Tierfreundliche Buchvorstellung im Stadtteilhaus Dresden-Neustadt

Auf den Spuren des fleischlosen Genusses mit „Das Schlachten beenden – Zur Kritik der Gewalt an Tieren“

Karen Duves „Anständig essen“ und Jonathan Safran Foers „Tiere essen“ haben vor allem eines gezeigt: Literatur über Veganismus und Tierrechte stößt auf Zuspruch. Beide Bücher waren mehrere Wochen in den deutschen Bestsellerlisten zu finden. Mit „Das Schlachten beenden – Zur Kritik der Gewalt an Tieren“ kam Ende 2010 ein weiteres auf den Markt. Der Ansatz ist dabei aber ein anderer: Denn Duve unterzieht sich in ihrem Werk einem Selbsttest an verschiedensten Ernährungsweisen, Foer behandelt das Thema eher aus persönlicher Sicht. „Das Schlachten beenden – Zur Kritik der Gewalt an Tieren“ kann dagegen als Essaysammlung zum Fleischverzicht verstanden werden. Darin wird sowohl die Geschichte des Veganismus und Vegetarismus thematisiert als auch die persönlichen Ansichten der Autoren. Zu Wort kommt neben Magnus Schwantje und Clara Wichmann auch Leo Tolstoi. Letzterer war etwa zu Besuch in einem Schlachthof. Sein Beitrag entstand als Reaktion auf dieses schockierende Erlebnis. (shö)

Die Dresdner Tierrechtsgruppe stellt das Buch am Mittwoch (16.3., 20.30 Uhr) im Stadtteilhaus Dresden-Neustadt vor. Zu Gast sind unter anderem zwei der Herausgeber: Lou Marin und Renate Brucker.

Fotoausschnitt: PR

Kein Schwein auf dem Teller

Veganes Mensaglück in Dresden – in Freiberg, Zittau und Görlitz bleibt nur das Salatblatt

Von Stefanie Höhne

Mit veganen Genusswünschen tun sich die Studentenwerke schwer. Wer reuelos schlemmen möchte, muss auf vegetarische Tage warten.

Wenn Maria Schulze mittags aus der Uni kommt, geht sie nicht wie so viele in eine der Mensen. Wahrscheinlich würde die Studentin der Kunstgeschichte nichts Passendes finden. Denn die 25-Jährige lebt seit Ende 2009 vegan. Damals lernte sie die Dresdner Tierrechtsgruppe kennen, sah Aufnahmen aus Mast- und Schlachthöfen. Schulze war schockiert und wusste: „Wenn ich mein Verhalten nicht ändere, bin ich mit schuld daran.“ Heute ist sie selbst Mitglied der Gruppe und macht sich obendrein auch für vegane Mensagänger stark.

Tierfreundliches in der Mensa

Schulze engagiert sich bei „mensauniversale“ an der TU Dresden. Die Arbeitsgemeinschaft ging im Jahr 2009 aus der TU-Umweltinitiative hervor. Ihr Ziel ist, veganes Essen in den Mensen zu etablieren, denn der grüne Mensagenuss ist längst noch keine Selbstverständlichkeit. So gebe es beispielsweise in Freiberg keinen Bedarf. „Die Nachfrage ist nicht groß genug, daher ist veganes Essen bei uns kein Thema“, sagt Kerstin Richlofsky, Küchenleiterin der Freiberger Mensa. Auch in Zittau und Görlitz bleibt für Veganer nur der Salatteller. Lediglich in den Dresdner Mensen werden Fleischverweigerer fündig – wenn auch nicht täglich. Denn auch die vegetarischen Gerichte enthalten oft Milchprodukte. Dennoch: „Das fleischlose Angebot wächst Stück für Stück“, sagt Udo Lehmann, Hauptabteilungsleiter für Hochschulgastronomie im Dresdner Studentenwerk. Weil unter den täglich 18 000 Besuchern viele Fleischliebhaber seien, sei „auch der Schnitzelesser ein willkommener Gast“.

Fleischlos gegen Klimasünden

Doch „Viehhaltung ist eine der größten Klimasünden“, argumentiert Maria Schulze. Während ein veganes Essen einen CO2-Ausstoß von circa 0,4 kg verursache, sei der Wert bei Fleischgerichten zehnmal so hoch. Wer seine Ernährung umstelle, helfe also nicht nur den Tieren, sondern auch der Umwelt.

Aus diesem Grund kooperiert das Studentenwerk Dresden nun mit „mensa universale“. Die Ausgabetheken sollen künftig mit einer Klimaampel versehen werden, die von TU-Ökonomen erstellt wurde. Und auch veganes Essen soll schon bald durch ein entsprechendes Logo gekennzeichnet werden.

Doch ein komplett veganes Angebot wird es laut Udo Lehmann in den Mensen des Studentenwerkes nicht geben. Denn fleischfreie Ernährung sei zwar erwiesenermaßen gesund, doch es können Mangelerscheinungen auftreten. Das größte Problem sei die Versorgung mit dem Vitamin B12. Defizite können, vor allem bei Schwangeren und Ungeborenen, neurologische Schäden verursachen. Deshalb rät auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) generell von streng veganer Ernährung ab. Wer sich allerdings ausreichend informiert und auf Vitamintabletten zurückgreift, wird kaum Probleme haben.

Das Studentenwerk orientiert sich zwar an der Empfehlung der DGE, wird aber in Zukunft öfter fleischfreie Speisen anbieten: So soll es ab dem 6. April monatlich einen vegetarischen Tag in der Dresdner Neuen Mensa geben. Dann wird vielleicht auch Maria Schulze in der Mensa anzutreffen sein.

Zum Foto: Ab dem Sommersemester soll Getier jeglicher Art dem Salat weichen. Einmal im Monat lädt dann die Neue Mensa Dresden – als einzige – zum vegetarischen Tag.
Foto: Amac Garbe


VEGANINFOS.

  • Vegan leben: Veganer verzichten auf sämtliche tierische Produkte – also auf Fleisch, Milch und Käse ebenso wie Honig und Leder. Als Fleischersatz werden Soja, Tofu oder Seitan verwendet. Pizza & Co. werden mit einem Käseersatz aus Hefe, Mehl und Wasser überbacken.
  • Vegan essen: In Dresden gibt’s Veganes zum Beispiel im Devil’s Kitchen, Ladencafé aha, Curry & Co. und beim Inder Jaipur. Außerdem kocht die Gruppe.Cartonage regelmäßig im AZ Conni und die Tierrechtsgruppe Dresden lädt dort zum veganen Soli-Brunch (wieder am 3. April). Rein pflanzliches Eis gibt’s im Café Venezia am Goldenen Reiter, im Café Eisprinzessin und der Tiki-Bar. In Görlitz gibt’s dienstags (20 Uhr) im Hospi30 eine vegane Volksküche.
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