BAföG-Ärger: Masterstudenten bekommen trotz Immatrikulationsbescheinigung kein Geld

Von Louisa Pagel

Wer während seines Bachelorstudiums BAföG bekommen hat, sollte dies auch während seiner Masteraus-bildung erhalten. Aber bitte nur, wenn das Bachelor-Zeugnis dem BAföG-Amt bis Studienbeginn vorliegt. Für Studenten, die mit einem Masterstudium nahtlos an ihren Bachelor anknüpfen wollen, lauert hier die Falle. Denn es könnte ihnen ergehen wie beispielsweise Joachim Bartels. Der 24-Jährige zog sein Bachelorstudium der Politikwissenschaften vorbildlich in sechs Semestern durch. Glücklich nahm er dann seine Bescheinigung zur vorbehaltlichen Immatrikulation zum Master entgegen und beantragte im Oktober 2008 BAföG. Der Antrag wurde abgelehnt. Mit der Begründung, dass der Antrag nicht vollständig sei, das Bachelorzeugnis fehle noch.
Nach dieser Überraschung legte Joachim Bartels Widerspruch ein. „Aber ich habe trotzdem fünf Monate kein BAföG erhalten“, erklärt Bartels. Erst im März des darauffolgenden Jahres, im zweiten Semester seines Masterstudiums der Politik und Verfassung, kam zusammen mit dem Zeugnis auch die Unterstützung vom Staat. „Eine Nachzahlung für die fünf Monate gab es nicht“, beklagt Bartels.

Ähnlich ist der Fall von Christin Kühne. Die 23-jährige Slavistikstudentin reichte ihren BAföG-Antrag pünktlich im Herbst des vergangenen Jahres ein, erhielt jedoch erst in diesem Februar die erste Zahlung: „Weil mein Bachelorzeugnis noch fehlte, wurde mir das BAföG nicht genehmigt.“ Auch ihr wurde nachträglich kein Geld gezahlt.
Für Joachim Bartels ist vor allem der Überraschungseffekt das Problem: „Viele Leute fangen mit dem Master-studium an und wissen nicht, dass sie eventuell kein Geld bekommen werden.“ Die Krux liegt jedoch im Prüfungsdatum und nicht am späten Zeugnis an sich. Der Masterstudiengang ist erst dann förderungsfähig, wenn die letzte Prüfungsleistung des Bachelorstudiums erbracht ist und darüber eine Bescheinigung vorliegt. „Wenn diese letzte Prüfungsleistung die Bachelorarbeit ist und beispielsweise nach der Immatrikulation unter Vorbehalt in den Masterstudiengang erst fertig gestellt oder noch verteidigt werden muss, besteht kein Förderungsanspruch“, erklärt Irene Meister vom BAföG-Amt in Dresden.

Es ist also genau darauf zu achten, dass dem Amt anhand einer Bescheinigung das Prüfungsdatum und nicht bloß das Ausstellungsdatum des Zeugnisses erkenntlich ist. „Selbst wenn das Zeugnis erst einige Zeit nach Beginn des Masterstudiums nachgereicht wird, aber ersichtlich ist, dass diese Prüfung bereits zuvor erfolgreich abgelegt wurde, kann es eine Nachzahlung geben“, erklärt die BAföG-Beraterin. Für Joachim Bartels kommt dieser Ratschlag zu spät: „Ich musste mir zur Überbrückung der Zeit ohne Unterstützung das Geld für meine Miete leihen.“

Zur Kari: Wer sich als frisch immatrikulierter Masterstudent BAföG erhofft, muss kämpfen.
Karikatur: Norbert Scholz

BAföGFAKTEN.

  • Neubeschluss: Dieses Jahr gibt es mehr BAföG. Das hat die Bundesregierung jüngst beschlossen. Zum kommenden Wintersemester werden die Bedarfssätze um zwei Prozent und die Freibeträge um drei Prozent erhöht. Gleichzeitig wird auch die Zahl der zu vergebenden Stipendien im Stipendienprogramm für Studenten mit herausragenden Leistungen um acht Prozent erhöht. Jedem Stipendiaten werden dann 300 Euro im Monat ausgezahlt. Das Geld hierzu wird zur Hälfte der Bund stellen, die andere Hälfte die Länder.
  • Kritik: Trotz der BAföG-Erhöhung hagelt es für Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) Kritik. So fordern unter anderem der Freie Zusammenschluss von StudentenInnenschaften und das Deutsche Studentenwerk (DSW) eine Breitenförderung und keine übermäßige Förderung von wenigen.
  • Sozialerhebung: Die Kritik fußt vor allem auf den Ergebnissen der 19. Sozialerhebung des DSW. Laut dieser werden immer weniger Studenten von ihren Eltern unterstützt und müssen selbst dazu verdienen. Außerdem müssen 26 Prozent der Studierenden mit weniger als dem BAföG-Höchstsatz von 648 Euro auskommen.
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