Die Künstler des XIII. SchaubudenSommers freuen sich auf rauschende Feste
Nur hier: Die Geschichte hinter dem Bild …
„Im Sommer 2000 rannte ich schwanger über den Platz und schrie: Tschaikowsky ist tot.“
So lebhaft erinnert sich Anna Maria Scholz alias ANNAMATEUR an ihren ersten SchaubudenSommer. Seitdem ist sie von diesem Platz nicht mehr wegzudenken.
Heute geht es in ihren Aufführungen um „Amseln, Ritalin, Schlachteplatte, Stalker, Amokbaden, Konfetti“. Und das ist nur ein Bruchteil der Verrücktheiten, die sie in ihrem Schaubuden-Programm „Worst Case Scenario“ (18. bis 21.7.) zusammen mit der Schweizer Band PUTSMARIE unterbringen will. Der Rest wird ihr wieder einfallen, spätestens wenn sie auf der Bühne ihres Lieblingsfestivals steht, das gleichzeitig die Geburtsstätte von ANNAMATEUR ist. Und von solch naturgewachsener Kreativität ist auch ihre Arbeit durchzogen. Von Reizüberflutung über Mutter Blamage bis Orakelmateur – „was auf der Bühne rüberkommt, ist immer gesund“. Und damit meint sie „die Sau rauszulassen“.
Denn der SchaubudenSommer lebt vom kreativen Fieber seiner Künstler, vom Puls ihrer Auftritte und von den Verrücktheiten, die ihnen einfallen. So erklärt auch Heiki Ikkola die Festivalatmosphäre. Die Schaubudler schätzen „das Schmutzige unterm Fingernagel und die Publikumsnähe, die Herausforderung, dreimal am Abend ‚ran‘ zu müssen, den Rauschzustand, der sich irgendwann ganz unweigerlich einstellt.“
Er selbst fühlt sich dann nicht nur als künstlerischer Leiter, sondern als Teil der DRAMATEN, die in diesem Jahr die Turnhalle (siehe Print, Seite 10) mit der kaleidoskopartigen Performance „Stars’n’Spikes“ (15. bis 24.7.) aus literarischen Geschichten und Bildern füllen werden. Nur als Organisator könne er sich die Arbeit an den Budentagen zwar vorstellen, dann würde es ihn aber sicher bald rappeln und er müsste wieder was spielen.
Und genauso leidenschaftlich öffnen die Macher die Festivaltore für neue Kabarettisten, Musiker, Theaterspieler und alle anderen Kulturexhibitionisten wie auch BRIDGE MARKLAND. Die Berliner Kabarettistin, Autorin und Verwandlungskünstlerin ist zum ersten Mal dabei. Zusammen mit der Saxophonistin Nikola Lutz spielt sie Klartext im Programm „Let’s talk about Sex“ (23. bis 25.7.). „Ich verwandle mich von Frau zu Mann, von Mann zu Drag Queen, in undefinierte Wesen. Ich lese erotische Kurzgeschichten, spreche zweisprachige Gedichte, füttere lasziv und erotisch Obst ans Publikum, tanze auf ihrem Schoß.“
Ungenierte Begeisterung für ein kribbelndes Programm spielen das Duo wie auch alle anderen Künstler damit nicht nur dem Publikum zu, sondern lassen es erwartungsvoll und ganz natürlich über den Platz schwirren. Vermutlich ein weiterer Grund, warum ANNAMATEUR den Worst Case nur noch auf der Bühne probt.
Zum Foto: Die Kabarettistin ANNAMATEUR animiert beim SchaubudenSommer Verrücktes auf ganz natürliche Weise.
Foto: Amac Garbe
