Vom 22. bis 24. Mai werden in Kirschau Grenzen überschritten
Von Antje Meier
Das „grenzArt“-Festival erteilt den sächsischen Metropolen eine Absage und zieht mit über 40 internationalen Künstlergruppen in den ländlichen Raum.
Am Pfingstwochenende soll Kirschau erwachen. „Ich bin schon sehr gespannt, so viele Performer hier vor Ort zu haben. Das ist auch für Kirschau und das Oberland eine tolle Möglichkeit, auf sich aufmerksam zu machen“, sagt Stephanie Werth, Pressesprecherin von „obArt“, im Vorfeld des „grenzArt“-Festivals, das von Sonnabend (22.5.) bis Montag (24.5.) in Kirschau die Geister wecken soll.
Für alle, die Kirschau nicht kennen, hier ein paar kurze Fakten. Die Gemeinde Kirschau hat etwa 2 400 Einwohner und liegt nahe dem Dreiländereck Deutschland-Polen-Tschechien, etwa 60 Kilometer von Dresden und zehn Kilometer von Bautzen entfernt. In den 1920er-Jahren erlebte die Textilbranche hier ihre Blüte und beschäftigte bis zu 3 000 Menschen. Heute zeugen viele leer stehende Fabrikanlagen von diesen goldenen Zeiten und verlangen nun nach neuen Nutzungsmodellen.
Mit dem „grenzArt“-Festival ist ein solches Konzept gefunden. Denn das Werk IV, in dem bis vor sechs Jahren noch Grobgarn hergestellt wurde, soll Hauptveranstaltungsort des Performancefestivals werden, zu dem Künstler aus Deutschland, Tschechien, Polen, aber auch aus Kanada, Indonesien, Taiwan und Großbritannien kommen. „Das Werk IV hat eine ausgezeichnete Lage und tolle Architektur, um ein solches Festival dort zu veranstalten“, sagt Pressesprecherin Werth. Auf drei Etagen seien die Fabrikräume leergeräumt und teilweise mit Stoffen abgehangen worden. Um den Charme des Gebäudes zu erhalten, soll von der Einrichtung so viel wie möglich für das Festival verwendet werden. Große Garnrollen werden so zum Beispiel zu Sitzplätzen umfunktioniert.
Initiator von „grenzArt“ ist Mike Salomon, der schon das erfolgreiche Projekt „Ostrale“ in Dresden kreierte, bei dem jährlich zeitgenössische Kunst aus allen Ländern zu sehen ist. Mit dem neuen Projekt „grenzArt“ möchte Salomon mittels Video-, Licht-, Aktions- oder auch Bewegungsperformances räumliche, mediale und künstlerische Grenzen aufsprengen. Im Dezember 2008 besuchte er erstmals Kirschau. Daraufhin entwarf er ein Konzept für ein Kunstlabel im ländlichen Raum. Im März 2009 wurde der Verein „Kunstinitiative Kirschau“ gegründet, der ab sofort der Träger des Labels „obArt“ wurde, das nun das „grenzArt“-Festival sowie „obPhon“ (1. bis 11. Juli) im Sommer veranstaltet.
Netzinfos: www.obart.eu
Zum Foto: Grenzöffnung: Stephanie Werth ist gespannt, wie das „grenzArt“-Festival angenommen wird.
Foto: Antje Meier
GRENZFAKTEN.
- Anfahrt: Kirschau ist am besten mit dem Auto zu erreichen. Von Dresden direkt über die B6 oder die A4 bis Abfahrt Burkau und dann weiter auf der B6. Von Görlitz aus ist die A4 bis Bautzen, weiter auf der B96 bis Großpostwitz und dann auf der S116 bis Kirschau die beste Strecke. Zittauer sollten ebenfalls die B96 und S116 fahren.
- Programm: Vom 22. bis 24. Mai startet das Festival täglich ab 14 Uhr. Am Sonnabend und Sonntag gibt’s Tanz (21 Uhr) in der „grenzDiele“. Montag dürfen Künstler und Publikum zur „grenzAuflösung“ (18 Uhr) den Abend musikalisch selbst gestalten.
- Künstler: Bekannte Künstler wie Jürgen Fritz, Alastair MacLennan, Myriam Laplante oder Tomáš Ruller werden das Festival besuchen und Teile ihre Performances erst vor Ort entwickeln.
- Austritt: Statt eines Eintritts wird es einen Austritt geben, dessen Höhe von jedem selbst bestimmt wird.