Hinter den Kulissen: Über Pfingsten simulierten über 80 Studenten erstmals die Arbeit der Vereinten Nationen im Sächsischen Landtag
Vom 21. bis zum 25. Mai fand das erste „Model United Nations“ in Dresden statt. „ad rem“ war für Euch einen Tag dabei.
Im Eingangsbereich des Sächsischen Landtages stehen junge Studenten in Anzug und Kostüm und unterhalten sich auf Englisch. Sie wirken gut vorbereitet, haben Mappe oder Aktenkoffer in der Hand. Ein junger Mann kommt und sagt, dass das „Human rights Council“ jetzt starten kann. Einige Studenten stehen auf und folgen ihm in den langen Flur. Wenige Minuten später taucht der Mann wieder auf. „The Security Council is ready to start now“.
Was hier beginnt, sind die Gremien bei elbMUN 2010, einer Simulation der Arbeit der
Vereinten Nationen. Über 80 Studenten aus 15 verschiedenen Nationen vertreten in Gremiensitzungen Länder, die in den seltensten Fällen ihre eigenen sind, und diskutieren dort aktuelle Themen wie HIV/AIDS und die Abrüstung von atomaren Waffen.
Auch das dritte Gremium, das „Economic and Social Council“, beginnt. Es findet im Plenarsaal statt. Die Sonne scheint, der Blick auf die Elbe ist fast ungetrübt. Die zwei Studenten, die die Sitzungen leiten, die „Chairs“, nehmen Platz und überprüfen die Anwesenheit der Delegierten und weisen noch einmal auf die Kleiderordnung hin. Danach tragen die Länder ihre Anliegen vor, stellen Anträge und unterbrechen die Sitzung für informelle Sitzungen.
Die Studenten bilden Allianzen, finden heraus, wer sich gegenseitig unterstützen könnte.
Es ist alles noch sehr formell, alles sehr steif. „Das legt sich mit der Zeit“, erzählt Björn Grözinger, der im 6. Semester Internationale Beziehungen in Dresden studiert und elbMUN mitorganisiert hat. „Am letzten Tag wird alles viel lockerer sein und die Leute sind nicht mehr so schüchtern.“
Die Idee, ein „MUN“ auch in Dresden zu veranstalten, hatten er und die Hochschulgruppe „elb-MUN“ schon länger. „MUNs“, also Model United Nations, werden weltweit veranstaltet, und so waren viele Teilnehmer schon einmal dabei. Für die Neulinge und diejenigen, die nicht Politik studieren, gab es zuvor Workshops, um in den komplizierten Ablauf der Sitzungen einzuführen. Denn alles soll so sein, wie es wirklich bei der UN ist. Es sind dieselben Länder vertreten, es wird auf die korrekte Durchführung geachtet. Auch Denise Marie Orosco, ursprünglich aus El Salvador, hat schon häufiger an „MUNs“ teilgenommen
und ist diesmal als „Chair“ dabei. „Es ist eine tolle Gelegenheit für junge Leute, andere Standpunkte kennenzulernen und sich mit weltweit relevanten Themen auseinanderzusetzen“, sagt die Studentin, die in Hamburg gerade ihre Diplomarbeit in Immunologie schreibt.
Laut Mitorganisator Björn Grözinger liegt der Sinn vor allem darin, die Arbeitsweise der Vereinten Nationen auf praktische Weise kennenzulernen und sich in die Lage anderer Länder hineinzuversetzen.
Netzinfos: www.elbmun.org
Zu den Fotos:
Foto 1: Erstmals tagen Japan, Italien und Co im Sächsischen Landtag.
Foto 2: Die Länder verhandeln.
Foto 3: Denise Marie Orosco leitet die Sitzungen.
Foto 4: Björn Grözinger plädiert für praktische Erfahrungen.
Fotos: Amac Garbe
