TU-Forscher findet heraus, warum edelste Instrumente allein keinen Wohlklang garantieren

Von Matthias Schöne

Zu gern würde man das anstrengende Üben eines Instrumentes durch den Kauf teuren Materials ersetzen.

Selbst die teuerste Stradivari kann das Üben nicht ersetzen. Exzellente Musiker entlocken selbst einer aus Asien importierten Geige Melodien vom allerfeinsten. Das fand Dr. Gunter Ziegenhals in seiner vor kurzem veröffentlichten Doktorarbeit zur „subjektiven und objektiven Beurteilung von Musikinstrumenten“ heraus.

Ziegenhals ist Leiter des Institutes für Instrumentenbau der Fakultät Elektrotechnik an der Technischen Universität Dresden, das im vogtländischen Zwota steht. In seine Doktorarbeit hat der 55-Jährige Erfahrungen aus über 25 Jahren Instrumentenforschung gepackt. Ein Fundus, der nun in jener neuen Erkenntnis gipfelt. Ziegenhals fand nämlich heraus, dass der Einfluss der Musikinstrumente für den harmonischen Klang erstaunlicherweise sehr gering ist. Viel bedeutender sind der spielende Musiker und der Raum, in dem gespielt wird.

Für die wissenschaftliche Analyse der Instrumente nutzte der Wissenschaftler objektive psychoakustische Größen wie Lautheit, Rauigkeit, Schärfe, Volumen und Offenheit. Diese werden auch für die Beurteilung des Wohlklangs von Geräuschen in der Industrie, wie beim Klacken eines Toasters, verwendet.

So ist beispielsweise die Lautheit, im Vergleich zum gewöhnlichen Schalldruck, dem menschlichen Lautstärkehören besser angepasst, da eine verdoppelte Lautheit vom Menschen auch wirklich so empfunden wird. Statistisch zeigt sich, dass diese psychoakustischen Größen Urteilen von Profimusikern über Musik sehr nahe kommen.

Für Ziegenhals’ Untersuchung spielten fünf studierte Musiker drei gleiche Musikstücke mit mittlerer Lautstärke ohne starke Betonung ein. Anschließend wurde das Schallsignal nach den verschiedenen Größen ausgewertet. Die Spielweise der Profimusiker und der Raumeindruck unterschieden sich dabei deutlich mehr als die unterschiedlichen Instrumente, selbst wenn man eine billige „Taiwan“-Gitarre mit einer Profikonzertgitarre vergleicht.

Mit seiner Analyse kann Ziegenhals nun bestätigen , dass bei Klarinette, Trompete, Gitarre und Geige die Instrumente selbst den geringsten Einfluss auf die Ausprägung der Merkmale haben. „Die konkrete Verteilung des Einflusses schwankt je nach Instrumententyp; interessant ist, dass bei Gitarren und Trompeten die Musiker den größten Einfluss ausüben. In jedem Falle ist jedoch der Musikereinfluss größer als der der Instrumente!“ erklärt Ziegenhals weiter.

Dem Lernenden wird wohl nur das tägliche Üben bleiben. Vom Kauf eines teuren Instruments rät Ziegenhals zumindest ab. „Kaufen Sie sich lieber ein schönes Einfamilienhaus – und eine gute Geige eines lebenden Geigenbaumeisters.“

Wer sich genauer informieren will: Die Dissertation von Dr. Ziegenhals „Subjektive und objektive Beurteilung von Musikinstrumenten“ ist bei TUDpress erschienen und wird bald auch in der Sächsischen Landes-, Staats-, und Universitätsbibliothek in Dresden erhältlich sein.

Zum Foto: Exzellente Musiker entlocken jedem Instrument feinste Klänge: Dr. Gunter Ziegenhals – hier mit seiner zwölfsaitigen Westerngitarre – hat eine alteingesessene These der Klangforschung widerlegt.
Foto: Amac Garbe