Eine visionäre Petition fordert die Direktwahl des Studentenrats der TU Dresden

Von Felix Prautzsch

Dürfte das Volk den Bundespräsidenten direkt wählen, hätten wir bei der jüngsten Wahl vermutlich ein anderes Ergebnis erlebt.

Auch an den Universitäten könnte die Direktwahl der studentischen Vertreter einiges ändern. Bisher aber werden Vertreter aus den Fachschaftsräten (FSR) in den Studentenrat (StuRa) als dem beschlussfassenden Organ der Studentenschaft entsandt. Das sei zu wenig transparent, führe zu einer Art „Funktionärsklüngel“ und werfe die Frage nach der Legitimation auf, kritisiert Fachschaftsrat Zoltan, der zu seinen Aussagen steht, dessen Nachname hier aber nichts zur Sache tut. Immerhin soll der StuRa gemäß Satzung der Studentenschaft der TU Dresderen Willen zum Ausdruck bringen.

Er entscheidet über wichtige Angelegenheiten wie jüngst die Erweiterung des Semestertickets. Der 24-jährige Kommunikationswissenschafts- und Soziologiestudent Zoltan hat daher und aufgrund seiner Erfahrungen als Fachschaftsratvertreter eine Petition entworfen, in der er die Direktwahl des StuRa fordert.

Was sich einfach anhört, ist in der Tat ein schwieriges Unterfangen, denn dazu müsste das Sächsische Hochschulgesetz geändert werden. Dort ist die Entsendung der StuRa-Mitglieder durch die Fachschaften verankert.

Gar kein bisschen unkompliziert

Zoltan ist sich sicher, dass durch eine Änderung des Wahlverfahrens die Meinungsvielfalt der Studierenden im höchsten studentischen Gremium besser repräsentiert würde. Neue Geister könnten bürokratische Strukturen aufbrechen. Der Kontakt zu den Studierenden wäre notwendigerweise unmittelbarer, bei größeren Entscheidungen wie der Ausweitung des Semestertickets könnten sie in einer direkten Abstimmung beteiligt werden. Diese schwungvollen Ideen stoßen auf wenig Gegenliebe, zumindest bei einigen StuRa-Mitgliedern, wie die heftige Kritik auf dem Petitionsblog deutlich macht. Ihr Urheber ist denn auch weniger stürmischer Revolutionär als ein Kämpfer gegen Windmühlen.

Auf seine Erfolgsaussichten befragt, zuckt Zoltan mit den Schultern. Immerhin kann er als positive Beispiele die Studentenparlamente in Hessen, Nordrhein-Westfalen und mittlerweile auch in Rostock anführen. Die Dresdner Ablehnung folgt dabei allzu stereotypen Einwänden: zu großer Wahlaufwand, fehlende Qualifikation der Bewerber, zu großer Einfluss politischer Interessengruppen. Das etablierte Rätemodell scheint sicherer als ein Parlament nach bundesrepublikanischem Vorbild.

Offiziell hat sich der StuRa noch nicht zur Petition geäußert. StuRa-Referentin Kristin Hofman beurteilt den bei einer Direktwahl nötigen Wahlkampf differenziert: „Eine Politisierung des Campus erachte ich eigentlich als dringend notwendig, damit dieses Vogel-Strauß-Prinzip abgelöst wird.“ Dann hätten aber Personen einen Vorteil, die schon eine Lobby besitzen. Kristin Hofman verweist darauf, dass laut Hochschulgesetz 49 Prozent des Studentenratsplenums durch Direktwahl gewählt werden könnten. Bei der notwendig gewordenen Neufassung der Wahlordnung konnte sich dafür aber keine Mehrheit finden. Im Studentenrat der TU Dresden wohlgemerkt!

Weblog: www.sturareform.wordpress.com

Zum Foto: Kämpft allein auf weiter Flur für eine Direktwahl des Studentenrats: Zoltan, der seinen Nachnamen nicht preisgeben möchte.
Foto: Amac Garbe