Studium, Schmuckatelier, Uhr- und Goldmacherei unter einem Hut
Von Jana Schäfer
Susanne Giering ist mehr als nur Studentin: Sie ist eine berufstätige Mutter, die sich durch viele Hindernisse kämpfen muss.
Bevor Susanne Giering ihren Weg an die Uni fand, arbeitete die ausgebildete Uhrmacherin und Goldschmiedin in einem Schmuck-Atelier, welches sie nun halbtags mit einer Freundin betreibt. Für ihr Studium in Kunst und Deutsch für Grundschullehramt an der TU Dresden musste die 33-Jährige eine Zulassungsprüfung bestehen. „Ein aufkommendes Interesse an Bildung“, so erklärt Giering ihren Studienwunsch.
Familie, Studium, Halbtagsjob – Bedenken angesichts der großen Herausforderung gab es kaum. Ihr Motto lautet: „Wie weit komme ich überhaupt?“ Diese Zuversicht entspringt der beruflichen Absicherung sowie der
Unterstützung von Partner und Freunden, welche sich ebenso um die 7-jährige Lucy und die 12-jährige Lena kümmern. An Tagen, wo Susanne Gierings Töchter sie mehr brauchen, tritt die Uni kürzer. „Mir ist nie jemand komisch gekommen“, weist Giering auf verständnisvolle Dozenten hin. Blaupausen bedeuten, mehr Lernstoff aufzuholen. „Viel zu mühselig!“ findet Giering. Ein strukturierter Semesterablauf hilft im Alltag: frühzeitige Planung der Referatstermine, kaum Werkstattarbeit in der Prüfungszeit, der Lernstoff wird in Freistunden und im Atelier bearbeitet.
Auch wenn ihr Alltag Disziplin erfordert, eine überstrenge Perfektionistin ist Giering nicht: „Die Hausarbeit wird am letzten Tag abgegeben, wie bei jedem anderen Studenten auch.“ Ihre geerdete Persönlichkeit umgibt ein Schutzpanzer der Gelassenheit angesichts chaotischer Zustände. Wo eine junge Mutter Struktur in ihrem Alltag bekommt, scheint die Uni dazu imstande zu sein. Da gibt es Planungsschwierigkeiten zu jedem Semesterbeginn.
Neben der Bachelorarbeit setzt sich Giering für die Einführung des Grundschulmasters (siehe „ad rem“ 6.2010) in Dresden ein, um nicht nach Leipzig pendeln zu müssen: „Ich denke, man kann noch etwas erreichen, wenn man nicht aufgibt!“
Zum Foto: Susanne Giering an der Werkbank in ihrem Atelier.
Foto: Amac Garbe