Die Bunte Republik Neustadt, kurz BRN, feiert Zwanzigjähriges
Von Susanne Magister
„Betrunken Reicht Nicht“ übersetzte eine Freundin einmal die vielsagenden Buchstaben für das Dresdner Fest, das die Bewohner eines Viertels drei Tage lang nicht zur Ruhe kommen lässt.
Das scheint in den letzten Jahren zum Haupt- wenn nicht gar zum einzigen Motto der BRN geworden zu sein. Könnte man angesichts der Besucherströme, die sich jährlich zwischen Alaun-, Louisen- und Görlitzer Straße durch Bier- und Fressstände kämpfen, meinen. Jene Partykruste ist wohl auch nicht mehr wegzubekommen, auch wenn die Kulturverantwortlichen einiger Neustadthäuser radikale Vorschläge ins Land schickten, die sogar die gänzliche Auflösung des Festes nicht ausschlossen.
Wer sich einmal die Geschichte der Neustadt-Republik und ihre Grundsätze à la „Das Ideal, die Zahl der Regierenden sei gleich der Zahl der Bürger, wird ernsthaft angestrebt“ anschaut, findet davon auf den ersten Blick tatsächlich denkbar wenig in der heutigen, kommerzialisierten Form.
Doch zum Glück gibt es einige Unbeugsame. Die trifft man vor allem tagsüber. Zum Beispiel in der kreativ-bunten Spielzone in der Talstraße. Oder am Samstag ab 10 Uhr beim Kuppturnier für Jedermann im Alaunpark. Auch der Martin-Luther-Platz verspricht wieder allerlei netten Schnickschnack, und auf der gleichnamigen Straße gibt’s wieder sonntägliches Straßenpicknick. Von der Unbeirrbarkeit der Neustadtbewohner der letzten zwanzig Jahre zeugt das zum Jubiläum eröffnende BRN-Museum auf der Prießnitzstraße.
Kein fester Ort lässt sich für ein Grüppchen Unbeirrbarer benennen, die die Idee der BRN mit einem „Gehwagen“ in die Köpfe der Menschen tragen wollen und dabei gleichzeitig Kritik üben. Initiator ist der 25-jährige Geografiestudent Hannes Holtermann. Ursprünglich wollte dieser einen festen Stand vor seiner Wohnung in der Neustadt anmelden. Dies sei in den letzten Jahren komplizierter, die Fristen strenger geworden, klagt er an. Um die zunehmende Kommerzialisierung des Festes anzuprangern und gleichzeitig auf Dresdner Probleme, wie mangelhafte Fahrradwege und alles zuparkende Autos hinzuweisen, basteln er und seine Mitstreiter einen seifenkistenähnlichen „Holzgehwagen“ von der Größe einer Limousine. Mit diesem wollen sie sich durch die Massen kämpfen und zur Diskussion anregen.
Holtermann fasst schließlich zusammen, was allen Engagierten gemeinsam sein dürfte: „Ich bin ein Gegner vom Schlechtreden. Wenn man etwas verändern will, muss man auch was anpacken.“ Und dazu hat die BRN noch viel Potential.
Netzinfos: www.dieneustadt.de sowie www.neustadt-ticker.de
Zum Foto: Geographiestudent Hannes Holtermann mit einem seiner ersten gesammelten „Fahrzeugteile“.
Foto: Amac Garbe