So sah die BRN 2010 aus
Von Susanne Magister
Hannes Holtermann, einer der subversiv Aktiven auf der Bunten Republik Neustadt, die vom 18. Bis 20. Juni das Stadtviertel in ein buntes und lautes Fest verwandelte (ad rem berichtete), hat mit seinem „Gehwagen“ einiges Kurioses, viel Zuspruch und vor allem eine überraschend verständnisvolle Polizei erlebt.
Jeder, der in dem „Gehwagen“ mitlaufen wollte, hatte zunächst einen Schein auszufüllen, da nach der Straßengehordnung jeder Geher im Besitz eines offiziellen Gehscheines sein muss. Dann ging es mit wechselnder, aber stets gut gefüllter Besetzung in dem Holzgestell auf mindestens zehn und bis zu 16 Beinen los durch das Gedränge der Neustadt.
Hannes Holtermann erzählt von seinen Erlebnissen: „Gleich auf dem Weg zur Talstraße, auf dem
Prießnitzgrund, wurden wird von zwei Polizistinnen angehalten. Sie waren total begeistert von unserer Idee und wir haben uns darüber unterhalten. Als ein Autofahrer seine Unmut über unseren Wagen oder seine Wartezeit hinter uns (wir waren ja recht breit) Luft machte, sagte die Polizisten nur trocken: „Der kann warten!“
Überraschenderweise kann er bilanzieren: „Wir sind meist schneller über die BRN gekommen als ein normaler Fußgänger.“ Nach einem ‚Gehschaden‘ aufgrund eines gelösten Anschnallgurtes, der schnell behoben werden konnte, ging es weiter, wobei wieder eine der vielen Polizeisperren an den Zufahrtsstraßen der Äußeren Neustadt eine weitere Anekdote einbrachte: „Als wir in die Görlitzer Str. eingingen, wurden wir von der Polizei darauf hingewiesen, das Autos hier verboten seien. Zum Glück waren wir nur ein „Gehwagen“, das ließen die Beamten durchgehen, aber sie wiesen uns mit einem Lächeln darauf hin, dass unser TÜV abgelaufen sei und wir Übergewicht hatten.“
Weitere Hindernisse konnten leicht überwunden werden: „Einige Mitmenschen lagen direkt in unserem Weg. Die haben wir einfach übergangen – da Gelände gängig. Falls es mal eng wurde habe ich die Megaphon-Sirene genutzt, da war schnell wieder Platz.“
Getreu ihres Mottos „Gemeinsam gehen statt einsam fahren!“ machten die Geher so mit viel Humor auf Dresdner Misstände für Fußgänger und Fahrradfahrer aufmerksam. Für das kommende Jahr überlegen sie, die Mitgehgemeinschaft weiter zu vergrößern und Routen über die BRN anzubieten.
Soviel zu der „Gehwagen“-Geschichte.
BRN-Rückblick in Kürze:
Das bunte Treiben zwischen Talstraße und Lutherplatz ließ besonders tagsüber ein wunderbares Flair und gute Laune aufkommen. Engagierte Studenten, quirlige Kinder und entspannte Eltern prägten hier das Bild zwischen Ständen voller Kitsch und Krempel, Spielspaß, Selbstgemachtem, Kritischem und Kulinarischem. Das offene Zirkuszelt auf der Talstraße bot abwechslungsreiches Programm (nicht nur) für Kinder.
Abends wurde es überall lauter, vor allem betrunkener. Jeder vernünftige Mensch mied das „Permudadreieck“ Alaun-, Louisen-, Görlitzerstraße – es sei denn, er wollte sich fremdschämen angesichts volltrunkener Proleten aus fernen Stadtteilen und schlimmsten Fanfarentechnos. Ebenfalls überfüllt, aber liebevoll gestaltet und bespielt von hausgemachter Musik war der „Lustgarten“, den man durch die Kneipe „Stilbruch“ erreichen konnte.
Fazit: Wer wusste, was er meiden und was er keinesfalls verpassen sollte, erlebte eine BRN voller entspannter Momente. Doch wehe dem, der an Blasenschwäche litt. Klos waren Mangelware – zum Leidwesen der Anwohner und deren Vorgärten.
Fotos: Susanne Magister/Lore Gerstenberger






















23. Oktober 2011 at 19:17
Würde ich teils anders sehen, aber ok – muss ja nicht immer richtig liegen
War auf jeden Fall n cooler Gedanke.
5. Juli 2010 at 01:51
cool einfach nur coll
28. Juni 2010 at 14:38
servus.
als angereister Gast zur BRN hatte ich das vergnügen und durfte als copilot neben hannes mitgehen.
Was ihr da alle auf die Beine gestellt habt,alle Achtung.
Bin mal gespannt,was das nächste Jahr „geht“
Liebe Grüße aus stuttgart
24. Juni 2010 at 20:55
GUT GEMACHT HANNES HO. und MITGEHER:
besonders gut fand ich den Polizisten-Hinweis nach Übergewicht / Überladung .
DAS SIND HALT DIE VIELEN MITESSER IM TROSS !
Gruß Karl