Studenten protestieren gegen alleinigen Lehrermaster in Leipzig

Von Jana Schäfer

Trotz Protest am vergangenen Mittwoch: Die Zukunft der Lehrerausbildung gestaltet das Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst (SMWK) auf seine Weise. Es lärmt vor dem Sächsischen Landtag: Claudia Müller, Studentin für Grundschullehramt Deutsch und Ethik, bläst in die Trillerpfeife. Mit ihren Mitstreitern ruft die 19-Jährige zum Protest gegen die alleinige Einführung der Masterausbildung in Leipzig (siehe „ad rem“ 4, 5 und 6.2010) auf. Die Studierenden für Grund- und Mittelschullehramt wollen auf eine schlechtere, zentralisierte Ausbildung und zeitaufwendiges Pendeln zu anderen Praktikumsorten verzichten.  Claudia Müller blickt um sich. „Noch mehr Studenten hätten heute für ihre Forderungen eintreten können“, sagt sie, „trotzdem ist die Stimmung gut“.

Auf Minusgrade sinkt die hitzige Stimmung erst, als Wissenschaftsministerin Sabine von Schorlemer (parteilos) spontan die Bühne betritt. Buhrufe branden auf. Die Ministerin spricht mit distanzierter Miene von Planungssicherheit für die kommenden zwei Jahre. Dafür sollen an der Uni Leipzig die nötigen Kapazitäten geschaffen werden. „Längerfristig ist eine Neustrukturierung der Lehramtsausbildung in den Bereichen geplant, wo erforderlich“, sagt Schorlemer. Einen Vorausblick auf nur zwei Jahre findet Müller zu wenig, die erst am Anfang ihres Studiums steht.

Unterrichtsausfälle drohen

Später am Nachmittag diskutiert der Sächsische Landtag die Anträge der Fraktionen Grüne und Linke, die sofortige Maßnahmen fordern und die Hochschulvereinbarung von 2003 hinterfragen. Der hochschulpolitische Sprecher der Grünenfraktion, Dr. Karl-Heinz Gerstenberg, warnt vor dem Generationswechsel an den Schulen im Jahr 2015. Wird die Zahl der Lehrer bis dahin nicht verdoppelt, drohen Unterrichtsausfälle und große Klassen. Von Schorlemer hält dagegen. Noch in diesem Jahr werde ein Konzept vorgelegt. „Wir sind auf gutem Weg, was die Lehrerausbildung in Sachsen anbelangt“, versichert sie. Die Anträge im Landtag werden abgelehnt. Wie viel Geld die Uni Leipzig vom Ministerium bewilligt bekommt, wird derzeit entschieden.

Prof. Dr. Wolfgang Fach, Prorektor für Lehre und Studium an der Uni Leipzig, erhält Post von Studenten aus Dresden, die befürchten, in Leipzig vom Regen in die Traufe zu kommen: „Das, denke ich, ist nicht der Fall. In mancher Hinsicht sind wir wohl besser organisiert.“ Weniger rosig klingt seine allgemeine Einschätzung: „Das Studium ist an beiden Standorten nicht so gut, wie es sein sollte.“ Den Protest findet er wichtig, nur die Frage, ob Hunderte in Leipzig oder Dresden studieren, sei hochschulpolitisch irrelevant. Trotz abgelehnter Anträge sind die Studenten sich einig: sie kämpfen weiter!

Zum Foto: Beherzt bläst die angehende Grundschullehrerin Claudia Müller in die Trillerpfeife, um ihren Unmut kundzutun.
Foto: Amac Garbe

Noch mehr Hintergründe zur Demo der Lehramtsstudenten vor dem Sächssichen Landtag hört Ihr hier auf der Homepage des Campusradio

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Editorial zur ad rem-Ausgabe 10.2010 vom 5. Mai

Von Matthias Schöne*

Wissbegierige Studenten dürfen sich freuen: Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) will verstärkt die Hochschuldidaktik fördern. Klingt eigentlich nicht schlecht. Aber Moment mal, sollte gute Bildung nicht viel eher in den Schulen ansetzen? Dass diese dem sächsischen Freistaat aber nicht allzu viel wert sein können, zeigen die massiven Kürzungen in der Ausbildung der Grundschullehrer. Munter wird ein komplettes Studium in Dresden gestrichen und alle Studenten werden in überfüllte Seminare in Leipzig gestopft.
Neben den fehlenden Kapazitäten – nur ein Drittel des erwarteten Bedarfs wird ausgebildet werden können – gibt es zwar auch dort weder Strukturen für neue Fächer wie Geographie noch ausreichende Praktikumsstellen in den umliegenden Schulen, aber solche Nichtigkeiten lassen die sächsische Wissenschaftsministerin Sabine von Schorlemer (parteilos) kalt. Zum Glück arbeitet sie Hand in Hand mit ihrem Kollegen, Kultusminister Roland Wöller (CDU), der nicht einmal so viele Referendare ausbilden lassen will, dass es ausreichen könnte, den drohenden Lehrermangel abzuwenden.

* promoviert im ersten Jahr in der Fachdidaktik Physik und ist seit Januar 2010 bei „ad rem“

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