Freiberger Studentenrat muss sein Finanzloch nach den Studententagen 2010 erklären

Von Sarah Richter

„I want my money back“ schrie es vor einem knappen Monat den Freiberger Studenten in einer Rundmail der Universität entgegen.

Theresa Nerger wollte das nicht auf sich sitzen lassen und reagierte prompt. Die resolute Studentin rief ihre Kommilitonen auf, vom Studentenrat (StuRa) der Bergakademie eine Erklärung zur finanziellen Schieflage einzufordern. Außerdem, so drängte Nerger, sollten die Studentenvertreter erläutern, was eigentlich mit den Semesterbeiträgen der Studenten passiere.

Der Hintergrund: Die Studententage im Mai („ad rem“ berichtete), insbesondere das großaufgezogene Konzert von JBO hatten den Freiberger StuRa mit einem großen Loch im Portemonnaie zurückgelassen.

Freieinritt + Nichtzuschauer = Knetenmisere

Knackpunkt war die Kalkulation für das Konzert, die sich hinterher als Fehleinschätzung herausstellte. Der StuRa hatte sich an dieser Stelle schlichtweg übernommen. „Wir wollten dieses Jahr gerne noch eins draufsetzen“, war das Credo der Veranstalter. Doch da der Eintritt für Studenten kostenlos war und zu wenig zahlende Zuschauer kamen, prankt nun ein fettes Minus auf dem Konto.

Eigentlich hatte der StuRa mit 20 000 Euro Zuschuss gerechnet, jetzt muss der StuRa eine doppelt so hohe Rechnung begleichen. „Geplant war zudem, Ausgaben über Sponsoring zu finanzieren, doch das Konzept ging nicht auf“, erklärt StuRa-Finanzchef Alexander Richter. Und das bekamen prompt die Arbeitsgemeinschaften und die vom StuRa unterstützten Vereine zu spüren. Deren Mittel wurden im Schnitt um 50 Prozent gekürzt und eine Haushaltssperre wurde verhängt.

Die ist mittlerweile wieder aufgehoben und in Absprache mit den meisten Gruppen ein Nachtragshaushalt beschlossen – die prekäre Finanzsituation aber bleibt. Davon betroffen war auch die Absenderin des Rundschreibens, Theresa Nerger, Vorsitzende des Vereins „Alte Mensa“, der die Studentenkneipe „Zum Teufel“ betreibt.

Der Verein war früher eine Arbeitsgemeinschaft des StuRas und erhält auch heute noch noch Zuschüsse für kulturelle Veranstaltungen. Theresa Nergers E-Mail blieb nicht ohne Folgen, 80 Gäste erschienen zum nächsten Sitzungstermin. Eigentlich ein Traum für ein studentisches Gremium, doch die StuRa-Mitglieder, insbesondere Organisator Sanny Reich und Alexander Richter, mussten sich einer Reihe unangenehmer Fragen aus dem Publikum stellen. „Trotzdem fanden wir die Sitzung konstruktiv und es lief ruhiger ab, als wir erwartet haben“, bilanzierte StuRa-Sprecher Noah Knittel.

Aufklärung ja, Verfolgung nein

Obgleich einige ihren Ärger nicht verbergen konnten („Warum sollen wir für Eure Fehler bezahlen?“), reagierten die meisten doch eher verständnisvoll. Erklärungen bitteschön ja, Steinigung nein. Eines wurde auch deutlich: gute Gremienarbeit braucht genug Zeit und genug Leute. Wenn die Kapazitäten knapp werden, unterlaufen Fehler, und in diesem Fall ein besonders schwerwiegender. Helfen soll nun eine Spendenaktion, bereits geplante Veranstaltungen sollen mit Hilfe von Sponsoren gestemmt werden. Eine Erhöhung des Semesterbeitrages wurde ausgeschlossen.

Für das kommende Jahr gilt: „Es wird auf alle Fälle nicht wieder solche Studententage wie dieses Jahr geben“, erklärt Noah Knittel. Kleiner, sparsamer soll es 2011 werden. Gerne mit Unterstützung aller Studenten.

Zur Karikatur: Wenn’s wenigstens einem gefallen hat, haben sich die Freiberger Studententage doch gelohnt!
Karikatur: Norbert Scholz


FREIBERGER KNETEFAKTEN.

  • Jeder Student muss zweimal im Jahr den Semesterbeitrag entrichten, für Studenten der TU Bergakademie Freiberg sind dies aktuell 75 Euro pro Semester. Davon geht der Großteil an das Studentenwerk, der Studentenrat (StuRa) bekommt davon 7 Euro. Im Jahr sind dies also zwei mal 7 Euro, bei etwa 5 000 Studenten stehen dem StuRa gut 70 000 Euro zur Verfügung. Diese fließen zum Beispiel in die Unterstützung von Kultur, Sport und andere studentische Veranstaltungen. Die Verwendung des Geldes ist im Finanzplan des StuRas und im Sächsischen Hochschulgesetz geregelt. Beides ist auf der Website des Freiberger StuRas einsehbar: www.stura.tu-freiberg.de