Dresdner Kunststudenten zeigen sich verspielt, frech und ernst in der alten Tankstelle
Von Jana Schäfer
Die Ausstellung ROZ 91 verbindet sich unter anderem mit der Ortsgeschichte der „Runden Ecke“ des riesa efau.
ROZ 91 ist ein Motorenbenzin. Der Titel der Ausstellung verweist somit auf die Geschichte der „Runden Ecke“ des riesa efau als ehemalige Tankstelle. Doch wenn überhaupt, setzen sich die Werke der Kunststudenten nur indirekt mit der Vergangenheit des Ortes auseinander. So ist das Öl ein wichtiges Thema, wie ein schwarzer Fleck in der Mitte des Raumes beweist. Justus Bräutigam, Student der Malerei und Grafik an der HfBK Dresden, fragt: „Ist das Öl?“. Nur er weiß um den Inhalt der schwarzen Flüssigkeit, die er während der Arbeitswoche auf den Boden ausgekippt und in eine Form gebracht hat. Sein Versuch, den Fleck nach seinem Wunsch zu formen, wird zum paradoxen Unterfangen, als ihm klar wird, wie wenig Kontrolle er über den Fließverlauf hat. Trotzdem ist Bräutigam mit seiner Arbeit zufrieden: Von der Quelle her breitet sich die schwarze Flüssigkeit aus, bis sie in einem Abfluss versickert.
Bedrohlicher, dunkler Fleck – unheimlich wie die Auswirkungen der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko? So düster möchte es Bräutigam nicht immer sehen. Für ihn ist es „Malerei auf dem Boden einer alten Tankstelle“, worüber eine leichte Ironie-Note schwebt. Jakob Flohe studiert freie Kunst und setzt sich in seinen beiden Fensterbildern mit minimalistischen Strukturen auseinander.
Flohe möchte Musik und Bewegung auf abstrakte Art vermitteln. Eine Kleinmädchenstimme liest Zitate aus dem Tagebuch eines französischen Missionars des 16. Jahrhunderts. Visuell begleitet wird die kindlich unschuldige Stimme durch eine animierte Collage aus Fotos und Naturzeichnungen von Anita Müller. Die Studentin der freien Kunst zeigt Naturfantasien: „Ein Ideal, was gar nicht so existiert.“ Ureinwohner und Tiere werden brutal von den Eindringlingen unterworfen. „Was wird mit unseren Werten und Vorstellungen, wenn sie uns andere aufdrängen wollen?“, fragt Müller. Die dargebotene Vielfalt, ist bis zum 9. Juli zu sehen.
„Runde Ecke“ (Adlergasse 12, Ecke Wachsbleichstraße), Mo.–Sa. 16–21 Uhr
Zum Foto: Die Studenten Justus Bräutigam (rechts) und Jakob Flohe begutachten die runde Ecke.
Foto: Amac Garbe