögliche Lösungen wurden angesprochen und diskutiert. Die Hochschulleitung sagte mehrfach Unterstützung zu. Michael Moschke, Sprecher der Konferenz Sächsischer Studierendenschaften, sagt zu der Aktion: „Es ist schade, dass es neben all den kreativen Aktionen auch zu Besetzungen kommen musste. Allerdings zeigt dies mit deutlicher Klarheit, wie frustriert die Studierenden sind.“
Für diese Woche sind weitere Aktionen geplant. Die Studenten warten darauf, ob und wie das Rektorat seine Versprechen umsetzt. Ein weiteres Treffen haben die Studenten für Mittwoch (25.1., 15.30 Uhr) im Rektorat angesetzt. Eine offizielle Anfrage lag dem Rektor bis Montagnachmittag allerdings nicht vor, erklärte die Pressesprecherin der TU Dresden, Kim-Astrid Magister.
Die geplante Veranstaltung findet heute (25.1., 15.30 Uhr) nicht im Rektorat, sondern im Zelleschen Weg 16, Raum PHY/C213/H statt.
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Zur Karikatur: Bei wenig Personal braucht es auch weniger Stühle.
Karikatur: Norbert Scholz