Kickboxen ist ein Sport sowohl für den Körper als auch den Geist und nichts für Schläger
Vorbei an Squashplätzen, Badmintonfeldern, Kletterwänden und zahllosen Fitnessgeräten.
Fast ist es ein verschlungener Pfad, der zur Kampfsportakademie Dresden führt. Ein Schritt aber durch eine Glastür, und schon schwirrt Stimmengewirr durch die Luft.
Der Blick fällt auf durchtrainierte Sportler, die entspannt an der Wand lehnen oder auf dem Sofa sitzen und darauf warten, dass ihr Training beginnt. Unter ihnen ist auch Claudia Kaiser, eine schlanke, beinahe zierlich wirkende, junge Frau. Aber der erste Eindruck täuscht. Kaiser, die derzeit im Fach Chemie an der TU Dresden promoviert, ist schlank, keine Frage. Aber zierlich ist sie nicht. Der sichere Gang und die kräftigen Oberarme verraten zudem, dass sie genau weiß, was sie tut.
Seit 2007 trainiert sie nun schon in der Kampfsportakademie Kickboxen und ist schnell vom einfachen Training zum Wettkampfbetrieb gewechselt. „Ich habe einen Ausgleich neben dem Studium und der Arbeit gesucht“, erzählt Kaiser. Hat sie in ihrer Jugend Geräteturnen als Leistungssport betrieben, widmet sie sich in ihrer wenigen Freizeit nun intensiv dem Kickboxen, um genau zu sein dem Leichtkontakt. „Das heißt vier bis sechs Mal die Woche für anderthalb Stunden trainieren“, erzählt Kaiser. Durchhaltevermögen ist da ebenso gefragt wie eiserne Disziplin. Doch der Teamzusammenhalt stimmt und motiviert. „Bei uns trainieren Schüler, Lehrlinge, Studenten, Bauarbeiter und Büroangestellte. Das Spektrum ist riesig“, meint Kaiser. „Nur ein paar mehr Frauen könnten es sein, gerade für den Wettkampfbetrieb.“
Nach der Erwärmung bauen sich die Leichtkontakt-Kämpfer vor dem Spiegel auf und treiben ihren Puls mit etwas Schattenboxen nach oben. Konzentriert und präzise werden die Schläge und Tritte ausgeführt. Plötzlich kommt Schwung ins Training. Coach Alexander Irmschler gibt die Anweisung, dass es jetzt in den Ring geht. Sicherheit ist wichtig, deswegen darf der Kopfschutz dabei nicht fehlen. Während das Training bisher eher harmlos wirkte, geht es im Ring schlagartig zur Sache. Schnelle Kicks und Schläge wechseln sich ab. Und mittendrin die 60-Kilo-Frau Claudia Kaiser.
Konzentriert baut sie ihren Angriff auf. Ihr Gegner pariert. Irmschler gibt Anweisungen von der Ringecke: „Nicht schieben! Aktiv angreifen!“ Selbst nur beim Zusehen rauscht einem das Adrenalin durch den Körper. „Aber mit einer Schlägerei hat das nichts zu tun“, sagt Kaiser. „Es geht um Disziplin, technisches Können, Taktik und Kondition.“
Netzinfos: www.kampfsport-akademie.de
Zum Foto: Claudia Kaiser promoviert und betreibt nebenbei Kampfsport.
Foto: Amac Garbe
