Rekordflut färbt Campus nassbraun
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An Flussbetten lässt es sich wunderbar romantisch glotzen, aber manchmal schlecht ruhen – diese Erfahrung machte jetzt die Hochschule Zittau/Görlitz, an Mandau und Neiße gelegen. Und auch jene, dass unbebaute Flussauen manchmal urtümlichen Sinn haben könnten. So soffen die neuen Gebäude der Görlitzer Hochschule, die „Bluebox“ und die rote Mensa samt Bibliothek in der Nacht zum Sonntag per Neißerekordflut ab.
Während sich die Doppeleuropastadt noch im internationalen Straßentheaterflair des ViaThea suhlte, stand halb Zittau schon mittags unter Wasser. Und als gegenüber von Hagenwerder der Witka-Stausee beim Überlaufen fast ganz auslief und Grenzfluss samt Berzdorfer See flutete, war es um Görlitz geschehen: Über vier Meter in drei Stunden stieg der Pegel, die vorher gut gefüllte Neiße schoss plötzlich mit der zwölffachen Wassermenge bergab, eine lange Scheitelwelle erreichte am Sonntagmorgen kurz nach 7 Uhr den Höhepunkt – die Fotogalerie entstand justament, aber zufällig in jener Rekordstunde, als die Hochschule völlig verlassen schlief – nur die Alarmlage in der Mensa fiepte leise vor sich hin. Ob Autos auf dem Parkplatz in Unfrieden ruhten, war nicht mehr zu erkennen, in der Glasgalerie am östlichen Ende der Bluebox war der Wasserpegel kurz unterhalb der Stehtischkante angekommen, die freigehaltene Feuerwehrzufahrt nur noch für Boote frei.
Glotzen statt retten
Ironie der Geschichte oder der Bauingenieurkunst: Die genau einhundert Jahre alte Stadthalle, die schon lange im Dornröschenschlaf schlummert, wurde vom Fluss fast behutsam umflossen, während die Neubauten von Hochschule und TÜV auf der anderen Seite der Friedensbrücke teilweise tief im Wasser standen. Eine Art Widerstand war in der Flutnacht auf Görlitzer Seite nicht zu erleben, obwohl zwei Drittel der altstadtflanierenden Bürger trotz ViaThea am Fluss standen und wasserglotzten, während drüben am Ostufer hunderte, vor allem junge Leute, große Sandhaufen in Säcke füllten und versuchten zu retten, was zu retten geht. Die deutsche Polizei begnügte sich derweil damit, Straßen zu sperren und übermütige Neugierige anzuraunzen, die sogenannte Evakuierung erfolgte auf der Uferstraße per Durchsage im Vorbeifahren unter lapidaren Verweis auf Lebensgefahr, aber zumeist ohne weiterführende Hinweise.
Auf der Westseite waren natürlich die Polen schuld: Ihr Damm brach – und sie hätten dies eher gewusst. Und dann wurde dort auch noch der Strom an der Uferpromenade später, nämlich erst kurz vor 23 Uhr abgeschalten – unglaublich! Doch das Gewusel war unübersehbar und der Unterschied in der Vitalität hat sicher andere Gründe – nur gut, dass der ehemalige EU-Außengrenzfluss der Zwitterstadt ihre drei Brücken ließ.
Mehr zum Thema in ad rem 22.2010 am 1. September
Zum Foto: Hochwasser vor der Görlitzer Mensa