Die Fußball-WM kann einpacken: In Kirschau wird jetzt Dreifelderfußball gespielt

Von Antje Meier

Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 zeigte sich Deutschland seinen Gästen weltoffen. Für mehr Toleranz soll auch „Trikick“ sorgen.

Bereits vor vier Wochen belebte das „GrenzArt-Festival“ („ad rem“ berichtete) Kirschau und holt nun am Samstag (19.6., 14 Uhr auf dem Sportplatz) erneut zu einem künstlerischen Innovationsschlag aus. Mit einem außergewöhnlichen Sportereignis, das durch die Euro-Neiße-Region gefördert wird, könnte die künftige Fußballwelt auf den Kopf gestellt werden. Denn im Gegensatz zum normalen Fußballspiel stehen sich beim Trikick drei Mannschaften gleichzeitig auf dem Spielfeld gegenüber. Es gibt also drei Mannschaften, drei Tore, aber trotzdem nur einen Ball.

Der Leipziger Künstler Sandro Porcu, der nun nach Kirschau zieht, hatte die Idee und ließ sie sich jetzt sogar patentieren: „Trikick hat das Potential, wirklich etwas Eigenständiges zu werden, und vielleicht wird sogar eine Sportart daraus.“ Dabei ist Porcu eigentlich gar kein großer Fußballfan, wie er lachend zugibt. Ihm ginge
es vielmehr um den symbolischen Charakter hinter diesem Sport: „Fußball verbindet“ und dies sei im Dreiländereck dringend notwendig. Denn in Gesprächen stellte er fest, dass die Menschen in der Grenzregion ein negatives Bild von den tschechischen und polnischen Nachbarn haben. „Ich komme ursprünglich aus Italien, und wenn ich mir da das Dreiländereck in Südtirol anschaue: In dieser Grenzregion werden drei  Sprachen gesprochen und es herrscht ein reges Miteinander. Hier im Dreiländereck gibt es das nicht. Es wirkt hier fast wie in einem Dornröschenschlaf.“

Aus diesem Schlaf hofft Porcu die Menschen aufzuwecken, wenn deutsche, polnische und tschechische Auswahlmannschaften im Trikick-Turnier gegeneinander antreten. „Ich möchte völkerverbindend arbeiten
und das Miteinander, das ,Wir‘-Gefühl fördern. ,Wir‘ hat auch drei Buchstaben und darum geht es eigentlich.“ Größte Hürde sind dabei bislang die Regeln, die bis zum Samstag noch auf der Homepage zur  Diskussion gestellt sind. Wahrscheinlich entfallen Abseitsregel und Eckbälle. Fliegende Auswechslungen sind geplant und gespielt wird dreimal 30 Minuten mit jeweils sieben Spielern pro Mannschaft „Es wird ein sehr schnelles Spiel sein, und wichtig ist, dass sich die Mannschaften nicht verbünden“, deshalb sei die Punktezählung auch noch nicht ganz klar, meint Porcu. „Aber ich sehe das ganz locker. Das ist ein Pilotprojekt und soll vor allem Spaß machen.“

Netzinfos: www.trikick.net

Zur Kari: Wer die Wahl hat: Tor 1, Tor 2, oder doch lieber der Umschlag?
Kari: Norbert Scholz

TRIKICKFAKTEN.

  • Programm: Gespielt wird am Sonnabend (19. Juni) auf dem Sportplatz in Kirschau. Es gibt zwei Spiele: Ab 14.30 Uhr und ab 16.30 Uhr stehen sich jeweils Mannschaften aus Deutschland, Tschechien und Polen gegenüber. 20.30 Uhr wird das WM-Spiel zwischen Kamerun und Dänemark übertragen. Außerdem tritt die Liveband YELLOW CAP aus Görlitz auf. Eintritt ist ganztags frei.
  • Komfort: Es stehen 700 Sitzplätze auf der Tribüne zur Verfügung. Ansonsten gilt Decken mitbringen oder Stehen. Für Versorgung ist vor Ort gegen einen kleinen Obolus gesorgt, darf aber auch mitgebracht werden.
  • Schlechtwetter: Der Sonnengott wird angebetet, doch auch bei Regen wird ausgeharrt und trotzdem gespielt.
  • Zukunft: Trikick soll über den 19. Juni hinaus fortgeführt werden. Ab September entsteht ein eigener Fußballplatz dafür in Kirschau.