Aus dem Katalog ins Regal: So gelangt ein Buch in Sachsens Landes-, Staats- und Universitätsbibliothek in Dresden

Von Janine Kallenbach

Bevor die Nutzer in Büchern schmökern können, legen diese einen weiten Weg in den Bibliothekshallen zurück. „ad rem“ hat ein Buch auf dem Weg ins Regal begleitet.

Flinke Finger verwandelten eine Idee in zahllosen Stunden in das, was es heute ist: ein formvollendetes Buch. Mit einer stolzen Größe von 21 cm und 358 Seiten schimmert es in blau und rot den Leser an. Zu finden ist das gute Stück in der Ebene 0 der Sächsischen Landes-, Staats- und Universitätsbibliothek (SLUB) in Dresden. Sein Titel: „Public Relations in Deutschland“. Doch bis es dorthin gelangt ist, musste es eine beachtliche Wanderung auf sich nehmen, denn die Wege sind weit und die Stufen zahlreich.

Wie in jedem anderen Verwaltungsgebäude auch, reiht sich in der SLUB, für die Nutzer unsichtbar, ein Büro an das andere. Nur das Fördersystem für Bücher verrät, dass es sich hier um eine Bibliothek handelt.

Die Reise des Wälzers beginnt in der zweiten Etage im Büro von Simone Georgi. Sie ist eine von fünfzehn Fachreferenten. Georgi trifft die intellektuelle Auswahl. Sie durchforstet diverse Datenbanken nach dem richtigen Lesestoff. Neben dem Budget muss sie vor allem darauf achten, dass ein allgemeiner Grundstock aus- und aufgebaut wird sowie Wünsche von Lesern und Fakultäten eingearbeitet werden. „Ideal ist es natürlich, wenn das Buch schon im Regal steht, bevor der Nutzer den Wunsch äußerst“, sagt Buchkennerin Georgi. „Es ist die Kunst des Fachreferenten zu entscheiden, was heute gebraucht wird, und was in 50 Jahren.“

Endlose Treppen

Hat sich Simone Georgi für ein Buch entschieden, geht es Stufe für Stufe hinunter ins Großraumbüro zu Brit Naumann und ihrer Auszubildenden Kristina Büttner zur eigentlichen Bestellung des ausgewählten Buches.

Dafür überprüft Naumann im Südwestdeutschen Bibliotheksverbunds (SWB), ob der zu bestellende Titel bereits existiert. Sie legt einen neuen Lokalsatz an, was nichts anderes bedeutet, als dass eine Bestellung ausgelöst wird. Sie benennt den Medientyp „Buch“, und eh man sich versieht, kann jeder im digitalen Katalog der SLUB – den Nutzern als Web-Opac vertraut – sehen, dass das Buch mit dem Titel „Public Relations“ eingekauft wurde. Für die Statistik wird festgehalten, dass es sich um ein neues Buch handelt, da es nach 2006 erschienen ist. Alle anderen Medien vor diesem Jahr gelten im Bibliotheksjargon bereits als antiquarisch.

Ist das Buch bestellt, ist langes Warten angesagt. Denn bis die Büchersendung in der SLUB eingeht, können bis zu fünfzehn Tage vergehen.

Vorbei an der Lieferzufahrt gelangt man ins Büro zu Anita Thieme. Sie steht mit über 9 000 Lieferanten in Kontakt, die Kataloge der zehn wichtigsten haben es in einen Fächerturm auf ihren Schreibtisch geschafft.

Jedes Paket wird hier von Anita Thieme geöffnet und genaustens kontrolliert. Stimmt die Rechnung, sind die Medien gesichert? Wenn alles in Ordnung ist, schickt Thieme diese in die nächste Abteilung.

Dem Regal ganz nah

Das bedeutet wieder Treppen steigen. Wieder zurück zu Brit Naumann, die das Buch einst bestellt hatte. Sie vergibt einen fortlaufenden Barcode, der von nun an auf der Buchrückseite für eine schnelle Wiedererkennung des Buches durch die Scanner an der Ausleihtheke sorgt. Zusätzlich erhält jeder neu eingegangene Titel eine Inventarisierungsnummer. 2010 8 015869 ziert von nun an das Buch „Public Relations in Deutschland“. Hinter dem Code verbirgt sich die Geschichte seines Kaufs. Die ersten vier Ziffern zeigen das Jahr der Anschaffung an, die 8 steht für das Format und die letzten Zahlen verraten, dass dies das bereits 15 869. Buch ist, was in diesem Jahr eingekauft wurde.

Brit Naumann ist fertig und legt das Buch in das Fach des betreffenden Fachreferenten.

Der Aufstieg geht weiter. Zurück zu Fachreferentin Simone Georgi. Per Systematik legt sie die Sachgruppe „AP“ fest. Das Kürzel steht für Medien- und Kommunikationswissenschaft. Um das Buch thematisch einzuordnen, erhält es die Nummer 17420 für die Untergruppe Öffentlichkeitsarbeit, Corporate Identity und Sponsoring. Zuletzt noch S 999 für den Autor Peter Szyszka und P9 für die Unterscheidung zu anderen Titeln des gleichen Autors.

Zwei statt zehn

Noch einmal Stufen steigen, dann ist es geschafft. Sabine Heiden übernimmt den letzten Feinschliff und die abschließende Kontrolle. Sie liest den Barcode ein und setzt die Vorgaben des Fachreferenten um. Das Buch erhält den Status „N“. Das heißt, es darf künftig auch ausgeliehen werden. Etwa 80 Prozent aller Bücher sind ausleihbar. Die anderen sind Präsenz, die entweder für die Fernleihe („P1“) vorgesehen sind oder nicht („P2“). Fix das gelbe Signaturschild ausgedruckt und schon liegt das Buch zum Einsortieren ins Regal bereit.

Während dieser Vorgang normalerweise bis zu zehn Tage dauern kann, hat es Peter Szyszkas „Public Relations in Deutschland“ dank „ad rem“ in zwei Stunden plus der üblichen Lieferzeit geschafft.

Zu den Fotos:

Foto 1: Anita Thieme öffnet jedes Paket selbst und überprüft, ob die Bestellungen korrekt geliefert worden sind.
Foto 2: Mit Inventarisierungsnummer, Standortnummer und Barcode versehen, wandert das neue Buch an seinen künftigen Regalstandort. Sabine Heiden sortiert es selbst ein.
Fotos: Amac Garbe