Die Experimentierplattform „A-Versuch“ der bühne der TU Dresden ist offen für alle

Von Christina Dietze

Die beiden Studentinnen Elise Schobeß und Berit Toepfer dramatisieren ihre Silversteridee als eigenes Werk auf großer Bühne.

Ob es so schlimm wäre, sich zu verlieben?“ fragt er sie. Das größtenteils studentische Publikum schaut gebannt zur Bühne im Theaterhaus Rudi, eine der Ausweichbühnen, seitdem der bühne-Spielort im Weberbau auf der Teplitzer Straße saniert wird. Restlos ausverkauft. Irgendwo fanden sich noch Extrastühle, um auch die letzten Zuschauer platzieren zu können.

Die Premiere im Juni des Artikulationsversuchs 05/10 „J&J“ der Studentinnen der TU Dresden Elise Schobeß und Berit Toepfer hätte nicht besser besucht sein können. Hinter dem Titel „J&J“ verbirgt sich ein Theaterkurzstück um Jorinde und Joringel. Ein modernes Märchen um ein Liebespaar, das nicht zueinander finden kann, weil verflixt nochmal immer etwas dazwischen kommt. Es könnte so einfach sein, wäre da nicht das Kopfchaos, die endlose Fragerei: Welche Welt ist eigentlich echt? Die verwandelte Jorinde (Shirin Dyanat) im Film oder die am Bühnenrand Singende. Mein Vöglein mit dem Ringlein rot singt/ Leide, Leide, Leide. Joringel (Lorenz Köhler) wacht einsam auf der Bühne. Kann er sich nicht einfach mal verlieben?

Realität und Wirklichkeit verschwimmen mehr und mehr. Gewollt. Und gekonnt. Ein A-Versuch, der tosenden Applaus erhält und dennoch einige kopflos in die Abendsonne entlässt. Es ist eben ein Versuch.

Die Idee dazu kam der „Produktionsgemeinschaft Schobeß/Toepfer“ in der Silvesternacht und wurde innerhalb von wenigen Wochen als Artikulationsversuch, kurz A-Versuch, der bühne aufbereitet. Die Experimentierplattform „A-Versuch“ entwickelte sich einst aus den szenischen Lesungen der bühne heraus und bietet Studenten aller Fachrichtungen die Möglichkeit, einen dramatischen Text zu bearbeiten, bei dem auch auf Kostüme und Bühnenbild zurückgegriffen werden kann, was für pure szenische Lesungen eher unüblich ist. Es kann gelesen und gespielt werden – den Möglichkeiten sind keine Grenzen gesetzt.

Regisseurin Berit Toepfer: „Schritt für Schritt trugen wir anfangs Ideen zusammen und überlegten uns die Konzeption der Szenen.“ Zwar gab Carola Unser, die künstlerische Leiterin der bühne, den zwei Studentinnen wichtige Impulse und dramaturgischen Rat, aber letztendlich wuchsen die sechs Szenen nach eigenen Vorstellungen. „Wir wollten eine Symbiose aus Theater und Musik schaffen, die die Musiker in das Stück schauspielerisch integriert“, erzählt Schobeß.

Unter Einsatz von Klavier, Horn, Zither, Djembe und einem Elektropult gelang den beiden ein musikalisches Experiment, das den Zuschauer sofort in seine Märchenwelt absorbiert. Experiment geglückt. Das Publikum darf sich noch zweimal vom Stück überzeugen, dann kommt schon ein neuer A-Versuch aus der Ideenmaschinerie bühne.

Übrigens: Ulrich Schwarz, wunderlicher und monierender Erzähler im Stück, heute Künstlerischer Leiter der Theatergruppe Spielbrett, war von 1975 bis 1983 Künstlerischer Leiter der bühne. Urgestein-Bonus!

Theaterhaus Rudi: Montag (5.7.), 22 Uhr und Mitwoch (7.7.), 20 Uhr

Netzinfos: www.die-buehne.net

Zum Foto: Die Studentinnen Berit Toepfer und Elise Schobeß artikulieren erfolgreich ihren silvestralen Geistesblitz im Dresdner Theaterhaus Rudi. Das eigene Quartier der TU-bühne im Victor-Klemperer-Saal im Gebäude am Weberplatz ist derzeit eingerüstet.
Foto: Amac Garbe