Wissenschaftsministerin legt Konzept für Sachsens Hochschullandschaft vor
Von Tobias Hoeflich
Bis 2020 soll sich der Freistaat in drei „Wissenschaftsräume“ teilen – Dresden, Leipzig, Chemnitz. Doch bisher überwiegt die Skepsis.
Sinkende Studentenzahlen, knapper werdende Ressourcen, weniger Qualität. Sabine von Schorlemer, parteilose Ministerin für Wissenschaft und Kunst, malt ein düsteres Szenario von Sachsens künftiger Hochschullandschaft. Das Zauberwort zur Problemlösung: „Wissenschaftsräume“. So sollen bis 2020 sächsische Universitäten und Hochschulen in Netzwerken zusammenarbeiten, um die inhaltliche Ausrichtung abzustimmen. Und um Kosten zu sparen.
Skepsis an der Raumgrenze
Die „großen“ Universitäten – TU Dresden, Uni Leipzig, TU Chemnitz – würden demnach das Zentrum der Wissenschaftsräume bilden und umliegende Hochschulen und Institute integrieren.
Doch auch außeruniversitäre Einrichtungen und Wirtschaftsvertreter sollen sich darin wiederfinden – unter Obhut eines Koordinators, der Ideen sammeln und neue Konzepte erarbeiten wird. Wissenschaftspolitik soll so besser gefördert, Hochschulprofile sollen geschärft werden.
Parteien und Studentenverbände sehen das Vorhaben skeptisch. Die Idee von Wissenschaftsräumen an sich sei begrüßenswert, so lautet das Fazit der Konferenz Sächsischer Studierendenschaften (KSS), doch dürften diese nicht an Sachsens Grenzen enden. „Wissenschaftsräume müssen sich thematisch und nicht erzwungen regional vernetzen.“ So würde der Raum Dresden nach Schorlemers Konzept bis nach Zittau und Görlitz reichen.
Für Kritik sorgt zudem ihr Vorhaben, Ressourcen gemeinsam zu nutzen: Gelder in Verwaltung und Service könnten so künftig eingespart werden. „Die Wissenschaftsräume dürfen keinen Vorwand für Mittelkürzungen bieten“, bemängelt die KSS.
Für Holger Mann, den hochschulpolitischen Sprecher der sächsischen SPD-Fraktion, ist es für ein Urteil noch zu früh. Schorlemers bisherige Pläne seien „offensichtlich unausgereift und in einem nicht beschlussfähigen Entwurfsstadium“. Wissenschaftsräume könnten allenfalls ein Element künftiger Hochschulpolitik sein – jedoch keine Gesamtkonzeption für die Entwicklung der sächsischen Hochschullandschaft. Viele Aspekte seien im jetzigen Konzept unklar, fügt Mann hinzu.
Prinzipiell seien die Wissenschaftsräume eine nützliche Idee, bilanziert der CDU-Obmann im Landtagsausschuss für Wissenschaft und Hochschule, Kultur und Medien, Prof. Günther Schneider, auf Anfrage von „ad rem“. Eine reine Regionalisierung sei dagegen wenig sinnvoll und werde „mit Sicherheit nicht der letzte Schritt“ sein. „Ebenso wichtig ist die fachliche Verzahnung“, sagt er. Schließlich habe Freiberg aus akademischer Sicht eine stärkere Nähe zum Raum Chemnitz, regional jedoch zu Dresden. „Die Wissenschaftsräume stellen keine strikte regionale Trennung dar“, betont er, doch sei dieser Eindruck erweckt worden.
Im Sommer will Wissenschaftsministerin von Schorlemer nun den endgültigen Entwicklungsplan vorlegen. Da bleibt Zeit, Unklarheiten und Missverständnisse auszuräumen.
Zur Kari: Nicht immer liegen Grenzen derart auf der Hand …
Kari: Norbert Scholz
HOCHSCHULENTWICKLUNGSPLANFAKTEN.
- Planungszweck: Mit dem Hochschulentwicklungsplan versucht die sächsische Landesregierung, den Veränderungen der Hochschullandschaft vorzubeugen: weniger Geld bei weniger Studenten.
- Planungsinhalt: Die Hochschullandschaft soll sich künftig in drei Bereiche teilen – Leipzig, Chemnitz-Freiberg und Dresden (inkl. Zittau und Görlitz). Forschung und Lehre sollen so besser abgesteckt, die Hochschulprofile geschärft werden. Zudem wird geprüft, ob und wo Einsparpotenzial steckt.
- Planerfüllung: Die Wissenschaftsräume sollen keinesfalls ein Mehr an Bürokratie oder eine zusätzliche institutionelle Ebene darstellen. Vielmehr sollen sich Hochschulvertreter in einer Art Netzwerk organisieren – unter Leitung eines Koordinators vom sächsischen Wissenschaftsministerium.
- Planungsbeschluss: Das Konzept soll dem Kabinett im Sommer vorliegen und könnte dann beschlossen werden. Parallel dazu plant Sabine von Schorlemer (parteilos) das Hochschulgesetz zu novellieren. Der Entwurf soll Ende April veröffentlicht werden.